„Bitte....ich geh mit dir wenn es sein muss...ich hab mir doch bloß ein Spielzeug zu Weihnachten gewünscht....wie.....wie...obskur ist diese Sache bitte?....Lass meine Kinder aus dem Spiel....und warum dieser Unfall?...Konntest du mich nicht einfach holen?“ Sein Vater klang nun bestimmter...bestimmt und panisch. Liam bekam es auch mit der Angst zu tun. Dieser Schattenmann wollte seinen Vater holen. Warum? Er hatte etwas vom Erstgeborenen gesagt. Und das war doch immernoch er selbst. ER musste eingreifen, vielleicht dachte der Schattenmann, er, Liam- der erstgeborene Zwilling (mit einem Vorsprung von 23 Minuten und 5 Sekunden laut Geburtsurkunde), wäre bereits tot. Wenn er sah, das er ihn noch bekommen konnte, lies der Schattenmann seinen Dad und Brian vielleicht gehen.
Liam schlug die Augen auf. Um ihn her nichts als Qualm. Kalter, geruchloser, grauer Rauch, der wie Nebel durch den Wagen waberte. Er hievte seinen schmerzenden Körper hoch und zog sich an der Kopflehne seines Vaters nach vorn. Seine Hände bluteten nicht - und waren beide noch da. „Lass meinen Dad. Du willst den Erstgeborenen. Das bin ich.“ Sagte er. Völlig tonlos - wie alles was er jemals gesagt hatte - und versuchte den Schemen auf dem Beifahrersitz besser erkennen zu können. Der Schattenmann schien keineswegs überrascht ihn zu hören. Er wendete den Kopfschemen in seine Richtung und grinste weiterhin. „Still Junge. Ichhh wollte die SEELE des Erstgeborenen....du - Bastarrrrrd - hassssst keine Seele! Und jetzt sssei so gut und lassss michhh mit deinem Vaterrrrrr rrrreden, ja!?
Von der Aussage und einer unsichtbaren Kraft nach hinten gedrückt, sank Liam erneut auf dem Rücksitz zusammen. Gerade lockte angenehm wohlige Bewusstlosigkeit, als ein Lichblitz den Wagen erhellte. Dämmrig nahm er wahr, wie sein Vater das Gesicht verzog während der Schattenmann ihm mit einem wabernden Nebelfinger gegen die Schläfe tippte. dann schrumpfte der kleine, kräftige Mann zusammen - und übrig blieb nichts als eine kleine Steinfigur die, angeschnallt auf dem Fahrersitz, grotesk verloren wirkte. Der Schattenmann streckte gerade seine fließenden Finger nach der Figur aus, als eine flinke, blutverschmierte Hand nach vorne schnellte und die Statuette schnappte. Brian war aus seiner Regungslosigkeit erwacht. Liam nutzte den Moment der Verwirrung, klappte den, vor erstaunen geöffneten, Mund zu und kletterte nach vorn. Die Motorhaube qualmte nicht, das war ein gutes Zeichen. Unbeeindruckt von dem Wesen das neben ihm zeterte und mit den Fingern nach ihm griff, drehte er den Zündschlüssel und stellte die Lüftung ein, schaltete auf den Rückwärtsgang und drückte mit geschlossenen Augen das Gaspedal durch. Der Schattenmann machte einen wabernden Satz nach vorn und entschwand, unnatürlich kreischend, durch die Belüftungsschlitze an der Konsole.
„Festhalten Brian.“ rief er seinem Bruder zu, der an dem Versuch die Tür zu öffnen um aus dem Wagen zu kommen, kläglich gescheitert war. Brian kreischte und jammerte “reeechts, links links links, das andre links....aaahhhhhuaaar...Liam pass doch.....REEECHTS!!!....“ während Liam den zerbeulten Wagen im Rückwärtsgang zurück auf die Straße lenkte. Dann wendete er quietschend und krachend, hoffte inständig das der Wagen den Weg nach Hause noch schaffen würde, denn der Schattenmann hatte sich zu einer Nebelwolke zerformt und war ihnen dicht auf den Versen.
„Liam...was zur Hölle ist da passiert?“ Brians Stimme zitterte und klang schmerzerfüllt. „Hölle kommt hin. Pass gut auf Dad auf. Bist du verletzt?“ Liam hielt den Blick starr auf die Straße. Sobald er sich umwenden würde, das wusste er sicher, wären sie verloren.
„Mein...mein Bein ist irgendwie verdreht. sonst nichts. und du?“ Liam schüttelte verneinend den Kopf, obwohl er sich nicht wirklich sicher war.
Der Jeep verreckte ihm zwei Meter vor ihrer Einfahrt. Im Nachhinein war Liam bewusst, das es nicht klug gewesen war ausgerechnet nach hause zu fahren. Vielleicht wäre eine Kirche gut gewesen. Er wusste es nicht sicher. Doch hier, bei ihnen zuhause, was sollten sie da schon ausrichten können? Sie rannten, sich gegenseitig stützend, die Auffahrt herauf und schafften es ungehindert ins Haus.
„Was nun? Sollen wir jetzt irgendwelche Geisterjäger anrufen? Was machen wir jetzt, Liam?“
Liam sah seinen Bruder ungläubig an. Ungläubig nicht wegen der Frage, die erschien ihm logisch. Unglauben machte sich breit wegen seines Anblicks. Brians Kleidung war an einigen Stellen zerrissen und Blut bahnte sich den Weg über sein Schienbein herab zum Schuh, doch alles in allem war er noch immer makellos. Sein Gesicht, selbst seine Frisur war unangetastet. Liam schüttelte den Kopf und stürmte zum Telefon. Hannibal, der in der Diele geschlafen hatte, war plötzlich hellwach, stellte die Ohren auf und machte eine Satz in Richtung der Tür. Er knurrte fies und dröhnend, so das man sich nicht sicher sein konnte, ob es der Geist war, der von draußen an der Tür rüttelte oder ob das vibrierende Beben vom Bassknurren des Hundes herrührte.
Liam kam fluchend zurück in die Diele, in der sein Bruder - die Figur fest umklammert - stand und die Tür anstarrte.
„Die haben einfach aufgelegt bei der Vermittlung.“ Liam war wütend.
