[Spannung/Roman]Sommeralptraum 8 von X

Krimi, Thriller, Horror, Geistergeschichten, Abenteuer und alles andere, was die Nackenhaare zu Berge stehen lässt.

[Spannung/Roman]Sommeralptraum 8 von X

Beitragvon Samis » 17.10.2015, 11:11

Montag, 31. Juli, sehr früh am Morgen

Irgendwann musste ich dann doch noch eingeschlafen sein, denn als der Wecker zu Fiepen begann, riss er mich aus dem Tiefschlaf. Verstört benötigte ich etliche Sekunden, ehe ich zu mir fand und erst als mein Vater, der sich angeboten hatte, mich und Natalie des Gepäcks wegen zum Flughafen zu fahren, leise an meine Tür klopfte, quälte ich mich aus dem Bett.
Dreißig Minuten später standen wir vor Natalies Tür und als sie zu uns ins Auto stieg, bemerkte sie wenig charmant: »Wow, du siehst ja mal scheiße aus!«
»Danke, dir auch einen schönen, guten Morgen! Vielleicht erinnerst du dich, dass ich nur deinetwegen hier sitze.«
»Was? Wer von uns hatte keine Ahnung und sich geistesabwesend freiwillig gemeldet? Das warst ja wohl du!«
»Ja, aber würdest du nicht andauernd –« Mein Vater fuhr ruckelnd an und stellte das Radio laut; ein klares Zeichen, dass es eindeutig zu früh war, unsere Gezeter zu ertragen.
Am Flughafen verabschiedete er uns wortkarg, wahrscheinlich wollte er einfach nur rasch zurück in sein Bett. Ms Woods hieß uns willkommen und hakte uns auf ihrer Liste ab. Etwa die Hälfte der Schüler waren bereits anwesend. Alles in allem würden es 46 Teilnehmer sein, aber weder von Liam oder Sarah, noch von den Pexis, die wir heute erstmals treffen sollten, war etwas zu sehen.
Als wenig später die Check-in-Schalter öffneten, fehlten nur mehr zwei Schüler unserer Schule. Liam und die anderen hatten sich in ein Café gesetzt, natürlich kümmerte es sie wenig, die horrenden Preise für Cappuccino und Croissant zu bezahlen. Seltsamerweise störte es mich nun doch, dass er mich nicht gegrüßt und auch sonst kaum eines Blickes gewürdigt hatte. Aber auch im Umgang mit Sarah erschien er mir reichlich unterkühlt.
Natalie und ich beeilten uns ins Flugzeug zu kommen. Allmählich überwog die Aufregung, schließlich war Fliegen für uns nichts Alltägliches. Kurz stritten wir uns, wer am Fenster sitzen durfte, einigten uns jedoch rasch, dass Natalie zunächst am Gang sitzen sollte, wir uns aber abwechseln würden. Natürlich herrschte das übliche Gedränge und Geschrei, wenn viele Pubertierende auf engstem Raum aufeinander trefen. Und während all dem Chaos stellte sich nun doch eine gewisse Vorfreude ein, selbst der mangelnde Schlaf spielte keine große Rolle mehr.
Liam kam lange nach Sarah ins Flugzeug, die komplette Clique hatte weit hinten platzgenommen. Als er an unserer Sitzreihe vorbeiging, nickte und lächelte er mir doch noch kurz zu; was Natalie mit: »Na also, geht doch«, viel zu laut und vollkommen unpassend kommentierte.
