In 7 Tagen zu schärferen Sinnen - Teil 4: Riechen

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In 7 Tagen zu schärferen Sinnen - Teil 4: Riechen

 
Nutze dieses Thema um über folgenden Beitrag aus meinem Blog zu diskutieren:
In 7 Tagen zu schärferen Sinnen - Teil 4: Riechen

Welcher Geruch hat dich schon Mal gepackt und sofort in die Vergangenheit gerissen?
Welchen Geruch hast du am lebhaftesten in Erinnerung?
Welchen magst du am liebsten?
Woran erinnern sie dich?
Hast du die Übung gemacht und was kam dabei heraus?

von © Jacky

 
Ja ja. Es steigen halt immer zuerst die Essensgerüche aus der Erinnerung auf, wenn man an das Wort „Riechen“ denkt. Der leckere Bratenduft an den Sonntagen, der wunderbare Duft nach Backwerk kurz vor Weihnachten... je weiter man in seiner Erinnerung herabsteigt, desto mehr dominieren die Gerüche nach Essen. Das sagt uns einiges über menschliche Prioritäten... :lol:

Allerdings ist dies auch nicht weiter verwunderlich, wenn man weiß, dass Geschmacksbilder zu neunzig Prozent durch die Geruchsrezeptoren in der Nase geprägt werden. Die Nase ist schon ein wunderbar empfindliches Organ und trägt weit mehr zu unserer Orientierung in der Welt bei, als wir ihr im ersten Moment eigentlich zugestehen wollen. Da denken wir ja immer erst einmal an Augen und Ohren, dann an den Tastsinn. Der Nase weisen wir üblicherweise die Rolle des Aschenputtels zu. Vielleicht weil sie ihre Arbeit so hintergründig und unaufdringlich verrichtet.

Aber wir wissen genau, dass wir uns wohl einer Pflichtverletzung schuldig gemacht haben, wenn wir unsere Blumentöpfe gießen und ein intensiver erdiger Geruch aufsteigt. Nur strohtrockene Erde gibt diesen starken Duft ab, wenn sie nach langer Zeit erstmalig wieder mit Wasser in Berührung kommt.

Und wenn aus dem Auspuff des Wagen unseres Nachbarn weißer Rauch dringt, dann ist es unsere Nase, die die Diagnose stellt, falls dieser Rauch einen ganz besonderen stechend metallischen Duft verströmt: Zylinderkopfdichtung kaputt, au weia!

Vielleicht messen wir ihr ja deshalb geringere Bedeutung für unsere Orientierung zu als Augen und Ohren, weil sie uns keine eindeutigen räumlichen Signale zu vermitteln weiß. Und doch: Man könnte uns Augen und Ohren zuhalten, wir würden dennoch immer wissen, ob wir uns in der U-Bahn, einer Kirche oder dem heimischen Wohnzimmer befinden... einfach an Hand der charakteristischen Gerüche.

Herzlich :D

Merlinor

von © Merlinor

 
Also mir persönlich ist aufgefallen, dass ich schon recht häufig dazu tendiere, mit dem Eindruck des Riechens zu arbeiten. Komischerweise aber eher mit den sog. "negativen" Düften.
Weiß nicht, woran das liegt? Möglicherweise daran, dass ich versuche einen Thriller zu schreiben? Oder aber daran, dass ich gewisse negative Erfahrungen mit Gerüchen verbinde? Hier ein Beispiel:
Ich habe vor ca. zehn Jahren in etwa für zwei Jahre in einem (sehr kleinen) Betrieb gearbeitet. Der Chef (weit über 60 Jahre alt), hat mich jeden Morgen (in Worten: jeden Morgen) mit einem persönlichen Handschlag begrüßt. Soweit ganz nett möchte man meinen. Jedoch nicht, wenn er sich kurz zuvor mit einem recht penetranten Aftershave einbalsamiert hat. Dieses Zeug war so hartnäckig, dass man es trotz mehrmaligem Händewaschen nicht von den Flossen bekam. D. h. wenn man sich nachdenklich am Kinn kratzte, einem der alternde Duft seines Chefs in die Nase stieg. Hölle kann ich euch sagen. Meine Arbeitskollegin, die mir damals gegenüber saß, hat sich irgendwann geweigert, ihn per Handschlag zu begrüßen.
Dieses Erlebnis (= langes Nachhängen eines Duftes an den Händen) versuche ich gerade in meine aktuelle Geschichte einzubauen, gepaart mit psychologischen Einflüssen des Riechens. Denn:
Habt ihr nicht auch schon einmal kurz vor der Mittagspause hungrig an eine Pizza gedacht und dann tatsächlich geglaubt, dass ihr sie riechen könnt? Also ich schon.
Lange Rede, kurzer Sinn: Mir gefällt die Tatsache, in Büchern mit Gerüchen zu arbeiten (bzw. mit der Beschreibung von diesen), da sie uns mehr beeinflussen, als wir vielleicht glauben.

Gruß
Stevie

von © Stevie

Re: In 7 Tagen zu schärferen Sinnen - Teil 4: Riechen

 
Also ich bin ein Mensch, der einen Großteil seiner Umgebung über die Nase wahrnimmt. Der Geruch an den ich mich am lebhaftesten erinner, ist Lebkuchen. Meine erste große Liebe in der Schule hatte immer ein Duftsäckchen mit Lebkuchenduft an ihrem Schulranzen. Ich kann nicht behaupten, immernoch in sie verliebt zu sein, aber da ich damals zu schüchtern war, ihr meine Gefühle zu gestehen und demnach auch nie einen richtigen Korb bekommen habe, macht mein Herz jetzt jedesmal einen kleinen Sprung, sobald ich Lebkuchen rieche :mrgreen:

Gerüche sind bekanntlich die intensivsten Sinneseindrücke und ich merke das jedesmal, wenn ich einen bekannten Geruch wahrnehme. Bei vielen Düften erleide ich regelrechte Flashbacks, wenn die damit verbundenen Erinnerungen besondere Gefühle beherbergen.
Das ist auch der Grund, warum ich Gerüche häufiger als Stilmittel verwende; insbesondere für Situationen, die sich wiederholen, oder an die sich meine Charaktere (und damit der Leser) besonders lebhaft erinnern sollen.

von © Foxy