[Lyrik | Sonstiges]Vamonos chica locita!

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[Lyrik | Sonstiges]Vamonos chica locita!

Beitragvon Chicalocita » 19.07.2015, 01:50

Ein etwas anderes Reisetagebuch

Abwartend
verstreichen Tage, Monate und Jahre.
Ziehen die Jahreszeiten vorüber.
Kommen und gehen Generationen.

Abwartend
dass etwas besonderes geschähe.
Jemand käme der endlich zeige den rechten Weg.
Doch vergeblich warten wir.
Selber musst du aufstehen und auf die Suche gehen.
Mut beweisen endlich zu sagen was man wirklich denkt
zu tun was aus tiefster Seele du willst.
Zu leben unsre Träume.

Nur zu gut wissen wir dies
und trotzdem
sitzen weiter wir hier.
Schweigend
abwartend
von Ängsten und Zweifeln geplagt.
Misstrauisch
suchend zu verbergen was wir sind.
Verdrängen
Gefühle mit unserm Verstand
schweigen tot
was längst gesagt sein sollte.

Meister sind wir in diesen Dingen geworden.
So sehr
dass wir wirklich nicht mehr wissen wer wir eigentlich sind
was unsere Bestimmung sei.
Vergessen haben wir unsere Träume und Visionen
und an unserer Härte und Kälte
gehen zugrunde wir selbst
und die Menschen die uns begegnen.

Abwartend
versinken wir alle in Schweigen und Dunkelheit.

Der Aufbruch
Ya Basta! (span. Es reicht!)

Packe meinen Rucksack und breche auf meinen Träumen zu folgen.
Mexiko!
Wie lange war das nur blosse Utopie, ein Hirngespinst in einer langen Warteschleife unzähliger weiterer Sehnsüchte, blockiert vom gewohnt erdrückenden, jede Kreativität besetzenden Alltags. Wie lange schon verzagte meine Seele in lähmender Routine, funktionierte ich scheintod als kleines Zahnrädchen in dieser Maschinerie gesellschaftlicher Verdummung des Fortschritts wegen.
Doch nun steht da mein Rucksack gepackt auf einer Waage. 10 kg meines gewohnten Lebens und Besitzes gut verstaut in seinen Eingeweiden. Jedes kilo mehr sei nur Ballast sagt eine Globetrotter- Weisheit aus dem dicken Reiseführer von Mexiko den ich mir bereits vor Monaten gekauft hatte und dessen Hoteladdressen und Busfahrpläne uns auf diesem Trip , wo nichts gebucht außer die Flüge, einziger Führer sein sollte.
Auf eigene Faust, eigene Wege gehend abseits der Touristentrampelpfade und sicherer Umzäunung bewachter Hotelbunker wo neonbunte Menschenhorden sich tümmelten an überquellenden All-inclusive Buffets.
Fernab der Pflichten und Erwartungen meines Umfelds hier breche ich auf zu suchen mich selbst in Freiheit. Eigene Wege beschreitend mein Glück zu suchen.
Verlange ich zuvievom Leben? Eigennützig, egoistisch, undankbar mein Wunsch dies alles hier zurück zu lassen und meinen Freunden, meiner Familie so, mich aus dem Staub machend, den Rücken zuzukehren? Was wenn sie am Ende doch recht behalten und ihre Unkenrufe von heimtückischen Auslandskrankheiten, mordenden Organ-händlern und ganzer Horden listiger Taschendiebbanden mich kleinlaut heimkehren lassen müssen? Panik beschleicht mich, stellt schlagartig in Frage die Richtigkeit meiner Entscheidung, verunsichert, ängstigt mich. Könnte ich jetzt somkurz vor der Abreise alles rückgängig machen, ich glaube ich täte es. Still und heimlich flüchten, verkriechen mich ganz tief in die Ritzen des Sofas vor meinem Fernseher.
Doch kein Zurück gibt es nun mehr...
Chicalocita
 
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Registriert: 19.07.2015, 00:05

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