Erst als die Letzten von uns platzgenommen hatten, entdeckten Natalie und ich die ersten fremden Gesichter. Wir saßen etwa in der Mitte der Maschine und hatten dadurch den Zustieg gut im Blick. Die komplette vordre Hälfte war leer geblieben, offensichtlich waren die Plätze für die Pexis reserviert worden. Zuerst stiegen zwei Erwachsene zu, die mehr nach Vollzugsbeamten, denn nach Lehrern oder Sotzialpedagogen aussahen. Dann entdeckten wir die ersten Jugendlichen und ihr Anblick war – enttäuschend. Keine zerrissenen Klamotten, keine Irokesenfrisuren, nicht einmal gefärbte Haare. Keine Narben in den Gesichtern, keine Tätowierungen, im Grunde sahen sie nicht anders aus als wir. Insgeheim musste ich doch schmunzeln. Was hatte ich erwartet? Dass man sie in orangen Overalls und Fußketten hereinführen würde? Dass sie uns mit finstern, drohenden Blicken anstarren und vor uns ausspucken würden? Letztendes waren es Teenager wie wir, die irgendwie auf die schiefe Bahn geraten waren und nun einen Weg zurück suchten. Natürlich würden sie sich benehmen und bemühen, schließlich hatten auch sie sich freiwillig gemeldet und sicher weit mehr zu verlieren als wir.
Bei genauerer Betrachtung kamen mir einige von ihnen dann doch eigenartig vor. Irgendwie wollten sie nicht recht in ihre Klamotten passen und schienen sich auch nicht sonders wohl damit zu fühlen. Wahrscheinlich hatte man sie eigens für diese Aktion neu eingekleidet und – moment, den kenne ich doch. Ein Junge mit langen, schlohweißen Haaren verstaute eben sein Handgepäck. Und als ich noch darüber nachgrübelte, ob er wirklich derselbe war, der neulich Nacht McDance ins Gesicht getreten hatte, tauchte Marc hinter ihm auf.
»Das gibt es nicht!« Sofort rutschte ich im Sitz nach unten und versteckte mich.
»Was?« Natalie drehte sich zu mir und sah mich fragend an: »Was machst du denn? Was gibt es nicht?«
»Da ist Marc«, flüsterte ich.
»Welcher Marc?«
»Scht! Nicht so laut!«
»Ach du Scheiße! Du meinst doch nicht etwa den von Barnetbees?« Ein Glück sprach sie nun leiser, aber dass sie sich weiterhin den Hals nach ihnen verrenkte, war nicht gut.
»Welcher ist es? Etwa der mit den weißen Haaren? Der ist schon schnuckelig aber –«
»Nein, der ist es nicht! Der dahinter, im hellen Hemd.«
»Da ist keiner mit hellem Hemd.«
Vorsichtig lugte ich über die Lehne des Vordersitzes und tatsächlich konnte ich ihn nirgends mehr ausmachen. Der Junge mit den weißen Haaren nahm eben am Gang Platz, wer neben ihm saß, konnte ich nicht erkennen.
»Er muss sich hingesetzt haben«, bemerkte ich ungemein scharfsinnig.
»Na und jetzt?«, fragte Natalie.
»Was und jetzt?«
»Na was willst du jetzt machen?«
»Was soll ich denn machen?«
»Weiß ich doch nicht!«
Ja, was sollte ich jetzt machen? Dieser Trip gestaltete sich mehr und mehr zu einem – Glücksfall!
»Ich hab's! Du gehst zur Toilette.«
»Nein! Warum sollte ich das machen?«
»Na dann geh ich eben!« Natalie stand auf, blieb dann jedoch im Gang stehen und setzte sich wieder.
»Was ist?«
»Die Toiletten sind hinten.«

