10 Tipps für Rückblenden die mitreißen

Diskussion zum Schriftsteller-werden.de Blog

10 Tipps für Rückblenden die mitreißen

 
Nutze dieses Thema um über folgenden Beitrag aus meinem Blog zu diskutieren:
10 Tipps für Rückblenden die mitreißen

Wie machst du aus deiner Rückblende ein Erlebnis?

von Jacky

 
Liebe Jackie,
am Anfang mal eine technische Frage:

Wenn ich in Deinem Blog nach einem Artikel suche, wie muss ich da vorgehen?

Z.B. suchte ich das Thema "10 Tipps für Rückblenden die mitreißen" und gab dieses in die Suche ein.
Leider kam ich aber nicht auf die gewünschte Seite...naja, hoffentlich bin ich nicht zu blöd gewesen, um Deinen Blog richtig zu bedienen! :oops:

Zu meiner Frage:

Ich schreibe an einem Buch, indem an Hand von Tagebucheintragungen die Prota sich an Vergangenes erinnert.
Das muss auch sein, weil sonst die Geschichte nicht funktioniert, bzw. darauf fusst die ganze Story.

Die Rückblenden bestehen hier aus abgeschlossenen Kapiteln.
Kann das dennoch funktionieren?
Oder sollte ich anders vorgehen?

Ist diese Art des Schreibens überhaupt mit den "normalen" Rückblenden, so wie Du sie zeichnest, zu vergleichen?

Hoffentlich habe ich mich verständlich ausdrücken können :roll: ...
Ansonsten frag nach, bitte.

Lieben Dank schon mal jetzt.
Bin gespannt!

Isga

von Isga

 
Hallo Isga,
also wenn ich den Suchbegriff oben rechts in das Feld eingeben und dann auf Suche klicke, dann bekomme ich gleich als zweites Ergebnis den richtigen Artikel. Denn die Suche durchsucht nicht nur die Überschriften, sondern den gesamten Text.

Wenn ich einen bestimmten Artikel von mir suche, dann gehe ich immer auf die Archiv-Seite.
Ganz unten ist eine chronologische Liste aller Beiträge. Aber die alle durchzulesen ist mir meistens auch zu viel also nehme ich ein Wort das recht einzigartig ist und dann drücke ich Strg+F das öffnet eine Suchfunktion für die aktuelle Seite, je nachdem ist es ein kleines Fenster (IE) oder springt in die untere Ecke des Bildschirms in ein Eingabefeld (firefox) und dort Tippe ich dieses Wort ein z.B. "Rückblende" und über "weiter" oder F3 kann ich durch jedes Vorkommen dieses Wortes auf der Seite springen, so dass ich sehr bald das finde, was ich suche (dieses Strg+F fehlt mir mitlerweile richtig gehend wenn ich was in einem echten Buch aus Papier suche :P )

Ach ja: Blöde Fragen gibt es nicht 8)

Zu deiner Frage, ich muss gestehen, ich habe dein Problem noch nicht ganz erfasst, schreibe aber schon mal was mir bisher dazu eingefallen ist:

Wenn es sich um ein Tagebuch handelt, dann ist es selbsverständlich, dass du eigentlich nur in Rückblenden schreibst. Es kommt nun sehr auf deine Protagonistin an, wie du das ganze formulieren kannst.

Vom Standpunkt des Lesers aus betrachtet, möchte ich bei Dingen lieber dabei sein, deshalb würde ich es aktiv formulieren, du könntest sie es erzählen lassen als wäre der Leser dabei.

Nicht passiv
:
Franz hat gesagt ich soll lieber was tun statt nur zu reden. Da hab ich ihn geschlagen und er war wütend.

