[Nachdenk]Sunglasses at night

Gesellschaft, Kritik, Philosophisches

[Nachdenk]Sunglasses at night

Beitragvon magico » 14.07.2014, 11:47

Jessi und Madeleine diskutierten gerade darüber, wie gut sie es doch hatten, in der Großstadt zu wohnen.
Wo sonst konnte man, quasi mitten in der Nacht, in einem Straßencafé sitzen? Bei, mit Sirup verfeinertem, Latte Macchiato und Himbeer-Panna cotta, gingen sie einem ihrer liebsten Hobbys nach: Sie beobachteten die anderen Gäste und Passanten. Beobachten hieß in diesem Fall auch kommentieren.
"Wenn ich solche Waden hätte wie die, würde ich nur noch Schlaghosen anziehen", flüsterte Jessi und deutete auf die brünette Mittdreißigerin am Nachbartisch.
"Ui ... da bräuchte die Hose aber einen ordentlichen Schlag", entgegnete Madeleine und begann leise zu kichern.
"Die wäre in den 70ern wirklich besser aufgehoben gewesen", ergänzte Jessi und lachte etwas lauter.
Sie nahmen ihre Latte Macchiato-Gläser, prosteten sich zu und schlürften die hellbraune Brühe durch die transparenten Strohhalme.
"Ach herrje, da hat sich wohl jemand im Dunklen angezogen." Madeleine schob ihr Kinn immer wieder in Richtung eines Herren in neonfarbenem Hawaiihemd. Das pastellfarbene Sakko hatte er gerade über die Lehne seines Stuhls gehängt.
"Ha ha ... ja, obwohl dieses Hemd sicher auch von allein leuchtet", warf Jessi ein, zog ihr Smartphone aus der Dolce & Gabbana-Handtasche und machte unauffällig ein Foto des Mannes.
Die Kellnerin bahnte sich ihren Weg durch die Stuhlreihen bis zum Tisch von Jessi und Madeleine.
"Bei Euch alles okay? Darf's noch was sein?"
"Ja, Veilchensekt", antwortete Jessi.
Madeleine hob ihre Hand und reckte Zeige sowie Mittelfinger nach oben. "Zwei."
Die Kellnerin nickte, machte auf dem Absatz kehrt und verschwand im grell beleuchteten Café.
"Boah, tät ich kotzen, wenn ich um diese Uhrzeit und dazu auch noch am Wochenende arbeiten müsste", sagte Madeleine und Jessi nickte eifrig.
"Hätte sie mal was Ordentliches gelernt."
Die beiden brachen in schallendes Gelächter aus. Kurz darauf brachte die Kellnerin zwei Sektflöten mit fliederfarbenem Inhalt.
"Vielen Dank", tönte es überfreundlich aus den Mündern von Jessi und Madeleine.
Als die Bedienung weit genug entfernt war, verfielen sie wieder in schulmädchenhaftes Gegacker.
"Oh ... schau mal da drüben. Mr.Cool ist auch da", stellte Jessi fest und zeigte auf einen Tisch ganz am Rand.
Dort saß ein dunkel gekleideter Mann mit gegelten Haaren und einer tiefschwarzen Sonnenbrille. Er nippte an einem doppeltem Esspresso und blickte scheinbar ins Nichts der Nacht.
"Nicht, dass gleich mein Sekt zufriert", erwiderte Madeleine schmunzelnd und hielt schützend ihre Hand über das Glas.
Sie beobachteten, wie sich Mr.Cool noch etwas bestellte, ohne dass er dabei die Bedienung ansah.
"Vielleicht hat er zu oft Der Pate geschaut und wäre auch gerne ein Don", mutmaßte Jessi.
Als er sein Getränk bekam, das man nicht identifizieren konnte, verzog er keine Miene.
"Also irgendwas stimmt doch mit dem nicht", stellte Madeleine fest.
"Irgendwie gruselig, dieser Typ. Na ja ... es gibt eben viele Freaks in der Stadt", entgegnete Jessi, leerte ihr Glas auf ex und beförderte es unsanft auf den Tisch.
"Und die meisten kriechen Nachts aus ihren Löchern." Madeleine trank ihren Veilchensekt ebenfalls aus und winkte die Bedienung heran, die aber nicht sofort zu ihnen kam.
"Hauptsache ist, dass sie sich direkt wieder in diese Löcher verziehen, nachdem ihre Ausgsangszeit vorbei ist", merkte Jessi abfällig an.
Madeleine nickte und hob erneut ihren Arm, da die Kellnerin noch immer nicht bei ihnen gewesen war.
"Nicht nur nen miesen Job, auch keinen Anstand", sagte sie dann genervt.
Während die beiden warteten sahen sie immer wieder zu Mr.Cool hinüber, der ihnen immer suspekter wurde.
Nun stand eine Kellnerin neben ihm und kassierte ab.
"Immerhin kann er bezahlen", bemerkte Madeleine.
"Wer weiß, wo er das Geld her hat?", warf Jessi sofort ein.
Sie kicherten und beobachteten ihn weiter. Als er bezahlt hatte huschte ein leichtes, aber seltsam unnatürliches Lächeln über seine Lippen. Dann griff er neben sich unter den Tisch und zog einen langen Gegenstand hervor.
Jessi und Madeleine schauten sich mit aufgerissenen Augen an und schluckten schwer, ehe sie sich trauten wieder zu dem unbekannten mit der Sonnenbrille zu sehen.
Der Mann stand nun und bewegte sich eigenartig von seinem Tisch fort. Als Jessi und Madeleine einen freieren Blick auf den ominösen Herren hatten, erblickten sie den Grund für sein eigentümliches Gebaren sowie die Sonnenbrille bei Nacht: In der Hand hielt er einen weißen Stock.
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Re: Sunglasses at night

Beitragvon Gimric » 15.07.2014, 16:25

Holla magico,

ich habe deine Geschichte tatsächlich etwas widerwillig gelesen, so unsympathisch waren mir die beiden Protagonistinnen "Jessi und Madeleine". Ich habe die verzogenen Gören mit ihren perfekten Gesichtchen und ihren teuren Fummeln sehr bildhaft vor mir gesehen und war auch irgendwie froh, nicht selbst in dem Nachtcafé zu sitzen und auch in den Fokus der beiden über alles erhabenen Dreckschleudern zu geraten. Andererseits (wer von uns ohne Sünde ist...) kenne ich die Situation gut genug, dass auch ich, wenn ich in entsprechender Begleitung bin, zu Spitzzüngigkeiten über Mitmenschen neige. Somit hat mich die Geschichte auch ertappt gemacht.
Dafür mein uneingeschränktes Lob.

Zwei kleine Anmerkungen:
(1) "Veilchensekt" war mir als Getränk völlig unbekannt, bis ich ihn gegooglet habe. Es handelt sich ggf. um ein eher Österreichisches Produkt? Vielleicht könntest du ihn auch mal beim "vollen Namen" nennen: "Spitz Frizzante Veilchen".
(2) "Ach herrje, da hat sich wohl jemand im Dunklen angezogen." Wenn sie diesen Satz nicht über den Hawaiihemdträger, sondern im Laufe des Gesprächs über "Mr. Sunglasses at night" sagen würden, dann wäre die Auflösung am Ende noch etwas schmerzhafter für die beiden Protagonistinnen.

Ich hoffe mit den Anmerkungen kannst du leben. ;)
Lieben Gruß,

Gimric (Henning)
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Re: Sunglasses at night

Beitragvon magico » 16.07.2014, 09:19

Hallo Gimric,

vielen Dank für deine Einschätzung.

ich habe deine Geschichte tatsächlich etwas widerwillig gelesen, so unsympathisch waren mir die beiden Protagonistinnen "Jessi und Madeleine".


Sehr gut. :twisted:

Somit hat mich die Geschichte auch ertappt gemacht.


War jetzt nicht mein primäres Ziel, aber wie du schon erwähnst, werden sich hier wohl viele (ein Stück weit) wiedererkennen können.

(1) "Veilchensekt" war mir als Getränk völlig unbekannt, bis ich ihn gegooglet habe. Es handelt sich ggf. um ein eher Österreichisches Produkt? Vielleicht könntest du ihn auch mal beim "vollen Namen" nennen: "Spitz Frizzante Veilchen".


Okay ... guter Hinweis. Ich kenne es hier, aus einem relativ angesagten "Lokal".

(2) "Ach herrje, da hat sich wohl jemand im Dunklen angezogen." Wenn sie diesen Satz nicht über den Hawaiihemdträger, sondern im Laufe des Gesprächs über "Mr. Sunglasses at night" sagen würden, dann wäre die Auflösung am Ende noch etwas schmerzhafter für die beiden Protagonistinnen.


Vielleicht wäre die Auflösung nicht schmerzhafter für sie, aber der Moment in dem sie es aussprechen bekommt für den Leser im Nachhinein eine andere Wirkung.


Also, vielen Dank und Grüße - magico


P.S. Hab' mal in dein Homunculus-Buch reingelesen. Interessante Story und Charaktere. Vielleicht lege ich mir das E-Book zu.
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Re: Sunglasses at night

Beitragvon inmutanka » 16.07.2014, 10:35

Hallo Magico,

anbei einige Anmerkungen meinerseits. Vllt. ist etwas für dich dabei.

LG
Inmutanka

Jessi und Madeleine diskutierten gerade darüber, wie gut sie es doch hatten, in der Großstadt zu wohnen.

Den Einstieg finde ich nicht gut, da sie ja im nachfolgenden nicht über die Vor-/Nachteile des Großstadtlebens diskutieren. Lieber würde ich etwas über die beiden Mädels erfahren …

Wo sonst konnte man, quasi mitten in der Nacht, in einem Straßencafé sitzen? Bei, mit Sirup verfeinertem, Latte Macchiato und Himbeer-Panna cotta, gingen sie einem ihrer liebsten Hobbys nach: Sie beobachteten die anderen Gäste und Passanten. Beobachten hieß in diesem Fall auch kommentieren.

Off Topic: Mache ich auch gerne, nur trage ich Beobachtungen und von mir gedachte Kommentare in ein Notizbuch ein

Was mich beim Lesen störte:
entgegnete Madeleine, ergänzte Jessi, warf Jessi ein, antwortete Jessi, sagte Madeleine, stellte Jessi fest, erwiderte Madeleine, mutmaßte Jessi, stellte Madeleine fest, sagte sie, bemerkte Madeleine, warf Jessi sofort ein – das braucht es meiner Meinung nach nicht und wirkt (auf mich!) öde beim Lesen, zumal du oft noch entsprechende Handlung etc. mit angeführt hast, wo klar werden würde, wer was sagt, Bsp.:
(flüsterte) Jessi (und) deutete auf die brünette Mittdreißigerin am Nachbartisch
"Ui ... da bräuchte die Hose aber einen ordentlichen Schlag", (entgegnete) Madeleine (und) begann leise zu kichern.

Was mir sonst noch aufgefallen ist:
Ist es wichtig, dass da steht: *begann* zu kichern statt *kicherte*? lachte *etwas* lauter statt einfach nur *lachte* oder *lachte leise*? Für mich ist ein Lachen normalerweise immer *lauter* als ein Kichern.

- "Wenn ich solche Waden hätte wie die, würde ich nur noch Schlaghosen anziehen", flüsterte Jessi und deutete auf die brünette Mittdreißigerin am Nachbartisch. – hier fehlt mir noch irgendetwas um mir annähernd ein Bild von der Frau zu machen, z. B. deren Beine wie weiße Stifte unter dem Rock hervorschauten.

- Madeleine schob ihr Kinn immer wieder in Richtung eines Herren in neonfarbenem Hawaiihemd. – es müsste *Herrn* und *neonfarbenen* heißen. Allerdings passt dieser Ausdruck irgendwie nicht zum Kontext der allgemeinen Sprache dieses Textes und *Mann* wäre (für mich!) passender.
neonfarbenen Hawaiihemd – unter Hawaii-Hemd kann ich mir etwas vorstellen (Tom Selleck alias Magnum und Jürgen von der Lippe sei Dank), aber bei neo*farbenen* erweckst du bei mir den Eindruck eines einfarbigen Hemdes und mein erster Gedanke war: ja was für eine Neonfarbe? Grün? Gelb? Orange? Treffender wäre vllt. Hawaii-Hemd in bunten Neonfarben.
Ebenso erging es mir bei *pastellfarbene* Sakko – pastellfarben sagt nur aus, dass es zarte Farben sind, es könnte also ein Pastell-Rosa, Pastell-Blau oder Pastell-Grün sein.
Außerdem kommt ein ziemlich komisches Bild auf, wenn ich mir vorstelle, wie jemand *immer wieder sein Kinn in eine Richtung schiebt*.

- Zeige sowie Mittelfinger – Zeige- sowie Mittelfinger

- und zeigte auf einen Tisch ganz am Rand. Dort saß ein dunkel gekleideter Mann – warum zeigt sie auf den Tisch, wenn dann der Mann beschrieben wird? Glaubst du wirklich, es macht einen Unterschied, ob ich auf einen Tisch oder den daran sitzenden Menschen zeige?

- tiefschwarzen Sonnenbrille – schwarz ist schwarz, eine Steigerung gibt es m. M. n. nicht, anders als bei anderen Farben.

- einem doppeltem Esspresso - einem doppelten Espresso

- winkte die Bedienung heran, die aber nicht sofort zu ihnen kam. – winkte der Bedienung – würde m. M. n. reichen, dass sie nicht gleich kommt, wird ja im nachfolgenden Satz klar: Madeleine … hob erneut ihren Arm, da die Kellnerin noch immer nicht bei ihnen gewesen war.

- wieder zu Mr.Cool hinüber, der ihnen immer suspekter wurde. – warum wurde er ihnen immer suspekter? Ich würde *suspekt* durch anrüchig oder verdächtig ersetzen, mich stören Fremdwörter, für die das Deutsche einen treffenden Ausdruck hat und wenn der Text im Allgemeinen nicht darauf abgestimmt ist (z. B. wenn ein Charakter sehr gerne Fremdwörter benutzt oder es in der Gesellschaftsschicht normal ist)

- Dann griff er neben sich unter den Tisch und zog einen langen Gegenstand hervor. – zog einen langen Gegenstand hervor – würde ich streichen. Damit nimmst du den Aha-Effekt weg.

- schluckten schwer – warum *schlucken* sie nicht einfach*

- ehe sie sich trauten wieder zu dem unbekannten mit der Sonnenbrille zu sehen. – zu dem Unbekannten, 2 x zu im Satz ist nicht gut. Warum musst du das mit dem *trauten* erwähnen? Ist ja im Prinzip nicht wichtig, oder? Ich würde es z. Bsp. so schreiben. Sie schluckten, ehe sie wieder zu dem Unbekannten mit der Sonnenbrille blickten.

- bewegte sich eigenartig von seinem Tisch fort - *eigenartig* sagt nichts aus, hier würde ich die Bewegung beschreiben.

- den Grund für sein eigentümliches Gebaren – bisher hast du mir gezeigt, dass der Mann Espresso trinkt, zahlt und unter den Tisch langt. Was ist daran ein *eigentümliches Gebaren*?
Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben; Sie haben meine Phantasie beflügelt. ... Vor allem aber danke ich all jenen, die mich lieben, so wie ich bin; Sie geben mir die Kraft zum Leben! Danke. (Paul Coelho)
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Re: Sunglasses at night

Beitragvon magico » 16.07.2014, 11:12

Hallo inmutanka,

vielen Dank für deinen kritischen Kommentar.

Den Einstieg finde ich nicht gut, da sie ja im nachfolgenden nicht über die Vor-/Nachteile des Großstadtlebens diskutieren. Lieber würde ich etwas über die beiden Mädels erfahren …


Da es nur eine kurze Geschichte sein soll, möchte ich nicht in endlose Beschreibungen der Mädchen verfallen. Dass, was für den Kontext wichtig ist, erfährt man innerhalb des Textes.

Off Topic: Mache ich auch gerne, nur trage ich Beobachtungen und von mir gedachte Kommentare in ein Notizbuch ein


:shock: Arbeitest du für so eine US-Institution, die mit N beginnt und mit A aufhört?

Was mich beim Lesen störte:
entgegnete Madeleine, ergänzte Jessi, warf Jessi ein, antwortete Jessi, sagte Madeleine, stellte Jessi fest, erwiderte Madeleine, mutmaßte Jessi, stellte Madeleine fest, sagte sie, bemerkte Madeleine, warf Jessi sofort ein – das braucht es meiner Meinung nach nicht und wirkt (auf mich!) öde beim Lesen, zumal du oft noch entsprechende Handlung etc. mit angeführt hast, wo klar werden würde, wer was sagt


Ich weiß, dass dies einer meiner Probleme ist. Allerdings finde ich, dass man sonst oft nicht eindeutig zuordnen kann, wer nun was sagt.

Wenn ich solche Waden hätte wie die, würde ich nur noch Schlaghosen anziehen", flüsterte Jessi und deutete auf die brünette Mittdreißigerin am Nachbartisch. – hier fehlt mir noch irgendetwas um mir annähernd ein Bild von der Frau zu machen, z. B. deren Beine wie weiße Stifte unter dem Rock hervorschauten.


Stimmt. Ein kurze genauere Beschreibung wäre sinnvoll.

neonfarbenen Hawaiihemd – unter Hawaii-Hemd kann ich mir etwas vorstellen (Tom Selleck alias Magnum und Jürgen von der Lippe sei Dank), aber bei neo*farbenen* erweckst du bei mir den Eindruck eines einfarbigen Hemdes und mein erster Gedanke war: ja was für eine Neonfarbe? Grün? Gelb? Orange? Treffender wäre vllt. Hawaii-Hemd in bunten Neonfarben.
Ebenso erging es mir bei *pastellfarbene* Sakko – pastellfarben sagt nur aus, dass es zarte Farben sind, es könnte also ein Pastell-Rosa, Pastell-Blau oder Pastell-Grün sein.


Hast' recht.

Glaubst du wirklich, es macht einen Unterschied, ob ich auf einen Tisch oder den daran sitzenden Menschen zeige?


Nein, macht es nicht, aber aus der Entfernung kann man evtl. nicht ganz so genau auf bestimmte Details zeigen. Ich denke, dass der gezeigte Punkt (ob nun Mann oder Tisch) trotzdem dieselbe Wirkung erzielt.
Außerdem möchte ich nicht ständig "Mann" schreiben.

tiefschwarzen Sonnenbrille – schwarz ist schwarz, eine Steigerung gibt es m. M. n. nicht, anders als bei anderen Farben.


Richtig, aber ... es gibt schwarze Sonnenbrillen, die transparenter sind als andere. Diese war kaum transparent und wirkte somit noch dunkler.

Dann griff er neben sich unter den Tisch und zog einen langen Gegenstand hervor. – zog einen langen Gegenstand hervor – würde ich streichen. Damit nimmst du den Aha-Effekt weg.


Da habe ich beim Schreiben auch hin und her überlegt. Vielleicht lasse ich den Gegenstand weg. Mal sehen.

schluckten schwer – warum *schlucken* sie nicht einfach


Weil sie nunmal "schwer" schluckten. Weshalb tut einem etwas "verdammt" weh und nicht einfach nur "weh", warum ist etwas "kochend" heiß und nicht bloß "heiß" ...?

Warum musst du das mit dem *trauten* erwähnen?


Weil es verdeutlicht, dass sie sich gewissermaßen fürchten wieder hinzusehen. Sie haben Angst davor, was der Mann unterm Tisch hervorgezogen haben könnte und vor den eventuell bevorstehenden Geschehnissen.

bewegte sich eigenartig von seinem Tisch fort - *eigenartig* sagt nichts aus, hier würde ich die Bewegung beschreiben.


Stimmt, aber ich weiß nicht wirklich, wie ich es beschreiben soll. Aber mir wird schon was einfallen.

den Grund für sein eigentümliches Gebaren – bisher hast du mir gezeigt, dass der Mann Espresso trinkt, zahlt und unter den Tisch langt. Was ist daran ein *eigentümliches Gebaren*?


Er stiert sonderbar ins Leere, blickt die Bedienung nicht an, lächelt irgendwie unnatürlich, greift plötzlich unter den Tisch, bewegt sich nicht "normal" und - trägt eine Sonnenbrille in der Nacht. :|


Vielen Dank und Grüße,
magico
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Re: Sunglasses at night

Beitragvon inmutanka » 16.07.2014, 17:53

Hallo Magico,

Den Einstieg finde ich nicht gut, da sie ja im nachfolgenden nicht über die Vor-/Nachteile des Großstadtlebens diskutieren. Lieber würde ich etwas über die beiden Mädels erfahren …


Da es nur eine kurze Geschichte sein soll, möchte ich nicht in endlose Beschreibungen der Mädchen verfallen. Dass, was für den Kontext wichtig ist, erfährt man innerhalb des Textes.


Dann überlege dir, ob du nicht den ersten Satz weglassen kannst ...

Off Topic: Mache ich auch gerne, nur trage ich Beobachtungen und von mir gedachte Kommentare in ein Notizbuch ein


:shock: Arbeitest du für so eine US-Institution, die mit N beginnt und mit A aufhört?


Die ist kaum an bissigen, lästernden Beschreibungen interessiert ... :oops:

Was mich beim Lesen störte:
entgegnete Madeleine, ergänzte Jessi, warf Jessi ein, antwortete Jessi, sagte Madeleine, stellte Jessi fest, erwiderte Madeleine, mutmaßte Jessi, stellte Madeleine fest, sagte sie, bemerkte Madeleine, warf Jessi sofort ein – das braucht es meiner Meinung nach nicht und wirkt (auf mich!) öde beim Lesen, zumal du oft noch entsprechende Handlung etc. mit angeführt hast, wo klar werden würde, wer was sagt


Ich weiß, dass dies einer meiner Probleme ist. Allerdings finde ich, dass man sonst oft nicht eindeutig zuordnen kann, wer nun was sagt.


Ich finde schon - zumindest bei dem Text. Da du ja die Handlung der Person oft noch zusätzlich hinter diesen entgegnete, ergänzte, antwortete etc. dazugeschrieben hast. Daher könntest du das getrost streichen.

Glaubst du wirklich, es macht einen Unterschied, ob ich auf einen Tisch oder den daran sitzenden Menschen zeige?


Nein, macht es nicht, aber aus der Entfernung kann man evtl. nicht ganz so genau auf bestimmte Details zeigen. Ich denke, dass der gezeigte Punkt (ob nun Mann oder Tisch) trotzdem dieselbe Wirkung erzielt.
Außerdem möchte ich nicht ständig "Mann" schreiben.


Musst du ja nicht, wie wäre es mit *Bebrilltem*, *Möchtegern-Pate etc.*

schluckten schwer – warum *schlucken* sie nicht einfach


Weil sie nunmal "schwer" schluckten. Weshalb tut einem etwas "verdammt" weh und nicht einfach nur "weh", warum ist etwas "kochend" heiß und nicht bloß "heiß" ...?


Weil das eigentlich Umgangs-/Allerweltssprache ist. Geschrieben kommt dem allerdings eine ganz andere Bedeutung zu. Wie oft hörst du im Alltag, er/sie rollte mit den Augen - wird es allerdings im Text (nicht im Dialog!) geschrieben, habe ich sofort das Bild von auf dem Boden/Tisch hin und her kullernden Augen im Kopf.
Und bei *heiß* gibt es die Steigerung, einfach nur heiß (sehr warm) oder kochend/siedendheiß.
Wie wäre es mit einem *trockenen Schlucken*?

Warum musst du das mit dem *trauten* erwähnen?


Weil es verdeutlicht, dass sie sich gewissermaßen fürchten wieder hinzusehen. Sie haben Angst davor, was der Mann unterm Tisch hervorgezogen haben könnte und vor den eventuell bevorstehenden Geschehnissen.


*g* sorry, das ist aber ein ganz fauler Weg, den du da einschlägst. Zeige es, wie sie mit sich ringen ...



den Grund für sein eigentümliches Gebaren – bisher hast du mir gezeigt, dass der Mann Espresso trinkt, zahlt und unter den Tisch langt. Was ist daran ein *eigentümliches Gebaren*?


Er stiert sonderbar ins Leere, blickt die Bedienung nicht an, lächelt irgendwie unnatürlich, greift plötzlich unter den Tisch, bewegt sich nicht "normal" und - trägt eine Sonnenbrille in der Nacht. :|


Hm, ins Leere stieren, nicht der Bedienung nachsehen (sorry, ich sehe auch nicht jeder Bedienung, auch nicht, wenn es ein schnieker Ober ist, nach) passt nicht zu der von dir gemachten Aussage:
tiefschwarzen Sonnenbrille – schwarz ist schwarz, eine Steigerung gibt es m. M. n. nicht, anders als bei anderen Farben.


Richtig, aber ... es gibt schwarze Sonnenbrillen, die transparenter sind als andere. Diese war kaum transparent und wirkte somit noch dunkler.


Wenn die Brille so dunkel ist, dass sie nicht transparent ist, wie wollen die beiden dann sehen, wo er hinstarrt? Ich habe eine Sonnenbrille mit hellgrauen Gläsern, und da siehst du selbst am hellichten sonnigen Tageslicht nicht, wo ich hinschaue. Wie soll es dann bei tiefschwarzen, nicht transparenten Gläsern in der Nacht möglich sein?

*irgendwie* unnatürlich lächeln - auch das sagt nichts aus, schon gar nicht, dass es ein eigentümliches Gebaren ist. Und nur weil er unter den Tisch langt - sorry, das ist auch kein eigentümliches Gebaren. Das er sich nicht *normal* bewegt, beschreibst du erst, als er aufsteht. Also passt es auch nicht in diesem Falle. Und Sonnenbrille nachts tragen - wenn ich abends/nachts durch unsere Nachbar-Stadt (Unistadt) laufe, dann sehe ich genug männl. wie weibl. Typen, die es als cool finden, auch bei Dunkelheit als Heino-Imitat durch die Straßen zu wandeln. Würde ich auch nicht als *eigentümliches Gebaren* bezeichnen, höchstens als doof - aber das ist meine persönliche Meinung 8)

LG
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Re: Sunglasses at night

Beitragvon DrJones » 25.07.2014, 20:53

Hallo magico,

Habe mir Deine Geschichte jetzt zum zweiten Mal durchgelesen.
Mir hat die Zeichnung der beiden Freundinnen gefallen, wie sie so
bösartig ablästern.





magico hat geschrieben:Jessi und Madeleine diskutierten gerade darüber, wie gut sie es doch hatten, in der Großstadt zu wohnen.
Wo sonst konnte man, quasi mitten in der Nacht, in einem Straßencafé sitzen? Bei, mit Sirup verfeinertem, Latte Macchiato und Himbeer-Panna cotta, gingen sie einem ihrer liebsten Hobbys nach: Sie beobachteten die anderen Gäste und Passanten. Beobachten hieß in diesem Fall auch kommentieren.

Find ich gut. Man weiß nicht, wessen Gedanken das sind. Die Formulierung schweißt die beiden
als Einheit zusammen. Nice. :D


"Wenn ich solche Waden hätte wie die, würde ich nur noch Schlaghosen anziehen", flüsterte Jessi und deutete auf die brünette Mittdreißigerin am Nachbartisch.
"Ui ... da bräuchte die Hose aber einen ordentlichen Schlag", entgegnete Madeleine und begann leise zu kichern.

Die Freundinnen sind sich von der Sprechweise her sehr ähnlich. Könnte für mich
einen Ticken individueller gestaltet sein, damit man die besser unterscheiden kann.
Aber ist an sich okay, da es enge Freundinnen sind, die sich angepaßt haben.


"Die wäre in den 70ern wirklich besser aufgehoben gewesen", ergänzte Jessi und lachte etwas lauter.
Sie nahmen ihre Latte Macchiato-Gläser, prosteten sich zu und schlürften die hellbraune Brühe durch die transparenten Strohhalme.
"Ach herrje, da hat sich wohl jemand im Dunklen angezogen." Madeleine schob ihr Kinn immer wieder in Richtung eines Herren in neonfarbenem Hawaiihemd. Das pastellfarbene Sakko hatte er gerade über die Lehne seines Stuhls gehängt.
"Ha ha ... ja, obwohl dieses Hemd sicher auch von allein leuchtet", warf Jessi ein, zog ihr Smartphone aus der Dolce & Gabbana-Handtasche und machte unauffällig ein Foto des Mannes.

Schöne Detailidee mit dem Smartphone! Macht die Sache plausibel. :)

Die Kellnerin bahnte sich ihren Weg durch die Stuhlreihen bis zum Tisch von Jessi und Madeleine.
"Bei Euch alles okay? Darf's noch was sein?"

Ja, genau so sprechen die. Atmo stimmt. :)

"Ja, Veilchensekt", antwortete Jessi.

Wieder ein nettes Detail. Realismus pur. :D

Madeleine hob ihre Hand und reckte Zeige sowie Mittelfinger nach oben. "Zwei."

Okaay ... das zeigt mir, dass Madeleine nicht immer Veilchensekt trinkt und dass das eher das
Ding ihrer Freundin ist.


Die Kellnerin nickte, machte auf dem Absatz kehrt und verschwand im grell beleuchteten Café.

Sitzen die draußen? Die Formulierung "verschwand im grell beleuchteten Café" hat mich verwirrt.

"Boah, tät ich kotzen, wenn ich um diese Uhrzeit und dazu auch noch am Wochenende arbeiten müsste", sagte Madeleine und Jessi nickte eifrig.
"Hätte sie mal was Ordentliches gelernt."
Die beiden brachen in schallendes Gelächter aus. Kurz darauf brachte die Kellnerin zwei Sektflöten mit fliederfarbenem Inhalt.
"Vielen Dank", tönte es überfreundlich aus den Mündern von Jessi und Madeleine.

Ich habe meine Meinung nach nochmaligem Durchlesen hierzu geändert: :oops:
Dies könnte mit der beste Abschnitt sein. Die Szene kaufe ich Dir zu 90 % ab.
Was mir fehlte, wäre dass sie nach dem überfreundlichen "Vielen Dank" noch ein Kichern unterdrücken.
Auch diese heftige Lach-Reaktion nur auf Jessis Kommentar hin: "Hätte sie mal ..." erscheint mir leicht überzogen. Ein Lachen mit Kopfschütteln, und dann ein unterdrücktes Kichern, als die Kellnerin eintraf,
würde diesen Abschnitt runder machen. Oder Du baust eine Art Pointe ein, in dem was Jessi sagt,
was das schallende Lachen plausibler rechtfertigt.
Also, ich denke, der Abschnitt könnte brillant sein/werden. Nicht unbedingt, wenn Du meine
Vorschläge einarbeitest, sondern, indem das einfach etwas "abgerundet" wird. Ist ein bisschen schade,
dass der Abschnitt nicht so glänzt, wie er könnte, denn die Idee ist wirklich sehr, sehr gut.


Als die Bedienung weit genug entfernt war, verfielen sie wieder in schulmädchenhaftes Gegacker.
"Oh ... schau mal da drüben. Mr.Cool ist auch da", stellte Jessi fest und zeigte auf einen Tisch ganz am Rand.
Dort saß ein dunkel gekleideter Mann mit gegelten Haaren und einer tiefschwarzen Sonnenbrille. Er nippte an einem doppeltem Esspresso und blickte scheinbar ins Nichts der Nacht.
"Nicht, dass gleich mein Sekt zufriert", erwiderte Madeleine schmunzelnd und hielt schützend ihre Hand über das Glas.
Sie beobachteten, wie sich Mr.Cool noch etwas bestellte, ohne dass er dabei die Bedienung ansah.

Wirkt hier auf mich hier eher auktorial, als übernähme ein Erzähler das Vokabular der beiden Protagonistinnen.
Nicht ganz rund für mich.


"Vielleicht hat er zu oft Der Pate geschaut und wäre auch gerne ein Don", mutmaßte Jessi.
Als er sein Getränk bekam, das man nicht identifizieren konnte, verzog er keine Miene.
"Also irgendwas stimmt doch mit dem nicht", stellte Madeleine fest.
"Irgendwie gruselig, dieser Typ. Na ja ... es gibt eben viele Freaks in der Stadt", entgegnete Jessi, leerte ihr Glas auf ex und beförderte es unsanft auf den Tisch.

Zu mitteilungsfreudig hier, die Jessi. Da höre ich mehr die Autorenstimme. Ist so'n Eindruck.

"Und die meisten kriechen Nachts aus ihren Löchern." Madeleine trank ihren Veilchensekt ebenfalls aus und winkte die Bedienung heran, die aber nicht sofort zu ihnen kam.

Das verstehe ich nicht. Löcher?

"Hauptsache ist, dass sie sich direkt wieder in diese Löcher verziehen, nachdem ihre Ausgsangszeit vorbei ist", merkte Jessi abfällig an.

Dialog wirkt hier etwas aufgesetzt. Wieso reden die so intensiv über irgendwelche
Verstecke?


Madeleine nickte und hob erneut ihren Arm, da die Kellnerin noch immer nicht bei ihnen gewesen war.

Besser: erneut -> wieder. Ansonsten klingt es ein wenig wie in der Schule. Idee: Sie winkte in Richtung
Kellnerin.


"Nicht nur nen miesen Job, auch keinen Anstand", sagte sie dann genervt.

Coool! Der Kampf gegen ihre inneren Dämonen. Menschen neigen dazu, Dinge an anderen
zu kritisieren, die sie selbst haben. Stichwort: Projektion. Sehr realistisch. Sehr satirisch. :D :D :D


Während die beiden warteten sahen sie immer wieder zu Mr.Cool hinüber, der ihnen immer suspekter wurde.
Nun stand eine Kellnerin neben ihm und kassierte ab.

Zweimal "immer"

"Immerhin kann er bezahlen", bemerkte Madeleine.

Wieder "Immer". Und besser: "zahlen"

"Wer weiß, wo er das Geld her hat?", warf Jessi sofort ein.

Warum sollte sie das thematisieren? Hält sie ihn für'n Mafiosi? Falls ja, sollte das
vorher noch deutlicher herausgearbeitet werden.


Sie kicherten und beobachteten ihn weiter. Als er bezahlt hatte, huschte ein leichtes, aber seltsam unnatürliches Lächeln über seine Lippen. Dann griff er neben sich unter den Tisch und zog einen langen Gegenstand hervor.

"huschte" "leicht" Doppelung?
langen Gegenstand --> langen, weißen Stock. Den müssten sie sofort als solchen erkennen.
Wie ist dieses Lächeln erklärt? Lächeln Blinde eigenartig/anders? Habe da keine Erfahrungen...


Jessi und Madeleine schauten sich mit aufgerissenen Augen an und schluckten schwer, ehe sie sich trauten wieder zu dem unbekannten mit der Sonnenbrille zu sehen.

Diese Reaktion fühlt sich für mich etwas übertrieben an. Würde ich um etwa 50% abmildern.
Was aber gut war, ist, dass sie sich vielleicht etwas schämen. Hier für mich zuviel Katharsis.


Der Mann stand nun und bewegte sich eigenartig von seinem Tisch fort. Als Jessi und Madeleine einen freieren Blick auf den ominösen Herren hatten, erblickten sie den Grund für sein eigentümliches Gebaren sowie die Sonnenbrille bei Nacht: In der Hand hielt er einen weißen Stock.

Die Perspektive ist für mich nicht ganz sauber. Es soll eine personale sein? Klingt aber etwas auktorial hier. Das liegt vielleicht auch etwas daran, dass hier zwei sehr ähnliche Protagonistinnen sind, die die Dinge als Art Kollektiv betrachten.





In der Story hat mir die Pointe gut gefallen. Auch die Entwicklung dahin war schön choreographiert: Von
ihren ersten Lästereien bis hin zu ihrem Beobachtungsopfer, dem Blinden.
Eine Idee: Vorne steht etwas von "eines Herren in neonfarbenem Hawaiihemd." Wenn Du daraus den blinden machst, dessen Kleidung vielleicht ein Stück hängt, etc. Nur so eine Idee.

FG,

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Re: Sunglasses at night

Beitragvon magico » 28.07.2014, 09:22

Hallo DrJones!

Danke für deinen Kommentar.

Die Freundinnen sind sich von der Sprechweise her sehr ähnlich. Könnte für mich
einen Ticken individueller gestaltet sein, damit man die besser unterscheiden kann.
Aber ist an sich okay, da es enge Freundinnen sind, die sich angepaßt haben.


Hm ... irgendwie hast du mit beiden Sachen recht. Schwierig.

Sitzen die draußen? Die Formulierung "verschwand im grell beleuchteten Café" hat mich verwirrt.


Ja, sie sitzen draußen. Muss ich wohl deutlicher hervorheben.

Ich habe meine Meinung nach nochmaligem Durchlesen hierzu geändert:
Dies könnte mit der beste Abschnitt sein. Die Szene kaufe ich Dir allerdings nur zu 50% ab.
Die fehlenden 50% liegen daran, dass sie "Vielen Dank" unfreundlich sagen. Wieso?


Da steht nicht unfreundlich, sondern überfreundlich. :wink:

Also, ich denke, der Abschnitt könnte brillant sein/werden. Nicht unbedingt, wenn Du meine
Vorschläge einarbeitest, sondern, indem das einfach etwas "abgerundet" wird. Ist ein bisschen schade,
dass der Abschnitt nicht so glänzt, wie er könnte, denn die Idee ist wirklich sehr, sehr gut.


Werde mir was überlegen.

Das verstehe ich nicht. Löcher?


Sagt man eben so. Zumindest kenne ich es ... :|

Besser: erneut -> wieder. Ansonsten klingt es ein wenig wie in der Schule. Idee: Sie winkte in Richtung
Kellnerin.


Stimmt.

Und besser: "zahlen"


Stimmt auch.

Warum sollte sie das thematisieren? Hält sie ihn für'n Mafiosi? Falls ja, sollte das
vorher noch deutlicher herausgearbeitet werden.


Na ja ... nicht wirklich, aber sie witzeln zu Beginn darüber. --> "Vielleicht hat er zu oft Der Pate geschaut und wäre auch gerne ein Don", mutmaßte Jessi.

langen Gegenstand --> langen, weißen Stock. Den müssten sie sofort als solchen erkennen.
Wie ist dieses Lächeln erklärt? Lächeln Blinde eigenartig/anders? Habe da keine Erfahrungen...


Wenn sie den weißen Stock gleich erkennen, ist die Pointe hinüber.
Ja, Blinde (zumindest manche) haben ihre Gesichstzüge nicht ganz so unter Kontrolle. Sie können sich die Mimik ja nicht abschauen.

Diese Reaktion fühlt sich für mich etwas übertrieben an. Würde ich um etwa 50% abmildern.
Was aber gut war, ist, dass sie sich vielleicht etwas schämen. Hier für mich zuviel Katharsis.


Hm ... okay.

Eine Idee: Vorne steht etwas von "eines Herren in neonfarbenem Hawaiihemd." Wenn Du daraus den blinden machst, dessen Kleidung vielleicht ein Stück hängt, etc. Nur so eine Idee.


Diese Idee kam schon mal so ähnlich weiter oben. Ich habe auch schon überlegt, ob der Blinde am Ende an den beiden vorbeigeht und so was sagt, wie: "Dafür, dass ich mich im Dunkeln angezogen habe, sitzt der Anzug doch ganz gut - oder?!"
Würde natürlich implizieren, dass er vorher das Gespräch der beiden mitbekommen hat. Zumindest zum Teil. Okay - Blinde haben feinere Sinne, gerade was das Hören angeht, aber dann müsste er doch etwas näher sitzen, was hinten raus wieder nicht passt. Na ja ... mal sehen.


Danke und Grüße - magico
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Re: Sunglasses at night

Beitragvon Weltatlas » 28.07.2014, 16:32

Guten Tag,

also, es ist das zweite Mal, dass ich es geschafft habe einen der hier eingestellten Texte zu Ende zu lesen, soviel schon mal voraus.
Der Text liest sich im Ganzen ganz gut, dennoch bin ich über einige Sachen gestolpert, die ich Dir gern mitgeben möchte, vielleicht gefällt Dir davon ja etwas, oder Du findest alles unnütz :D .

Grundsätzlich:
3 Kommentatoren sind wenigstens 1er zu viel. Das die zwei Grazien kommentieren liegt an der Geschichte und finde ich auch sehr gut gelungen. Aber, ich würde mir den Erzähler sparen. Du kannst ja dennoch in der personalen Perspektive bei den Beiden bleiben, aber, quasi bei denen im Kopf sitzen.
Der Grund ist einfach, das ich so das Gefühl einer gewissen Bevormundung habe. Ich beziehe es z.B. auf den Anfang. Mir muss kein Erzähler sagen, dass wir in einer Großstadt sind. Ich denke, dass es sich von selbst erklärt. Auch beschreibende/bewertende Atribute würde ich weg lassen und das nur durch die Zwei lösen. Durch Deine Wortwahl (schulmädchenhaft, braune Brühe, gegacker... etc.) färbst Du die Zwei ein, ohne das Du es müsstest, da man sie so oder so unsympatisch findet.
Ich hoffe Du kannst meinem Gedankengang folgen.

Wie weiter oben bereits erwähnt wurde finde ich diese Füllsel "sagte sie" etc. auch tendenziell eher nervig zu lesen. Möglicherweise fällt Dir da ja noch etwas konkretes ein?

Die Namen der Beiden, zumindest Jessi, finde ich persönlich störend, da ich mir darunter eine andere Person (Richtung Berlin Marzahn) vorstelle. Ich weiß nicht aus welchem Millieu die Zwei kommen, aber ich würde vielleicht typischere Namen nehmen. Auf mich wirkten sie eher wie eine Fiona und ... . Also, irgendwie eher wie Einzelkind, aus gehobeneren Kreisen? Oder stimmt das nicht?
Sollte ich Recht haben, dann stört mich Jessi, da es eher nach Plattenbau klingt.

So, die Auflösung der Geschichte finde ich generell interessant. Aber, tut sich jetzt was bei den Beiden? Also, am Ende habe ich das Gefühl, dass sie aus der Geschichte raus sind. Also, es ist jetzt nicht so das ich denke "Ahhh!" jetzt haben die aber eine gefangen bekommen, sondern, naja, okay, der ist halt blind. Mal abgesehen davon würden die Zwei sich wohl auch noch über seinen weißen Stock lustig machen, oder über einen beinamputierten Rollstuhlfahrer, da er keine Schuhe trägt.
Das Ende macht nichts mit den Beiden..., da kommt bei mir nichts an.

So, das ist mein Senf dazu. Ich hoffe Du kannst damit was anfangen 8) .

Beste Grüße.
Nur weil man nicht alles richtig machen kann, muss man noch lange nicht alles falsch machen.
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Re: Sunglasses at night

Beitragvon magico » 29.07.2014, 08:28

Hallo Weltatlas,

vielen Dank für deine Anregungen.

3 Kommentatoren sind wenigstens 1er zu viel.


Möglich. Da müsste ich mir noch mal anschauen, wie man es am Besten auf die 2 Hauptpersonen angleicht.

Ich hoffe Du kannst meinem Gedankengang folgen.


Ja, kann ich.

Die Namen der Beiden, zumindest Jessi, finde ich persönlich störend, da ich mir darunter eine andere Person (Richtung Berlin Marzahn) vorstelle. Ich weiß nicht aus welchem Millieu die Zwei kommen, aber ich würde vielleicht typischere Namen nehmen. Auf mich wirkten sie eher wie eine Fiona und ... . Also, irgendwie eher wie Einzelkind, aus gehobeneren Kreisen? Oder stimmt das nicht?
Sollte ich Recht haben, dann stört mich Jessi, da es eher nach Plattenbau klingt.


Nun ja ... mit Namen verbindet jeder etwas anderes. Kommt auch drauf an, ob man Personen mit diesem Namen kennt und was man mit ihnen für Erfahrungen gemacht hat. Welcher Schicht die beiden angehören überlasse ich hier komplett dem Leser.

So, die Auflösung der Geschichte finde ich generell interessant. Aber, tut sich jetzt was bei den Beiden?


Hier ist auch der Leser am Zug.


Grüße, magico
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Re: Sunglasses at night

Beitragvon Simplicissimus » 03.08.2014, 20:41

Hallo Macigo,

meine kurzen Anmerkungen zur Geschichte:

Ich finde, sie funktioniert so nicht. Vor allem ist klischeeüberladen, die zwei Protagonistinnen könnten aus einer RTL-Daily-Soap stammen, sie bekommen keine individuellen Charakterzüge und nur Arroganz macht noch keinen Charakter. Von Anfang an wird man von ihnen abgestoßen - was so anscheinend auch beabsichtigt ist - aber so wird der Leser deine Botschaft nicht aufnehmen. Mehr als ein "Geschieht den beiden recht" wird er wohl kaum denken, aber zum Nachdenken regt das nicht an. Interessanter wäre es, dem Leser zu Beginn Identifikationsmaterial zu bieten. Die meisten Menschen lästern mal über andere, und in einer Bier-/Sektlaune kann das auch mal über die Stränge schlagen.

Sympathie mit dem Blinden entsteht auch keine, da wir über ihn nichts erfahren und das bisschen Lästern wird er wohl auch kaum mitbekommen haben. Da Sympathie auch sehr stark durch Mitleid entsteht, muss die Geschichte da viel weiter gehen. So wäre es vorstellbar, dass sie sich von ihm angegafft fühlen, ihm, dem schmierigen Kerl, sie 'verteidigen' sich, sagen ihm, er solle Frauen in seiner Klasse angaffen, anmachen, angraben, aber nicht bei ihnen! Und dann dreht es wirklich ab, sie greifen ihn an, werfen ihm laut vor, so dass alle es hören können, er hätte sie befummelt, der notgeile Bock, Gerechtigkeit! Gerechtigkeit! Da müsse doch jemand mal einschreiten gegen diesen Lüstling! Und dann, wenn schon die ersten Kerle kommen, um dem Blinden eine reinzuhauen, kommt raus, dass er blind ist, dass er beide die ganze Zeit gehört hat, sagt der Kellnerin, was beide über sie erzählt haben, dem Typen mit dem Hawaiihemd und so weiter. Kurz: Es muss mehr passieren in deiner Geschichte! Wenn du also bei den Klischees der reichen, arroganten Frauen bleiben willst, solltest du versuchen Sympathie mit dem Blinden herzustellen und die beiden Frauen auch in der Geschichte leiden lassen.

Kleinigkeiten:
"Oh ... schau mal da drüben. Mr.Cool ist auch da", stellte Jessi fest und zeigte auf einen Tisch ganz am Rand.

Wenn sie ihn gleich mit "Mr. Cool" bezeichnen, impliziert das, dass sie ihn bereits kennen und schon häufiger gesehen haben, was irritiert, da das ja offensichtlich nicht der Fall sein kann.
Wo sonst konnte man, quasi mitten in der Nacht, in einem Straßencafé sitzen?

Als er sein Getränk bekam, das man nicht identifizieren konnte, verzog er keine Miene.

Ich würde "man" weglassen. Klingt so perspektivlos.
"Hätte sie mal was Ordentliches gelernt."

Vielleicht besser - wenn du bei den Klischees bleiben willst: "Hätte sie mal ordentlich geheiratet."

Noch viel Erfolg,
Simplicissimus
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Re: Sunglasses at night

Beitragvon magico » 04.08.2014, 10:56

Hallo Simplicissmus,

vielen Dank für deinen Kommentar.

Sympathie mit dem Blinden entsteht auch keine, da wir über ihn nichts erfahren und das bisschen Lästern wird er wohl auch kaum mitbekommen haben.


Muss auch nicht. Es geht lediglich um den einen Moment am Ende.

Da Sympathie auch sehr stark durch Mitleid entsteht, muss die Geschichte da viel weiter gehen. So wäre es vorstellbar, dass sie sich von ihm angegafft fühlen, ihm, dem schmierigen Kerl, sie 'verteidigen' sich, sagen ihm, er solle Frauen in seiner Klasse angaffen, anmachen, angraben, aber nicht bei ihnen! Und dann dreht es wirklich ab, sie greifen ihn an, werfen ihm laut vor, so dass alle es hören können, er hätte sie befummelt, der notgeile Bock, Gerechtigkeit! Gerechtigkeit! Da müsse doch jemand mal einschreiten gegen diesen Lüstling! Und dann, wenn schon die ersten Kerle kommen, um dem Blinden eine reinzuhauen, kommt raus, dass er blind ist, dass er beide die ganze Zeit gehört hat, sagt der Kellnerin, was beide über sie erzählt haben, dem Typen mit dem Hawaiihemd und so weiter.


DAS (!) wäre RTL-Dayli-Soap und völlig unrealistisch. Nicht mein Ding ...

Wenn du also bei den Klischees der reichen, arroganten Frauen bleiben willst ...


Sie sind nicht reich - nur arrogant. :mrgreen:

Ich würde "man" weglassen. Klingt so perspektivlos.


Stimmt. Weglassen kann man es allerdings nicht, aber ersetzen.


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Re: Sunglasses at night

Beitragvon Simplicissimus » 04.08.2014, 11:26

Es geht lediglich um den einen Moment am Ende.

Das habe ich schon verstanden. Ich halte es nur für keine überraschende Wendung, noch ist es in irgendeiner Hinsicht dramatisch. Da du die Geschichte unter "Nachdenkliches" geposted hast, gehe ich davon aus, dass du zum Nachdenken anregen willst. Und genau das tut die Geschichte eben meines Erachtens nicht, da man gegenüber allen Beteiligten grundsätzlich distanziert bleibt und dementsprechend auch gegenüber der Geschichte selbst. Ich kann verstehen, dass man gegenüber dramatischen Effekten kritisch gegenübersteht, aber sinnig um- und eingesetzt verhelfen sie eben zu der Wirkung, die man selbst beabsichtigt.
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Re: Sunglasses at night

Beitragvon DrJones » 06.08.2014, 12:49


Hallo,

Hatte noch ein paar Gedanken zu Simplicissimus Kommentaren:


Simplicissimus hat geschrieben:Hallo Macigo,

meine kurzen Anmerkungen zur Geschichte:

Ich finde, sie funktioniert so nicht. Vor allem ist klischeeüberladen, die zwei Protagonistinnen könnten aus einer RTL-Daily-Soap stammen, sie bekommen keine individuellen Charakterzüge und nur Arroganz macht noch keinen Charakter.

Ja und? Solche Menschen gibt es aber in Wirklichkeit, und leider zuhauf!
Warum sollte man dies also nicht so schreiben?!


Von Anfang an wird man von ihnen abgestoßen - was so anscheinend auch beabsichtigt ist - aber so wird der Leser deine Botschaft nicht aufnehmen. Mehr als ein "Geschieht den beiden recht" wird er wohl kaum denken, aber zum Nachdenken regt das nicht an.

Ist doch gut, dass dieses Gefühl erzeugt wurde. Warum immer eine Botschaft?
Diesen Zwang zur Katharsis bzw. Läuterung habe ich persönlich nicht.


Interessanter wäre es, dem Leser zu Beginn Identifikationsmaterial zu bieten. Die meisten Menschen lästern mal über andere, und in einer Bier-/Sektlaune kann das auch mal über die Stränge schlagen.

Stimmt! Aber diese beiden Spezis lästern, weil es ihrem schlechten Charakter entspricht.

Sympathie mit dem Blinden entsteht auch keine, da wir über ihn nichts erfahren und das bisschen Lästern wird er wohl auch kaum mitbekommen haben. Da Sympathie auch sehr stark durch Mitleid entsteht, muss die Geschichte da viel weiter gehen.

Wozu bitte Mitleid und Sympathie für den Blinden? Das würde auch magicos schöne Pointe
am Ende torpedieren.


So wäre es vorstellbar, dass sie sich von ihm angegafft fühlen, ihm, dem schmierigen Kerl, sie 'verteidigen' sich, sagen ihm, er solle Frauen in seiner Klasse angaffen, anmachen, angraben, aber nicht bei ihnen! Und dann dreht es wirklich ab, sie greifen ihn an, werfen ihm laut vor, so dass alle es hören können, er hätte sie befummelt, der notgeile Bock, Gerechtigkeit! Gerechtigkeit!

Jetzt der Ruf nach Gerechtigkeit für die Frauen? Was denn nun: Pro Blinder oder Pro Frauen?
Sehe da keine rote Linie in den Vorschlägen.


Da müsse doch jemand mal einschreiten gegen diesen Lüstling! Und dann, wenn schon die ersten Kerle kommen, um dem Blinden eine reinzuhauen, kommt raus, dass er blind ist, dass er beide die ganze Zeit gehört hat, sagt der Kellnerin, was beide über sie erzählt haben, dem Typen mit dem Hawaiihemd und so weiter. Kurz: Es muss mehr passieren in deiner Geschichte! Wenn du also bei den Klischees der reichen, arroganten Frauen bleiben willst, solltest du versuchen Sympathie mit dem Blinden herzustellen und die beiden Frauen auch in der Geschichte leiden lassen.

"Es muss" gar nichts! Finde es auch mal erfrischend, andere Arten von Spannungsbögen zu lesen
als die von Frey und Co. vorgeschlagenen.

Kleinigkeiten:
"Oh ... schau mal da drüben. Mr.Cool ist auch da", stellte Jessi fest und zeigte auf einen Tisch ganz am Rand.

Wenn sie ihn gleich mit "Mr. Cool" bezeichnen, impliziert das, dass sie ihn bereits kennen und schon häufiger gesehen haben, was irritiert, da das ja offensichtlich nicht der Fall sein kann.
Wo sonst konnte man, quasi mitten in der Nacht, in einem Straßencafé sitzen?

Als er sein Getränk bekam, das man nicht identifizieren konnte, verzog er keine Miene.

Ich würde "man" weglassen. Klingt so perspektivlos.
"Hätte sie mal was Ordentliches gelernt."

Vielleicht besser - wenn du bei den Klischees bleiben willst: "Hätte sie mal ordentlich geheiratet."


Äh? :shock: Was ist das bitte für ein Klischee? Sehen sich die beiden Frauen selbst als
"Heiratsware"? Das passt aber gar nicht. :shock:


Noch viel Erfolg,
Simplicissimus


Viele Grüße,

DrJones
Zuletzt geändert von DrJones am 11.02.2015, 21:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sunglasses at night

Beitragvon Simplicissimus » 06.08.2014, 14:14

Hallo DrJones,

Ja und? Solche Menschen gibt es aber in Wirklichkeit, und leider zuhauf!
Warum sollte man dies also nicht so schreiben?!


Da gehen wohl einfach unsere Menschenbilder auseinander. Klar, gibt es solche Menschen, aber es ist dennoch nur ein einziger Charakterzug, der dazu häufiger verwendet wird. Wenn man interessantere Charaktere entwickeln wollen würde, könnte man sich zum Beispiel fragen, warum beide das tun. Eine spontane Antwort wäre, weil sie sich und andere vor allem über Äußerlichkeiten bewerten, da sie mit sich selbst unzufrieden sind und eigentlich auch unglücklich mit ihrem Leben, aber unfähig sind, die Muster zu durchschauen und zu durchbrechen. Das wird dann ein Mensch, nicht nur ein solch schnöder Abklatsch eines tausendmal gebrauchten Abziehbildes eines Menschen.

Ist doch gut, dass dieses Gefühl erzeugt wurde. Warum immer eine Botschaft?
Diesen Zwang zur Katharsis bzw. Läuterung habe ich persönlich nicht.

Ok, wenn ich so drüber nachdenke, entsteht nicht einmal dieses Gefühl, den beiden würde etwas gerechtes widerfahren. Sie interessieren mich als literarische Figuren nicht und dementsprechend nicht, was mit ihnen passiert. Ich finde, solche Geschichten haben etwas selbstgerechtes, wenn einfach mit dem moralischem Zeigefinger auf zwei vermeintlich schlechte Charaktere gezeigt wird, während man selbst, Autor und Leser, auf der anderen Seite steht, auf der Seite der Guten. Wird das dann nicht eigentlich zum Lästern über die Lästerer? Aber gut, das führt jetzt wohl zu weit.

Stimmt! Aber diese beiden Spezis lästern, weil es ihrem schlechten Charakter entspricht.

Ich glaube eben nicht, dass es wahrhaft schlechte Charaktere gibt. Aber das habe ich oben ja schon angeführt.

Jetzt der Ruf nach Gerechtigkeit für die Frauen? Was denn nun: Pro Blinder oder Pro Frauen?
Sehe da keine rote Linie in den Vorschlägen.

Du solltest nicht die Perspektive der Figuren mit der Perspektive des Erzählers verwechseln. Da steht: Sie fühlen sich angegriffen und reagieren dementsprechend, was ihnen aber später im Hals stecken bleibt. Du musst den Vorschlag nicht gutfinden, aber in sich stimmig ist er allemal.

Kurz: Es muss mehr passieren in deiner Geschichte![...]
"Es muss" gar nichts!

Gut, ich formuliere um: Damit ich der Geschichte etwas abgewinnen könnte, müsste mehr passieren, denn in der Geschichte passiert praktisch nichts. Es gibt keine Bewegung, keine Motive, keinen wirklichen Konflikt; der einzige der sich anbahnt, wird umgangen.

LG, Simplicissimus
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