Steckbrief einer Religion

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Steckbrief einer Religion

Beitragvon Kelpie » 31.08.2015, 16:20

Vielleicht bin ich zu unbegabt für die Suchfunktion, aber obwohl es ein paar Themen zu Religion gibt, habe ich keines gefunden, das mich wirklich zufrieden gestellt hat.

Ich bin über die Planung meiner Religionen eigentlich längst hinaus, aber im Zuge der Überarbeitung meiner Romane habe ich festgestellt, dass ich über eine spezielle Religion besser sortierte Informationen brauche. Es gibt sie schon, also ich habe sie schon erstellt, aber noch nirgendwo festgeschrieben. Und irgendwie fehlt mir dazu jetzt eine Art Charakterbogen für Religionen.

Ja, ich bin versessen auf Tabellen ;)

Ein paar Stichworte habe ich schon, nicht sonderlich sortiert, aber ich tippe sie mal ab. Vielleicht fallen euch ja Lücken auf bzw. andere Dinge, die ergänzt werden müssten, um ein vollständiges Bild einer Religion zu erhalten?

    Göttlichkeit an sich
  • Name des Gottes/der Götter
  • Geschlecht (falls vorhanden)
  • Rolle und Zuständigkeitsbereich (meist nur bei polytheistischen Systemen sinnvoll) [SkyeFantasy]
  • Ziel des Gottes
  • Manifestation/"Gottesbeweis" (gibt es irgendwo einen - vermeintlichen - Beweis der Existenz?)
  • Stammbaum
  • Allmacht oder Menschlichkeit (wie anthropomorph ist der Gott?) [Anby]
  • Quelle der Macht (woraus bezieht der Gott seine Energie?) [Ankh]

    Irdische Ausbreitung
  • Verbreitung der Religion (herrscht sie außerdem alleine?)
  • Sekten?
  • Religionsoberhaupt
  • Weitere Priester (Hierarchie)
  • Welche Ausbildung legten sie ab, welche Dienste tun sie, welche Verantwortung haben sie?
  • Gemeine Gläubige - was ist ihr Wissen, ihre Ausbildung, woher beziehen sie es?

    Verkündigung
  • Heilige Schrift?
  • Heilige (wenn ja, welche Taten vollbrachten sie, welche Sagen ringen sich um sie?)
  • Symbolik und Kunst
  • Propheten
  • Nachweisbares Eingreifen des Gottes [Akirai]

    Entstehung
  • Wann entstand diese Religion? Wo? Durch wen (erster Verkünder) (reell)?
  • Wann entstand diese Religion? Wo? Durch wen (religiöse Legende)?
  • Wie entstand die Welt? [Casanna]
  • Wie entstand der Mensch?
  • Weitere Meilensteine der (Religions-)Geschichte?

    Heiligtümer und Kult
  • Heilige Stätten und Tempel (Architektur, Schmuck, unterschiedliche Arten?)
  • Statuen etc.
  • Bestattungsriten
  • Taufriten
  • Hochzeitsriten
  • Feste und Feiertage
  • Riten im Alltag [Dingelchen]
  • Gebete und Gesänge
  • Leben nach dem Tod (bzw. was geschieht danach ganz allgemein?)
  • Differenzen zwischen Kult und dem Göttlichen? [schreiberling]

    Moral und Dogma
  • Einstellung zur Umwelt
  • Herrschaft und Knechtschaft
  • Sexualität
  • Mann, Frau, Kind
  • Mitmenschen allgemein (Nächstenliebe oder Rache?)
  • Welche Einstellung zu Ungläubigen, welche zu Abtrünnigen? [Dingelchen]
  • Schuld und Sühne
  • Welche Tugenden gibt es?
  • Welche Gebote?
  • Kriegerisch oder friedlich?

    Wechselwirkung zwischen Gott und Mensch [Asieral]
  • Beziehung der Gläubigen zu Gott
  • Beziehung des Gottes zu den Gläubigen

Viele Grüße,
Kelpie
Zuletzt geändert von Kelpie am 07.09.2015, 16:55, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Steckbrief einer Religion

Beitragvon SkyeFantasy » 31.08.2015, 16:47

Hej Kelpie!
Was sagst du zu dem Punkt:

Zuständigkeitsbereich des Gottes (was kann er, welche Macht schreibt man ihm zu)?
Denk an die Heiligen bei den Katholiken. Wenn du was verloren hast, ist der heilige Josef zuständig. Geht es um ein Feuer, rufst du Florian an. Usw.

Das spielt in meiner Geschichte eine grosse Rolle.

LG
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Re: Steckbrief einer Religion

Beitragvon Akirai » 31.08.2015, 16:58

Super Idee, über Religionen hänge ich auch gerade ^^.

Wie wäre es noch damit: "(Nachweisbares) Eingreifen" ?

Es ist ja ein Unterschied, ob sich die Götter, wie bei Lotr, irgendwann mal zurückgezogen haben und nur noch Istari schicken, oder ob sie konkret "ins Handlungsgeschehen eingreifen" (und evtl. Halbgötter á la Herkules zeugen). Oder ist das bei dir unter "Gottesbeweis" inbegriffen?

LG
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Re: Steckbrief einer Religion

Beitragvon Asieral » 31.08.2015, 17:08

Das ist zwar wahrscheinlich auch schon ein bisschen in dem von dir aufgezählten enthalten, aber was ich bei einer Religion meist interessant zu wissen finde ist:

Wie die Beziehung von Gott/Götter zu den /enschen ist. Also wie sehen die Menschen Gott. Wie sieht Gott die Menschen (welches Menschenbild wird rübergebracht).
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Re: Steckbrief einer Religion

Beitragvon schreiberling » 31.08.2015, 17:22

Eine wichtige Frage, wenn es da Götter gibt, ob und in welcher Form nehmen sie Einfluss auf das Geschehen der Welt, was sind diese Götter für "Typen".

Was auch wichtig ist, ist der Glaube der Menschen deckungsgleich mit den dort existierenden Göttern (falls es real existiernde Götter gibt) Oder gibt es da zwar Götter, aber die Menschen haben über sie abstuse Aberglaubensysteme über sie entwickelt.



Finde das Thema auch interessant, in dem Text den ich gerade schreibe spielen Götter und deren Verhältnis zu den Menschen eine zentrale Rolle.
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Re: Steckbrief einer Religion

Beitragvon Casanna » 31.08.2015, 21:53

Mich würde neben dem Menschenbild auch das Weltbild dieser Religion interessieren: Wie ist die Welt entstanden? Welche Geschichte wird konstruiert? Etc.
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Re: Steckbrief einer Religion

Beitragvon anby77 » 01.09.2015, 00:05

Deinem Steckbrief ist sehr deutlich anzumerken, dass Dir das Christentum als Schablone diente. Wenn man versuchen würde, den Daoismus anhand dieses Steckbriefes zu beschreiben, stünde an sehr vielen Stellen etwas wie "nicht vorhanden" oder "nicht anwendbar". Da gibt es kein Oberhaupt, keine Hierarchie, soweit ich weiß auch keine einheitlich formale Priesterausbildung. Und weil es keine zentrale Glaubensorganisation gibt, kann man Begriffe wie Kirche, Konfession und Sekte auf den Daoismus nicht sinnvoll anwenden. Es gibt auch keine Dogmen in dem Sinne. Und auch Begriffe Sünde, Schuld und Sühne spielen in einem daoistischen Kontext keine große Rolle. Es gibt keine Propheten oder Verkünder, nur sehr respektierte, aber trotzdem vollauf als Menschen geltende Lehrmeister. Ein Analogon zu dem, was im Christentum Gott ist, gibt es im Daoismus auch nicht.

Anstatt einen Steckbrief abzuarbeiten, wäre es meiner Ansicht nach sinnvoller, erstmal die grundlegenden Entscheidungen zu treffen und darauf die Spezielleren aufzubauen.
Zunächst einmal solltest Du klären, in welchem Verhältnis Götter- und Menschenwelt zueinander stehen sollen. Es gibt Religionen, die sich die Götter im großen und ganzen analog zur Menschenwelt vorstellen, oder glauben, dass die Götter, trotz ihrer göttlichen Eigenschaften, ähnlichen Gesetzen unterworfen sind wie sie selbst (wie z.B. die meisten hinduistischen Strömungen). Andere Religionen postulieren, dass da eine Kluft gibt, die der Mensch nicht bzw. allenfalls auf göttliche Gnade hin überwinden kann (wie z.B. das Christentum). Da ist am Begriff der "Achsenzeit" wie Shmuel Noah Eisenstadt ihn verwendet orientiert.
Dann solltest Du entscheiden, ob es einen persönlichen Gott (oder mehrere davon) geben soll oder ob die Religion das Dasein von abstrakten Prinzipien wie z.B. dem Yin-Yang-Dualismus bestimmt sieht. Dann musst Du entscheiden, wie diese Prinzipien aussehen bzw. wie der Gott/die Götter gestrickt sind. Daraus leitet sich dann die Ethik ab.
Riten, Kunst und Symbolik stehen oft nur in indirektem Zusammenhang zur Vorstellung des Göttlichen und der Ethik. Die meisten Religionen greifen da bereits vorhandenes auf und überformen es, so dass es in ihren Rahmen passt. Zum Teil werden Riten weiter praktiziert, die keinen direkten Zusammenhang mit der Religion haben, die sie übernehmen. Viele Daoisten haben zusätzlich Schreine für ihre Ahnen, an denen sie Opferrituale durchführen. Ein anderes Beispiel sind von christlichen Kirchen gefeierte Erntedankfeste. Eine biblische Grundlage gibt es für die Vielfalt der dabei praktizierten Bräuche meines Wissen nur selten, das ist heidnisches Brauchtum, das Christen für sich vereinnahmt haben. Ähnliche Prozesse sollten auch bei fiktiven Religionen stattfinden, so dass man der Ausgestaltung von Riten der Kreativität freien Lauf lassen kann. Das bedeutet allerdings auch, dass die Riten, Kunst und Symbolik nur bedingt geeignet sind, eine Religion zu beschreiben.

Und schließlich eine letzte Anmerkung: "fundamentalistisch" und "friedlich" ist kein Gegensatz. Fundamentalismus bedeutet, sich sehr stark auf die Grundprinzipien seines Glaubens zu beziehen. Ob das gewalttätig ist oder nicht, hängt davon ab, wie diese Grundprinzipien aussehen. Bei Christentum und Islam kann Fundamentalismus aufgrund des Missionsauftrages gewalttätig sein, aber fundamentalistischer Jainismus ist im Gegensatz dazu bis zur Selbstlähmung friedlich.
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Re: Steckbrief einer Religion

Beitragvon Kelpie » 01.09.2015, 12:14

Danke schon mal für eure Gedanken :D Ich war so frei und habe sie einfach in die Liste eingearbeitet.

@SkyeFantasy,
Zuständigkeitsbereich des Gottes (was kann er, welche Macht schreibt man ihm zu)?

Das habe ich eigentlich mit "Rolle" gemeint, habe es aber nochmal deutlicher gemacht. Dafür hast du mich auf den Gedanken gebracht, dass mit Rolle ja eher die Position im Götterpantheon gemeint sein könnte, also bin ich auf "Stammbaum" gekommen. Danke :mrgreen:

@Akirai,
irgendwie war das inbegriffen, aber speziell daran gedacht habe ich nicht. Mein Gedanke ging eher in Richtung Heiligtum, in dem der Gott z.B. wohnt. Deswegen habe ich es mal aufgenommen :)

@Asieral,
Wie die Beziehung von Gott/Götter zu den /enschen ist. Also wie sehen die Menschen Gott. Wie sieht Gott die Menschen (welches Menschenbild wird rübergebracht).

Stimmt, das fehlt wirklich :shock:

@schreiberling,
Eine wichtige Frage, wenn es da Götter gibt, ob und in welcher Form nehmen sie Einfluss auf das Geschehen der Welt, was sind diese Götter für "Typen".

Hm, ich bin mir nicht sicher, ob ich das so ganz verstehe. Meinst du Charaktertypen? Ob es sozusagen Bad-Boy-Götter sind, die bspw. die Menschen untertan machen wollen oder liebe Vatergötter, die nur das beste für ihre Schützlinge wünschen?

@Casanna,
Mich würde neben dem Menschenbild auch das Weltbild dieser Religion interessieren: Wie ist die Welt entstanden? Welche Geschichte wird konstruiert? Etc.

Ich wusste, mir fehlt irgendwas richtig Grundlegendes :doh: Da ist es.

@Anby,
Deinem Steckbrief ist sehr deutlich anzumerken, dass Dir das Christentum als Schablone diente.

Ich weiß :| Genau deswegen habe ich den Steckbrief erstellt. Diese Religion, um die es bei mir geht, lehnt sich noch zu sehr an das Christentum an, etwas, was ich gerne aufheben würde, indem ich eben Parallele für Parallele abarbeite. Ich weiß auch, dass mir viele Kriterien fehlen, um andere Religionen dort einzufügen (beispielsweise auch die anderen Religionen, die ich in meinem Roman behandle).
Daher hoffe ich ja hier auf Bereicherung ;) Mir ist durchaus bewusst, dass es viele Religionen gibt, die man unmöglich in so ein Schema pressen könnte - Stichwort germanisches Heidentum. Man könnte vielleicht die Götter und Mythen aufzählen, aber spätestens wenn es um die einzelnen Rollen geht, würde man versagen, da es die schlicht nicht gibt.
Für mich persönlich wird sich dieser Steckbrief dennoch lohnen, da die Religion, die ich dort hineinpressen möchte, dogmatisch und strukturiert genug ist :)

enn man versuchen würde, den Daoismus anhand dieses Steckbriefes zu beschreiben, stünde an sehr vielen Stellen etwas wie "nicht vorhanden" oder "nicht anwendbar".

Wobei selbst "nicht vorhanden" eine Antwort ist ;)
Ich kenne mich mit dem Daoismus leider nicht aus. Aber was bräuchte es denn dort für "Fragen", um ihn zu definieren?

nd auch Begriffe Sünde, Schuld und Sühne spielen in einem daoistischen Kontext keine große Rolle.

Wie gesagt, von Daoismus weiß ich so gut wie nichts, allerdings habe ich diese Begriffe witzigerweise ausnahmsweise nicht in erster Linie aus dem christlichen Kontext. In irgendeiner Weise versuchen die meisten Religionen die Frage nach dem Schuldbewusstsein zu klären, und sei es nur, indem sie sagen "Rette selbst deinen Arsch, der Rest ist gleichgültig". Geht der Daoismus auf sowas tatsächlich in keinster Weise ein? Wie weit darf ein Mensch gehen? Wie viel Verantwortung trägt er?
Das würde mich etwas wundern, da Religionen ja das Leben ihrer Gläubigen formen und gerade das Verhalten zu Mitmenschen eine große Rolle spielen sollte. Möglicherweise sind die Begriffe Schuld, Sünde, Sühne etwas einseitig und sehr christlich/jüdisch/muslimisch konnotiert, aber vielleicht verstehst du ja, worauf ich hinaus will ...?

Ein Analogon zu dem, was im Christentum Gott ist, gibt es im Daoismus auch nicht.

Kein Gott in einer Religion? Erinnert mich nun an Buddhismus, aber ehrlich gesagt fällt es mir persönlich immer sehr schwer mit dem Begriff Religion umzugehen, wenn kein Gott im Zentrum steht ...

Anstatt einen Steckbrief abzuarbeiten, wäre es meiner Ansicht nach sinnvoller, erstmal die grundlegenden Entscheidungen zu treffen und darauf die Spezielleren aufzubauen.

Diese Religion ist bei mir im Endstadium, im Prinzip steht sie bereits fest. Nur noch nirgendwo aufgeschrieben oder so und gerade deswegen verliere ich a) den Überblick und habe b) Parallelen zum Christentum, die ich gerne aufweichen möchte. Ich glaube, das kann ich nur mit einer klaren Struktur überwinden.

Zunächst einmal solltest Du klären, in welchem Verhältnis Götter- und Menschenwelt zueinander stehen sollen. Es gibt Religionen, die sich die Götter im großen und ganzen analog zur Menschenwelt vorstellen, oder glauben, dass die Götter, trotz ihrer göttlichen Eigenschaften, ähnlichen Gesetzen unterworfen sind wie sie selbst (wie z.B. die meisten hinduistischen Strömungen). Andere Religionen postulieren, dass da eine Kluft gibt, die der Mensch nicht bzw. allenfalls auf göttliche Gnade hin überwinden kann (wie z.B. das Christentum).

Habe mir mal erlaubt, das in Kurz in die Liste einzufügen :wink:

Das bedeutet allerdings auch, dass die Riten, Kunst und Symbolik nur bedingt geeignet sind, eine Religion zu beschreiben.

Guter Punkt, danke. Die Frage nach Ursache und Folge sozusagen.

Und schließlich eine letzte Anmerkung: "fundamentalistisch" und "friedlich" ist kein Gegensatz. Fundamentalismus bedeutet, sich sehr stark auf die Grundprinzipien seines Glaubens zu beziehen.

Mein Fehler, habe ich korrigiert :) Danke auch dazu.

Viele Grüße,
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Re: Steckbrief einer Religion

Beitragvon Ankh » 01.09.2015, 12:43

ich denke, was im Zusammenhang mit deiner Welt wichtig ist, ist zu wissen, ob es die Götter in deiner Welt wirklich gibt oder ob sie nur eine Vorstellung der dort lebenden Menschen sind. Wenn ein Mensch dort um ein Wunder betet, gibt es überhaupt jemanden, der ihn hört? Wenn das Wunder eintritt, ist es nur Zufall oder eine bewusste Entscheidung eines höheren Wesens?

Wenn die Götter gerne in die Welt eingreifen, dann könnte aus "Glauben" eine Art Sklaverei der mundanen Rassen werden. Wenn es mehrere Götter gibt, dann könnten sie direkt gegeneinander kämpfen. Es könnte Menschen geben, die sich gegen sie auflehnen. Im Endeffekt müsstest du Götter behandeln wie eine eigene (herrschende) Rasse deiner Welt.
Auch würden Religionen, die keinen (beweisbaren) Gott verehren, Schwierigkeiten haben, sich zu legitimieren. Als das Christentum über Europa zog wurden z.B. demonstrativ Götzenbilder zerstört, um deren Machtlosigkeit zu demonstrieren. Nun stell dir vor, dies geschieht in Kombination mit den "Wundern" eines realen, eingreifenden Gottes.
Interessant wäre danach auch, woher die Götter ihre Macht beziehen. Bei Terry Pratchetts Scheibenweltromanen beispielsweise ist die Macht der Götter von der Zahl der Anhänger und der Stärke ihres Glaubens abhängig. Je nach Machtbestreben der einzelnen Götter könnte dies auf Kriege, zerstörte Siedlungen, komplett vernichtete Völker etc. hinauslaufen.
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Re: Steckbrief einer Religion

Beitragvon Kelpie » 01.09.2015, 14:35

In meiner Welt gibt es mehrere Götterpantheons, wobei alle, die polytheistisch sind darin auch real existieren (wobei nur wenig Götter tatsächlich ins Geschehen eingreifen). Die Religion, um die es mir gerade geht, ist dagegen die einzig monotheistische und auch wenn der Gott im Prinzip existiert, hat die Religion mit ihm nur mehr wenig zu tun.
Insofern ist es eher ein riesiges Konstrukt, das sich um einen Gott dreht, der aber eigentlich außerhalb steht. Der Witz dabei ist eigentlich genau das, was du erwähnst: Anhänger eines Gottes, für den es keinerlei Beweise gibt, versuchen die anderen Religionen, die sich durchaus manifestiert haben, zurückzudrängen, indem sie diese Manifestationen zerstören. Vielleicht vergleichbar mit der Zerstörung der Irminsûl mit dem Unterschied, dass es in meiner Welt Säulen sind, die tatsächlich einstürzen - was man ja bei der Irminsûl nicht nachweisen konnte (was ja nichts heißen muss ;) ).

Die Frage nach der Macht schiebe ich auch noch in diese Tabelle. Habe ich so nicht bedacht, weil sie bei mir mit der Manifestation zusammenfällt, aber eigentlich sind es tatsächlich zwei Bereiche.

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Re: Steckbrief einer Religion

Beitragvon anby77 » 01.09.2015, 19:45

Welche Fragen müsste man stellen, um den Daoismus zu erfassen... Puh, das ist eine Frage. Das ist schwierig, weil der Daoismus (ähnlich wie der Konfuzianismus) ein Zwischending aus dem was im Religion und Philosophie nennen, darstellt. Da Christentum und Daoismus völlig unterschiedliche Bezugsrahmen haben, ist es ziemlich schwierig einen Steckbrief zu erstellen, der beiden gleichermaßen gerecht wird. Dazu kommt, dass ich mich nur recht oberflächlich mit dem Daoismus befasst habe, ich kenne ein paar Grundzüge, aber mit dem Gedanken, einen Steckbrief, wie Du ihn Dir vorstellst, darüber auszufüllen, fühle ich mich nicht wirklich wohl. Aber ich werde trotzdem versuchen, Deine Fragen zu beantworten.
Wie gesagt, von Daoismus weiß ich so gut wie nichts, allerdings habe ich diese Begriffe witzigerweise ausnahmsweise nicht in erster Linie aus dem christlichen Kontext. In irgendeiner Weise versuchen die meisten Religionen die Frage nach dem Schuldbewusstsein zu klären, und sei es nur, indem sie sagen "Rette selbst deinen Arsch, der Rest ist gleichgültig". Geht der Daoismus auf sowas tatsächlich in keinster Weise ein? Wie weit darf ein Mensch gehen? Wie viel Verantwortung trägt er?

Das Wort "Sünde" bezeichnet ursprünglich ein Verstoß gegen göttliche Gebote und steht im Gegensatz zum "Verbrechen", das ein Verstoß gegen weltliche bzw. menschliches Gesetz ist. Wer sündigt lädt Schuld auf sich und verliert nach christlichem Verständnis die Gnade Gottes und die Aussicht auf Erlösung im ewigen Leben und muss in irgendeiner Form sühnen und Buße tun, um die Gnade Gottes zurück zu erlangen.
Im Daoismus gibt es keinen Gott, der Gebote setzt und ihre Nicht-Einhaltung bestraft, sondern eine sich in ständigem Fluss, von den Kräften von yin und yang beeinflusste Welt. Wer gut leben will, muss mit diesem ständigem Fluss in Einklang sein Dao ist ein Weg; eine Methode, das zu erreichen. Wer gegen die Prinzipien des Dao verstößt, wird zwar Konsequenzen spüren - sein Leben wird schlechter und unharmonischer - aber er wird nicht direkt bestraft. Daoistische Ethik zielt darauf ab, Harmonie herzustellen und zwar durch "Geschehen-Lassen" bzw. "Nicht-Erzwingen". Etwas erzwingen zu wollen, wird als sinnlos betrachtet, weil man als Mensch den Lauf der Welt ohnehin nicht beeinflussen kann. Es geht also - anders als im Christentum - nicht darum Bestrafung zu vermeinden, sondern Glück zu finden.
Kein Gott in einer Religion? Erinnert mich nun an Buddhismus, aber ehrlich gesagt fällt es mir persönlich immer sehr schwer mit dem Begriff Religion umzugehen, wenn kein Gott im Zentrum steht ...

Es gibt gewisse Paralellen, die so ausgeprägt sind, dass viele Chinesen glauben, Buddha sei in China gewesen, habe den Daoismus etwas seltsam verstanden und dann nach Indien getragen. Ist zwar historisch nicht haltbar, aber nett ;-)
Was ich bisher über den Daoismus geschrieben habe, fällt unter das, was man nach westlicher Lesart als "daoistische Philosophie" verstehen kann. Aber der Daoismus hat auch eine spirituelle Komponente, in der versucht wird Erleuchtung zu erlangen - also das Dao in sich selbst zu verwirklichen und so eins zu werden mit dem Universum. Das wird durch Meditation, Rituale, Magie und dergleichen angestrebt um letztlich im Tod vollendet zu werden. So habe ich zumindest verstanden; aber ich bin was solche Dinge anbelangt ein bisschen gehandicapt, was das Nachvollziehen betrifft. Jedenfalls: Diese Idee ist eindeutig transzendentaler Natur und mit Begriffe "Philosophie" oder "Ethik" sehr viel schlechter umschrieben als mit dem Begriff "Religion".
Ich hoffe, das bringt etwas Licht ins Dunkel - auch wenn das Dunkel in diesem Fall riesig ist und auch durch lebenslanges Studieren nicht vollständig zu erhellen sein dürfte.
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Re: Steckbrief einer Religion

Beitragvon Kelpie » 03.09.2015, 12:09

Grüß dich anby,

danke für deine Ausführungen. Ganz unbekannt ist mir das nun nicht, was du schreibst, irgendwo scheine ich es tatsächlich schon mal aufgefasst zu haben.

Es stimmt schon, diese ... lass es mich "asiatisch" nennen ... diese asiatische Herangehensweise ist weder mit semitischen Monotheismen noch mit früheuropäischen Polytheismen zu vergleichen. Für mich entsteht der Eindruck, dass das Ziel dieser Religionen (Buddhismus, Daoismus) v.a. im Individuum selbst liegen, während die bekannteren Religionen auf äußere Ziele hinstreben. Gleichzeitig sind letztere aber meistens weit egoistischer, was ich - nach deinen Ausführungen - für den Daoismus nicht unterschreiben würde.

Das, was du über Sünde und Verbrechen schreibst ist schlüssig. Gut, Sünde ist ja tatsächlich sehr religiös konnotiert, aber wie steht es mit dem Begriff Schuld? Gibt es den im Daoismus.
Ich bin ja eher Experte für das germanische Heidentum und wage mal zu behaupten, dass Schuld dort keine Rolle spielt. Höchstens Eigenverantwortung, aber wie auch immer, genau weil es keine Rolle spielt, kann man in meinen Augen auch gute Aussagen dazu treffen. Eben mit keiner positiven, sondern einer negativen Antwort.

Erlangt jeder Daoist im Tod das vollkommene Aufgehen im Universum? Oder nur die, die viel meditiert u.Ä. haben?

Viele Grüße,
Kelpie
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Re: Steckbrief einer Religion

Beitragvon schreiberling » 03.09.2015, 13:33

Kelpie hat geschrieben:Das, was du über Sünde und Verbrechen schreibst ist schlüssig. Gut, Sünde ist ja tatsächlich sehr religiös konnotiert, aber wie steht es mit dem Begriff Schuld? Gibt es den im Daoismus.
Ich bin ja eher Experte für das germanische Heidentum und wage mal zu behaupten, dass Schuld dort keine Rolle spielt. Höchstens Eigenverantwortung, aber wie auch immer, genau weil es keine Rolle spielt,e




Also aus meinen Kenntnissen des tibetischen Buddhismus (und Buddhismus generell) kann man sagen, dass diese Kultur dieses sich-schuldig-fühlen nicht kennen. Eine negative Tat führt zu negativem Karma, und deshalb sollte man sie lassen bzw ist es scheisse, wenn man sie begangen hat. Eine spezielle Schuld, oder einen überweltichen moralischen Richter meines Verhaltens jenseits dieses Mechanismus gibt es rund um negative Taten nicht.

Andere Typen von Religion sorgen also auch für ein grundlegend anderes Menchenbild . Die Meschen anderer Kulturen sind daher auch psychologisch zT völlig anders gestrickt.

Auch das Menschenbild ist in unserem Kulturkreis sehr von religiösen Vorstellungen über den Menschen im Christentum geprägt, diese Schuld/Vergebung durch Gott Zentriertheit des christlichen Menschenbildes. In Asien ist hier viel mehr die Scham, im Sinne von vor anderen das Gesicht verlieren als pathologisch in Erscheinung tretender psychologischer Faktor üblich. Das hat mit dem sehr gruppenzentrierten sozialen Gefüge dort zu tun.



Was noch überhaupt nicht angesprochen wurde sind übrigens die Naturreligionen, Geisterkulte, Ahnenverehrung etc.
Zuletzt geändert von schreiberling am 03.09.2015, 13:44, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Steckbrief einer Religion

Beitragvon schreiberling » 03.09.2015, 13:41

Kelpie hat geschrieben:Es stimmt schon, diese ... lass es mich "asiatisch" nennen ... diese asiatische Herangehensweise ist weder mit semitischen Monotheismen noch mit früheuropäischen Polytheismen zu vergleichen.



Dieser Polytheismus scheint in Eurasien ein Phänomen der indoeuropäischen Kulturen zu sein, dieses System hat nur im Hinduismus in Indien in die jetzt-Zeit überlebt, ist in Zentralasien, den slavischen Gebieten, der Mittelmeerregion und in Nordeuropa ausgerottet worden. In Südamerika haben sich parallel dazu ähnliche Kulte entwickelt. Wurden auch ausgerottet.
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Re: Steckbrief einer Religion

Beitragvon Dingelchen » 03.09.2015, 14:56

Hi,

ich hab jetzt nur den Eingangsbeitrag gelesen.
Ich finde das schon sehr ausführlich dargestellt. Worüber ich persönlich mir in so einem Fall dann auch zur Genüge den Kopf zerbreche (wobei es bei mir weniger ne Religion, sondern eher ne Psychosekte war ^^) ist, ob und wie sich der Glaube konkret im Alltag zeigt: Gibt es z.B. Rituale während des Essens, Begrüßungsrituale wenn man einen anderen Gläubigen/Anhänger trifft, gibt es sonstige in den Alltag eingebundene Rituale (z.B. um Hierarchien zu verdeutlichen, jemandem bzw. Götter zu huldigen, etc.)? -- weil ich hier was von "Hochzeitsritual" las, aber in einigen Fällen die Rituale mMn auch schon im "Kleinen" anfangen. Kommt halt drauf an, ob deine Relgion so pingelig ist oder nicht ;)
Oder auch: Welche Einstellungen vertreten die Gläubigen abseits der Religion? Wie wird mit Abtrünnigen umgegangen?

Liebe Grüße
Dingelchen
"Im Mondlicht drehten sich die Paare. Die Feigheit mit der Tugend, die Lüge mit der Gerechtigkeit, die Erbärmlichkeit mit der Kraft, die Tücke mit dem Mut.
Nur die Vernunft tanzte nicht mit."

(Horváth - Jugend ohne Gott)
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