[Liebe]Tage wie diese - Kapitel 1 | Teil 1

Liebe, Romantik, Sehnsucht

[Liebe]Tage wie diese - Kapitel 1 | Teil 1

Beitragvon Lejon » 22.03.2014, 11:46

Ich schreibe derzeit an einer Fanfiction mit – sagen wir – nicht allzu komplexer Story (sie soll mir zur Entspannung dienen; es muss ja nicht alles immer super komplex sein). Allerdings fühle ich mich damit ziemlich verunsichert. Ich hätte längst das erste Kapitel hochladen können, bin aber nicht sicher, ob sich jemand dafür begeistern kann. Gerade der Anfang klingt etwas holprig und vielleicht auch zu überdreht.
Noch eine Sache, es ist zwar Fanfiction (also wenn euch die Namen nicht gefallen, müsst ihr euch bei Kishimoto, dem Zeichner, beschweren, nicht bei mir), aber es ist gleichzeitig AU (Alternatives Universum), heißt, es hat nichts mit der Originalwelt zu tun, aus der die Charas stammen. Setting ist Tokyo.

Kurz zusammengefasst:
- was gibt es zu verbessern
- würdet ihre ein homosexuelle Alltagsromanze, die so anfängt, wie diese hier, lesen oder fändet ihr das insgesamt zu aufgesetzt
- offenbar immer ein Problem bei mir: die Absätze; falls ich Absätze eigenartig setze, weist mich bitte drauf hin


Kapitel 1 | Teil 1

„Lass uns doch über die Hakusan gehen“, schlug Naruto vor. Kiba sah gedankenverloren von der Zeitschrift auf, in die er beim Gehen die Nase hineingesteckt hatte und auf deren Hochglanzseiten sich minderjährige, halbnackte Idols räkelten, die ihre Vorliebe für ältere, dicke Männer beteuerten. Hina-chan war eine davon und Kiba stand total auf die hübsche Brünette mit den für eine Japanerin ungewöhnlich großen Titten.
„Warum? Wenn wir am Schrein vorbeigehen, brauchen wir uns nicht an drei verschiedenen Baustellen vorbeizuschlängeln.“ Es war Montag und Kiba in Begleitung seines besten Freundes Naruto war auf dem Weg nach Hause – mit einem kleinen Abstecher zum Pachinko, dem Gamecenter.
„Ach, komm schon, Kiba. Ich will nur mal gucken.“ Naruto stand das Wort ‚notgeil’ praktisch auf der Stirn.
„Schwuchtel“, murmelte Kiba und starrte wieder in die Zeitung, „aber meinetwegen.“ Naruto verschränkte grinsend die Arme hinter dem Kopf und bog auf die Hakusan-Straße. Kiba folgte brav. War ja nicht so, dass er Naruto nicht auch seinen Spaß gönnte. Aber manchmal war es auch so verdammt peinlich mit ihm. Nein, er schämte sich nicht, weil Naruto schwul war und auch nicht weil er einen Fetisch für Männer in dreckiger Arbeitskleidung hatte – speziell Bauarbeiter. Jeder hatte schließlich seine Vorlieben. Dabei blätterte er auf ein Poster von Hina-chan in ihrem Mittelschulbadeanzug. Geil.
Sie gingen im Schneckentempo am ersten Bauzaun vorbei und Naruto knurrte und summte und brummte derart obszön, dass Kiba Schwierigkeiten hatte, sich auf Hina-chans heiße Schenkel zu konzentrieren.
„Kannst du mal aufhören, du Perverser?“, schnaufte er.
„Wenn du sehen würdest, was ich sehe, würdest du auch sabbern.“
„Das glaub ich nicht.“
„Schwitzende, verdreckte Kerle, Muskeln und sonnengebräunte Haut. Oh Baby!“
„Ich kotz gleich, Naruto.“ Naruto schnaufte verächtlich und sie umschifften die erste Baustelle ohne peinliche Komplikationen. Und Kiba hatte die Hoffnung, dass sie das Pachinko noch in der nächsten halben Stunde erreichten. Das war bis er auf Höhe der zweiten Baustelle plötzlich in Narutos Rücken hineinlief.
„Scheiße, pass doch auf!“ Hina-chan war ganz verknickt. Aber Naruto ignorierte ihn und während Kiba ihn fragend anstarrte, starrte sein bester Freund aufs Baugelände und verschwand … Nun, er verschwand nicht wirklich, er verließ nur Kibas Sichtfeld in mysteriöser Geschwindigkeit und klebte sich an den Bauzaun, die Stirn zwischen zwei Metallstäbe gepresst. Soviel zum Thema: ohne peinliche Komplikationen.
„Was zum Geier, Naruto!“, zischte Kiba aufgebracht und sah sich verlegen um. „Komm wieder her, du Idiot.“
„Oh Gott, ich bin verliebt.“
„Spinn’ nicht rum, Alter. Komm her!“

Aber Naruto war längst in einer anderen Welt, Kibas Worte nur ein unbedeutendes Flüstern im Hintergrund. Dort, in der gleißenden Sonne, stand der mit Abstand geilste Typ, den er je gesehen hatte. Dieser Traum feuchter Nächte wischte sich mit dem Unterarm den Schweiß von der Stirn, bevor er sich wieder seinen Sicherheitshelm aufsetzte und ein paar Stangen griff, die am Boden lagen. Der Reißverschluss seines Overalls war vorne über die Brust geöffnet und zeigte glatte, karamellfarbene Haut, die verschmiert war mit Baustaub und glänzte von Schweiß. Klar definierte Muskeln luden zum Ablecken ein und selbst von seinem Zuschauerplatz am Zaun konnte Naruto die Piercings sehen, die durch die dunklen Brustwarzen gezogen waren. Bestimmt war er unrasiert und oh Gott, ganz sicher roch er überall nach Mann und Schweiß.
„Ich glaub, ich krieg’ ’nen Ständer“, murmelte er ehrfürchtig, gerade als er von Kiba am Kragen gepackt und zurückgezogen wurde.
„Komm da weg, verdammt. Die gucken schon komisch.“
„Es ist ja nicht verboten, mal zu schauen.“
„Aber wie ein hechelndes Hündchen am Zaun zu stehen und aufgeregt mit dem Schwanz zu wedeln, kommt schon komisch rüber.“
„Tze, Spaßbremse“, grummelte Naruto und wollte noch einen Blick auf seinen neuen Gott werfen, doch als er sich wieder umdrehte…
„Scheiße, jetzt ist er weg. Das ist deine Schuld, Kiba.“
„Reg’ dich ab, die nächste Baustelle kommt bestimmt.“
„Nein, Mann. Ich wollte ihn ansehen. Du würdest doch Hina-chans Schamlosbildchen auch nicht gegen irgendeine andere Tussi eintauschen.“
„Vergleich Hina-chan nicht mit deinen schrägen Fantasien. Kannst du nach Wichsvorlagen nicht googlen, wie jeder andere Mensch auch? Egal, ich geh jetzt ins Pachinko, entweder du kommst mit, oder machst dich weiter zum Deppen.“ Damit stapfte Kiba eiligen Schrittes davon und mit einem letzten Blick aufs Baugelände folgte ihm Naruto nach. Aber eines war sicher, er würde wiederkommen.
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Re: Tage wie diese - Kapitel 1 | Teil 1

Beitragvon Einsiedler » 22.03.2014, 23:20

Hallo Lejon,
eine interessante Geschichte, die du da versuchst und obwohl ich mich in den Japanischen Gegebenheiten nicht so auskenne, schreibe ich dir trotzdem etwas dazu.
Zuerst zu deiner Frage
würdet ihre ein homosexuelle Alltagsromanze, die so anfängt, wie diese hier, lesen oder fändet ihr das insgesamt zu aufgesetzt
Aufgesetzt finde ich es nicht, eher abwertend, weiter lesen würde ich trotzdem, aber ich würde mich fragen wie aus diesen abwertenden Bemerkungen eine Liebesromanze werden soll.
Und nun der Reihe nach:
Kiba sah gedankenverloren von der Zeitschrift auf, in die er beim Gehen die Nase hineingesteckt hatte und auf deren Hochglanzseiten sich minderjährige, halbnackte Idols räkelten, die ihre Vorliebe für ältere, dicke Männer beteuerten. Hina-chan war eine davon und Kiba stand total auf die hübsche Brünette mit den für eine Japanerin ungewöhnlich großen Titten.
Irgendwie soll das leger und jugendgemäß klingen, gefällt mir aber gar nicht so richtig. - die Nase hineingesteckt hatte - hier würde ich vorschlagen nur gesteckt zu schreiben, "hineingesteckt" klinkt irgendwie sehr geschraubt.
minderjährige
meint zwar unter 18jährige, sagt aber nicht eindeutig, dass es keine Kinder sind. Das lässt sich zwar da raus lesen - für eine Japanerin ungewöhnlich großen Titten - aber es gibt ja auch schon unter 14jährige Mädchen, die das von sich sagen können.
Diese Formulierungen könnten eine Überarbeitung vertragen.
Sie gingen im Schneckentempo am ersten Bauzaun vorbei und Naruto knurrte und summte und brummte derart obszön,
Zwei "und" würde ich hier streichen und zwei Sätze draus machen:
Sie gingen im Schneckentempo am ersten Bauzaun vorbei. Naruto knurrte, summte und brummte derart obszön,
Das war bis er auf Höhe der zweiten Baustelle plötzlich in Narutos Rücken hineinlief.
In - hineinlief. Wie wäre es mit:
Das war bis er auf Höhe der zweiten Baustelle plötzlich in Narutos Rücken lief.

Die Absätze finde ich gut, lieber einer mehr, als alles hintereinander schreiben.
LG vom Einsiedler

Die Schreibwerkstatt kommt wieder! Sag mir Bescheid!

habe Einfälle wie ein altes Haus, nur nicht so schnell.
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Re: Tage wie diese - Kapitel 1 | Teil 1

Beitragvon Lejon » 23.03.2014, 23:31

Lieber Einsiedler,

danke für deinen Kommentar. Ich hab auch schon alles geändert, was du so angemerkt hast und dies und das noch ein bisschen umgestellt, damit es besser klingt (allerdings nicht hier im Thread). 8)


Aufgesetzt finde ich es nicht, eher abwertend, weiter lesen würde ich trotzdem, aber ich würde mich fragen wie aus diesen abwertenden Bemerkungen eine Liebesromanze werden soll.


Das hat mich wirklich überrascht. Und zwar, dass du weiter lesen würdest, obwohl du es als abwertend empfindest. Es ist komisch mit diesem ersten Teil, schon ab der nächsten Szene ändert sich einiges, aber gerade dieser Anfang ist wie ein Granitblock, den ich versuche mit einem Gummimeisel zu bearbeiten. Ich kann ihn einfach nicht aufbrechen. Ich will gar nicht, dass Naruto zu abwertend rüber kommt. Es soll eher eine Schuljungenschwärmerei sein (in der die sexuelle Anziehung halt am Anfang steht) und die sich verändert, sobald er den anderen Prota näher kennenlernt.
Insgesamt tendiere ich nach deinem Kommentar (und solange ich keinen Ausweg aus dieser Granitblockgeschichte finde) schon eher dazu, dass Projekt auf Eis zu legen. Da hast du mein bisheriges Gefühl bestätigt. :wink:
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Re: Tage wie diese - Kapitel 1 | Teil 1

Beitragvon FremdeAngst » 31.03.2014, 15:30

„Lass uns doch über die Hakusan gehen“, schlug Naruto vor. Kiba sah gedankenverloren von der Zeitschrift auf, in die er beim Gehen die Nase hineingesteckt hatte und auf deren Hochglanzseiten sich minderjährige, halbnackte Idols räkelten, die ihre Vorliebe für ältere, dicke Männer beteuerten. Hina-chan war eine davon und Kiba stand total auf die hübsche Brünette mit den für eine Japanerin ungewöhnlich großen Titten.

Wichsvorlage. Aber keine für mich. Ab hier lese ich unter normalen Umständen nicht weiter.

Ich weiß nicht, was "Idols" sind, aber Minderjährige sind Minderjährige. Ob man in Japan Hochglanzmagazine mit halbnackten Minderjährigen tatsächlich auf offener Straße lesen kann, weiß ich nicht. Aber in Deutschland sollte verboten sein, darüber zu schreiben.
Ich frage mich, ob hier Erotik mit Minderjährigen gezeigt wird, eigentlich wird es ja nur erwähnt, dass der Protagonist sich sowas ansieht.

Eine homosexuelle Alltagsromanze kann ich hier nicht erkennen. Das ist von der Wortwahl her eher das, was ich unter "Erotik" erwarten würde und nicht unter "Liebesroman".
Begriffe wie "Titten" und "Schwuchtel" schrecken mich ab und verleiten mich nicht zum Weiterlesen. Genauso abwertend finde ich auch "Tussi".

Ich finde diesen "Kiba" zum Kotzen. Wenn das Deine Absicht war, herzlichen Glückwunsch.
Mich würde die Geschichte um Naruto interessieren, aber da ich befürchten muss, dass auch Kiba weiter auftaucht, würde ich die Finger davon lassen.
Die beiden kommen rüber wie zwei Jugendliche, die ihren ganz speziellen Umgang miteinander pflegen.

Tja, verbessern... das kommt darauf an, was für ein Ziel man sich gesetzt hat. Als erstes würde ich das "minderjährige" streichen und durch "kaum volljährige" ersetzen. ^^
Verändern kann man viel, aber ob es das besser macht? Eigentlich schreibst Du ja nicht schlecht, es ist mir nur zu obszön und etwas zu japanisch. Da alles so gut zusammenpasst und ein stimmiges Bild ergibt, glaube ich auch nicht, dass es Dir hilft, wenn ich Textstellen herauspflücke, die belegen, warum ich etwas obszön finde (meistens eben die abwertenden Begriffe, weil sie mich an Dirty Talk erinnern).

starrte wieder in die Zeitung

Da würde ich von "Magazin" sprechen.

in mysteriöser Geschwindigkeit

Das finde ich etwas seltsam. Von unglaublicher Geschwindigkeit habe ich schon oft gelesen, aber bisher noch nie von mysteriöser.
Offenheit und Ehrlichkeit sind wie Peitschenhiebe, die nur der Masochist zu schätzen weiß.
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Re: Tage wie diese - Kapitel 1 | Teil 1

Beitragvon MariaMagdalena » 07.04.2014, 17:20

Also, lieber Lejon,

ich habe Deine Geschichte mit einer Mischung aus Interesse und Abscheu gelesen, und mich am Ende gefragt, ob Du wirklich eine homosexuelle Liebesgeschichte schreiben wolltest, oder ob Du innerlich Homosexualität nicht eher ablehnst. So, wie ich die Geschichte aufnehme, wird sie aus der Gedankenwelt von Kiba geschildert, der in keinem Moment einen Hehl daraus macht, dass er die Vorlieben von "Schwuchteln" beim besten Willen nicht teilen kann, sie hingegen lächerlich findet. Bei vielen Textstellen habe ich den Eindruck, dass da der Prota Kiba dem Autor aus der Seele spricht:

„Aber wie ein hechelndes Hündchen am Zaun zu stehen und aufgeregt mit dem Schwanz zu wedeln, kommt schon komisch rüber.“

„Vergleich Hina-chan nicht mit deinen schrägen Fantasien. Kannst du nach Wichsvorlagen nicht googlen, wie jeder andere Mensch auch?

nun, er verschwand nicht wirklich, er verließ nur Kibas Sichtfeld in mysteriöser Geschwindigkeit und klebte sich an den Bauzaun, die Stirn zwischen zwei Metallstäbe gepresst. Soviel zum Thema: ohne peinliche Komplikationen.
„Was zum Geier, Naruto!“, zischte Kiba aufgebracht und sah sich verlegen um. „Komm wieder her, du Idiot.“
„Oh Gott, ich bin verliebt.“
„Spinn’ nicht rum, Alter. Komm her!“


Wäre ich selbst ein homosexueller Mann, würde ich spätestens jetzt nicht mehr weiterlesen. Vielleicht gehst Du noch mal in Dich und überlegst, was Du wirklich mit dieser Geschichte sagen willst.

Generell - und das ist sicher Geschmackssache - habe ich persönlich gegen etwas deutlichere Sprache nichts einzuwenden. Daher stören mich Begriffe wie "Tussi" "Titten" "Steifer", etc. nicht. Im Gegenteil, ich lese auch sehr gerne Bukowski und finde, dass man die Dinge ruhig schreibend beim Namen nennen darf und auch menschliche Abgründe zeigen, nun, vielleicht sogar sollte. Ich könnte daher sogar noch dabei mitgehen, dass Kiba sich mit Bildern einer Minderjährigen im Mittelschulbadeanzug einen runterholt, wenn (!) der Autor dabei genügend Distanz erkennen lässt. Soll heißen, fiktive Figuren können meinetwegen gerne auch fragwürdige Vorlieben haben, aber (!) ich würde dann doch gerne durch einen Dialog oder die Wortwahl wissen, dass mein Autor diese Vorlieben nicht teilt. Und während Dir das bei der Schilderung von Naruto gut gelungen ist, bin ich mir im Bezug auf Kiba nicht so sicher.

