Tips, die hilfreich waren...

Tipps, Ratschläge und Hilfen zum Schreiben. Wie machst du das? Hilfe bei Blockaden, Hemmungen und Anfangsschwierigkeiten

Re: Tips, die hilfreich waren...

Beitragvon KingForcemode » 17.02.2015, 22:40

Füllwörter vermeiden. Es verlangsamert das Lesen und verlängert unnötig das Buch.

Füllwörter sind Wörter, die einen geringen Aussagewert haben.
Beispiel:
Das habe ich glatt vergessen.
Da kann man "glatt" entfernen und trotzdem hat das Wort immer noch die (fast) gleiche Bedeutung.

Gute Seite über Füllwörter:
https://www.schreiblabor.com/orthography/filler/
"Wissen ist Macht - Macht ist Wissen" -Francis Bacon
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Re: Tips, die hilfreich waren...

Beitragvon Mohnmuffin » 26.04.2015, 10:30

Anhang an KingForcemodes Post:

Füllwörter sind nicht grundsätzlich zu vermeiden, denn gerade in Wörtlicher Rede beleben sie den Text! Ich kenne beispielsweise eine Autorin, die keine Füllwörter benutzt. Sie schreibt schöne und sprachgewandte Texte, aber alle ihre Figuren, ob Kinder oder Erwachsene, sprechen wie überragende Akademiker und begrenzen sich nur auf tiefsinnige, strikt gekürzte, bedeutungsschwangere Aussagen, in dessen Unterton immer mitschwingt: "Ich habe etwas extrem Wichtiges zu sagen und bin weise und erfahren!" Das kann auf die Dauer Emotionen der Story und Nerven des Lesers rauben.
Deshalb benutze ich Füllwörter auch besonders gern in der Ich-Form, da quasi alles Wörtliche Rede ist. Was andere Texte angeht, kürze ich sie im Nachhinein weg. Je nach Figur können also ein paar gezielte Füllwörter Wunder bewirken.

Liebe Grüße,
Mohnmuffin
Vorsicht, zerbrechlich.
Nicht berühr'n.
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Re: Tips, die hilfreich waren...

Beitragvon fwka92 » 12.06.2015, 14:36

Hier noch ein paar Tips, die ich aus meinem Schreibkunst-Handbuch habe:

  • Stets vor Augen halten für wen man schreibt
  • Es genügt nicht zu sagen, was man denkt -> man muss seine Worte sorgsam wählen
  • Sprachstil sollte lebendig sein und nicht nur korrekt, sondern darf sich auch trauen, "fehlerhaft" zu sein
  • Alle abgeleierten Ausdrücke vermeiden (solche Sprach-Stempel die nichts Besonderes mehr aussagen) -> Auf das Besondere zielen und das Allgemeine vermeiden
  • Es geht beim Schreiben darum Sichtbares, Hörbares, Duft und Geschmack und Tastbares in Bewegung umzusetzen --> Zeigen, statt beschreiben
  • Übergenauigkeit verdirbt --> Andeutungen wirken Wunder
  • Die Redeweisen der Charaktere sollte man nur andeutungsweise abheben
  • Als Anfänger sollte man Charaktere nicht frei erfinden, sondern aus dem persönlichen Leben gewinnen (durch Feldbeobachtung)
  • Als Zeitform eignet sich für Prosa am besten das Imperfekt
  • Der Stil ist ein Mittel und kein Selbstzweck
  • Jedes Fremdwort vermeiden und treffenderen deutschen Ausdruck benutzen
  • Sich möglichst unverwechselbar, präzise und klar ausdrücken
  • Zunächst nur an das Geschehen denken und nicht an die Charaktere
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Re: Tips, die hilfreich waren...

Beitragvon Saftkeks » 13.06.2015, 14:27

People care about people.

aus My story can beat up your story von Jeffrey Schechter.

Ein toller Plot, ein Haufen Konflikte, interessante Settings, das alles nützt nichts, wenn man keine Charaktere hat, die das ganze füllen - sympathische Charaktere, und noch wichtiger, solche, die der Leser schnell erfasst und versteht, mit denen er sich identifizieren kann. Das hat nicht nur etwas damit zu tun, wie facettenreich man seine Hauptfiguren gestaltet, sondern auch damit, dass der Leser gerne länger mit ihnen zusammen bleibt, was wiederum an drei Faktoren hängt:

1. Undeserved Misfortune. Entweder ist der Protagonist zu Beginn der Geschichte bereits in einer miserablen, höchstens teilweise selbst verschuldeten Krise, oder aber er gerät spätestens innerhalb des ersten Akts hinein. Weshalb wohl sind so viele Protagonisten Waisen (reell oder im übertragenen Sinne)?
2. Pet the Dog. Der Protagonist ist nett zu Kindern, alten/benachteiligten Menschen und Tieren. Es gibt kaum etwas wirksameres.
3. Make them quirky. Wenn man nicht in die Klischeefallen der ersten beiden Punkte fallen möchte (was zugegebenermaßen leicht passiert), bleibt immer noch dieser Punkt. Wir alle finden einen leicht verschrobenen Charakter wenn nicht sympathisch zumindest erst einmal lustig. Und das reicht, um uns die nächsten 50 Seiten an ihn zu hängen. Und bis dahin ist hoffentlich etwas spannendes passiert.

Man kann diese Punkte alleine nutzen oder miteinander kombinieren. Sie mögen zunächst stumpf klingen, aber: Sie funktionieren. Warum sollte ich längere Zeit mit einer total durchschnittlichen Hauptfigur abhängen, die nicht einmal Sympathie für Kätzchen zeigt und nicht den leisesten Schimmer von schrulliger Individualität zeigt?

Übrigens funktionieren die drei Werkzeuge (u.U. ins Gegenteil verkehrt) genauso bei der Gestaltung/Einführung des Antagonisten.

Ein vierter Punkt, den der Autor nennt, wenn auch nicht im direkten Zusammenhang mit den oberen dreien, ist Respekt. Beinahe jede (Hollywood-)Hauptfigur kämpft auf irgendeine Weise um Respekt - entweder ihn zu (zurück) zu erlangen, oder ihn zu halten. Und das können Leser sehr gut nachempfinden. Das Gefühl, abgelehnt zu werden, ist in seiner Negativität in unseren evolutionären Wurzeln verankert, genauso wie die erhebende Erleichterung, ein respektierter Teil einer Gruppe zu sein...

Jeffrey Schechter hat zwar ein Buch über das Entwerfen von hollywoodtauglichen Drehbüchern geschrieben, aber auch für echte Bücher kann man viel über publikumswirksames Storytelling lernen. Meines Wissens nach gibt es das Buch jedoch nur auf Englisch. Dafür ist es kurz, unterhaltsam, und ungemein informativ. Welchen Schuh man seiner Geschichte am Ende anzieht, bleibt einem schließlich selbst überlassen.
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Re: Tips, die hilfreich waren...

Beitragvon Mefla » 30.09.2015, 20:15

Ich finde, bei den ganzen "man muss sich mit dem Hauptcharakter identifizieren können" musste ich mal einschreiten. Klar, es ist immer hilfreich, vor allem für Einsteiger. Eine Protagonistin, in die man sich nicht hineinversetzen kann, wird schnell langweilig, was der Geschichte zu schafen macht. So habe ich das bei Eona - Drachentochter erlebt. Ich konnte mit ihr überhauptnichts anfangen und habe dieses Buch nur gelesen, weil ich kein Buch angefangen zurückstellen möchte. Aber wenn dieser Charakter nicht sympathisch ist, kann man ihn/sie auch einfach faszinierend machen; ihm exotische, unverständliche, interessante,... Züge geben, die dafür sorfen, dass man einfach mehr über den Prota erfahren will. So ist das bei meinem aktuellen Projekt. Ich habe am Anfang zwei Charaktere, der eine ist völlig sympathisch und verständlich. Die andere ist eine Auftragsmörderin, in die sich jetzt nicht jeder hineinversetzen kann. Der Anfang wird sehr aus Sicht der Meuchelmörderin erzählt und ich habe bisher eigentlich nur gute Kritik zurückbekommen. Damit die Geschichte aber nicht vielleicht doch zu komisch erscheint, werden auch anfangs immer wieder Szenen aus der völlig anderen Sichtweise des Durchschnittstyps erzählt, bis man schließlich so viel über sie erfährt, dass man sich mit ihr anfreunden kann. Immerhin wird sie bis zu einem gewissen Punkt immer nur als "sie" bezeichnet, da ihr Name noch nocht enthüllt wurde.

Auch mit diesem "Zeigen, statt beschreiben" kann ich recht wenig anfagen. Irgendwie verstehe ich den Unterschied nicht. Bei allen Beispielen, die ich bisher gelesen habe wurde die Szene einfach nur detallierter beschrieben... Und ich hatte ein sehr schreckliches Buch gelesen, dass vor lauter Beschreibungen zerstört wurde, daher lasse ich lieber ab und zu dem Leser seine Fantasie.

Tipps, die mir geholfen haben, wären:
- Nicht den Spaß verlieren! Wenn es sein muss, einfach mal eine zusammenhanglose, lustige Szene für sich schreiben
- Keinen zu genauen Plan machen. Ich habe den im Laufe meines Projektes schon zu oft überarbeiten müssen, um Logik zu behalten. Damit wäre ich auch beim nächsten Punkt:
- Logik beachten, auch wenn es Fantasy ist. Es ist nicht sehr verständlich, wenn zwei Charaktere streiten und im nächsten Moment vertraut zusammenarbeiten, weil es für den Plot halt wichtig ist.

Ansonsten war hier schon sehr viel Wichtiges genannt, was aber nicht bedeutet, dass eine Geschichte, die die hier genannten Kriterien nicht erfüllt, zwangsläufig scheitern wird.

Nur nicht den Mut verlieren!
LG Mefla
Wörter wirken auf einer Ebene, die nichts anderes zu berühren vermag
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Re: Tips, die hilfreich waren...

Beitragvon mareis » 18.10.2015, 15:49

Check deine Adjektive! Kann man nie oft genug hören :)
In meinem Fall muss ich mich auch oft genug selbst an der Nase nehmen. Manchmal fällt es einem einfach echt schwer sich von seinen sorgfältig ersonnen Babies zu trennen, aber man muss da einfach durch.
Alles Liebe, Mareis
If art is to nourish the roots of our culture, society must set the artist free to follow his vision wherever it takes him.
- John F Kennedy
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Re: Tips, die hilfreich waren...

Beitragvon Milch » 18.10.2015, 16:33

fwka92 hat geschrieben:[*]Es geht beim Schreiben darum Sichtbares, Hörbares, Duft und Geschmack und Tastbares in Bewegung umzusetzen --> Zeigen, statt beschreiben


Nee, das ist nicht Show, don't tell, kann es sein, muss es nicht sein.
Show, don't tell würde ich mich Gefühle erzeugen, nicht sie beschreiben.
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Re: Tips, die hilfreich waren...

Beitragvon Silvana91 » 27.10.2015, 14:28

Dann will ich auch mal ein paar Schreib-Tipps mit euch teilen, die ich hilfreich finde und die mich seit geraumer Zeit beim Schreiben begleiten.

Lautes Lesen
Hast du eine Passage geschrieben und liest sie dir laut vor, bekommst du einen guten Eindruck für den Rhythmus und "Flow" deines Textes. Kommst du beim Vorlesen ins Stocken, ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass du die betreffende Stelle überarbeiten solltest. Denn wie heißt es so schön: "Der Text muss fließen!"
Manchmal genügt es, einen Satz umzustellen.

"Wie"-Vergleiche
Ein Freund meinte, "wie"-Vergleiche seien für ihn nichts anderes als krampfhafte Versuche, um auf alle Kosten "poetisch" zu sein – er mag sie nicht. Natürlich ist das Geschmackssache. Ich bin weiterhin ein Fan von "wie"-Vergleichen, sein Hinweis hat mich aber vorsichtiger werden lassen: Ich gehe sparsamer mit ihnen um und verwende sie nur noch dann, wenn ich das damit evozierte Bild wirklich stark und aussagekräftig finde (aber das sollte wohl für alles gelten, was man schreibt).

Achtung vor der Adjektiv-Lawine!
Eine Prof sagte einmal: "Sehen Sie sich die Trivialliteratur an: Da wimmelt es nur so von Adjektiven!"
Ihre Bemerkung hat mich aufhorchen lassen und als ich ältere Texte von mir zur Hand nahm, fiel mir auf, dass ich früher tatsächlich gerne mit Adjektiven um mich geschmissen habe – je mehr, desto besser. Jedes Substantiv musste von mir damals mit mindestens zwei Adjektiven versehen werden. Das las sich dann etwa so:
A., der ihr gegenüber, hinter einem alten, massiven Schreibtisch saß, räusperte sich. Er war von großer, kräftiger Statur und hatte ein breites, kantiges Gesicht und einen ernsthaften Zug um den Mund …
Mit dem Gebrauch von Adjektiven können wir die Welt und die Figuren unserer Geschichte vor den Augen des Lesers plastisch werden lassen. Überladen wir unsere Texte damit, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir den Leser ermüden und ihn unter unserer Adjektiv-Lawine begraben. Deshalb ist weniger manchmal mehr.

Schau nicht zurück!
Wollte ich an einem Text weiterschreiben, habe ich früher oft den Fehler gemacht, an seinen Anfang zu scrollen und ihn wieder – ganz von vorne – durchzulesen.
Wenn es sich dabei um eine Kurzgeschichte oder kurze Erzählung handelt, mag das kein Problem sein. Bei längeren Texten (Stichwort: Roman) tust du dir damit keinen Gefallen. Ich wollte auf diese Weise wieder in die Geschichte "hineinfinden" und ihre Stimmung aufgreifen, Ergebnis war jedoch, dass ich beim Lesen der Verführung nicht widerstehen konnte, das bereits Geschriebene zu überarbeiten und mich dabei an Kleinigkeiten aufzuhalten – das Weiterschreiben, mein eigentliches Ziel, blieb dagegen auf der Strecke.
Daher mein Ratschlag: Lies nur die zwei, drei unmittelbar vorangehenden Seiten – das sollte genügen, um wieder die "Stimme" deines Texts zu verinnerlichen. Sobald du das Manuskript in seiner Rohfassung fertiggestellt hast, hast du dann reichlich Gelegenheit, dich an den nötigen Feinschliff zu machen.

Ich wünsche euch alles Gute bei euren Schreibprojekten. Und: immer schön weiterschreiben!
:plotfeder:
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Re: Tips, die hilfreich waren...

Beitragvon Schamanta » 31.10.2015, 22:42

Die Adjektiv Lawine! :lol: Haha sehr gut ausgedrückt, das kenne ich von anderen Büchern und stimmt da rollt man so manches Mal mit den Augen wenn das kommt.
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