These: Auch Fanfictions brauchen Planung!

Tipps, Ratschläge und Hilfen zum Schreiben. Wie machst du das? Hilfe bei Blockaden, Hemmungen und Anfangsschwierigkeiten

Re: These: Auch Fanfictions brauchen Planung!

Beitragvon Alys » 29.08.2015, 13:40

Selbstverständlich brauchen FanFics genauso Planung, eine gute Story etc., wie "richtige" Geschichten.
Ich sehe das ähnlich wie Feuerfeder, dass FanFics manchmal schwerer zu schreiben sind, als es eigene Geschichten wären - zumindest dann, wenn man es auf Canon-Treue anlegt.

Jeder kann eine Geschichte schreiben und die Protagonisten Spock und Kirk nennen. Schwieriger ist es schon, die Charaktere in dieser eigenen Geschicht so gut zu skizzieren, dass der geneigte Leser in den beiden auch Spock und Kirk aus Star Trek wiedererkennt. Noch schwieriger ist es, die eigene Geschichte mit den beiden in einem 100% zum offizellen Star Trek Universum und zur Star Trek Timeline kompatiblen Setting anzusiedeln. Und richtig schwer wird es dann, wenn man nicht Film/TV/Comic-FanFics schreibt, sondern Buch-FanFics und zB. in einem Harry Potter FanFic auch noch versucht, Stil und Stimmung der Bücher von JKR einzufangen.
Und in all dem noch eine Eigenleistung unterzubringen. :)
Des halb finde ich persönlich, dass gute FanFics noch schwieriger zu schreiben sind als komplett selbsterdachte Geschichten, und das man deshalb auch auf das Schreiben von FanFiction nicht verächtlich herabsehen sollte. (Daher auch oben die Anführungszeichen bei "richtigen" Geschichten.)

Aber das ist nur meine Meinung. Damit hab ich mich schonmal in die Nesseln gesetzt. :) Es gibt auch Leute, die in FanFics lesen wollen, dass der Charakter etwas macht, das im Canon-Universum völlig ooC wäre. Das ist für mich keine gute FanFiction, eben weil weniger Sorgfalt und Mühe im Entwurf der Geschichte steckt. - Aber manchen Leuten gefällt's und die finden dann eben das gut, und die FanFiction, die ich lesen würde, finden sie schlecht.
Alys
 
Beiträge: 490
Registriert: 30.12.2014, 15:26

Re: These: Auch Fanfictions brauchen Planung!

Beitragvon Milch » 29.08.2015, 14:26

Ich schreibe keine Fanfic, aber man hat schon ein ausgearbeitetes Universum, da fällt viel Arbeit weg. Man muss es nur kennen, aber wenn man Fan ist, kennt man auch vieles.
Ich halte es auch für okay, out of Charakter zu schreiben und Dinge auszuprobieren, die so nicht im Original möglich sind. Damit zu spielen, halte ich für eine große Berechtigung für Fanfic.
Das Problem von Fanfic ist, dass man nicht im Besitz der Rechte ist, so auch keinen kommerziellen Erfolg haben kann.
Milch
 
Beiträge: 716
Registriert: 29.03.2014, 18:25

Re: These: Auch Fanfictions brauchen Planung!

Beitragvon Samira-Jessica » 29.08.2015, 14:31

Badabumm hat geschrieben:Mit Fanfiction ist es wie mit einem intensiven Hobby: man weiß "alles" über seine Lieblingsserie wie man "alles" weiß über das Hobby, das man ausübt. Deshalb ist das Argument, dass der echte Fan sowieso das komplette Universum seiner Lieblinge im Kopf hat und superdetailversessen ist, durchaus schlüssig. Er muss sich eigentlich "nur" um seine Fangeschichte und den Plot kümmern. Die Figuren sind fix und fertig wie ein Lego-Baukasten, aus dem man immer nur ein bestimmtes Raumschiffmodell oder Bagger bauen kann. Mit diesen fertigen Versatzstücken kann er "spielen". Und weil er soviel weiß und sich Gedanken gemacht hat, kann er sich an Themen heranwagen, die der Originalautor einfach nicht bedacht hat. Um es mit Michael Ende zu sagen: "Das ist eine andere Geschichte und soll ein andernmal erzählt werden." Der Fan tut genau das.

