[Nachdenk]Verbucht...

Gesellschaft, Kritik, Philosophisches

[Nachdenk]Verbucht...

Beitragvon Mary D_Arc » 04.07.2013, 15:23

So mein erstes Werk. Ich wag mich mal an ein Thema wo von niemand gern Betroffen ist, was aber nicht wegzuschreichen ist. Bin mal gespannt über die Kretik.
Viel Spaß beim Lesen.^^





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Verbucht...

"Einmal Harzt IV hin und zurück."
Der Mensch mir gegenüber hackte auf die Tasten seines Computers ein. Es dauerte etwas dann hob sich sein Blick und legt sich auf mich.
"Tut mir leid, aber die Karten zurück in den Job sind gerade ausverkauft. Wir wissen nicht, wann wir wieder welche hereinbekommen, da sie limitiert sind."
"Echt Jetzt? Mhmmm..... Kein Anhaltspunkt oder eine Ahnung?"
"Leider nein." Ohne mit der Wimper zu zucken starrte er mich an und erinnerte mich an ein Reptil.
"Ich glaub, dann überleg ich mir das noch mal."
"Tja, das geht leider nicht mehr."
"Warum nicht?"
"Weil ich für sie leider schon mit sofortiger Wirkung gebucht habe." Teilte er mir ausdruckslos mit.
Fassungslos schaute ich ihn an. "Wie jetzt? Nicht im Ernst oder?"
"Doch. Nehmen sie sich bitte diesen Antrag, füllen ihn aus und stellen sie sich dahinten in die Schlage." Er schob mir ein Stapel Blätter über seinen Schreibtisch zu.
Immer noch perplex starrte ich ihn an. "Kann ich die Buchung nicht stornieren?"
Wieder hackte er etwas in seinen Rechner. Dann blickte er wieder auf. "Nein. Es gibt kein Rücktrittsbrechtigung. Tut mir leid."
Ich glaubte ihm nicht, dass seine Mitleidsbekundung echt war. "Das ist doch nicht ihr Ernst oder?"
"Doch. Bitte nehmen sie nun ihre Papiere. Der nächste Kunde wartet schon hinter ihnen."
"Aber..." weiter kam ich nicht, denn da tauchten schon zwei große, dunkle Gestalten neben mir auf und ergriffen mich. Sie drückten mir den Blätterstapel in die Hand und zerrten mich vom Stuhl. Sie schleiften mich mit ebenfalls ausdruckslosen Minen zu der scheinbar endlosen Schlange. Dort stellten sie mich auf die Füße und verschwanden wortlos. Protest war zwecklos.
Mein Blick wanderte über die mir nächsten Personen. Was ich sah waren ausdruckslose Gesichter mit verschiedenen Körper. Es gab dicke, dünne, aufgedunsene, heruntergekommene, gut gepflegte, herausgeputzte, mitgenommene und durchschnittlich Körper. Alle hielten sie einen Schwung Blätter in der Hand. Ihre Blicke waren auf die Köpfen der Körper vor ihnen geheftet. Doch das Auffälligste war, dass ihnen allen in unterschiedlicher Stärke penetrant die Hoffnungslosigkeit anhaftete.
Mein Vordermann drehte sich zu mir um. Sein Blick war leer, dennoch hoben sich seine Mundwinkel. "Willkommen." Tonlosigkeit triefte aus seiner Stimme.
Ich blickte ihn an, dann auf meinen Blätterstapel, als ich den Blick wieder hob, sah ich bloß noch seinen Rücken.
"Und was ist mit einem Stift?"
Niemand antwortete mir.
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Re: Verbucht...

Beitragvon Allonsy » 13.07.2013, 12:07

Hey Mary D_Arc!

Die Idee gefällt mir! Mit diesem Thema wird sich ja ganz gerne mal beschäftigt, die Art und Weise wie du es umgesetzt hast, lässt es aber eher surreal wirken. Fast wie ein schlechter Traum und auch ein wenig ironisch. Die Stimmung, die du damit geschaffen hast, gefällt mir!

Trotzdem ist mir einiges aufgefallen!

Mary D_Arc hat geschrieben:Verbucht...

"Einmal Harzt IV hin und zurück."
Der Mensch mir gegenüber hackte etwas in die Tasten seines Computers. Es dauerte etwas dann hob sich sein Blick und legt sich auf mich.


Möchtest du hier wirklich "hackte etwas in die Tasten seines Computers" sagen? Hackte finde ich zu hart. Besser würde mir "tippte" gefallen.

Mary D_Arc hat geschrieben:"Tut mir leid, aber die Karten zurück in den Job sind gerade ausverkauft. Wir wissen nicht, wann wir wieder welche hereinbekommen, da sie limitiert sind."
"Echt Jetzt? Mhmmm..... Kein Anhaltspunkt oder eine Ahnung?"
"Leider nein." Ohne mit der Wimper zu zucken starrte er mich an und erinnerte mich an ein Reptil.
"Ich glaub, dann überleg ich mir das nochmal."
"Tja, das geht leider nicht mehr."
"Warum nicht?"
"Weil ich für sie leider schon mit sofortiger Wirkung gebucht habe." Teilte er mir ausdruckslos mit.
Fassungslos schaute ich ihn an. "Wie jetzt? Nicht im Ernst oder?"
"Doch. Nehmen sie sich bitte diesen Antrag, füllen ihn aus und stellen sie sich dahinten in die Schlage." Er schob mir ein Stapel Blätter über seinen Schreibtisch zu.
Immer noch perplex starrte ich ihn an. "Kann ich die Buchung nicht stornieren?"
Wieder hackte er etwas in seinen Rechner. Dann blickte er wieder auf. "Nein. Es gibt kein Rücktrittsbrechtigung. Tut mir leid."
Ich glaubte ihm nicht, dass seine Mitleidsbekundung echt war. "Das ist doch nicht ihr Ernst oder?"
"Doch. Bitte nehmen sie nun ihre Papiere. Der nächste Kunde wartet schon hinter ihnen."
"Aber..." weiter kam ich nicht, denn da tauchten schon zwei große, dunkle Gestalten neben mir auf und ergriffen mich. Sie drückten mir den Blätterstapel in die Hand und zerrten mich vom Stuhl. Sie schleiften mich mit ebenfalls ausdruckslosen Minen zu der scheinbar endlosen Schlange. Dort stellten sie mich auf die Füße und verschwanden wortlos. Protest war zwecklos.
Mein Blick wanderte über die mir nächsten Personen. Was ich sah waren ausdruckslose Gesichter mit verschiedenen Körpern. Es gab dicke, dünne, aufgedunsene, heruntergekommende, gut gepflegte, herausgeputzte, mitgenommende, durchschnittlich, unaufällige und auffällige Körper.


Ich würde hier auch "unauffällige und auffällige" weglassen, immerhin beschreibst du oben ganz gut, wie die Körper aussehen.

Mary D_Arc hat geschrieben:Alle hielten sie einen Schwung Blätter in der Hand. Ihre Blicke waren auf die Köpfe ihrer Vordermänner geheftet. Doch das Auffälligste war, dass ihnen allen in unterschiedlicher Stärke penetrant die Hoffnungslosigkeit anhaftete.
Mein Vodermann drehte sich zu mir um. Sein Blick war leer, dennoch hoben sich seine Mundwinkel. "Willkommmen." Tonlosigkeit triefte aus seiner Stimme.
Ich blickte ihn an, dann auf meinen Blätterstapel, als ich den Blick wieder hob, sah ich bloß noch seinen Rücken.
"Und was ist mit einem Stift?"
Niemand antwortete mir.


Die Rechtschreibung musst du dir bei der Geschichte noch ein bisschen ansehen. Da waren einige Fehler dabei!
Ich hoffe, ich konnte dir mit meiner Antwort helfen!

LG
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Re: Verbucht...

Beitragvon Mary D_Arc » 17.07.2013, 14:48

Hallo Allonsy,

Erst einmal Danke für den Hinweis der Rechtschreibfehler. Die schleichen sich bei mir immer wiedeer ungewollte in die Texte. Dumm nur das sie eine ganz spezielle Tarnvorrichtung haben, die ich meist nicht durch dringen kann. Deswegen bin ich immer wieder dankbar, wenn andere die für mich aufspüren und mir beim Ausmerzen helfen.

Schließlich freue ich mich auch darüber, dass die Geschichte bei dir surreal herüberkommt, denn das war mein Ziel. Ich wollte das Thema mal auf eine etwas andere Art anpacken. Es von den üblichen Kontex befreien und vollkommen losgelöst darstellen. Das ist ja auch möglich, da jeder mit den Wort Harz IV was anfangen kann. ^^

Was das 'in die Tasten hacken' angeht so bin ich noch am überlegen ob ich das ändere oder nicht. Eigentlich solle es schon hart klingen, da es etwas entgültiges hat. Schließlich tippt er ja gerade die 'Buchung' der Arbeitslosigkeit und Bedürftigkeit ein und bringt den Protagonist damit in eine misslich Lage....

PS: Ansonsten habe ich den Text soweit bearbeitet.
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Re: Verbucht...

Beitragvon Erich » 01.07.2014, 10:52

Hallo Marc D_Arc,

auch ich möchte dir gerne einen Kommentar zu deiner Geschichte schreiben. :)

Zuerst möchte ich dir sagen, dass ich das Thema, das du gewählt hast, sehr interessant finde. Die überzeichnete und surreale Art, wie du das Geschehen beim Arbeitsmarktservice schilderst, halte ich für einen gelungen stilistischen Griff, da es das Gefühl, das Menschen in dieser Situation empfinden, stark hervorhebt.

Ein paar Kleinigkeiten sind mir aufgefallen:

Es dauerte etwas dann hob sich sein Blick und legt sich auf mich.


Hier würde ich in der Zeit bleiben:

… legte sich auf mich.

Tut mir leid, aber die Karten zurück in den Job sind gerade ausverkauft.


Hier frage ich mich, ob der Ausdruck Job wirklich passend ist. Vielleicht eher Arbeitswelt, oder Berufsleben …

"Ich glaub, dann überleg ich mir das noch mal."
 

Hier frage ich mich, was er sich überlegen will, beziehungsweise was er für eine Alternative hat, denn wenn du einmal arbeitslos bist, bleibt dir eigentlich nichts anderes, als dich beim AMS zu melden.

Nehmen sie sich bitte diesen Antrag, füllen ihn aus und stellen sie sich dahinten in die Schlage."


Hier würde ich eher schreiben:

Nehmen sie bitte diesen Antrag, füllen sie ihn aus und stellen sie sich dahinten in die Schlange.

Wieder hackte er etwas in seinen Rechner. Dann blickte er wieder auf. "Nein. Es gibt kein Rücktrittsbrechtigung. Tut mir leid."


Eines der „wieder“ würde ich streichen oder vielleicht den ganzen zweiten Satz.

Wieder hackte er etwas in seinen Rechner. „Nein, es gibt keine Rücktrittsberechtigung. Tut mir leid.“

Ich glaubte ihm nicht, dass seine Mitleidsbekundung echt war.


Man muss hier bedenken, dass wenn du dich arbeitslos meldest, der Staat für dich zahlt, also dem Staat ist es eigentlich viel lieber, wenn du nicht beim AMS gemeldet bist.

Sie schleiften mich mit ebenfalls ausdruckslosen Minen zu der scheinbar endlosen Schlange.


Also bei Beistrichen bin ich mir selber oft unsicher, aber hier würde ich welche machen, einfach weil es sonst den Lesefluss stört.

Sie schleiften mich, mit ebenfalls ausdruckslosen Minen, zu der scheinbar endlosen Schlange.

Was ich sah waren ausdruckslose Gesichter mit verschiedenen Körper.


Körpern …

Ihre Blicke waren auf die Köpfen der Körper vor ihnen geheftet.


Köpfe …

Nochmals möchte ich dir sagen, dass ich die Thematik spannend finde, auch erzeugst du ein Gefühl der Trostlosigkeit, dass vielleicht wirklich in dieser Art beim AMS vorherrscht, gleichzeitig musst du aber bedenken, dass der AMS eine sehr soziale Einrichtung ist, denn früher haben die Menschen überhaupt keine Absicherung vom Staat erhalten. Somit würde ich nicht notwendigerweise den AMS in der Geschichte als den Bösen erscheinen lassen, der die Menschen nicht mehr gehen lassen will, denn der AMS ist froh über jeden, den er los wird. Authentischer wäre es vielleicht die wirtschaftliche Lage in dem Land zu kritisieren … Dennoch fand ich deine Geschichte interessant und spannend. :)

LG :D
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Re: Verbucht...

Beitragvon curious » 03.01.2015, 16:34

Hallo Mary D_Arc,

deine Geschichte greift ein brisantes Thema auf und die Idee das Ganze mit einem Ticketverkauf zu assoziieren, finde ich genial. Auch die Überschrift ist toll. Sie lässt vermuten, dass es sich um eine Reise handelt, daher gelingt dir ein Überraschungseffekt.

Deine Geschichte gefällt mir, doch einige Sachen machen sie für mich nicht ganz rund.

Der Mensch mir gegenüber hackte auf die Tasten seines Computers ein. Es dauerte etwas dann hob sich sein Blick und legt sich auf mich.


Die Formulierung "auf die Tasten einhacken" stört mich. Ich hätte es eher so formuliert: "[...]während er gelangweilt und routiniert meine Daten im System erfasste." In deiner Geschichte wirkt es nicht so, als sei der Mitarbeiter besonders daran interessiert zu helfen, daher gelangweilt und routiniert. Das Wort System habe ich gewählt, weil es zum einen das Computerprogramm, zum Anderen aber das System Hartz IV/Jobcenter meint. Ich würde auch in der Vergangenheit bleiben, also schreiben "sein Blick legte sich auf mich."

"Leider nein." Ohne mit der Wimper zu zucken starrte er mich an und erinnerte mich an ein Reptil.


Den Vergleich verstehe ich nicht ganz und ich finde ihn durch das "und" nicht geschickt eingearbeitet. Ich würde das Reptil genauer benennen (Schlange, Echse oder etwas Anderes) und genauer auf den Blick/die Augen eingehen.

Er schob mir ein Stapel Blätter über seinen Schreibtisch zu.


Über das "über seinen Schreibtisch" bin ich beim Lesen gestolpert. Das würde ich weglassen.

Ich glaubte ihm nicht, dass seine Mitleidsbekundung echt war. "Das ist doch nicht ihr Ernst oder?"


Ich würde schreiben: "Ich glaubte ihm nicht, dass er tatsächlich Mitleid empfand". "Das ist doch nicht Ihr Ernst, oder?" kommt nun schon zum zweiten Mal. Da würde ich eine andere Formulierung wählen. "Das können Sie doch nicht machen" zum Beispiel.

Die sprachlichen Bilder, die du verwendest, finde ich hingegen genial. Durch den Vergleich mit einem Ticketschalter, bei dem der Kunde als einer von vielen möglichst schnell "bedient" und abgefertigt werden soll, kann ich mich in den Protagonisten hineinversetzen. Ich war noch nie beim Arbeitsamt, viele Andere vielleicht auch nicht, aber solch eine Situation hat bestimmt jeder schon einmal erlebt.
Die dunklen Gestalten geben dem Szenario etwas Bedrohliches.

Dort stellten sie mich auf die Füße


Das klingt so, als würden sie ihn tragen. Ich hätte eher geschrieben: "dort ließen sie mich stehen"

ebenfalls ausdruckslosen Minen


Das "ebenfalls" würde ich weglassen.

Mein Blick wanderte über die mir nächsten Personen. Was ich sah waren ausdruckslose Gesichter mit verschiedenen Körper. Es gab dicke, dünne, aufgedunsene, heruntergekommene, gut gepflegte, herausgeputzte, mitgenommene und durchschnittlich Körper. Alle hielten sie einen Schwung Blätter in der Hand. Ihre Blicke waren auf die Köpfen der Körper vor ihnen geheftet. Doch das Auffälligste war, dass ihnen allen in unterschiedlicher Stärke penetrant die Hoffnungslosigkeit anhaftete.


An dieser Stelle bin ich besonders hängengeblieben. "Ausdruckslos" verwendest du öfter. Du sprichst von "Körpern" und das stört mich. Ich hätte es folgendermaßen formuliert: "Mein Blick wanderte über die Personen, die vor mir standen. Alle starrten sie mit leerem Blick auf ihren Vordermann. Ich sah die unterschiedlichsten Menschen: dick, dünn, aufgedunsen, gepflegt, herausgeputzt, mitgenommen, durchschnittlich." Alle hatten sie einen Berg (das verstärkt die Hoffnungslosigkeit) Blätter in der Hand. Doch die auffälligste Gemeinsamkeit war, dass ihnen allen, wenn auch in unterschiedlicher Stärke, penetrant Hoffnungslosigkeit anhaftete."

Tonlosigkeit triefte aus seiner Stimme.


Das ist für mich ein Widerspruch. Vielleicht eher Trostlosigkeit?

Ich blickte ihn an, dann auf meinen Blätterstapel, als ich den Blick wieder hob, sah ich bloß noch seinen Rücken.
"Und was ist mit einem Stift?"
Niemand antwortete mir.


Die letzten Worte sind sehr gut gelungen. Sie lassen Raum für eigene Interpretationen und verstärken nochmals das Gefühl der Hoffnungslosigkeit und auch des Desinteresses.

Das wars erstmal von mir. ;)
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