[UrFan]Special Agents und Geiselnahme 4/4

Die ganze Bandbreite phantastischer Literatur: High Fantasy, Low Fantasy, Urban Fantasy, Dark Fantasy

[UrFan]Special Agents und Geiselnahme 4/4

Beitragvon unkompliziert » 22.05.2015, 17:49

„Weg mit der Waffe!“ Der Einsatzleiter der Polizei, Rudolf Wegener, ließ keinen Zweifel daran, dass jetzt er und sonst niemand die Entscheidungen traf.
Speermanns Agenten Lee und Eddie setzten ihre Vorbereitungen zügig fort, ließen die Pistole aber wieder an ihren Platz in Lees Holster verschwinden.
„Herr Wegener“, Speermann trat entschlossen vor seine Agenten, „wie wollen Sie jetzt weiter vorgehen?“
Der Polizist war ein erfahrener, selbstbewusster Mann und selbst von jemandem wie Speermann nicht zu beeindrucken.
„Sie und Ihre Männer räumen unverzüglich das Gelände, bevor ich Sie festnehmen und ihre zweifelhafte Ausrüstung beschlagnahmen lasse. Sie gefährden Menschenleben! Wir haben keine Verwendung für Sie.“
„Entschuldigen Sie, wenn ich vorher mit meinem Ansprechpartner bei ihrer Abteilung nachfrage?“ Eddies Chef griff zum Handy, wählte einen Eintrag im Adressbuch, präsentierte das Display dem Einsatzleiter. Dessen Gesicht erstarrte. Als könnte er es nicht glauben, blieben seine Augen auf den dort angezeigten Namen geheftet, während er einige Sekunden brauchte um sich zu sammeln.
„Herr Wegener, ich frage sie erneut:“, Speermann war die Liebenswürdigkeit in Person, „Wie wollen Sie weiter vorgehen?“
„Wir werden den Forderungen von Gomez nachgeben. Wenn er das Gebäude verlässt, ergibt sich vermutlich eine Möglichkeit zum Zugriff.“
„Sie wollen Ihn tatsächlich live auf Sendung gehen lassen? Entspricht das dem aktuellen Verhaltenscode gegenüber Geiselnehmern? Was, wenn Sie dadurch weitere labile Persönlichkeiten ermutigen?“
„Der Fernsehsender tut was er kann. Aber wenn wir versuchen Gomez mit einer Rundschaltung zu täuschen, er aber bemerkt, dass die Sendung vorgetäuscht ist und er sich verraten fühlt, könnte die Lage eskalieren.“
„Ihr Verhandlungsführer ist uns bekannt. Ein Mann mit großer Erfahrung und Menschenkenntnis. Hat er Ihnen zugesichert, dass Gomez überhaupt noch fliehen will? Würde es seiner Botschaft nicht mehr Nachdruck verleihen, wenn er Selbstmord begeht und die Geiseln mit in den Tod nimmt? Hat er nicht an irgendeinem Punkt erkennen lassen, dass er seine Mission für wichtiger hält, als sein eigenes Leben?“
Rudolf Wegener sah aus, als sei er in den vergangenen Stunden um Jahre gealtert. „Ich kann kein Spezialkommando einsetzen. Bis die Beamten in den Konferenzraum eindringen dauert es zu lang. Bei den ersten Geräuschen könnte Gomez Ernst machen und Geiseln töten.“ Er blickte nachdenklich zu HighRides Firmengebäude. „Durch die Fenster haben wir kein freies Schussfeld. Wenn wir Gas einsetzen, setzt die Mannstoppwirkung nicht schnell genug ein. Er wird Verdacht schöpfen und könnte noch benommen um sich feuern und die Geiseln schwer verwunden. Oder töten.
Wir haben keine Alternative.“
Speermann ließ dem Einsatzleiter der Polizei etwas Zeit, sich der vollen Bedeutung seiner eigenen Worte bewusst zu werden. Dann sprach er sehr ruhig und klar artikuliert:
„Ich habe Ihnen ein Angebot zu machen: Die Lüftungsschächte der Klimaanlage sind begehbar. Meine Männer sind hochqualifiziert. Um das Risiko von Lärm auf ein Minimum zu reduzierten, wird nur einer von ihnen das Gebäude betreten.“
Wegener schnappte nach Luft, hörte aber weiter zu.
„Zutritt erfolgt durch ein Lüftungsgitter über dem Konferenzraum. Wenn Gomez meinen Mann bemerkt, wird er bereits handlungsunfähig sein.“
„Der Raum ist zu hoch.“
„Alles was ich von Ihnen brauche“, unterbrach Speermann seine Bedenken, „ist eine Entscheidung.“
„Das ist das Todesurteil für Gomez. Oder für Ihren Mann.“ Alle Anwesenden schienen die Luft anzuhalten. „Um der Geiseln willen. Schicken Sie Ihn rein.“