Damit es aber gut wird, muss er eine gute Idee haben, und da stimme ich Samira-Jessica durchaus zu: er braucht zwar nichts erschaffen, aber er muss eine Super-Idee abliefern, und das ist schwer. Das geht nur mit stimmigem Konzept. Ich glaube, aus diesem mangelnden Verständnis gibt es so viele blasse Fanfiction, wenn sie exakt im Canon liegen soll. Weil die Autoren das unterschätzen. Der Autor kann sich nämlich nicht mit dem Erschaffen neuer Welten "herauswinden" und wild rumschwadronieren. Eine überzeugend geschaffene Welt kann auch schon mal blassere Charaktere vertragen, aber dieser Fluchtweg ist ihm versperrt. Er ist wie ein Drehbuchschreiber, der für die x-te Folge Lindenstraße mit den vorhandenen, allseits bekannten Charakteren immer noch was Neues kreiren soll. Die Geschichte hat oberste Priorität. Also darf Harry P. schon mal schwul sein, aber irgendwann wird der Canon verlassen, weil alle Standardsituationen abgefrühstückt sind.

Da ich fast nichts Neues erschaffen kann und meine Charaktere sowieso immer ein Eigenleben entwickeln, mag und kann ich persönlich Fanfiction nicht so sehr. Ich klaue ungeniert vom fertigen Kuchen ohne beim Backen mitgeholfen zu haben, das hinterlässt ein flaues Gefühl. Für mich verwenden darf ich es außerdem nicht. Zum Üben ja, aber soviel Energie in etwas stecken, das für die Tonne ist...?
Ich hab's probiert, und meine Personen handeln absolut gegen den Canon, sind neudeutsch "Out-of-Character". Im Grunde nämlich schon meine eigene Schöpfung. Damit spiele ich dann zwar auf der Ironieebene, aber nicht jeder Fan mag das.

Fanfiction ist wie ein Gesellschaftsspiel, bei dem die Regeln feststehen. Wer's mag, innerhalb der Regeln ein gutes und spannendes Spiel abzuliefern, für den ist Fanfiction etwas. Ich nehme ja die fertigen Regeln auf mich, um trotzdem in deren Grenzen zu "gewinnen", es ist durchaus sportlich gemeint. Ein Mensch-ärger-dich-nicht für die Seele. Man gibt mir Bauklötze und ich baue daraus einen Turm, ohne die Steine vorher hobeln zu müssen. Das Wohlgefühl, soundsoviel Punkte gemacht zu haben, die erste Gleitschirmlandung, die Stange übersprungen zu haben, die 200 Meter gelaufen zu sein, die Bergwand erklommen zu haben (obwohl es schon vierhundert vor mir getan haben und oben nur ein Souvenirkiosk steht) usw. OHNE zu mogeln macht gerade den Reiz aus.


Deine Sicht zu den Fanfictions find ich echt super und interessant!
Nur ... wo genau du mir zustimmst, das hab ich jetzt nicht 100% verstanden, muss ich zugeben ... :oops:
Schöne Grüße Samira-Jessica
Die Bauchschreibwerkstatt - Jetzt in neuem Design!
Benutzeravatar
Samira-Jessica
 
Beiträge: 435
Registriert: 10.01.2012, 18:09
Wohnort: Rosenheim, Bayern
Blog: Blog ansehen (22)

Re: These: Auch Fanfictions brauchen Planung!

Beitragvon grit » 29.08.2015, 21:21

Ich habe aus reinem Spaß an der Freude auch Fanfictions geschrieben, zumeist HP, was an der langen Wartezeit auf Band 7 lag. Meistens waren es Oneshots, aber auch ein paar sehr ungewöhnliche Cossover. Der Reiz lag für mich, der ich nicht gerne den Erklärbär spiele, vor allem darin, dass man einem echten Fan nicht mehr erklären muss, wer Dumbledore ist und was Dementoren sind, es reicht die Erwähnung von Askaban, um ein ganz bestimmtes Gefühl zu erzeugen. Das ist ein unschätzbarer Vorteil, wenn man sich eine Welt "ausleiht", die die Leser schon kennen. Man kann sich ganz und gar auf die Geschichte konzentrieren, ohne dass man lange bei Erklärungen und Beschreibungen verweilen muss - die Fans wissen, wie Hogwarts aussieht. Wenn man - wie ich auch - großen Wert auf Canontreue legt, dann muss man schon sehr genau planen, damit sich keine Widersprüche zum Original ergeben. Ob man nun mehr oder weniger planen muss als bei einer freien Arbeit, das kommt ganz und gar auf die Geschichte an. Bei einer freie Arbeit kann ich mein Endziel jederzeit ändern, wenn meine Figuren ein Eigenleben entwickeln und die Geschichte zu einem anderen Ende oder in eine andere Richtung driftet. Schreibe ich canontreue Fanfiction, dann bin ich stärker gebunden. Doch gerade diese Beschränkung eröffnet einem als Autor interessante Wege. Das ist ein bisschen so wie das Schreiben nach bestimmten Vorgaben. Man hat bestimmte Wegmarken festgesteckt und muss sich daran halten.
In jedem Falle eine sehr gute Übung.
grit
 
Beiträge: 270
Registriert: 19.11.2011, 16:11

Re: These: Auch Fanfictions brauchen Planung!

