[Fanty] Virus A 2/2

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[Fanty] Virus A 2/2

Beitragvon Winchest » 04.10.2015, 20:59

So, jetzt kommt der zweite Teil meines 'Prologes'. Ich bin gespannt was ihr davon haltet:) Noch eine kleine Anmerkung meinerseits: Nein, Balthasar und Rachel werden kein Liebespaar, auch wenn es vielleicht so aussieht.

Der erste Teil: virus-a-1-2-t55449.html


Es ist Rachel, Rachel Todds, meine Nachbarin seit Kindheitstagen. Wir waren zusammen im Kindergarten, haben uns gegenseitig ins Planschbecken gepinkelt und zusammen das Einmaleins gelernt.
Auf der High School ist der Kontakt dann irgendwie im Sand verlaufen. Rachel hat begonnen den Footballspielern hinterherzukichern und sich zu schminken, ich bin ins Rugby Team gekommen und hatte meine ersten Freundinnen.
„Ich weiß, dass du da bist! Balthasar!“ Rachel klingt panisch, beinahe als ginge es um Leben und Tod und – verdammt – vielleicht geht es auch genau darum? Ich mache einen Satz in Richtung Türe und starre durch den Türspion.
Da steht Rachel. Heftig atmend und die braunblonden Haare hängen ihr in wirren Strähnen in das tränennasse Gesicht. Ihre grauen Augen schwimmen in salzigen Seen und – Bämm – damit hat sie mich. Ich hasse es einfach, wenn Leute weinen, speziell Mädchen.
Okay, ich atme einmal tief durch und öffne die Türe. Es vergeht keine Sekunde und Rachel liegt in meinen Armen, krallt ihre Hände fest in mein schmutziges T-Shirt und schluchzt irgendwo, weil sie so klein ist, an meiner Brust. Geistesgegenwärtig knalle ich die Haustüre mit meiner linken Fußspitze zu.
„Hey...“, höre ich mich selbst sagen, „...alles wird gut, okay?“
Das ist jetzt natürlich vorerst nur eine Lüge, schließlich weiß ich gar nicht warum sie weint.
Rachel schüttelt den Kopf und ich fahre ihr ein wenig unbeholfen über den Rücken.
Sie weint und weint und weint. Ich weiß nicht wie viele Minuten vergehen, bis sie sich von mir löst und sich schniefend einmal mit der flachen Hand über das Gesicht reibt.
Die Stille und meine unausgesprochenen Fragen hängen zwischen uns in der Luft wie Gewitterwolken an einem schwülen Sommertag.
„Meine Eltern“, fängt sie an und klingt seltsam hohl, während sie spricht, „Sie sind tot.“
Im ersten Moment fühle ich mich wie erstarrt, als hätte man mich kurz schockgefrostet, aber dann kommt die Panik.
Mrs. und Mr. Todds sind tot!
Ich weiß, dass die beiden gesund gewesen sind und weder geraucht, noch übermäßig viel Alkohol getrunken haben. Mir ist bewusst, dass die beiden keine schweren Krankheiten hatten und ich weiß auch, dass kein gesunder Mensch Mitte vierzig einfach so tot umfällt.
Aliens, etwas anderes kann es gar nicht gewesen sein. Scheiße. Sie sind hier und das nur ein paar Häuser weiter. Instinktiv balle ich meine Hände zu Fäusten, bei allem was mir lieb und teuer ist, ich werde meine Familie beschützen!
Ich kann Rachel nicht antworten, meine Kehle ist wie zugeschnürt. Natürlich bin ich traurig wegen ihrem Verlust, aber auf der anderen Seite bin ich mit ihren Eltern nie richtig warm geworden. Sie haben es mir gegenüber zwar nie erwähnt aber irgendwann, ich glaube mit zehn, habe ich gehört wie sie mich als 'schwarzen Nigger' bezeichnet haben. In diesem Moment ist mir dann auch erst richtig klar geworden, wie seltsam Rachel und ich nebeneinander aussehen müssen. Sie, mit ihren damals weizenblonden Haaren und den hellen Augen und ich, der Junge mit der milchschokoladenbraunen Haut, den braunen Augen und dem krausen, pechschwarzen Haarschopf.
„Das tut mir Leid.“ antworte ich verspätet auf Rachels Aussage und merke selbst, dass ich nicht unbedingt traurig klinge.
„Balthasar“, Rachel schiebt sich ein wenig von mir weg, ihre Unterlippe zittert und in ihren Augen stehen noch immer Tränen, „Kannst du mir helfen?“
Ich schaue sie an, gucke in diese grauen Augen – in die ich, zugegebenermaßen, im Kindergarten verliebt gewesen war – und kann einfach nicht nein sagen. Vielleicht ist es nur ein melancholischer Anfall meinerseits, keine Ahnung, aber da kommt ein „Klar, natürlich“, aus meiner Kehle, auch wenn ich nicht weiß wobei und womit ich ihr helfen soll. Tja und im Nachhinein ist er das gewesen, der Anfang vom Ende.
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Re: Virus A 2/2

Beitragvon Ankh » 05.10.2015, 10:04

Hi!

