[Spannung]...verliefen sich im Wald 1/2

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[Spannung]...verliefen sich im Wald 1/2

Beitragvon Mentos7 » 13.07.2015, 15:59

Das ist eine Antwort auf eine etwas veraltete Fingerübung, die ich heute aber erst entdeckt habe.

„Die unregelmäßigen Schläge der Axt drangen langsam ins unser Bewusstsein. Unsere Wangen glühten noch vom Fangen spielen, doch jetzt standen wir schon eine Weile da und lauschten auf das gelegentliche Schnarren des Spechts und das Klopfen der Axt. Abgesehen davon war es still im Wald. Johann war der erste, der es bemerkte. Ich fing seinen Blick auf und wollte wissen, was los sei. ‚Da stimmt etwas nicht‘, murmelte Johann, und nun hörte ich auch genauer hin. Er hatte Recht. ‚Das geht immer so bumm… bumm… … … bum‘, stellte ich fest, ‚dabei müsste es so gehen bumm, bumm, bumm, bumm.‘
Johann sah mich an, und in stummem Einverständnis machten wir uns auf den Weg in die Richtung, aus der wir die Axtschläge hörten. Schon bald mussten wir den schmalen Pfad verlassen und uns einen Weg durch das Unterholz bahnen. Manchmal peitschten mir zurückschnellende Zweige ins Gesicht, doch ich gab keinen Laut von mir. Es wurde immer mühsamer, sich durch die Sträucher und das Unterholz zu zwängen. Man macht sich keine Vorstellung, wie unwegsam so ein Wald ist, wenn man nicht auf den üblichen Wegen bleibt. Trotz der Kälte wischte Johann sich immer wieder unwillig den Schweiß aus dem Gesicht Ich trug den kleinen Rucksack mit unseren Vorräten und folgte ihm.
‚Da, schau mal!‘, rief Johann. Ich bemerkte den Klang von Triumph in der Stimme meines Bruders, der offenbar stolz war, der Erste gewesen zu sein, der es entdeckt hatte. Ich musste unwillkürlich schmunzeln. Johann würde wohl immer der Kleinere bleiben, der sich beweisen musste. Doch mein Schmunzeln erstarb, als ich neben ihn trat und den Holzscheit sah, der mit einem Seil an einem Ast festgebunden war. Sofort war mir klar, was das bedeutete. Bumm… bumm. Johann stürzte vor, packte das Holzscheit und schleuderte ihn mit aller Kraft gegen den Baum. Er schrie, zerrte daran, ohne etwas zu bewirken, dann schleuderte er ihn noch einmal. Das Holzscheit prallte ab und traf ihn an der Stirn. Er schrie noch einmal auf, diesmal vor Schmerz. Ich sagte nichts, sondern wartete, bis Johann zurückkam, sah prüfend die Stelle auf der Stirn an, dann pustete ich behutsam, wieder und wieder, bis mein kleiner Bruder sich wieder beruhigt hatte.
Wir wollten wieder zurückgehen, aber wir fanden den Weg nicht mehr. Wir hatten ja nicht aufgepasst, weil wir dachten, sie wären noch da. Sie wollten doch nur einen Weihnachtsbaum schlagen. Oder eigentlich haben wir gar nicht richtig nachgedacht. Bisher war es nie nötig gewesen, im Wald auf den Weg zu achten, wir sind gar nicht auf die Idee gekommen, dass wir uns verlaufen könnten. Jedenfalls irrten wir eine Weile umher und Johann wurde immer ängstlicher. Ich sah es an seinen Augen, die werden immer ganz dunkel, wenn ihm unheimlich ist. Und bald wollte er nicht mehr weiterlaufen. Es war schon spät am Nachmittag, und die Dämmerung brach ein. Ich bekam langsam auch Panik. Was, wenn wir nicht rechtzeitig herausfänden? Ich mochte mir gar nicht vorstellen, wie kalt es nachts werden würde. Unsere Wangen glühten nicht mehr, der Schweiß war längst kalt geworden und meine Hände konnte ich kaum noch bewegen.
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Re: ...verliefen sich im Wald 1/2

Beitragvon Hurri » 13.07.2015, 17:53

Hi Mentos,

hier meine Gedanken zu deiner Kurzgeschichte.

Insgesamt finde ich sie an einigen Stellen schwer nachvollziehbar, aber ich geh sie mal von vorne durch.

Zunächst: Erst spät stellt sich heraus, dass dein Prota die Geschichte jemandem erzählt. Wir wissen erst mal nicht wem, wo und warum. Man merkt aber gar nicht, dass gerade ein Kind spricht, das etwas Furchtbares erlebt hat. Die Sprache ist einfach nicht kindlich. Keine 13-jährige würde jemandem sagen: "Die unregelmäßigen Schläge der Axt drangen langsam in unser Bewusstsein".

Außerdem finde ich es seltsam, dass die Kinder durch unregelmäßige Axtschläge deart alarmiert werden. Beim Holzhacken entstehen doch zwangsläufig Pausen. Und eine vermutlich ungeübte Frau, die Holzhackt, wird nicht regelmäßig wie ein Uhrwerk einen Baum schlagen ...

Man macht sich keine Vorstellung, wie unwegsam so ein Wald ist, wenn man nicht auf den üblichen Wegen bleibt.
Den Satz würde ich streichen. Du wiederholst dich nur.

Doch mein Schmunzeln erstarb, als ich neben ihn trat und den Holzscheit sah, der mit einem Seil an einem Ast festgebunden war. Sofort war mir klar, was das bedeutete. Bumm… bumm. Johann stürzte vor, packte das Holzscheit und schleuderte ihn mit aller Kraft gegen den Baum. Er schrie, zerrte daran, ohne etwas zu bewirken, dann schleuderte er ihn noch einmal. Das Holzscheit prallte ab und traf ihn an der Stirn. Er schrie noch einmal auf, diesmal vor Schmerz. Ich sagte nichts, sondern wartete, bis Johann zurückkam, sah prüfend die Stelle auf der Stirn an, dann pustete ich behutsam, wieder und wieder, bis mein kleiner Bruder sich wieder beruhigt hatte.

Die Stelle hab ich erst mal überhaupt nicht verstanden. Zwei Kinder finden einen Holzscheit, der an ein Seil gebunden an einem Ast hängt und sie wundern sich kein bisschen? Ihnen ist sofort alles klar? Und wieso stürzt sich der Bruder darauf?

Wir wollten wieder zurückgehen, aber wir fanden den Weg nicht mehr. Wir hatten ja nicht aufgepasst, weil wir dachten, sie wären noch da. Sie wollten doch nur einen Weihnachtsbaum schlagen. Oder eigentlich haben wir gar nicht richtig nachgedacht. Bisher war es nie nötig gewesen, im Wald auf den Weg zu achten, wir sind gar nicht auf die Idee gekommen, dass wir uns verlaufen könnten. Jedenfalls irrten wir eine Weile umher und Johann wurde immer ängstlicher.

Wer sind "sie"? Vermutlich die Eltern, aber dann sag das doch. Und wenn du einen Satz mit "jedenfalls" beginnst, deutet das darauf hin, dass du dich vorher in unwichtigen Details verloren hast. Hier schweifst du auf jeden Fall ab. Ich würde den Absatz deutlich straffen. Sie haben sich verlaufen und haben jetz Angst, dabei wollten sie doch nur einen Weihnachtsbaum schlagen. Fertig. Da reichen ein bis zwei Sätze.

Auf einmal sah ich etwas.

Ich sehe meistens etwas :mrgreen: Sag doch, was sie sieht. "Auf einmal sah ich in der Ferne ein winziges Licht aufflackern."

„Mit Pfefferkuchen dran oder was?“

Ein Polizist macht sich über ein Mädchen lustig, das gerade den Schock seines Lebens hinter sich hat? Unwahrscheinlich oder ein riesiges A***loch.

Der Mann sah eigentlich ganz normal aus

Wie ein "normaler" Mann aussieht, fasst wohl jeder anders auf.

Johann sah nicht einmal ängstlich oder verzweifelt aus, sondern so überrascht, dass ich fast lachen musste.

Sie muss fast lachen, obwohl ihr Bruder mit einer Waffe bedroht wird? Halte ich für äußerst unwahrscheinlich auch wenn ihr Bruder noch so seltsam gucken mag.

Ich wusste, was jetzt kommen würde.

Woher? Sie kennt den Typen doch gar nicht.

Ich überlegte fieberhaft, was hier vorging. Dann war mir plötzlich alles klar.

Ich dachte, sie weiß schon, was da läuft? Und wieso kann sie sich plötzlich alles zusammenreimen? Für mich ist das unrealistisch. Selbst wenn sie ihre Stiefmutter nicht mag und ihr einiges zutrauen würde. Aber selbst wenn, scheint sie ein Superhirn zu sein.

Ihr musste klar gewesen sein, dass wir uns verlaufen und früher oder später das Feuer finden würden. Selbst wenn nicht, wir hätten uns verraten. Es war ja sonst ganz still im Wald, dieser Mann hätte uns also leicht entdecken können.

Sie hätten auch in eine andere Richtung gehen können. Und wenn der Wald so dicht bewachsen ist, wie du zuvor geschrieben hast, wäre es wohl nicht so leicht sie zu finden.

Im Umschlag musste das Geld gewesen sein.

Welches Geld?

Johann wartete, bis der Kerl damit beschäftigt war, zu tun, was er tun wollte

Was wollte er denn tun? Ich habe das Gefühl, du scheust dich davor, die schlimmen Details zu nennen. Man muss sie auch nicht in allen Details beschreiben. Aber so finde ich es nicht besonders elegant.

Ich hörte den Schuss gar nicht, weil wir beide gleichzeitig aufschrien.

Ich bin kein Experte aber ich vermute, das ein Pistolenschuss in einem geschlossenen Raum extrem laut sein muss, den Kinderschreie nicht so leicht übertönen.

Er muss sofort tot gewesen sein.

Ebenfalls unwahrscheinlich, dass jemand von einem einzigen unkontrollierten Pistolenschuss sofort tot ist. Da hätte er ihn schon genau in den Kopf treffen müssen. Ich weiß nicht, ob das ein 9-jähriger kann, noch dazu in Panik.

Es werde geprüft, ob der Mann und sie Teil eines Kinderschänderrings seien, möglicherweise könnten sie im großen Stil zuschlagen.

Sorry, aber das macht wieder keinen Sinn. Wenn es so wäre - warum sollte sie dann die Kinder aussetzen und darauf hoffen, dass sie zufällig die Hütte von dem Kerl finden? Dann hätte sie sie doch direkt dorthin gebracht oder nicht?

„Euer Vater lebt von Hartz IV?“ Margarete nickte. Sie spürte das dicke Bündel in ihrer Hosentasche, das sie aus dem Briefumschlag genommen hatte.
„Na dann, frohe Weihnachten!

Ok, der Polizist ist also doch kein A***loch und will ihrer Familie was Gutes tun. Netter Gedanke aber absolut unglaubwürdig. Das Geld wäre ein wichtiges Beweismittel, das dazu dienen würde, die beiden in den Knast zu bringen. Das verschenkt doch kein ernstzunehmender Polizist.

Und wo ist der Vater des Kindes? Der wurde nicht dazugeholt? Unwahrscheinlich.

Ich weiß, es war nur eine Fingerübung. Aber ich glaube, du solltest dir dafür etwas mehr Zeit nehmen. Dein Schreibstil an sich ist gar nicht so schlecht, aber insgesamt ist die Geschichte aus meiner Sicht völlig unglaubwürdig.

Hoffe, ich war nicht zu hart. Es ist ja nur meine einzelne Meinung. Und vielleicht hilft dir die Kritik ja weiter.

LG
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Re: ...verliefen sich im Wald 1/2

Beitragvon Diavolo » 14.07.2015, 11:19

Hallo Mentos7

Auch ich will mich an deinem Text versuchen, habe den vorherigen Kommentar nicht gelesen. Also kann es sein, das manches im Doppelpack ist. Ich fange an:

Mentos7 hat geschrieben:„Die unregelmäßigen Schläge der Axt drangen langsam ins unser Bewusstsein.


Hier müsste es: in heißen, oder weil du im zweiten Satz 'Unsere Wangen' schreibst, könntest du schreiben: ins Bewusstsein

Ich würde vielleicht anders anfangen: Ein unregelmässiges Klopfen drang ins Bewusstsein, und dann
Mentos7 hat geschrieben:Abgesehen davon war es still im Wald.
hier schreiben.

Mentos7 hat geschrieben:Unsere Wangen glühten noch vom Fangen spielen, doch jetzt standen wir schon eine Weile da und lauschten auf das gelegentliche Schnarren des Spechts und das Klopfen der Axt.


Hier frage ich mich, ob die Wangen vom Fangen spielen glühen oder vielleicht von etwas anderem, da sie ja doch schon eine Weile dort standen.

Den Satz finde ich persönlich zu lange.

Schnarrt ein Specht? Habe ich noch nie gehört. Aber er klopft.

Hier vielleicht so: Wir lauschten dem gelegentlichen Klopfen des Spechtes und den Schlägen der Axt.

Mentos7 hat geschrieben: Johann war der erste, der es bemerkte. Ich fing seinen Blick auf und wollte wissen, was los sei. ‚Da stimmt etwas nicht‘, murmelte Johann, und nun hörte ich auch genauer hin.


Das finge ich ein bisschen verwirrend und bringt mich aus dem Lesefluss. Vielleicht geht es etwas spannender.

bemerkte hier müsste es meiner Meinung nach hörte heißen.

Mentos7 hat geschrieben: Ich fing seinen Blick auf und wollte wissen, was los sei. ‚Da stimmt etwas nicht‘, murmelte Johann, und nun hörte ich auch genauer hin.


Das mit dem Blick auffangen finde ich auch störend für den Lesefluss. Vielleicht besser weg lassen und die wörtliche Rede ohne Zusätze wie und nun hörte ich auch genauer hin und vielleicht etwas spannender Schreiben.

Mentos7 hat geschrieben:Johann sah mich an, und in stummem Einverständnis machten wir uns auf den Weg in die Richtung, aus der wir die Axtschläge hörten.


Warum hier nicht einfach: Wir machten uns gemeinsam auf den Weg in die Richtung.

Mentos7 hat geschrieben:Schon bald mussten wir den schmalen Pfad verlassen und uns einen Weg durch das Unterholz bahnen


Das schon würde ich weglassen.

Mentos7 hat geschrieben:Manchmal peitschten mir zurückschnellende Zweige ins Gesicht, doch ich gab keinen Laut von mir.


Hatte Johann dieses Problem nicht auch? Den Nebensatz würde ich auch wieder weglassen, um ein bisschen Spannung in die Geschichte zu bringen.

Mentos7 hat geschrieben:Man macht sich keine Vorstellung, wie unwegsam so ein Wald ist, wenn man nicht auf den üblichen Wegen bleibt.


Das hört sich für mich an, wie eine Belehrung. Wie viele Leser waren schon im dichten Wald unterwegs. Vielleicht bei einer Wildschweinjagd.

Mentos7 hat geschrieben:Trotz der Kälte wischte Johann sich immer wieder unwillig den Schweiß aus dem Gesicht Ich trug den kleinen Rucksack mit unseren Vorräten und folgte ihm.


Das es kalt war, und das du den Rucksack trägst gehört weiter vorne geschrieben. Hier unterbricht es mich wieder im Lesefluss.

Mentos7 hat geschrieben: Ich bemerkte den Klang von Triumph in der Stimme meines Bruders, der offenbar stolz war, der Erste gewesen zu sein, der es entdeckt hatte. Ich musste unwillkürlich schmunzeln. Johann würde wohl immer der Kleinere bleiben, der sich beweisen musste.Doch mein Schmunzeln erstarb,


Finde ich auch nicht wirklich spannend. Du schreibst hier viel zu viel von den Gefühlen des anderen oder dir selbst.

So, um mich nicht die ganze Zeit in deinem weiteren Test zu wiederholen, beende ich jetzt das Kommentieren. Sollte ja nur eine Anregung sein, zum Nachdenken.

Was mir noch auffällt, ist, dass du sehr oft Adverbien, wie: doch, auch, noch, schon, manchmal etc., verwendest. Schaue mal über deinen Text und versuche es ohne, wenn du willst. Das macht deinen Text interessanter.

Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen helfen.

Liebe Grüße
Diavolo
Wie viele Leute schreiben und schreiben und auf dem Papier steht immer nichts!
(Johann Friedrich Freiherr Cotta von Cottendorf)
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Re: ...verliefen sich im Wald 1/2

Beitragvon Zikadenflüsterin » 15.07.2015, 14:16

Liebe/r Mentos7

Wenn ich den ersten Kommentar lese, hattest Du offenbar zunächst einen längeren Ausschnitt der Geschichte eingestellt. Ich habe jetzt jedoch erst einmal nur bis "kaum noch bewegen" gelesen, so wie es jetzt gerade ist.

Positiv möchte ich Dir rückmelden, dass Du für mich die unheimlichen Stimmung im Wald und die Überforderung der Kinder mit der überraschenden Situation gut eingefangen hast, beides kam bei mir an. Über manches muss man aber ganz schön nachdenken. Ich habe mich bemüht Stellen aufzuzeigen, wo etwas deutlicher hätte ein können. Außerdem gefiel mir, da die Geschichte ja offenbar an Hänsel und Gretel angelehnt ist, dass Du den jungen Johann genannt hast. Ich finde da hat etwas. Nun zum konstruktiven Teil :wink: :

Die unregelmäßigen Schläge der Axt drangen langsam ins unser Bewusstsein. Unsere Wangen glühten noch vom Fangen spielen, doch jetzt standen wir schon eine Weile da und lauschten auf das gelegentliche Schnarren des Spechts und das Klopfen der Axt.


In den ersten paar Sätzen war ich als Leser seltsam desorientiert und distanziert zum Geschehen. Ich habe erkannt, dass das bei mir an Deinem "Wir-Erzähler" lag. Es ist denke ich berechtigt, dass es diese Erzälform so nicht wirklich gibt. Man kann sich schwer gleichzeitig mit zwei Charakteren identifizieren, gerade wenn sie beide noch fremd sind. Es erscheint auch für mich nicht echt, dass beide genau das gleiche innere Erleben haben sollen. So eine Wir-Perspektive geht vielleicht mal für einen Satz in der Geschichte, besser wenn der Leser die Erzählerin schon kennt, und für eine von außen deutlich sichtbare Situation, wie etwa "Wir rannten so schnell wir konnten." Das ist glaubwürdig. Aber was das Bewusstsein angeht so kann die Erzählerin wohl höchstens etwas über ihr eigenes aussagen, und über Beobachtungen, was ihren Bruder angeht. So hätte etwa ein Satz wie "Die unregelmäßigen Schläge der Axt drangen langsam in mein Bewusstsein. Johann blickte gedankenversunken lauschend durch die dicht stehenden Kiefern." mich besser abgeholt. Der Leser hätte schneller den Überblick: Ok, es gibt den Erzähler, Johann, und die Axt. Und wir wären auch schon im Wald. Ich hoffe du verstehst, was ich meine. Und verzeih die Kiefern, ich glaube Du hast nichts weiter geschrieben und ich bin in Brandenburg aufgewachsen, also werden in meinem Kopf undefinierte Wälder automatisch zu Kiefernwäldern umgemünzt. ;)
Jedenfalls musst du Dich entscheiden, ob Du einen allwissenden Erzähler haben möchtest, der allen Figuren ins innere schauen kann, oder eine Ich-Erzählerin mit ihren Grenzen, die dann eben auch ihren Bruder nur von außen betrachten kann.

Schon bald mussten wir den schmalen Pfad verlassen und uns einen Weg durch das Unterholz bahnen. Manchmal peitschten mir zurückschnellende Zweige ins Gesicht, doch ich gab keinen Laut von mir. Es wurde immer mühsamer, sich durch die Sträucher und das Unterholz zu zwängen.


Zweimal Unterholz in einem kurzen Abschnitt. Du beschreibst ja auch Sträucher und niedrige Zweige. Wenn Dir ansonsten keine exaktere Beschreibung des Unterholzes mehr einfällt, kann man das Wort beim zweiten Mal auch einfach weglassen, denke ich.
"Es wurde immer mühsamer, sich durch die Sträucher zu zwängen."
Oder eben das Unterholz näher ausführen:
"Es wurde mit jedem Schritt schwerer, sich durch die Sträucher und das Buschwerk zu zwängen, und dabei nicht über Wurzeln und herumliegende Äste und Rinden zu stolpern." Oder wie auch immer Dein Unterholz aussieht, das ist wiederum nur ein Beispiel.

