[SciFi]Unten

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Beitragvon magico » 13.01.2015, 16:43

Ich weiß nicht genau, ob die Kategorie "Science Fiction" wirklich das widerspiegelt, wohin dieser Text gehört, aber in Anbetracht der Tatsache, dass die Geschichte in einer dystopischen Zukunft spielt, trifft es wohl am ehesten zu.

Vielleicht errät jemand, wo die Geschichte spielt, denn die Umgebung stammt aus einem relativ bekannten Werk. :wink:

Hier der kurze Text:


Dort unten sieht man sie arbeiten. Tagein, tagaus. Obwohl diejenigen, welche ihr Dasein in den Niederungen fristen müssen, keinen Unterschied zwischen Tag und Nacht kennen werden ... es muss ihnen bewusst sein, dass es noch etwas anderes gibt, als die ewige Dunkelheit, den unendlichen Moloch.
Natürlich ist es verboten nach unten zu sehen. Sie wollen nicht, dass man weiß, wer sich dort unten plagt und schon gar nicht, wie.
In der Kolonne ist es schwer einen gezielten Blick nach unten zu werfen. Ständig wird man getrieben, hat keine Zeit sich das Gesehene zu verinnerlichen. Dennoch ist es die einzige Möglichkeit sie zu beobachten. Man ist ein Kopf von vielen, eine Zahl in einer exorbitanten Menge. Da fällt es selbst den wachsamen Augen der Brigadentreiber nicht auf, wenn sich das Augenmerk doch einmal vom Weg abwendet und über den Rand blickt, den es architektonisch schon bald nicht mehr geben soll.
Ich weiß es. Ich habe es gehört. Aber niemand weiß, dass ich es weiß und das sollte besser auch niemand wissen. Doch wenn ich in den einsamen Stunden der Zwangspause darüber nachsinne, wäre es die einzige Möglichkeit den durchdringendsten, den verstehendsten Blick hineinzuwerfen ... in die Abgründe unserer Gesellschaft.

Ich werde es wagen. Während des nächsten Abtriebs dürfen, nein, müssen sie mich sehen, mich ertappen.
Es gibt so viel mehr, als sie alle wissen.
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Re: Unten

Beitragvon Bernd » 17.01.2015, 09:24

Hallo magico,

Dein Text gefällt mir, aber ich weiß ich nicht so recht, was ich damit anzufangen soll.

Er schildert die Gedanken eines Ich-Erzählers, der als einer von vielen tausend vielleicht irgendeine terraformende (?) Art von Zwangsarbeit (?) am Rande eines Abgrundes verrichten muss (?), zumindest aber dort auf einem Weg läuft und dem es verboten ist, in den Abgrund zu schauen, wo es vielen noch viel viel schlimmer geht.

Dabei hat der Text wenig von einer Geschichte. Es gibt keine rechte Handlung. Das ist erst mal keine Wertung, jedoch erhält für mich das Ganze auch durch die poetische Sprache eher was von einem Gedicht in mehreren Strophen (ein Absatz, eine Strophe). Mir fällt es zudem schwer, die ganze Szenerie als real zu begreifen. Für mich hat dies vor allem eine metaphorische Bedeutung; es ist eine Gesellschaftskritik!

In seiner Stimmung bleibt der Text durchaus düster und in einem Stil. Es macht mir Spaß, ihn zu lesen und mir die Worte dabei auf der imaginären Zunge zergehen zu lassen. Doch wiegesagt, als Gedicht, als Gesellschaftskritik, als Metapher gut - wenn Du jedoch beabsichtigt hattest, hier eine konkrete Geschichte zu erzählen, ist dies nicht gelungen.

Aufgrund der Abstraktheit fällt es mir noch schwer, das ganze in ein Setting eines bekannten Werks einzuordnen.

magico hat geschrieben:Dort unten sieht man sie arbeiten. Tagein, tagaus. Obwohl diejenigen, welche ihr Dasein in den Niederungen fristen müssen, keinen Unterschied zwischen Tag und Nacht kennen werden ... es muss ihnen bewusst sein, dass es noch etwas anderes gibt, als die ewige Dunkelheit, den unendlichen Moloch.

Wiegesagt, interessant. Man kann sich auch was vorstellen: Ein Ich-Erzähler, der "oben" steht und in irgendwelche "Niederungen" (ein Tal, eine Häuserschlucht, ein Abgrund, ...) hinabsieht, wo es immer dunkel ist. Sehr düster, von der Stimmung her, sehr cool, aber eben auch abstrakt.

magico hat geschrieben:Natürlich ist es verboten nach unten zu sehen. Sie wollen nicht, dass man weiß, wer sich dort unten plagt und schon gar nicht, wie.

