[NonFik]Tränen in der Nacht (shortly modified)

Historisches, Kindergeschichten, Theater und alles, was kein Forum findet
Bitte benutze in diesem Forum ein eindeutiges Tag für dein Werk!

[NonFik]Tränen in der Nacht (shortly modified)

Beitragvon feepz » 06.01.2015, 13:50

Gedanken einer Trauernden...

Gefühle kommen und gehen. Lachen und weinen. Ein ewiger Kreislauf. Manche von uns stellen ihre Gefühle zur Schau. Schlachten sie öffentlich aus und profitieren davon. Andere weinen hinter verschlossenen Türen. Tief in der Nacht. Sie hüten ihren Schmerz, wie ein kostbares Gut verschließen sie ihn in ihrem Inneren. Nur manchmal holen sie ihn hervor um ihn im Zwielicht der Nachttischlampe zu begutachten. Doch egal wie mit Schmerz und Trauer verfahren wird, sie gehören zu jedem Einzelnen von uns. Gefühle sind die Triebfeder des Lebens. Ohne Schmerz keine Freude. Ohne Liebe keine Qual. Manche Menschen gehen durchs Leben, ohne besondere Trauer zu erfahren. Das Meer ihres Daseins wird nur von kleinen Böen bewegt. Doch verpassen sie dadurch auch die heißen Wogen überbordenden Glücks. Den Regenbogen aus neonfarbenen Schmetterlingen, Zuckerwatte und rosa Lebkuchenherzen. Das Gefühl auf Wolken zu schweben, obwohl der Magen angefüllt ist mit kochend heißer Buchstabensuppe. Nur Trauer schafft wahres Glück. Wer erfahren hat, wie bodenlos, reißend und scheinbar allmächtig die Trauer sein kann, der weiß ihre Abwesenheit zu schätzen.

Eine geliebte Person zu verlieren, hinterlässt ein Vakuum im Leben, welches man mit allen Mitteln zu stopfen sucht. Mancher findet Zuflucht im Glauben, anderer im Rausch von Alkohol oder Drogen. Der nächste wirft sich in die trügerischen Arme zahlloser Affären. Doch nur durch die Akzeptanz des Vakuums. Durch die Anerkennung der Lücke, welche der Verlust hervorgerufen hat, kann man den Schmerz überwinden. Die Trauer bleibt, aber sie frisst einen nicht mehr innerlich auf. Die Erinnerung behält ihren bitter süßen Geschmack, bohrt sich jedoch nicht mehr mit Zähnen und Klauen durch das Bewusstsein. Zerreißt einem nicht mehr mit glühenden Haken das Herz und treibt auch nicht mehr den Puls in die Höhe wenn man des Nächtens aufwacht. Das beklemmende, grauenerregende Gefühl, das von einem Besitz ergreift. Die Gedanken, die man nicht abschütteln kann. Die nicht fortgehen wollen. Auch nicht wenn man die Hände, so fest es geht, gegen die Schläfen presst und versucht, die Erinnerung aus sich herauszuschütteln. Der unbändige Wunsch, den Kopf gegen die Wand zu schlagen, damit es endlich aufhört. Die Fragen endlich verschwinden: „Warum war ich nicht da? Hätte ich nicht anders handeln können? Weshalb waren mir andere Dinge wichtiger?“ Der Drang, sich selbst zu verletzen, wenn man sich von mentalen Krämpfen geschüttelt in die Bettdecke krallt, während Rotz und Tränen das Laken verschmieren. All das wird leichter. Wenn man zulässt und versteht, das manche Risse sich nicht kitten lassen. Das Narben niemals ganz verheilen.

( Das Trauer notwendig ist.) Trauer ist notwendig. Und auch gut. An der Trauer kann man wachsen (wächst man). Oder zerbrechen (Oder zerbricht). ( Doch) Wwem es möglich ist, zu akzeptieren, der wird das reine Glück wieder finden.

(weitere Modifikationen folgen ;) )
Heue mal etwas nachdenklicher...Was meint ihr dazu?
Freue mich über divergierende Denkanstösse. ;)
Glg
feepz
Zuletzt geändert von feepz am 19.01.2015, 12:31, insgesamt 1-mal geändert.
wo ein Wille da ein Umweg
Benutzeravatar
feepz
 
Beiträge: 18
Registriert: 02.06.2014, 13:01
Wohnort: Niederösterreich
Blog: Blog ansehen (10)

Re: Tränen in der Nacht

Beitragvon Kaethe » 07.01.2015, 12:47

Hallo feepz,

ich habe Deinen Text gerade gelesen und lasse Dir ein paar Gedanken da.