Ich musste unwillkürlich schmunzeln. Johann würde wohl immer der Kleinere bleiben, der sich beweisen musste. Doch mein Schmunzeln erstarb, als ich neben ihn trat und den Holzscheit sah, der mit einem Seil an einem Ast festgebunden war.


"ich musst ünwillkürlich schmunzeln." und das Weitere ist eine von den Stellen, die auch für mich nicht sehr kindlich klingen, sondern ziemlich reflektiert. Dann ist in dem kurzen Abschnitt wiederum viel Schmunzelei. Statt "Mein Schmunzeln erstarb", was irgendwie schräg klingt, könnte man hier auch ein "Lächeln" nehmen. Oder "doch ich wurde gleich wieder ernst, als ich neben ihn trat..."


‚Da, schau mal!‘, rief Johann. Ich bemerkte den Klang von Triumph in der Stimme meines Bruders, der offenbar stolz war, der Erste gewesen zu sein, der es entdeckt hatte. Ich musste unwillkürlich schmunzeln. Johann würde wohl immer der Kleinere bleiben, der sich beweisen musste. Doch mein Schmunzeln erstarb, als ich neben ihn trat und den Holzscheit sah, der mit einem Seil an einem Ast festgebunden war. Sofort war mir klar, was das bedeutete. Bumm… bumm.


Man versteht das erst nicht, als Leserin bin ich da stecken geblieben. Ich denke, da fehlt noch ein Satz der in etwa beinhaltet: "Der Wind schlug ihn immer aufs Neue gegen den Stamm." Damit auch der Leser eine Chance hat, besser nachzuvollziehen, dass dies nun Das Geräusch des Holzfällens imitieren soll. Denn am Anfang werden uns "die Schläge der Axt" wie eine Tatsache präsentiert. Also wo ist die Axt hin?
Wenn ich es mir recht überlege würde hier vielleicht auch ein nennen der Erkenntnis ("Sie hatten uns allein gelassen!") beeindruckender sein als dieses schwer zusammen zu reimende Wissen der Erzählerin, was los war.

Johann stürzte vor, packte das Holzscheit und schleuderte ihn mit aller Kraft gegen den Baum. Er schrie, zerrte daran, ohne etwas zu bewirken, dann schleuderte er ihn noch einmal. Das Holzscheit prallte ab und traf ihn an der Stirn. Er schrie noch einmal auf, diesmal vor Schmerz.


Auch das lies mich eher verwundert zurück und ich konnte mich nicht recht identifizieren. Ich finde hier fehlt (so habe ich es nun jedenfalls verstanden) sein Motiv für dieses Verhalten: hilflose Wut. Würde sie dort irgendwo mit drin stehen, z.B. "Er schrie wütend, zerrte daran..." oder an eine andere Stelle oder in einen neuen Satz mit einer zusätzlichen Beobachtung, wäre es klarer. So überlegt man, ist das Kind nun verrückt geworden? Tobt es nur mit dem neu entdeckten Spielzeug,oder was?
Übrigens hast Du einmal den Artikel verwirrt, das ist Dir beim erneuten lesen bestimmt auch schon aufgefallen:
"packte das Holzscheit und schleuderte ihn"

Beim Rest noch Kleinigkeiten:

Ich sagte nichts, sondern wartete, bis Johann zurückkam, sah prüfend die Stelle auf der Stirn an, dann pustete ich behutsam, wieder und wieder, bis mein kleiner Bruder sich wieder beruhigt hatte.


Hier würde ich "wieder und wieder" streichen, dann wird es unmittelbarer, näher. So hält es nach meinem Empfinden nur den Lesefluss auf. "Bis er sich wieder beruhigt hatte" zeigt ja schon, dass eine Zeit vergangen ist, und Du hast dann auch nicht mehr diese "wieder"-Wiederholung.

Bisher war es nie nötig gewesen, im Wald auf den Weg zu achten, wir sind gar nicht auf die Idee gekommen, dass wir uns verlaufen könnten.


Kann man zwei kurze Sätze draus machen. Kurze Sätze kommen Lesbarkeit und Verständlichkeit entgegen.
Das "Jedenfalls" im nächsten Satz wurde schon angemerkt. Es könnte sein, dass Du damit die Kindlichkeit im Satzbau zeigen wolltest, aber dann müsste sie das öfter machen und Du müsstes es eine wirklich gute Idee finden, die Du durchziehst. Denn einige Leser kann das natürlich nerven.

Übrigens den nächsten Satz
Ich sah es an seinen Augen, die werden immer ganz dunkel, wenn ihm unheimlich ist.

Finde ich gut kindlich gelungen. Schade ist in dieser Version hier erstmal nur, dass der Ausdruck so schwankt. Manche Sätze sind ziemlich elaboriert. Ich kann mir dabei wieder vorstellen, dass Du nicht klar genug die Entscheidung für eine Erzählweise durchdacht hast. Wenn elaborierte Erklärungen, dann kann das ein auktorialer Erzähler natürlich super. Ein kleines Mädchen würde sich eher an Beobachtungen und Sinneseindrücke halten. Oder erzählt sie das später als alte Frau ihren Enkeln? Jedenfalls müsstest Du eine Ausdrucksweise finden und diese beibehalten.

Was, wenn wir nicht rechtzeitig heraus fänden?


Nur als Vorschlag "Was, wenn wir nicht rechzetig aus diesem Wald fänden?" Sonst muss der Leser einmal umdenken. Und der Ort ist hier so ein wichtiges Motiv, so bedeutend für die Grundstimmung, dass ich über weitere Erwähnungen des Waldes oder der konkreten Umgebung als Leser immer dankbar wäre. Du zeigst viel davon, was in den Kinder vorgeht, aber was macht den Ort wirklich so gruselig? Hier wäre vielleicht eine gute Stelle, um das nochmal zu zeigen.

Unsere Wangen glühten nicht mehr, der Schweiß war längst kalt geworden und meine Hände konnte ich kaum noch bewegen.

Das finde ich einen gut gelungenden Satz hier am vorläufigen Ende. Schön konkret. Man bibbert mit. :)
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Re: [Spannung]...verliefen sich im Wald 1/2

Beitragvon snoopylein90 » 24.09.2015, 20:40

Hallo Mentos7,
dann werde ich auch mal meinen Senf dazu geben.
Ich habe die Kommentare meiner Vorredner nicht gelesen, falls sich was wiederholt tut es mir leid.


„Die unregelmäßigen Schläge der Axt drangen langsam ins unser Bewusstsein. Unsere Wangen glühten noch vom Fangen spielen, doch jetzt standen wir schon eine Weile da und lauschten auf das gelegentliche Schnarren des Spechts und das Klopfen der Axt. Abgesehen davon war es still im Wald. Johann war der erste, der es bemerkte. Ich fing seinen Blick auf und wollte wissen, was los sei. ‚Da stimmt etwas nicht‘,

ICH FINDE ES UNELEGANT EINEN TEXT SO ZU GESTALTEN, DASS MAN EINE REDE IN DER REDE HAT. Ich verstehe auch nicht ganz, warum du deinen Prota die Geschichte erzählen lässt und den Leser nicht direkt in die Situation eintauchen lässt. Also mir würde es viel besser gefallen, die Geschicht hautnah mitzuerleben, als sie vorgekaut zu bekommen. Bei dieser Rede kommt keinerlei Emotion bei mir als Leser an.

VORSCHLAG:
Gegen einen dicken Baumstamm gelehnt atmete ich tief durch. Nur langsam erholte sich mein keuchender Atem und meine Wanfen glühten noch vom Fangen spielen. Obwohl Johann zwei Jahre jünger war als ich, war es ihm viel zu schnell gelungen mich einzuholen.
Nur die unregelmäßigen Schläge einer Axt durchbrachen die abendlich Stille im Wald.

murmelte Johann, und nun hörte ich auch genauer hin. Er hatte Recht. ‚Das geht immer so bumm… bumm… … … bum‘, stellte ich fest, ‚dabei müsste es so gehen bumm, bumm, bumm, bumm.‘
Johann sah mich an, und in stummem Einverständnis machten wir uns auf den Weg in die Richtung, aus der wir die Axtschläge hörten. Schon bald mussten wir den schmalen Pfad verlassen und uns einen Weg durch das Unterholz bahnen. Manchmal peitschten mir zurückschnellende Zweige ins Gesicht, doch ich gab keinen Laut von mir. Es wurde immer mühsamer, sich durch die Sträucher und das Unterholz zu zwängen. Man macht sich keine Vorstellung, wie unwegsam so ein Wald ist, wenn man nicht auf den üblichen Wegen bleibt. Trotz der Kälte wischte Johann sich immer wieder unwillig den Schweiß aus dem Gesicht Ich trug den kleinen Rucksack mit unseren Vorräten und folgte ihm.


In diesem Abschnitt finde ich es auch unangenehm, dass es ein Bericht der Situation ist, weil kein Mensch, der das erlebt hat die Geschichte so erzählen würde. So eine gewählte Ausdrucksweise benutzt vielleicht ein Redner auf dem Podium. Ich bin schon bei der Hälfte dieses Abschnitts und weiß absolut null über den Prota. Weder wo er im Moment ist, warum er das ganze überhaupt berichtet, in welchem Alter er ist oder welches Wetter/Tageszeit im Moment ist.

Da, schau mal!‘, rief Johann. Ich bemerkte den Klang von Triumph in der Stimme meines Bruders, der offenbar stolz war, der Erste gewesen zu sein, der es entdeckt hatte. Ich musste unwillkürlich schmunzeln. Johann würde wohl immer der Kleinere bleiben, der sich beweisen musste. Doch mein Schmunzeln erstarb, als ich neben ihn trat und den Holzscheit sah, der mit einem Seil an einem Ast festgebunden war. Sofort war mir klar, was das bedeutete. Bumm… bumm. Johann stürzte vor, packte das Holzscheit und schleuderte ihn mit aller Kraft gegen den Baum. Er schrie, zerrte daran, ohne etwas zu bewirken, dann schleuderte er ihn noch einmal. Das Holzscheit prallte ab und traf ihn an der Stirn. Er schrie noch einmal auf, diesmal vor Schmerz. Ich sagte nichts, sondern wartete, bis Johann zurückkam, sah prüfend die Stelle auf der Stirn an, dann pustete ich behutsam, wieder und wieder, bis mein kleiner Bruder sich wieder beruhigt hatte.


Hier frage ich mich warum die beiden überhaupt im Wald waren.

Wir wollten wieder zurückgehen, aber wir fanden den Weg nicht mehr. Wir hatten ja nicht aufgepasst, weil wir dachten, sie wären noch da. Sie wollten doch nur einen Weihnachtsbaum schlagen. Oder eigentlich haben wir gar nicht richtig nachgedacht. Bisher war es nie nötig gewesen, im Wald auf den Weg zu achten, wir sind gar nicht auf die Idee gekommen, dass wir uns verlaufen könnten. Jedenfalls irrten wir eine Weile umher und Johann wurde immer ängstlicher. Ich sah es an seinen Augen, die werden immer ganz dunkel, ICH HABE NOCH NIE GEHÖRT DASS JEMAND SEINE AUGENFARBE WECHSELT, WENN ER ANGST HAT. wenn ihm unheimlich ist. Und bald wollte er nicht mehr weiterlaufen. Es war schon spät am Nachmittag, und die Dämmerung brach ein. Ich bekam langsam auch Panik. Was, wenn wir nicht rechtzeitig herausfänden? Ich mochte mir gar nicht vorstellen, wie kalt es nachts werden würde. Unsere Wangen glühten nicht mehr, der Schweiß war längst kalt geworden und meine Hände konnte ich kaum noch bewegen.


Fazit: Rechtschreibung ist wirklich sehr gut. Habe nichts gefunden.
Ich finde du schreibst sehr flüssig. Außer ein paar Wiederholungen hatte ich sprachlich auch nichts zu bemängeln, ABER am Szenenaufbau musst du arbeiten. Du stachelst den Leser an indem er die Ängste, Sorgen und Emotionen deines Protas miterlebt. Nicht durch einen Bericht über ein Erlebnis im Wald, der klingt als wäre er für einen Deutschaufsatz, verstehst du was ich meine. Ich will wissen, wie die Flammen an den Stämmen leckten, wie es riecht. WIe die Kinder panisch nach ihren Eltern suchen. WIe sie verzweifelt durch die Dunkelheit rufen.

Ich hoffe meine Kommentare konnten dir ein wenig helfen.

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