Jetzt kommen also "sie" ins Spiel. Die Regierung. Die Sklaventreiber. Die Götter. Ich weiß es nicht. Aber sie haben ein Verbot verhängt, sich das Elend anzuschauen, vermutlich, damit man nicht drüber nachdenkt. Man erfährt insbesondere, dass der Ich-Erzähler selbst unterjocht ist.

magico hat geschrieben:In der Kolonne ist es schwer einen gezielten Blick nach unten zu werfen. Ständig wird man getrieben, hat keine Zeit sich das Gesehene zu verinnerlichen. Dennoch ist es die einzige Möglichkeit sie zu beobachten. Man ist ein Kopf von vielen, eine Zahl in einer exorbitanten Menge. Da fällt es selbst den wachsamen Augen der Brigadentreiber nicht auf, wenn sich das Augenmerk doch einmal vom Weg abwendet und über den Rand blickt, den es architektonisch schon bald nicht mehr geben soll.

Aha, der wird nicht nur unterjocht, sondern wird in einer Kolonne auf einem Weg am Rande eines Abgrundes entlanggetrieben. Irgendwie assoziiere ich damit Bergarbeit. Die einen schuften unten in den Gruben, die anderen bringen oberirdisch das Gestein fort. Aber warum wird der Rand bald nicht mehr existieren? Vielleicht, weil das abgebaut oder abgerissen wird. Bloß das "architektonisch" passt nicht in mein Bergbaubild. Also ist es doch eine Häuserschlucht?
Ist aber mutig vom Ich-Erzähler, sich Gedanken zu machen, wie er die da unten am besten beobachten kann, wo es doch verboten ist. Vielleicht könntest Du den Satz "natürlich ist es verboten..." hinter die Ersten Sätze des gerade zitierten Absatzes packen, sodass der Ich-Erzähler zuerst beschreibt, dass er leider wenig sehen kann, bevor er einschränkt, dass es sowieso verboten ist.

magico hat geschrieben:Ich weiß es. Ich habe es gehört. Aber niemand weiß, dass ich es weiß und das sollte besser auch niemand wissen. Doch wenn ich in den einsamen Stunden der Zwangspause darüber nachsinne, wäre es die einzige Möglichkeit den durchdringendsten, den verstehendsten Blick hineinzuwerfen ... in die Abgründe unserer Gesellschaft.


magico hat geschrieben:Ich weiß es. Ich habe es gehört. Aber niemand weiß, dass ich es weiß und das sollte besser auch niemand wissen.

Sehr abstrakt, sehr viel andeutend, sehr mysteriös. Aber anfangen kann ich damit so wenig. Was ist "es". Ein Gerücht? Leider weiß ich viel zu wenig über den Zusammenhang, dass ich nicht mal vermuten kann, was "es" ist. Deshalb verpufft der Effekt ein bisschen.

magico hat geschrieben:Doch wenn ich in den einsamen Stunden der Zwangspause darüber nachsinne, wäre es die einzige Möglichkeit den durchdringendsten, den verstehendsten Blick hineinzuwerfen ...

Das Wort "Zwangspause" irritiert mich. Ich dachte, er wäre ein Zwangsarbeiter, da sollte er über jede Pause doch froh sein. Statt dessen muss man ihn zur Pause zwingen? Was ist das für ein Mensch, für ein Wesen?

magico hat geschrieben: ... in die Abgründe unserer Gesellschaft.

Spätestens jetzt halte ich all das zuvor geschrieben für eine einzige Metapher. Wo ich noch versucht hatte, was wörtlich zu nehmen, kann ich mich jetzt zurücklehnen und mich auf die üblichen Interpretationen berufen: Der Ich-Erzähler, ein Durchschnittsbürger der einerseits die wuselnden "Sklaven" unserer Zeit von oben herab beobachten kann: Leute am finanziell unteren Ende unserer Gesellschaft, die die "Drecksarbeit" machen müssen, Arbeiter in anderen Ländern, welche für einen Hungerlohn unsere Klamotten nähen, unsere Elektrogeräte zusammenschrauben und unsere Rohstoffe aus Stollen kratzen. Und "Sie", die Regierungen, die Konzernbosse, die Manager, die Politiker, ... kurzum: Alle, auf die man am Stammtisch doch so gerne mit pauschalen Rundumschlägen so gerne schimpft. Irgendwie schön, dass alles nur im Übertragenen Sinne gemeint war, denn vorstellen konnte ich mir das Setting nicht.

magico hat geschrieben:Ich werde es wagen. Während des nächsten Abtriebs dürfen, nein, müssen sie mich sehen, mich ertappen.
Es gibt so viel mehr, als sie alle wissen.
Noch ... denn ich komme!

... sprach Neo, legte den Hörer auf und erhob wie Superman in die Lüfte. Ja, der "Abspann" hat was von Matrix. Wiederum sehr mysteriös, die Sache mit dem Abtrieb. Wobei muss er ertappt werden? Was will er wagen? Und warum? Ehrlich: So richtig viel kann ich mit dem Absatz nicht anfangen. Ohne diesen hätte ich den Text (als Geficht) besser gefunden.

Fazit: Stimmungsvoller Text, eher ein Gedicht, eine Gesellschaftskritik, verpackt in Metaphern. Aber keine Geschichte - schon gar keine, die ich einem bestimmten Buch oder Film zuordnen könnte.

Grüße
Bernd
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Re: Unten

Beitragvon magico » 22.01.2015, 22:54

Hallo Bernd,

vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar.

Dabei hat der Text wenig von einer Geschichte.


Doch wiegesagt, als Gedicht, als Gesellschaftskritik, als Metapher gut - wenn Du jedoch beabsichtigt hattest, hier eine konkrete Geschichte zu erzählen, ist dies nicht gelungen.


Vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt. Es ist ein Text, keine Geschichte. Vielleicht ein guter Einstieg in eine Geschichte, wer weiß.

Vielleicht könntest Du den Satz "natürlich ist es verboten..." hinter die Ersten Sätze des gerade zitierten Absatzes packen, sodass der Ich-Erzähler zuerst beschreibt, dass er leider wenig sehen kann, bevor er einschränkt, dass es sowieso verboten ist.


Ist eine Überlegung wert, danke.

Sehr abstrakt, sehr viel andeutend, sehr mysteriös. Aber anfangen kann ich damit so wenig. Was ist "es". Ein Gerücht? Leider weiß ich viel zu wenig über den Zusammenhang, dass ich nicht mal vermuten kann, was "es" ist. Deshalb verpufft der Effekt ein bisschen.


Stimmt bedingt. Sollte ich es irgendwann als Beginn einer Geschichte nutzen, hilft es vielleicht, etwas nebulös zu bleiben.

Das Wort "Zwangspause" irritiert mich. Ich dachte, er wäre ein Zwangsarbeiter, da sollte er über jede Pause doch froh sein. Statt dessen muss man ihn zur Pause zwingen? Was ist das für ein Mensch, für ein Wesen?


Es ist alles reguliert. Nur ein ausgeruhter Arbeiter ist ein effektiver Arbeiter.

Spätestens jetzt halte ich all das zuvor geschrieben für eine einzige Metapher.


Nicht eine einzige, aber es gibt viele Metaphern - ja.

Irgendwie schön, dass alles nur im Übertragenen Sinne gemeint war, denn vorstellen konnte ich mir das Setting nicht.


Schade. :|

Fazit: Stimmungsvoller Text, eher ein Gedicht, eine Gesellschaftskritik, verpackt in Metaphern. Aber keine Geschichte - schon gar keine, die ich einem bestimmten Buch oder Film zuordnen könnte.


Macht nix. Ich kann auch nicht davon ausgehen, dass jeder alle Bücher/Filme dieser Erde kennt. :wink:


Nochmals vielen Dank und Grüße - magico
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Re: Unten

Beitragvon DrJones » 23.01.2015, 19:44

Hallo magico,

Für mich spielt das in Metropolis. Eine graue, trostlose Stimmung mit einem kleinen,
lodernden Funken Hoffnung.


magico hat geschrieben:Ich weiß nicht genau, ob die Kategorie "Science Fiction" wirklich das widerspiegelt, wohin dieser Text gehört, aber in Anbetracht der Tatsache, dass die Geschichte in einer dystopischen Zukunft spielt, trifft es wohl am ehesten zu.

Vielleicht errät jemand, wo die Geschichte spielt, denn die Umgebung stammt aus einem relativ bekannten Werk. :wink:

Hier der kurze Text:


Dort unten sieht man sie arbeiten. Tagein, tagaus. Obwohl diejenigen, welche ihr Dasein in den Niederungen fristen müssen, keinen Unterschied zwischen Tag und Nacht kennen werden ... es muss ihnen bewusst sein, dass es noch etwas anderes gibt, als die ewige Dunkelheit, den unendlichen Moloch.

Jemand von weiter oben macht sich Gedanken über die von unten. Die Stimmung ist düster.


Natürlich ist es verboten nach unten zu sehen. Sie wollen nicht, dass man weiß, wer sich dort unten plagt und schon gar nicht, wie.

"Sie"! Ein kalter Schauer läuft über meinen Rücken. Wer sind die? Wer ist der Erzähler?
Welche Macht hat er? Ich beuge mich gespannt vor...


In der Kolonne ist es schwer einen gezielten Blick nach unten zu werfen. Ständig wird man getrieben, hat keine Zeit sich das Gesehene zu verinnerlichen. Dennoch ist es die einzige Möglichkeit sie zu beobachten. Man ist ein Kopf von vielen, eine Zahl in einer exorbitanten Menge. Da fällt es selbst den wachsamen Augen der Brigadentreiber nicht auf, wenn sich das Augenmerk doch einmal vom Weg abwendet und über den Rand blickt, den es architektonisch schon bald nicht mehr geben soll.

Okay, er ist wohl Arbeiter. Evtl. inkognito. Ein Spion?


Ich weiß es. Ich habe es gehört. Aber niemand weiß, dass ich es weiß und das sollte besser auch niemand wissen.

Etwas zu sperrig dieser Satz. Würde ich ggf. aufteilen.

Doch wenn ich in den einsamen Stunden der Zwangspause

Herrlich! Zwangspause!

darüber nachsinne, wäre es die einzige Möglichkeit den durchdringendsten, den verstehendsten Blick hineinzuwerfen ... in die Abgründe unserer Gesellschaft.

Verstehendsten Blick? Verstehe ich nicht...

Ich werde es wagen. Während des nächsten Abtriebs dürfen, nein, müssen sie mich sehen, mich ertappen.

Spannende Vorausdeutung! Ich will MEEEHR davon lesen!

Es gibt so viel mehr, als sie alle wissen.
Noch ... denn ich komme!

Noch? Der Text kling wie aus dem Off gesprochen. Wie von einem
Superhelden. Sehr gut. Da kommt so Trailerfeeling auf.




Ich fand das ausgesprochen gut. Ein spannender Einstieg für einen Metropolis-Stoff.

Viele Grüße,

DJones
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Re: Unten

Beitragvon Ojinaa » 18.02.2015, 16:11

Hallo magico,

auch auf die Gefahr hin, dass du verschnupfst reagierst, muss ich sagen: Für mich ist das alles nicht als warme Luft. Ob Kuh-Leben (Abtrieb, die Landschaft) oder Metropolis – das Wortgeschäum fällt beim Berühren schnell zusammen. (Ich notiere auch mal Komma- und andere Fehler, die sind aber nicht nicht das Hauptproblem.)

Dort unten sieht man sie arbeiten. Tagein, tagaus. Obwohl diejenigen, welche ihr Dasein in den Niederungen fristen müssen, keinen Unterschied zwischen Tag und Nacht kennen werden ... es muss ihnen bewusst sein, dass es noch etwas anderes gibt, als die ewige Dunkelheit, den unendlichen Moloch.

Man sieht sie arbeiten. Obwohl - wie später gesagt wird – gar keiner hinsehen darf. Nun gut: Ab und an wird wohl der oder der doch hinsehen.
Man sieht sie dort tagein, tagaus arbeiten. Das heißt, dass der (oder der) zu allen Tageszeiten dort vorbeikommt (was kaum zu dem später behaupteten durchkonstruierten Tagesablauf passt - der würden den wohl immer zur gleichen Stunde an diese Stelle führen) oder es sind mehrere ders, die sich austauschen (um das tagaus, tagein bemerken zu können; was – das Austauschen – in dem Text später als nicht stattfindend gekennzeichnet wird).
Die da unten werden den Unterschied nicht kennen. Ab wann?
Es muss ihnen bewusst sein. Warum muss es das?
Komma nach "gibt" ist zu viel.

Natürlich ist es verboten nach unten zu sehen. Sie wollen nicht, dass man weiß, wer sich dort unten plagt und schon gar nicht, wie.