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir bitten Sie um ihre Aufmerksamkeit für einige wichtige Sicherheitshinweise.


»Beth!«

Schliessen Sie nun Ihren Sicherheitsgurt und ziehen sie diesen fest. Da jederzeit Turbulenzen auftreten können, sind Sie verpflichtet, sich anzuschnallen, sobald Sie Ihren Sitzplatz eingenommen haben.

»Beth!«
»Was?«

Bitte vergewissern Sie sich, dass schweres Handgepäck sicher unter Ihrem Vordersitz verstaut ist.


»Ich glaub, mir wird schlecht!«
»Was? Warum dass denn?«

Unser Flugzeug hat vier Notausgänge. Diese sind mit dem Wort "Exit" gekennzeichnet.


»Ich glaube, ich hab Flugangst.«

Sollte der Druck in der Kabine sinken, fallen automatisch Sauerstoffmasken aus der Kabinendecke.

Ich beugte mich nach vorn und suchte im Netz unter dem Klapptischchen nach den braunen Tüten.

Unter jedem Sitz befindet sich eine Schwimmweste. Auf Anweisung der Besatzung ziehen sie die Schwimmweste über den Kopf.

Ich fand eine und hielt sie Natalie irgendwie vors Gesicht.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Flug.


Das Flugzeug setzte sich in Bewegung und nahm rasch Fahrt auf. Wir wurden in unsere Sitze gepresst und Natalie verlor jegliche Farbe. Kreidebleich saß sie stocksteif neben mir und hielt die Papiertüte mit beiden Händen umklammert – ich fand es herrlich. Das Tosen um uns wurde lauter und lauter, ein letztes Rumpeln und wir hoben ab. Fasziniert schaute ich aus dem Fenster, auf dem Wasserperlen waagerecht nach hinten zuckten – neben mir würgte Natalie mit dem Gesicht in der Tüte. Immer rascher entfernten wir uns vom Erdboden, allmählich stabilisierte sich die Maschine, das Schaukeln verschwand fast vollständig und das Rauschen trat zunehmend in den Hintergrund. Eine Minute später empfand ich den Flug als vollkommen angenehm und auch Natalie schien sich nun besser damit arrangiert zu haben. Die Häuser und Straßen unter uns glichen nur mehr stilisierten Skitzen, schon stiegen wir über die Wolkendecke. Es war wunderschön hier oben. Irgendwie friedlich und beruhigend. Eine Weile guckte ich noch nach draußen, dann fielen mir die Augen zu.
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Re: [Spannung/Roman]Sommeralptraum 8 von X

Beitragvon Jonas_dls » 18.10.2015, 16:25

Samis hat geschrieben: Verstört benötigte ich etliche Sekunden, ehe ich zu mir fand

Auch etliche Sekunden sind nicht viel um aus dem Tiefschlaf auf zu wachen.

Samis hat geschrieben:»Danke, dir auch einen schönen, guten Morgen! Vielleicht erinnerst du dich, dass ich nur deinetwegen hier sitze.«
»Was? Wer von uns hatte keine Ahnung und sich geistesabwesend freiwillig gemeldet? Das warst ja wohl du!«
»Ja, aber würdest du nicht andauernd –«

Klingt als ob sich das "andauernd" auf Natalies schwänzen bezieht. Nur hat doch ihr Schwänzen nichts damit zu tun, dass sich Beth unbewusst für dieses Projekt gemeldet hat.




Samis hat geschrieben:»Na und jetzt?«, fragte Natalie.
»Was und jetzt?« Beth
»Na was willst du jetzt machen?« Natalie
»Was soll ich denn machen?« Beth
»Weiß ich doch nicht!« Natalie
Ja, was sollte ich jetzt machen? Dieser Trip gestaltete sich mehr und mehr zu einem – Glücksfall!
»Ich hab's! Du gehst zur Toilette.« Beth
»Nein! Warum sollte ich das machen?« Natalie
»Na dann geh ich eben!« Natalie stand auf, blieb dann jedoch im Gang stehen und setzte sich wieder.

Bis zur letzten Zeile ist klar, wer was sagt, dann aber steht Natalie auf, direkt nachdem sie sich mit einer Frage weigert. Durch den Absatz klingt es so, als ob nach
Natalies »Nein! Warum sollte ich das machen?«
Die Erwiederung»Na dann geh ich eben!« von Beth selbst kommt.
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Re: [Spannung/Roman]Sommeralptraum 8 von X

Beitragvon Samis » 18.10.2015, 16:59

Hallo Jonas,

aha, deine Antwortschreiben schrumpfen und schrumpfen – was das wohl bedeuten mag?

Ich lass mich hier mal darauf ein:

Wo beginnt für dich eine Menge, welche du mit “etliche“ kennzeichnen würdest?
Beispielsweise im Rahmen bis 10.
Wenige = 2 bis 3
Einige = 4 bis 5
Viele = 6 bis 7
Etliche = 8 bis 9
Schon mal 8 bis 9 Sekunden bewusst gestoppt? Das ist schon recht lang und dabei könnte ich den Rahmen bezüglich Sekunden bis 60 ausdehnen.
Ich finde das reichlich.

Selbstverständlich bezieht sich andauernd auf Schwänzen und exakt dieses ist letztlich (vorsicht Logik) der Grund, warum Beth mit muss. Beide waren darüber einig, dass sie sich vor der Reise drücken wollen. Wegen Natalies fortwährendem Schwänzen, ist ihre Mum nun so sauer, dass sie Natalie dazu zwingt. Und da beste Freundinnen, kann Beth sie nun schlecht allein dort hinfahren lassen, nachdem Natalie sich zuvor, ihrer Unaufmerksamkeit wegen, freiwillig gemeldet hatte. Einleuchtend?

Auch die Reihenfolge des Dialogs finde ich schlüssig. Da nicht Beth, sondern Natalie den Toiletten-Vorschlag aufbringt, was aus dem letzten Satz klar hervorgeht.


Beste Grüße,
Samis
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