Von dem Zeitpunkt an, an dem Lee mit wenigen Schritten den toten Winkel der Überwachungskameras an der Gebäuderückseite überwand und mit katzenhafter Geschmeidigkeit in den Lüftungsschacht der Klimaanlage stieg, hielt sich Eddie selbst in Einsatzkleidung und mit Schusswaffe bereit.
Wenige Minuten später erschien eine Meldung auf Speermanns Laptop. Um von unten im Konferenzraum nicht gehört zu werden, sprach Lee nicht, sondern sendete nur ein kurzes elektronisches Signal als er in Position war. Speermann nickte dem Verhandlungsführer zu, der den Geiselnehmer unter einem Vorwand zurückrief. Doch sprach er nur wenige Worte, dann blieb ihm der Mund offen stehen. Mit großen Augen starrte er Speermann an, der sich schließlich ans Headset griff.
„Verstanden. Behalte die Geiseln im Auge. Verhalten sie sich unverdächtig?“ Eddie wusste, er konnte sich erst entspannen, wenn im Gebäude das Spezialkommando übernommen hatte und er Lee unversehrt vor sich sah. Nicht selten, hatte ein einzelner Geiselnehmer einen Verbündeten oder einen anderen unangenehmen Trumpf in der Tasche.
„War ein Fangschuss möglich? Schade. Ich schicke sie jetzt rein. Gute Arbeit, Lee.“
Speermann drehte sich zum Einsatzleiter der Polizei um. „Ihre Leute können jetzt rein. Die Situation ist unter Kontrolle. Bitte“, rief Speermann über die aufgeregten Stimmen hinweg „Lee hat seine Waffe noch gezogen und hält sich bereit. Weisen Sie Ihre Männer darauf hin, damit sie das nicht missverstehen!“

Erfreulicherweise überstand Lee nicht nur den Sprung von der Zimmerdecke, den Schusswechsel mit Gomez und vor allem das Hereinstürmen des bewaffneten Spezialkommandos der Polizei.
Eddie war nicht der Einzige, der bedauerte, dass anscheinend für immer ungehört bliebt, was Gomez der Welt über HighRide mitzuteilen hatte. Doch selbst er und Lee überdurchschnittlich gut ausgebildet waren, Gomez lebend zu fangen wäre nur einem Superhelden gelungen. Der stille Lee selbst schien sich darüber keine Meinung zu bilden. Er hatte die Entscheidung getroffen, sich ganz Speermann zur Verfügung zu stellen. Er erledigte seinen Job mit 100% seiner geistigen und körperlichen Kräfte. Er hatte danach frei.

Als Lee und Eddie wieder zivile Kleidung trugen und sie sich getrennt ihren Weg durch die Menge der Schaulustigen gebahnt hatten, trafen sie sich vor Jakob Speermanns Kombi wieder.
„Lee.“ Ihr Chef musste sich etwas strecken, um ihm auf die Schultern klopfen zu können. „Was kann ich für dich tun?“
Hier, abseits der Aufregung und der neugierigen Polizisten, konnte der Agent plötzlich wieder grinsen. Aus seinen braunen Augen funkelte es vergnügt: „In der Entwicklungsabteilung gibt es ein neues Fahrzeug.“
Speermann lachte laut auf: „Eine Spritztour mit dem Firmenwagen! Gut, ich hoffe, das krieg‘ ich für morgen hin. Du kannst Eddie mitnehmen. Dann stellt er schon nichts an!“
Lee winkte zufrieden und ging sein zu seinem Auto. Doch sein Kollege war noch nicht entlassen.
„Eddie“, Speermanns Stimme klang ernst aber nicht unfreundlich, „du meldest dich im Betreuungszentrum und machst noch heute Abend Termine für dich und Lee aus. Für Ihn zur Nachbesprechung und für dich zum Check-up.“
Eddie holte scharf Luft. „Ich bin fit. Auch mental. Mein Verhalten war sicher einen Tadel wert.“
Der ältere Mann schüttelte langsam den Kopf und schenkte ihm ein dünnes Lächeln. „Abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass deine Akte auch nur einen einzigen weiteren Tadel verträgt, Junge, muss ich darauf bestehen. Du hattest Angst. Das gefährdet dich und jede Mission.
Ab zur Psychotante.“
unkompliziert
NaNoWriMo 2015
NaNoWriMo 2015
 
Beiträge: 407
Registriert: 01.09.2014, 16:33

Re: Special Agents und Geiselnahme 4/4

Beitragvon ThetaHelion » 01.06.2015, 19:31

Hallöchen Unki, da isser wieder, der olle Miesepeter und macht sich jetzt auch noch über den vierten Teil her.

unkompliziert hat geschrieben:„Weg mit der Waffe!“ Der Einsatzleiter der Polizei, Rudolf Wegener, ließ keinen Zweifel daran, dass jetzt er und sonst niemand die Entscheidungen traf.


Dass du den vollständigen Namen des Einsatzleiters nennst, irritiert mich. Ich gehe dadurch davon aus, dass er eine gewisse Wichtigkeit für später hat, würde dem Dienstgrad in diesem Fall aber den Vorzug gegenüber dem Vornamen geben.


unkompliziert hat geschrieben:Speermanns Agenten Lee und Eddie setzten ihre Vorbereitungen zügig fort, ließen die Pistole aber wieder an ihren Platz in Lees Holster verschwinden.


Beide haben die Waffe gezogen, denn ich lese Mehrzahl beim verschwinden lassen? Das "aber" ist meines Erachtens nicht unbedingt erforderlichen.


unkompliziert hat geschrieben:„Herr Wegener“, Speermann trat entschlossen vor seine Agenten, „wie wollen Sie jetzt weiter vorgehen?“


Dienstgrad statt Herr empfände ich gelungener.


unkompliziert hat geschrieben:Der Polizist war ein erfahrener, selbstbewusster Mann und selbst von jemandem wie Speermann nicht zu beeindrucken.


Hier würde mir jetzt sicher jemand Show, nicht Tell zurufen.


unkompliziert hat geschrieben:„Sie und Ihre Männer räumen unverzüglich das Gelände, bevor ich Sie festnehmen und ihre zweifelhafte Ausrüstung beschlagnahmen lasse. Sie gefährden Menschenleben! Wir haben keine Verwendung für Sie.“


Schöne Stelle. Diesen Abschnitt noch ein wenig ausgebaut und du kannst den Satz davor getrost weglassen, denn die Ansage des Einsatzleiters sagt für mich genau das aus, was du vorher beschreibst. Er gibt nicht klein bei.


unkompliziert hat geschrieben:„Entschuldigen Sie, wenn ich vorher mit meinem Ansprechpartner bei ihrer Abteilung nachfrage?“ Eddies Chef griff zum Handy, wählte einen Eintrag im Adressbuch, präsentierte das Display dem Einsatzleiter. Dessen Gesicht erstarrte. Als könnte er es nicht glauben, blieben seine Augen auf den dort angezeigten Namen geheftet, während er einige Sekunden brauchte um sich zu sammeln.


Du lässt dir hier eine hübsche Gelegenheit entgehen, deinen Protas ein wenig Kontra geben zu lassen. Wegener sollte darauf pfeifen. Er trägt die Verantwortung und was er sagt, klingt ja auch plausibel. Ich meine damit, diese Stelle vielleicht noch nicht ganz so schnell zu entschärfen, sondern die angesprochene Erfahrung und das Selbstbewusstsein wieder zu >Zeigen<.


unkompliziert hat geschrieben:„Herr Wegener, ich frage sie erneut:“, Speermann war die Liebenswürdigkeit in Person, „Wie wollen Sie weiter vorgehen?“


Jaja, der alte Diplomat. :)


unkompliziert hat geschrieben:„Wir werden den Forderungen von Gomez nachgeben. Wenn er das Gebäude verlässt, ergibt sich vermutlich eine Möglichkeit zum Zugriff.“
„Sie wollen Ihn tatsächlich live auf Sendung gehen lassen? Entspricht das dem aktuellen Verhaltenscode gegenüber Geiselnehmern? Was, wenn Sie dadurch weitere labile Persönlichkeiten ermutigen?“


Ein >vermutlich< in dieser Situation widerspricht deinem Ansinnen, Wegener als Profi darzustellen. Er muss hier einen handfesten Plan haben, etwa in der Art: "Wir lotsen ihn da und da lang. Zugriff dann dort und da.", was Speermann ja ohne Weiteres kontern könnte.


unkompliziert hat geschrieben:„Der Fernsehsender tut was er kann. Aber wenn wir versuchen Gomez mit einer Rundschaltung zu täuschen, er aber bemerkt, dass die Sendung vorgetäuscht ist und er sich verraten fühlt, könnte die Lage eskalieren.“


Hilf mir mal bitte bei der Rundschaltung, ich bin unsicher, ob ich das richtig verstehe.


unkompliziert hat geschrieben:„Ihr Verhandlungsführer ist uns bekannt. Ein Mann mit großer Erfahrung und Menschenkenntnis. Hat er Ihnen zugesichert, dass Gomez überhaupt noch fliehen will? Würde es seiner Botschaft nicht mehr Nachdruck verleihen, wenn er Selbstmord begeht und die Geiseln mit in den Tod nimmt? Hat er nicht an irgendeinem Punkt erkennen lassen, dass er seine Mission für wichtiger hält, als sein eigenes Leben?“


Ich kann nicht ganz folgen, warum Gomez seinen ursprünglichen Plan jetzt aufgeben sollte?


unkompliziert hat geschrieben:Rudolf Wegener sah aus, als sei er in den vergangenen Stunden um Jahre gealtert. „Ich kann kein Spezialkommando einsetzen. Bis die Beamten in den Konferenzraum eindringen dauert es zu lang. Bei den ersten Geräuschen könnte Gomez Ernst machen und Geiseln töten.“


Lee wird durch die Lüftungsschächte aber noch länger brauchen und mit Sicherheit auch Geräusche verursachen.


unkompliziert hat geschrieben:Er blickte nachdenklich zu HighRides Firmengebäude. „Durch die Fenster haben wir kein freies Schussfeld. Wenn wir Gas einsetzen, setzt die Mannstoppwirkung nicht schnell genug ein. Er wird Verdacht schöpfen und könnte noch benommen um sich feuern und die Geiseln schwer verwunden. Oder töten.
Wir haben keine Alternative.“


Bist du sicher, dass Mannstoppwirkung im Zusammenhang mit Gas richtig ist? Ich kenne das nur von Projektilen und Tasern. In jedem Fall aber gut, dass du hier jetzt auf weitere mögliche Vorgehensweisen eingehst und diese ausschließt.


unkompliziert hat geschrieben:Speermann ließ dem Einsatzleiter der Polizei etwas Zeit, sich der vollen Bedeutung seiner eigenen Worte bewusst zu werden. Dann sprach er sehr ruhig und klar artikuliert:
„Ich habe Ihnen ein Angebot zu machen: Die Lüftungsschächte der Klimaanlage sind begehbar. Meine Männer sind hochqualifiziert. Um das Risiko von Lärm auf ein Minimum zu reduzierten, wird nur einer von ihnen das Gebäude betreten.“


reduzieren. Ich bleibe noch bei meiner Anmerkung. Zwei Mann, ggf. getrennt wären sicherer und Ablenkung in jedem Fall von Vorteil.


unkompliziert hat geschrieben:Wegener schnappte nach Luft, hörte aber weiter zu.
„Zutritt erfolgt durch ein Lüftungsgitter über dem Konferenzraum. Wenn Gomez meinen Mann bemerkt, wird er bereits handlungsunfähig sein.“


Zutritt oder Zugriff?


unkompliziert hat geschrieben:„Der Raum ist zu hoch.“
„Alles was ich von Ihnen brauche“, unterbrach Speermann seine Bedenken, „ist eine Entscheidung.“
„Das ist das Todesurteil für Gomez. Oder für Ihren Mann.“ Alle Anwesenden schienen die Luft anzuhalten. „Um der Geiseln willen. Schicken Sie Ihn rein.“


Hielten die Anwesenden die Luft an oder nicht?


unkompliziert hat geschrieben:Von dem Zeitpunkt an, an dem Lee mit wenigen Schritten den toten Winkel der Überwachungskameras an der Gebäuderückseite überwand und mit katzenhafter Geschmeidigkeit in den Lüftungsschacht der Klimaanlage stieg, hielt sich Eddie selbst in Einsatzkleidung und mit Schusswaffe bereit.
Wenige Minuten später erschien eine Meldung auf Speermanns Laptop. Um von unten im Konferenzraum nicht gehört zu werden, sprach Lee nicht, sondern sendete nur ein kurzes elektronisches Signal als er in Position war. Speermann nickte dem Verhandlungsführer zu, der den Geiselnehmer unter einem Vorwand zurückrief.


Zurückrief im Sinne von Anruf, im Sinne von Ablenkung? Sehr gut.


unkompliziert hat geschrieben:Doch sprach er nur wenige Worte, dann blieb ihm der Mund offen stehen. Mit großen Augen starrte er Speermann an, der sich schließlich ans Headset griff.


Wer sprach wenige Worte? Der Verhandlungsführer oder der Geiselnehmer?


unkompliziert hat geschrieben:„Verstanden. Behalte die Geiseln im Auge. Verhalten sie sich unverdächtig?“ Eddie wusste, er konnte sich erst entspannen, wenn im Gebäude das Spezialkommando übernommen hatte und er Lee unversehrt vor sich sah. Nicht selten, hatte ein einzelner Geiselnehmer einen Verbündeten oder einen anderen unangenehmen Trumpf in der Tasche.


Fragt Speermann da, ob sich die Geiseln unverdächtig verhalten? Das verstehe ich nicht so recht. Mit Eddies Gedanken sprichst du im Übrigen ein paar mögliche interessante Wendungen an. Schade, dass du letztlich darauf verzichstest.


unkompliziert hat geschrieben:„War ein Fangschuss möglich? Schade. Ich schicke sie jetzt rein. Gute Arbeit, Lee.“
Speermann drehte sich zum Einsatzleiter der Polizei um. „Ihre Leute können jetzt rein. Die Situation ist unter Kontrolle. Bitte“, rief Speermann über die aufgeregten Stimmen hinweg „Lee hat seine Waffe noch gezogen und hält sich bereit. Weisen Sie Ihre Männer darauf hin, damit sie das nicht missverstehen!“


Du betrügst den Leser um Lees angespannte Situation. Ich nehme mal an, das geht in die Richtung wie schreiberling bei mir schrieb, ich vergeude Möglichkeiten, die Protas dem Leser näher zu bringen. Bei Lees Vorrücken, könnte man ihn gut kennenlernen. Trotz viel Hickhack geht letztlich alles sehr glatt, was den Leser vielleicht enttäuschen könnte.


unkompliziert hat geschrieben:Erfreulicherweise überstand Lee nicht nur den Sprung von der Zimmerdecke, den Schusswechsel mit Gomez und vor allem das Hereinstürmen des bewaffneten Spezialkommandos der Polizei.


Wenn Gomez liquidiert wurde, könnte doch Lee seinen Funk wieder offen schalten und mit dem Spezialkommando Kontakt aufnehmen, oder?


unkompliziert hat geschrieben:Eddie war nicht der Einzige, der bedauerte, dass anscheinend für immer ungehört bliebt, was Gomez der Welt über HighRide mitzuteilen hatte.


Jahahaaaa ... die ganze Zeit umsonst auf die Folter gespannt.


unkompliziert hat geschrieben:Doch selbst er und Lee überdurchschnittlich gut ausgebildet waren, Gomez lebend zu fangen wäre nur einem Superhelden gelungen.


Hier fehlt ein Wort, möchte ich meinen. Ob das mit dem Superhelden so stimmt oder nicht lässt sich noch immer nicht eindeutig aus Lesersicht bestätigen, da der Konferenzraum nicht detailliert genug beschrieben wurde. Ich schätze, dass ein Profi vielleicht in der Lage gewesen wäre, Gomez im Nahkampf zu entwaffnen und dann zu überwältigen, wenn er durch einen überraschenden Sprung von oben kurz unaufmerksam gewesen wäre.


unkompliziert hat geschrieben:Der stille Lee selbst schien sich darüber keine Meinung zu bilden. Er hatte die Entscheidung getroffen, sich ganz Speermann zur Verfügung zu stellen. Er erledigte seinen Job mit 100% seiner geistigen und körperlichen Kräfte. Er hatte danach frei.


Bildete sich Lee eine Meinung darüber oder nicht? Sprachlich gibt es hier in jedem Fall noch Spielraum, aber der Cut von Job und mit allen Kräften auf "Er hatte danach frei." wirkt irgendwie komisch.


unkompliziert hat geschrieben:Als Lee und Eddie wieder zivile Kleidung trugen und sie sich getrennt ihren Weg durch die Menge der Schaulustigen gebahnt hatten, trafen sie sich vor Jakob Speermanns Kombi wieder.
„Lee.“ Ihr Chef musste sich etwas strecken, um ihm auf die Schultern klopfen zu können. „Was kann ich für dich tun?“


Ich hatte es vorher so verstanden, dass das Einsatzfahrzeug der Söldner näher bei der Polizei zu finden war und sie sich nicht durch Schaulustige "kämpfen" mussten.


unkompliziert hat geschrieben:Hier, abseits der Aufregung und der neugierigen Polizisten, konnte der Agent plötzlich wieder grinsen. Aus seinen braunen Augen funkelte es vergnügt: „In der Entwicklungsabteilung gibt es ein neues Fahrzeug.“
Speermann lachte laut auf: „Eine Spritztour mit dem Firmenwagen! Gut, ich hoffe, das krieg‘ ich für morgen hin. Du kannst Eddie mitnehmen. Dann stellt er schon nichts an!“


Ich muss zugeben, diese Stelle habe ich beim ersten Lesen nicht gleich richtig verstanden, aber da habe ich wahrscheinlich nur zu ungenau gelesen.


unkompliziert hat geschrieben:Lee winkte zufrieden und ging sein zu seinem Auto. Doch sein Kollege war noch nicht entlassen.


Da ist ein sein zuviel.

unkompliziert hat geschrieben:„Eddie“, Speermanns Stimme klang ernst aber nicht unfreundlich, „du meldest dich im Betreuungszentrum und machst noch heute Abend Termine für dich und Lee aus. Für Ihn zur Nachbesprechung und für dich zum Check-up.“


Ich hatte die Beziehung zwischen Speermann und Eddie anders in Erinnerung und hätte hier einen anderen Tonfall erwartet.


unkompliziert hat geschrieben:Eddie holte scharf Luft. „Ich bin fit. Auch mental. Mein Verhalten war sicher einen Tadel wert.“


Welches Verhalten genau?


unkompliziert hat geschrieben:Der ältere Mann schüttelte langsam den Kopf und schenkte ihm ein dünnes Lächeln. „Abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass deine Akte auch nur einen einzigen weiteren Tadel verträgt, Junge, muss ich darauf bestehen. Du hattest Angst. Das gefährdet dich und jede Mission.
Ab zur Psychotante.“


Wobei es zum Thema Angst in Gefahrensituationen ja unterschiedliche Meinungen gibt, aber für einen Profi wie Eddie ist das wohl offenbar ungewöhnlich.

Fazit:
Über alle vier Teile gesehen hast du dich mit jedem neuen Abschnitt steigern können, aber ich schätze hier liegt noch viel Arbeit vor dir. Ich kann nur mutmaßen, dass es dir ähnlich wie mir geht, du eigentlich ein fesselndes Szenario vor Augen hast, von dem du nur nicht so recht weißt, was sollst du erzählen und was besser weglassen. Ich hatte beim ersten Teil schon erwähnt, dass ich auf solche Settings stehe und deshalb recht kritisch bin. Auf der anderen Seite beschreibst du ein Szenario, dass sich mit verschiedenen Filmen messen muss und dem in deiner Version noch die Überraschungen fehlen.

Du stehst wahrscheinlich an der gleichen Stelle wie ich mit meinem Prolog: Handelnde Figuren und wichtige Orte noch einmal analysieren, Möglichkeiten prüfen, wie diese am besten in der Handlung charakterisiert werden können und den Konflikten, von denen du hier einige haben könntest, nicht aus dem Weg gehen, sondern deine Protas damit konfrontieren, damit sich diese um Lösungen bemühen müssen und nicht alles praktisch wie am Schnürchen läuft. Aus deiner Dreierkonstellation, wobei eigentlich ist es eine Viererkonstellation: Söldner - Almodovar - Gomez - Polizei könntest du ein Feuerwerk entfesseln, wobei besonders Gomez im gegenwärtigen Zustand der Geschichte sehr blass bleibt.

Was soll ich noch groß sagen, ich muss meine Hausaufgaben bei Nick noch machen, du deine mit Lee und Eddie.
Meine fünf Sinne: Starrsinn, Schwachsinn, Irrsinn, Blödsinn und Wahnsinn. :lol:
ThetaHelion
 
Beiträge: 153
Registriert: 05.05.2015, 10:34

Re: Special Agents und Geiselnahme 4/4

Beitragvon Ankh » 05.07.2015, 17:40

Ich werde hier jetzt meinen Gesamteindruck über alle vier Teile abgeben, weil ich sie auch in einem Rutsch gelesen habe, und weniger auf details eingehen (da haben andere ja schon gute Tipps gegeben), sondern etwas zum Aufbau sagen.

Prinzipiell war die Geschichte interessant genug, um sie von vorne bis hinten zu lesen und auch klar genug, um alles zu verstehen. Allerdings fehlte mir ein bisschen die Action. Drei Seiten lang wird diskutiert, immer, wenn man denkt, prima, jetzt geht's los! bringt wieder jemand neue Einwände. Der wirkliche Einsatz findet dann in einem halben Absatz statt - und dann sozusagen im "off".

Ich würde im Vorfeld weniger vom konkreten Zugriffsplan verraten: "während Speermann zu den Polizisten hinüberging, legten Lee und Eddi ihre Strategie fest." Punkt. Und dann später begleitest du Lee, wie er sich an den Kameras vorbeiduckt und durch die Lüftungsschächte quetscht und den Geiselnehmer belauscht, dann bangt man mit ihm, und steht gedanklich nicht draußen am Laptop bei Eddi in der Nachmittagssonne rum. Wenn du den Leser ein wenig im Unklaren lassen willst, ob es klappt, kannst du ja in dem Moment "umschalten", wo er springt. Fünf Sekunden Stille am Mikrofon. Dann meldet er sich endlich.

Ein paar Verhaltensweisen fand ich nicht ganz passend für so eine Spezialeinheit. "Was wäre es Ihnen wert?" fragen Erpresser. Ein Profi nennt einfach seinen Preis, und zwar, bevor er seine Leute aus dem Bett holt. Wenn du da einen Konflikt willst, dann lass Speermann seinen Preis erhöhen, wenn er von irgendwelchen schwierigen Umstände erfährt - oder, wenn er ein zwielichtiger Typ ist, sobald er merkt, dass Almodovar etwas zu verbergen hat.
Auch wäre es angebracht, die Kompetenzen vorher zu klären, nicht erst wenn der Profi seine Waffe läd. Hat die Polizei was dagegen oder nicht, dass sie sich einmischen? Wenn nein, wozu die Diskussion, wenn die Zeit drängt? Wenn ja, warum machen sie es dann vor aller Augen?

Wenn du Kompetenzgerangel willst, dann mische es mit Action. Spiegle die Verhandlungshindernisse in der Action. Arbeite mit Rückblenden oder schick Lee schonmal heimlich rein, lass ihn sich durch Schächte winden, während sich sein Teamleiter durch die Verhandlungen windet. Und am Schluss drohe nicht mit der Telefonnummer einer Person, die in der Geschichte bisher noch nicht einmal erwähnt wurde. Speermann hat einen viel besseren Trumpf in der Hand: "Mein Mann befindet sich gerade sprungbereit zwei Meter über dem Geiselnehmer. Wenn wir es auf unsere Weise machen, müssen Sie nur kurz da drin anrufen und ihm eine Gelegenheit verschaffen." Paukenschlag draußen, und darauf folgt dann der Paukenschlag drinnen. Der Auftraggeber ist überzeugt, dass die Einheit ihr Geld wert ist, der Einsatzleiter ist froh, dass er das Leben seiner Leute nicht mehr riskieren muss. Und das Spezialteam kommt mit der eigentlich illegalen Einmischung in einen Polizeieinsatz durch und verdient seine Öcken.


Zur Charakterbeschreibung: Ich würde jeden Charakter mit seinem Namen einführen und klarmachen, welche Rolle er spielt (Einsatzleiter, Geschäftsführer). Danach kannnst du dann Details einstreuen, wo sie Sinn ergeben. Gut ist es, wenn jede Beschreibung im Zusammenhang mit der Handlung steht. Am Anfang erfahren wir ziemlich zusammenhangslos hier und da, welche Augen- und Haarfarben verschiedene Charaktere haben, was aber für die Geschichte völlig irrelevant ist. Wenn du es für wichtig hältst, ein Bild der beiden Agenten zu zeichnen, dann verbinde es mit der Handlung. Lees Körpergröße beispielsweise ist wichtig für die Frage, ob er durch den Luftschacht passt. Das wäre eine gute Gelegenheit, darauf einzugehen, was Eddi eigentlich für einen Körperbau hat. Und wenn die beiden von der Form her aussehen wie Dick und Doof, dann kannst du gleich noch hinterherwerfen, dass der eine blond und blauäugig ist und der andere dunkel gelockt oder was auch immer. Stell sie als Kontrast dar, nicht nur vom Charakter, sondern auch äußerlich, dann kann man sich besser ein Gesamtbild von den beiden machen. Andernfalls hat man auf der dritten Seite bereits vergessen, welcher von beiden der blonde war.

Es ist übrigens viel interessanter, Details zu nennen, die nicht aus einem Personalausweis stammen wie Haar- und Augenfarbe, sondern etwas, das uns etwas über die Persönlichkeit verrät. Lee ist glattrasiert. Das zeigt uns, dass er ein ordentlicher Mensch ist, der auf sein Äußeres achtet. Wie ist Eddi? Genauso? Oder ungekämmt und das Hemd hängt ihm aus der Hose? Hat er vielleicht dieselben Klamotten wie gestern an, weil er sich die ganze Nacht herumgetrieben hat? Das wäre ein guter Ansatzpunkt, um später darauf zurückzukommen, wenn sein Chef andeutet, dass er ihn nicht mehr für verlässlich hält. Und noch viel interessanter wird es dann, wie Eddi reagiert, sobald er die Zweifel seines Chefs bemerkt. Stopft er hastig sein Hemd in die Hose und kämmt sich mit den Fingern durch die blonden Locken, um einen besseren Eindruck zu machen? Das würde uns zeigen, dass er vielleicht noch eine Chance hat, seinen Job zu behalten, weil er bereit ist, sich dafür anzustrengen.

Eddis Persönlichkeit hast du in der Geschichte am besten beschrieben, indem du seine Gedanken gezeigt hast und sein Verhalten. Bei vielen anderen Personen fehlt das ein wenig.
Der Polizist war ein erfahrener, selbstbewusster Mann und selbst von jemandem wie Speermann nicht zu beeindrucken.
„Sie und Ihre Männer räumen unverzüglich das Gelände, bevor ich Sie festnehmen und ihre zweifelhafte Ausrüstung beschlagnahmen lasse. Sie gefährden Menschenleben! Wir haben keine Verwendung für Sie.“

Der erste Satz ist eigentlich überflüssig. Der zweite zeigt nämlich genau, was du im ersten sagst: Er ist selbstbewusst, hat Erfahrung mit solchen Situationen und lässt sich von Speermann nicht beeindrucken. Zeigen (show!) ist immer besser als sagen (don't tell!). Versuche auch Sätze wie
Ein grauhaariger, hochintelligenter und aufmerksamer Mann.

durch eine Situation zu ersetzen, die zeigt, dass Wegener hochintelligent und aufmerksam ist. Überfalle deine Leser nicht mit deiner Einschätzung, sondern lass sie sich nach und nach selbst ein Bild von den Figuren machen. Fang wie oben beschrieben mit einer äußeren Beschreibung an, die ein wenig über den Menschen verrät. Der Einsatzleiter könnte z.B. übermüdet aussehen, zerknittert, verschwitzt, tiefe Furchen im Gesicht haben, die darauf hindeuten, dass es nicht sein erster langer, nervenaufreibender Einsatz ist. Alles weitere zeigst du dann durch seine Dialoge und seine Handlungen, und nicht einfach durch Adjektive.



Ich hoffe, das hilft dir ein wenig weiter und gibt dir ein paar Ideen für deine Überarbeitung :) Falls du vorhast, eine neue Version zu posten freue ich mich darauf!
Benutzeravatar
Ankh
 
Beiträge: 461
Registriert: 05.07.2015, 12:27


Zurück zu Fantasy

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste