[Spannung/Roman]Sommeralptraum 5 von X

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[Spannung/Roman]Sommeralptraum 5 von X

Beitragvon Samis » 15.10.2015, 20:28

[Spannung/Roman]Sommeralptraum 5 von X

Donnerstag, 27. Juli

Am nächsten Tag geschah etwas sehr Eigenartiges. Zunächst schien alles wie immer, bis zur ersten Pause war das einzig Ungewöhnliche, der leere Platz neben mir, da Natalie sich krankgemeldet hatte. Auf meinem Weg vom Klassenzimmer zum Pausenhof sollte sich das jedoch schlagartig ändern. Mitschüler, mit denen ich im Grunde nichts zu tun hatte, starrten mich unverfroren an. Sie blieben meinetwegen stehen oder drehten sich nach mir um. Sie tuschelten, wenn ich vorüberging, oder machten andere auf mich aufmerksam. Wirklich skurril wurde es jedoch erst, als Liam samt Gefolge schnurstracks auf mich zugesteuert kam. Er legte einen Arm um mich und zog mich beiseite. »Was war das gestern mit dir und McDance?«, wollte er wissen. »Wer hat ihn so zugerichtet und was hattest du da verloren?«
Liam hielt mich im Arm wie –, ja, wie man seine Freundin im Arm hält. Seine Fragen kamen präzise und scharf wie bei einem Verhör. Für Umstehende war die Botschaft sicher eindeutig. Liam nahm mich beiseite, wie man jemanden beiseite nimmt, den man ausquetschen will. Aber das stimmte nicht. Liams Körpersprache mochte unmissverständlich sein, aber er hielt mich nicht wirklich fest. Hätte ich gewollt, hätte ich mich jederzeit aus seiner Umarmung lösen können; was ich natürlich nicht tat. Auch seine Augen sprachen eine vollkommen andere Sprache. Sein Gesicht mochte sagen: Raus mit der Sprache, Mädchen! Aber seine Augen schienen noch immer besorgt. Genau wie schon gestern Abend.
Als er seinen Arm wieder von mir nahm und sie mich allein stehen ließen, wusste ich nicht einmal mehr, was genau ich geantwortet hatte. Irgendetwas von wegen zufällig und was geht dich das an. Von da an beschäftigte mich nur mehr eine einzige Frage. Warum hatte Liams Umarmung mein Herz nicht augenblicklich implodieren lassen? Ich meine, er hatte mich im Arm gehalten, regelrecht zärtlich! Ich war ihm so nahe gewesen, ich hatte seine Wärme spüren, seinen Duft einatmen können. Und dennoch ärgerte es mich mehr, was er sich herausgenommen hatte, als dass ich vor Glück dahingeschmolzen wäre. War es nicht genau das, was ich mir immer erträumt hatte? Was war geschehen? Was war mit mir los, dass ich nicht augenblicklich vor Glückseligkeit gestorben war? Die Frage beschäftigte mich den gesamten Vormittag über, fand jedoch erst am Nachmittag ihre Antwort.

Auf meinem Weg nach Hause machte ich den Umweg durch die Innestadt. Ich musste dringend mit Natalie sprechen und wollte ohnehin erfahren, was ihr fehlte.
Natalie fehlte überhaupt nichts, sie hatte einfach keinen Bock auf Schule. Nachdem ich ihr im Schnellverfahren von allem erzählt hatte, fragte sie lediglich: »Warum?«
»Na keine Ahnung. Ich mein, das ist es ja gerade, was ich dir zu erklären versuche. Ich kapier es ja selbst nicht, warum mich Liam plötzlich kalt lässt.«
»Nein nein, das meine ich nicht. Warum hat er dich überhaupt nach McDance gefragt?«
Oh, ich hatte ihr ja noch gar nichts von letzter Nacht erzählt.
Drei Minuten später starrte mich Natalie mit großen Augen an. »Du hast was?«
»Na ja, ich weiß auch nicht. Ich wollte ja gar nicht hin, aber –«
»Du bist verrückt geworden.«
»Und dann waren da plötzlich diese Jungs und ich musste mich ganz schnell verstecken.«
»Sie ist verrückt geworden.«
»Und dann kam Marc zu mir rüber und –«
»Wer?«
»Na Marc! Er kam zu mir rüber und hat mich angesehen. Nur angesehen. Und später kam er wieder und hat –« Da endlich kapierte ich es. Ich verstummte mitten im Satz und begriff, warum mir Liam plötzlich egal war.
»Ich verstehe nur Bahnhof!«, meinte Natalie und jetzt war ich es, die sie mit entgeistertem Blick anstarrte. Und dann begann ich breit zu lächeln.
»Sie ist verrückt geworden!«

Eine halbe Stunde später hatte ich Natalie alles der Reihe nach erzählt und alle ihre Fragen beantwortet.
»Wow!«, war alles, was ihr dann noch einfiel.
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Re: [Spannung/Roman]Sommeralptraum 5 von X

Beitragvon Fina_P » 16.10.2015, 15:33

Hallo Samis!

Beim Stöbern bin ich auf deine Geschichte gestoßen und habe mir alle Teile nacheinander ein bisschen angesehen. Also hat mich deine Geschichte zumindest so angesprochen, dass sie mich bis hierhin zum Lesen gebracht hat. Deshalb möchte ich hier ein paar Eindrücke dalassen, rein subjektiv.

Bisheriger Verlauf
Die Geschichte hat mein Interesse geweckt, weil sich Fragen stellen, Rätsel auftun. Was steckt hinter den jeweiligen Rollen, warum sind die Machtgefälle teilweise umgekehrt? Von der Spannung her hat die Geschichte ihren berechtigten Platz unter "Nervenaufreibendes", das Tempo war für mich in Ordnung. Es ist so viel passiert, dass ich weiterlesen wollte, aber nicht zu viel, als dass ich nichts verstanden hätte. Nun schaue ich im Folgenden auf den Text 5. Nach einem harten Erlebnis am Vortag gilt es nun, Licht ins Dunkel zu bringen und in den Alltag der Schule wieder einzutauchen. Wie nimmt mich der Text dahin mit?


Zunächst schien alles wie immer, bis zur ersten Pause war das einzig Ungewöhnliche, der leere Platz neben mir, da Natalie sich krankgemeldet hatte.

Hinter "Ungewöhnliche" würde ich das Komma wegnehmen, da "der leere Platz" unmittelbar noch zum Satz gehört und keine relative Ergänzung darstellt.


Mitschüler, mit denen ich im Grunde nichts zu tun hatte, starrten mich unverfroren an.

Hier bin ich genauso ratlos wie die Protagonistin, ich verstehe nicht, wieso auf einmal ab der Pause sie alle anstarren. Warum nicht schon vorher direkt in der Stunde? Oder haben alle brav geschwiegen und erst mit Beginn der Pause sich über die Geschehnisse ausgetauscht.


Liam hielt mich im Arm wie –, ja, wie man seine Freundin im Arm hält. Seine Fragen kamen präzise und scharf wie bei einem Verhör. Für Umstehende war die Botschaft sicher eindeutig. Liam nahm mich beiseite, wie man jemanden beiseite nimmt, den man ausquetschen will. Aber das stimmte nicht. Liams Körpersprache mochte unmissverständlich sein, aber er hielt mich nicht wirklich fest. Hätte ich gewollt, hätte ich mich jederzeit aus seiner Umarmung lösen können; was ich natürlich nicht tat. Auch seine Augen sprachen eine vollkommen andere Sprache. Sein Gesicht mochte sagen: Raus mit der Sprache, Mädchen! Aber seine Augen schienen noch immer besorgt. Genau wie schon gestern Abend.

So ganz blicke ich hier nicht durch, wie ist denn nun seine Körpersprache?
1. Er hält sie wie seine Freundin.
2. Er hält sie wie beim Verhör.
3. Seine Körpersprache deutet unmissverständlich auf ein Verhör.
4. Er hält sie doch nicht wie eine Verhörte fest.
5. Sein Gesicht sagt: Verhör.
6. Seine Augen sagen: Kein Verhör.

Vielleicht bin ich da zu unflexibel, aber ich kann mich beim Lesen nicht so recht auf ein Bild einstellen, weil es von Freundin zu Verhör wechselt und wieder zurück. Hilfreich wäre es für mich zuerst den allgemeinen Eindruck geschildert zu bekommen (also was die Außenstehenden sehen) und dann das, was sie selbst tatsächlich wahrnimmt (die sanftere Nuance). Zum Beispiel:

Seine Fragen kamen präzise und scharf wie bei einem Verhör. Für Umstehende war die Botschaft sicher eindeutig. Liam nahm mich beiseite, wie man jemanden beiseite nimmt, den man ausquetschen will. Sein Gesicht sagte: Raus mit der Sprache, Mädchen! Aber das stimmte nicht. Liams Körpersprache mochte unmissverständlich sein, aber er hielt mich nicht wirklich fest. Hätte ich gewollt, hätte ich mich jederzeit aus seiner Umarmung lösen können; was ich natürlich nicht tat. Liam hielt mich im Arm wie –, ja, wie man seine Freundin im Arm hält. Auch seine Augen sprachen eine vollkommen andere Sprache. Aber seine Augen schienen noch immer besorgt. Genau wie schon gestern Abend.
So ist es für mich leichter zum Nachvollziehen, ich bekomme einen ersten Eindruck und dann im zweiten Teil einen präziseren.


Von da an beschäftigte mich nur mehr eine einzige Frage. Warum hatte Liams Umarmung mein Herz nicht augenblicklich implodieren lassen? Ich meine, er hatte mich im Arm gehalten, regelrecht zärtlich! Ich war ihm so nahe gewesen, ich hatte seine Wärme spüren, seinen Duft einatmen können. Und dennoch ärgerte es mich mehr, was er sich herausgenommen hatte, als dass ich vor Glück dahingeschmolzen wäre.

Das sehe ich beim Lesen nicht kommen. Als er sie im Arm hält - siehe oben - merke ich nur etwas von Liams zwiespältigem Verhalten. Was ihr selbst durch den Kopf geht, weiß ich nicht. Nur im Nachhinein erzählt mir der Text, dass sie nichts fühlt. Ich würde mir wünschen, dass ich mehr mitgenommen werde und ihre ausbleibenden Gefühle miterlebe, möchte spüren, wie sie sich ärgert, denn erst dann wird es für mich lebendig. Erzählen kann man hinterher vieles, aber bloßes Erzähltes lässt mich mit der Protagonistin nicht mitfühlen.
Also zum Beispiel etwas mehr wie:

Liam hielt mich im Arm wie –, ja, wie man seine Freundin im Arm hält. Auch seine Augen sprachen eine vollkommen andere Sprache. Aber seine Augen schienen noch immer besorgt. Genau wie schon gestern Abend, ganz nahe kam er an mein Gesicht heran. Ich schüttelte seinen Arm ab und trat einen Schritt zurück. In diesem Augenblick erinnerte er mich mehr an einen lästigen Reporter als an einen besorgten Freund, wie ich ihn mir schon immer gewünscht hatte.
Das ist natürlich auch keine perfekte Lösung, aber vielleicht verstehst du ja, worauf ich hinauswill?


»Und dann kam Marc zu mir rüber und –«
»Wer?«
»Na Marc! Er kam zu mir rüber und hat mich angesehen. Nur angesehen. Und später kam er wieder und hat –« Da endlich kapierte ich es. Ich verstummte mitten im Satz und begriff, warum mir Liam plötzlich egal war.


Diese Stelle gefällt mir am besten, da ich hier gleichzeitig mit der Protagonistin eine Erkenntnis habe, ich verstehe, was in ihr vorgeht und bekomme es nicht nur erzählt. Und hier tritt auch eine Spannung auf, die mich den Text schneller weiterlesen lässt, denn ein Konflikt wird sichtbar. Das erzeugt in mir mehr Interesse als vorgreifende Sätze wie du sie vorher viel verwendest
(
Am nächsten Tag geschah etwas sehr Eigenartiges. (...) Die Frage beschäftigte mich den gesamten Vormittag über, fand jedoch erst am Nachmittag ihre Antwort.
).


»Ich verstehe nur Bahnhof!«, meinte Natalie und jetzt war ich es, die sie mit entgeistertem Blick anstarrte.

An dieser Stelle stockte mein Lesefluss kurz. Durch das "und jetzt" scheint es, als ob ihr entgeisterter Blick eine Folge auf Natalies Äußerung ist. Und es erschließt sich mir nicht, wieso man auf "Ich verstehe nur Bahnhof" mit einem entgeisterten Blick antworten sollte. Es sei denn, du meinst hier Gleichzeitigkeit. Dann wäre es etwas in der Richtung von

»Ich verstehe nur Bahnhof!«, meinte Natalie während ich sie mit entgeistertem Blick anstarrte.


Insgesamt lässt sich der Text für mich mehr oder weniger flüssig lesen mit kleinen Stolpersteinen zwischendrin. Die Sprache ist leicht und zugänglich, die Protagonistin in diesem Teil sympathisch, wenn auch etwas distanziert. Von der Orientierung her konnte ich mich gut zurechtfinden, die Orte sind klar benannt und nicht im Übermaß bis ins kleinste Staubkorn beschrieben.

Das war es dann auch schon von mir, falls du was mitnehmen kannst, freut es mich, ansonsten sind es nur meine subjektiven Eindrücke, die auch getrost beiseite gelassen werden können. Bei Unklarheiten einfach per PN nachfragen.

Viele Grüße,
Fina
Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. (Joh 1, 1)
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Re: [Spannung/Roman]Sommeralptraum 5 von X

Beitragvon Samis » 16.10.2015, 16:56

Hallo Fina,

deine Einwände und Anmerkungen überzeugen mich allesamt, herzlichen Dank dafür! Falls du die Zeit dafür findest und Freude daran hast, wünsche ich mir mehr davon!

Beste Grüße,
Samis
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Re: [Spannung/Roman]Sommeralptraum 5 von X

Beitragvon Jonas_dls » 18.10.2015, 15:05

Zur Info, ich habe mich dagegen entschieden, erst alle oder mehrere Teile zu lesen, da es wie gesagt die Kritik dahingegen verfälschen kann, dass man einem Wissensstand nach Zusammenhänge kommentiert, die ein Leser an der Stelle so noch nicht wahrhaben kann.
So, dann mal weiter im Text, ich bin gespannt.

Samis hat geschrieben:Donnerstag, 27. Juli

Am nächsten Tag geschah etwas sehr Eigenartiges. Zunächst schien alles wie immer, bis zur ersten Pause war das einzig Ungewöhnliche, der leere Platz neben mir, da Natalie sich krankgemeldet hatte. Auf meinem Weg vom Klassenzimmer zum Pausenhof sollte sich das jedoch schlagartig ändern. Mitschüler, mit denen ich im Grunde nichts zu tun hatte, starrten mich unverfroren an. Sie blieben meinetwegen stehen oder drehten sich nach mir um. Sie tuschelten, wenn ich vorüberging, oder machten andere auf mich aufmerksam.


Die Formulierung "etwas sehr eigenartiges" deutet auf ein singuläres, zeitlich beschränkter Ereignis hin. Die Blicke und das Getuschel dauern aber an, vermutlich auch noch auf dem Pausenhof selbst, wo sie weiterhin von Schülern umgeben ist.
Ich gehe mal davon aus, dass Natalies Krankmeldung plotrelevant ist, (sonst könnte sie auch unerwähnt bleiben, da in der Stunde in der sie nebeneinander sitzen, ohnehin nichts geschieht) die Prota nimmt ihr Fehlen zwar als ungewöhnlich war, ist aber nicht besorgt um ihre beste Freundin. Woher weiss sie überhaupt von der Krankmeldung? Hat sie sie getroffen, oder verkünden die Lehrer das jeden Morgen?
Ner zweite Satz ist ziemlich lang und verschachtelt. Hinter "immer" könnte durchaus ein Punkt kommen.



Samis hat geschrieben:Wirklich skurril wurde es jedoch erst, als Liam samt Gefolge schnurstracks auf mich zugesteuert kam. Er legte einen Arm um mich und zog mich beiseite. »Was war das gestern mit dir und McDance?«, wollte er wissen. »Wer hat ihn so zugerichtet und was hattest du da verloren?«
Liam hielt mich im Arm wie –, ja, wie man seine Freundin im Arm hält. Seine Fragen kamen präzise und scharf wie bei einem Verhör. Für Umstehende war die Botschaft sicher eindeutig. Liam nahm mich beiseite, wie man jemanden beiseite nimmt, den man ausquetschen will. Aber das stimmte nicht. Liams Körpersprache mochte unmissverständlich sein, aber er hielt mich nicht wirklich fest. Hätte ich gewollt, hätte ich mich jederzeit aus seiner Umarmung lösen können; was ich natürlich nicht tat. Auch seine Augen sprachen eine vollkommen andere Sprache. Sein Gesicht mochte sagen: Raus mit der Sprache, Mädchen! Aber seine Augen schienen noch immer besorgt. Genau wie schon gestern Abend.


Bezieht sich das "Skurril" auf sein Auftauchen, oder auf die widersprüchliche Körpersprache und die Fragen? Die räumliche Nähe der Wörter deutet auf ersteres hin, aber was soll ihr seltsam daran erscheinen, dass er mehr über den letzten Abend erfahren will, nachdem er sich dort bereits als Beschützer aufgeführt hat? An der Stelle habe ich nochmals nach geschlagen, aber nirgendwo vorher wird deutlich, dass Liam von Ihrer schwärmerei für ihn weiß. Hier erkennt sie nun, dass er seinerseits um sie besorgt ist, obwohl er in Sarah verliebt ist(oder Sarah zumindest in ihn).

Samis hat geschrieben:Als er seinen Arm wieder von mir nahm und sie mich allein stehen ließen, wusste ich nicht einmal mehr, was genau ich geantwortet hatte. Irgendetwas von wegen zufällig und was geht dich das an. Von da an beschäftigte mich nur mehr eine einzige Frage. Warum hatte Liams Umarmung mein Herz nicht augenblicklich implodieren lassen? Ich meine, er hatte mich im Arm gehalten, regelrecht zärtlich! Ich war ihm so nahe gewesen, ich hatte seine Wärme spüren, seinen Duft einatmen können. Und dennoch ärgerte es mich mehr, was er sich herausgenommen hatte, als dass ich vor Glück dahingeschmolzen wäre. War es nicht genau das, was ich mir immer erträumt hatte? Was war geschehen? Was war mit mir los, dass ich nicht augenblicklich vor Glückseligkeit gestorben war? Die Frage beschäftigte mich den gesamten Vormittag über, fand jedoch erst am Nachmittag ihre Antwort.


Ich habe hier erstmal weitergelesen, auch wenn ich gleich an Marc gedacht habe und mich fragte, warum braucht sie so lange, um selbst darauf zu kommen? Vielleich kann noch etwas relevantes am Nachmittag geschehen, dass sie von ihren Grübeleien ablenkt? Vielleicht ein Hinweis während der Schule darauf, was es mit dem Integrationsprojekt auf sich hat?

Samis hat geschrieben:Auf meinem Weg nach Hause machte ich den Umweg durch die Innestadt. Ich musste dringend mit Natalie sprechen und wollte ohnehin erfahren, was ihr fehlte.
Natalie fehlte überhaupt nichts, sie hatte einfach keinen Bock auf Schule. Nachdem ich ihr im Schnellverfahren von allem erzählt hatte, fragte sie lediglich: »Warum?«
»Na keine Ahnung. Ich mein, das ist es ja gerade, was ich dir zu erklären versuche. Ich kapier es ja selbst nicht, warum mich Liam plötzlich kalt lässt.«
»Nein nein, das meine ich nicht. Warum hat er dich überhaupt nach McDance gefragt?«


Ich habe mich auch gefragt, warum WAS? Ohne dass der Leser einen Hinweis darauf bekommt, worauf sich die Frage bezieht(sie erzählt alles, also gibt es mehrere Möglichkeiten) stutzt er hier. Der Hinweis kann bewusst falsch sein, was auch das Missverständniss der beiden unterstreichen würde, aber es sollte ihn geben.

Samis hat geschrieben:Nachdem ich ihr im Schnellverfahren von allem erzählt hatte...
Oh, ich hatte ihr ja noch gar nichts von letzter Nacht erzählt.

Auch wenn sie zunächst denkt alles wichtige gesagt zu haben, wirkt das "alles" im erzählfluss absolut. Daher dachte ich, es sei auch so, nicht nur ihre Einschätzung. Das könnte ein generelles Problem mit dem Erzählen aus der Ich Perspektive sein, ohne eigenen Vorschlag habe ich dennoch den Eindruck, das ließe sich besser lösen.

Samis hat geschrieben:Drei Minuten später starrte mich Natalie mit großen Augen an. »Du hast was?«
»Na ja, ich weiß auch nicht. Ich wollte ja gar nicht hin, aber –«
»Du bist verrückt geworden.«
»Und dann waren da plötzlich diese Jungs und ich musste mich ganz schnell verstecken.«
»Sie ist verrückt geworden.«

Das gefällt mir, der Dialog ist eindeutig zu ordenbar, ohne Hilfsmittel ausserhalb der direkten Rede.

Samis hat geschrieben:»Und dann kam Marc zu mir rüber und –«
»Wer?«

Warum weiß sie an der Stelle nichts von Marc? Es klingt so, als hätte sie den Namen zum ersten mal gehört, oder wüsste nicht, dass er dort war, dabei müste Beth ihn bereits mehrfach erwähnt haben.

Samis hat geschrieben:Eine halbe Stunde später hatte ich Natalie alles der Reihe nach erzählt und alle ihre Fragen beantwortet.
»Wow!«, war alles, was ihr dann noch einfiel.

Schließt das eine Disskussion über ihre neue Verliebtheit mit ein, Sie hat sich bereits über ihre Reaktion auf Liam gewundert, den Grund realisiert und sitzt bei ihrer besten Freundin. Dennoch klingt es ein wenig so, als sei es in der Unterhaltung immer noch nur die physischen Auseinandersetzungen gegangen.
Jonas_dls
 
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Re: [Spannung/Roman]Sommeralptraum 5 von X

Beitragvon Samis » 18.10.2015, 16:09

Hallo Jonas,

meine Anerkennung – niemand könnte behaupten, du bliebest dir nicht treu!
Du durchpflügst das Ding weiter eifrig nach Logikfehler, wirst fündig und dennoch läuft deine Kritik, was diese Geschichte angeht, weitgehend ins Leere.

Vielleicht hilft das: Es soll ein Jugendroman werden, der, so glaube ich, vornehmlich von Mädchen und jungen (gebliebenen) Frauen geschätzt werden KÖNNTE.

Sollte ich mich bald einmal an eine verzwickte Sherlock Holmes Geschichte wagen, könntest du mein wertvollster Kritiker werden. Davon bin ich überzeugt!

Aber weiter so! Ich kann dennoch dazulernen, wenn auch nicht direkt für diesen Text.

Danke. A bisserl was geht allerweil!

Beste Grüße,
Samis
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