[Spannung]Sport ist Mord Kap 1 Teil 2+Kap 2 Teil 1

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[Spannung]Sport ist Mord Kap 1 Teil 2+Kap 2 Teil 1

Beitragvon snoopylein90 » 26.09.2015, 21:22

Marius hatte zähneknirschend von langweiligen Standard Operationen berichtet, die er bereits im Schlaf beherrschte. Demzufolge dauerte es nicht lang bis er durchklingen ließ, dass er Annas verbesserte Lage nicht unbedingt ihrem Geschick zuschrieb, sondern eher der Tatsache, dass ihr Vater das Projekt vor fünf Jahren ins Leben gerufen hatte. Mittlerweile war sie diese Anschuldigungen gewohnt, aber immer wieder hatte sie drüber gestanden.
Anna schob sich die Brille höher auf der Nase und öffnete die Tür zum Patientenzimmer. Dicht hinter ihr betrat auch Tom den Raum. Der Zivi war der einzige in dieser Klinik, der zu ihr aufsah. Der Rest war zu sehr mit sich selbst beschäftigt oder forderte immer mehr Leistung von ihr.
Er war anders, denn er schien zu spüren, welche Kämpfe täglich in ihrem Innern wüteten, seit sie Papa auf dem Sterbebett versprochen hatte, in seine elefantengroßen Fußstapfen zu treten.
»Hallo Magdalena«, begrüßte sie ihre kleine Patientin, die in ihrem Bett lag und konzentriert eine Zeichentrickserie anschaute. Als sie bemerkte, wer in ihr Zimmer kam zog sie sich die Decke bis ans Kinn und verzog das Gesicht.
Anna setzte sich zu ihr und streichelte über die hellblonden Zöpfe des Mädchens. »Ich weiß, dass die Nadel manchmal ganz schön nervig ist, aber dadurch bekommst du wichtige Medizin.« Sie zeige auf die halbvolle Tropfflasche, die am Ständer neben dem Bett hing.
»Bekomme ich wenn ich still halte wieder ein Bonbon?«, fragte das blasse Mädchen und schlug die Decke zurück.
Grinsend kramte Anna in ihrer Brustasche und fischte ein Karamellbonbon heraus.
Konzentriert beobachtete der Zivi, wie sie Magdalenas Handrücken desinfizierte. Geschmeichelt von so viel Bewunderung für eine solche Banalität packte sie die Nadel aus.
Sei doch mal ehrlich, dieser Job kann ein richtiger Traumberuf sein … ihr Magen knotete sich schmerzhaft zusammen, als sie die rote Lache auf der Bettdecke entdeckte. …wäre da nicht immer das ganze Blut.



Samuel

Heiß brannte sich die Sonne in seine Haut. Das Muskelshirt klebte Samuel am Rücken und sein Mund ähnelte einer Wüste. All das war im Moment nebensächlich, denn er begutachtete gerade das etwa drei Meter hohe Holzgerüst, das sich vor ihm aufbaute. Noch eine Woche zuvor war das hier ein leerer Platz am Rande des afrikanischen Urwalds gewesen. Doch schon bald zu würde sich daraus eine Schule entwickeln.
Jeder Stein, jeder Holzbalken und jeder Ziegel, der seinen Platz fand, jagte Samuel ein Kribbeln durch den Bauch. Dieses Bauprojekt war mehr, als eine Schule mit nervigen Hausaufgaben und Tests. Für seine Schützlinge war es das Ticket raus aus der Armut, die nicht zurückschreckte Müttern ihre Kinder zu nehmen. Bildung war der einzige Weg in die Zivilisation und Samuel hatte es sich zur Aufgabe gemacht, genau das an seine Schüler weiterzugeben.
Er nickte zwei Bauarbeitern zu, die eine Ladung Holzpflöcke schulterten. In den letzten Monaten hatte er beinahe den Glauben an die Menschheit verloren. Er wusste gar nicht mehr mit wie vielen Organisationen er verhandelt hatte um an Spendengelder zu gelangen.
Einmal in der Woche hatte er den holprigen Weg in die nächst gelegene Stadt auf sich genommen und war ins Internetcafe gestürmt. Leider war er immer wieder mit denselben Allgemeinantworten abgespeist worden. Sein eigenes Erspartes hatte er bereits vor einem Jahr aufgebraucht, um für das Dorf einen Trinkwasserbrunnen zu bauen und er hatte sich schon überlegt, wie er den Kindern beibringen sollte, dass er zurück nach Deutschland musste um Geld zu verdienen. Die meisten würden seine Wiederkehr wahrscheinlich nicht überleben, weil sie bis dahin an den Folgen ihrer HIV Erkrankung oder an Hunger sterben würden. Und vor allem hätte er sich seiner Vergangenheit stellen müssen. Bisher eignete sich diese Reise hier als hervorragendes Alibi, um seinem Vater nicht treffen zu müssen. Beim Gedanken an den Brief, der ihn noch eine Woche vor Abreise erreichte verengte sich seine Kehle bereits.
Samuel kletterte die Holzleiter hinauf und schluckte den Klos herunter. Interessiert beobachtete er, wie ein schlaksiger Mann, das Dach mit Palmblättern abdichtete. Anders konnte der Estrich im Erdgeschoss nicht trocknen, denn die Regenzeit hatte sich bereits angekündigt und die Handwerker arbeiteten hier in einem anderen Tempo, als Samuel es aus Deutschland gewohnt war.
Als er einen herannahenden Dieselmotor hörte, drehte er sich um und erkannte auch sofort das laubgrüne Herz auf weißem Grund. Darunter prangten die Buchstaben SHO.
Hastig stieg Samuel die Stufen hinab. Das wird Herr Moll sein. In der Mail von letzter Woche hatte er sich für heute angemeldet. Genauere Angaben waren hier nicht möglich – nicht wenn die Fahrt in die Stadt einen halben Tag in Anspruch nahm. Fünf Stunden in denen er den Dorfkindern Englisch, Mathematik oder Biologie beibringen konnte.
Letzte Woche hatten ihm sogar die Schüler gezeigt, wie man eine Paste aus verschiedenen Blättern zusammenmischt und daraus ein wirksames Mittel gegen viele Insektenstiche herstellt. Dieser Stamm überraschte ihn immer wieder aufs Neue mit seinem Naturwissen.
Hustend stapfte Samuel durch die Wolke aus aufgewirbelten Staub. Bisher hatte er Herrn Moll nur auf Pressefotos im Internet gesehen, aber als dieser aus dem Wagen stieg erkannte er sofort das speckige Gesicht wieder. Die Glatze schützte der bleiche Geschäftsführer, der Science Help Organisation, unter einem Tropenhut.
»Fleißig, wie ich sehe«, raunte er Samuel zu und streckte ihm die Hand entgegen.
Einen Augenblick später erwiderte Samuel den schweißnassen Händedruck. Konzentriert achtete er darauf nicht seine Hand an der Hose abzuwischen. Schließlich hing das Wohle des Dorfs von diesem Treffen. Von der großzügigen Vorauszahlung, hatte Samuel bereits das Material bezahlen können, aber die Bauarbeiter hatten bisher keinen Cent gesehen. Zwar nicht immer pünktlich, aber trotzdem waren sie erschienen und hatten acht Stunden täglich in der prallen Sonne für das Dorf geschuftet.
»Das ist sozusagen der Rohbau«, erklärte Samuel und zeigte auf das Holzgerüst.
Ein Lächeln ließ die die Pausbacken des Geschäftsführers noch weiter aufblähen. »Sehr gut!« Er zeigte auf den Urwald zu seiner Rechten. »Und da kommen die kleinen Racker her?«
»Genau. Sie nehmen einen täglichen Fußmarsch von drei Kilometern durch den Urwald auf sich um hierher zu kommen.«
Gerne hätte Samuel die Schule direkt in die Nähe des Dorfs gebaut. Mit dem Wissen des Stammes wäre es sicher kein Problem gewesen ein Holzhaus in die Kronen der Bäume zu bauen, aber Herr Moll war dagegen und ließ sich absolut nicht auf Kompromisse ein.
Schaut doch mal in Facebook auf der Seite Fans von Angeleyes vorbei. Mein erster Roman erscheint am 01.07.2014
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Re: [Spannung]Sport ist Mord Kap 1 Teil 2+Kap 2 Teil 1

