Tücken der Sprache

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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon Ignotus » 11.01.2015, 22:39

Ich hielt eigentlich "Stein schleift Schere" als die Standard-Phrase bei der Erklärung von Schere-Stein-Papier. Zumindest wurde, als man mir das Spiel erklärte, Stein vs. Schere mit genau diesen Worten erklärt. (Und das war bevor The Big Bang Theory im Fernsehen kam.) In sofern wurde also nicht die wörtliche Übersetzung, sondern die situationsgemäße gewählt. ;)
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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon 1337Thunder » 11.01.2015, 22:59

Ignotus hat geschrieben:Ich hielt eigentlich "Stein schleift Schere" als die Standard-Phrase bei der Erklärung von Schere-Stein-Papier. Zumindest wurde, als man mir das Spiel erklärte, Stein vs. Schere mit genau diesen Worten erklärt. (Und das war bevor The Big Bang Theory im Fernsehen kam.) In sofern wurde also nicht die wörtliche Übersetzung, sondern die situationsgemäße gewählt. ;)

Oooookay :shock: noch nie gehört in dieser Form... Aber es ist schon so, dass der Stein gegen die Schere gewinnt, oder?
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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon magico » 12.01.2015, 10:08

1337Thunder hat geschrieben:Oooookay noch nie gehört in dieser Form... Aber es ist schon so, dass der Stein gegen die Schere gewinnt, oder?


Ja, der Stein gewinnt und ich kenne diese Redewendung auch genau so. Stein schleift Schere!
Wie Sofian schon erwähnt hat, bedeutet "schleifen" ebenfalls "bis auf die Grundmauern niederreißen".
Vor allem in mittelalterlichen Kriegsszenarien liest man oft "Die Festung/der Turm wurde geschleift." (nicht geschliffen!)
Allerdings denke ich, dass bei Stein, Schere, Papier eher das Schleifen und nicht die Schleifung gemeint ist.
Wenn man es mal umgekehrt betrachtet ... die Schere wird wohl kaum den Stein zerschneiden. :mrgreen:
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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon HannahBoll » 27.08.2015, 17:51

Ich bin durch das Stöbern her gekommen.
Irgendwie ist die Diskussion ja in den letzten Posts vom Anfangsthema abgekommen. Darauf möchte ich ansetzen und etwas (vielleicht) interessantes beitragen.
Ich selbst bin ja Österreicherin, mein Freund ist Deutscher. Gelegentlich diskutieren wir über Wörter, die einem von uns fremd erscheinen. Hier spricht jeder vom Sessel. Der Sessel ist alles. Da sitzt man in der Schule drauf, da sitzt man daheim am Esstisch drauf. Im Kino gibt es aber diese Sitzreihen, das sind dann keine Sitze mehr. Im Flugzeug ist es genauso. Und ja, was ist dann der Stuhl? Hm ... allenfalls den Beichtstuhl kennen wir. Es wäre auch komisch. Beichtsessel O.O
Dann geht es weiter, dass mein Freund ja gar nicht weiß, von was ich denn spreche, wenn ich ihm erzähle, wie mein Onkel immer auf seinem Stockerl sitzt, wenn wir bei meiner Oma zu besuchen sind. Das "deutschdeutsche" Wort dafür kannten wir Landeier aus dem Ösireich ja gar nicht, bis uns unsere Deutschlehrerin mal geschockt fragte: "Was ihr kennt keinen Schemel?!"
Das sind nur einige Beispiele. Aber auch innerhalb Österreichs können Begriffe völlig verschieden sein. Hier im wunderbaren Innviertel in Oberösterreich isst man den Surspeck gerne. Das ist eingesurtes Fleisch. Ziemlich salzig und nicht für jedermann, wird aber hier gern gegessen. Jetzt sollen diese allteingesessenen Innviertler nach Vorarlberg gehen und von der Sur sprechen! Das ist dort ja die Gülle :o Speck mit einer Güllenote O.O na lecker.
Wenn wir schon bei Mist und Gülle sind. Habe ich mich mal mit Freunden gestritten, die nur dreißig Kilometer weiter weg wohnen. Sie nennen die Gülle "Hilling" und wir "Adel". Vielleicht war es ja einmal ein ironischer Kosename für die Ausscheidungen der lieben Tiere? Dabei waren "Hilling" wohl die Heiligen und Adel erklärt sich ja ... Ich weiß es nicht.
Und wenn dann ein Wiener kommt und meint, dass etwas "leiwand" ist, dann weiß ich gar nicht, wie ich euch diesen Schundbegriff der deutschen Sprache überhaupt erklären kann ...
Genauso läuft es mit fladdern, flauchen und dem linzerischen Tschurren. Alles steht für eine Form des Stehlens. Jede nur für ein bisschen etwas Anderes. Der typische Wiener würde das mit einem urplötzlichen "Urcool" kommentieren.

Kurzum: Sprachen ändern sich und hier merken wir das zumindest regional sehr. Und sie ändern sich auch regional sehr unterschiedlich. Ich kenne viele Wildkräuter und -pflanzen. Wenn ich die euch alle mit unseren Namen nenne, glaubt ihr vielleicht, ich lebe in Borneo oder so.
Aber ist es denn überhaupt schlimm, dass Sprachen sich ändern? Im Großen und Ganzen passen sie sich doch den Menschen an, die sie gerade sprechen. Warum also eine Sprache sprechen, die für Menschen optimiert ist, die schon nicht mehr leben? Letztens habe ich über den Mähdrescher nachgedacht. Das Wort besteht aus "Mähen" und "Dreschen". Früher mähte man ja das Getreide, sammelte es ein und drosch es daheim. Dann erfand man eine Maschine, die das revolutionierte. Das Gefährt mäht und drischt währenddessen gleich noch. Das fertige Getreide kommt dann in den Tank und muss nur noch verladen werden. Eigentlich denkt man gar nicht dran, wenn man so über den Mähdrescher spricht. Der heißt halt einfach so.
Einzelne Wörter verändern sich immer, manchmal ist es witzig und meistens ist es auch einfach praktischer.
Geil zum Beispiel verwendet die Jungend heue ja, um zu sagen "das gefällt mir" "cool" "Das ist toll". Ich kann mich aber noch an meine Religionslehrerin erinnern, die immer meinte, wir sollen das nicht sagen und wir sollen endlich aufhören das zu sagen. Sie ist mit einer anderen Bedeutung des Wortes aufgewachsen. Übrigens sollten die Älteren das Wort auch kennen. Zu Zeiten meiner Oma hieß das Wort auch sowas wie "Das ist ja super".
Und Arbeit war früher nicht die Arbeit an sich sondern nur eine schwere, unangenehme Tätigkeit. Wenn ein Autor also laufend Romane schreibt und davon leben kann und das ausschließlich gerne tut, dann arbeitet der genau gesehen nie.
Hätte sich die Sprache nicht geändert, dann würden wir noch immer Begriffe verwenden wie "Sinewel" und zu vom Fahren sprechen, wenn wir Reiten oder zu Fuß gehen.
Manches davon ist eigentlich schon ziemlich cool, wenn man es so bedenkt ... Man müsste mal ein Experiment machen und nur noch Wörter nach eigentlichem Urpsrung verwenden und so richtig "alt" daher reden.
So wie mein Vater. "Plutzer, Bunki, Gelbe Rüben, Strumpfen (damit ist kein Kleidungsstück gemeint)"


Okay, das war jetzt mein - mehr oder weniger - kreativer Input hier ...
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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon ESchen » 27.08.2015, 18:17

Und wenn wir schon bei regionalen Unterschieden und Dialekten sind.

Mit dem Schweizerdeutsch und dem Deutschland-Hochdeutschen verhält es sich manchmal auch sehr unterschiedlich.

Wenn der Schweizer Peperoni sagt, meint er das süsse, rundliche Gemüse, wenn er Paprika sagt, meint er das scharfe, längliche. In DE ist es genau umgedreht. Paprika ist das süsse Gemüse und Peperoni das scharfe.

Der Schweizer sagt in der Mundart auch das Joghurt, wogegen der Deutsche der Joghurt sagt.

Der Deutsche fragt z.Bsp.: Hast du schon Staub gesaugt?
Der Schweizer fragt: Hast du schon gestaubsaugert? :mrgreen: wortwörtlich: gschtaubsugeret

Die Abwaschmaschine und die Spülmaschine wären auch noch Beispiele
Hinfallen... Aufstehen... Krone richten... Weitergehen...
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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon HannahBoll » 27.08.2015, 23:11

Helvetisch und teutonisch oder irgendwie sowas. Den Hergang dieser Unterschiede zu erfahren, wäre interessant. Immerhin waren die Ausgangswörter ja immer recht ähnlich.

Apropos Tücken der Sprache ... Mein Bruder geht auf die Landwirtschaftsschule. Deren ... Fachterminus ist ja mal witzig.

Was meint man mit "Ackerblase"?

Spoiler: Anzeigen
Wenn der Bauer Prostataprobleme hat und oft urinieren muss, dann kann er kein Feld in einem fertig machen, ohne einmal abzusteigen und sich zu erleichtern. Dann macht er also auf den Acker :XD:


Mit sowas kommt mein Bruder immer an :roll:

Wer hat's gewusst? :P
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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon magico » 28.08.2015, 08:15

In den unterschiedlichen Gegenden von Österreich und in der Schweiz sind das ja meist "natürlich" entstandene Begriffe. In der damaligen DDR wurden Begriffe künstlich erschaffen, um sie nicht zu kapitalistisch klingen zu lassen. Da wurde statt Hamburger die Grilletta erfunden und anstelle des Hotdog die Ketwurst (Kombination aus Ketchup und Wurst ... total Banane, wenn man bedenkt, dass Ketchup ebenfalls britischen Ursprungs ist :fool: ).
Man trug keine Jeans, sondern eine Niethose und die Cordhose hieß kurzum Manchesterhose. (Manchester allerdings deutsch ausgesprochen.)
Diese Liste könnte man ewig fortsetzen, aber natürlich wurden in der Bevölkerung nicht alle Begriffe benutzt, wie es vom Staatsrat vorgesehen war. Jeder konnte trotz allem etwas mit dem Begriff "Jeans" anfangen.

Zurück zu Österreich ... da finde ich ja besonders die Kaffeehausbegriffe amüsant. Ich hätte gerne einen Verlängerten mit Schlagobers. :lol: Wenn ich das hier in Deutschland bestellen würde, käme ich sicher ganz schnell mit dem Gesetz in Konflikt.

Die Schweiz toppt so ziemlich alles. In diesem kleinen Land gibt es ja neben den 4 Sprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch) auch noch unzählige Dialekte. Ich habe mich immer gefragt, was die alle mit "Velo" meinen, bis ich irgendwann mitbekommen habe, dass dies das Fahrrad ist (Veloziped). Na ja ... das Französisch ist eben doch präsenter als in Deutschland.

HannahBoll hat geschrieben:Man müsste mal ein Experiment machen und nur noch Wörter nach eigentlichem Urpsrung verwenden und so richtig "alt" daher reden.


Dann empfehle ich dir das Lexikon der bedrohten Wörter .
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