[Spannung]Vertauschte Identität

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[Spannung]Vertauschte Identität

Beitragvon napweaver » 08.06.2015, 22:15

Ich freue mich, mein erstes Werk veröffentlichen zu dürfen. Über ehrliche Meinungen würde ich mich sehr freuen. Schließlich möchte ich mich verbessern. :)

»Wie heißen Sie?«
Ben sah den Polizeibeamten mit angestrengter Miene an. Einundzwanzig Jahre lang glaubte er sein Name sei Ben, bis die Verkäuferin ihm mitgeteilt hatte, dass sein Ausweis ungültig ist.
Jeden Montag hat er sich sein Wochenvorrat an Zigaretten an seinem Stammkiosk geholt. So war es auch diesmal geplant. Er wunderte sich schon, als er dort nicht den Ladenbesitzer antraf, wie es sonst immer der Fall war. Bei ihm hätte er auch nicht seinen Ausweis zeigen brauchen. Stattdessen saß eine Frau an der Theke, die wohl neu zu sein schien. Als sie nach seinem Ausweis gefragt hatte, käme ihm niemals die Idee, dass mit dem etwas nicht stimmte.
»Ben Schulte.«
»Wie lautet ihre Adresse?«, fragte Herr Steiner.
Der Polizeibeamte schien seine besten Jahre schon hinter sich zu haben. Der Berufsalltag war für ihn zu einer Verpflichtung geworden, welcher er nicht entkam. Sein Blick blieb starr auf dem Monitor gerichtet, während er die Personalien von Ben in seinem Computer eintippte. Bens Augenlider wurden mit jeder Frage immer schwerer. Umso mehr bereute er es, gestern Abend noch auf die Feier seines Kommilitonen gegangen zu sein. Schon vor einer Stunde hatte ein anderer Polizeibeamte seine Fingerabdrücke genommen. Nachdem saß er im Wartebereich und konnte beobachten, wie langsam Leben in das Polizeirevier kam. Als er eintraf, war lediglich ein weiterer Polizist anwesend, der die letzten Schlücke aus seinem Kaffeebecher trank.
Jetzt saßen mindestens acht weitere in diesem offen gehaltenen Raum und tippten wie wild auf der Tastatur oder nahmen den nächsten Anruf entgegen.
»Wie bitte? Was war nochmal die Frage?«
Der Polizeibeamte seufzte. Ben konnte Herr Steiners Lustlosigkeit spüren. Er selber wäre normalerweise jetzt nach der langen Nacht ins Bett gegangen. Nachdem er seine Zigaretten geholt hätte.
»Ich habe danach gefragt, wie ihre Adresse lautet.«
Ben fiel es schwer, sich zu konzentrieren. Er war dabei zu überlegen, welche Adresse er nennen sollte. Schließlich pendelt er zwischen dem Haus seiner Eltern und der WG seines Freundes hin und her. Doch das Telefon kam ihm zuvor. Das Klingeln war so laut, dass Ben aufschreckte und er sich wieder aufrecht auf seinen Stuhl setzte. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass Herr Steiner ihn schon die ganze Zeit angeguckt hatte. Er musste wohl auf seine Antwort gewartet haben.
»Wollen Sie nicht ran gehen?«
»Das kann warten. Viel lieber hätte ich es, wenn Sie mir ihre Adresse sagen könnten.«
Ben entschied sich für die WG. Dort wird er nach seinen Semesterferien hauptsächlich schlafen, weil sie näher an der Universität liegt. Wobei von Schlafen keine Rede sein kann. Vielmehr muss er die Nächte mit lernen verbringen. Er war nie besonders gut in der Schule, aber nach einem Wartesemester wurde er überraschenderweise angenommen. Also wollte er es nicht vermasseln.
»Kreuzweilerweg 73.«, sagte Ben.
Das Telefon verstummte. Soeben wollte der Polizeibeamte seine nächste Frage stellen, als das Telefon wieder anfing zu klingeln.
»Entschuldigen Sie mich einen Augenblick.«
Mit dem Telefon an seinem Ohr ging er einige Meter in den hinteren Teil des Raumes. Wegen der anderen Stimmen im Raum, verstand Ben kein Wort. Trotz das er nicht lippenlesen kann, war ihm klar, um welches Thema es sich handelte. Viel zu oft drehte sich Herr Steiner zu Ben um und blickte ihn mit einem erstaunten Blick an, welcher immer finsterer wurde. Ben fühlte sich mit jeder weiteren Minute des Telefonats unwohler. Zunächst hielt er die ganze Sache mit dem ungültigen Ausweis für einen Irrtum. Aber jetzt wäre er am liebsten vom Erdboden verschwunden, denn er selbst war das Thema.
Nachdem Herr Steiner zu seinem Platz zurückgekommen war, brachte er kein Wort heraus. Er blickte tief in seine Augen, als würde er einen Serienmörder vernehmen. Langsam aber sicher begann sich in ihm ein Gefühl der Angst breitzumachen. Schließlich fing er an zu sprechen, doch das änderte nichts an Bens Gefühlslage - im Gegenteil. Es wurde noch schlimmer.
»Wir konnten ihre Fingerabdrücke identifizieren. Sie stimmten nicht mit einem Ben Schulte überein.«, begann der Polizeibeamte zu sprechen.
Er war nun hellwach. Die ganzen anderen Menschen in diesem Raum verblassten. All deren Gespräche und Getippe nahm er nicht mehr war. Stattdessen schaute er gebannt auf Herr Steiners Lippen. Noch heute morgen war die nächste Prüfung seine schlimmste Sorge gewesen. Er hätte zu dem Zeitpunkt nicht ahnen können, dass es viel bösartiger werden wird.
»Ihre Fingerabdrücke - sie wurden heute schon einmal durch die Datenbank gejagt.«, sagte Herr Steiner, dessen Tonfall immer ernster wurde.
»Sie gehören zu einem Lukas Pietsch. Sie sind Hauptverdächtiger eines Mordes.«

Gruß napweaver :D
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Re: Vertauschte Identität

Beitragvon Hark » 09.06.2015, 17:38

Hallo napweaver,
anbei meine Verbesserungsvorschläge zu Deinem Werk. Was Dir gefällt behalte, den Rest verwirf einfach.

Zunächst muss ich mal sagen, dass ich den Text über lange Passagen als zäh empfand, bis dann der überraschende Höhepunkt eine neue Dynamik in den Text hineinbringt. Schade, dass er an der Stelle endet, an der die Geschichte eigentlich erst losgehen sollte. Nun gut, auf dem Weg dahin gibt es ein wenig zu korrigieren:

napweaver hat geschrieben:Ben sah den Polizeibeamten mit angestrengter Miene an. Einundzwanzig Jahre lang glaubte er sein Name sei Ben, bis die Verkäuferin ihm mitgeteilt hatte, dass sein Ausweis ungültig ist.


Hältst Du es für glaubwürdig, dass jemand von seiner Geburt an eine Identität verinnerlicht hat, die nicht die seine ist? Im Text wird erklärt, dass die Fingerabdrücke schon einmal genommen wurden, und zwar unter dem Namen Lukas Pietsch. Wie wäre das erklärbar?

napweaver hat geschrieben:Jeden Montag hatte er sich seinen Wochenvorrat an Zigaretten an seinem Stammkiosk geholt. So war es auch diesmal geplant.


Ein etwas hingeworfener Satz, der auch noch die verschiedenen Zeiten durcheinander mischt, was sich im weiteren Text wiederholt.

Du hast eine Vorvergangenheit, Vergangenheit und jüngste Vergangenheit (vollendete Gegenwart) Das muss sauber getrennt werden, sonst wird der Lesefluss sehr gehemmt. Wie wäre es mit

Wie jeden Montag war er zu seinem Stammkiosk gelaufen und wollte den üblichen Wochenvorrat an Zigaretten kaufen.

napweaver hat geschrieben:Als sie nach seinem Ausweis gefragt hatte, käme ihm niemals die Idee, dass mit dem etwas nicht stimmte.


Hier gleich wieder Zeitenmischmasch: Vorvergangenheit / Zukunft. Wobei die richtige Wahl wohl die einfache Vergangenheit sein dürfte:

Als sie nach seinem Ausweis fragte, war er natürlich nicht auf die Idee gekommen, dass mit dem etwas nicht stimmte.

napweaver hat geschrieben:Der Polizeibeamte schien seine besten Jahre schon hinter sich zu haben. Der Berufsalltag war für ihn zu einer Verpflichtung geworden, welcher er nicht entkam.


Hier wechselst Du die Erzählperspektive, von Ben zum allwissenden Erzähler-Ich. Man kann das machen, aber hier wirkt es seltsam, denn Ben kennt doch diesen Beamten überhaupt nicht. Übrigens ist der Berufsalltag für nahezu jeden Arbeitenden eine Verpflichtung, der man kaum entkommen kann, aber das nur am Rande. :mrgreen:

napweaver hat geschrieben:Bens Augenlider wurden mit jeder Frage immer schwerer. Umso mehr bereute er es, gestern Abend noch auf die Feier seines Kommilitonen gegangen zu sein.


Für die Handlung ohne Belang. Ab hier beginnt ein langer (und ehrlich gesagt auch langweiliger) Block, der nur aussagt, dass es auf dem Revier etwas öde ist und der Prota etwas ermattet. Dies allerdings sollte nicht dem Leser widerfahren. Empfehlung: Stark einkürzen bis

napweaver hat geschrieben:»Kreuzweilerweg 73.«, sagte Ben.


napweaver hat geschrieben:Trotz das er nicht lippenlesen kann, war ihm klar, um welches Thema es sich handelte.


"Trotz dass " sollte man nicht schreiben. Ein wenig Satzumstellung hilft, z.B.:

Ihm war klar, welches Thema dieses Gespräch zum Inhalt hatte, auch wenn er kein Lippenleser war.

napweaver hat geschrieben:Nachdem Herr Steiner zu seinem Platz zurückgekommen war, brachte er kein Wort heraus. Er blickte tief in seine Augen, als würde er einen Serienmörder vernehmen. Langsam aber sicher begann sich in ihm ein Gefühl der Angst breitzumachen. Schließlich fing er an zu sprechen, doch das änderte nichts an Bens Gefühlslage - im Gegenteil. Es wurde noch schlimmer.


Hier gibt es wieder einen Wechsel der Erzählperspektive hin zu Herrn Steiner. Übrigens wäre es plausibler, wenn "Herr Steiner" vielleicht "Polizeihauptmeister Steiner" oder so benannt werden würde. Schließlich ist er ja Polizeibeamter.

napweaver hat geschrieben:»Wir konnten ihre Fingerabdrücke identifizieren. Sie stimmten nicht mit einem Ben Schulte überein.«


Dann befinden sich also die Fingerabdrücke des Ben Schulte, den es aber gar nicht gibt, ebenfalls in der Datenbank? Wie wäre das erklärbar?

napweaver hat geschrieben:Sie sind Hauptverdächtiger eines Mordes.«


Spektakuläre Wendung hier! Aber: aufgrund der logischen Probleme nicht ganz glaubwürdig. Da solltest Du noch dran feilen.

Jetzt wäre es natürlich schön zu wissen, ob es an dieser Stelle auch weitergeht. Muss ja eigentlich, oder?
Bin schon gespannt. :2thumbs:

Ich hoffe, ich konnte Dir was helfen.

Gruß,
Hark
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Re: Vertauschte Identität

Beitragvon Hurri » 09.06.2015, 17:49

Hi napweaver,

die Idee deiner Geschichte finde ich nicht schlecht. Aber ich glaube an deinem Text kannst du noch etwas feilen. Ich hab es mal versucht. Guck mal, was du davon gebrauchen kannst :)

Insegsamt springst du sehr zwischen den Zeiten hin und her. Ließ deinen Text mal nur diesbezüglich Korrektur.

Einundzwanzig Jahre lang glaubte er sein Name sei Ben, bis die Verkäuferin ihm mitgeteilt hatte, dass sein Ausweis ungültig ist.

Hier nimmst du schon zu viel vorweg. Ich würde einfach nur anreißen, dass sein Ausweis ungültig ist. Wenn der Leser schon jetzt erfährt, dass sein Name nicht der echte ist, ist die Wendung am Ende weniger überraschend.

Jeden Montag hat er sich seinen Wochenvorrat an Zigaretten an seinem Stammkiosk geholt.


So war es auch diesmal geplant. Er wunderte sich schon, als er dort nicht den Ladenbesitzer antraf, wie es sonst immer der Fall war. Bei ihm hätte er auch nicht seinen Ausweis zeigen brauchen. Stattdessen saß eine Frau an der Theke, die wohl neu zu sein schien. Als sie nach seinem Ausweis gefragt hatte, käme ihm niemals die Idee, dass mit dem etwas nicht stimmte.

Den Absatz würde ich straffen, um den Einstieg knackiger zu machen.

Der Polizeibeamte schien seine besten Jahre schon hinter sich zu haben. Der Berufsalltag war für ihn zu einer Verpflichtung geworden, welcher er nicht entkam.

Woran siehst du dass? Zeig dem Leser die Tränensäcke unter den Augen, die graue Haut oder die abgetragene Kleidung, dann wirkt die Aussage überzeugender.

Schon vor einer Stunde hatte ein anderer Polizeibeamte seine Fingerabdrücke genommen. Nachdem (besser: Danach) saß er im Wartebereich und konnte beobachten, wie langsam Leben in das Polizeirevier kam. Als er eintraf, war lediglich ein weiterer Polizist anwesend, der die letzten Schlücke aus seinem Kaffeebecher trank. Jetzt saßen mindestens acht weitere in diesem offen gehaltenen Raum und tippten wie wild auf der Tastatur oder nahmen den nächsten Anruf entgegen.

Der Absatz sagt nicht viel aus. Ich würde ihn straffen oder ganz streichen.

Er war dabei zu überlegen, welche Adresse er nennen sollte.

Mach es dir und dem Leser nicht zu schwer: Er überlegte, welche Adresse er nennen sollte.

Dort wird er nach seinen Semesterferien hauptsächlich schlafen, weil sie näher an der Universität liegt. Wobei von Schlafen keine Rede sein kann. Vielmehr muss er die Nächte mit lernen verbringen. Er war nie besonders gut in der Schule, aber nach einem Wartesemester wurde er überraschenderweise angenommen. Also wollte er es nicht vermasseln.

Ist meiner Meinung nach für die Geschichte nicht relevant.

Trotz das er nicht lippenlesen kann, war ihm klar, um welches Thema es sich handelte.

Klingt für mich komisch. Besser: Obwohl er nicht Lippenlesen konnte, wusste er, worüber sie sprachen.

Er blickte tief in seine Augen, als würde er einen Serienmörder vernehmen.

Verrate das doch nicht schon ;)

Langsam aber sicher begann sich in ihm ein Gefühl der Angst breitzumachen.

Kürzen: Langsam machte sich ein Gefühl der Angst in ihm breit. Oder noch besser: Zeig dem Leser die Schweißperlen, die feuchten Hände, den steigenden Puls.

Ich hoffe ich konnte dir helfen. Ich glaube aus deiner Geschichte kannst du noch einiges rausholen!
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Re: Vertauschte Identität

Beitragvon napweaver » 09.06.2015, 18:50

Vielen Dank für eure beiden Kommentare! :)

Insegsamt springst du sehr zwischen den Zeiten hin und her.

Ein etwas hingeworfener Satz, der auch noch die verschiedenen Zeiten durcheinander mischt, was sich im weiteren Text wiederholt.

Scheint wohl so, dass ich mich generell mal mehr mit Grammatik beschäftigen sollte. Mir wäre es durch das Lesen meines eigenen Textes nie aufgefallen, also danke für die Bemerkung.

Im Text wird erklärt, dass die Fingerabdrücke schon einmal genommen wurden, und zwar unter dem Namen Lukas Pietsch. Wie wäre das erklärbar?

Ich habe mir das so vorgestellt, dass die Polizei an diesem Morgen schon an einem Tator war. Dort ließen sich Fingerabdrücke nehmen, welche einer Person namens Lukas Pietsch gehörten. Also gingen sie davon aus, dass ein Lukas Pietsch der Täter ist. Jetzt landet Ben wegen eines ungültigen Ausweises in dieser Polizei, wo sie feststellten, dass seine Fingerabdrücke die gleichen sind, wie an dem Tatort, also Lukas Pietsch.
Ich bin mittlerweile sehr verunsichert, ob das zu unglaubwürdig ist.

Dann befinden sich also die Fingerabdrücke des Ben Schulte, den es aber gar nicht gibt, ebenfalls in der Datenbank? Wie wäre das erklärbar?

Nein. Bens Fingerabdrücke gehören keinem Ben. Sie konnten einem Lukas Pietsch zugeordnet werden. Ist wohl sehr verwirrend. :|
Ich tüftle auch besser mal an dem Inhalt.

Dort wird er nach seinen Semesterferien hauptsächlich schlafen, weil sie näher an der Universität liegt. Wobei von Schlafen keine Rede sein kann. Vielmehr muss er die Nächte mit lernen verbringen. Er war nie besonders gut in der Schule, aber nach einem Wartesemester wurde er überraschenderweise angenommen. Also wollte er es nicht vermasseln.

Ist meiner Meinung nach für die Geschichte nicht relevant.

Die Uni soll noch für die Geschichte interessant werden. Die anderen Absätze, die angesprochen wurden zu streichen/ straffen, werde ich kürzen.

Insgesamt wollte ich mich nochmal bei euch beiden bedanken. Ich werde den Text mit euren Verbesserungsvorschlägen überarbeiten, da sie mir gut gefallen haben. Vielleicht würde auch einiges klarer werden, wenn dem Leser die Aufklärung bekannt ist. Ich werde mal schauen.

Gruß napweaver :D
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Re: [Spannung]Vertauschte Identität

Beitragvon Samis » 16.10.2015, 14:31

Hallo napweaver,

aller Anfang ist schwer, heißt es, und trifft zumeist auch zu. Wichtiger als Form, Stil oder Grammatik ist zunächst aber der Spaß, die Freude am Schreiben und die glaube ich aus deinem Text herauslesen zu können. Dennoch bedarf es Geduld, Ausdauer und zuweilen "harter" Arbeit, möchte man sich weiterentwickeln, und wie du oben anmerkst, ist das deine Absicht.

Dann los.

Zunächst einmal solltest du dich für einen Zeitform entscheiden und dieser dann weitgehend treu bleiben. Das fäll anfangs schwer, ich hadre selbst zuweilen damit.

Ein Beispiel:
Einundzwanzig Jahre lang glaubte er sein Name sei Ben, bis die Verkäuferin ihm mitgeteilt hatte, dass sein Ausweis ungültig ist.

glaubte vs. mitgeteilt hatte



Als sie nach seinem Ausweis gefragt hatte, käme ihm niemals die Idee, dass mit dem etwas nicht stimmte.


Hier wird es noch deutlicher, da mixt du noch mehr durcheinander.

Ein Vorschlag: Ehe sie nach seinem Ausweis fragte, wäre ihm nie in den Sinn gekommen, dass damit etwas nicht stimmen könnte.



Der Polizeibeamte schien seine besten Jahre schon hinter sich zu haben. Der Berufsalltag war für ihn zu einer Verpflichtung geworden, welcher er nicht entkam.

Hier ist der erste Satz eine Vermutung, ein Eindruck deines Prota, der zweite hingegen eine Feststellung, die eher von einer neutralen Off-Stimme aufgestellt werden kann. Das passt nicht zusammen.



Sein Blick blieb starr auf dem Monitor gerichtet, während er die Personalien von Ben in seinem Computer eintippte.

Von Ben kling hier unschön, zudem ist dem und seinem nicht korrekt.

Sein Blick blieb starr auf den Monitor gerichtet, während er Bens Personalien (aufnahm.) in seinen Computer eintippte.



Schon vor einer Stunde hatte ein anderer Polizeibeamte seine Fingerabdrücke genommen.

Auch auf Logik und Realitätsnähe ist zu achten. Nur weil sein Ausweis abgelaufen ist, nimmt man nicht seine Fingerabdrücke. Genau genommen säße er deswegen noch nicht einmal bei der Polizei.



Er war dabei zu überlegen, welche Adresse er nennen sollte.


Selbes gilt hier. Das Ganze scheint in Deutschland zu spielen und hier gibt es eine Meldeadresse und fertig.



Trotz das er nicht lippenlesen kann, war ihm klar, um welches Thema es sich handelte.


An vielen Sätzen ließe sich herummäkeln (was immer Geschmacksache ist), aber dieser sticht besonders hervor. Äußerlich unschön und inhaltlich nicht ganz nachvollziehbar.
Ein Vorschlag: Trotzdem er nicht lippenlesen konnte, hegte er den Verdacht, dass es sich bei dem Gespräch um ihn drehte.



Er blickte tief in seine Augen, als würde er einen Serienmörder vernehmen.


Das scheint mir weit hergeholt. Jemandem tief in die Augen zu blicken hat mit dem Verhör eines Serienmörders wenig gemein. Da musst du schon deutlicher werden.

Und das mit den Fingerabdrücken, worauf die gesamte Geschichte aufgebaut ist, hatten wir bereits ...

Nun hoffe ich, dass ich dich nicht entmutigt habe. Bleib am Ball und lass dir den Spaß am Schreiben durch einen wie mich nicht verderben!

Beste Grüße,
Samis
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Re: [Spannung]Vertauschte Identität

Beitragvon Bernd » 18.10.2015, 16:29

Hallo napweaver,

ich weiß nicht, ob diese Geschichte ein eigenständiges Werk, oder Auzug aus einer größeren Geschichte ist. Falls ersteres der Fall ist, musst Du bedenken, dass Du als Autor die Szene schon fertig im Kopf hast, der Leser aber mit null Vorinformation an die Sache herangeht. Entsprechend stelle ich mir beim Lesen Fragen und nicht alle beantwortest Du.

napweaver hat geschrieben:»Wie heißen Sie?«
Ben sah den Polizeibeamten mit angestrengter Miene an. Einundzwanzig Jahre lang glaubte er sein Name sei Ben, bis die Verkäuferin ihm mitgeteilt hatte, dass sein Ausweis ungültig ist.

Ok, soviel ist klar: Ein Typ namens Ben, vermutlich einundzwanzig Jahre alt, ist zwecks Aufnahme von Personalien auf einer Polizeiwache. Warum ist er dort? Was hat er ausgefressen? Fragen, die sofort Spannung erzeugen, aber die im weiteren Verlauf auch unbeantwortet bleiben! Statt dessen präsentierst Du die Sache mit dem Namen. Die kommt mir ein bisschen absurd vor: Wenn eine Verkäuferin nach dem Ausweis fragt, dann doch i.d.R. um festzustellen, wie alt einer ist und ob er schon Alkohol kaufen darf, o.ä.. Und klar, wenn ein Ausweis sein Gültigkeitsdatum überschritten hat, dann fällt das einer scharfsinnigen Verkäuferin ebenfalls auf. Warum jedoch Ben aus der Aussage dieser Verkäuferin schlussfolgert, dass der Name auf dem Ausweis falsch ist, erschließt sich mir aus mehreren Gründen nicht. Erstens dürfte sich besagte Ungültigkeit, wie gesagt, auf die Gültigkeitsdauer des Personalausweises erstrecken. Zweitens: Wie soll die Verkäuferin feststellen, dass der Name nicht stimmt (sie gleicht es ja nicht mit einer Datenbank ab). Und Drittens, selbst wenn mir anstelle des Protagonisten eine Polizeibeamter explizit erklären würde, mein Name sein nicht Ben, dann würde ich doch eher denken, der Computer des Mannes mache einen Fehler, als dass ich an meinem Namen zweifele.

napweaver hat geschrieben:Jeden Montag hat er sich sein Wochenvorrat an Zigaretten an seinem Stammkiosk geholt. So war es auch diesmal geplant.

Du musst auf Zeiten achten. Nicht nur hier. Manchmal ist Plusquamperfekt vonnöten, wenn Du in der Vergangenheitsform eine vorausgegangene abgeschlossene Handlung beschreibst: Jeden Montag hatte er sich seinen Wochenvorrat an Zigaretten an seinem Stammkiosk geholt. (...)

napweaver hat geschrieben:Der Polizeibeamte schien seine besten Jahre schon hinter sich zu haben.

Zeigen! Beschreibe die gealterte Visage des Mannes, seine trüben Augen, seine langsamen trägen Bewegungen, seine monotone gelangweilte Sprechweise... (zum Teil machst Du das ja auch. Folglich ist dieser Satz überflüssig.)

napweaver hat geschrieben:Ben konnte Herr Steiners Lustlosigkeit spüren.

In diesem Kasus ist es "Herrn Steiners Lustlosigkeit". (Im Folgenden mehrmals!)

napweaver hat geschrieben:Er war dabei zu überlegen, welche Adresse er nennen sollte.
napweaver hat geschrieben:Ben entschied sich für die WG. Dort wird er nach seinen Semesterferien hauptsächlich schlafen

Inhaltliche Anmerkung: Auch ein Student hat einen eingetragenen Erstwohnsitz. Das kann noch das Elternhaus sein, wenn die Studentenbude als Zweitwohnung eingetragen ist, aber man kann nicht einfach irgendwas angeben, es sei, man will absichtlich Falschangaben machen. Aber dann denkt man sich eher was aus, als die Adresse eines Freundes anzugeben. Die Frage, wo man sich in nächster Zeit aufhalten wird, ist irrelevant. Was zählt ist die Adresse, die als Erstwohnsitz eingetragen ist und auf dem Personalausweis steht.

napweaver hat geschrieben:Zunächst hielt er die ganze Sache mit dem ungültigen Ausweis für einen Irrtum.

Immer noch weiß der Leser nicht, inwiefern der ungültige Ausweis für solche Probleme sorgen kann. Ich nehme an, man muss ein Bußgeld zahlen, wenn der Perso abgelaufen ist, aber muss man gleich mit zur Wache? Personalien können auch vor Ort mit einem abgelaufenen Ausweis aufgenommen werden. Warum hat die Verkäuferin überhaupt die Polizei hinzugezogen? Warum sitzt Ben (oder wie er heißt) hier?

napweaver hat geschrieben:»Wir konnten ihre Fingerabdrücke identifizieren. Sie stimmten nicht mit einem Ben Schulte überein.«, begann der Polizeibeamte zu sprechen.
Aha, ok. Erst jetzt erfährt Ben, dass er im Computer nicht als "Ben" steht. Woher wusste er dies dann am Anfang der Geschichte schon. Oder sind wir noch in einer Rückblende? Falls ja, zwei Dinge: In so einer kurzen Geschichte können Zeitsprünge echt verwirren. Zweitens, ich habe nicht gemerkt, dass wir noch in der Rückblende sind. Könnte mit den unsauber verwendeten Zeiten zusammenhängen.

napweaver hat geschrieben:»Sie gehören zu einem Lukas Pietsch. Sie sind Hauptverdächtiger eines Mordes.«

Na, jetzt wird es spannend! Und Deine Geschichte endet. Schade! Die Idee war gut und es gibt noch offene Fragen. Für Deine erste Geschichte schon recht ordentlich, kann aber weiter verbessert werden.

Grüße
Bernd
Bernd
 
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