Beitragvon Ankh » 27.09.2015, 14:37

Hi!

ich stürz mich mal gleich ins Getümmel:
Marius hatte zähneknirschend von langweiligen Standard Operationen berichtet, die er bereits im Schlaf beherrschte. Demzufolge dauerte es nicht lang bis er durchklingen ließ, dass er Annas verbesserte Lage nicht unbedingt ihrem Geschick zuschrieb, sondern eher der Tatsache, dass ihr Vater das Projekt vor fünf Jahren ins Leben gerufen hatte. Mittlerweile war sie diese Anschuldigungen gewohnt, aber immer wieder hatte sie drüber gestanden.


Dieser Absatz hat mich gleich mal ordentlich verwirrt. Er sehr verschwurbelt geschrieben und wirft eine Menge Fragen auf: Welche verbesserte Lage? Was für Anschuldigungen? Was für Standardoperationen (zusammengeschrieben), und warum muss jemand zähneknirschend davon berichten? Und wer zum Geier ist eigentlich Marius? Dann fiel mir auf, dass das hier der zweite Teil des ersten Kapitels ist, hab also erstmal den ersten Teil gelesen - und bin immer noch nicht schlauer. Ist Marius der Zivi? Wenn ja, wer ist dann Tom? Wenn nein, wo kommt Marius plötzlich her, und warum macht er Anna unterschwellige Vorwürfe? Für die Einführung eines Charakters ist mir das jedenfalls zu knapp, entweder du baust da eine richtige Szene draus, oder du verschiebst diese Figur auf später, wenn du mehr Zeit für ihn hast.

Anna schob sich die Brille höher auf der Nase und öffnete die Tür zum Patientenzimmer. Dicht hinter ihr betrat auch Tom den Raum. Der Zivi war der einzige in dieser Klinik, der zu ihr aufsah. Der Rest war zu sehr mit sich selbst beschäftigt oder forderte immer mehr Leistung von ihr.


Sie ist Assistenzärztin, oder? Ich finde es ziemlich erfreulich, dass die Oberärzte nicht zu ihr aufblicken, nur weil sie die Tochter vom Gründer ist. Wenn sie das ernsthaft erwartet, ist sie eine ziemlich hochnäsige Pute. Andere Assistentärzte gibt es nicht? Schwestern und Pfleger, mit denen sie sich gut verstehen könnte? Es geht ja in so einem stressigen Umfeld nicht primär darum, bewundert zu werden, sondern gut mit anderen auszukommen. Für mich klingt das hier ein bisschen nach egoistischem Gejammer: "Menno, niemand findet mich toll obwohl ich doch was ganz besonderes bin, und arbeiten muss ich auch noch, wenn die Patienten nicht wundersam von selbst genesen!".

Er war anders, denn er schien zu spüren, welche Kämpfe täglich in ihrem Innern wüteten, seit sie Papa auf dem Sterbebett versprochen hatte, in seine elefantengroßen Fußstapfen zu treten.


Ist ihm das erst auf dem Sterbebett eingefallen, oder hat er schon vorher was dafür getan, sie auf diese Rolle vorzubereiten? So oder so, offenbar wurde sie nie gefragt, ob sie das auch will, aber wenn er sie schon länger als Nachfolgerin aufgebaut hat, dann ist sie zumindest mitschuld, wenn sie nie was gesagt hat.

»Hallo Magdalena«, begrüßte sie ihre kleine Patientin, die in ihrem Bett lag und konzentriert eine Zeichentrickserie anschaute. Als sie bemerkte, wer in ihr Zimmer kam zog sie sich die Decke bis ans Kinn und verzog das Gesicht.
Anna setzte sich zu ihr und streichelte über die hellblonden Zöpfe des Mädchens.


Ui. Die Patientin signalisiert eindeutig eine ablehnende Haltung, und dann haut sich Anna mit aufs Bett und begrabbelt ihre Zöpfe? Im letzten Teil beschwert sie sich noch darüber, unaufgefordert angegrapscht zu werden, aber wenn sie es selbst tut, ist es plötzlich in Ordnung? Natürlich muss ein Arzt mal einen Patienten anfassen, aber über Zöpfe streicheln gehört bestimmt nicht dazu. Da kann man sich sicher respektvoller nähern.
»Ich weiß, dass die Nadel manchmal ganz schön nervig ist, aber dadurch bekommst du wichtige Medizin.« Sie zeige auf die halbvolle Tropfflasche, die am Ständer neben dem Bett hing.
»Bekomme ich wenn ich still halte wieder ein Bonbon?«, fragte das blasse Mädchen und schlug die Decke zurück.
Grinsend kramte Anna in ihrer Brustasche und fischte ein Karamellbonbon heraus.


Siehst du, viel besser. Bestechung ist erlaubt.

Konzentriert beobachtete der Zivi, wie sie Magdalenas Handrücken desinfizierte. Geschmeichelt von so viel Bewunderung für eine solche Banalität packte sie die Nadel aus.


Muss sie die Nadel wechseln oder wie? Wenn da schon eine Tropfflasche steht, müsste das Kind doch schon eine Kanüle liegen haben?

Sei doch mal ehrlich, dieser Job kann ein richtiger Traumberuf sein …


Wer sagt das zu wem?

ihr Magen knotete sich schmerzhaft zusammen, als sie die rote Lache auf der Bettdecke entdeckte. …wäre da nicht immer das ganze Blut.


Ah. Sie hat sich die Kanüle rausgerissen? Ich meine, du muss hier nicht ins medizinische Detail gehen, aber warum da jetzt Blut im Bett ist solltest du schon erklären. So dramatisch kann es ja eigentlich nicht sein, wenn das Mädchen ganz entspannt Zeichentrickfilme guckt.

Und mal ehrlich, eine Chirurgin, die kein Blut sehen kann, hat den Beruf verfehlt. Um mindestens einen Kilometer. Wie steht sie die Operationen durch, wenn ein bisschen Blut von einer Kanüle sie schon wieder aus der Fassung bringt? Wie stellt sie sich vor, dass das weitergeht? Wenn sie sich bis jetzt nicht daran gewöhnt hat, dann sollte sie sich überlegen, ob sie nicht lieber die Verwaltung des Krankenhauses übernehmen will. Als Papis Tochter ist das vermutlich eine realistische Option.




Samuel

Heiß brannte sich die Sonne in seine Haut. Das Muskelshirt klebte Samuel am Rücken und sein Mund ähnelte einer Wüste. All das war im Moment nebensächlich, denn er begutachtete gerade das etwa drei Meter hohe Holzgerüst, das sich vor ihm aufbaute. Noch eine Woche zuvor war das hier ein leerer Platz am Rande des afrikanischen Urwalds gewesen. Doch schon bald zu würde sich daraus eine Schule entwickeln.


Das ist jetzt nitpicking, aber "Wüste" assoziiere ich mit vegetationsloser Trockenheit und "Urwald" mit bewaldetem Feuchtgebiet. Es ist heiß und er hat Durst, aber die Metapher passt irgendwie nicht in die Umgebung.

Außerdem klingt "afrikanischer Urwald" ziemlich beliebig. Gehts ein bisschen konkreter? In welchem Land befinden wir uns? Oder soll das dem Leser völlig egal sein, hauptsache der Held baut eigenhändig Schulen für arme kleine Negerlein?

Jeder Stein, jeder Holzbalken und jeder Ziegel, der seinen Platz fand, jagte Samuel ein Kribbeln durch den Bauch. Dieses Bauprojekt war mehr, als eine Schule mit nervigen Hausaufgaben und Tests. Für seine Schützlinge war es das Ticket raus aus der Armut, die nicht zurückschreckte Müttern ihre Kinder zu nehmen. Bildung war der einzige Weg in die Zivilisation und Samuel hatte es sich zur Aufgabe gemacht, genau das an seine Schüler weiterzugeben.


Ich finde es ziemlich problematisch, dass du "Armut" mit "unzivilisiert" gleichsetzt. Bildung ist ein Weg raus aus der Armut. Aber "in die Zivilisation" kommt ziemlich kolonialistisch daher.

Er nickte zwei Bauarbeitern zu, die eine Ladung Holzpflöcke schulterten. In den letzten Monaten hatte er beinahe den Glauben an die Menschheit verloren. Er wusste gar nicht mehr mit wie vielen Organisationen er verhandelt hatte um an Spendengelder zu gelangen.


Er bekommt Spendengelder von Organisationen? Läuft das nicht normalerweise andersherum? Man spendet an Hilfsorganisationen, und die stellen so ein Projekt auf die Beine und schicken ihre eigenen Leute hin, die dann den Bau von Schulen, das Einstellen der Lehrer, das Besorgen der Materialien etc. organisieren. Dazu braucht es u.a. die Kooperation mit der dortigen Regierung, und dann planen die auch erstmal eine ganze Weile, damit möglicht viele Dörfer vom Bau einer Schule, eines Brunnens etc profitieren. Die stecken ganz sicher nicht irgendeinem Lehrer Geld zu, damit der dann mal irgendwo eine Hütte bauen kann wie es ihm gefällt.
Entweder ist Samuel also hauptberuflich Projektmanager bei einer Hilfsorganisation, oder er ist Lehrer, der in seiner Freizeit als Volunteer bei einem Projekt hilft. Oder er ist ein reich genug, das alles allein zu organisieren/finanzieren und die entsprechenden Stellen im Land zu überzeugen, ihn machen zu lassen was er will. Oder er ist ein Idiot, der sich viel zuviel zugetraut hat und ziemlich bald mit der Sache auf die Schnauze fallen wird.

Einmal in der Woche hatte er den holprigen Weg in die nächst gelegene Stadt auf sich genommen und war ins Internetcafe gestürmt. Leider war er immer wieder mit denselben Allgemeinantworten abgespeist worden. Sein eigenes Erspartes hatte er bereits vor einem Jahr aufgebraucht, um für das Dorf einen Trinkwasserbrunnen zu bauen und er hatte sich schon überlegt, wie er den Kindern beibringen sollte, dass er zurück nach Deutschland musste um Geld zu verdienen. Die meisten würden seine Wiederkehr wahrscheinlich nicht überleben, weil sie bis dahin an den Folgen ihrer HIV Erkrankung oder an Hunger sterben würden.


Das klingt ehrlich gesagt alles sehr unrealistisch. Er finanziert und organisiert das alles ganz allein und hilft auch noch beim Bau selbst, offenbar in seiner Freizeit, während er daheim in Deutschland einen Job hat? Wieviel Jahresurlaub hat er? Oh, achso, er ist Lehrer, haha. Ha. Natürlich stehen daheim keine Konferenzen, Korrekturen oder Stoffverteilungspläne an, während er in Afrika seine Traumschule baut. Oder die Schüler daheim sind einfach nicht so wichtig. Die Finanzierung hat er natürlich auch nicht durchgeplant, bevor er angefangen hat, statt dessen fliegt er mal eben jede Ferien hin und her und guckt, ob noch genügend Kinder leben.

Wenn in dem Dorf so großer Hunger herrscht, dass er damit rechnen muss, dass ein paar der Kinder bis zu den nächsten Ferien sterben, warum kauft er dann nicht lieber erstmal ein paar Säcke Reis, bevor er eine Schule gründet? Oder organisiert ein Landwirtschaftssprojekt? Bildung gut und schön, aber eine Grundnahrungsversorgung finde ich doch ein bisschen wichtiger. Wenn es dort noch keine Versorgung mit Aidsmedikamenten gibt (nochmal: wo genau befinden wir uns hier? Und in welchem Jahr?), dann sollte er seine Energie vielleicht auch lieber darauf verwenden, Hilfsorganisationen auf die Gegend aufmerksam zu machen, anstatt sie um Geld anzubetteln und davon eine Schule zu bauen. Irgendwie hab ich den Eindruck, er will da ganz allein was aufziehen, hat aber weder Ahnung davon, wie man das macht, noch einen sinnvollen Plan. Es geht ihm offenbar weniger um das nachhaltige Wohlergehen seiner Negerlein, sondern darum, ohne Hilfe von außen, ganz allein mit seiner Hände Arbeit und seinem ganzen Ersparten ein Dorf zu retten, damit ihm sein Ego hinterher auf die Schulter klopfen kann.

Und vor allem hätte er sich seiner Vergangenheit stellen müssen. Bisher eignete sich diese Reise hier als hervorragendes Alibi, um seinem Vater nicht treffen zu müssen. Beim Gedanken an den Brief, der ihn noch eine Woche vor Abreise erreichte verengte sich seine Kehle bereits.


Hier wird ein Problem angerissen und gleich wieder fallengelassen. Entweder erzählst du ein bisschen was über den Brief, oder du verschiebst ihn auf später, wenn du, bzw. Samuel, bereit sind, sich damit zu beschäftigen.

Samuel kletterte die Holzleiter hinauf und schluckte den Klos herunter. Interessiert beobachtete er, wie ein schlaksiger Mann, das Dach mit Palmblättern abdichtete. Anders konnte der Estrich im Erdgeschoss nicht trocknen, denn die Regenzeit hatte sich bereits angekündigt und die Handwerker arbeiteten hier in einem anderen Tempo, als Samuel es aus Deutschland gewohnt war.


Ich bin kein Architekt, aber warum bekommt das Gebäude kein anständiges Ziegeldach (oder von mir aus Wellblech), aber einen Estrich? Sind stabile Wände und Dach nicht irgendwie wichtiger als ein Betonboden?

Als er einen herannahenden Dieselmotor hörte, drehte er sich um und erkannte auch sofort das laubgrüne Herz auf weißem Grund. Darunter prangten die Buchstaben SHO.
Hastig stieg Samuel die Stufen hinab. Das wird Herr Moll sein.


Tempuswechsel. "Das würde Herr Moll sein" oder "das musste Herr Moll sein".

In der Mail von letzter Woche hatte er sich für heute angemeldet. Genauere Angaben waren hier nicht möglich – nicht wenn die Fahrt in die Stadt einen halben Tag in Anspruch nahm. Fünf Stunden in denen er den Dorfkindern Englisch, Mathematik oder Biologie beibringen konnte.


Wer jetzt, der Moll? Fährt der fünf Stunden hin, unterrichtet und fährt dann fünf Stunden zurück? Oder redest du von Samuel, der statt zu unterrichten dasitzt und auf Herrn Moll wartet?

Befinden wir uns in einem Land im ehemalig britischem Kolonialgebiet mit Englisch als Amtssprache (Nigeria? Ghana?), oder versucht er, den Kindern gleich noch eine Fremdsprache beizubringen? Bisher klingt es, als könnten die nichtmal lesen und schreiben.

Letzte Woche hatten ihm sogar die Schüler gezeigt, wie man eine Paste aus verschiedenen Blättern zusammenmischt und daraus ein wirksames Mittel gegen viele Insektenstiche herstellt. Dieser Stamm überraschte ihn immer wieder aufs Neue mit seinem Naturwissen.


Warum ist er darüber so überrascht? Die haben keine Schule, keine medizinische Versorgung, bis letztes Jahr nichtmal einen Brunnen. Was denkt er, wie sie überlebt haben, bis er aufgetaucht ist? Macht er sich darüber überhaupt Gedanken? Das ist ein Stamm, der da vermutlich seit Jahrhunderten siedelt. Samuel benimmt sich, als hätten sie die ganze Zeit nur drauf gewartet, bis er auftaucht und die Wilden endlich in die Zivilisation führt. Nochmal, das stinkt ganz schlimm nach kolonialistischem Gedankengut.

Übrigens, wenn die wirklich so zivilisationsfern leben, ist das vielleicht ein geschütztes Naturvolk, dem er da mal eben die Segen der Zivilisation bringt? Ist das mit irgendeiner höheren Stelle abgesprochen, oder pfuscht er da spontan mal den zuständigen Anthropologen ins Handwerk, indem er den Negerlein endlich Englisch beibringt?

Hustend stapfte Samuel durch die Wolke aus aufgewirbelten Staub. Bisher hatte er Herrn Moll nur auf Pressefotos im Internet gesehen, aber als dieser aus dem Wagen stieg erkannte er sofort das speckige Gesicht wieder. Die Glatze schützte der bleiche Geschäftsführer, der Science Help Organisation, unter einem Tropenhut.


Die Beschreibung finde ich an sich sehr gelungen, nur frage ich mich, warum der Mann so bleich ist, wenn er doch offenbar öfter Ortstermine durchführt. Als Projektmamager fährt er sicher viel in der Gegend rum, und wenn er den Posten nicht gerade gestern bekommen hat, dann kriegt er dabei auch Sonne ab.

»Fleißig, wie ich sehe«, raunte er Samuel zu und streckte ihm die Hand entgegen.


raunen ist leise sprechen. Warum flüstern die beiden?

Einen Augenblick später erwiderte Samuel den schweißnassen Händedruck.


Warum zögert Samuel? Was macht er in diesem Augenblick, den er zögert?

Konzentriert achtete er darauf nicht seine Hand an der Hose abzuwischen. Schließlich hing das Wohle des Dorfs von diesem Treffen.


Schließlich hing das Wohl des Dorfs von diesem Treffen ab.
oder
Schließlich hing das Wohl des Dorfs an diesem Treffen.

Von der großzügigen Vorauszahlung, hatte Samuel bereits das Material bezahlen können, aber die Bauarbeiter hatten bisher keinen Cent gesehen.


Wer entscheidet denn, wie das Geld verteilt wird? Wenn Moll Samuel das Geld in die Hand gedrückt hat, dann muss doch Samuel sehen, dass er davon die Arbeiter bezahlt und wie er vielleicht die Rechnungen für das Material ein bisschen hinauszögert. Hier klingt es aber, als ob er Moll dafür verantwortlich macht, dass die Arbeiter bisher nix gekriegt haben.

Zwar nicht immer pünktlich, aber trotzdem waren sie erschienen und hatten acht Stunden täglich in der prallen Sonne für das Dorf geschuftet.
»Das ist sozusagen der Rohbau«, erklärte Samuel und zeigte auf das Holzgerüst.


"Sozusagen"?

Ein Lächeln ließ die die Pausbacken des Geschäftsführers noch weiter aufblähen. »Sehr gut!« Er zeigte auf den Urwald zu seiner Rechten. »Und da kommen die kleinen Racker her?«
»Genau. Sie nehmen einen täglichen Fußmarsch von drei Kilometern durch den Urwald auf sich um hierher zu kommen.«
Gerne hätte Samuel die Schule direkt in die Nähe des Dorfs gebaut. Mit dem Wissen des Stammes wäre es sicher kein Problem gewesen ein Holzhaus in die Kronen der Bäume zu bauen, aber Herr Moll war dagegen und ließ sich absolut nicht auf Kompromisse ein.


Und auf den Boden im Wald kann man sie nicht bauen? Und warum ist Herr Moll gegen ein Baumhaus? Wenn der Stamm mal eben so professionell Baumhäuser errichten kann, warum braucht Samuel dann überhaupt eine Finanzierung für ein Gebäude und fremde Arbeiter? Der Stamm könnte doch die Hütte im eigenen Dorf errichten und das Geld lieber für Schulmaterialien verwenden? Oder für eine Straße dorthin, um eine bessere Versorgung zu ermöglichen?


Fazit: Da passt einiges für mich noch nicht ganz zusammen. Die Protagonisten Anna und Samuel sind wenigstens blauäugig, wenn nicht völlig deplaziert in ihren derzeitigen Aufgaben. Sie klagen ständig über die bösen Umstände, die ihnen das Leben schwer machen, ohne zu realisieren, dass sie selbst es sind, die den Job falsch anpacken. Alle anderen sind offenbar die Bösen, die den wohlmeinenden Gutmenschen nur Steine in den Weg legen, und das ist mir zu flach. Was das Ganze mit "Sport ist Mord" zu tun hat, hat sich auch noch nicht herauskristallisiert.
Ich denke, du musst da nochmal drüberarbeiten. Such dir eine konkrete Region in Afrika und recherchiere über die dortigen Lebensbedingungen und wie Hilfsprojekte ablaufen. Steck deinen Protagonisten realistische Ziele und lass sie ab und zu ein wenig selbstkritisch ihre Situation reflektieren, anstatt die Probleme immer nur woanders zu suchen, dann erscheinen sie bestimmt weitaus sympathischer.


lg,

Ankh
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