[SciFi]Visions - Gefährlicher Eingriff in die Kapitel 1

[SciFi]Visions - Gefährlicher Eingriff in die Kapitel 1

Beitragvon snoopylein90 » 21.07.2015, 09:53

Huhu! Hier ist mein erstes Kapitel eines neuen Projekts. Ich hoffe es gefällt euch! Ich danke schonmal im Vorraus für die Kommentare. Lg Steffi

2060 Regierungsbezirk 350, ehemals Berlin

Adreano

224 … 225 … hier ist es …
Schon oft war Adreano vor dieser Tür gestanden, die ebenso kalkweiß war, wie alles hier in diesem gottverdammten Altersheim. Residenz für Senioren war der Begriff, den sein Vater stets wählte, wenn es um den Aufenthaltsort von Adreanos Großvater ging.
Adreano umklammerte die Klinke. Dabei weiß der angesehene Herr Stadtrat genau, in welches heruntergekommene Loch er seinen eigenen Vater vor Jahren gesteckt hat. Adreanos eben noch so entschlossener Griff lockerte sich und ließ von der Klinke ab.
Ich bin nicht viel besser. An manchen Tagen hatte er auch gezögert ins Zimmer zu gehen, wie er zu seiner Schande eingestand. Zu sehr hatte sich der geniale Wissenschaftler und Held seiner Kindheit in einen verwirrten Greis verwandelt und Adreano damit die Argumentationsgrundlage gegen diesen Aufenthalt genommen
Adreano schüttelte den Gedanken ab und legte seine Hand erneut auf den Metallgriff. Nie war es ihm so schwer gefallen über die Schwelle zu treten wie heute.
Unter großer Anstrengung schob er die Tür einen Spalt auf und wurde von dem strengen Geruch von Desinfektionsmittel erschlagen. Jäh überflutete ihn die Erinnerung an das letzte Treffen mit seinem Großvater.
Es war kalt gewesen an diesem Tag. Verdammt kalt. Ein krasser Gegensatz zu dem Blut, das in seinen Adern kochte, als er nach dem Gespräch mit seinem dementen Großvater fluchtartig das Haus verließ und viel zu schnell über die vereisten Straßen raste. Plötzlich war da diese Hirschkuh am Straßenrand. Panisch riss er das Lenkrad herum und rutschte mit quietschenden Reifen über die Schneedecke. Gerade noch rechtzeitig kam sein Wagen am Hang zum Stehen.
Das war nun zwanzig Jahre, drei Monate und zwei Tage her und für ihn ein eindeutiges Zeichen, seine Wut zu zügeln. Aus Selbstschutz fasste er den Entschluss nie wieder hierhin zurück zu kehren.
Adreano spürte, wie sich seine Kehle zuschnürte. Ein Fehler, denn nun war es zu spät sich mit ihm auszusprechen. Nichtsahnend hatte er gestern den Hörer abgenommen, während er sich durch den Feierabendverkehr gequält hatte, als ihn die Worte der Schwester wie ein Giftpfeil mitten ins Herz trafen.
Während er tief einatmete, stieß Adreano die Tür auf und betrat das Zimmer. Wieder spürte er die Wut in ihm aufsteigen. Es war dieselbe Wut, die ihn stets davon abgehalten hatte ins Auto zu steigen und hierher zu fahren.
Warum war sein Großvater auch so stur gewesen? Mit dem Handrücken wischte Adreano sich den Schweiß von der Stirn. Warum hatte wieder mit dieser Verschwörungsgeschichte angefangen? Sie war doch der unausgesprochene Grund, warum er hier verrottete, anstatt seinen Lebensabend bei seinen Lieben zu verbringen. Wie oft hatte Adreano ihn angefleht Einsicht zu zeigen? Jetzt war das passiert, wovor er Großvater immer schützen wollte: er war allein in diesem trostlosen Zimmer gestorben.
Seine Lippen bebten, als verzerrt das Bild des alten Mannes vor seinem geistigen Auge erschien. Aus dem einst wohlgenährten Schnauzbartträger war ein zittriger Dattergreis geworden, dessen knochiger Arm es mit Müh und Not schaffte den Gehstock gerade zu halten. Adreano war der festen Überzeugung, dass es in den eigenen Vier Wänden nicht so schnell bergab mit ihm gegangen wäre, doch nicht einmal ihm zu Liebe hatte Großvater davon abgelassen, wie ein Besessener nach Missständen der Regierung zu suchen.
Adreano ließ den Blick durch die 18 Quadratmeter Residenz, wie es der Flyer der Einrichtung so schön anpries, schweifen. Im ersten Moment wirkte alles wie immer. Auf dem Fensterbrett verwelkte ein Blumenstrauß nach dem anderen. Er hätte eine Wette abschließen können, dass die Kärtchen daran allesamt von Herrn Senator Hower und Familie unterzeichnet waren. Für Adreanos Geschmack eine zu bequeme Maßnahme, um das Gewissen zu beruhigen, deshalb suchte man seine Unterschrift vergeblich.
Er ballte eine Faust und schluckte den Kloß in seinem Hals herunter, da hallten die Worte seines Vaters in seinem Kopf wieder: Als letztes kann ich einen übergeschnappten Wissenschaftler brauchen, der Verschwörungstheorien in der Gegend herumposaunt. In der Vergangenheit haben wesentlich harmlosere Schlagzeilen den ein oder anderen auf dem Weg zum Stadtratsvorsitzenden zu Fall gebracht. Ich kann kein Risiko eingehen und damit ist diese Diskussion beendet. Am liebsten hätte Adreano seinem Vater in dieser Situation einen Kinnhaken verpasst, doch seine Mutter hatte ihn zurückgehalten.
Er richtete sein Augenmerkt auf den Schaukelstuhl, der wie immer dem Fernseher zugewandt war. Doch diesmal wiegte er nicht vor und zurück, sondern verharrte still in seiner Position.
Adreano stupste ihn an, als er auf dem Weg zum Kleiderschrank, die Lehne berührte. Mit beiden Händen riss er die weiß lackierten Schranktüren auf und hievte den alten Koffer auf den Tisch daneben.
Die Erinnerung an den Tag, an dem sein Großvater diesen Raum hier bezog, bohrte sich tief in sein Bewusstsein, als der Reißverschluss genau an derselben Stelle hakte. Es war als hätte er sich von Anfang an gegen diese Anstalt gesträubt. Ein Ort, an dem Menschen zu Nummern geworden waren, die darauf warteten nacheinander abgefertigt zu werden.
Mit der Armbanduhr hatte sein Großvater gestoppt, wie lange das Pflegepersonal für einen Patienten Zeit hatte. Keine Notiz wies mehr als zehn Minuten am Vormittag, zehn Minuten mittags und zehn Minuten abends auf. Darauf angesprochen, beteuerte die Oberschwester, dass sie weit öfter im Raum gewesen war und wälzte die offensichtlich falsche Wahrnehmung auf die Demenz ab. Eine Krankheit eignet sich schon verdammt gut als Sündenbock, aber das hatte er damals mit seinen gerade mal fünfzehn Jahren nicht durchschauen können.
Mit einem Ruck zog er den Reißverschluss hoch und schlug den Deckel des Koffers auf. Und selbst wenn ich es durchschaut hätte, was hätte ich tun sollen? Meinem Vater davon berichten? Er stieß die angestaute Luft aus. Wie hätte der wohl reagiert? Entweder hätte er das Gespräch sofort beendet indem er ein wichtiges berufliches Telefonat vorschob oder er hätte genau wie das Personal alles auf die Krankheit abgewälzt.
Adreano ging stark von ersteren aus. Klar konnte er sich den stattlich gekleideten damaligen Mitvierziger vorstellen, wie er sein Smartphone zückte und nach seiner Sekretärin verlangte. Schon damals war Vater ein Meister im Umgehen von unangenehmen Gesprächen gewesen, es sei denn es war von vornherein klar gewesen, dass er der Sieger der anbahnenden Diskussion sein würde.
In gebückter Haltung holte Adreano die fein säuberlich zusammengelegte Cordhose und den grünen Wollpullover aus dem Schrank.
Ein Fach darüber lag sie: Großvaters geliebte Armbanduhr. Es gab nicht einen Tag, an dem er sie nicht getragen hatte. Tränen brannten heiß in seinen Augen. Warum habe ich an dir gezweifelt? Warum habe ich mich von dem dummen Gerede meines Vaters anstecken lassen?
Er drehte das Ziffernblatt im Licht. Golden schimmerten ihm die römischen Ziffern entgegen. Auf den ersten Blick wirkte die Uhr wie ein antikes Schmuckstück aus der deutschen Nachkriegszeit, doch mit einem Knopfdruck schaltete sich das darüber liegende Display ein. Begleitet von einer Begrüßungsmelodie flogen die Worte Guten Morgen von den Seiten herein. Plötzlich erschien eine Brünette mit einem anmutigen Lächeln auf dem Bildschirm. Hinter ihr prangte ein verschnörkeltes V an der Wand.
»Hallo Adreano«, begrüßte sie ihn mit freundlicher Stimme. »Ich bin Allegra und arbeite für Mr. Jonathan Hower.« Ihre vollen Lippen verhärteten sich. »Wenn du das siehst, ist er bereits tot.« Sichtlich betroffen schlug sie die Lider nieder, während sie nach Worten rang. »Begebe dich in sein Büro und suche nach dem Lieblingsbuch deiner Kindheit. Dort erhältst du weitere Informationen. Diese Nachricht löscht sich im Anschluss. Viel Glück.« Der Bildschirm färbte sich schwarz und wechselte kurz darauf zum vertrauten Hauptmenü.
Adreano zog die Brauen zusammen. Wer zum Teufel ist Allegra und was will sie von mir? Woher weiß sie überhaupt von mir? Er ahnte Schlimmes, denn dieses V an der Wand, hatte er schon einmal gesehen, wenn auch vor langer Zeit. Wenn Großvater es geschafft hatte, dass sogar Menschen für ihn in dieser Sache arbeiteten – und diese Allegra schien wahrhaftig ein Mensch aus Fleisch und Blut zu sein – konnte womöglich doch etwas an der ganzen Verschwörungstheorie über genmanipulierte Ersatzteillager dran sein.
Nein – es war nicht nur gut möglich, sondern Großvater hatte all die Jahre recht gehabt mit seiner Kritik an der Sache, darüber war sich Adreano nun sicher.
Schnell legte er das Lederarmband um sein Handgelenk und warf die restlichen Sachen in den Koffer. Er konnte es kaum erwarten seinen Eltern einen Besuch abzustatten und im Keller nach dem Zauberer von Oz zu suchen.
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Re: Visions - Gefährlicher EIngriff in die Natur Kapitel 1

