Vergewaltigungsszene schreiben.

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Vergewaltigungsszene schreiben.

Beitragvon Davebones » 28.10.2015, 18:46

WIe man eine Liebes und Sexszene schreibt wissen wir ja bereits :wink: Doch wie sollte man eine vergewaltigung an einer jungen Frau schreiben? Möchte man überhaupt detailliert beschreiben? In meinem Roman geht es eigentlich gesittet zu. Klar. Es herrscht Krieg und der ist scheiße. Aber die Vergewaltigungsszene ist wirklich der "Tiefpunkt" der emotionen. Wie würdet oder habt ihr solche Szenen geschrieben?

Bitte keine expliziten Beschreibungen oder Beispiele für solche Szenen hier posten, das verstößt sonst gegen den Jugendschutz.
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Re: Vergewaltigungsszene schreiben.

Beitragvon Maggi1417 » 28.10.2015, 19:04

Aus wessen Sicht? Die des Opfers, des Täters, oder eines Zeugen?

Ich bin nicht grundsätzlich gegen solche Szenen, aber ich halte -wie bei anderen Gewaltformen auch- wenig von "Torture-Porn".
Ich weiß noch, dass ich damals "Die Wanderhure" nach dem ersten Kapitel zur Seite gelegt habe, weil selbst mir (und ich betrachte mich nicht als zart besaitet) das zu gewollt ekelhaft-brutal war.

Wie bei anderen Gewaltszenen finde ich hier Emotionen wichtiger als "technische Details".
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Re: Vergewaltigungsszene schreiben.

Beitragvon Badabumm » 28.10.2015, 19:11

Wie schreibt Martin denn sowas? Habe die Bücher nicht weit gelesen, er hat doch bestimmt die eine oder andere Vergewaltigung drin, oder? ;-)
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Re: Vergewaltigungsszene schreiben.

Beitragvon Davebones » 28.10.2015, 19:15

Maggi1417 hat geschrieben:Aus wessen Sicht? Die des Opfers, des Täters, oder eines Zeugen?

Ich bin nicht grundsätzlich gegen solche Szenen, aber ich halte -wie bei anderen Gewaltformen auch- wenig von "Torture-Porn".
Ich weiß noch, dass ich damals "Die Wanderhure" nach dem ersten Kapitel zur Seite gelegt habe, weil selbst mir (und ich betrachte mich nicht als zart besaitet) das zu gewollt ekelhaft-brutal war.

Wie bei anderen Gewaltszenen finde ich hier Emotionen wichtiger als "technische Details".

Aus der Sicht des erzählers, der hauptsächlich das opfer beachtet.

@Badabumm:

Habe die bücher auch nicht gelesen :oops:
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Re: Vergewaltigungsszene schreiben.

Beitragvon Maggi1417 » 28.10.2015, 19:58

Wie schreibt Martin denn sowas? Habe die Bücher nicht weit gelesen, er hat doch bestimmt die eine oder andere Vergewaltigung drin, oder?

Nicht so wahnsinnig explizit. Man weiß was Sache ist, aber man bekommt nicht jedes grausame Detail geschildert. Die einzigen Beispiele, die mir jetzt spontan einfallen sind Daenerys als Opfer und Tyrion als Täter.
Ansonsten wird es nur erwähnt, nicht gezeigt.
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Re: Vergewaltigungsszene schreiben.

Beitragvon Ankh » 28.10.2015, 20:01

Badabumm hat geschrieben:Wie schreibt Martin denn sowas? Habe die Bücher nicht weit gelesen, er hat doch bestimmt die eine oder andere Vergewaltigung drin, oder? ;-)


Der hat da verschiedene Versionen: aus der Sicht eines beobachtenden Kindes ziemlich knapp und neutral, (wenn ich mich recht erinnere), wobei letztes entweder auf Unverständnis oder auf "nicht an sich ranlassen wollen" zurückzuführen sein könnte. Eine andere Szene wurde in wörtlicher Rede von einem Beobachter erzählt, nach dam Motto "haha, und dann hat er ...". Oder man bekommt nur die Folgen beschrieben. Kommt halt immer auf die Perspektive an, und um wen es gerade geht.
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Re: Vergewaltigungsszene schreiben.

Beitragvon Deirdre » 28.10.2015, 20:07

Badabumm hat geschrieben:Wie schreibt Martin denn sowas? Habe die Bücher nicht weit gelesen, er hat doch bestimmt die eine oder andere Vergewaltigung drin, oder? ;-)


Bei Martin klingt das ungefähr so:
Sie unterhielt sich mit ihrem Bruder über irgendwas. Auf der anderen Seite des Raumes wurde gerade eine Frau vergewaltigt. Hinter dem Vergewaltiger hatte sich schon eine lange Schlange von Männern gebildet, die jetzt alle nacheinander die Frau vergewaltigten. Das Opfer schrie. Sie drehte sich wieder zu ihrem Bruder um und nahm sich eine Traube vom Tisch.


Eine Vergewaltigung ist für das Opfer oft eine traumatisierende Erfahrung. Die Erinnerung an die Tat selbst wird häufig sehr nachhaltig verdrängt, so dass sie nicht mehr bewusst abrufbar ist. Stattdessen kann dann eine posttraumatische Belastungsstörung auftreten. Der Umgang mit dem Erlebnis im Nachhinein ist für deine Figur also deutlich wichtiger als die spezifische Erfahrung.

Ich schließe mich Maggi an: Torture-Porn ist für mich ein Grund ein Buch wegzulegen, mir den Namen des Autors aufzuschreiben und nie wieder ein Buch von ihm anzurühren.
Für alle, die einen Hafen suchen, wenn die Werkstatt schließt: http://die-schreibstube.phpbb8.de/forum
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Re: Vergewaltigungsszene schreiben.

Beitragvon Davebones » 28.10.2015, 20:45

Der Umgang mit dem Erlebnis im Nachhinein ist für deine Figur also deutlich wichtiger als die spezifische Erfahrung.


Daran habe ich natürlich schon gedacht. Dem Opfer geht es sogar direkt am Anfang miserabel (Mangel ernährung, brutale abtreibung, mangelnde Pflege etc.) doch das größte Problem ist es für sie wieder jemanden an sich heranzulassen. Nicht nur körperlich.
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Re: Vergewaltigungsszene schreiben.

Beitragvon Dingelchen » 29.10.2015, 09:50

Wenn es nach dem Begriff "Torture-Porn" jetzt darum geht, Gewaltszenen explizit zu verherrlichen (mit welchem Ziel auch immer, sei es Belustigung, Erregung, Sensationsgeilheit, ...), bin ich auch dagegen. Ich hab die Wanderhure nicht gelesen, aber falls hier einfach Sensationsgeilheit befriedigt werden sollte, find ich das doof.
Ich bin aber nicht grundsätzlich gegen eine explizite Darstellung - auch nicht gegen eine Darstellung von "technischen Details", weil gerade diese "technischen Details" es häufig sind, die sich als Ekelbilder in das Gedächtnis der Opfer einbrennen. So gesehen hat der Autor dann die Situation authentisch rübergebracht, wenn der Leser das Buch vor Ekel weglegt.
Ich finde aber eine subtile Darstellung ebenso interessant und dieses Beispiel hier von Martin klingt so nüchtern-untertrieben, dass ich auch so etwas schon wieder genial finde.
Ich denke, da gibt's also keine allgemeingültige Antwort. Und ich finde es schwierig zu beurteilen, wenn man deinen Roman ansonsten nicht kennt. Wenn es "gesittet" zugeht, könnte ne explizite Darstellung a) entweder schocken und den Tiefpunkt passend verdeutlichen oder b) den Leser verstören, weil du einen Stilbruch begehst - was jedoch, ohne deinen Text zu kennen, schwer zu beurteilen ist.
Hast du derzeit keine Testleser, die du da befragen könntest?

LG
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Re: Vergewaltigungsszene schreiben.

Beitragvon mareis » 29.10.2015, 12:31

Ich schätze mal bei sowas ist es mit den Witzen. Man darf darüber reden, aber es kommt darauf an WIE.
Am besten schau dir mal schwarze Witze über das Thema an und überleg: "Finde ich das okay? Hat er das Thema sensibel behandelt?" Dann versuchen die Prinzipien dahinter zu verstehen und das ganze auf Literatur umwälzen. Bret Easton Ellis-Style würde ich aber sagen wir mal nicht empfehlen ;)
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Re: Vergewaltigungsszene schreiben.

Beitragvon Erotomania » 30.10.2015, 00:41

Es ist wirklich schwierig die Balance zwischen Geschmacklosigkeit und richtiger Wortwahl zu finden.

Ganz gut fand ich die Szene in "Lockruf des Todes" von Sallie Bissel. Objektiv, aus der Sicht des Opfers. Ziemlich hart fand ich wiederum "Die Geduld der Spinne". Die Szene selbst wurde nicht beschrieben, sondern nur angedeutet, aber das war schon abartig genug, ohne das es überhaupt zu Gewalt kam. Ich kann dir beide Bücher empfehlen, weil sie dieses Thema sehr unterschiedlich angehen ( und nebenbei beides keine schlechten Bücher sind ).
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Re: Vergewaltigungsszene schreiben.

Beitragvon Erotomania » 30.10.2015, 01:00

Edit:

Ich rate dir genau zu überlegen was du mit der Szene erreichen willst. Mitleid mit dem Opfer? Dann konzentriere dich auf seine Reaktion/Gefühle. Kaltblütigkeit des Täters? Konzentriere dich auf ihn, vielleicht, dass er durch ihre Schreie weiter angestachelt wird oder Sie komplett ignoriert.
Den Leser schocken? Vielleicht anwidern?
Ich würde die Szene kurz und knackig halten, denn Vergewaltigungen sind oftmals schnell vorbei, dafür umso härter. So bleibt der Leser, wie das Opfer mit seinem Schock zurück, bevor er realisiert, was passiert ist.
Für die seelischen Folgen empfehle ich dir Fachliteratur zu lesen. In Büchern und Filmen werden gerne mal Klischees bedient, an die man sich nicht halten sollte. Dieses Thema ist sehr sensibel und erfordert viel Empathie.

Viel Erfolg beim Schreiben :)
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Re: Vergewaltigungsszene schreiben.

Beitragvon VickieLinn » 01.11.2015, 00:55

Ich finde es doof, wenn solche Szenen bloß geschrieben werden, um die Spannung zu erhöhen. Es ist ein einschneidendes Erlebnis, das deutliche Spuren hinterlässt … außer du baust so eine Welt wie Martin und stellst Vergewaltigungen als Selbstverständlichkeit dar. Weil ein Opfer eben nicht einfach so alles wegsteckt, sondern noch Jahre, Jahrzehnte daran knabbert. Die Vergewaltigung spiegelt sich in den Handlungen und den Gedanken wider.
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Re: Vergewaltigungsszene schreiben.

Beitragvon Mefla » 21.11.2015, 18:48

Hi Davebones,
ich weiß nicht genau, was du schreiben willst bzw. was du erreichen willst, aber wenn du gut geschilderte Vergewaltigungen brauchst, empfehle ich dir Aktenzeichen XY ungelöst. Das kommt immer wieder darin vor und recherchieren ist auch einfach. Und auch der psychiche Zusand der Opfer danach wird gut dargestelt, finde ich (oder denke ich, habe zum Glück keine Ahnung darüber).
Sonst noch viel Erfolg :D
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