[Nachdenk]Sunglasses at night

Gesellschaft, Kritik, Philosophisches

Re: Sunglasses at night

Beitragvon magico » 07.08.2014, 10:18

So ... nun melde ich mich auch noch einmal zu Wort.
Natürlich darf jeder seine Meinung und seine Interpretation des Textes zum Besten geben.

Klar, gibt es solche Menschen, aber es ist dennoch nur ein einziger Charakterzug, der dazu häufiger verwendet wird.


Richtig. Da es sich nur um einen kurzen Text handelt, habe ich bewusst auf tiefgründige Charakterzeichnung verzichtet. Schon mal den Satz "Übertreibung" macht 's anschaulich." gehört?
In gewisser Weise ist es eine satirische Geschichte. Satire lebt davon, bestimmte Eigenschaften hervorzuheben. Ich wollte keine Personen darstellen, sondern Eigenschaften.

Ok, wenn ich so drüber nachdenke, entsteht nicht einmal dieses Gefühl, den beiden würde etwas gerechtes widerfahren.


Was nach dem Ende der Geschichte passiert und was nicht, ist jedem Leser selbst überlassen. Für den einen ist es nichts, für den anderen eben ein wenig Gerechtigkeit.

Sie interessieren mich als literarische Figuren nicht und dementsprechend nicht, was mit ihnen passiert.


Literarisch? Ich glaube nicht, dass es sich hier um "literarische" Figuren handelt. Es ist kein Schimmelreiter oder Werther.

Ich glaube eben nicht, dass es wahrhaft schlechte Charaktere gibt.


Doch, gibt es.

Damit ich der Geschichte etwas abgewinnen könnte, müsste mehr passieren, denn in der Geschichte passiert praktisch nichts.


Das ist deine Meinung und das ist in Ordnung. Es gibt andere, die das Gegenteil empfunden haben und wiederum weitere, welche irgendwo mittendrin sind. Das ist eigentlich gut, denn es bedeutet, dass der Text ein großes Interpretationspotential besitzt und einigen scheinbar nicht ganz egal ist.


Grüße - magico
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Re: Sunglasses at night

Beitragvon curious » 01.01.2015, 16:30

Hallo Magico,

mein Kommentar ist der allererste hier in diesem Forum und ich schreib jetzt einfach mal, was mir einfällt.
Zunächst einmal greift der Text eine Situation auf, die ich schon selbst oft erlebt habe. Solche Mädchen findet man überall und sie nerven mich immer wieder. Beim Lesen habe ich mich immer wieder an eigene Erlebnisse zurückerinnert gefühlt und das hat mir gefallen. Die Protagonistinnen sind mir beide sehr unsympathisch, das hast du gut hinbekommen.

Jessi und Madeleine diskutierten gerade darüber, wie gut sie es doch hatten, in der Großstadt zu wohnen.
Wo sonst konnte man, quasi mitten in der Nacht, in einem Straßencafé sitzen? Bei, mit Sirup verfeinertem, Latte Macchiato und Himbeer-Panna cotta, gingen sie einem ihrer liebsten Hobbys nach: Sie beobachteten die anderen Gäste und Passanten. Beobachten hieß in diesem Fall auch kommentieren.


Der erste Satz passt meiner Meinung nach nicht zum Charakter der Mädchen. Dass sie es "gut haben" impliziert eine gewisse Wertschätzung. Betrachtet man das nachfolgende verachtende, oberflächliche Verhalten der Mädchen, passt das nicht zusammen. Ich hätte es eher folgendermaßen geschrieben: "Jessi und Madeleine diskutierten gerade darüber, wie gerne sie in der Großstadt lebten. Auf den Luxus, quasi mitten in der Nacht in einem Straßencafé zu sitzen, bei mir Sirup verfeinertem Latte Macchiato und Himbeer Panacotta, wollten und konnten sie nicht verzichten. Gut, dass sie sich das auch leisten konnten. Sie hatten eben alles richtig gemacht."

Dort saß ein dunkel gekleideter Mann mit gegelten Haaren und einer tiefschwarzen Sonnenbrille. Er nippte an einem doppeltem Esspresso und blickte scheinbar ins Nichts der Nacht.


Die Beschreibung "Nichts der Nacht" passt in meinen Augen nicht zur Großstadt. Dort ist alles hell beleuchtet, es ist viel Verkehr. Ich würde in Anbetracht der Tatsache, dass die Sonnenbrille eine tragende Rolle spielt, stärker auf sie eingehen. In etwa so: "Der hat das Lied "Sunglasses at night" wohl etwas zu wörtlich genommen." Damit würdest du auch auf den Titel anspielen.

"Nicht, dass gleich mein Sekt zufriert", erwiderte Madeleine schmunzelnd und hielt schützend ihre Hand über das Glas.


Es stört mich, dass die Mädchen "schmunzeln". Schmunzeln drückt für mich Belustigung, aber nichts Abwertendes oder Verächtliches aus. Es ist eher eine sympathische Art von Lächeln. Gerade so sind doch aber die Mädchen doch nicht.

Sie kicherten und beobachteten ihn weiter. Als er bezahlt hatte huschte ein leichtes, aber seltsam unnatürliches Lächeln über seine Lippen. Dann griff er neben sich unter den Tisch und zog einen langen Gegenstand hervor.
Jessi und Madeleine schauten sich mit aufgerissenen Augen an und schluckten schwer, ehe sie sich trauten wieder zu dem unbekannten mit der Sonnenbrille zu sehen.
Der Mann stand nun und bewegte sich eigenartig von seinem Tisch fort. Als Jessi und Madeleine einen freieren Blick auf den ominösen Herren hatten, erblickten sie den Grund für sein eigentümliches Gebaren sowie die Sonnenbrille bei Nacht: In der Hand hielt er einen weißen Stock.


Sehr gute Wendung. Man erwartet erst ein Messer oder eine Pistole...
Den letzten Satz finde ich sehr gelungen. Der weiße Stock steht im Kontrast zum sonst schwarzen Outfit und spiegelt auch gut das Schwarz Weiß Denken der Mädchen wieder.

Ansonsten finde ich die Geschichte sehr gelungen. Der Titel Sunglasses at Night ist toll und macht Lust, die Geschichte zu lesen. Das Ende kommt eher unerwartet. Die Beschreibung kling erst nach einem Möchtegern Macho, daher hast du einen guten Überraschungseffekt erzeugt.

Das wars erstmal von mir.
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Re: Sunglasses at night

Beitragvon magico » 02.01.2015, 10:35

Hallo curious,

vielen Dank für deinen Kommentar.

Der erste Satz passt meiner Meinung nach nicht zum Charakter der Mädchen. Dass sie es "gut haben" impliziert eine gewisse Wertschätzung. Betrachtet man das nachfolgende verachtende, oberflächliche Verhalten der Mädchen, passt das nicht zusammen.


Da hast du streng genommen recht.

Die Beschreibung "Nichts der Nacht" passt in meinen Augen nicht zur Großstadt. Dort ist alles hell beleuchtet, es ist viel Verkehr. Ich würde in Anbetracht der Tatsache, dass die Sonnenbrille eine tragende Rolle spielt, stärker auf sie eingehen. In etwa so: "Der hat das Lied "Sunglasses at night" wohl etwas zu wörtlich genommen." Damit würdest du auch auf den Titel anspielen.


Hier gebe ich dir ebenfalls recht. Deine Idee mit der Anspielung auf den Titel finde ich gut.

Es stört mich, dass die Mädchen "schmunzeln". Schmunzeln drückt für mich Belustigung, aber nichts Abwertendes oder Verächtliches aus. Es ist eher eine sympathische Art von Lächeln. Gerade so sind doch aber die Mädchen doch nicht.


Stimmt. Allerdings ist es schwierig die Wiederholung des Wortes "lachen/lächeln" zu vermeiden. Ich denk nochmal drüber nach.

Das Ende kommt eher unerwartet. Die Beschreibung kling erst nach einem Möchtegern Macho, daher hast du einen guten Überraschungseffekt erzeugt.


So war es gewünscht. :)


Nochmals vielen Dank und Grüße - magico
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Re: Sunglasses at night

Beitragvon babs » 11.03.2015, 10:14

Hallo magico,

ich habe gerade deine Geschichte gelesen, und möchte nun auch meine Kritik anbringen.

Mir hat deine Geschichte sehr gut gefallen, und den Überraschungseffekt am Ende habe ich wirklich nicht kommen gesehen.
Den Einfall, du könntest dem Kommentar der beiden, ob er sich im Dunklen angezogen hat, für den blinden Mann verwenden, fand ich erst nicht schlecht. Das würde bestimmt das unangenehme Gefühl der beiden am Ende verstärken.
Allerdings ginge damit dann wohl seine anfängliche Wirkung als obercooler Macho verloren.

Dein erster Satz gefällt mir persönlich auch nicht so gut.
Ich würde hiermit beginnen:
Bei, mit Sirup verfeinertem, Latte Macchiato und Himbeer-Panna cotta, gingen Jessi und Madeleine einem ihrer liebsten Hobbys nach: Sie saßen im Straßencafé und beobachteten die anderen...

Ich finde du hast die beiden sehr gut charakterisiert. Für eine Kurzgeschichte braucht es meiner Ansicht nach nicht mehr Tiefgang.

Veilchensekt kenne ich persönlich auch nicht, aber an so etwas störe ich mich selten.
Ich dachte mir schon, das wird irgendein In-Getränk sein, das hauptsächlich verwöhnte Gören trinken ;-)

Insgesamt finde ich deine Geschichte sehr flüssig geschrieben und gut zu lesen.
Ab und an bin ich über eine formuliereung gestolpert, die mir persönlich anders besser gefallen hätte.

z.B.:
"Nicht, dass gleich mein Sekt zufriert"

Mir würde "Nicht, dass gleich mein Sekt gefriert" besser gefallen.

Oder:
"Hauptsache ist, dass sie sich direkt wieder in diese Löcher verziehen, nachdem ihre Ausgsangszeit vorbei ist", merkte Jessi abfällig an.

Ich fände besser:
"Hauptsache ist, sie verziehen sich direkt wieder in diese Löcher, nachdem ihre Ausgsangszeit vorbei ist", merkte Jessi abfällig an.
Das kann allerdings daran liegen, dass ( :XD: ) ich gerade selbst dabei bin die "dass" in meiner eigenen Geschichte etwas zu dezimieren 8)

Ein Punkt in deiner Geschichte ist mir allerdings nicht ganz klar:
Jessi und Madeleine schauten sich mit aufgerissenen Augen an und schluckten schwer, ehe sie sich trauten wieder zu dem unbekannten mit der Sonnenbrille zu sehen.
Warum schlucken sie schwer und trauen sich erst nicht wieder hinzusehen? Ist ihnen da schon klar, der Mann ist blind?

Danke nochmal für den Link, ich habe mich beim Lesen gut amüsiert. :girl:
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Re: Sunglasses at night

Beitragvon magico » 11.03.2015, 10:50

Dein erster Satz gefällt mir persönlich auch nicht so gut.
Ich würde hiermit beginnen:


Bei, mit Sirup verfeinertem, Latte Macchiato und Himbeer-Panna cotta, gingen Jessi und Madeleine einem ihrer liebsten Hobbys nach: Sie saßen im Straßencafé und beobachteten die anderen...


Interessante Möglichkeit. :thinking:

Das kann allerdings daran liegen, dass ich gerade selbst dabei bin die "dass" in meiner eigenen Geschichte etwas zu dezimieren


Stimmt. Da war ja was. :mrgreen:

Ein Punkt in deiner Geschichte ist mir allerdings nicht ganz klar:
Jessi und Madeleine schauten sich mit aufgerissenen Augen an und schluckten schwer, ehe sie sich trauten wieder zu dem unbekannten mit der Sonnenbrille zu sehen.
Warum schlucken sie schwer und trauen sich erst nicht wieder hinzusehen? Ist ihnen da schon klar, der Mann ist blind?


Nein, sie fürchten sich davor, was der "Mafiosi" unter dem Tisch hervorholen könnte.

Danke nochmal für den Link, ich habe mich beim Lesen gut amüsiert.


Ich habe zu danken.


Grüße - magico
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Re: Sunglasses at night

Beitragvon babs » 11.03.2015, 10:57

magico hat geschrieben:
Ein Punkt in deiner Geschichte ist mir allerdings nicht ganz klar:
Jessi und Madeleine schauten sich mit aufgerissenen Augen an und schluckten schwer, ehe sie sich trauten wieder zu dem unbekannten mit der Sonnenbrille zu sehen.
Warum schlucken sie schwer und trauen sich erst nicht wieder hinzusehen? Ist ihnen da schon klar, der Mann ist blind?


Nein, sie fürchten sich davor, was der "Mafiosi" unter dem Tisch hervorholen könnte.


Ok. Ich muss zugeben, das ist mir nicht so aufgefallen. Ich fürchte, damit ich das kapiert hätte, wäre vielleicht die eine oder andere weitre Andeutung in diese Richtung notwendig gewesen.

Eventuell könntest du ein "Meinst du, der ist tatsächlich von der Mafia?" einflechten. Oder wäre dir das zu plump?

Gerade ist mir aufgefallen, dass ich in einem der anderen Kommentare etwas überlesen habe.
Die Sache mit dem "schwer schlucken".
Ich persönlich finde, da ist schon ein Unterschied ob man nur schlucken muss oder schwer schlucken.
Ich gehöre ja leider zu der Spezies die gerne Adjektive/Adverbe verwendet. Ich muss da immer Acht geben, dass ( :roll: ) es nicht zu viele werden. Aber manchmal machen sie eben doch einen gewollten Unterschied.
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