Tücken der Sprache

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Tücken der Sprache

Beitragvon magico » 01.12.2014, 17:34

Hallo zusammen,

es gibt zwar schon Threads zu Fehlern, aber genaugenommen geht es mir nicht um "Fehler" als solches, sondern um sprachliche Ungereimtheiten, die sich in unseren Alltag, also in unsere Umgangssprache, eingeschlichen haben.
Oftmals ist der Grund, dass das ursprüngliche Wort aus einer anderen Sprache stammt.
Ein gutes Beispiel ist "Zucchini".
Das Wort Zucchini stammt aus dem Italienischen und das "i" am Ende deutet auf Plural hin. Dem ist auch so, weswegen die einzelne Frucht "Zucchino" heißen muss. Aber kein Mensch sagt Zucchino: "Hallo, Herr Ober. Ich nehme den gefüllten Zucchino und dazu ein leichten Weißwein." :fool:

Streng genommen heißt es dann auch Brokkolo. :|

Kennt ihr auch solche sprachlichen Entgleisungen, die in der Allgemeinheit aber gar keine mehr sind?


Grüße - magico
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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon NomDePlume » 01.12.2014, 20:00

Broccolo, mit c, um genau zu sein. :)
Un broccolo, due broccoli.

Aber Beispiele für falsch aus anderen Sprachen übernommene Worte gibt es viele, oder für solche Worte, bei denen die Singularform korrekt übernommen wurde, der Plural aber eingedeutscht wurde.
Pizza - Pizzas oder Pizzen
Espresso - Espressos

Bei sprachlichen Ungereimtheiten in der Umgangssprache denke ich vor allem an sollche Sachen, die man zwar alltäglich sagt, aber nicht hinschreiben kann, ohne dass sich einem die Zehennägel nach oben biegen.

"Kannst Du das auf facebook liken?"
"Ich googel das mal."
"Ich bin mal in's Bett."
"Ich geh auf Klo."

Meinst Du sowas?
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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon magico » 02.12.2014, 09:27

Broccolo(i) mit "c", wenn man es italienisch schreibt. Das ist mir schon bewusst.

NomDePlume hat geschrieben:Bei sprachlichen Ungereimtheiten in der Umgangssprache denke ich vor allem an sollche Sachen, die man zwar alltäglich sagt, aber nicht hinschreiben kann, ohne dass sich einem die Zehennägel nach oben biegen.

"Kannst Du das auf facebook liken?"
"Ich googel das mal."
"Ich bin mal in's Bett."
"Ich geh auf Klo."

Meinst Du sowas?


Nicht wirklich.
Ich meine tatsächlich Wörter, die sich eingeschlichen haben und entweder in der falschen Bedeutung genutzt oder in einer anderen Weise falsch ausgesprochen/geschrieben werden.

Mir fällt gerade ein, dass viele Leute zum Beispiel "fuchzig", statt "fünfzig" sagen, wobei "fuffzig" mittlerweile sogar im Duden vorkommt. Jeder versteht es, keiner berichtigt es und somit hat es sich eingebürgert.

Deine Variante ist zwar auch sehr schön, betrifft aber eher Jugendsprache oder regionale Floskeln.
Mein liebstes Beispiel ist hier: "Tu mi(s)ch ma datt Salz!"
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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon Atramento » 02.12.2014, 12:23

Hey,

Mir fällt gerade ein, dass viele Leute zum Beispiel "fuchzig", statt "fünfzig" sagen, wobei "fuffzig" mittlerweile sogar im Duden vorkommt. Jeder versteht es, keiner berichtigt es und somit hat es sich eingebürgert.


Damit musst du aber aufpassen, da "fuffzig" aus verschiedenen Dialekten stammt. Bzw. historisch hergeleitet werden kann, somit ist es nicht falsch in seiner Verwendung, was du ja andeutest. Wo ich herkomme, sagt man auch "fuffi" :mrgreen:

Meinst du also eher Begriffe, wie "Handy" für unser Mobiltelefon?

LG Atra
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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon magico » 02.12.2014, 12:57

Hallo Atramento,

ich meinte aber nicht "fuffzig", sondern "fuchzig". Das höre ich öfters.

Handy ist auch so ein modernes Wort, das sich etabliert hat und mittlerweile im Duden steht.

Ich meine hauptsächlich Wörter die falsch gebraucht werden, aber die wenigsten bemerken es.
Das Beispiel mit Zucchini/Zucchino trifft es am ehesten.


Grüße - magico
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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon Jacky » 02.12.2014, 14:01

Also wie Hobby mit deutschem Plural Hobbys aber englischem Plural Hobbies?
Obwohl, den Unterschied hört man ja nicht, den sieht man nur ...

Oder etwas wie "dem seine Mutter"?
Du hast in jedem Augenblick die Freiheit zu entscheiden was wichtig ist und wie du darauf reagierst.

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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon Sofian » 02.12.2014, 14:51

Buchstäblich wird heute gerne falsch gebraucht im Sinne von metaphorisch. Ebenso wird ironisch von vielen nicht mehr im eigentlichen Sinne gebraucht, sondern im Sinne von "komisch" oder "komischer Zufall".

Das Handy ist ebenso ein Beispiel, müsste es doch Cell Phone heißen.
Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, muss das, was übrig bleibt, die Wahrheit sein, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag.

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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon anby77 » 02.12.2014, 16:08

Was mir häufig begegnet, sind falsche Benennungen bei Wasser. Sobald es sprudelt wird es gerne zum "Mineralwasser" erklärt. Dabei gibt es stille Mineralwässer (das in einem Restaurant haben zu wollen, ist immer wieder ein großer Spaß) und Sprudel, die keine Mineral- sondern einfache Tafelwässer sind (das bekannteste dürfte "Bonaqua" sein; das ist mit Kohlensäure versetztes und in Flaschen abgefülltes Leitungswasser). In Wahrheit bedeutet "Mineralwasser", dass es aus einer staatlich anerkannten Mineralquelle kommt, während Tafelwasser aus jeder beliebigen Quelle (oder dem örtlichen Leitungsnetz) stammen kann und viel billiger ist. Deshalb ist das leider nicht nur ein sprachliches Problem, oft läuft das auf Betrug hinaus. Wenn ich Mineralwasser bestelle und Mineralwasser bezahle, dann sollte es auch Mineralwasser sein und nicht künstlich mit CO2 angereichertes Leitungswasser.
Je größer der Dachschaden, desto schöner der Ausblick zum Himmel.
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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon magico » 03.12.2014, 09:39

@Jacky: Plural für dieselben Wörter im Englischen oder Deutschen finde ich auch interessant. Allerdings ist das ja ganz einfach zu begründen.

Jacky hat geschrieben:Oder etwas wie "dem seine Mutter"?


Falsche Artikel und/oder Promonomen sind wirklich ein Graus.
Obwohl sie auch in manchen Regionen bevorzugt falsch genutzt werden.
"Frach doch mal die Vat(t)i!"

Teilweise ist es auch etwas uneindeutig: das/der Ketchup, das/der Kaugummi

Sofian hat geschrieben:Buchstäblich wird heute gerne falsch gebraucht im Sinne von metaphorisch. Ebenso wird ironisch von vielen nicht mehr im eigentlichen Sinne gebraucht, sondern im Sinne von "komisch" oder "komischer Zufall".


Zudem werden Ironie und Sarkasmus oft verwechselt.

@anby:

Das ist in der Tat eines der größten Missverständnisse. Hier sind zusätzlich noch zwei Pluralformen möglich: die Wasser/die Wässer

Ähnlich verhält es sich mit Trauben. Es gibt Weintrauben (zur Herstellung von Wein) und Tafeltrauben (zum Essen). Grundsätzlich redet jeder nur von Weintrauben oder schlicht Trauben.

Interessant finde ich auch die Aussprache der beliebten "Worcestersauce (-soße)".
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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon NomDePlume » 03.12.2014, 14:15

Gut, zu falsch verwendeten Wörtern steuere ich mal bei: schizophren.

Wird gerne verwendet in billigen Arztkrimis. "Der Typ hat acht Persönlichkeiten in sich, der ist schizophren."

Tatsächlich ist Schizophrenie ein Überbegriff für eine ganze Gruppe tiefgreifender psychischer Erkrankungen, und obwohl Identitätsstörungen wie das Ausbilden multipler Persönlichkeiten dazu gehören können ist es ganz schön arg, dieses riesige Feld Schizophrenie auf ein (noch dazu sehr seltenes) Symptom zu reduzieren.

Und, als kleiner Nachtrag zum gerade vergangenen Welt-Aids-Tag: das weit verbreitete HIV-Virus.

V ist dabei schon die Abkürzung für Virus, richtig heißt es also HI-Virus oder Humanes Immundefizienz-Virus.

Nebenbei ist auch nieman an HIV erkrankt, sonder man ist mit HIV infiziert, und in einem späteren Stadium an Aids erkrankt.
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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon magico » 03.12.2014, 14:51

Ich merke gerade, dass ich das Thema eher hätte "Klugschiss-Thread" nennen sollen. :lol:

NomDePlume hat geschrieben:V ist dabei schon die Abkürzung für Virus, richtig heißt es also HI-Virus oder Humanes Immundefizienz-Virus.


Dasselbe finden wir in vielen Abkürzungen. Zum Beispiel "LED-Lampe" bzw. "LED-Licht". Das L steht bereits für Light/Licht: Light Emitting Diode

Die historischen Wurzeln einiger Begriffe sind mir auch schleierhaft (oder ich habe sie noch nicht recherchiert :XD: ).
So zum Beispiel: Die Bewohner Österreichs heißen Österreicher. Die Bewohner Frankreichs aber nicht Frankreicher. :|
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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon Badabumm » 03.12.2014, 17:23

magico hat geschrieben:So zum Beispiel: Die Bewohner Österreichs heißen Österreicher. Die Bewohner Frankreichs aber nicht Frankreicher. :|

Hm, das Frankreich hieß ja ursprünglich Frankenreich, das Reich der Franken. Möglich, dass die Wort-Herkunft damit eine andere ist. Ist jedoch nur gemutmaßt.

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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon Badabumm » 03.12.2014, 17:28

Ebenso, wie wir falsche Pluralformen von fremdsprachlichen Wörtern bilden (weil die deutsche Sprache eben nur ein Plural-S vorsieht, und damit eigentlich das "richtige, deutsche" Plural bildet), übernhemen wir unmerklich angelsächsische Wortschöpfungen und merken es nicht einmal mehr. "Das macht Sinn" und "ich erinnere das" sind die beiden schlimmsten, bei denen mir schlecht wird... ;-) Aber da Sprache nun mal lebt, wird das eines Tages (und schon jetzt) ganz selbstverständlich sein. Man mag es gut leiden oder nicht - man kann nichts tun...

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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon NomDePlume » 04.12.2014, 13:32

Noch ein Beispiel: Großbritannien.

Strengenommen bedeutet das entweder:
- die größte der britischen Inseln
- das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland (also England, Wales, Schottland und Nordirland)

Umgangssprachlich hört man aber oft Großbritannien als Synonym für England.
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Re: Tücken der Sprache

Beitragvon magico » 04.12.2014, 13:36

NomDePlume hat geschrieben:Umgangssprachlich hört man aber oft Großbritannien als Synonym für England.


Ich kenne es eher umgekehrt. Viele sprechen grundsätzlich von England, wenn sie eigentlich komplett Großbritannien meinen.
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