Szenen-Übung

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Szenen-Übung

Beitragvon inmutanka » 01.03.2014, 19:46

Hallo,

wie ich bereits im anderen Thread schon erklärte, hier eine neue Übung, wenn jemand Interesse daran hat.

Kurze Erklärung:
Ich stelle eine Szene aus einem eigenen Werk/einem Buch (bitte mit Angaben von Titel und Autor!) ein und der nächste schreibt sie um (andere Sichtweise oder andere Gewichtung oder anderer Spannungsbogen usw) und stellt eine weitere Szene ein.

Ich mache mal den Anfang mit meinem berüchtigen Joe Shadow, seinem Onkel Hotte und dessen Kripokollegen Peter.
Viel Spaß, bin gespannt, was dabei heraus kommt.

LG
Inmutanka

„Das ist illegal, bestenfalls grenzwertig.“
Peter drehte die Pilstulpe zwischen den Händen. Mit jeder weiteren Minute kam ihm die Idee absurder vor.
„Jetzt wart doch mal ab, bis du meinen Neffen gesehen hast.“
Hottes Zuversicht färbte keinen Millimeter auf ihn ab. „Das kann mich den Job kosten.“
„Hah, da isser ja!“ Auf Hottes Gesicht ging die Sonne auf.
Ein mit abgeschabter Motorradjacke und Lederhose bekleideter Mann betrat den Schankraum. Für einen Moment blieb er stehen und sah sich um. Dann kam er mit den federnden Schritten eines Leichtathleten zu ihnen an den Tisch.
„Das ist mein Neffe Joseph. Joseph, das ist mein Kollege Peter“, stellte Hotte vor.
Peter musste seinen Kopf in den Nacken legen, um in das Gesicht seines Gegenübers zu schauen. Es war ein schmales Gesicht mit vom Leben gefrästen Kerben, die zu tief für einen Mittdreißiger waren. Die braunen Augen bannten Peters Blick und schienen jeden Winkel der Seele zu scannen.
„Hallo Joseph.“
Nach einer gefühlten Ewigkeit huschte ein Lächeln über das Gesicht. Unzählige Fältchen bildeten sich um die Augen und gleichzeitig wusste Peter: Diesen Mann will ich zum Freund.
„Joe. Einfach Joe.“ Joes Bass klang, als gurgle er morgens Batteriewasser und spülte mit Motoröl nach. Er zog die Jacke aus und hängte sie über die Stuhllehne. Schwarzen Haare, bisher unter der Jacke verborgen, reichten ihm bis zur Hüfte. Joe gab der Bedienung ein Zeichen.
Fasziniert beobachtete Peter, wie der auf dem linken Oberarm tätowierte Bullterrierkopf bei jeder Bewegung des sehnigen Muskels zum Leben erwachte. Ihm zuzwinkerte und hechelte. Die Bedienung servierte ein Glas Cola. Selbstvergessen ließ Joe einen Bierdeckel über die langen Finger laufen. Plötzlich hielt er den Lauf an und sah Peter an, der trocken schluckte.
„Du brauchst also einen Bad Guy.“
Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben; Sie haben meine Phantasie beflügelt. ... Vor allem aber danke ich all jenen, die mich lieben, so wie ich bin; Sie geben mir die Kraft zum Leben! Danke. (Paul Coelho)
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Re: Szenen-Übung

Beitragvon brehb » 04.03.2014, 13:34

Du meinst sicher so etwas:

„Das ist genial, beinah überirdisch.“
Peter drehte den Dildo zwischen den Händen. Mit jeder weiteren Minute kam ihm seine Idee bombastischer vor.
„Jetzt wart doch erst mal ab, bis du diese 'Nichte' gesehen hast.“
Hottes Abneigung färbte keinen Millimeter auf ihn ab. „Das bringt mir garantiert die nächste Beförderung“
„Na, da isse ja doch noch.“ Hottes Gesicht verdunkelte sich.
Eine mit rosa Leinenjacke und Lederhose bekleidete Frau betrat die Bar. Für eine schiere Ewigkeit blieb sie stehen und sah sich um. Dann kam sie mit den tänzendeln Schritten einer Ballettelevin zu ihnen an den Tisch.
„Das ist meine 'Nichte' Joseph. Joseph, das ist mein Kollege Peter“, stellte Hotte vor.
Peter musste seinen Kopf beugen, um in das Gesicht seines Gegenüber zu schauen. Es war ein schmales Gesicht ohne jede Kerbe, viel zu ebenmäßig für einen Mittdreißiger. Die blauen Augen versanken in Peters Blick und schienen in seiner Seele zu wandern.
„Hallo Joseph.“
Nach einer gefühlten Ewigkeit umwölkte sich das Gesicht. Unzählige Falten bildeten sich um die Augen und gleichzeitig wusste Peter: Diese 'Frau' will ich nicht zum Freund.
„Josi. Nenn mich bitte Josi.“ Josis Sopran klang, als gurgle er morgens Rosenwasser und spülte mit Lavendel nach. Er zog die Jacke aus und hängte sie über die Stuhllehne. Blonde Haare, bisher unter der Jacke verborgen, reichten ihm bis zur Hüfte. „Wie immer?“, fragte die Barfrau Josi.
Irritiert beobachtete Peter, wie der auf dem linken Oberarm tätowierte Kasperkopf bei jeder Bewegung des schlappen Muskels träge zuckte. Die Bedienung servierte ein Glas Milch. Selbstversessen ließ Josi einen Rosenkranz durch die langen Finger laufen. Allmählich hielt er den Lauf an und sah Peter an, der noch Einen schluckte.
„Hotte meinte, vielleicht brauchst du ein äh... Sonny Girl?“

Und hier meine Szene (Autor: Ich, Titel: Der Sektkorken)

Silvester, fröhliches Remmidemmi auf dem Oberdeck, noch wenige Sekunden bis Mitternacht:
Der alte Seeräuber unterbrach seinen Kampf mit der Flasche, stampfte wie ein Zeremonienmeister mit seinem Holzbein auf und grölte: "Will doch mal deutlich sehen, was das neue Jahr so bringt, also: Weg mit der Augenbinde!" Sprach's und wischte sich den schwarzen Fetzen vom Kopf. Dann prokelte er weiter am Verschluss der Schampusflasche herum.
„Das trifft sich gut“, dachte der Sektkorken und machte sich mit lautem „Plop“ auf den Weg Richtung Auge.
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Re: Szenen-Übung

Beitragvon inmutanka » 04.03.2014, 16:35

Naja Brehb,

ganz so verändert hatte ich es mir nicht vorgestellt. Vor allem dein Gedankengang von der Pilstulpe zum Dildo finde ich - faszinierend :P

so, das machte ich aus deinem Text:

Adrian hatte sich in das Krähennest zurückgezogen und beobachtete den wilden Haufen auf dem Oberdeck. Raue Kerle, denen die Gesellschaft übel mitgespielt hatte und die es tausendfach mit gleicher Münze vergolten. Ausgelassen soffen und tanzten sie in das neue Jahr hinein. Sie verschwendeten keinen Gedanken an ihre Zukunft. Für Ausgestoßene wie sie zählte nur das Jetzt. Morgen, nächste Woche oder in einem Monat konnte ein Säbelhieb, eine Kugel oder der Tanz mit der Windsbraut ihrem Leben ein Ende bereiten.
Eine Vorstellung, die Adrian erschreckte.
Er sehnte sich nach dem normalen Leben. Nach der kleinen Farm, der schweren Arbeit hinter dem Pflug, dem Lachen seiner kleinen Schwester und dem Ausdruck von Stolz in den Augen, wenn sein Vater über die Familie und das bestellte Land blickte.
Doch davon würde er nichts mehr wiedersehen. Die Farm war abgebrannt, seine Familie tot. Ermordet von des Königs Soldaten, weil sie die erhöhten Abgaben nicht leisten konnten.
Käpt’n Josh betrat das Deck. Schwankend, als befände sich das Schiff in stürmischer See und nicht gut verankert in der geschützten Bucht stakste er mit seinem Holzbein umher. In der Hand hielt er eine Flasche Champagner - Beute von einem französischen Handelsschiff.
Adrian lächelte. Er mochte den alten Haudegen, der ihn mit kantigen Worten und wohlwollender Härte unter die Fittiche und auf das Schiff genommen hatte. Von ihm konnte er alles lernen, was er brauchte, um dem König im neuen und jedem weiteren Jahr das Leben schwer zu machen.
„Will doch mal deutlich sehen, was das neue Jahr so bringt, also: Weg mit der Augenbinde!", gröllte Käpt’n Josh und riss sich die Augenklappe herunter. Im selben Moment schoss der gelockerte Korken der Flasche in sein Gesicht. Der Käpt’n wankte noch einen Moment und fiel unter dem Gejohle der Mannschaft auf den Rücken. Regungslos lag er mit ausgebreiteten Gliedern da.
„Tja, Käpt’n, manchmal ist es nicht gut, seine Zukunft allzu deutlich sehen zu wollen“, murmelte Adrian lächelnd.