Komma nach "verboten" fehlt. (Regel: Komma muss hin, wenn es ein hinweisendes Wort gibt – hier: "es").
Wer will das nicht? Die da unten? Jaja: Diese sie sind nur eine weitere Gruppe Wesen, von denen der Leser auch nichts – oder zumindest nicht viel - erfährt. Rein vom Text her ist das aber eher eine Vermutung als durch den Text festgelegt.
Aber "sie" stört es nicht, dass "man" weiß, dass sich da unten jemand plagt. Merkwürdig.

In der Kolonne ist es schwer einen gezielten Blick nach unten zu werfen.

Komma nach "schwer" fehlt.
Sie (die Verbieter) schlampen: Wenn sie verbieten, runterzusehen, dann sollten sie sicherstellen, dass auch kein "ungezielter" Blick möglich ist. Von gezielten Blicken ganz zu schweigen, die offenbar nur erschwert, nicht "verunmöglicht" werden.

Ständig wird man getrieben, hat keine Zeit sich das Gesehene zu verinnerlichen. Dennoch ist es die einzige Möglichkeit sie zu beobachten.

Was hat "verinnerlichen" mit "beobachten" zu tun? Das "dennoch" ergibt keinen Sinn.
Nach allem, was in dem Text steht, gibt es überhaupt keine Möglichkeit, sie zu beobachten (also ihnen längere Zeit zuzuschauen).
Komma nach "Zeit" fehlt.
Das "sich" ist zu viel.
Komma nach "Möglichkeit" fehlt.

Man ist ein Kopf von vielen, eine Zahl in einer exorbitanten Menge. Da fällt es selbst den wachsamen Augen der Brigadentreiber nicht auf, wenn sich das Augenmerk doch einmal vom Weg abwendet und über den Rand blickt, den es architektonisch schon bald nicht mehr geben soll.

Das Augenmerk blickt (semantisch gesehen) überhaupt nicht.
Was soll "Rand, den es architektonisch bald nicht mehr geben soll" heißen? Entweder es soll ihn nicht mehr geben – dann ist er dann weg (vielleicht durch eine veränderte Architektur) – oder er ist auch später noch da. Es geht nicht, dass er zwar "architektonisch dann weg" ist, sonst (nicht-archtektnisch) aber noch da.

Ich weiß es. Ich habe es gehört. Aber niemand weiß, dass ich es weiß und das sollte besser auch niemand wissen.

Was weiß
ich
? Dem Textfluss nach, dass es den "Rand bald architektonisch nicht mehr geben soll".
Komma nach "ich es weiß" fehlt.

Doch wenn ich in den einsamen Stunden der Zwangspause darüber nachsinne, wäre es die einzige Möglichkeit den durchdringendsten, den verstehendsten Blick hineinzuwerfen ... in die Abgründe unserer Gesellschaft.

Komma nach "Möglichkeit" fehlt.
Zwangspause ist festgelegt als "X will keine Pause machen, muss aber" (nicht als "alles ist festgelegt, auch die Pausen"). Das heißt, ich würde lieber weitermachen mit … ja was? Das einzige, was ich in dem Text tut, ist, an einem Rand entlang getrieben zu werden.
Es geht nie gut, wenn man Konkretes und Abstraktes so freizügig mischt. Alles bislang ist konkret (Rand, die unten, die Verbieter, die Kolonne, ich …) - plötzlich kommt "Abgründe der Gesellschaft". Nein: Dass das Konkrete z. T. als Metapher gemeint ist, ändert daran überhaupt nichts.
Wesentlicher ist aber:
"Niemand soll es wissen. Doch wenn ich darüber nachsinne ..." Was hat das beides miteinander zu tun, dass das "doch" rechtertigt?
Und:
„Wenn ich darüber nachsinne, wäre es die einzige Möglichkeit" – Worüber nachsinnen? Darüber, dass niemand es wissen sollte (, dass ich es (was?) weiß)? Wäre was die einzige Möglichkeit? Und warum nur, wenn ich "darüber" nachsinnt? Und wieso "wäre", unter welchen Bedingungen?
"den durchdringendsten, den verstehendsten Blick hineinzuwerfen"- Die Superlative meinen was, beziehen sich worauf?

Ich werde es wagen. Während des nächsten Abtriebs dürfen, nein, müssen sie mich sehen, mich ertappen.

Sie (die ich ertappen würden), sehen ich doch auch so – ich mag zwar in der Kolonne nicht auffallen, aber ich ist nicht unsichtbar.
Wieso will ich ertappt werden? Hat ich Lust aufs Bestraftwerden?

Es gibt so viel mehr, als sie alle wissen.
Noch ... denn ich komme!

Ist ich jetzt plötzlich der/die einzig gut Informierte aller drei Wesen-Gruppen? Wann ist das denn (im Verlauf des Textes) passiert? – Das klingt wie eine Messias-Story: Der Messias opfert sich, um dem Volk die Augen zu öffnen. Pech nur, wenn er - wie es hier klingt – in einer Gesellschaft ohne "öffentliches Leben" lebt (so dass niemand außer ihm die Bestrafung mitbekommt).
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Re: Unten

Beitragvon magico » 23.02.2015, 13:16

Hallo Ojinaa,

vielen Dank für deine Kritik.

auch auf die Gefahr hin, dass du verschnupfst reagierst, muss ich sagen: Für mich ist das alles nicht als warme Luft.


Wieso sollte ich? Texte haben nie die Garantie, dass sie allen zu gefallen wissen. Zeig mir einen Text, der jedem auf der Welt gefällt. :mrgreen:

Kuh-Leben (Abtrieb, die Landschaft) oder Metropolis – das Wortgeschäum fällt beim Berühren schnell zusammen.


Ich werde jetzt nicht jeden einzelnen Kommentar von dir beantworten, aber kurzgesagt störst du dich hauptsächlich an der Mischung aus konkreten und unkonkreten Aussagen. Eigentlich vor allem an den unbeantworteten Fragen.
Ist natürlich nicht für jedermann und es wird tatsächlich viel loses Foreshadowing betrieben, aber es ist auch keine in sich geschlossene Geschichte. Eher ein Prolog.
Der Text ist spontan entstanden und es gibt keinen konkreten Plan einer Fortsetzung.

Es muss ihnen bewusst sein. Warum muss es das?


Im Wesentlichen sind es die Gedanken des Protagonisten und wenn er der Meinung ist (weil er selbst so denkt), dass es ihnen bewusst sein muss, dann ist es eben so.
Es gibt immer ein Schlupfloch, eine unsichere Quelle und dergleichen. Vollkommene Abschottung ist schwer möglich.

Aber "sie" stört es nicht, dass "man" weiß, dass sich da unten jemand plagt. Merkwürdig.


Wies sollte es denjenigen stören, der veranlasst hat, dass sich dort unten jemand plagt?

Wenn sie verbieten, runterzusehen, dann sollten sie sicherstellen, dass auch kein "ungezielter" Blick möglich ist.


Wohl kaum. Sie können somit die Abtrünnigen filtern und unter den Augen der anderen Kolonnenmitglieder vorführen, Angst säen! Ein wirkungsvolles Mittel, wenn man jemanden möglichst "dumm" und "still" halten möchte.

Was hat "verinnerlichen" mit "beobachten" zu tun?


Ich hätte auch "merken" schreiben können. Wenn sich jemand, das Gesehen einprägen möchte ...

Entweder es soll ihn nicht mehr geben – dann ist er dann weg (vielleicht durch eine veränderte Architektur) – oder er ist auch später noch da.


Er ist noch da, aber nicht mehr einsehbar.

Zwangspause ist festgelegt als "X will keine Pause machen, muss aber


Genau!
D.h., die Pause findet immer zur gleichen Zeit mir der gleichen Dauer statt. Komme, was wolle.

Das heißt, ich würde lieber weitermachen mit … ja was? Das einzige, was ich in dem Text tut, ist, an einem Rand entlang getrieben zu werden.


Das ist doch nur ein Ausschnitt. Jeder kann sich denken, dass der Protagonist bzw. die Kolonne von einem zum anderen Punkt gebracht wird. Wenn ich alles haarklein beschreibe, ist kein Platz mehr für die Fantasie des Lesers.

Es geht nie gut, wenn man Konkretes und Abstraktes so freizügig mischt.


Wer sagt das?

Niemand soll es wissen. Doch wenn ich darüber nachsinne ..." Was hat das beides miteinander zu tun, dass das "doch" rechtertigt?


Da gebe ich dir recht.

Wieso will ich ertappt werden? Hat ich Lust aufs Bestraftwerden?


Die Strafe ist Mittel zum Zweck. Es geht nicht ohne.

Ist ich jetzt plötzlich der/die einzig gut Informierte aller drei Wesen-Gruppen?


Glaubt er zumindest.

Das klingt wie eine Messias-Story: Der Messias opfert sich, um dem Volk die Augen zu öffnen.


Er versucht es zumindest.

Pech nur, wenn er - wie es hier klingt – in einer Gesellschaft ohne "öffentliches Leben" lebt (so dass niemand außer ihm die Bestrafung mitbekommt).


Die Bestrafung an sich werden sie nicht mitbekommen, wohl aber, dass er bestraft werden wird.
Er muss irgendwo beginnen. Wenn alle immer den Kopf in den Sand stecken würden, weil sie sich sagen: Bekommt ja sowieso niemand mit - wo wären wir dann?


Also - vielen Dank für deine Anmerkungen. Wie bereits geschrieben: Wäre das eine in sich geschlossene Geschichte, würde ich dir vollkommen zustimmen.


Grüße - magico
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Re: Unten

Beitragvon Ojinaa » 23.02.2015, 14:58

** Wies sollte es denjenigen stören, der veranlasst hat, dass sich dort unten jemand plagt?
… weil es ihn anderseits extrem stört, dass jemand (der oben ist) sieht, wer sich in welcher Art plagt.

*Es geht nie gut, wenn man Konkretes und Abstraktes so freizügig mischt.
** Wer sagt das?
Na ich ;) Nein im Ernst: Kein Leser kann einfach so zwischen den beiden Sachen hin und her switchen, wenn sie derart vermischt werden. Woher soll man wissen, was konkretes Kopfkino-Bild (also "Fakt") ist und was nur Assoziation des Ich-Erzählers?

**Die Bestrafung an sich werden sie nicht mitbekommen, wohl aber, dass er bestraft werden wird.
Das ergibt keinen Sinn (wenn sie ihn im Geheimen bestrafen, dann ist nicht nur die Art der Strafe sondern auch der Umstand, dass er bestraft wird, geheim). Das Einzige, das irgendwer in der Umgebung bemerken würde, wäre „ich"s Verschwinden. Etwas, was in so einem System an der Tagesordnung sein dürfte. Klar können "die" sich denken, dass er nicht ins Sanatorium gereist ist, aber das ist bei allen anderen Verschwunden auch so - was also denkt "ich", wäre in seinem Fall anders, aufrüttelnd?
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Re: Unten

Beitragvon magico » 23.02.2015, 15:09

Das Einzige, das irgendwer in der Umgebung bemerken würde, wäre „ich"s Verschwinden. Etwas, was in so einem System an der Tagesordnung sein dürfte. Klar können "die" sich denken, dass er nicht ins Sanatorium gereist ist, aber das ist bei allen anderen Verschwunden auch so - was also denkt "ich", wäre in seinem Fall anders, aufrüttelnd?


Zunächst würde man ihn öffentlichkeitswirksam "entfernen".
Er würde "unten" landen, von wo aus das Aufrühren beginnen kann ...
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Re: Unten

Beitragvon Belle » 16.05.2015, 13:15

Hallöchen :)
mir gefällt deine Geschichte sehr gut!
Ich liebe es , wenn viele Antworten verschleiert bleiben und man sich selber Gedanken machen muss.

>Dort unten sieht man sie arbeiten. Tagein, tagaus. Obwohl diejenigen, welche ihr Dasein in den >Niederungen fristen müssen, keinen Unterschied zwischen Tag und Nacht kennen werden ... es muss >ihnen bewusst sein, dass es noch etwas anderes gibt, als die ewige Dunkelheit, den unendlichen Moloch.

hier wird direkt klar , dass es sich um ein distopisches Szenario mit einer , für das Genre recht typischen , Klassengesellschaft handelt.
In diesem Fall scheint es sich aber nicht um einen klaren Split zwischen "utopischen" Stand einer höheren und einem "distopischen" Stand der unteren Gesellschaft zu handeln , da es beiden Gruppen nicht besonders gut zu gehen scheint. (Wobei im späteren Verlauf noch eine Oberschicht angedeutet wird.)
Im gesamten Text scheinen sich die "Klassen" aber nicht großartig zu unterscheiden , bis auf die Tatsache , dass die "oberen" den Unterschied zwischen Tag und Nacht kennen.
Immerhin werden auch sie gescheucht wie Vieh und müssen viel arbeiten.
Ein genaueres differenzieren , warum die "oben" es dann doch etwas besser haben , wäre vielleicht noch nennenswert gewesen.

>Natürlich ist es verboten nach unten zu sehen. Sie wollen nicht, dass man weiß, wer sich dort unten plagt >und schon gar nicht, wie.
>In der Kolonne ist es schwer einen gezielten Blick nach unten zu werfen. Ständig wird man getrieben, hat >keine Zeit sich das Gesehene zu verinnerlichen. Dennoch ist es die einzige Möglichkeit sie zu >beobachten.

Was mich dabei Irritiert: Die Arbeiter unten scheinen kein Licht zu kennen , die Arbeiter oben (wozu der Protagonist zählt) aber scheinbar schon.
Wenn man aber von oben nach unten blicken kann , müsste doch auch Sonnenlicht nach unten fallen...?
Oder befindet man sich in einem Gebäude?

>Man ist ein Kopf von vielen, eine Zahl in einer exorbitanten Menge.

sind damit die "unteren" oder die "oberen" gemeint?

Die darauf folgenden Gedankengänge lassen dabei durchdringen , dass sich der Protagonist für den einzigen hält , der nachdenkt und es überhaupt zu bemerken scheint , dass es Menschen gibt denen es noch schlechter geht.
Einerseits kann ich das als eher naiven Eindruck des Protagonisten deuten , andererseits als extremen Kommunikationsmangel zwischen den Menschen.

Da er daran etwas ändern möchte , lässt du Platz für eine Handlung , die sich in der Welt entwickeln könnte.
In diesem Fall würde ich aber auf eine etwas andere als die typische "kleiner Mann von ganz unten stürzt die bösen reichen und dient als Retter der Nation"- Geschichte hoffen :>

Die Geschichte , die dir dabei als Inspiration diente, kenne ich leider nicht.
Darf ich fragen um welche es sich handelt? :>

Zum Schreibstil: Ich bin kein Experte was das betrifft , weshalb ich mich dazu nicht weitgehend äußern kann.
Ich konnte den Text flüssig lesen und gut verstehen, mich hat da eigentlich nichts gestört.
Für mich war es eine typische Kurzgeschichte , könnte man auch für einen Prolog verwenden, steht aber auch für sich alleine ganz gut.
Ich mag es , wie der Protagonist , trotz düsterer Atmosphäre, als Hoffnungsschimmer steht , der alles verändern könnte.
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Re: Unten

Beitragvon magico » 18.05.2015, 10:13

Hallo Belle,

vielen Dank für deinen Kommentar.

Was mich dabei Irritiert: Die Arbeiter unten scheinen kein Licht zu kennen , die Arbeiter oben (wozu der Protagonist zählt) aber scheinbar schon.
Wenn man aber von oben nach unten blicken kann , müsste doch auch Sonnenlicht nach unten fallen...?
Oder befindet man sich in einem Gebäude?


Ich habe viel mit Metaphern gearbeitet und es ist nicht alles wörtlich zu verstehen. Aber in diesem Fall handelt es sich tatsächlich um künstliches Licht.

sind damit die "unteren" oder die "oberen" gemeint?


Sowohl als auch.

andererseits als extremen Kommunikationsmangel zwischen den Menschen.


Ein zwingender bzw. gewollter Kommunikationsmangel. Die Kommunikation sollte nur in eine Richtung funktionieren. Von oben nach unten.

Da er daran etwas ändern möchte , lässt du Platz für eine Handlung , die sich in der Welt entwickeln könnte.


Das war der Plan, auch wenn ich die Geschichte momentan noch nicht schreibe. (Ist eher Zukunftsmusik - haha - wie passend bei Science Fiction.)

In diesem Fall würde ich aber auf eine etwas andere als die typische "kleiner Mann von ganz unten stürzt die bösen reichen und dient als Retter der Nation"- Geschichte hoffen :>


Nein, solche Geschichten sind mir ebenfalls zuwider.

Die Geschichte , die dir dabei als Inspiration diente, kenne ich leider nicht.
Darf ich fragen um welche es sich handelt? :>


Natürlich darfst du ... ich schicke dir eine PN.

Für mich war es eine typische Kurzgeschichte , könnte man auch für einen Prolog verwenden, steht aber auch für sich alleine ganz gut.


So sollte es sein. Zunächst steht sie für sich, aber als Prolog lässt sie sich irgendwann auch noch verwenden.

Ich mag es , wie der Protagonist , trotz düsterer Atmosphäre, als Hoffnungsschimmer steht , der alles verändern könnte.



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