Ich persönlich kann mich mit keiner der Figuren identifizieren, und daher würde ich nach dem ersten Teil auch mit der Lektüre aufhören.

Mein Tipp wäre es, sie abzurunden. Sie nicht nur als - hetero und notgeil - bzw.schwul und notgeil - darzustellen, sondern mit einer Geschichte zu versehen. Warum ist Kiba so fixiert auf das Mädchen? Ist er mitten in der Pubertät, vielleicht selbst noch minderjährig? Ist er so wie einer der alten Säcke, und kann sich deshalb nicht von der Zeitschrift losreißen? Was macht ihn so homophob, hat er Schiss vor seinen eigenen homosexuellen Anteilen... und, und, und. Ich glaube, wenn Du das für Dich klar hast, gelingt Dir auch die Story ohne Widersprüche.

LG Maria
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Re: Tage wie diese - Kapitel 1 | Teil 1

Beitragvon FrozenBambi » 08.04.2014, 09:13

Man und du bist ne Frau? Ich dachte den Text hätte eher nen Mann geschrieben …
Ich gehe erstmal stilistische Kleinigkeiten durch und – aufgrund der besonderen ‚Gattung‘ deines Textes – möchte ich dann ein paar Stellen nochmal besonders hervorheben.


Kiba sah gedankenverloren von der Zeitschrift auf, in die er beim Gehen die Nase hineingesteckt hatte und auf deren Hochglanzseiten sich minderjährige, halbnackte Idols räkelten, die ihre Vorliebe für ältere, dicke Männer beteuerten.


Baaaandwurmsaatz. Nach ‚hatte‘ kannst du nen Punkt setzen.


Kiba folgte brav.


MMn unnötiger Einschub. Und das ‚brav‘ wirkt unpassend, nachdem die beiden wohl auf einer Augenhöhe sind.


Sie gingen im Schneckentempo am ersten Bauzaun vorbei und Naruto knurrte und summte und brummte derart obszön, …


Das ist echt übertrieben. Schreib doch ‚machte derartig lüsterne Laute‘ o.ä.


„Wenn du sehen würdest, was ich sehe, würdest du auch sabbern.“


Ich nehme mal an deine Vorlage ist ein Manga?
Ich weiß da werden Figuren tlw. übertrieben dargestellt. Ich würde mir aber wirklich überlegen, ob du das so haben willst. IdR gehen Homosexuelle eher verhalten mit ihrer Sexualität um – gerade in diesem Alter.


„Schwitzende, verdreckte Kerle, Muskeln und sonnengebräunte Haut. Oh Baby!“


Und auch das klingt alles andere als glaubwürdig… Aber meinetwegen, wenn er halt so drauf ist.


…und zeigte glatte, karamellfarbene Haut, die verschmiert war mit Baustaub und glänzte von Schweiß.


Unschöne Satzstellung. ‚…die mit Baustaub verschmiert war und vor Schweiß glänzte.‘


Klar definierte Muskeln luden zum Ablecken ein und selbst von seinem Zuschauerplatz am Zaun konnte Naruto die Piercings sehen, die durch die dunklen Brustwarzen gezogen waren. Bestimmt war er unrasiert und oh Gott, ganz sicher roch er überall nach Mann und Schweiß.


Oh Gott diese Beschreibung ist wieder so unappetitlich und pietätlos. Sie passt natürlich perfekt z u deinem bisher so arg übertriebenen Charakter, aber es läd echt nicht zum Lesen ein.


„Ich glaub, ich krieg’ ’nen Ständer“, murmelte er ehrfürchtig, gerade als er von Kiba am Kragen gepackt und zurückgezogen wurde.


Mal ne persönliche Frage – auch wenn du ne Frau bist.
Wirst du feucht, wenn du nen hübschen Mann siehst?
Also ich hab – auch in jüngeren Jahren - nicht gleich ne Errektion bekommen, nur weil ich ne hübsche Frau sah. Du hast ein Männerbild, das mich einschätzen lässt, dass du einen sehr seltsamen Männerumgang oder wenig Erfahrung mit eben diesen hast.


So jetzt noch zu einigen Stellen, die ich ganz ganz gefährlich empfinde. Ich stimme da Maria voll und ganz zu – man gewinnt den Eindruck, dass hier die Meinung des Autors, nicht die der Protas ausgedrückt wird. Die folgenden Stellen sind natürlich völlig subjektive Eindrücke.

Sie gingen im Schneckentempo am ersten Bauzaun vorbei und Naruto knurrte und summte und brummte derart obszön, dass Kiba Schwierigkeiten hatte, sich auf Hina-chans heiße Schenkel zu konzentrieren.


Wirkt wie eine Wertung von dir. Nebenbei bemerkt eine ganz schön pubertäre.

Hina-chan war eine davon und Kiba stand total auf die hübsche Brünette mit den für eine Japanerin ungewöhnlich großen Titten.


Dito. Der Ausdruck ‚Titten‘ bestärkt den Eindruck hier noch. Wenn der Typ in wörtlicher Sprache ‚Titten‘ sagt – okay Jugendslang. Aber wenn du das so schreibst, wirkt es als würdest du diesen Slang selber regelmäßig verwenden.


Kiba sah gedankenverloren von der Zeitschrift auf, in die er beim Gehen die Nase hineingesteckt hatte und auf deren Hochglanzseiten sich [b]minderjährige, halbnackte Idols räkelten, die ihre Vorliebe für ältere, dicke Männer beteuerten.[b]


1. Minderjährig noch zu betonen ist mMn unnötig. Sag doch einfach ‚seines Alters‘ – denn so wie der drauf ist, muss er noch minderjährig sein.
2. Der zweite Teil des Aussage ist echt unnötig. Oder bringt es deine Geschichte irgendwie voran, dass du betonst, dass diese Minderjährigen auf alte, dicke Männer stehen? Es kommt hier echt eher rüber, dass du persönliche Vorlieben rüberbringen willst, statt hiermit den Charakter zu vertiefen. Denn seine Neigung zu Pornographie wird durch das Hochglanzheftchen wohl deutlich genug ausgedrückt.


Das sind mal ähnliche Beispiele, bei denen es mir mehr vorkommt, als würden es reine Wertungen der Charaktere sein. Mal abgesehen von dem überflüssigen ‚Geil‘ im zweiten Zitat. Das klingt auch wieder nach nem pubertären Autoreneinwurf.
Naruto stand das Wort ‚notgeil’ praktisch auf der Stirn.

War ja nicht so, dass er Naruto nicht auch seinen Spaß gönnte. Aber manchmal war es auch so verdammt peinlich mit ihm. Nein, er schämte sich nicht, weil Naruto schwul war und auch nicht weil er einen Fetisch für Männer in dreckiger Arbeitskleidung hatte – speziell Bauarbeiter. Jeder hatte schließlich seine Vorlieben. Dabei blätterte er auf ein Poster von Hina-chan in ihrem Mittelschulbadeanzug. Geil.

Dort, in der gleißenden Sonne, stand der mit Abstand geilste Typ, den er je gesehen hatte.


Fazit:
Also zunächst mal hast du natürlich ganz schön Eier sowas zu schreiben. Oder du handelt ziemlich unüberlegt – eines von beidem wird es schon sein.
Vom Schreibstil her ist die Geschichte okay. Es könnte ausgefeilter sein, aber du schreibst es ohnehin nur aus ‚Spaß‘. Die sehr krassen Charaktere erzeugen natürlich ein gewisses Interesse an der Story. Richtig ausgefeilt könntest du sicher einige Leser damit fesseln. Kommt natürlich auch drauf an, wie die Sache weiter geht.
Die teilweise, wie gesagt, sehr nach persönlicher Meinung klingenden Passagen, lassen dich aber leider derzeit in einem sehr schlechten Licht dastehen. Du verunglimpfst dich zzt. selbst mit deiner Geschichte.
Dazu kommt noch, dass der Geschichte natürlich – v.a. durch diese Bewertungen – ein unheimlich homophober Beigeschmack anhaftet. Also als homosexueller Mann würde ich mich beleidigt fühlen, wenn ich in ein derartig schlechtes, notgeiles Licht gerückt werde.
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