Erstmal ein allgemeiner Eindruck:

Mir gefällt Dein Schreibstil und ich finde ihn sehr bildreich. Ich empfinde vieles als anschaulich und kann Deinen Sätzen meist gut folgen. Im letzten Abschnitt ist mir aufgefallen, dass Du sehr viel beschreibst, was nicht mehr ist (bzw. besser auszuhalten ist), aber wenig dazu sagst, wie es denn dann ist. Also, hier fehlen mir persönlich die positiven Bilder und es fällt mir daher schwer, Dir zu glauben, dass die Akzeptanz wirklich etwas ändert. Ich weiß nicht, ob ich mich ausdrücken kann, aber die Bilder die den Schmerz ausdrücken sind so viel vielfältiger und intensiver, dass sie sich nicht auflösen, wenn Du ein nicht davor setzt. So empfinde ich es jedenfalls. Es bleibt ein "Schmerztext", obwohl ich das Gefühl habe, dass es auch ein "Hoffnungstext" sein soll. Da würde ich jetzt fragen, wie sieht der Morgen aus, wenn das erste Licht auf die Wunden fällt und sich die Akzeptanz ihren Weg bahnt...

Manche von uns stellen ihre Gefühle zur Schau. Schlachten sie öffentlich aus und profitieren davon. Andere weinen hinter verschlossenen Türen. Tief in der Nacht. Sie hüten ihren Schmerz, wie ein kostbares Gut verschließen sie ihn in ihrem Inneren. Nur manchmal holen sie ihn hervor um ihn im Zwielicht der Nachttischlampe zu begutachten


Diese Sätze gefallen mir sehr gut. Du zeigst ein breites Spektrum vom Umgang mit Gefühlen auf und veranschaulichst damit für mich, dass es einfach jeden angeht, auch wenn ich es nicht bei allen mitbekomme.

Ohne Schmerz keine Freude. Ohne Liebe keine Qual. Manche Menschen gehen durchs Leben, ohne besondere Trauer zu erfahren. Das Meer ihres Daseins wird nur von kleinen Böen bewegt. Doch verpassen sie dadurch auch die heißen Wogen überbordenden Glücks. Den Regenbogen aus neonfarbenen Schmetterlingen, Zuckerwatte und rosa Lebkuchenherzen.


Hier spüre ich, dass eine Gegenrede in mir aufkommt. Also, das ist jetzt eher inhaltlicher Natur. Ist das denn wirklich so? Ich fände das ärgerlich und ärgere mich auch manchmal darüber, wenn das so pauschalisierend gesagt wird und ich würde nicht unbedingt zustimmen oder mir anmaßen wollen zu behaupten, dass Menschen, die nicht die schlimmsten Qualen erlitten haben, nicht fähig wären tiefes Glück zu empfinden. Das fällt mir an einigen Stellen Deines Textes auf. Er erscheint mir sehr verallgemeinernd. Ich kann mir das innerhalb einer Geschichte oder aus einer bestimmten Perspektive sehr gut vorstellen - so ganz losgelöst, wirkt es auf mich manchmal ein bisschen zu sehr nach einem: So-ist-es-und-nicht-anders. Aber das ist wirklich nur eine persönliche Einstellung.

Bei dem Satz mit dem Regenbogen musste ich den Text zweimal lesen, weil mir nicht so ganz klar war, wie der Regenbogen aussehen sollte und ich habe gemerkt, dass der Regenbogen für mich eher für Wechsel und Hoffnung steht, als für Glück.

Das Gefühl auf Wolken zu schweben, obwohl der Magen angefüllt ist mit kochend heißer Buchstabensuppe.


Ich mag das Bild mit der Buchstabensuppe und kann trotzdem nicht so recht etwas damit anfangen. Steht sie für etwas bestimmtes oder wird nur der Gegensatz beschrieben zwischen leicht und schwer?

Eine geliebte Person zu verlieren, hinterlässt ein Vakuum im Leben, welches man mit allen Mitteln zu stopfen sucht.


Den Übergang finde ich gut. Da es im ersten Abschnitt sehr allgemein um Gefühle ging, fand ich es schön, dass es jetzt doch konkreter wurde und ich mir eine Situation vorstellen konnte und mehr Möglichkeiten hatten, mich in die Lage hineinzusetzen.

Durch die Anerkennung der Lücke, welche der Verlust hervorgerufen hat, kann man den Schmerz überwinden. Die Trauer bleibt, aber sie frisst einen nicht mehr innerlich auf. Die Erinnerung behält ihren bitter süßen Geschmack, bohrt sich jedoch nicht mehr mit Zähnen und Klauen durch das Bewusstsein. Zerreißt einem nicht mehr mit glühenden Haken das Herz und treibt auch nicht mehr den Puls in die Höhe wenn man des Nächtens aufwacht. Das beklemmende, grauenerregende Gefühl, das von einem Besitz ergreift. Die Gedanken, die man nicht abschütteln kann. Die nicht fortgehen wollen. Auch nicht wenn man die Hände, so fest es geht, gegen die Schläfen presst und versucht, die Erinnerung aus sich herauszuschütteln. Der unbändige Wunsch, den Kopf gegen die Wand zu schlagen, damit es endlich aufhört. Die Fragen endlich verschwinden: „Warum war ich nicht da? Hätte ich nicht anders handeln können? Weshalb waren mir andere Dinge wichtiger?“ Der Drang, sich selbst zu verletzen, wenn man sich von mentalen Krämpfen geschüttelt in die Bettdecke krallt, während Rotz und Tränen das Laken verschmieren. All das wird leichter.


Diesen Absatz meinte ich weiter oben. Hier fehlt mir der Hinweis, wie das funktionieren soll mit dem Anerkennen. Verzeihen oder Versöhnung wäre für mich ein ähnliches Beispiel. Bestimmt wird einiges leichter dadurch, dem Leben oder einem Menschen zu verzeihen - aber wie geht das, wenn ich zerfressen bin vom Schmerz? Du findest so viele Bilder für das "andere", ich bin mir sicher, dass Du auch Bilder für diesen Moment der Akzeptanz findest. Darauf wäre ich sehr neugierig.

Ich weiß nicht, ob Du mit den Anmerkungen etwas anfangen kannst. Vergiss sie einfach, wenn es an dem vorbei geht, was Dir wichtig ist.

Danke für die vielen Bilder. Die haben mir wirklich Freude gemacht.

Viele Grüße

Kaethe
Kaethe
 
Beiträge: 11
Registriert: 14.10.2013, 21:32
Wohnort: Mainz

Re: Tränen in der Nacht

Beitragvon feepz » 07.01.2015, 22:34

Liebe Kaethe!

Vielen herzlichen Dank für deine Anregungen und vor allem für das große Lob! Dankeschön!

Kaethe hat geschrieben: es fällt mir daher schwer, Dir zu glauben, dass die Akzeptanz wirklich etwas ändert.


Das ist wirklich ein guter Denkanstoß, vielleicht liegt es daran, dass mir selbst die Akzeptanz nicht jeden Tag gleich leicht bzw. schwer fällt. Aber es wäre eine lohnende Erweiterung, noch einen dritten Teil einzufügen in dem das „Danach“ geschildert wir. Danke auch dafür!

Mit den Verallgemeinerungen ist das so eine Sache. Natürlich wollte ich mit meinem Text nicht ausrücken, dass man erst Höllenqualen erleiden muss um glücklich sein zu können. Ich will auch nicht wie der 'Ich hab die Weisheit mit dem Löffel gefressen' Charakter erscheinen. Was ich sagen will ist, das es Menschen gibt, die eher in ruhigeren Gefilden fühlen und auch Menschen, die Achterbahn fahren von zu Tode betrübt bis himmelhoch jauchzend. Und natürlich gibt es auch alles dazwischen. Da ich eher zu zweiteren Gruppe gehöre klang es in meinem Text vielleicht eher so, als würde ich den ersteren tiefe Gefühle absprechen. Dem ist nicht so. Nur wären wir jeden Tag glücklich, jeden Tag zufrieden, von Geburt an, so wüssten wir mit diesem Glück nicht umzugehen. Wer Trauer kennt, weiß zu schätzen was es heißt, Glück zu empfinden. Wobei Trauer hier auch ein schlechter Tag im Büro, ein überfahrenes Eichhörnchen oder ein verlorener Lutscher sein kann. Mir ging es eher darum, die Intensivität der Gefühlsebenen hervorzuheben, auf denen man wandelt, wenn man etwas sehr drastisches erlebt hat. Die Dankbarkeit, die man empfindet, wenn man nicht nur weiß, sondern fühlt wie es ist, wenn das Glück einen verlässt. Ich werde mir die Stelle jedenfalls nochmals zu Brust nehmen. ;)


Der Regenbogen bezieht sich nicht unbedingt nur auf das Glück an sich, sondern ist eher eine Mischung aus allem. Den Weg dorthin, die Dankbarkeit, die Hoffnung, einfach alles. Du empfindest reines Glück und der Regenbogen bringt dich dort hin. Mit Zuckerwatte, Einhörnern und rosa Flauschi-Socken! ;)

Die Buchstabensuppe - man könnte sie sicher durch etwas anderes ersetzen. Ganz persönlich gesehen stellt sie für mich eine schöne Kindheitserinnerung dar, aber ebenso ein passendes Bild, wie du sagst, für die tatsächliche Schwere – mit vollem Magen fliegt sich nicht leicht – als auch die sinnbildliche, da man mit Buchstaben Worte bilden kann, mit Worten Gefühle ausdrücken und Gefühle einen manchmal zu Boden ziehen.


Was verzeihen und Akzeptanz angeht, ich glaube, der Weg zur Akzeptanz muss von jedem selbst kommen. Da gibt es keinen allgemein gültigen Weg. Ich könnte höchstens einen Vorschlag aus persönlicher Perspektive hinzufügen. Das wäre sicher möglich. Ich bin beim Verfassen gar nicht auf die Idee gekommen, das jemand eine Antwort auf das „Wie?“ von mir haben wollen könnte. Für Schmerz und Trauer gibt es leider kein Allheilmittel. Keine Formel die man aufbetet und befolgt um sie los zu werden. Oder wenn dann kenne ich sie einfach noch nicht! :)

Danke für dein Interesse, ich habe mich sehr gefreut und ich finds wirklich GANZGANZ toll, dass du sagst:

Kaethe hat geschrieben: Danke für die vielen Bilder. Die haben mir wirklich Freude gemacht.


freut mich wirklich ungemein!

Glg
feepz
wo ein Wille da ein Umweg
Benutzeravatar
feepz
 
Beiträge: 18
Registriert: 02.06.2014, 13:01
Wohnort: Niederösterreich
Blog: Blog ansehen (10)

Re: Tränen in der Nacht

Beitragvon BrienaArdan » 07.01.2015, 23:12

Liebe(r) Feepz,

mir gefällt dein Text sehr gut! Ich wurde in deine Art der Beschreibung regelrecht hinein gesogen. :)

feepz hat geschrieben:Sie hüten ihren Schmerz, wie ein kostbares Gut verschließen sie ihn in ihrem Inneren. Nur manchmal holen sie ihn hervor um ihn im Zwielicht der Nachttischlampe zu begutachten.

Schön, wie du hier verallgemeinerst, als wäre es üblich, seinen Schmerz unter einer Nachttischlampe zu analysieren.

feepz hat geschrieben:Die Gedanken, die man nicht abschütteln kann. Die nicht fortgehen wollen.

Auch das finde ich eine nette Passage, als hätten die Gedanken Füße und könnten aktiv gehen.

feepz hat geschrieben:Das Narben niemals ganz verheilen. Das Trauer notwendig ist. Und gut. An der Trauer wächst man. Oder zerbricht. Doch wem es möglich ist, zu akzeptieren, der wird das reine Glück finden.

An dieser Stelle bringt du Disharmonie in das Geschriebene. Erst schreibst du, Trauer ist notwendig und gut, und dass man daran wächst. Und dann ergänzt du "oder zerbricht". Rein logisch wäre es dann aber wohl nicht mehr notwendig und gut. Alle anderen "negativen" Bilder hast du relativiert, beschrieben wie der Schmerz einen erst zum richtigen Glück bringt. Zerbrechen ist jedoch ein Bild, was deinen Kreislauf von Gefühlen "zerbricht". Hier wäre vielleicht hilfreich, noch etwas konkreter zu werden, wie "Zerbrechen" gemeint ist, oder es ggf. zu streichen.

In Bezug auf die Erzählperspektive könnte ich mir gut vorstellen, von diesem verallgemeinernden Stil abzuweichen und entweder über eine konkrete Person oder aus der Ich-Perspektive zu schreiben, das wäre eine schöne Basis für einen Roman. Im Folgenden ein Beispiel, wie ich das meine:
"Der Schmerz ist mein kostbarstes Gut. Manchmal hole ich ihn hervor, um ihn im Zwielicht der Nachttischlampe zu begutachten. Hinter verschlossenen Türen. Tief in der Nacht. Ich gehöre nicht zu denen, die ihre Gefühle zur Schau stellen. So war ich nie, auch nicht als Rachel noch lebte. Doch erst als ich erfahren habe, wie bodenlos, reißend und scheinbar allmächtig die Trauer sein kann, weiß ich ihre Abwesenheit zu schätzen. Nur Trauer schafft wahres Glück. Zuvor war das Meer meines Daseins nur von kleinen Böen bewegt.(...).

Hoffentlich nimmst du mir die Zerpflückung deines Texts nicht übel, ich finde nur, dass da so wahnsinnig viel Potenzial steckt! :wink:

Schöne Grüße,
Briena
Schreiben ist Atmen.
BrienaArdan
 
Beiträge: 13
Registriert: 04.12.2014, 23:40

Re: Tränen in der Nacht

Beitragvon feepz » 08.01.2015, 21:53

Liebe Briena!

Danke für deine "Zerpflückung" wie du es nennst und für das tolle Lob!!
Mit dem Zerbrechen wollte ich vor allem aufzeigen, dass mein Text eben nicht allgemeingültig ist. Manche Menschen schaffen den Weg zur Akzeptanz einfach nicht. Daher der auch etwas abrupte Übergang. Aber ich werde den Text jedenfalls nochmal überarbeiten. Danke für deine Anregungen.
Was die Transformation in eine Geschichte angeht, habe ich noch nicht darüber nachgedacht. Vielleicht!
Danke auf jeden Fall für dein Kommentar!
Hat mich sehr gefreut!!
Glg
feepz (es ist übrigens die! ;) )
wo ein Wille da ein Umweg
Benutzeravatar
feepz
 
Beiträge: 18
Registriert: 02.06.2014, 13:01
Wohnort: Niederösterreich
Blog: Blog ansehen (10)

Re: Tränen in der Nacht

Beitragvon EinfachIch » 13.01.2015, 20:57

Hallo feepz,

ich habe deinen Text bereits vor einigen Tagen gelesen. Ich hoffe es ist für dich in Ordnung wenn ich als unerfahrener Neuling meinen Senf dazu abgebe.

Zuallererst möchte ich loswerden das mir dein Text, insbesondere der erste Abschnitt, im Grunde gefällt. Ich finde du hast da ein paar ganz starke Beschreibungen drin. Auch wenn ich mit dem Thema Trauer nicht wirklich etwas anfangen kann. Aber vielleicht ist es ganz gut es von einer anderen Seite aus zu betrachten.

Gefühle kommen und gehen. Lachen und weinen. Ein ewiger Kreislauf. Manche von uns stellen ihre Gefühle zur Schau. Schlachten sie öffentlich aus und profitieren davon. Andere weinen hinter verschlossenen Türen. Tief in der Nacht. Sie hüten ihren Schmerz, wie ein kostbares Gut verschließen sie ihn in ihrem Inneren.


Den Anfang finde ich wie gesagt richtig Stark. Ich würde es eine schöne „Bildliche Sprache“ nennen. Ich weiß nicht ob man es so nennt aber so empfinde ich es. Insbesondere die Sätze...
Manche von uns stellen ihre Gefühle zur Schau. Schlachten sie öffentlich aus und profitieren davon.
...kann ich gut nachempfinden. Bzw. rufst du damit in mir Bilder oder Erinnerungen wach auf welche diese beiden Sätze passen. Damit und auch mit einigen anderen Beschreibungen kann ich direkt Bilder sehen.

Nur manchmal holen sie ihn hervor um ihn im Zwielicht der Nachttischlampe zu begutachten.

Mit dieser Beschreibung kann ich leider nicht viel anfangen. Wenn ich meinen Schmerz verschließe und ihn dabei gleichzeitig wie einen Schatz hüte, warum hole ich ihn dann hervor um „nur“ ihn zu begutachten? Ich denke mir du willst damit sagen das man sich Nachts im dunkeln, wenn man alleine ist, seinem Schmerz (wie auch immer er aussehen mag) hingibt (?), Ich glaube das „begutachten“ stört mich... ich würde eher sagen das man sich in seinem Schmerz eher „suhlt“ oder sich einer Art von Selbstmitleid hingibt.
„Begutachten“ hat für mich etwas sehr steriles, neutrales und analysierendes an sich. Das würde ich nicht machen wenn ich es wie ein kostbares Gut verschließe. Die Gefahr das es nach diesem Begutachten nicht mehr wertvoll sein könnte, wäre mir zu groß.

Doch egal wie mit Schmerz und Trauer verfahren wird, sie gehören zu jedem Einzelnen von uns.
Hier kommt zum ersten mal die Trauer ins Spiel was mich beim ersten Lesen irgendwie aus der Bahn geworfen hat. Trauer ist Schmerz. Zu beginn bin ich von einem allgemeinen Gefühlsschmerz ausgegangen der auch Trauer mit beinhaltet. Hier scheinst du beides kurz zu trennen. (?)

Gefühle sind die Triebfeder des Lebens. Ohne Schmerz keine Freude. Ohne Liebe keine Qual. Manche Menschen gehen durchs Leben, ohne besondere Trauer zu erfahren. Das Meer ihres Daseins wird nur von kleinen Böen bewegt. Doch verpassen sie dadurch auch die heißen Wogen überbordenden Glücks. Den Regenbogen aus neonfarbenen Schmetterlingen, Zuckerwatte und rosa Lebkuchenherzen. Das Gefühl auf Wolken zu schweben, obwohl der Magen angefüllt ist mit kochend heißer Buchstabensuppe.
Diese Passage rief ein regelrechtes Wechselbad in mir hervor. Besonders schön finde ich dabei die Sätze: „Gefühle sind die Triebfeder des Lebens.“ und „Den Regenbogen aus neonfarbenen Schmetterlingen, Zuckerwatte und rosa Lebkuchenherzen.“ Kurz gesagt, toller Ausdruck und schönes Bild.
Die beiden Sätze: „Ohne Schmerz keine Freude. Ohne Liebe keine Qual.“ haben einen Klischee haften Beigeschmack der mir nicht so recht zu den beiden oberen Sätzen passen will. Obwohl ich auch sagen muss das beides stimmt und eine Daseinsberechtigung hat.
„Das Gefühl auf Wolken zu schweben, obwohl der Magen angefüllt ist mit kochend heißer Buchstabensuppe.“ Wie kann ich auf Wolken schweben wenn ich kochend heiße Suppe im Bauch habe? Ich glaube das „kochend heiß“ stört mich hierbei. Das suggeriert mir einen rein körperlichen Schmerz der mir irgendwie nicht ganz zum Rest passen will.

Nur Trauer schafft wahres Glück. Wer erfahren hat, wie bodenlos, reißend und scheinbar allmächtig die Trauer sein kann, der weiß ihre Abwesenheit zu schätzen.
Warum nur „Trauer“. Sicher ist Trauer ein tiefer Schmerz aber ich für meinen Teil fände eine art von verallgemeinertem „Schmerz“ passender. In etwa so:
Nur Schmerz schafft wahres Glück. Wer erfahren hat, wie bodenlos, reißend und scheinbar allmächtig tiefer Schmerz sein kann, der weiß seine Abwesenheit zu schätzen.

Wie bereits gesagt finde ich diesen ersten Teil am stärksten. Ich kann mit Trauer nicht viel anfangen und habe es für mich eher als „allgemeinen“ Schmerz betrachtet der ja eben auch Trauer mit einbezieht. Vor diesem Ansatz finde ich den Text wirklich gelungen und Bildlich beschrieben.


Noch einige Worte zum zweiten Absatz. Er gehört ja schließlich dazu.
Hier wirst du konkreter was die Trauer betrifft. Und zwar so das es auch für mich nachzuvollziehen ist. „Eine geliebte Person zu verlieren, hinterlässt ein Vakuum im Leben, welches man mit allen Mitteln zu stopfen sucht. Mancher findet Zuflucht im Glauben, anderer im Rausch von Alkohol oder Drogen.“
Der nächste Satz „Der nächste wirft sich in die trügerischen Arme zahlloser Affären.“ hat für mich wieder weniger mit Trauer zu tun. Jedenfalls verstehe ich den Zusammenhang nicht. Warum sollte sich jemand der Trauert in eine Affäre stürzen? Hier würde mir vielleicht eine Begründung fehlen.

„Die Erinnerung behält ihren bitter süßen Geschmack, bohrt sich jedoch nicht mehr mit Zähnen und Klauen durch das Bewusstsein. Zerreißt einem nicht mehr mit glühenden Haken das Herz und treibt auch nicht mehr den Puls in die Höhe wenn man des Nächtens aufwacht.“
Wie kann denn die Erinnerung an einen, ich gehe mal von einem geliebten Menschen aus, einen bitter süßen Geschmack haben? Ist diese Erinnerung nicht das einzige was mir bleibt? Was mir im Schmerz einen zarten hauch von Glück schenken könnte?

Aus deinen Fragen im Text „Die Fragen endlich verschwinden: „Warum war ich nicht da? Hätte ich nicht anders handeln können? Weshalb waren mir andere Dinge wichtiger?“ suggerieren mir das eine Mitschuld am erlittenen Verlust besteht. Dadurch wird mir dann auch wieder einiges klarer, bzw. kann ich einiges anders interpretieren. Wenn es ein Text über Trauer und deren Verarbeitung geht, dann denke ich sollte so etwas eher am Anfang stehen.

Zum Abschluss des Textes sind mir folgende Sätze noch aufgefallen: „Das Trauer notwendig ist. Und gut. An der Trauer wächst man. Oder zerbricht. Doch wem es möglich ist, zu akzeptieren, der wird das reine Glück finden.“ Mit den ersten beiden Sätzen kann ich etwas anfangen und auch nachvollziehen. Aber was ich nicht verstehe ist der Rest. Warum wachse ich an meiner Trauer? Das ich daran zerbrechen kann ist mir klar, das suggeriert mir das Wort Trauer an sich schon. Da fehlt mir irgendwas... vielleicht eine Erklärung oder ein anderes Bild.
Genauso auch dein abschließender Satz. Ich hätte mir etwas gewünscht das vielleicht eine Art Hilfe gibt. Aber ich verstehe nicht ganz wie durch die Akzeptanz das reine Glück finden kann. Vielleicht eher „Ruhe“ oder „Frieden“.


Entschuldige bitte falls ich hier über das Ziel hinausgeschossen bin oder aber alles absolut falsch interpretiere. Ich bin da noch nicht sonderlich bewandert drin. Ich hoffe aber das du, wenn auch nur Ansatzweise, verstehst was ich eigentlich versucht habe zu sagen. Denn der Text bzw. Teile gefallen mir wirklich richtig gut!
Soweit eben meine kleinen Gedanken zum Text, die allerdings nicht viel heißen müssen :roll:
EinfachIch
 
Beiträge: 14
Registriert: 13.01.2015, 17:50

Re: Tränen in der Nacht

Beitragvon feepz » 19.01.2015, 12:58

Hallo EinfachIch!
Danke für deine Anregungen! Es freut mich immer ungemein, herauszufinden wie andere meine Texte aufnehmen, bzw was sie sich darunter vorstellen. Daher: drauflosgesenft! ;)

EinfachIch hat geschrieben: „Begutachten“ hat für mich etwas sehr steriles, neutrales und analysierendes an sich.

Das ist durchaus so beabsichtigt. Da dieser Text aus einer sehr persönlichen und dadurch natürlich subjektiven Perspektive geschrieben ist, strebt er natürlich nicht nach Allgemeingültigkeit. Für manche Menschen, in einer gewissen Phase der Trauer ist es tatsächlich so, dass sie den Schmerz beinahe glorifizieren. In diesen Momenten ist alles was einem im Leben noch bleibt die Trauer. Man ist soweit, dass man den Schmerz spüren WILL, ihn braucht, um sich lebendig zu fühlen. Es steht eine Absicht dahinter. Oder man fühlt sich dermaßen losgelöst vom Leben, dass man den Schmerz wirklich analytisch betrachten kann. Das man wie ein Kind mit einem Holzstock danach sticht, ihn herumdreht und seziert um zu sehen, wann er sich wieder regt. Daher das begutachten. Außerdem finde ich das suhlen einerseits ausgelutscht andererseits finden Schweine suhlen ganz toll. Hunde übrigens auch. ;)

EinfachIch hat geschrieben: Die Gefahr das es nach diesem Begutachten nicht mehr wertvoll sein könnte, wäre mir zu groß.
Dieser Einwand on dir gefällt mir recht gut, ist aber sicher Ansichtssache. Denn nur weil man seinen Schatz genau betrachtet, heißt es nicht zwangsläufig, dass er danach weniger wertvoll erscheint. Kann aber natürlich so sein.

EinfachIch hat geschrieben: Trauer ist Schmerz. Zu beginn bin ich von einem allgemeinen Gefühlsschmerz ausgegangen der auch Trauer mit beinhaltet. Hier scheinst du beides kurz zu trennen. (?)

Guter Einwurf. Allein davon abgesehen, dass ich nicht tausend Wortwiederholungen haben wollte, war das eher eine Instinktive verwendung der beiden Begriffe, keine gewollte Trennung bzw auch eine Überleitung, da sich die restlichen Textpassagen ja mehr auf die Trauer an sich beziehen.

EinfachIch hat geschrieben: Wie kann ich auf Wolken schweben wenn ich kochend heiße Suppe im Bauch habe? Ich glaube das „kochend heiß“ stört mich hierbei. Das suggeriert mir einen rein körperlichen Schmerz der mir irgendwie nicht ganz zum Rest passen will.

Das ist ja gerade der Clou an der Sache! ;) Das man trotz der erlittenen Schmerzen, die auch im Falle der reinen emotionalen Trauer durchaus körperlich sein können, fliegen kann! Man hat gelernt, den Wiedrigkeiten des Lebens zu trotzen und dennoch glücklich zu sein...


EinfachIch hat geschrieben: Nur Schmerz schafft wahres Glück. Wer erfahren hat, wie bodenlos, reißend und scheinbar allmächtig tiefer Schmerz sein kann, der weiß seine Abwesenheit zu schätzen.

Ich werde darüber nachdenken. ;)

Wie du vielleicht sehen wirst, habe ich bereits ein klein wenig an dem Text verändert. Und werde sicher auch noch weiter daran arbeiten.
Danke für deine Meinung!
Lg
feepz
wo ein Wille da ein Umweg
Benutzeravatar
feepz
 
Beiträge: 18
Registriert: 02.06.2014, 13:01
Wohnort: Niederösterreich
Blog: Blog ansehen (10)

Re: Tränen in der Nacht (shortly modified)

Beitragvon Ojinaa » 03.03.2015, 13:26

Für mich klingt der Text nicht wie die "Gedanken einer Trauernden", sondern wie die "Gedanken einer TelefonSeelsorgerin, nachdem sie mit einer Trauernden gesprochen hat". In all dem ist - trotz der Bilder – so viel Abstand, so viel Blick von außen und so viel Verallgemeinerung und "Erkenntnis-Wissen", dass jeder Eindruck, das hier könnte tatsächlich ein Blick in einen Menschen hinein sein, kaputtgeht. Natürlich kann man das machen - so ein TS-Text ist immer noch gefühlsnäher als eine psychologische Analyse -, aber "Gedanken einer Trauernden" sehe ich da nicht.

Ein riesengroßes Manko sind die Allgemeinplätze wie gleich am Anfang das "Gefühle kommen und gehen.". Das ist zum einen banal wie kaum etwas sonst, zum anderen erlebt (!) eine Trauernde das genau nicht. Selbst wenn an der Oberfläche schon wieder Lachen herrscht, die Definition von "Trauernde" ist: Eine Frau die Trauer fühlt. Ja kann sein, dass sie das (mit eingigem Abstand vom Verlustereignis) nicht immer tut - aber in dem Moment ist sie auch keine Trauernde, ergo fließen Gedanken aus diesen Momenten hier nicht ein. (ACHTUNG! Natürlich kann sie erlebt haben, dass auch diese Trauer nicht permanent ist - dann wird sie im Moment der Trauer aber nicht erleben "Ooch, geht vorbei, halb so schlimm!", sondern "Ich weiß ja, dass es weggehen wird, aber im Moment fühlt es sich nicht so an." oder "Wahrscheinlich war die Trauer gar nicht weg, wenn sie doch so leicht wiederkommen kann." oder "Jetzt bin ich auch noch traurig, dass der Moment der Nicht-Trauer weg ist - es ist doch zum ins Wasser gehen!" oder …)

Auch die ausufernde, Vollständigkeit suggerierende Auslassung über den Umgang mit Gefühlen hat nichts, aber auch gar nichts mit dieser konkreten Trauernden, deren Gedanken hier angeblich dargestellt werden, zu tun. Man erfährt nichtmal, zu welcher Sorte Mensch diese Person denn nun gehört. Das betrifft alle Aussagen dieser Art. Ja sogar wo es konkret wird – das mit dem Kopfschütteln, Ritzen(?)wollen etc. - kann man nur vermuten, dass dies für die im Titel genannte Person zutrifft. Es könnte aber auch sein, dass da jemand einfach nur etwas projiziert.

Mir ist klar, dass es nicht einfach ist, sich beim Schreiben von "sowas" nochmal/überhaupt auf das Gefühl einzulassen, es erneut/mal zu durchleben, um unmittelbar aus der Quelle schöpfen zu können. Aber anders ist es kaum möglich, "Gedanken einer Trauernden" zu schreiben. Das ist hier ist ein Therapie-Text-Versuch …

Angesichts dessen lohnt es nicht, über Details wie "Vakuum stopfen", "Buchstabensuppe" (Warum ausgerechnet sie? Warum nicht Sternchen- oder Tomatensuppe?), den Un-Satz "Doch nur durch die Akzeptanz des Vakuums." und dergleichen zu reden.

Sorry …
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt. (Klaus Klages)
Ojinaa
 
Beiträge: 259
Registriert: 06.01.2011, 12:15
Wohnort: Leipzig
Blog: Blog ansehen (5)


Zurück zu Andere Werke

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste