[Spannung]Sport ist Mord Kap 1 Teil 1

Krimi, Thriller, Horror, Geistergeschichten, Abenteuer und alles andere, was die Nackenhaare zu Berge stehen lässt.

[Spannung]Sport ist Mord Kap 1 Teil 1

Beitragvon snoopylein90 » 24.09.2015, 20:57

Anna
Mit letzter Kraft warf Anna die Münze in den Kaffeeautomaten, der sich surrend an die Arbeit machte.
Ihre Lider waren wie zugetackert und ihre Schuhe schienen Saugnäpfe an den Sohlen zu haben, so viel Kraft hatte es sie gekostet vom Erdgeschoss in den ersten Stock des Klinikums zu gelangen.
Der Duft von frischem Kaffee trieb die Walze der Müdigkeit ein wenig zurück, als sie den Becherrand ansetzte. Und doch wusste sie aus Erfahrung, dass sie spätestens in einer halben Stunde gnadenlos überrollt werden würde.
Ein stechender Schmerz bohrte sich in ihre Lippen. »Verdammt!«, presste sie gequält hervor und ruckte den Becher so heftig zur Seite, dass die Hälfte herausschwappte. Beinahe hysterisch begutachtete sie die braunen Flecken, die nun den weißen Ärmel ihres Kittels besudelten.
Schon eine Stunde vor Operationsende musste sie dagegen ankämpfen, nicht ständig über ihre Kleidung zu wischen. Einzig der Gedanke an den frischen Kittel im Spint, ließ sie tief durchatmen. Immerhin sah der nicht aus wie die Schürze eines Metzgers. Anna verabscheute das viele Blut, das ihr mit jeder Öffnung eines Brustkorbs entgegenspritzte und doch zwang sie sich immer wieder zur Disziplin. Schließlich gehörte das zum Alltag einer Chirurgin.
In letzter Hoffnung schnappte sie sich eine Serviette vom Stapel und rubbelte über die braun verfärbte Stelle, aber es war zu spät. Genervt verkniff sie den Mund und leckte über die verbrühte Unterlippe. Jetzt musste sie sich mit diesen Flecken die letzten drei Stunden auf der Station herumdrücken und sie würde jede Sekunde zählen, bis sie in ihre saubere Bluse schlüpfen konnte.
»Aber, aber, Frau Meininghaus«, rief Dr. Meßner durch die Kantine. »Passen Sie auf sich auf.« Er zwinkerte ihr zu und setzte sein Erfolgslächeln auf. Für Zahnpastawerbung mochte es perfekt sein, für Annas Geschmack aber eine Spur zu künstlich. »So eine gute Assistenzärztin wie Sie, hatte ich schon seit Jahren nicht mehr. Das muss an den Genen liegen.« Lässig lehnte er sich gegen die Wand und fuhr sich durch das grau melierte Haupthaar.
Am liebsten hätte Anna mit der Zunge geschnalzt, aber das konnte sie sich nicht herausnehmen. Nicht jetzt! So kurz vor der Facharztprüfung, also zwang sie ihre Mundwinkel nach oben.
Als der Möchtegern George Clooney ihr auch noch auf die Schulter klopfen wollte, wich Anna zurück. Oft genug hatte sie seine Masche beobachtet. Wenn er erst mal Körperkontakt aufgebaut hatte, dauerte es nicht lang, bis er die unangemessenen Stellen berührte.
»Ich tu mein Bestes, danke«, schmetterte sie ihn ab und ging sicherheitshalber noch einen Schritt zurück.
An Transplantationstagen, wie heute, flirtete er besonders gern. Da spielte es auch keine Rolle, dass er ihr Vorgesetzter war. Bereits im OP hatte er den ersten Annäherungsversuch gestartet. Im Vorbeigehen hatte er ihr ins Ohr gehaucht, ob er ihr das Blut von der Brust wischen sollte und wie immer nur ein müdes Lächeln geerntet.
Meist reichte das auch um ihn abzuwimmeln und er suchte sich neue Opfer. Einige Schwestern versüßten ihm gerne die Mittagspause oral, doch manchmal stillte auch das seine Gier nach jungem Fleisch nicht. Heute schien so ein Tag zu sein, denn er seine graublauen Augen blickten Anna nach wie vor lüstern an.
Das musste aufhören. Es waren nur noch wenige Wochen bis zum Ziel und die wollte sie nicht als sein persönliches Lustobjekt verbringen.
Entschlossen setzte sie zu einer gewaltigen Abfuhr an, da ging ihr Piepser in der Brusttasche los. Glück gehabt! Anna stellte das Gerät aus und ruckte mit dem Kinn zur Tür. »Sie entschuldigen mich.« Sie leerte den Becher auf einen Zug, zerquetschte die Pappe und warf ihn über die Schulter in den Papierkorb. Mittlerweile war sie Meisterin darin. Kein Wunder! An Gelegenheiten ihre Wurftechnik zu verbessern mangelte es ihr bei weitem nicht. Diese Klinik war praktisch zu ihrem Heim geworden.
Die Sohlen ihrer Clocks schmatzten auf dem PVC Boden und Anna beschleunigte ihre Schritte, um den sich schließenden Fahrstuhl noch zu erreichen. Ein kurzer aber bestimmender Pfiff hallte hinter ihr durch den Flur bevor sie sich die Türen entgültig zuschoben. Bloß weg von hier! Ein langer Gähner zwang ihre Kiefer auseinander. Sie war mittlerweile seit zwanzig Stunden auf den Beinen und davon hatte sie acht im Operationssaal verbracht. Neben diesem Lustmolch!
Seit der Veröffentlichung des Artikels über den Statuserhalt Transplantationszentrum hatten ihre ehemaligen Kommilitonen bereits mehrfach ihren Neid durchklingen lassen. Auf dem Titelbild der Lokalblätter verblasste Anna neben dem Zahnpastalächeln von Dr. Meßner. Sie bevorzugte es ihr blasses Gesicht hinter einer Hornbrille und einem buschigen Pony zu verstecken. Nicht das sie scharf auf diese Prominenz gewesen wäre, aber immerhin hatte sie die Herztransplantation des zehnjährigen Jungen auf Zimmer zwölf, zwar unter seiner Aufsicht, aber eigenhändig durchgeführt.
Ungeduldig wippte Anna mit dem Fuß, bis sich endlich die Türen zur Station öffneten. Sie wusste genau wer ihr den im Nachhinein rettenden Hilferuf gesandt hatte. Wer weiß was sie ihrem Chef ansonsten an den Kopf geschmettert hätte und das unter den neugierigen Blicken der Kollegen.
Anna freute sich bereits auf ihren Lieblingszivi, der in jeder Lebenslage zur Stelle schien. Mit einer Patientenakte bewaffnet wartete er bereits auf sie. Tom war zwar nicht so hochgewachsen wie ihr Chef, aber mindestens genauso gut trainiert und halb so alt.
»Die Patientin auf Zimmer zehn braucht dringend eine neue Kanüle«, hallte seine Honigstimme durch den leeren Gang.
Anna nahm ihm die Patientenakte ab und wusste auch ohne auf dem Namen zu sehen, um wen es ging. »Hat sie sich diese auch herausgerissen?« Gerade noch rechtzeitig presste sie ihre Hand auf den Mund, bevor sich der Gähner ganz entfalten konnte.
Er kratzte sich verlegen durch den Dreitagebart. »Waren Sie heute wieder im OP?«
Anna nickte leicht, während sie die Akte aufschlug und schob sich ihre Brille hoch.
»Sie nehmen auf der Karriereleiter zur Zeit aber immer gleich zwei Sprossen, Frau Dr.«, witzelte er und brachte Anna damit zum Schmunzeln.
Wieder eine Tatsache um die sie ihre Kollegen beneideten: Allein im letzten Monat hatte sie bei vier großen Transplantationen assistieren dürfen. Der Plan, das Lebenswerk ihres Vaters weiterzuführen, war bisher also mehr als gut gelaufen. Ihre ehemaligen Kommilitonen hatten da ganz andere Erfahrungen gemacht.
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Re: [Spannung]Sport ist Mord Kap 1 Teil 1