Das ist passiv (passt aber unter Umständen zu einem Tagebucheintrag)

Sondern aktiv:
"Du bist so ein Idiot. Wieso kannst du Paula nicht in ruhe lassen. Sie kann nichts dafür dass sie fett ist" sagte ich
"Du kannst auch nur schwareln. Hast ja auch nur dabei gestanden" da hab ich ihm so eine gepfeffert, das es knallt. Er ist purpur rot angelaufen kann ich dir sagen (vielleicht schreibt sie das Tagebuch so wie einen Brief an eine Freundin?) und einfach davon gestampft ...

Wenn du immer mit einem Datum anfängst und ab und zu ein paar Passagen über die Gedankten deiner Protagonistin schreibst, dann sollte klar sein, dass es sich um Tagebucheinträge handelt. Wie aktiv du den Rest schreibst und wie viel du zeigst statt zu sagen bleibt dir (und deiner Protagonistin) überlassen.

Beantwortet das deine Frage?
Wenn nicht, einfach nochmal nachhacken. Wie schon gesagt, ich bin mir nicht ganz sicher ob ich dich richtig verstanden habe.
lg
Jacky ;)

PS: Meine nächste Antwort wird ein wenig dauern, ich bin über das WE nicht da und habe auch kein Internet.

von Jacky

 
Liebe Jackie,
ich ahnte schon, dass ich mich zu unklar ausgedrückt habe.

Deiner Erklärung kann ich aber erst einmal gut folgen. Vielen Dank!

Ich versuchs nochmal.

Meine P. ist eine Frau in den 50igern, verheiratet, hat Kinder und ist gläubige Christin.

Gemeinsam mit ihrem Mann siedelt sie von Mitteldeutschland auf die Insel Rügen um und erfüllt sich damit einen Wunschtraum.

Dort trifft sie ihre Jugendliebe, die ein ehem. Klassenkamerad ist, wieder.
Und alles ist wieder da...das ganze Gefühlspaket.
Ihr passiert, was ihr nicht passieren sollte: Sie geht fremd, beginnt eine Affäre.

Nun ist das an sich nichts wirklich Besonderes, aber interessant wird es, sieht man "es" im Lichte des Glaubens. Da gibt es dann schon eine drastische und dramatische Problematik.

Sie erlebt ihren Alltag auf der Insel, den Konflikt mit ihrem Geliebten, mit ihrem Mann.
Ich zeige auch Beipiele anderer Partnerschaften.

Um ein klares Bild innerlich wie äußerlich zu erhalten, beginnt die Prot. Tagebuch in ICH-From zu schreiben.

Ich habe es mit der Jahreszahl als Überschrift eingeflochten, in der das Geschehen stattfindet.

Z.B.:

Emma 1969
(die Jahreszahl ändert sich natürlich, weil Emmas Erleben nicht nur auf das eine Jahr fixiert ist.)
TextTextText

Weiter geht es mit einem neuen Kapitel.

Mich interessiert, ob diese Art von Rückblenden funktionieren kann.
Es ist wie ein Buch im Buch - oder so ...


Ich wünsche Dir ein gutes Wochenende!
Lass Dir ruhig Zeit..

Isga

von Isga

 
Hallo Isga,

ich glaube ich habe es jetzt so weit verstanden, aber bevor ich mehr schreibe noch eine Sache: Ist die ganze Geschichte als Tagebuch geschrieben (so in der Richtung wie Anne Frank, die ich für Tagebuchgeschichten als Beispiel guten Gewissens empfehlen kann) oder sind nur manche Kapitel Tagebucheinträge und der Rest ist "normale" Geschichte (Welche Perspektive, "ich", "sie")?

lg
Jacky ;)

von Jacky

 
Hallo, liebe Jacky,

nein, nicht wie Anne Frank, sondern es sind nur ein paar Kapitel als Tagebuch geschrieben/gedacht.
Z.B.: Emma erlebt einen ganz normalen Tag mit seinen Höhen und Tiefen. Am Abend geht sie in ihr Zimmer o.ä. und beginnt, Tagebuch zu schreiben, um das Problem, um das es eben in der Geschichte geht, besser verarbeiten zu können, da es mit ihrer Vergangenheit zu tun hat.
Da setzt die Rückblende ein...
Und so wird es ab und zu sein.
Emma schreibt Tagebuch...und dann versinkt der Leser mit ihr in der Vergangenheit.

Ansonsten wird durchgängig eine Geschichte erzählt.

Ich habe mir mitlerweile auch überlegt, ob es vielleicht besser wäre, mit der Vergangenheit als HEUTE zu beginnen und dann chronologisch fortzufahren.

Allerdings müsste ich alles (schrei! 21 Kapitel!!!)) total umstellen und es ergäbe schon ein anderes Bild.

Dennoch möchte ich, dass es stimmig wird und der Leser die Story nachvollziehen kann.

Danke, dass Du Dir meinen Kopf zerbrichst! :wink:

Herzliche Grüße!
Isga

von Isga

 
Ich denke mit dem Satz
Isga hat geschrieben:Emma schreibt Tagebuch...und dann versinkt der Leser mit ihr in der Vergangenheit.

Hast du das Wichtigste eigentlich schon erfasst: der Leser versinkt in der Vergangenheit und somit wird sie zur eigentlich aktiven Zeit. So lange du aktiv erzählst, so lange dinge wirklich passieren, der Leser sie miterlebt, macht es auch Spaß zu lesen.

Ein kleiner Tipp:
Such eine Stelle heraus, wo so ein Umschwung von Realität zu Tagebuch passiert. Leg die Geschichte für einen Tag zur Seite. Dann mach es dir irgendwo gemütlich und stell dir vor du wärst der Leser. Du hast die Geschichte noch nie zu vor gehört und bist mitten drin (hast ja extra eine mitten-drin-Szene rausgesucht). Dann geht es in den "Tagebuch-Modus". Ist die Geschichte immer noch aktiv? Hast du immer noch das Gefühl, dass die Dinge gerade erst geschehen (obwohl du ja weißt, dass es Vergangenheit ist)? Macht es noch Spaß zu lesen? Oder ist es nur eine langweilige Aneinanderreihung von Ereignissen, von der du hoffst, dass sie bald vorbei ist?

Danach weißt du sicher selbst am besten welche Methode für dich die Richtige ist.

Mich würde sehr interessieren, für welche der beiden Varianten du dich am Ende entschieden hast und vor Allem welcher Beweggrund den Ausschlag gegeben hat.

lg
Jacky ;)

von Jacky

 
Welch schnelle Antwort! Wow! :lol:

Als ich las:
Dann mach es dir irgendwo gemütlich und stell dir vor du wärst der Leser. Du hast die Geschichte noch nie zu vor gehört und bist mitten drin (hast ja extra eine mitten-drin-Szene rausgesucht). Dann geht es in den "Tagebuch-Modus". Ist die Geschichte immer noch aktiv? Hast du immer noch das Gefühl, dass die Dinge gerade erst geschehen (obwohl du ja weißt, dass es Vergangenheit ist)?

...wurde es mir klar: Ich schreibe so weiter wie begonnen, weil die Rückblenden wirklich aktiv sind und Dinge geschehen, die - von denen ich denke - dass sie spannend genug sind, um darauf im HEUTE weiter aufzubauen, bzw. weil die Auflösung, die Antwort der damaligen Geschehnisse im HEUTE liegen.

Ich glaube, würde ich schön chronologisch (in diesem-meinem Fall) erzählen, würde das Ganze ziemlich trocken und normal werden.
Gerade, weil man es am Anfang mit einer Emma um die 50 zu tun hat, vermutet man diese Vergangenheit nicht sofort.
Es dauert ein wenig, ehe die Karten auf dem Tisch liegen... :wink:
Allerdings führe ich auch nicht unnötig die Leser an der Naser herum, denk ich...

Ich setze mich aber dennoch in die Ecke und lese...
Doppelt genäht hält besser, ne?

Lieben Dank für Deine Hilfe, nach der ich mir doch nun recht sicher bin und die mir gut getan hat. 8)

Isga

von Isga

 
Freut mich, dann erfolgreiches Kreieren
lg
Jacky ;)

von Jacky

 
DANKE! :lol:

Isga

von Isga

 
Ich denke, es gibt wirklich nur zwei Methoden.
Alle Versuche tendieren wohl immer zur einen oder zur anderen Seite.

Methode 1:
Rückblende mit Jahreszahlen.
Ich finde das eigentlich gut.
Leider kann ich mich nicht mehr an das Buch erinnern, in dem das praktiziert wurde. (Ich glaube, es waren sogar mehrere - vielleicht fallen
mir die Titel ja mal wieder ein [bin ein schlechter Titelmerker :oops:]).

Jedenfalls war das kapitelweise angeordnet.
Da hatte man als Leser schon die Vorabinfo, dass der Scheinwerfer jetzt zur anderen Zeitzone schwenkt - und wenn es aktiv und spannend geschrieben ist, treffen sich dann beide Zeitzonen an einem Punkt, an dem die Auflösung erfolgt oder der Handlungsrahmen seine Wende erfährt, und das Warum und Weshalb seine Offenbarung findet.

Methode 2:
Weichzeichnen, sanfte Übergänge.

Um bei Deinem Beispiel zu bleiben:

Sie saß am Schreibtisch und dachte nach. Ach, damals, 1958, was war das für eine Zeit gewesen. Langsam driftete sie in die Vergangenheit ab.

...TextTextTextTextText, der die Vegangenheit beschreibt....jetzt leiser Übergang:
Wie schön war es, als sie mit Martin unter der Buch stand und er ihr endlich sagte, dass er sie sehr lieb habe.
Damals hatte die Buche schon herbstlich gefärbte Blätter, genau wie die Buche heute vor ihrem Fenster.
Langsam kehrte Maritta aus ihrem Wachtraum zurück und sie registrierte, dass der Herbst - heute wie damals - sich nicht hintern lassen würde, zur gegeben Zeit Einzug zu halten.
Sie erhob sich und lief in die Küche, um sich ein Brötchen zu schmieren...

Oder so.
:wink:

Herzlichst,
Isga

von Isga

 
Hallo jacky & isga,

zunächst habe ich mir gestern spätabends Eure Tipps: wenn die Gedanken Purzelbäume rückwarts schlagen, wie man diese Zeitsprünge zu Papier bringt, angeschaut.
Ist ja nun egal, welche Art von Genre und Stil man schreibt, ihr versteht mich sicher :cry: :cry: :cry: , sollte das Handwerkliche doch sitzen.

Eure Vorgehensweise, wie Ihr sie geschildert habt, fand ich interessant und anregend zugleich.

Ich gehe manchmal mit der "Holzhammer-Methode" vor ohne Jahreszahlen einzufügen. Weil, im wirklichen Leben das Erinnern oft ruckartig passiert und ebenso schnell wieder verebbt, da uns die Hier-und Jetzt-Realität aus unseren melancholischen Wachträumen zurückholt.
Dennoch wechsle ich auch oft, wie Isga mit weichen Übergängen vom Jetzt ins Gestern. Durch Telefonläuten, Geräusche o.ä.

Besonders mein "Boys, Girls, Dance, Love & Kiss" - diese Teenager-Tragik-Tragöde in dem die Hauptfigur ihre Tagebucheinträge aus den 60er und 70er Jahren aufarbeitet und dabei oft die Tür der Vergangenheit öffnet, hat mir beim Schreiben einiges abverlangt.
Augrund des desaströsen Mutter-Tochter-Verhältnisses vestrickt sich Cleo oft in Gedächtnisperlen ihrer Kindheit, sie ist überzeugt darin liegt der Generalschlüssel für ihr bisheriges Leben.

Ich weiß das ist nicht Eure Roman-Welt und "Niveau" aber darum geht es ja nicht - wohl eher, wie man als Geschichtenerzählerin diese Hürde "meistert".

@isga

musste eben lächeln über Deinen Schlusssatz: wie kommt man von hier
in die Plauderecke. Ich bin auch so ein Nicht-Technik-Genie.

Noch ein bisserl Schmaltalk am Samstagmorgen:

Sag mal, Du bist aus Chemnitz, eh nöööö! Kennst Du Plauen???

Freue mich wieder auf fachliche Tipps aus der Schreibwerkstatt, denn niemand ist perfekt und man lernt nie aus.

Tschüssi, einen schönen Sonntag

Lissy

von Lissy

 
Das Problem bei Rückblenden ist nicht, dass diese grundsätzlich oder auch nur tendenziell langweiliger sind als der Haupttext, denn das sind sie nicht, sondern dass der Leser aus dem natürlichen Fluss gerissen und in eine andere Zeit versetzt wird. Es gibt ja auch den Grundsatz, je kürzer die Geschichte, desto weniger Rückblenden.

Obwohl ich ebenfalls Rückblenden meide wie Beelzebub das Weihwasser, geht es eben nicht immer ohne. Dabei stellt mich die Frage, wie ich vom Haupttext in die Rückblende und wieder zurück wechsle vor genau dasselbe Problem wie Dich. Ich meine (seufzend, zähneknirschend usw.): Es gibt keine elegante Lösung, je direkter das geschieht, desto mehr kennt sich wenigstens der Leser aus. Und um den geht es schließlich.

In meiner Erzählung "Haikiki" habe ich mir mit folgendem Trick geholfen: "Ja, so war das gewesen, damals ..." tunlichst am Ende einer Szene bzw. am Anfang der folgenden. Dazu sollte man wissen, dass ich die einzelnen Szenen mit zwei Leerzeilen abtrenne und der folgende Absatz mit einer Initiale beginnt.

Für mein Empfinden ist das die Brutalo-Methode, aber das Gelbe vom Ei zu finden war auch mir noch nicht vergönnt. Jedenfalls weiss der Leser, wo es lang geht.


zorro

PS: Apropos Beelzebub. Das leitet sich vom Arabischen ab: Bil Sabab, zu deutsch: Der Mann mit einem Ziel. Das schreit doch förmlich nach einer Geschichte ... Die Verunglimpfung einer verdienstvollen Figur aus mythischen Zeiten durch die Amtskirche.

von zorro

 
Angeregt durch diese Diskussion habe ich mir meinen eigenen Fundus durchgesehen und bin auf Folgendes gestossen:

Größere Rückblenden verpacke ich gelegentlich in direkte Rede, oder der Charakter schreibt ein Tagebuch, einen Brief, einen Bericht oder überhaupt ein Buch und die Rückblende bildet z.b. das Vorwort davon.

Kleinere Rückblenden (das geht bis zu einem eingeschobenen Nebensatz) sollten wir unbedingt sprachlich korrekt behandeln, nämlich, mit dem "hatten".

Ich bin unbedingt der Meinung, dass es für den Leser erkenntlich sein soll, dass es sich um eine Rückblende handelt, weil das, was in der Rückblende passiert, vor dem eigentlichen Geschehen vorgefallen ist. Insoweit sind Ratschläge, wie "Schnell rein und wieder rauswerfen, bevor der Leser merkt, was Sache ist" oder "Bleib in deiner Zeit" kontraproduktiv.

Sie erschweren dem Leser das Verständnis, weil ihm solches Vorgehen vorgaukelt, es handle sich eben nicht um eine Rückblende. Das ist aber falsch. Irgendwann kommt der Leser dahinter und ist verärgert.

Leider ist dieser Punkt da, wenn ihm "etwas komisch" vorkommt, weil er das Gefühl hat, die Geschichte nicht mehr richtig zu verstehen. Der Leser fühlt richtig, weil wir ihm eine falsche zeitliche Linie vorgegaukelt haben, die gar nicht der inneren Logik der Ereignisse entspricht. Dann muss der Leser in seiner Gedankenwelt die Geschichte korrigieren. Er bedankt sich mit Verärgerung. Wir kommen dem Leser also in keiner Weise entgegen.

Derlei Ratschläge entstehen aus der Befürchtung, der Leser könnte die Lektüre abbrechen, nur weil ihm eine Rückblende vorgesetzt wird. So dramatisch sehe ich das nicht. Rückblenden sind gang und gäbe. Wir dürfen ruhig davon ausgehen, dass der Druchschnittsleser damit nicht überfordert ist, ausser wir schreiben für Kinder.

Gehen wir aber den umgekehrten Weg, nämlich eine Rückblende als solche zu kennzeichnen und trotzdem eine sprachlich elegante Schnittstelle zum Haupttext zu finden, stehen wir vor der Kardinalfrage: Wie?

Dieser entgehen wir, wenn wir Rückblenden vermeiden. Sollte es ein Buch geben, in der das Thema auf eindrucksvolle Weise gemeistert wurde, sage ich: Ausnahmen bestätigen die Regel (und heben diese nicht etwa auf).

Das erinnert mich an einen klugen Spruch, den jemand, dessen Name mir entfallen ist, gesagt hat: Man kann Fehler korrigieren oder kultivieren.

zorro

von zorro

 
Hallo Ihr Lieben,

mit Interesse habe ich Eure angerende Diskussion verfolgt.

Da ich in meiner Teenager-Tragik-Komödie:

"Boys, Girls, Dance, Love & Kiss" oft die Vergangenheitstür Cleo' aus den 60er und 70er Jahren öffnete, rauchte" mein Schreibköpfchen dabei gewaltig. :evil: :evil: :evil:

Immer auf der Suche nach plausiblen Übergängen für den Leser, wenn die Hauptperson durch Blättern in ihrem Tagebuch vom Jetzt ins Gestern, gewaltige Gedankenschlenker machte.

Es ist keine "Sandmännchen-Lektüre" und wegen der diversen Zeitschlösser muss man sicher doppelt Acht geben, wie mir Testleser, auch eine Schreibwerstättlerin, die gerade darin liest, bestätigen.

Mal schauen, wenn sie die letzte Seite umgeblättert hat, ob es mir gelungen ist, trotzdem Cleo' Sprünge zwischen den Jahrzehnten verständlich dargelegt zu haben.

Darauf bin ich gespannt, könnt Ihr sicher nachempfinden.
Denn Frollein lernt nie aus und profitiert aus den gewonnenen Einsichten nach dem berühmten Hinterher. :roll: :roll: :roll:

Formen der Übergänge z. B. wie:

Ich überlege, bis mein Gedächtnis endlich das Ziel findet. Gott ich erinnere mich ....

Ich bin mein unbestechlicher Stenograf und Archivar der eigenen Befindlichkeit und die führt mich ins Jahr .... zurück


Ich sitze am Schreibtisch und denke nach.
Ach damals ..., was war das für eine Zeit gewesen. Langsam drifte ich in die Vergangenheit ab .......

Dann den Sprung in die Gegenwart:

Plötzlich reißt mich lautes Surren der Flurklingel aus meiner sentimentalen Erinnerungsschleife ...
o.ä.

Oder Cleo unterhält sich mit ihrer besten Freundin, dann weist schon mal ein Simples: weißt Du noch .... oder erinnerst Du Dich ... darauf hin

Kam das jetzt für Euch, vom handwerklichen Aspekt betrachtet, einigermaßen rüber? :roll: :roll: :roll:

Tschüssi

Lissy

von Lissy

Nächste