Beitragvon Alys » 29.08.2015, 21:42

Es ist auch immer eine interessante Frage, was FanFiction ist und was nicht.
Auf den ersten Blick ist es einfach - alles, was auf fanfiction.net steht, ist FanFiction. Alles, was der Autor veröffentlicht, ohne die Rechte an der Figur oder dem Universum zu haben, ist FanFiction.

Aber es gibt ja nicht nur das materielle/finanzielle Recht an einer Figur, sondern auch das moralische. Das materielle Recht kann abgelaufen sein, oder bewusst freigegeben. Und dann beginnen andere Leute als der Original-Autor, in dem von jemand anderem erfundenen Setting zu schreiben. Und da wird die Sache interessant - denn eigentlich sind das auch alles FanFics. Auch, wenn die FanFiction-Autoren nun die Rechte an der Sache haben und Geld daran verdienen.

Ein paar Beispiele:
Es gibt x "offizielle" Sherlock-Holmes-Geschichten, die nicht von Arthur Conan Doyle sind. Genauso wie es viele Cthulhu-Geschichten gibt, die nicht von H. P. Lovecraft sind. (Neil Gaiman, der ja nun wirklich ein ernstzunehmender Autor ist, hat z.B. sowohl zu Cthulhu als auch zu Sherlock Holmes Geschichten geschrieben. Er bezeichnet sie selbst als FanFiction.) "The Imperial Agent" von Murari ist eine Fortsetzung von Rudyard Kiplings "Kim". "Scarlett" von Alexandra Ripley ist die Fortsetzung von "Gone with the Wind" von Margaret Mitchell (ein Fortsetzungs-FanFic, das sogar von den Erben Mitchells in Auftrag gegeben wurde!).
Alys
 
Beiträge: 490
Registriert: 30.12.2014, 15:26

Re: These: Auch Fanfictions brauchen Planung!

Beitragvon Milch » 30.08.2015, 01:24

Das meiste von deinen Beispielen würde ich nicht als Fanfic bezeichnen, sondern als Markenpflege-Literatur. Meistens braucht man die Zustimmung der Originalautoren oder die ihrer Erben.
Milch
 
Beiträge: 716
Registriert: 29.03.2014, 18:25

Re: These: Auch Fanfictions brauchen Planung!

Beitragvon Alys » 30.08.2015, 10:20

Von den genannten Beispielen ist nur "Scarlett" mit Zustimmung der Autoren geschrieben worden.
Bei den anderen liefen einfach die Rechte aus und irgendwer hat sich darauf gestürzt, Figur und Universum zu übernehmen.
Interessant, warum würdest Du das als Markenpflege und nicht als FanFiction bezeichnen? Hat FanFiction für Dich einen negativen Klang?
Alys
 
Beiträge: 490
Registriert: 30.12.2014, 15:26

Re: These: Auch Fanfictions brauchen Planung!

Beitragvon Milch » 30.08.2015, 11:20

Alys hat geschrieben:Von den genannten Beispielen ist nur "Scarlett" mit Zustimmung der Autoren geschrieben worden.
Bei den anderen liefen einfach die Rechte aus und irgendwer hat sich darauf gestürzt, Figur und Universum zu übernehmen.
Interessant, warum würdest Du das als Markenpflege und nicht als FanFiction bezeichnen? Hat FanFiction für Dich einen negativen Klang?


Rudyard Kipling schon über 70 Jahre tot.
Ja, Fanfic hat einen schlechten Klang. Pastiches haben einen besseren.
Goethe hat kein Fanfic geschrieben, als er den Fauststoff aufgegriffen hat.
Milch
 
Beiträge: 716
Registriert: 29.03.2014, 18:25

Re: These: Auch Fanfictions brauchen Planung!

Beitragvon Alys » 30.08.2015, 13:39

Ja, und wenn man es Hommage nennen würde, dann würde es noch besser klingen. :)

Aber im Grunde ist es das gleiche: Der Autor entwirft keine eigene Welt und Charaktere, sondern nimmt ein schon entworfenes Setting und spielt darin herum. Wo ist also der Unterschied zwischen FanFiction und Pastice oder Markenpflege-Literatur?