Beitragvon EmmaR » 25.09.2015, 11:00

Hallo,
meine Gedanken zu deinem Text. Als immer noch relativer Neuling eher aus dem Bauch heraus, als tiefgründig und fundiert.

Anna
Mit letzter Kraft warf Anna die Münze in den Kaffeeautomaten, der sich surrend an die Arbeit machte. 
Ihre Lider waren wie zugetackert und ihre Schuhe schienen Saugnäpfe an den Sohlen zu haben, so viel Kraft hatte es sie gekostet vom Erdgeschoss in den ersten Stock des Klinikums zu gelangen. 
Der Duft von frischem Kaffee trieb die Walze der Müdigkeit ein wenig zurück, als sie den Becherrand ansetzte. Und doch wusste sie aus Erfahrung, dass sie spätestens in einer halben Stunde gnadenlos überrollt werden würde. 



Ihre Lider waren wie zugetackert...das würde ja heißen, sie bekommt sie überhaupt nicht mehr auf. Da würde ich glaube ich eine andere Wortwahl bevorzugen. z.B. Lieder bleischwer, wobei diese Formulierung recht abgedroschen ist. Evtl.: ließen sich kaum noch offen halten oder hatten der Schwerkraft kaum noch etwas entgegen zu setzen.
...gnadenlos überrollt werden würde. 
Um da als Leser nicht kurz zu stutzen, wer wen wo überrollt, würde ich ein ...von ihr gnadenlos... einfügen.
Ansonsten, es wird ein klares Bild vermittelt, wie kaputt Anna ist. Auch das mit der Walze der Müdigkeit finde ich richtig gut.

Ein stechender Schmerz bohrte sich in ihre Lippen. »Verdammt!«, presste sie gequält hervor und ruckte den Becher so heftig zur Seite, dass die Hälfte herausschwappte. Beinahe hysterisch begutachtete sie die braunen Flecken, die nun den weißen Ärmel ihres Kittels besudelten. 
Schon eine Stunde vor Operationsende musste sie dagegen ankämpfen, nicht ständig über ihre Kleidung zu wischen. Einzig der Gedanke an den frischen Kittel im Spint, ließ sie tief durchatmen. Immerhin sah der nicht aus wie die Schürze eines Metzgers. Anna verabscheute das viele Blut, das ihr mit jeder Öffnung eines Brustkorbs entgegenspritzte und doch zwang sie sich immer wieder zur Disziplin. Schließlich gehörte das zum Alltag einer Chirurgin. 


Das ruckte würde ich vielleicht mit riss ersetzen. Ich kann nicht genau erklären wieso, aber an dem „ruckte“ bin ich einfach kurz hängen geblieben.
….dass die Hälfte heraus schwappte. Es ist klar, was gemeint ist. Trotzdem gehört für meinen Geschmack da ein ...die Hälfte des Kaffees....dazwischen.
Begutachten ist für mich etwas, das still und ruhig von Statten geht. Dazu passt das hysterisch nicht so ganz (ist nur meine Meinung!). Beäugte, starrte an, oder beinahe/fast panisch/hysterisch sah sie auf die Flecken wäre meine Wahl.
Spind mit D soweit ich weiß.
Entgegen spritzte würde ich in zwei Worten schreiben.


In letzter Hoffnung schnappte sie sich eine Serviette vom Stapel und rubbelte über die braun verfärbte Stelle, aber es war zu spät. Genervt verkniff sie den Mund und leckte über die verbrühte Unterlippe. Jetzt musste sie sich mit diesen Flecken die letzten drei Stunden auf der Station herumdrücken und sie würde jede Sekunde zählen, bis sie in ihre saubere Bluse schlüpfen konnte.
»Aber, aber, Frau Meininghaus«, rief Dr. Meßner durch die Kantine. »Passen Sie auf sich auf.« Er zwinkerte ihr zu und setzte sein Erfolgslächeln auf. Für Zahnpastawerbung mochte es perfekt sein, für Annas Geschmack aber eine Spur zu künstlich. »So eine gute Assistenzärztin wie Sie, hatte ich schon seit Jahren nicht mehr. Das muss an den Genen liegen.« Lässig lehnte er sich gegen die Wand und fuhr sich durch das grau melierte Haupthaar. 


Das „vom Stapel“ würde ich ganz weglassen. ...schnappte sich eine Serviette und rubbelte...
Genervt verkniff sie.....hat mich etwas aufgehalten, in diesem Zusammenhang ist das für mich „sich etwas verkneifen“ also etwas nicht zu tun. Da würde ich glaube ich schreiben: genervt kniff sie die Lippen zusammen.
Weiter oben schreibst du von einem sauberen Kittel, hier nun von einer sauberen Bluse. Das bringt mich kurz aus dem Lesefluss, weil ich denke, ich habe etwas überlesen und im Text nochmals zurückgehe.
Jetzt kommt Dr. Meßner ins Spiel. Was ich nicht kapiere, wieso sagt er, sie solle auf sich aufpassen? Hat er gesehen, dass sie sich verbrüht hat? Oder wegen der Flecke? Da würde es nicht unbedingt passen. Das ist etwas unklar und bremst den Lesefluss.
Haupthaar würde ich das Haupt streichen. Es ist klar, durch welches Haar er sich fährt. :oops:

Am liebsten hätte Anna mit der Zunge geschnalzt, aber das konnte sie sich nicht herausnehmen. Nicht jetzt! So kurz vor der Facharztprüfung, also zwang sie ihre Mundwinkel nach oben.
Als der Möchtegern George Clooney ihr auch noch auf die Schulter klopfen wollte, wich Anna zurück. Oft genug hatte sie seine Masche beobachtet. Wenn er erst mal Körperkontakt aufgebaut hatte, dauerte es nicht lang, bis er die unangemessenen Stellen berührte. 

Also, Dr. Meßner rief durch die Kantine und hat sich dann an die Wand gelehnt. Nun will er ihr auf die Schulter klopfen. Es ist also an sie heran getreten, hat sich ihr genähert. Das würde ich glaub ich erwähnen. Das bringt mich kurz raus beim Lesen, dass er nun auf einmal in „Griffweite“ bei ihr steht.

»Ich tu mein Bestes, danke«, schmetterte sie ihn ab und ging sicherheitshalber noch einen Schritt zurück.
An Transplantationstagen, wie heute, flirtete er besonders gern. Da spielte es auch keine Rolle, dass er ihr Vorgesetzter war. Bereits im OP hatte er den ersten Annäherungsversuch gestartet. Im Vorbeigehen hatte er ihr ins Ohr gehaucht, ob er ihr das Blut von der Brust wischen sollte und wie immer nur ein müdes Lächeln geerntet. 


Da würde ich nach „von der Brust wischen solle“ einen Punkt machen. Wie immer erntete er von ihr nur ein....

Meist reichte das auch um ihn abzuwimmeln und er suchte sich neue Opfer. Einige Schwestern versüßten ihm gerne die Mittagspause oral, doch manchmal stillte auch das seine Gier nach jungem Fleisch nicht. Heute schien so ein Tag zu sein, denn er seine graublauen Augen blickten Anna nach wie vor lüstern an. 
Das musste aufhören. Es waren nur noch wenige Wochen bis zum Ziel und die wollte sie nicht als sein persönliches Lustobjekt verbringen. 


Der Satz mit den graublauen Augen, das hat sich ein „Er“ eingeschlichen.
Nach „Wochen bis zum Ziel“ würde ich eine neuen Satz anfangen. Das macht die Sache „dringender, schneller“.

Entschlossen setzte sie zu einer gewaltigen Abfuhr an, da ging ihr Piepser in der Brusttasche los. Glück gehabt! Anna stellte das Gerät aus und ruckte mit dem Kinn zur Tür. »Sie entschuldigen mich.« Sie leerte den Becher auf einen Zug, zerquetschte die Pappe und warf ihn über die Schulter in den Papierkorb. Mittlerweile war sie Meisterin darin. Kein Wunder! An Gelegenheiten ihre Wurftechnik zu verbessern mangelte es ihr bei weitem nicht. Diese Klinik war praktisch zu ihrem Heim geworden.

Jetzt wird’s vielleicht etwas kleinlich, ich würde das „Kaffee austrinken“ etwas umformulieren.
Sie leerte den Becher in einem Zug. Oder besser: in großen Schlucken. Begründung: ganz kurz hatte ich das Bild eines Güterzuges, auf den sie ihren Kaffee schüttete. Dieser hat aber in der Kantine eines Krankenhauses nix zu suchen. :shock:

Die Sohlen ihrer Clocks schmatzten auf dem PVC Boden und Anna beschleunigte ihre Schritte, um den sich schließenden Fahrstuhl noch zu erreichen. Ein kurzer aber bestimmender Pfiff hallte hinter ihr durch den Flur bevor sie sich die Türen entgültig zuschoben. Bloß weg von hier! Ein langer Gähner zwang ihre Kiefer auseinander. Sie war mittlerweile seit zwanzig Stunden auf den Beinen und davon hatte sie acht im Operationssaal verbracht. Neben diesem Lustmolch! 

Nun hat sie den Fahrstuhl noch erwischt. Irgendwas oder irgendwer gab einen bestimmenden Pfiff ab. Wer? Warum? Da bin ich dran hängen geblieben.
Endgültig, da hat sich verbotener Weise ein T eingeschlichen.
Ein langer Gähner....hört sich bissle holprig an. Hier würde ich lieber schreiben: ein unbezwingbares Gähnen, oder ein Gähnen, das sich nicht zurückhalten ließ...
Nach zwanzig Stunden auf den Beinen würde ich einen Punkt machen und einen neuen Satz beginnen.

Ungeduldig wippte Anna mit dem Fuß, bis sich endlich die Türen zur Station öffneten. Sie wusste genau wer ihr den im Nachhinein rettenden Hilferuf gesandt hatte. Wer weiß was sie ihrem Chef ansonsten an den Kopf geschmettert hätte und das unter den neugierigen Blicken der Kollegen. 
Anna freute sich bereits auf ihren Lieblingszivi, der in jeder Lebenslage zur Stelle schien. Mit einer Patientenakte bewaffnet wartete er bereits auf sie. Tom war zwar nicht so hochgewachsen wie ihr Chef, aber mindestens genauso gut trainiert und halb so alt. 
»Die Patientin auf Zimmer zehn braucht dringend eine neue Kanüle«, hallte seine Honigstimme durch den leeren Gang.


..hallte seinen Honigstimme...vielleicht liege ich da falsch, aber eine Stimme die hallt ist für mich etwas unangenehmes. Dazu passt das Honig nicht. Ich kann das aber gar nicht näher begründen.

Anna nahm ihm die Patientenakte ab und wusste auch ohne auf dem Namen zu sehen, um wen es ging. »Hat sie sich diese auch herausgerissen?« Gerade noch rechtzeitig presste sie ihre Hand auf den Mund, bevor sich der Gähner ganz entfalten konnte.

...ohne auf DEN Namen....

Die Stimmung von Anna ist gut beschrieben. Die langen Dienstzeiten, Annäherungsversuche von einem Vorgesetzten, ihr Zorn darüber. Trotzdem darf/will sie sich nicht zu scharf dagegen wehren um ihre Aufstiegschancen nicht zu gefährden. Gut beschrieben! Total nachvollziehbar. Die Anna kommt recht sympathisch rüber.
Was ich nicht weiß: gibt es eine Kurzgeschichte oder einen Roman?
Für einen Roman kann man es sicherlich etwas langsamer angehen. Dass es mit dem schmierigen Arzt noch etwas auszustehen gibt wird ja deutlich. Es fehlt mir trotzdem etwas die Spannung. Um die Spannung bei Leser etwas mehr aufzubauen, könnte man vielleicht mit einer Andeutung am Schluss des ersten Kapitels die Sache etwas anheizen.
Was du brauchen kannst, nimm, was nicht, wirf weg.
Grüßle
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Re: [Spannung]Sport ist Mord Kap 1 Teil 1

Beitragvon parallaxe » 26.09.2015, 00:12

Hallo,

ich möchte auch etwas beitragen. Fangen wir mit dem Positiven an. Ich finde deine Andeutung über den Krankenhausalltag ziemlich gelungen. Übermüdete Ärzte, nennen wir die sexistischen Übergriffe mal soziale Spannungen - insgesamt durchaus ein authentisches Bild. Dennoch würde ich einige Sachen anmerken.

Ihre Lider waren wie zugetackert und ihre Schuhe schienen Saugnäpfe an den Sohlen zu haben, so viel Kraft hatte es sie gekostet vom Erdgeschoss in den ersten Stock des Klinikums zu gelangen.


Ich würde wie meine Vorrednerin, von bleiernen Lidern oder Ähnliches sprechen. 'Zugetacker' löst in mir eher ein makaberes Bild aus und beschreibt vermutlich eher das Gefühl der Augenlider am frühen Morgen. :D

Ein stechender Schmerz bohrte sich in ihre Lippen. »Verdammt!«, presste sie gequält hervor und ruckte den Becher so heftig zur Seite, dass die Hälfte herausschwappte. Beinahe hysterisch begutachtete sie die braunen Flecken, die nun den weißen Ärmel ihres Kittels besudelten.


Ich muss ganz ehrlich gestehen, ich habe mir noch nie die Lippen verbrannt. Zunge? Kein Problem. Bekomme ich regelmäßig hin und dann gibt es auch dieses ätzende Taubheitsgefühl! :D Aber Lippen würde ich als unwahrscheinlich einschätzen, da die Unterlippe z.B. eher Kontakt mit dem Trinkgefäß hat. Das ist bloß ein Detail und steht auch nur mit meiner Erfahrungswelt im Konflikt. ;)

Beinahe hysterisch (1) begutachtete sie die braunen Flecken, die nun den weißen Ärmel ihres Kittels besudelten.

Schon eine Stunde vor Operationsende musste sie dagegen ankämpfen, nicht ständig über ihre Kleidung zu wischen. Einzig der Gedanke an den frischen Kittel im Spint, ließ sie tief durchatmen (1). Immerhin sah der nicht aus wie die Schürze eines Metzgers (2). Anna verabscheute das viele Blut, das ihr mit jeder Öffnung eines Brustkorbs entgegenspritzte und doch zwang sie sich immer wieder zur Disziplin. Schließlich gehörte das zum Alltag einer Chirurgin.


Hier habe ich zwei Fragen/Anmerkungen (fangen wir mal mit (2) an):

(2) Beim Betreten und Verlassen eines OP müssen alle Operateure durch ein Schleuse. Beim Eintreten legen sie ihre Kleidung ab und ziehen sterile OP-Kleidung an. Beim Verlassen des OP, wird die (nun nicht mehr sterile) OP-Kleidung abgelegt und direkt in einen Wäschesack gegeben. Das heißt zum einen, der Kittel wird nicht blutig, wenn nicht gerade ein Patient auf Station das voll blutet (z.B. durch das ziehen des Zugangs oder Ähnliches) und zum anderen, bist du in einem Krankenhaus mal einem besudeltem Arzt begegnet? Vor allem in der Kantine? Das hat mit dem Einzug der Hygiene Ende des 19. Jahrhunderts aufgehört, denke ich. :D

(1) Falls ich (2) falsch verstanden habe und Anna gar nicht mit Blut besudelt da steht ist das hinfällig: aber warum regt sie sich auf, wenn der Kittel bereits blutverschmiert ist?
Falls sie nicht blutverschmiert ist: Es ist eine kleine emotionale Achterbahn, dass sie sich erst aufregt um sich dann kurz darauf wieder zu beruhigen, da sie ja einen Ersatzkittel mit hat. Ist das gewünscht?

Anna verabscheute das viele Blut, das ihr mit jeder Öffnung eines Brustkorbs entgegenspritzte und doch zwang sie sich immer wieder zur Disziplin. Schließlich gehörte das zum Alltag einer Chirurgin. [...] Sie war mittlerweile seit zwanzig Stunden auf den Beinen und davon hatte sie acht im Operationssaal verbracht.


Diesen Sachverhalt finde ich unrealistisch. Klar, kann es passieren, das man als Chirurg im Bereitschaftsdienst eine Not-OP durchführen muss, aber eine Transplantation gehört meiner Meinung nach nicht dazu. Was ist den den zwölf Stunden zuvor passiert und warum führt sie dann eine Transplantation durch?

Soviel zu meinem Feedback. Ich bin natürlich kein Kenner des Krankenhausbetriebs und es gibt gewiss Missstände auf die man hinweisen kann - aber einiges scheint mir doch sehr schwarz gemalt zu sein. Ich lasse mich aber gerne belehren.

Viele Grüße.
parallaxe
 
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Re: [Spannung]Sport ist Mord Kap 1 Teil 1

Beitragvon Arya007 » 26.09.2015, 13:58

Ich bin zu allererst am Titel hängen geblieben. Sport ist Mord, was hat das mit einer Chirurgin zu tun?
Das wird mir aus dem Text nicht klar.

snoopylein90 hat geschrieben:Mit letzter Kraft warf Anna die Münze in den Kaffeeautomaten, der sich surrend an die Arbeit machte.

Toller erster Satz! Nur ich würde nicht "die Münze" sondern "eine Münze" der bestimmte Artikel passt meiner Meinung nach nicht

snoopylein90 hat geschrieben: dass sie spätestens in einer halben Stunde gnadenlos überrollt werden würde.

hier würde ich ein "wieder" einfügen, weil der Kaffe die Walze ja zurück treibt, diese aber nachher wieder kommen wird.

snoopylein90 hat geschrieben:Genervt verkniff sie den Mund

kniff sie den Mund zusammen

snoopylein90 hat geschrieben:Am liebsten hätte Anna mit der Zunge geschnalzt,

missbilligend mit der Zunge geschnalzt, sonst ist es doch nicht schlimm mit der Zunge zu schnalzen

snoopylein90 hat geschrieben: Ein kurzer aber bestimmender Pfiff hallte hinter ihr durch den Flur
wie wär es mit dem Anhang ",sie musste sich nicht umdrehen um zu wissen, dass er ihr ungeniert auf den Hintern starrte"

Soweit finde ich den Text sehr viel versprechend und würde gerne mehr lesen! Es sind nur ein paar kleine inhaltliche Sachen die mich gestört haben ansonsten habe ich nichts zu bemängeln!
Lg Arya
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Re: [Spannung]Sport ist Mord Kap 1 Teil 1

Beitragvon jansenbusch » 30.09.2015, 16:46

Hallo kleiner Snoopy ,
auch ein paar Kommentare von mir. Ich habe mit Absicht KEINEN der bisherigen Kommentierungen gelesen, also wenn hier was Doppelt ist, dann lies drüber.
Vorab was mir gefallen hat:
- Schöne Details, schöne Bilder (da und dort etwas zuviel)
- Figuren sehr schön eingeführt.
- Gute Schreibe, man merkt dass Du dir handwerklich echt Mühe gegeben hast
- Kleiner Konflikt, auch nicht schlecht. wenngleich...

Vorab, was vielleicht noch etwas verbessert werden kann:
- Die sexuelle Belästigung etwas zu breit gewalzt
- Die ein oder andere kleine Ungereimtheit in der Logik


Hier nun meine konkrete Anmerkungen:

Mit letzter Kraft warf Anna die Münze in den Kaffeeautomaten, der sich surrend an die Arbeit machte.
Ihre Lider waren wie zugetackert und ihre Schuhe schienen Saugnäpfe an den Sohlen zu haben, so viel Kraft hatte es sie gekostet vom Erdgeschoss in den ersten Stock des Klinikums zu gelangen.

Sehr schönes Bild mit den zugetackerten Augen und den Saugnäpfen, aber der Satz nach dem Komma mit "so viel Kraft hatte es sie gekostet" beschreibt genau das gleiche. Passiert häufig: Schönes Bild, aber dann wird genau das gleiche nochmal in Worten beschrieben. Vorschlag:
"Der Weg in den ersten Stock des Klinikums war eigentlich kurz, aber ihre Schuhe schienen Saugnäpfe zu haben, und ihre Lieder waren wie zugetackert".


Der Duft von frischem Kaffee trieb die Walze der Müdigkeit ein wenig zurück, als sie den Becherrand ansetzte. Und doch wusste sie aus Erfahrung, dass sie spätestens in einer halben Stunde gnadenlos überrollt werden würde. Ein stechender Schmerz bohrte sich in ihre Lippen. »Verdammt!«, presste sie gequält hervor und ruckte den Becher so heftig zur Seite, dass die Hälfte herausschwappte. Beinahe hysterisch begutachtete sie die braunen Flecken, die nun den weißen Ärmel ihres Kittels besudelten.

Auch eines der schönen Bilder, das mit der "Walze der Müdigkeit". Eine Kleinigkeit: was ist "beinahe" hysterisch? Solche Abschwächungen sind sprachlich oftmals etwas nachlässig.


Schon eine Stunde vor Operationsende musste sie dagegen ankämpfen, nicht ständig über ihre Kleidung zu wischen. Einzig der Gedanke an den frischen Kittel im Spint, ließ sie tief durchatmen. Immerhin sah der nicht aus wie die Schürze eines Metzgers. Anna verabscheute das viele Blut, das ihr mit jeder Öffnung eines Brustkorbs entgegenspritzte und doch zwang sie sich immer wieder zur Disziplin. Schließlich gehörte das zum Alltag einer Chirurgin.

Da bin ich das erste mal etwas gestolptert: Es dauert, bis der Leser erfährt, dass der Kittel während der Operation nicht weiß war und der Kaffeefleck nicht der erste Fleck ist. Dann ist es etwas unlogisch, dass eine Frau Chirurgin wird, und kein Blut sehen kann, und warum macht der Kaffeefleck sie hysterisch? Vielleicht diese Passage kürzen.


In letzter Hoffnung schnappte sie sich eine Serviette vom Stapel und rubbelte über die braun verfärbte Stelle, aber es war zu spät. Genervt verkniff sie den Mund und leckte über die verbrühte Unterlippe. Jetzt musste sie sich mit diesen Flecken die letzten drei Stunden auf der Station herumdrücken und sie würde jede Sekunde zählen, bis sie in ihre saubere Bluse schlüpfen konnte.

Mir erschließt sich nicht, dass sie Sekunden zählt, nur um an eine saubere Bluse zu kommen. Weiter unten wird von 20 Stunden Schicht gesprochen, also sollte sie die Sekunden bis zum Bett zählen, aber "saubere Bluse"? Das ist ihre Sorge? Das passt nicht so ganz zur Figur. Herzoperationen, 20 Stunden Schichten, das ist eine knallharte Arbeiterin. Die Bluse sollte ihre geringste Sorge sein.


»Aber, aber, Frau Meininghaus«, rief Dr. Meßner durch die Kantine. »Passen Sie auf sich auf.« Er zwinkerte ihr zu und setzte sein Erfolgslächeln auf. Für Zahnpastawerbung mochte es perfekt sein, für Annas Geschmack aber eine Spur zu künstlich.

Wieder ein schönes Bild, das vielleicht noch gekürzt werden kann: "Für Zahnpastawerbung mochte es perfekt sein, für Anna aber zu künstlich".


»So eine gute Assistenzärztin wie Sie, hatte ich schon seit Jahren nicht mehr. Das muss an den Genen liegen.«

Mir ist klar, dass mit "Das muss an den Genen liegen" der Hinweis darauf sein soll, dass Anna (scheinbar) der Nachwuchs des "Chefs" ist und welche Position sie hat. Gut gedacht (Dialog als Informationsübermittlung). Nur passt dieser Satz vom Doktor an der Stelle nicht so optimal. Da steht Anna an der Kaffeemaschine, Blut- und Kaffee-besudelter Kittel, scheinbar einsam in der Kantine (ist die wirklich leer um die Uhrzeit? Welche Uhrzeit?), und der Schmierlappen hat nichts besseres zu tun, als eine Zusammenfassung ihrer Person zu liefern? Hm.


Lässig lehnte er sich gegen die Wand und fuhr sich durch das grau melierte Haupthaar.
Am liebsten hätte Anna mit der Zunge geschnalzt, aber das konnte sie sich nicht herausnehmen. Nicht jetzt! So kurz vor der Facharztprüfung, also zwang sie ihre Mundwinkel nach oben.
Als der Möchtegern George Clooney ihr auch noch auf die Schulter klopfen wollte, wich Anna zurück. Oft genug hatte sie seine Masche beobachtet. Wenn er erst mal Körperkontakt aufgebaut hatte, dauerte es nicht lang, bis er die unangemessenen Stellen berührte.

Sehr schön. Ein kleiner Hinweis: Die Logik ihres Handelns muss nicht beschrieben werden, das ergibt sich durch die reine Beschreibung. Also statt
"Nicht jetzt! So kurz vor der Facharztprüfung, also zwang sie ihre Mundwinkel nach oben."
reicht auch
"Nicht jetzt, so kurz vor der Facharztprüfung. Sie zwang ihre Mundwinkel nach oben."


»Ich tu mein Bestes, danke«, schmetterte sie ihn ab und ging sicherheitshalber noch einen Schritt zurück.

Auch wieder die Logik ihres Handelns. Ich finde, es reicht: "»Ich tu mein Bestes, danke«, schmetterte sie ihn ab und ging einen Schritt zurück.


An Transplantationstagen, wie heute, flirtete er besonders gern. Da spielte es auch keine Rolle, dass er ihr Vorgesetzter war. Bereits im OP hatte er den ersten Annäherungsversuch gestartet. Im Vorbeigehen hatte er ihr ins Ohr gehaucht, ob er ihr das Blut von der Brust wischen sollte und wie immer nur ein müdes Lächeln geerntet.

Hier ist es noch ok mit der Beschreibung der Belästigung. Aber eine Frage zur Logik: "Bereits im OP hatte er den ersten Annäherungsversuch gestartet.". Den ERSTEN? Wirklich? Scheinbar arbeiten beide schon "seit Jahren" zusammen, da wird er es wohl schon früher probiert haben. Geht da nicht ein "Auch im OP hatte er Annäherungsversuche gestartet."


Meist reichte das auch um ihn abzuwimmeln und er suchte sich neue Opfer. Einige Schwestern versüßten ihm gerne die Mittagspause oral, doch manchmal stillte auch das seine Gier nach jungem Fleisch nicht. Heute schien so ein Tag zu sein, denn er seine graublauen Augen blickten Anna nach wie vor lüstern an.

Ab hier ist es mir zu Klischeehaft: "Gier nach jungem Fleisch", "blickte Anna lüstern an". Bisher schöne Bilder, kein einziges Klischee, und dann gleich zwei. Abgesehen davon passt die Logik nicht: Wer sich , ähem *räusper* einen blasen lässt, hat ja nix vom "jungen Fleisch".


Das musste aufhören. Es waren nur noch wenige Wochen bis zum Ziel und die wollte sie nicht als sein persönliches Lustobjekt verbringen.
Entschlossen setzte sie zu einer gewaltigen Abfuhr an, da ging ihr Piepser in der Brusttasche los. Glück gehabt! Anna stellte das Gerät aus und ruckte mit dem Kinn zur Tür. »Sie entschuldigen mich.« Sie leerte den Becher auf einen Zug, zerquetschte die Pappe und warf ihn über die Schulter in den Papierkorb. Mittlerweile war sie Meisterin darin. Kein Wunder! An Gelegenheiten ihre Wurftechnik zu verbessern mangelte es ihr bei weitem nicht. Diese Klinik war praktisch zu ihrem Heim geworden.

Schöner Einfall, mit dem Piepser die Situation zu entkoppeln. Klassisch: Dilemma, Entscheidung durch Einwirkung von außen. Aber ich bin gestolpert über: "Sie leerte den Becher auf einen Zug": Oben noch brennend heiß, die ganze Situation bis hierher hat keine 30 Sekunden gedauert, und das hat den Kaffee abgekühlt? Entweder stellt sie den vollen Becher weg, oder der Dialog mit dem Schmierlappen muss länger dauern.
Und "Diese Klinik war praktisch zu ihrem Heim geworden": Das kann zuviel sein. Bis zu dieser Stelle ist klar geworden, dass sie viel arbeitet und dann logischerweise viel in der Klinik ist. Es ist so ein Satz für Leser, die es bisher nicht begriffen haben. Aber Leser begreifen es trotzdem...


Die Sohlen ihrer Clocks schmatzten auf dem PVC Boden und Anna beschleunigte ihre Schritte, um den sich schließenden Fahrstuhl noch zu erreichen. Ein kurzer aber bestimmender Pfiff hallte hinter ihr durch den Flur bevor sie sich die Türen entgültig zuschoben. Bloß weg von hier! Ein langer Gähner zwang ihre Kiefer auseinander. Sie war mittlerweile seit zwanzig Stunden auf den Beinen und davon hatte sie acht im Operationssaal verbracht. Neben diesem Lustmolch!

Schön, das mit dem "schmatzen" und der "Pfiff", werden mal neue Reize gefordert. nur der "Lustmolch" macht es irgendwie kaputt.


Seit der Veröffentlichung des Artikels über den Statuserhalt Transplantationszentrum hatten ihre ehemaligen Kommilitonen bereits mehrfach ihren Neid durchklingen lassen. Auf dem Titelbild der Lokalblätter verblasste Anna neben dem Zahnpastalächeln von Dr. Meßner. Sie bevorzugte es ihr blasses Gesicht hinter einer Hornbrille und einem buschigen Pony zu verstecken. Nicht das sie scharf auf diese Prominenz gewesen wäre, aber immerhin hatte sie die Herztransplantation des zehnjährigen Jungen auf Zimmer zwölf, zwar unter seiner Aufsicht, aber eigenhändig durchgeführt.

Gute Idee, ihre äußere Erscheinung über ein Zeitungsfoto zu beschreiben, schön gemacht. Nur bin ich wieder über die Logik gestolpert: Ist gerade mal Assistenzärztin und macht eine Herztransplantation eigenhändig? Das glaube ich einfach nicht.


Ungeduldig wippte Anna mit dem Fuß, bis sich endlich die Türen zur Station öffneten. Sie wusste genau wer ihr den im Nachhinein rettenden Hilferuf gesandt hatte. Wer weiß was sie ihrem Chef ansonsten an den Kopf geschmettert hätte und das unter den neugierigen Blicken der Kollegen.

Da bin ich wieder gestolpert: "Unter den neugierigen Blicken der Kollegen". Da sind also doch noch Leute in der Kantine? Bisher noch nicht erwähnt, der Leser glaubt beide alleine vor der Kaffeemaschine in einer leeren Kantine I(warum eigentlich die Kantine, und keine Kaffeeküche wie in Krankenhäusern üblich?)
Und ein Hinweis zur Sprache: "Sie wusste genau wer ihr den im Nachhinein rettenden Hilferuf gesandt hatte." das "genau" ist überflüssig, "Sie wusste, wer ihr den rettenden Hilferuf.." reicht. Auch das "Im Nachhinein" brauchts nicht.


Anna freute sich bereits auf ihren Lieblingszivi, der in jeder Lebenslage zur Stelle schien.

Da wird eine neue Figur eingeführt, gut gemacht. Nur mit "der in jeder Lebenslage zur Stelle schien." wird es wieder sehr schemenhaft und allgemein: Was ist "jede Lebenslage", und was ist "zur Stelle", und warum "scheinen"? Drei Fragen zu einem Nebensatz...


Mit einer Patientenakte bewaffnet wartete er bereits auf sie. Tom war zwar nicht so hochgewachsen wie ihr Chef, aber mindestens genauso gut trainiert und halb so alt.
»Die Patientin auf Zimmer zehn braucht dringend eine neue Kanüle«, hallte seine Honigstimme durch den leeren Gang.

"Honigstimme" kann ich mir zwar nicht vorstellen, aber ein schönes Wort. Aber eine Frage: Anna macht Herztransplantationen, und wird für eine Kanüle gerufen?


Anna nahm ihm die Patientenakte ab und wusste auch ohne auf dem Namen zu sehen, um wen es ging. »Hat sie sich diese auch herausgerissen?« Gerade noch rechtzeitig presste sie ihre Hand auf den Mund, bevor sich der Gähner ganz entfalten konnte.
Er kratzte sich verlegen durch den Dreitagebart. »Waren Sie heute wieder im OP?«

"Gähner", die sich "entfalten", sehr schön.


Anna nickte leicht, während sie die Akte aufschlug und schob sich ihre Brille hoch.

Nur eine sprachliche Ungenauigkeit: "..und sich ihre Brille hochschob" klingt besser.


»Sie nehmen auf der Karriereleiter zur Zeit aber immer gleich zwei Sprossen, Frau Dr.«, witzelte er und brachte Anna damit zum Schmunzeln.
Wieder eine Tatsache um die sie ihre Kollegen beneideten: Allein im letzten Monat hatte sie bei vier großen Transplantationen assistieren dürfen. Der Plan, das Lebenswerk ihres Vaters weiterzuführen, war bisher also mehr als gut gelaufen. Ihre ehemaligen Kommilitonen hatten da ganz andere Erfahrungen gemacht.

hier ist also Klar, was mit den "Genen" oben gemeint war. Gut gedacht. Gestolpert bin ich über die erneute Erwähnung von "ehemaligen Kommilitonen". Wenn sie schon Assistanzärztin kurz vor der Facharztprüfung ist, dann hat sie mit ihren Studienkollegen nicht mehr viel zu tun, und wie es denen geht ("andere Erfahrungen gemacht") ist im Grunde egal. Außer es wird später in der Geschichte noch wichtig, was ihre Kommilitonen so machen.(hier ein "Tschechow's Gewehr") Wenn nicht, dann können die hier ersatzlos gestrichen werden.


Also, auch wenn vergleichsweise wenig passiert, liest man bis zum Ende. Die drei Figuren (Anna, Schmierlappen, Zivi) werden gut eingeführt, Anna's Hintergrund wird dargelegt (wobei da kleinere Schwächen sind). Ich find es vergleichsweise gut gemacht.
Dann schau ich mal nach dem zweiten Teil...
jansenbusch
 
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Registriert: 11.09.2015, 10:41


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