So, und hier die neue Szene. Vllt, macht doch der eine oder andere noch mit.

Autor: Elmor Leonhard; Titel: Beruf: Killer

Der Alte hielt inne. Mit seinen traurigen Augen sah er auf.
"Jetzt gehe ich erst mal da rein und ziehe den Morgenrock an." Er hielt erneut inne. "Nein. Ich ziehe mich lieber richtig an. Können Sie so lange warten?"
"Wie Sie wollen."
Im Davongehen rief der Alte: "Dieses Arschloch von Schwiegersohn! Ich habe den Kerl nie gemacht!"
Blackbird ließ ihm Zeit.
...
Der Alte sah ihn nicht einmal. Er hatte ein gestärktes Hemd, eine braune Hose, braune Schuhe und Socken angezogen. Mit geschlossenen Augen und über der Brust gefalteten Händen lag er auf dem ungemachten Bett.
Im Badezimmer lief die Dusche. Die Tür stand einen Spaltbreit offen.
Blackbird deckte den Alten mit dem Laken zu. Auch das Gesicht war nicht mehr zu sehen. Er betrachtete jetzt die Umrisse des Gesichts unter dem Laken. Es bewegte sich. Beim Einatmen saugte der Mund des Alten das weiße Tuch ein. Gegen dies Stelle drückte Blackbird den Lauf und erschoß ihn.
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Re: Szenen-Übung

Beitragvon Samira-Jessica » 24.08.2014, 21:50

Ich wollte auch mal sowas machen, Szenen aus einem Buch umschreiben und dann irgendwo reinstellen, nur habe ich mich das nie getraut. Daher finde ich die Übung hier echt super, nur fällt mir leider zu letzten Szene nichts ein ... Oder, naya, doch aber es ist schon so spät und ich muss bald schlafen gehen, weil ich morgen früh wieder raus muss.

Wenn bis morgen spät nachmittags nichts geschrieben ist, nehme ich mir die Szene, aus dem mir bisher nur aus Filmen bekannten Genre gerne vor.

LG Samira-Jessica
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Re: Szenen-Übung

Beitragvon Samira-Jessica » 26.08.2014, 23:27

inmutanka hat geschrieben:Autor: Elmor Leonhard; Titel: Beruf: Killer

Der Alte hielt inne. Mit seinen traurigen Augen sah er auf.
"Jetzt gehe ich erst mal da rein und ziehe den Morgenrock an." Er hielt erneut inne. "Nein. Ich ziehe mich lieber richtig an. Können Sie so lange warten?"
"Wie Sie wollen."
Im Davongehen rief der Alte: "Dieses Arschloch von Schwiegersohn! Ich habe den Kerl nie gemacht!"
Blackbird ließ ihm Zeit.
...
Der Alte sah ihn nicht einmal. Er hatte ein gestärktes Hemd, eine braune Hose, braune Schuhe und Socken angezogen. Mit geschlossenen Augen und über der Brust gefalteten Händen lag er auf dem ungemachten Bett.
Im Badezimmer lief die Dusche. Die Tür stand einen Spaltbreit offen.
Blackbird deckte den Alten mit dem Laken zu. Auch das Gesicht war nicht mehr zu sehen. Er betrachtete jetzt die Umrisse des Gesichts unter dem Laken. Es bewegte sich. Beim Einatmen saugte der Mund des Alten das weiße Tuch ein. Gegen dies Stelle drückte Blackbird den Lauf und erschoß ihn.


Mh .. :/ Ich fürchte mir fehlt irgendwie der Bezug dazu, als dass ich dazu etwas schreiben könnte, ich bräuchte mehr Infos, bspw. was davor passiert ist, was mit dem Alten ist, warum er sich hinlegt, obwohl er sich nur eben umziehen wollte und warum Blackbird den Alten erschießt. Oder kann man das auch reininterpretieren?

Darf ich auch eine Szene reinstellen, ohne vorherige zu umschreiben?
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Re: Szenen-Übung

Beitragvon inmutanka » 27.08.2014, 04:37

Samira-Jessica hat geschrieben:Mh .. :/ Ich fürchte mir fehlt irgendwie der Bezug dazu, als dass ich dazu etwas schreiben könnte, ich bräuchte mehr Infos, bspw. was davor passiert ist, was mit dem Alten ist, warum er sich hinlegt, obwohl er sich nur eben umziehen wollte und warum Blackbird den Alten erschießt. Oder kann man das auch reininterpretieren?


Hallo Samira,

1. selbst im Buch steht nichts weiter zur Vorgeschichte drin, da die Szene nur dazu dient, Blackbird einzuführen
2. kannst du das Wichtigste daraus entnehmen: Schwiegersohn hat einen Killer angeheuert, um seinen Schwiegervater erschießen zu lassen und der Schwiegervater wusste, dass es eines Tages soweit ist.
3. sollst/kannst du Vorgeschichten etc. hineininterpretieren, was du willst
4. Kannst du die Gewichtung auf den Alten legen, den Killer oder der Nutte, die gerade unter der Dusche ist, dem Fensterputzer, etc pp

Darf ich auch eine Szene reinstellen, ohne vorherige zu umschreiben?


Wo ist dann die Übung für dich?

Sorry, ich gewinne langsam ebenfalls den Eindruck, dass du nur totfragen aber nicht schreiben willst. Sonst würdest du es einfach tun ...

LG
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Re: Szenen-Übung

Beitragvon Samira-Jessica » 27.08.2014, 15:35

inmutanka hat geschrieben:Hallo Samira,

1. selbst im Buch steht nichts weiter zur Vorgeschichte drin, da die Szene nur dazu dient, Blackbird einzuführen
2. kannst du das Wichtigste daraus entnehmen: Schwiegersohn hat einen Killer angeheuert, um seinen Schwiegervater erschießen zu lassen und der Schwiegervater wusste, dass es eines Tages soweit ist.
3. sollst/kannst du Vorgeschichten etc. hineininterpretieren, was du willst
4. Kannst du die Gewichtung auf den Alten legen, den Killer oder der Nutte, die gerade unter der Dusche ist, dem Fensterputzer, etc pp


Darf ich auch eine Szene reinstellen, ohne vorherige zu umschreiben?


Wo ist dann die Übung für dich?


Jetzt, da ich weiß, dass ich doch einiges mir selbst ausdenken kann, kann ich mehr damit anfangen und die Übung machen.

inmutanka hat geschrieben:Sorry, ich gewinne langsam ebenfalls den Eindruck, dass du nur totfragen aber nicht schreiben willst. Sonst würdest du es einfach tun ...


Vielen Dank für die Blumen :flowers:
Ich interessiere mich auch sehr und zeige das, und?!

Jetzt könnte ich dich fragen, was du unter Schreibe verstehst, wenn du in meine Blogs schaust, siehst du, dass ich sehr viel schreibe, daneben maile ich auch auch sehr viel mit Lucretia, Jacky und Sofian unter anderem wegen der Bauchwerkstatt.... und habe daneben auch noch Termine, Therapien und muss zweimal die Woche in die junge Arbeit.
Ich weiß ja ... aber ich habe im Moment einfach nicht Kopf dazu, hinzu kommen noch private Probleme und ein hoffentlich baldiger Auszug, mich intensiv damit zu beschäftigen, tut mir Leid aber ich verspreche, ich werde es machen.
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Re: Szenen-Übung

Beitragvon inmutanka » 27.08.2014, 15:49

Gegen Interesse ist nichts einzuwenden, aber hier kommen nur Fragen, Fragen, Fragen ... nicht einmal ein Fitzelchen Text, das zeigt, dass du neben Fragen auch an der Umsetzung der Antworten arbeitest. Und - du bist nicht alleine - ich habe einen Vollzeitjob, kümmere mich um meine Eltern, eine Großmutter, meine Familie und neben der einen oder anderen Frage - schreibe ich. Ach ja, gesundheitlich bin ich auch angeschlagen. Nebenbei habe ich noch andere Interessen und recherchiere zu meinem Projekt.

Und so geht es sicher vielen hier. Es ist hautsächlich ein Schreibforum und nicht nur ein reines Frage-Forum (weit-aus-dem-Fenster-lehn).

LG
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Re: Szenen-Übung

Beitragvon Smallskx » 09.09.2014, 23:45

Die junge Frau räkelte sich verführerisch im Bett und sah dem Alten dabei zu, wie er sich sich sie zubewegte. Sie öffnete lächelnd die roten Lippen und ließ sich das lange, blonde Haar über die rechte Schulter fallen. Im Licht der Deckenlampe glänzte es golden.
Sie sah wunderschön aus und das wusste sie. War dementsprechend allerdings auch teuer gewesen, das Geld lag bereits in der Tasche ihres rosa Mantels. Bezahlung im Voraus, war bei diesem ganz speziellen Fall Pflicht aber das war ja nicht ihr einziger Lohn. Eins war klar, sie machte heute Kasse.
Mit einem lang geübten Augenaufschlag versuchte sie den Alten in ihren Bann zu ziehen. Doch der schien noch immer gefangen in seinen Gedanken zu sein. Sie wunderte sich nicht darüber. Der Mann, der sie angeheuert hatte, hatte ihr alles berichtetet. Dennoch tat sie ihr bestes.
Die Frau gab sich die größte Mühe. Sie tat alles, um dem Mann auch nur das leisteste Geräusch zu entlocken. Doch es kam nichts, er blieb still. Zu versunken in den Gedanken. Sein Pech, es war das letzte mal, dass er eine Frau berühren würde.
Nachdem sie fertig war, machte sie einen auf verletzt und blickte ihn traurig an. Den Blick hatte sie den ganzen Vortag lang im Spiegel geübt. „Ich gehe jetzt besser einmal unter die Dusche“, meinte sie mit einem Augenaufschlag der niedlich wirken sollte. Er nickte abwesend.
Als sie sich abtrocknete, fragte er sie ob sie eine Weile im Badezimmer bleiben könne, während er sich anzog.
Sie wartete genervt darauf, dass ihr Auftragsgeber endlich zu Ende brachte, was er vorhatte.
Der Schuss ertönte, als sie mit einem Handtuch ihr Bein abtrocknete.
Ich habe nichts damit zu tun, dachte sie.
Das wiederholte sie die ganze Zeit, während sie das Hotel verließ.
Sie glaubte es so lange, bis sie am Abend den ausgefüllten Scheck in den Händen hielt.

Ich weiß nicht wirklich ob das Ganze hier noch aktuell ist aber ich habe einfach mal was mit Ausschnitt versucht. Ich hoffe das passt irgendwie vom Sinn her. :) Und hier kommt ein Auszug aus meinem Lieblingsbuch

Autor: Kai Meyer
Werk: Arkadien erwacht

„Ich will doch nur die Wolken sehen“, wiederholte der Mann.
„Mein Fensterplatz, meine Jalousie.“
„Irrtum. Das Fenster gehört nicht zu Ihrem Platz.“
„Und die Wolken nicht zum Unterhaltungsprogramm.“
Der Mann wollte sich aufplustern, aber die Stewardess lächelte mit dem Liebreiz einer Schaufensterpuppe. „Zwei Reihen weiter vorn ist ein Platz am Fenster frei. Den kann ich Ihnen anbieten. In ein paar Minuten bringe ich Ihnen einen Sekt vorbei. Bitte entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten.“
Der Mann öffnete unwirsch seinen Gurt und zwängte sich mit leisen Beschimpfungen hinaus auf den Gang.
„Wir Frauen müssen zusammenhalten“, sagte Rosa.
Die Stewardess schaute sich um, glitt auf den frei gewordenen Sitz und senkte den Blick.
„Hör zu, Kindchen. Ich kenne solche wie dich … Gib mir meinen Armreif.“
„Welchen Armreif?“
„Den du mir gestohlen hast. Die Frau in der letzten Reihe hat dich beobachtet.
Rosa erhob sich halb und blickte über die Schulter.
„Die mit dem Diamantohrringen?“
„Gib ihn mir und wir vergessen das Ganze.“
Rosa sank zurück auf den Sitz.
„Wenn diese Frau Ihre Tochter beschuldigen würde, irgendwelche Klunker gestohlen zu haben, würden Sie das dann glauben?“
"Eines Tages", sagte sie, "fange ich Träume ein wie Schmetterlinge."
"Und dann?", fragte er.
"Lege ich sie zwischen die Seiten dicker Bücher und presse sie zu Worten."

"Arkadien erwacht" von Kai Meyer
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Re: Szenen-Übung

Beitragvon Shepkey » 11.09.2014, 01:31

Er benetzte die Lippen. Die Luft war zu trocken. Er rutschte tiefer in den Sitz und stieß fast mit dem Kinn auf die Knie; seine Hände steckte er zwischen sich und die Armlehnen. Da es ihm tatsächlich nicht mehr möglich war, drehte er in Gedanken Däumchen und stierte auf die Rückenlehne vor ihm. Kleine Flusen lösten sich und segelten zu Boden; er wandte den Blick nach links auf Gang, sah eine Stewardess vorbeiziehen und drehte sich nach ihr um --- sie bemerkte es, er drehte sich zurück und schob den Kopf zwischen die Schultern.
Da die Lehne ihm nichts Neues bot, betrachtete er die Decke. Als die Decke zu Ende betrachtet war, seufzte er, drehte sich nach rechts und teilte dem Hinterkopf des Mädchens neben ihm erneut mit, dass er doch nur die Wolken sehen wolle ---
„Mein Fensterplatz, meine Jalousie“, sagte das Mädchen.
Er lugte an ihr vorbei zur Jalousie und kaute auf der Unterlippe.
„Irrtum“, sagte er plötzlich, „das Fenster gehört nicht zu ihrem Platz.“
„Und die Wolken nicht zu Ihrem Unterhaltungsprogramm.“
Er blinzelte, erschrak und zog die Schultern hoch. Das Mädchen sah ihn an. Weil ihm nichts besseres einfiel, drohte er mit dem Zeigefinger. Das Mädchen schaute weiter, er setzte an, etwas zu sagen, dann erst fiel ihm ein, dass er nicht wusste was: also suchte er nach einer Geste, holte mit der Linken aus --- und schlug gegen die Knie der Stewardess. Er sah auf. Sie lächelte bloß und bot ihm einen anderen Sitzplatz an.


Tadaaah, und so macht man eine Stelle mit Handlung langweilig. (Ich hab das auch noch nicht gemacht.)
Jetzt muss ich nur noch ein Buch suchen .... Ich habe ebenfalls keine Ahnung, ob das aktuell ist ;)

Gut.-Jules Verne, Reise zum Mittelpunkt der Erde:

"Auweh", brummte ich bedenklich. "Wenn der Onkel Hunger hat und herausbekommt, dass es mit dem Essen noch eine Weile dauert, wird er Krach schlagen."
"Das fehlte mir noch", seufzte Martha. "IUst er denn wirklich schon da?" Sie steckte den Kopf durch einen Spalt der Esszimmertür und stellte fest, dass der Professor tatsächlich schon im Anmarsch war. Dann sah sie auf die Uhr und meinte, das Essen dürfte ruhig noch ein wenig kochen, denn es werde erst in ein paar Minuten vom Turm der Michaeliskirche zwölf schlagen.", meinte ich. "Wenn er Hunger hat, muss das Essen auf dem Tisch stehen."
"Ich fürchte, das wird auf meinen Onkel keinen Eindruck machen", meinte ich. "Wenn er Hunger hat, muss das Essen auf dem Tisch stehen."
"Ich möchte nur wissen, waurm er heute schon so früh nach Hause gekommen ist", erwiderte Martha.
"Es ist nicht ausgeschlossen, dass er uns darüber in naher Zukunft aufklären wird", sagte ich würdevoll.
"Gehen Sie und beruhigen Sie ihn", flehte Martha. Dann enteilte sie in ihre Küche und ließ mich allein mit meinem Schicksal.
"Er ist ganz nah. Nun leuchte frisch,
Er ist neugierig wie ein Fisch" - Random Goethe Faust II
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Re: Szenen-Übung

Beitragvon Kupido » 21.09.2014, 13:20

Wütend schlug der Professor sein dickes Notizbuch zu. "Seit Fünf Uhr bin ich wach! Seit Sieben Uhr sitzen wir hier zusammen und debatieren über Nichtigkeiten! Wir sind keinen Deut weitergekommen und auf dem selben Stand wie letzte Woche! Nur Paragraphen, Gesetzesvorschriften und sonstigen Humbuck habt ihr im Kopf! Falls ihr überhaupt etwas im Kopf habt! Euer aller Engstirnigkeit wird uns niemals weiterbringen! Wo ist euer Sinn für Innovationen? Wo eure Leidenschaft für das Wissen? Ihr seid nur Bürokraten, die sich mit eurem ergaunerten Reichtum die Bäuche vollschlagen und bei Treffen wie Diesen, sich die fetten Ärsche platt sitzen! Ihr verschwendet meine kostbare Zeit!"
Mit diesen Worten sprang der Professor auf und griff sich sein Notizbuch. Sein Stuhl fiehl dabei mit lautem Poltern zu Boden.
"Doktoren, Wissenschaftler, Professoren schimpfen sie sich. Tagediebe seid ihr! Nichts weiter", rief er in die verdutzte Runde, als er an den Anwesenden vorbeischritt und den Raum verließ.
Nach ein paar Minuten an der frischen Luft kam er an der Michaeliskirche vorbei und blickte zur Kirchturmuhr empor. "Viertel vor Zwölf", stellte er fest. Beiläufig griff er in die Tasche seiner Weste und zog eine kleine, goldene Taschenuhr hervor. Prüfend verglich er Beide. "Hm. Zehn vor Zwölf nach meinem Zeitmesser", brummelte er vor sich hin. "Die Kirche war schon immer der Zeit hinterher. Besonders meiner." Mit einem Grummeln verstaute er seine Uhr wieder in der Westentasche und machte sich auf den Weg nach Hause. Hunger machte sich bei ihm bemerkbar. Er hatte lediglich eine Tasse Tee zum Frühstück zu sich genommen. Für mehr hatte die Zeit nicht mehr gereicht, da er sich noch auf das sinnlose heutige Treffen vorbereiten musste. Der Ärger über die Sitzung kam ihm bei dem Gedanken wieder hoch. Sein Hunger erübrigte den Rest. Schlecht gelaunt betrat er das Haus. Als er in Richtung Esszimmer ging, bemerkte er, wie die Tür einen Spalt geöffnet und kurz darauf wieder geschlossen wurde. "Ah.Im Esszimmer herrscht bereits reges Treiben. Wenigsten eine Gute Sache am heutigen Tag. Auf Martha ist einfach Verlass", dachte sich der Professor und freute sich bereits auf ihre einmaligen Kochkünste.


Michael Peinkofer, Die Zauberer:
Es war ein finsteres Ritual, das auf der Lichtung stattfand, eingehüllt von der Dunkelheit einer mondlosen Nacht und umgeben von der schwarzen Wand des Waldes.
Zehnmal war der dumpfe Schlag der Trommeln erklungen, zehnmal hatte sich die Klinge ins Herz eines unschuldigen Opfers gesenkt, zehnmal war die geheime Formel gesprochen worden, die in verbotenen Schriften die Zeit überdauert hatte.
Zehn Menschen hatten ein grausames Ende gefunden, Dorfbewohner aus dem Süden, die man in den Nächten zuvor aus ihren Hütten verschleppt hatte. Niemand würde je erfahren, was mit ihnen geschehen war. Ihre Schreie hatten sich mit dem heiseren Gebrüll der Urwaldtiere zu einem schaurigen Chor vermischt, um dann jäh zu verstummen.
Das Ritual war beendet, die Anweisungen waren genau befolgt worden, und jeder der in weite Kutten gehüllte Schatten, die auf der Lichtung standen, wartete darauf, dass der Bannspruch seine Wirkung entfaltete.
Kupido
 
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