Ist schlechte und unkommerzielle Markenpflege-Literatur FanFiction, und gute und kommerziell veröffentlichte Markenpflege-Literatur geht als Pastice oder Hommage durch?
Wo muss man dann technisch und literarisch hervorragende Werke von FanFiction.net ansiedeln?

Goethes Bearbeitung des Faust-Stoffs würde ich genau wie alle anderen Bearbeitungen von Mythen und Legenden nicht als FanFiction/Pastice/wieauchimmer bezeichnen, denn hier liegt dem Stoff keine bereits ausgearbeitetes Werk wie eben ein Buch oder ein Film zugrunde, sondern die Idee beruht auf einer Sage.
Alys
 
Beiträge: 490
Registriert: 30.12.2014, 15:26

Re: These: Auch Fanfictions brauchen Planung!

Beitragvon Milch » 30.08.2015, 15:07

Markenpflegeliteratur, dazu zähle ich auch Perry Rhodan, Spider-Man und so weiter.

Markenpflegeliteratur sind meistens Kanon, Fanfic nicht, was doch einen Unterschied macht.
Markenpflegeliteratur wird nicht von den größten Fans geschrieben, sondern von Leuten, die am besten schreiben können. Sie haben auch etwas Abstand, was sich auf die Qualität der Geschichte auswirkt.
Und die Verlage brauchen Glück, die richtigen Autoren zu bekommen, so dass sie keine Fans verlieren.

Wahrscheinlich sind Pastiche und Fanfics immer schlechter als das Original.
Ich lese nicht auf FanFiction, also kann ich nicht auf die Qualität eingehen.
Milch
 
Beiträge: 716
Registriert: 29.03.2014, 18:25

Re: These: Auch Fanfictions brauchen Planung!

Beitragvon Tops » 31.08.2015, 03:11

Hallo, ich habe auch mit Fanfiction angefangen, nach der ersten mich aber in eigenen Werken versucht.

Der Unterschied liegt für mich in der Erschaffung der Charaktere. Bei einer Fanfiction leihe ich sie mir aus, interpretiere sie vielleicht anders als andere, aber es sind eben nicht meine. Dafür gehen sie locker, flocking von der Hand, ohne über sie viel nachdenken zu müssen.
Bei selbsterschaffenen Charaktere ist hingegen viel Vorarbeit nötig, um sie auszuarbeiten, sie kennenzulernen, damit sie dann beim Schreiben ebenfalls leicht von der Hand gehen.

Hingegen sehe ich keinen Unterschied, was das Plotten angeht. In beiden Bereichen wächst die Geschichte ausgehend von einer Idee. Bei meiner Fanfic fand das größtenteils während des Schreibens statt, bei meinen eigenen Geschichten im Vorfeld, bei Kurzgeschichten sogar ausschließlich im Kopf.

Recherchen bedarf es in beiden Bereichen, bei Fanfics, die auf TV-Serien/Filmen beruhen, vor allem zum Thema "korrekt geschriebene Namen".

liebe Grüße,
Tops
Tops
 
Beiträge: 78
Registriert: 21.01.2013, 09:52
Wohnort: Wien

Re: These: Auch Fanfictions brauchen Planung!

Beitragvon Samira-Jessica » 15.10.2015, 14:55

Tops hat geschrieben:Der Unterschied liegt für mich in der Erschaffung der Charaktere. Bei einer Fanfiction leihe ich sie mir aus, interpretiere sie vielleicht anders als andere, aber es sind eben nicht meine. Dafür gehen sie locker, flocking von der Hand, ohne über sie viel nachdenken zu müssen.
Bei selbsterschaffenen Charaktere ist hingegen viel Vorarbeit nötig, um sie auszuarbeiten, sie kennenzulernen, damit sie dann beim Schreiben ebenfalls leicht von der Hand gehen.

Hingegen sehe ich keinen Unterschied, was das Plotten angeht.

Ich glaube, dass es sogar länger dauer, eine FF zu planen, als eine "freie Geschichte", weil man sich die ganzen Infos zu Charakteren und Welt erstmal recherchieren, rauslesen- und schreiben muss.
Der Rest hingegen ist, denke ich, eigentlich genausoviel Aufwand wie bei einer selbsterdachten Geschichte.
Schöne Grüße Samira-Jessica
Die Bauchschreibwerkstatt - Jetzt in neuem Design!
Benutzeravatar
Samira-Jessica
 
Beiträge: 435
Registriert: 10.01.2012, 18:09
Wohnort: Rosenheim, Bayern
Blog: Blog ansehen (22)

Vorherige

Zurück zu Kreatives Schreiben

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste