[NonFik]Sterne zählen

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[NonFik]Sterne zählen

Beitragvon Abbyly » 16.11.2013, 17:11

Hey zusammen! :beckon:
Eigentlich schreibe ich meist Gedichte oder sonst Fantasy. Nun will ich aber mal was ganz anderes wagen. Nämlich eine Biographie, besser gesagt eine Autobiographie.
Jetzt wäre es mal interessant, wie das 'Vorwort' bei euch so ankommt.
Würdet ihr weiter lesen wollen? Oder ist es total langweilig?... :P
Ich bitte um jegliche Art von Kritik! :D

Sterne zählen - Vorwort
Ich erinnere mich an den Tag, als wäre es erst gestern gewesen. Ich erinnere mich an alles. An jedes Detail.
Heute bin ich ein halbes Jahr draussen. Sechs Monate in Freiheit, so zu sagen. Acht Monate war ich dort, kaum Kontakt zur Aussenwelt.
Ich bin heute nicht gesund, nicht geheilt. Aber es hat sich vieles verändert. Ich bin lebensfähig. Überlebensfähig.
Ich kämpfe jeden Tag, der Kampf beginnt schon wenn ich morgens die Augen aufschlage. Ich habe Angst. Vor allem. Aber ich kämpfe dagegen an, denn ich weiss, dass ich stark genug bin. Irgendwo tief in mir drin weiss ich das.
Es ist alles unglaublich schwer und anstrengend. Unvorstellbar anstrengend. Ich bin müde, ab und zu möchte ich einfach einschlafen und aufgeben. Die Versuchung, liegen zu bleiben, ist gross.
Ich bemühe mich jeden Tag eine Zukunft zu sehen, manchmal gelingt es mir, manchmal nicht. Aber ich habe gelernt, dass das okay ist.
Ich habe gelernt nicht perfekt sein zu müssen.
Nicht perfekt sein zu können.

Die Idee, meine Geschichte aufzuschreiben, hatte ich bereits während des Klinikaufenthalts.
Schreiben ist schon immer meine grosse Leidenschaft gewesen. Ich will einfach alles festhalten, für mich.

Ps. Zu dem Text gibt es auch ein Gedicht, wenn es euch interessiert:
http://www.schreibwerkstatt.de/wer-bist-du-nur-t47154.html
Zuletzt geändert von Abbyly am 04.12.2013, 20:51, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Sterne zählen

Beitragvon december » 16.11.2013, 22:08

Hallo. :)

Ich finde deine Idee schön und wünsche dir viel Erfolg damit. :)

Mich stört an dem Vorwort, dass nicht klar wird, worum es eigentlich geht. Das ist viel zu schwammig, finde ich, und macht den Text nicht spannend sondern ein bisschen öde, wenn ich das so sagen darf. :oops: Für ein richtiges Vorwort finde ich deinen Text aber auch viel zu kurz. ^^

Es gibt ja sehr viele Autobiografien in dem Bereich, deshalb weiß ich nicht, wie hoch die Anforderungen da sind... Aber ich schätze mal, ziemlich hoch, weil viele Leute über sich selbst erzählen (wie ich, deshalb schreib ich in einem Blog darüber und nicht in einem Buch. *g*) Deshalb kann ich auch vieles nachvollziehen, was du ansprichst... Ich finde das super getroffen, aber eben einfach zu kurz und zu schwammig. Ich fände es gut, wenn du gleich im ersten Satz sagen würdest, worum es geht. :)

Den Titel finde ich auch super, er macht neugierig und Lust auf mehr. :)
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Re: Sterne zählen

Beitragvon Abbyly » 17.11.2013, 10:22

Hey december

Danke erstmal für deinen Kommentar! :D
Mich stört an dem Vorwort, dass nicht klar wird, worum es eigentlich geht

Da hab ich mir gedacht; Wenn ihr wissen wollt, worum genau es geht, müsst ihr weiterlesen...
Aber ich verstehe deinen Punkt und werde mir überlegen, wie ich das am Besten ändern kann, wobei ich beim 'Vorwort', wenn man das denn so nennen kann, nicht allzu direkt werden will. :thinking:
Für ein richtiges Vorwort finde ich deinen Text aber auch viel zu kurz.

Hehe, ich weiss :P :oops: Aber irgendwie fällt mir nichts ein, was da noch reinpassen würde. Was stellt man sich denn so in einem Vorwort vor?
Es gibt ja sehr viele Autobiografien in dem Bereich, deshalb weiß ich nicht, wie hoch die Anforderungen da sind

In welchem Bereich?
Klar würde ich das Buch, wenn es denn mal irgendwann fertig sein sollte, veröffentlichen, aber das hat keine Priorität. Das Wichtigste für mich ist es, das alles für mich festzuhalten.
Den Titel finde ich auch super, er macht neugierig und Lust auf mehr

Danke, das freut mich echt! Für mich kommt nämlich kaum ein anderer Titel in Frage :twiddlethumbs: :mrgreen:

Vielen lieben Dank
Abby
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Re: Sterne zählen_Mein Weg nach unten

Beitragvon Libartine » 28.11.2013, 14:28

Hallo Abbyly,

Dein Titel gefällt mir sehr gut, weil er ausgefallen ist und neugierig macht.
Das Vorwort finde ich einerseits auch gut, weil du nicht gleich sagst worum es direkt geht und neugierig machst. Von december wurde der Punkt ja kritisiert, was ich auch nachvollziehen kann, aber ich lese lieber Bücher wo man nicht gleich sofort weiss was Sache ist. Deshalb regt mich dein Text auch zum weiter lesen an.

Das einzige, was mir nicht so gefällt ist, dass du sehr oft wiederholst wie schwer und anstrengend alles für dich war bzw ist. Das macht schnell den Eindruck, als würdest du vor allem mitleid wollen.
Was nicht heissen soll, dass das bei dir der Fall ist. Vielleicht könntest du an der stelle nochmal an deinem Text arbeiten.

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg bei deinem Projekt!
Gruß
Libartine
Manche Künstler machen aus der Sonne einen gelben Punkt, andere Künstler machen aus einem gelben Punkt eine Sonne. - Picasso
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Re: Sterne zählen_Mein Weg nach unten

Beitragvon Abbyly » 28.11.2013, 18:55

Nein! :omg: :(

Hey Libartine
Genau das wollte ich nicht... :doh:
ich wollte en schmalen Grad zwischen 'nicht zu theatralisch!' und 'nicht zu emotionslos' treffen... :thinking:
Auf jeden Fall werde ich das ändern, deswegen habe ich den Text ja auch hier reingestellt, damit ich solche Kritik bekomme, vielen Dank! :-D :2thumbs:

Gruss Abby
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Re: Sterne zählen_Mein Weg nach unten

Beitragvon Amsel » 01.12.2013, 13:33

Hallo Abbyly,

Deine ersten Sätz finde ich sehr gelungen, denn sie haben meine Neugier geweckt.
Abbyly hat geschrieben:Ich erinnere mich an den Tag, als wäre es erst gestern gewesen. Ich erinnere mich an alles. An jedes Detail.
Heute bin ich ein halbes Jahr draussen. Sechs Monate in Freiheit, so zu sagen. Acht Monate war ich dort, kaum Kontakt zur Aussenwelt.


War sie im Gefängnis? Ist sie entführt worden? Was hat sie getan, um nach unten zu kommen? waren die Fragen, die mir durch den Kopf gingen.

Die nächsten Sätze machten schnell deutlich, dass es um eine Geschichte um eine psychische Erkrankung und/oder Suchterkrankung gehen wird. Obwohl es dazu schon viele Bücher gibt, halte ich dieses Thema immer noch für spannend und auch immer wieder neu, denn schließlich ist jede Geschichte einzigartig.

Ich denke, Du hast versucht, zu beschreiben, wie Du Dich fühlst. Depressionen und Ängste sind ja wie ein Gefängnis. Du schreibst, dass Du überleben kannst, beschreibst dann jedoch einen Zustand, der mir beim Lesen zu sehr ins Detail geht. Die Müdigkeit und Schwere Deines Zustands überträgt sich und nimmt die Energie und Lust, weiter zu lesen. An dieser Stelle wünsche ich mir also noch keine Details, sondern nur einen kurzen Hinweis darauf, dass Du auch heute noch jeden Tag kämpfen musst, um am Leben teilhaben zu können. Dass Du stolz auf Dich bist und beschreiben möchtest, wie Du an diesen Punkt in Deinem Leben gekommen bist.

Ich hoffe, dass Du Deine Geschichte irgendwann veröffentlichen wirst, denn ich bin neugierig auf Deinen Weg geworden.
Gruß
Amsel
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Re: Sterne zählen_Mein Weg nach unten

Beitragvon amyx » 03.12.2013, 22:16

Hallo Abbyly,
ich möchte zu deinem Vorwort von „Sterne zählen_Mein Weg nach unten“ einige Gedanken aufschreiben.
Ich weiss zwar nicht, wie ein gutes Vorwort aussehen muss, aber ich vermisse bei dir Elemente, die mich neugierig auf den folgenden Text der Autobiografie machen.
Du schreibst:


„Heute bin ich ein halbes Jahr draussen. Sechs Monate in Freiheit, so zu sagen. Acht Monate war ich dort, kaum Kontakt zur Aussenwelt.“

Im Vorwort solltest du unbedingt auf die Situation eingehen, die dich in den Stand der ‚Unfreiheit’ (Sag’ hier bitte auch konkreter, um was es eigentlich geht!) versetzt hat, denn dein Untertitel heißt ja „Mein Weg nach unten“.
Weiter:

„Ich bin heute nicht gesund, nicht geheilt. Aber es hat sich vieles verändert. Ich bin lebensfähig. Überlebensfähig.“

Ich denke, o.k., sie hat Probleme, aber fühlt sich fit genug, die Krise zu meistern.
Weiter schreibst du:

„Ich kämpfe jeden Tag, der Kampf beginnt schon, wenn ich morgens die Augen aufschlage. Ich habe Angst. Vor allem. Aber ich kämpfe dagegen an, denn ich weiss, dass ich stark genug bin. Irgendwo tief in mir drin weiss ich das.“

Auch hier ist das Ergebnis vorhersehbar. Spannender wäre für mich die Variante, in der du die Sicherheit verlierst und eben nicht weißt, wie und ob es weitergeht.
Du schreibst weiter:

„Es ist alles unglaublich schwer und anstrengend. Unvorstellbar anstrengend. Ich bin müde, ab und zu möchte ich einfach einschlafen und aufgeben. Die Versuchung, liegen zu bleibe, ist groß.“

Du variierst das Thema ‚Kampf’ von oben („Ich kämpfe…“), ohne Neues hinzuzufügen.
Das Kampf-Motiv erscheint mir auch nicht ganz plausibel, denn, warum solltest du deiner Müdigkeit, und dem Wunsch liegen zu bleiben, nicht einfach nachgeben. Hier fände ich konkrete Angaben gut, warum das für dich so wichtig ist, dir jeden Tag deine Stärke zu beweisen.

Für mich der wichtigste Satz:

„Ich bemühe mich jeden Tag eine Zukunft zu sehen, manchmal gelingt es mir, manchmal nicht. Ich habe gelernt, dass das okay ist.“

Jedem Tag einen Moment abzutrotzen, der sich gut anfühlt und damit Mut für die Zukunft macht, das hieße für mich „Sterne zählen“. Du solltest im Vorwort expliziter auf deinen Titel eingehen, damit der Leser deine Gedanken verstehen lernt.

Zum Schluss schreibst du:

„Ich habe gelernt, nicht perfekt sein zu müssen. Nicht perfekt sein zu können.“

Auch hier vergibst du eine Möglichkeit, Neugierde zu schaffen. Nicht perfekt sein zu müssen, ist für viele eine Lebensaufgabe. Wie hast du es dahin geschafft? Im Vorwort kannst du den Leser ‚anfüttern’, in dem du Momente deiner Krisen, Enttäuschungen, Verluste, Schmerzen, Albträume aber auch Triumpfe, Freude, kleinen Siege preisgibst, aber noch nicht den eigentlichen Kern verrätst.

Noch etwas zum Titel: Deinem Text entnehme ich, dass es eigentlich primär um ‚deinen Weg nach oben’ oder ‚zurück in’s Leben’ geht und nicht um den nach unten.
„Sterne zählen“ find ich wunderbar!

Alles Gute!

amyx
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Re: Sterne zählen

Beitragvon Abbyly » 08.12.2013, 12:15

Hallo Amsel :beckon:

Danke erstmal für deinen Kommentar! :D
Deine ersten Sätz finde ich sehr gelungen, denn sie haben meine Neugier geweckt.

Wuaa :hooray: sehr schön, darauf hatte ich gehofft! :P
Die Müdigkeit und Schwere Deines Zustands überträgt sich und nimmt die Energie und Lust, weiter zu lesen. An dieser Stelle wünsche ich mir also noch keine Details, sondern nur einen kurzen Hinweis darauf, dass Du auch heute noch jeden Tag kämpfen musst, um am Leben teilhaben zu können.

Einerseits freue ich mich, dass die Stimmung so gut rüberkommt und der Leser diese so zu sagen übernimmt...nun kann ich aber auch gut verstehen, dass das für ein Vorwort ziemlich anstrengen zu lesen ist. Danke für den Hinweis! :D
Ich hoffe, dass Du Deine Geschichte irgendwann veröffentlichen wirst, denn ich bin neugierig auf Deinen Weg geworden.

Danke! Aber mal schauen, wie zufrieden ich mit dem Resultat sein werde, an sich, würde ich es gerne mal veröffentlichen wollen... :sweet:

Vielen Dank für deine Ratschläge!


Hey amyx!

Auch dir danke ich für deinen Kommentar, immer schön zu sehen, dass man sich mit meinen Texten auseinandersetzt. :)
Im Vorwort solltest du unbedingt auf die Situation eingehen, die dich in den Stand der ‚Unfreiheit’ (Sag’ hier bitte auch konkreter, um was es eigentlich geht!) versetzt hat, denn dein Untertitel heißt ja „Mein Weg nach unten“.

Eigentlich, auch wenn es dann kein klassisches Vorwort mehr sein sollte, wollte ich halt noch nicht alles preisgeben. Sprich; Es ist so, weshalb aber, dass erfährst du erst, wenn du weiter liest^^
Dann heisst die Geschichte an sich: Sterne zählen Jedoch ist das 'Buch' in zwei Teile aufgeteilt. (Mein Weg nach unten und Mein Weg raus)
Vielen Dank für die anderen Hinweise, ich werde mich noch mal über den Text beugen.

Gruss
Abby
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Re: Sterne zählen

Beitragvon Nagori Sora » 28.12.2014, 15:28

Hallihallo,

das Thema, das du in deiner Autobiografie behandelst bzw. behandeln wirst, spricht mich persönlich an, weil ich auch schon mal in einer ähnlichen Situation gewesen bin. Ich würde mich sehr gern darüber mit dir mal austauschen - du bist zufälligerweise genauso alt wie ich. Ich werde dir später mal eine PN zukommen lassen. ;)

Zu meiner Kritik am Vorwort


Ich erinnere mich an den Tag, als wäre es erst gestern gewesen. Ich erinnere mich an alles. An jedes Detail.
Heute bin ich ein halbes Jahr draussen. Sechs Monate in Freiheit, so zu sagen. Acht Monate war ich dort, kaum Kontakt zur Aussenwelt.


In der ersten Zeile kommst du auf einen bestimmten Moment zu sprechen - ich als Leser vermute an dieser Stelle, dass es ein sehr ausschlaggebender Punkt in deinem Leben war - einer, der dich letztendlich ins Krankenhaus geführt hat. Du verrätst allerdings noch nicht, um welches Ereignis es sich handelt.
Ich verstehe diese Vorgehensweise - du möchtest Spannung erzeugen und den Leser dazu animieren, weiterlesen zu wollen.
Das "Problem", was ich beim Lesen aber festgestellt habe, ist, dass ich selbst erst sehr spät gemerkt habe, dass du auf ein bestimmtes wichtiges Ereignis hindeutest. Hier mein Vorschlag:

Es gab einen Tag in meinem Leben, der.../ Ich habe mein Leben noch nie als unkompliziert aufgefasst, aber ein Tag... -> ich kenne deine Hintergrundgeschichte nicht, also kann ich jetzt die Sätze nur allgemein formulieren. Ich hoffe aber, du weißt, auf was ich hinaus möchte.

Ein weiterer Vorschlag: Ich erinnere mich an den Tag, als wäre es erst gestern gewesen. Ich erinnere mich an alles, an jedes kleine Detail. Es war der Tag, an dem ich..../ Es war der Tag, der mein Leben in eine neue Richtung wies, die mir zunächst den Boden unter den Füßen wegriss.
-> Was ich damit sagen will: Ich würde Bezug auf den Tag nehmen, den du erwähnst. Du musst noch nicht aussprechen, was sich dahinter verbirgt, aber ein wenig spezieller werden. Weil du von einem bestimmten Tag sprichst (den Tag anstelle von irgendein Tag).

Ich schlage dir vor, den ersten Satz, mit den folgenden inhaltlich zu verbinden, damit das Ganze runder wirkt. Hier mein Vorschlag:

Obwohl ich jetzt schon ein halbes Jahr draußen bin, kommt es mir so vor, als wäre es erst gestern gewesen. So oder so ähnlich.

Aber es hat sich vieles verändert. Ich bin lebensfähig. Überlebensfähig.

Ich finde der Hinweis auf maßgebliche Veränderung in deinem Leben und die möglichen Bedeutungen hinter den Worten "überlebensfähig" sind schon Spannung erzeugend in dem Sinne genug. Alles weglassen würde ich also nicht an Informationen. Dass es sich um einen Krankenhausaufenthalt gehandelt hat, würde ich in jedem Fall an irgendeiner Stelle erwähnen. Das mag zwar im ersten Moment nach nichts "besonderem" klingen, wenn man sich all die darauf basierenden Biografien anschaut, aber die relativ lange Zeitspanne, die du dort warst, gibt sicherlich vielen Lesern den Antrieb, mehr erfahren zu wollen.


Ich kämpfe jeden Tag, der Kampf beginnt schon wenn ich morgens die Augen aufschlage. Ich habe Angst. Vor allem.


Ich würde aus dem ersten Satz zwei separate Sätze machen. Ist ein guter Aufhänger, diese Aussage. An dieser Stelle habe ich eigentlich sofort an psychische Krankheit gedacht - Depression, Psychose, Schizophrenie und ähnliches.
"Ich habe Angst. Vor allem." - Das kann so nicht stehen gelassen werden. Du schreibst bevorzugt kurze, schlüssige Sätze. Aber manchmal ist es gut, diese zusammenzufügen - es müssen ja keine Schachtelsätze draus werden, aber ein bisschen komplexer aufgebaut darf es sein, ohne dass du deinem Schreibstil untreu wirst. Die Aneinanderreihung von Hauptsätzen ist auch ein stilistisches Mittel, das du hier versuchst einzusetzen, aber ich würde es sparsam verwenden und an den richten Stellen einsetzen.
Vor allem habe ich Angst/ Die stärkste Emotion, die mich beherrscht, ist Angst./ ect.

Jetzt bemerke ich, dass ich es falsch verstanden habe. Du meintest damit, dass du Angst vor allen Dingen haben würdest. Zumindest habe ich dir damit zeigen können, dass man sehr schnell als Leser etwas falsch verstehen kann, wenn der Bezug zum vorangegangen Satz nicht eindeutig ist. Also lieber in Haupt- und Nebensätze gliedern und so eine Einheit bilden. Der Bezug wird dann deutlicher.
Ich habe Angst vor allem, was mir begegnet, wenn ich das Bett verlasse./ Meine Angst bezieht sich auf alles, das mit dem Beginn des Tages auf mich zukommt./ ect.

Es ist alles unglaublich schwer und anstrengend. Unvorstellbar anstrengend. Ich bin müde, ab und zu möchte ich einfach einschlafen und aufgeben.


Hier vertrete ich ähnliche Meinung wie meine Vorredner. Du erzeugst sehr schnell das Bild der "Opfer-Rolle". (Ich weiß, dass du das nicht bewusst so wolltest.) Sicherlich möchtest du aber, dass die Leser mit dir sympathisieren oder dich als Menschen zumindest so verstehen, dass sie deiner Geschichte gerne folgen möchten. Empathie ist bei einem Thema wie diesem ein sehr wichtiges Mittel - und das kannst du auch einsetzen. Aber lieber durch die Beschreibung von Handlungen, nicht durch bloße Aufzählung und lieber außerhalb des Vorwortes. Setze es hier nur sparsam ein.
Du verwendest hierbei sehr viele Adjektive, die alle negativ behaftet sind. Unglaublich und unvorstellbar gehen außerdem als Synonyme einher - sind somit zwar keine Wortwiederholungen, lassen deine Beschreibung allerdings wie "doppelt gemoppelt" erscheinen. Es genügt, wenn du dem Leser zu verstehen gibst, dass dir jeder Tag sehr schwer fällt.

"Ein neuer Tag stellt für mich immer auch eine neue Herausforderung dar./ Dem Alltag entgegenzutreten fällt mir schwer. Während andere den Morgen mit einem Kaffee beginnen, muss ich erst noch unter Anstrengung herausfinden, wie ich aus dem Bett kommen soll. Die Versuchung, einfach liegen zu bleiben, muss ich jeden Tag aufs Neue widerstehen./ ect.


Jetzt wäre es mal interessant, wie das 'Vorwort' bei euch so ankommt.
Würdet ihr weiter lesen wollen? Oder ist es total langweilig?... :P


- Das Vorwort kommt insgesamt betrachtet ein wenig zerstückelt herüber, nicht zuletzt durch die Verwendung sehr vieler aneinander gereihter Hauptsätze.
- Es gibt sehr viele Absätze, zu denen du noch bessere Überleitungen finden könntest (inhaltlich und sprachlich).
- Ein Vorwort geht nicht ins Detail, umreißt aber meistens doch das Hauptthema, sodass der Leser ungefähr in die richtige Richtung gelenkt wird -> lass das Krankenhaus/ deine Krankheit/ ect. mit einfließen, ohne zu viel zu verraten.
- Personen, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben/ ähnliches erlebt haben, werden sicherlich Interesse an deiner Geschichte haben. Du musst sie nur noch ein wenig besser verpacken. ;)


Ich hoffe, du kannst mit dem ein oder anderen Kritikpunkt arbeiten. Lass dich nicht unterkriegen! :darthvader:
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Re: Sterne zählen

Beitragvon feepz » 06.01.2015, 14:12

Hallo zusammen!

Auch wenn hier schon heftig kommentiert wurde und das meiste schon besprochen ist, möchte ich dennoch meinen Senf dazu geben.

Ich persönlich finde gerade deine (in vorangegangenen als "schwammig" bezeichnete) Art der Einleitung spannend, da sie Lust auf mehr macht. Als Leser weiß ich nicht genau, was mich thematisch erwartet, aber ich kann bereits etwas den Stil erahnen. Das gefällt mir besser als eine Vorwegnahme des Themas, denn schließlich und endlich will ich das Buch doch lesen, damit ich weiß was drinnen steht und nicht schon im Vorwort die ganze Geschichte gespoilert haben.

Aber das ist eben nur meine Meinung!

Vor allem den Anfang bis "...Ich bin lebensfähig. Überlebensfähig." finde ich auserordentlich gut gelungen. Ich würde es fast hierbei belassen um dann eventuell doch noch etwas über deine Motivation, den Grund für die Etstehung, eben etwas über dich preiszugeben. Immerhin handelt es sich um ein Vorwort und keine Inhaltsangabe. :)

Aber um zum kern deiner Frage zu gelangen:

JA, ich würde deine Geschichte lesen wollen! Und Nein, es ist nicht total langweilig.

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