[Klassenzimmer] Sternwarte - Prof. Noin

Gemeinsam schreiben.

[Klassenzimmer] Sternwarte - Prof. Noin

Beitragvon Nion » 16.10.2015, 00:54

Guten ... eh ... oh, hallo!
Erfreut, erfreut. Dass ich Sie hier oben treffe? Nun, möglicherweise ist das kein Zufall. Oder doch. Aber machen wir das beste daraus.

Darf ich mich vorstellen? Prof. Noin. Mich treffen Sie hier oben häufiger an, ich werfe gern einen Blick in die Galaxie. Jeder Blick in die Sterne ist ein Blick in die Vergangenheit. Faszinierend, finden Sie nicht?
So ist es ...
Und schließlich ist die Vergangenheit mein Metier. Ebenso die Zukunft. Der Fluss der Zeit an sich. Zeit. Ein außerordentlich komplexes Konstrukt. Der menschliche Versuch, Dinge zu ordnen, die ohne den Fluss der Zeit in Chaos versinken würden.
Wäre eine chaotische Welt eine schlechtere Welt?
Denken Sie darüber nach. Solche Gedanken sind immer eine Minutenstunde wert.

Und wenn Sie zuende gedacht haben, oder eine Pause brauchen, dann werfen Sie einen Blick durch das Teleskop. Blicken Sie in die Vergangenheit und versuchen Sie ihren Blick zu lenken. Konzentrieren Sie sich auf den vergangenen November. Wahlweise auf einen beliebigen anderen Zeitraum, der Sie in den Schaffensprozess einer Geschichte zurückführt. Betrachten Sie die Figuren, die Ihren Weg kreuzen. Ja, sagen Sie ruhig hallo. Auch diesem unfreundlichen Knaben, den Sie mit grimmigem Blick mustern.
Wählen Sie eine der Figuren aus und holen Sie sie hierher, in das, was wir Gegenwart nennen.
Sehr ... oh! Sie sind wohl ein Naturtalent. Sehr erfreut, sehr erfreut, Prof. Noin mein Name. Und Sie sind?

     Name: ...

Wen haben Sie aus der Vergangenheit geholt? Stellen Sie uns die Figur vor: Name, Geschlecht, Alter, Beruf bzw. Funktion. Nennen Sie drei Ihrer Eigenschaften - gute wie schlechte, außerordentliche wie gewöhnliche. Hauptsache es sind drei.
Eine magische Zahl, die 3. Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft. Verlangsamt, Echtzeit, gerafft. Wir ordnen die Welt gern nach 3 Kategorien. Als Norm bezeichnen wir die Mitte.
Wie schnell ist Ihre gegenwärtige Echtzeit? Fließt sie genauso schnell wie meine? Lässt sich Zeitfluss denn tatsächlich vergleichen?
Aber ich schweife ab ...

Ihre erste Lektion in Zeitmagie haben Sie beeindruckend schnell gemeistert. Stellen Sie das Ergebnis hier aus. Wir kommen darauf zurück, zu einem Zeitpunkt, den Sie heute noch der Zukunft zuordnen.

Code: Alles auswählen
[u]Mein Gast aus der Vergangenheit[/u]:

Name:
Alter:
Geschlecht:
Beruf/Funktion:
Eigenschaften:
[list=1]
[*]
[*]
[*]
[/list]


Und nun gehen Sie und lassen Sie mich noch einen Blick in die Sterne werfen.
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Zeitblasen erschaffen

Beitragvon Nion » 19.10.2015, 20:19

Ah, Sie sind es wieder. Ja, in der Tat, bei klirrender Dunkelheit zieht es einen natürlich hier hoch aufs Dach. Wohin sonst?

Ich höre, dass einige Gäste aus der Vergangenheit bereits vorgestellt wurden. Schön, sehr schön ... Ein paar mehr dürfen es ruhig noch werden. Wir werden sie zur Teilnahme an einer späteren Übung einladen. Glücklicherweise haben wir Zeit. Wenn nicht wir, wer dann? Wir meistern die Zeit. Bzw., war ich gerade dabei, Ihnen zu zeigen, wie.

Zeitreisen - in die Vergangenheit, wie in die Zukunft - sind dabei nur ein Aspekt der Magie. (Da fällt mir ein, wenn Sie keinen interessanten Gast in der Vergangenheit aufspüren können, der gewillt ist, Sie für einen Abstecher in unserer Zeit zu begleiten - vielleicht finden Sie ihn in der Zukunft? Wenn es Ihnen gelingt, oder gar leichter fällt, dürfen Sie diese Alternative gern wählen. Aber nehmen Sie nicht unbedingt einen künftigen Helden. Dieser Schlag hat es an sich, sich sehr wichtig zu nehmen - ohne zum jetzigen Zeitpunkt wichtig zu sein.)

Verschieben wir die weitere Beschäftigung mit Zeitreisen auf unser nächstes Treffen.
Ein anderer Aspekt in der Zeitmagie beschäftigt sich mit dem Krümmen von Zeit. Es klingt hochkomplex, und ist einfacher als gedacht. Ich erwähnte es bereits: Zeit fließt ohnehin nicht kontinuierlich. Sie zu krümmen bedeutet in Wahrheit, sich den nicht-kontinuierlichen Charakter von Zeit bewusst zu machen und für die eigenen Zwecke zu nutzen.

Probieren wir es für dieses Mal mit der folgenden Übung: Erschaffen Sie eine Zeitblase um sich selbst. Wie die Atmosphäre um einen Planeten, soll Sie sie umschließen. Innerhalb dieser Blase wird die Zeit nur für Sie fließen, in anderer Geschwindigkeit, als für die Person im Nebenraum, die mürrisch auf die Uhr stiert.
Ob schneller oder gedehnter ...? Machen wir das Experiment!

Um sich abzusichern, können Sie einen Wecker stellen, der Sie nach gemessenen 30 Minuten in die gewöhnliche Zeit zurückholt.
Bereiten Sie sich auf den Startschuss vor: Öffnen Sie ein Schreibprogramm oder legen Sie ein leeres Blatt und einen Stift bereit - und dann schreiben Sie, was das Zeug hält. Vielleicht haben Sie ja noch die ein oder andere Hausaufgabe zu erledigen. Ein gutes Übungsobjekt. Lassen Sie Ihre Gedanken zu der Aufgabe auf das Papier fließen. Selbst wenn es Gedanken sind, mit denen Sie Ihre Gedanken eigentlich noch ordnen: "Ich verstehe gar nicht so recht, was überhaupt die Aufgabenstellung ist. Möglicherweise ... Oder ..."

Nur zu, trauen Sie sich! Wer es nicht ausprobiert, wird es nicht erfahren. Wenn Sie zögern, weil Sie befürchten, die Zeitblase nicht mehr zum Platzen bringen zu können - dann holen Sie sich Unterstützung. Ich kenne einen Ort, an dem Sie die mit guter Wahrscheinlichkeit finden: Einmal hier entlang.

Und kommen Sie bald wieder vorbei. Sie, und Ihre Gäste aus anderen Zeiten.
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Zukunft trifft Vergangenheit

Beitragvon Nion » 22.10.2015, 23:04

Eine wunderschöne Nacht, wieder einmal. Wenn ich hier oben stehe, kommt mir die Welt mit ihrer Hektik und ihren Sorgen, mit den Anfordnerungen, die tagsüber an uns herangetragen werden beinahe weiter entfernt vor, als die glitzenden Sterne über uns.

Aber ich will Sie nicht verwirren und in das Räumliche abdriften. Das Krümmen von Zeit ist einstweilen komplex genug.

Ich sehe, Sie haben Ihre Gäste mitgebracht. Ich habe auch einen Gast bei mir. Einen berühmten. Lassen Sie mich nur erst meinen Gedanken zuende führen, dann stelle ich Sie vor.
Ich spüre eine Veränderung an Ihnen. Das ist interessant. Hat es mit Ihrem Besuch zu tun? Möglicherweise hängen Sie mehr an ihm, als Sie dachten - oder als es von mir vorgesehen war. Ich muss sagen, das gelingt nicht oft, mich zu überraschen. Wissen Sie, ich habe oft eine Ahnung von dem, was kommt ...

Die Idee ist folgende: Sie tauschen Ihre Gäste untereinander aus. Wer sieht interessant aus? Gehen Sie auf ihn zu und schütteln Sie ihm die Hand. Oder besser: Schicken Sie Ihren Protagonisten vor. Die Figur, die Sie unter der Aufsicht meiner Kollegin Prof. Ballater bereits sehr gut kennengelernt haben. Eine Figur aus der (inzwischen sehr nahen) Zukunft und eine aus einer fremden Vergangenheit. Was passiert, wenn beide aufeinandertreffen? Spricht Ihre Figur den Fremden an? Beobachtet er ihn nur? Lassen Sie etwas passieren, das die beiden zwingt, miteinander zu agieren - und beobachten Sie, was geschieht.

Mittels eines kleinen Zeittricks können Sie so einen Teil Ihrer Geschichte schreiben, ohne bereits an Ihrer Geschichte zu schreiben. Sie probieren Ihren Protagonisten aus. Lernen ihn ein bisschen näher kennen - und können ganz nebenbei die Lektion aus unserer letzten Stunde wiederholen.

30 Minuten Szene schreiben,
Akteure: Ihr Protagonist und ein Fremder, von dem Sie nur einen kurzen Steckbrief kennen.


Die Kreativität sprüht noch nicht?
Ich wollte Ihnen noch jemanden vorstellen. Werfen Sie ihn mit in die Szene, falls Sie ins Stocken kommen, dann wird Ihnen das Aufrechterhalten der Zeitblase mit Sicherheit gelingen.
Ich habe den Jungen gestern ... ich meine, er ist mir zufällig über den Weg gelaufen:

Name: Marty McFly
Alter: nun, jugendlich
Geschlecht: männlich
Beruf/Funktion: Schüler
Eigenschaften:
  1. Er ist ein Profi auf dem Skateboard
  2. Er wird häufiger mal ohnmächtig
  3. Sein Gehirn schaltet aus, wenn ihn jemand eine "feige Sau" nennt

Viel Spaß bei diesem Experiment!
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Brief in die Zukunft

Beitragvon Nion » 24.10.2015, 10:45

Ah, gut dass ich Sie treffe. Lassen Sie uns eben unsere Stunde abhalten.
Sie meinen, es sei zu früh? Noch nicht dunkel? Es gibt kein zu früh für einen Zeitmagier. Die gegenwärtige Zeit spielt für uns eine untergeordnete Rolle. Wenn wir es früher oder später brauchen, reisen wir in der Zeit. Hatten wir das nicht bereits behandelt?

Oh, vielleicht nicht. Wir waren in der Vergangenheit, aber die Zukunft haben wir noch nicht bereist. In der Tat, da sagen Sie etwas.
Dann passt diese Aufgabe ja ideal. War auch genauso ... ehm, vorgesehen. Beginnen wir.

Mit Reisen in die Zukunft verhält es sich im Grunde nicht anders als mit einer Reise in die Vergangenheit. Für Ungeübte ist es gegebenfalls leichter, die Augen zu schließen. Blenden Sie alle Geräusche aus. Stellen Sie sich einen Tag in der Zukunft vor. Und zwar genau: den 18. November. Wählen Sie die Uhrzeit, in der Sie sich an Ihre Geschichte setzen (könnten). Die Schule/Uni/Arbeit für diesen Tag ist vorbei (oder Sie sind ein Frühaufsteher, schreiben morgens um 5:00 Uhr und der Tag liegt noch vor Ihnen). Jedenfalls sitzen Sie in einer ruhigen Ecke im Studierzimmer/noch ungestört im Aufenthaltsraum/mit dem Laptop auf den Knien im Bett ...
Sie haben 17 Tage Schreibwahnsinn hinter sich. Die heutige Tagesziellinie liegt bei 30.000 Wörtern. Wieviele haben Sie bisher geschrieben? Sind Sie gut im Rennen? Hinken total hinterher? Oder haben Sie Ihre 50k schon eingeschrieben?
Sie haben zweieinhalb Wochen lang nicht mehr richtig geschlafen, jedenfalls nicht richtig lange. Der 18. November ist ein Mittwoch. Also: Auch heute wieder zu spät ins Bett, morgen wieder zu früh aufstehen, am Tag darauf dasselbe und in der kommenden Woche ebenfalls. Sie sind müde. Die Euphorie, mit der Sie sich am 1. November in diese Sache gestürzt haben, ist irgendwie kaum noch zu spüren. Das Ende ist immernoch so weit hin. Sie würden gern einfach mal wieder einen Abend vor dem Fernseher verbringen, stundenlang telefonieren oder, ja genau, das am allerliebsten: Dieses Regalfach aufräumen, in dem sich alles stapelt und einstaubt, seit Monaten schon. Staubsaugen. Einen Kuchen backen. Fügen Sie der Liste Ihre persönliche Lieblings-Prokrastinations-Tätigkeit hinzu.
Doch Sie haben eins vergessen, wie nur? Die ganze Zeit haben Sie sich doch auf diesen Tag gefreut! Vor dreieinhalb Wochen sind Sie an den heutigen Tag gereist, haben Ihr eigenes Ich betrachtet, traurig mit dem Kopf geschüttelt, die Augenringe bewundert - und dann einen Brief verfasst. Einen Brief, den Sie in einen echten Umschlag gesteckt haben und mit dem Brief noch ein paar Überraschungen. Vielleicht haben Sie sogar Freunde oder Familienmitglieder gebeten, ein paar Überraschungen dazuzustecken.
In diesem Moment springen Sie auf, holen den Umschlag hervor und reißen ihn auf. Ihre eigenen Worte sind wie Balsam. Schließlich kennen Sie sich selbst eben doch am besten. Sehr gut, genau das, was Sie da geschrieben haben, quält Sie ... einer, der Sie versteht!

Kehren Sie zurück in die Gegenwart und schreiben Sie diesen Brief an Ihr künftiges, NaNo-gerädertes Ich. Schreiben Sie auf, was Ihnen gut tun wird. Am besten, indem Sie nicht zu lange darüber nachdenken und die bereits bekannte Methode der Zeitblase anwenden.
Stecken Sie ein paar Überraschungen dazu und versiegeln Sie den Umschlag. Sie werden es sich selbst danken. Am 18. November.

Und nun entschuldigen Sie mich. Ich habe noch einen Brief zu schreiben ...
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Eine geschenkte Stunde

Beitragvon Nion » 25.10.2015, 17:28

Guten Abend ... Nachmittag ... Morgen? Einigen wir uns auf Guten Tag!

Es ist schwierig, ein einheitliches Gefühl für Zeit zu etablieren - um nicht zu sagen, nahezu unmöglich. Menschen halten kleine Chronometer umklammert, um ihre Tage durchzutakten, damit man etwa sagen kann: "Treffen wir uns heute Abend um halb sechs am Höfchen." Aber was bedeutet halb sechs für die Betroffenen? Der eine mag gerade erst aufgestanden sein, die Nacht von Samstag auf Sonntag durchzecht haben und erst bei Sonnenaufgang in die Federn gesunken sein. Der andere hat einen Wochenenddienst geschoben, hatte Frühschicht, und war schon auf den Beinen, bevor der Kopf des ersten das Kissen berührte. Für ihn ist der Tag um halb sechs gelaufen, nächtliche Zustände! (Zumal es um halb sechs bereits dunkel sein wird.)

Tragen Sie noch ein Chronometer bei sich, oder haben Sie sich im Zuge Ihrer Beschäftigung mit Zeitmagie bereits davon getrennt? Sollten Sie noch eins besitzen, sind Sie heutige möglicherweise darüber gestolpert, dass Sie es um eine Stunde zurückdrehen mussten - bzw., dass es sich von selbst verstellt hatte, und Sie ungläubig auf die Uhrzeit geblickt haben und einen Augenblick brauchten, um Ihr eigenes Zeitgefühl mit der behaupteten Anzeige übereinzubekommen.
Ja, in der Welt derer, die Zeit in ein messbares Schema zu pressen versuchen, fällt der heutige Tag aus dem Rahmen. 25 Stunden statt der üblichen 24.
Für einen Zeitmagier ist das Schall und Rauch. Für jemanden, der sich mit unseren Themen noch nicht befasst hat, ist es etwas Großes. Eine ganze geschenkte Stunde!

Für die Figuren in Ihrem Roman etwa, ist eine geschenkte Stunde ... was?
In der vorletzten Stunde haben wir eine Übung dazu genutzt (das Treffen mit dem Gast aus der Vergangenheit), um Ihre Helden besser kennenzulernen. Lassen Sie uns die heutige Stunde nutzen, um etwas über Ihren Antagonisten zu erfahren. (Sollte Ihr Held sein eigener Antagonist sein, dann lernen Sie seine ablehnende Seite näher kennen.)

Wiederholen wir die Lektion aus der letzten Stunde: Reisen Sie in die Zukunft, an einen beliebigen Punkt in Ihrer Geschichte. Sie werden vermutlich die ganze Geschichte noch nicht kennen, aber ein paar Eckpunkte, ein paar Schlüsselszenen sind Ihnen möglicherweise bekannt. Wählen Sie eine von diesen und konzentrieren Sie sich auf Ihren Antagonisten. Was tut er gerade? Welche Gedanken, Sorgen und Hoffnungen beschäftigen ihn?
Und nun schenken Sie ihm eine unerwartete Stunde, zu seiner freien Verfügung.
Was wird er mit dieser Stunde tun? Wird er sie nutzen, um gegen Ihren Helden vorzugehen (was hieße, dass sein Kampf gegen Ihren Protagonisten aus seiner Sicht zeitkritisch ist). Oder wird er die Stunde möglicherweise begrüßen und für sich nutzen, um endlich mal wieder runterzukommen. Um etwas zu tun, was er schon lange erledigen wollte. Wird er einen Spaziergang im Park machen? Seine Mutter im Krankenhaus besuchen? Sie zumindest anrufen? Wird er einfach nur, weil es ihm Spaß macht, auf dem Balkon Käfer zertreten?

Sie können eine Menge über das Wesen, den Seelenzustand und die Prioritäten Ihres Antagonisten erfahren, wenn Sie ihm eine Stunde schenken, mit der er nicht gerechnet hatte.
(Gleiches gilt natürlich für Ihnen Helden. Im Grunde könnten Sie diese Übung für jede beliebige Figur in Ihrer Geschichte machen, insbesondere dann, wenn Ihnen eine Ihrer Figuren nebulös erscheint. Doch für den Augenblick ist mein Vorschlag, den Antagonisten zu wählen. Häufig macht man sich über seine Pläne und Aktionen Gedanken, doch wie es in ihm selbst aussieht, ist bisweilen unklar.)

Testen Sie Ihren Antagonisten. Lernen Sie ihn näher kennen. Und berichten Sie mir über Ihre Erfahrungen, wenn Sie möchten. Ich finde Experimente dieser Art hochspannend!

In diesem Sinne wünsche ich einen angenehmen Abend ... Nachmittag ... Ich vermute, nach chronometrischer Zeitmessung sollte ich mich alsbald auf den Weg zum Höfchen machen, um mein Treffen um halb sechs nicht zu verpassen ...
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Zeitmagie versus NaNoWriMo

Beitragvon Nion » 28.10.2015, 20:54

Ah, hallo! Schön Sie noch einmal zu treffen. Vermutlich zum letzten Mal, bevor der November beginnt.
Spüren Sie es? Die Zeit arbeitet bereits auf den Tag hin. Mit jeder Stunde, die verstreicht, lädt sie sich intensiver auf.

Es gibt unterschiedliche Formen der Magie. Zeitmagie ist nur eine. Der NaNoWriMo hat seine ganz eigene Magie, und eine mächtige. Wenn Sie sich dieser Magie schon einmal hingegeben haben, wissen Sie, wovon ich rede. Wenn nicht: Seien gepannt! Und seien Sie gewarnt ...

Selbst auf einen erfahrenen Zeitmagier kann die Magie des NaNoWriMo so überrumpelnd, so vereinnehmend und so stark wirken, dass er seine eigenen Fähigkeiten dem nicht entgegenzusetzen vermag. Der NaNoWriMo konfrontiert uns mit etwas, das uns im zeitmagischen Alltag unbekannt geworden ist: Zeitknappheit.
Oh ja. Sie haben richtig gehört, und mir wird ganz schwindelig, wenn ich mich daran erinnere. Je nachdem wie lange und intensiv wir uns mit Zeitmagie befassen, sind wir es inzwischen gewohnt, dass wir den Fluss der Zeit bestimmen - nicht umgekehrt. Auch Sie haben in den vergangenen zwei Wochen einiges gelernt, und ich muss anerkennen: Sie machen beeindruckende Fortschritte!
Doch nehmen Sie meine Warnung ernst. Lassen Sie sich von den Erfolgserlebnissen aus unseren Übungen nicht verleiten ... Im November laufen die Uhren anders. Er hat seine eigene Zeit.

Um sich gebührend auf diesen Zustand vorzubereiten, kann ich Ihnen nur folgenden Rat geben: Machen Sie sich frei von allem, was an Ihrer Novemberzeit kratzen könnte. Sie werden jede Minute brauchen! Viele davon zum Schreiben. Was dann neben den Stunden, die sich nicht aus der Rechnung nehmen lassen noch bleibt, zum Regenerieren (Mana wächst nicht auf Bäumen), zum kreativen Nichtstun (auch Ideen wachsen nicht auf Bäumen) - und damit sind sie bereits im negativen Bereich.

Wie erwähnt gibt es Dinge, die sich nicht aus der Rechnung nehmen lassen. Die Schule, Ihr Studium oder Ihre Arbeit nehmen keine Rücksicht auf November. Auch essen sollten Sie weiterhin. Essen zubereiten. Die Küche nach der Essenszubereitung aufräumen. Von Zeit zu Zeit frische Klamotten tragen und die verdreckten irgendwann waschen. ... Die Liste lässt sich endlos fortsetzen.
Schauen Sie sich ihre persönliche Liste genau an. Gibt es möglicherweise doch einen Punkt, den Sie aus der Rechnung nehmen können? Wenn Sie nicht alleine leben, sind Ihre Mitbewohner eventuell offen für Verhandlungen: Sie übernehmen das Einkaufen und Waschen im November im Austausch gegen einen anderen Monat? Führen Sie diese Verhandlungen und versuchen Sie, Ihre ToDo-Liste so klein wie möglich zu kriegen.
Gibt es Dinge, die Sie schon jetzt erledigen können? Ein paar Tage haben Sie noch bis November ...

Setzen Sie außerdem Ihr Umfeld darüber in Kenntnis, dass Sie im November keine Zeit haben werden. Führen Sie an den noch verbleibenden Tagen Gespräche mit Ihren Freunden, treffen Sie Verabredungen für Dezember, auf die Sie sich freuen können - und die Sie gleichzeitig für den November entschuldigen.

Sollte es Ihnen wider erwarten passieren, dass Ihnen im November plötzlich doch freie Zeit zur Verfügung steht, dann ist es unverplante Zeit - die Sie spontan nutzen können, für was immer Ihnen gut tut. Was immer Ihnen hilft, Ihre kreativen und magischen Ressourcen aufzutanken.

Ich wünsche Ihnen Kraft und einen magischen Monat! Und lassen Sie sich nicht beirren: Sie könnten Ihre Zeit nicht besser nutzen, als sich dem NaNoWriMo zu verschreiben.
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