Dann will ich man meinen Senf dazugeben :)

Dein Stil gefällt mir sehr gut. Im ersten Teil war er mir etwas zu salopp, jedenfalls wenn du den so ein ganzes Buch lang durchziehst, wird das irgendwann anstrengend. Aber da wir hier in der Handlung sind, und der Erzähler die saloppe Ausdrucksweise auf seine Gedanken beschränkt, während Dialoge und Beschreibungen einigermaßen neutral rüberkommen, funktioniert es sehr gut hier.

Sehr schön hast du meiner Meinung nach die äußere Beschreibung des Protagonisten untergebracht. Nicht einfach "hey übrigens, ich bin 'n Schwarzer!", sondern sinnvoll in seinen Gedankengang über Rachels Eltern und Balthasars Beziehung zur Familie Todds eingeflochten, also in einem Moment, wo er tatsächlich Anlass hat, über sein Äußeres nachzudenken.

Ansosnten fielen mir nur zwei Stellen auf:

Es ist Rachel, Rachel Todds, meine Nachbarin seit Kindheitstagen. Wir waren zusammen im Kindergarten, haben uns gegenseitig ins Planschbecken gepinkelt und zusammen das Einmaleins gelernt.
Auf der High School ist der Kontakt dann irgendwie im Sand verlaufen. Rachel hat begonnen den Footballspielern hinterherzukichern und sich zu schminken, ich bin ins Rugby Team gekommen und hatte meine ersten Freundinnen.
„Ich weiß, dass du da bist! Balthasar!“ Rachel klingt panisch, beinahe als ginge es um Leben und Tod und – verdammt – vielleicht geht es auch genau darum? Ich mache einen Satz in Richtung Türe und starre durch den Türspion.
Da steht Rachel.


Die beiden blauen Erkenntnisse widerholen sich, da drehst du dich im Kreis. Wenn er schon an der Stimme erkennt, dass es Rachel ist, wieso muss er dann durch den Türspion gucken, und nochmal feststellen, dass es Rachel ist? Die Beschreibung ihrer tränennassen Augen etc könntest du auch in dem Moment bringen, wo er die Tür aufmacht. Sie braucht ja schon einen Moment um sich zu vergewissern, wem sie in die Arme fällt, und einen Schritt inst Haus zu machen.

Außerdem finde ich die Lebensgeschichte der beiden (Schminken und Rugby) hier ein bisschen fehlplatziert. "Nachbarn seit Kindheitstagen" reicht doch, dass ihre Leben sich auseinanderentwickelt haben könntest du später eleganter einflechten, wenn die beiden sich unterhalten und er ggf. feststellt, dass er gar nicht auf dem laufenden ist, was sie inzwischen so macht. Bei der Hautfarbe hast du auch auf einen Moment gewartet, wo es Sinn ergibt, dass er darüber nachdenkt; wenn Rachel panisch an die Türe hämmert ergibt es aber keinen Sinn, dass er spontan an ihr Kichern denkt. Außerdem, wenn sie immer noch Nachbarn sind, dann dürften sie sich fast täglich sehen und zumindest über den Zaun grüßen, so sehr entfremdet können sie also nicht sein.


„Meine Eltern“, fängt sie an und klingt seltsam hohl, während sie spricht, „Sie sind tot.“
Im ersten Moment fühle ich mich wie erstarrt, als hätte man mich kurz schockgefrostet, aber dann kommt die Panik.
Mrs. und Mr. Todds sind tot!
Ich weiß, dass die beiden gesund gewesen sind und weder geraucht, noch übermäßig viel Alkohol getrunken haben. Mir ist bewusst, dass die beiden keine schweren Krankheiten hatten und ich weiß auch, dass kein gesunder Mensch Mitte vierzig einfach so tot umfällt.
Aliens, etwas anderes kann es gar nicht gewesen sein.


Wenn zwei sich nahestehende Menschen gleichzeitig sterben, dann denke ich nicht an eine Krankheit oder ungesunden Lebenswandel. Dann denke ich an einen Autounfall, einen Flugzeugabsturz oder ähnliches. In deinem Setting scheint die Möglichkeit, dass Aliens sie gekillt haben, ebenfalls recht hoch zu sein, daher ist es sicher okay, dass Balthasar das vermutet. Nur der Weg zu dieser Erkenntnis ist unlogisch. Natürlich sind Krankheiten etc auszuschließen, aber die Möglichkeit würde ich hier gar nicht erst andenken.


Das wars auch schon wieder, kurz und hoffentlich schmerzlos ;)

lg,

Ankh
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Re: Virus A 2/2

Beitragvon Samis » 08.10.2015, 16:02

Hallo Winchest,

anbei meine Gedanken zu Fortsetzung deiner Geschichte.




Wir waren zusammen im Kindergarten, haben uns gegenseitig ins Planschbecken gepinkelt und zusammen das Einmaleins gelernt.


Humorvoller Auftakt zur zweiten Hälfte. Aus dem `uns gegenseitig´ würde ich ein `gemeinsam´ machen.



Rachel hat begonnen den Footballspielern hinterherzukichern und sich zu schminken, ich bin ins Rugby Team gekommen und hatte meine ersten Freundinnen.

Hinterherkichern kling etwas seltsam. Nachschauen trifft die gleiche Aussage und klingt weit bekömmlicher.



Da steht Rachel. Heftig atmend und die braunblonden Haare hängen ihr in wirren Strähnen in das tränennasse Gesicht.

Das Rachel nun da steht, war zu erwarten, oder? Gibt es braunblonde Haare? Bin kein Fachmann, aber ich denke, das eine schließt das andere aus. Vielleicht meintest du gesträhntes Haar.



Ihre grauen Augen schwimmen in salzigen Seen und – Bämm – damit hat sie mich. Ich hasse es einfach, wenn Leute weinen, speziell Mädchen.

Etwas zu hassen, hat nicht zwangsläufig zur Folge, dass man sich darum kümmert. Er könnte sich ebenso gut abwenden und sie ignorieren. Ich konnte es einfach nicht ertragen, sie weinen zu sehen, wäre hier vielleicht passender. Zudem sollte dein `Bämm´ eher ein Bähm! sein.




Es vergeht keine Sekunde und Rachel liegt in meinen Armen, krallt ihre Hände fest in mein schmutziges T-Shirt und schluchzt irgendwo, weil sie so klein ist, an meiner Brust.


Lass sie sich besser in deine Arme stürzen, liegen klingt hier zu romantisch. Und krallen passt besser zu Fingern als zu Händen. Irgendwo an deiner Brust, kling eigenartig. Auch wenn sie klein ist, ist ihr Kopf nicht so winzig, bzw. deine Brust nicht so gewaltig, dass das passen würde. Sie schluchzte an meiner Brust. Fertig.



Geistesgegenwärtig knalle ich die Haustüre mit meiner linken Fußspitze zu.

Geistesgegenwärtig? Warum? Sicher wegen der Gefahren, die bei offen stehender Tür lauern, nur solltest du das auch ausführen.



Rachel schüttelt den Kopf und ich fahre ihr ein wenig unbeholfen über den Rücken.

Über den Rücken zu fahren, kann hier leicht missverstanden werden. Entweder du ergänzt deine Finger dazu oder verwendest streichen.



Sie weint und weint und weint. Ich weiß nicht wie viele Minuten vergehen, bis sie sich von mir löst und sich schniefend einmal mit der flachen Hand über das Gesicht reibt.


Reiben ist ein sich wiederholender Vorgang. Wischt passt hier wohl besser.



Ich weiß, dass die beiden gesund gewesen sind und weder geraucht, noch übermäßig viel Alkohol getrunken haben. Mir ist bewusst, dass die beiden keine schweren Krankheiten hatten und ich weiß auch, dass kein gesunder Mensch Mitte vierzig einfach so tot umfällt.

Angesichts des Grundthemas dieser Geschichte, scheint mir diese Aufzählung sinnlos und gesunde Menschen dieses Alters können sehr wohl unerwartet sterben.



Sie haben es mir gegenüber zwar nie erwähnt aber irgendwann, ich glaube mit zehn, habe ich gehört wie sie mich als 'schwarzen Nigger' bezeichnet haben.


Oh, das kommt aber überraschend. Dass die Hauptfigur Afroamerikaner ist, hättest du besser schon früher erwähnt. Und `schwarzer Nigger´ macht nun wirklich keinen Sinn. Nigger allein sagt als Schimpfwort alles aus.



Der erste Part hat mir deutlich besser gefallen. Da war mehr Zug drin, die Geschichte wurde gut vorangetrieben. Hier ist mir zu wenig passiert und auch die Hauptfigur ist mir nicht unbedingt vertrauter geworden. Auch das vorläufige Ende weckt keine große Neugierde in mir, da ich mir nicht erklären kann, wie sich der geschilderte Vorfall aufs große Ganze auswirken soll. Vielleicht hast du ja eine geniale Idee. Bin gespannt!

Beste Grüße,
Samis
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Re: Virus A 2/2

Beitragvon sarjo » 11.10.2015, 12:16

Hi Winchest,

hier mal meine Anmerkungen:

Auf der High School ist der Kontakt dann irgendwie im Sand verlaufen. Rachel hat begonnen den Footballspielern hinterherzukichern und sich zu schminken, ich bin ins Rugby Team gekommen und hatte meine ersten Freundinnen.


Diesen Teil würde ich auch entfernen. Da gewinne ich den Eindruck, dass sie sich seit langer Zeit nicht mehr gesehen haben, was sich mit der Aussage später, dass die zwei Nachbarn sind, beißt. Würde es auch besser finden, wenn du das später in die Erzählung einbauen würdest.

Ich hasse es einfach, wenn Leute weinen, speziell Mädchen.


Hier muss ich Samis widersprechen, lass den Satz unbedingt drin! Der Hass zeigt für mich, dass der Protagonist Probleme mit Emotionalität hat. Das würde auch erklären, warum er dem Weltuntergang mit Humor begegnet, da er so seine Ängste überspielen kann.

Das ist jetzt natürlich vorerst nur eine Lüge, schließlich weiß ich gar nicht warum sie weint.


Den Satz könntest du weglassen. Es kommt in deinem Text auch so gut rüber, dass er sie einfach nur beruhigen und für sie da sein möchte.

und ich fahre ihr ein wenig unbeholfen über den Rücken.


Finde das Wort "fahre" etwas unpassend, wenn es dir darum geht die Unbeholfenheit von Balthasar zu betonen, würde ich stattdessen "berühren" nehmen, da das erstmal ein rein neutrales Wort ist.

Die Stille und meine unausgesprochenen Fragen hängen zwischen uns in der Luft wie Gewitterwolken an einem schwülen Sommertag.


Sehr guter Vergleich, scheint die Ereignisse vorauszudeuten. Man möchte die Gründe dafür, dass Rachel weint, gar nicht hören.

Ich weiß, dass die beiden gesund gewesen sind und weder geraucht, noch übermäßig viel Alkohol getrunken haben. Mir ist bewusst, dass die beiden keine schweren Krankheiten hatten und ich weiß auch, dass kein gesunder Mensch Mitte vierzig einfach so tot umfällt.


Würde das entfernen. Als Leser kommt der Schock der Botschaft sehr gut rüber und ich dachte mir sofort "Scheiße, das waren die Aliens."

Instinktiv balle ich meine Hände zu Fäusten, bei allem was mir lieb und teuer ist, ich werde meine Familie beschützen!


Hiermit habe ich noch ein wenig Probleme, weil ich nicht das Gefühl hatte, dass der Protagonist ein klassischer Held ist, der sofort die "Fäuste" zum Kampf ballt. Aber ich habe ja gerade erst den Anfang deiner Geschichte gelesen.

Tja und im Nachhinein ist er das gewesen, der Anfang vom Ende.


Das soll natürlich Spannung aufbauen, jedoch schafft der Gedanke von gefährlichen Aliens in der Nachbarschaft bei mir schon genügend Spannung. Mir gefällt, dass dein Erzähler in der Gegenwart bleibt und nicht vorgreift. Wenn du die Schicksalshaftigkeit von Balthasars Worten betonen möchtest, könntest du ja auch schreiben, dass er "bei diesen Worten ein komisches Gefühl" bekam oder etwas Ähnliches. :D

Aber entgegen der Kritik gefällt mir deine Geschichte wirklich gut. Die Art, wie du schreibst, gefällt mir sehr. Man kann der Handlung gut folgen und die Dynamik zwischen den zwei Charakteren kommt gut bei mir an, weshalb die Geschichte sehr lebendig wirkt. Das Lesen macht daher Spaß!

Liebe Grüße
sarjo
 
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