Beitragvon brehb » 22.07.2015, 22:40

Hallo Snoopylein90,

ich habe mich mit deinem Text auseinandergesetzt, hier meine Eindrücke:


Du schreibst ordentliches Deutsch, kein Kampf gegen RS, Satzbau und Interpunktion, deine Ausdrücke sind meist treffend. Die Optik stimmt, obwohl mich die Kursivschrift irritiert. Mitunter verliere ich den Überblick zwischen Sohn, Vater und Großvater. Ebenso ergeht es mir mit den Erzählzeiten.

Im Einzelnen:
Wir sind im Jahr 2060 in Ex-Berlin.

Du beginnst:
224 … 225 … das ist es …

Das ist Präsens

dann
Schon oft war Adreano vor dieser Tür gestanden...

Das ist die erste Rückblende. Wenn du im Präsens startest, muss sie im Perfekt stehen.

Dann
Adreano umklammerte die Klinke.

Damit langst du in der Erzählzeit Imperfekt an.

Der eben noch so entschlossene Griff lockerte sich und ließ von der Klinke ab.

Der erste Teilsatz klingt gut. Das "(Der Griff)...ließ von der Klinke ab" aber nicht mehr, meine ich.

Der eben noch so entschlossene Griff lockerte sich und As Hand glitt herab.

An manchen Tagen hatte er auch gezögert ins Zimmer zu gehen...

Rückblende. Grammatisch ok, im Plusquamperfekt. Das "auch" erschließt sich nur, wenn man den Satz davor nochmals liest. Bau das doch gleich in die Rückblende mit ein

An manchen Tagen hatte er auch früher schon gezögert ins Zimmer zu gehen...

...und Adreano damit die Argumentationsgrundlage gegen diesen Aufenthalt genommen

Ich verstehe den Zusammenhang nicht, was das "zögern, das Zimmer zu betreten" mit diesem Erklärungssatz zu tun hat.

Dann ein Satz im Imperfekt und jetzt die nächste Rückblende
Es war kalt gewesen an diesem Tag. Verdammt kalt

BIs hier grammatisch ok, aber dann...

Ein krasser Gegensatz zu dem Blut das in seinen Adern kochte, als er nach dem Gespräch mit seinem dementen Großvater viel zu schnell über die vereisten Straßen raste

wieder Imperfekt?

Plötzlich war das diese Hirschkuh am Straßenrand. Panisch riss er das Lenkrad herum und war rutschte mit quietschenden Reifen über die Schneedecke.

Da haben sich zwei Sprachfehler eingeschlichen

Plötzlich war da diese Hirschkuh am Straßenrand. Panisch riss er das Lenkrad herum und rutschte mit quietschenden Reifen über die Schneedecke.
Das ist sicher interessant, so richtig interessieren tut mich das aber nicht, schließlich ist das glimpflich abgelaufen und...
Das war nun zwanzig Jahre, drei Monate und zwei Tage her und für ihn ein eindeutiges Zeichen nie wieder hierhin zurück zu kehren

Hier rächt sich der Trick, in der Rückblende zwar im PQF anzufangen, dann aber ins geläufigere Imperfekt zu wechseln. Diese Satz sollte nämlich heißen:

...und war für ihn ein eindeutiges Zeichen gewesen, nie wieder hierhin zurück zu kehren (PQF)

Dann würde das Zurückkehren in die Jetztgeschichte (Imperfekt) auch erkennbar.
Ein Fehler, denn nun war es zu spät sich mit ihm auszusprechen. Adreano holte tief Luft und schwang die Tür auf.


Warum war er so stur gewesen und hatte wieder mit dieser Verschwörungsgeschichte angefangen? Sie war doch der unausgesprochene Grund, warum er hier verrottete anstatt seinen Lebensabend bei seinen Lieben zu verbringen

Die markanteste Sequenz (und wohl der Übergang in die "eigentliche" Geschichte)

Nicht einmal ihm zu liebe hatte er davon abgelassen, wie ein Besessener nach Missständen der Regierung zu suchen.

"Missstände der Regierung" scheint mir etwas schief im Ausdruck. Es sollten wohl eher "Missstände in der Regierung" sein.

Adreano ballte eine Faust und schluckte den Kloß in seinem Hals herunter. Das letzte was sein Vater brauchen konnte, war ein übergeschnappter Wissenschaftler, der Verschwörungstheorien in der Gegend herumposaunte. Hatten doch in der Vergangenheit wesentlich harmlosere Schlagzeilen den ein oder anderen auf dem Weg zum Stadtratsvorsitzenden zu Fall gebracht.

Das Letzte... (groß) ... dies ist einer der Absätze, bei denen ich mit Vater und Großvater (und der Dramaturgie der Geschichte) durcheinander komme. A. kommt nach über zwanzig Jahren wieder in das Zimmer seines verstorbenen Großvaters, hat einen Kloß im Hals, ballt die Faust... und räsoniert darüber, was sein Vater auf seiner Karriereleiter nicht brauchen könne?

Auf dem Fensterbrett verwelkte ein Blumenstrauß nach dem anderen

Das erlebt er mit? Wie ein Blumenstrauß nach dem anderen verwelkt?

...aber das konnte damals mit seinen gerade mal fünfzehn Jahren nicht durchschauen.

Hier fehlt wohl ein "er"

Golden waren in römischen Ziffern die Zahlen am Rand angebracht.

"Zahlen" die als "römische Ziffern" auf einer Uhr "am Rand angebracht" sind, wirken auf mich etwas unglücklich

Die Stunden glänzten in goldenen römischen Ziffern

Auf den ersten Blick wirkte sie wie ein antikes Schmuckstück aus der deutschen Nachkriegszeit

? Wenn du dich auf den 2. Weltkrieg beziehst, dann war das die Nachkriegszeit der halben Welt. Warum also "deutsche Nachkriegszeit" Wäre nicht einfacher "...aus der Nachkriegszeit"?

...doch mit einem Knopfdruck schaltete sich das darüber liegende Display ein

Wo ist "darüber"? Die letzte Ortsangabe lautete:"... in römischen Ziffern die Zahlen am Rand..."

»Ich bin Allegra und arbeite für Mr. Hower.«

Verwirrung: Sowohl der Opa als auch der Vater als auch der Erzähler heißen Hower. Also für wen arbeitet sie?

»Begebe dich in sein Büro und suche nach deinem Lieblingsbuch deiner Kindheit....

Das ist wörtliche Rede und du kannst deine Protas reden lassen, wie du möchtest. Aber muss das wirklich so wie auf Stelzen sein? Im Jahr 2060?

»Geh bitte in sein Büro und suche nach deinem Lieblingskinderbuch..."

Er ahnte schlimmes

Er ahnte Schlimmes

...und diese Allegra schien wahrhaftig ein Mensch aus Haut und Haaren zu sein...


Das ist sicherlich ein Freudscher Verdreher "jemanden mit Haut und Haaren fressen"

und diese Allegra schien wahrhaftig ein Mensch aus Fleisch und Blut zu sein

Fazit:
Das ist ordentlich geschrieben und kann ineressant werden. Kleine, leicht zu behebende Handwerksmängel.

LG brehb
[SigNat] Zu spät. Sich sputen bringst nichts
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Re: Visions - Gefährlicher EIngriff in die Natur Kapitel 1

Beitragvon snoopylein90 » 23.07.2015, 08:51

Hallo lieber brehb,

vielen Dank für deinen Kommentar.

brehb hat geschrieben:Im Einzelnen:
Wir sind im Jahr 2060 in Ex-Berlin.

Du beginnst:
224 … 225 … das ist es …

Das ist Präsens


Das erklärt sich ganz einfach. Ich schreibe Gedanken in kursiv und Präsens. Der Rest der Geschichte ist in Präteritum mit Ausnahme der Rückblenden.


dann
Schon oft war Adreano vor dieser Tür gestanden...

Das ist die erste Rückblende. Wenn du im Präsens startest, muss sie im Perfekt stehen.


Da die Geschichte im Präteritum ist, stimmt die Zeit der Rückblende wieder.



An manchen Tagen hatte er auch gezögert ins Zimmer zu gehen...

Rückblende. Grammatisch ok, im Plusquamperfekt. Das "auch" erschließt sich nur, wenn man den Satz davor nochmals liest. Bau das doch gleich in die Rückblende mit ein

An manchen Tagen hatte er auch früher schon gezögert ins Zimmer zu gehen...


Das werde ich übernehmen.

...und Adreano damit die Argumentationsgrundlage gegen diesen Aufenthalt genommen

Ich verstehe den Zusammenhang nicht, was das "zögern, das Zimmer zu betreten" mit diesem Erklärungssatz zu tun hat.
Hier wollte ich eigentlich mehr seine Wut erklären, darauf, dass sein Vater doch recht zu haben schien, als er seinen Großvater in dieses Heim geschickt hatte.


[quote)Dann ein Satz im Imperfekt und jetzt die nächste Rückblende
Es war kalt gewesen an diesem Tag. Verdammt kalt

BIs hier grammatisch ok, aber dann...

Ein krasser Gegensatz zu dem Blut das in seinen Adern kochte, als er nach dem Gespräch mit seinem dementen Großvater viel zu schnell über die vereisten Straßen raste

wieder Imperfekt? [/quote]

Hier habe ich mit Plusquamperfekt wegen der Rückblende gewechselt und dann ins Imperfekt, weil es sich eleganter anhört. Habe gelesen, dass das geläufig ist.


Das war nun zwanzig Jahre, drei Monate und zwei Tage her und für ihn ein eindeutiges Zeichen nie wieder hierhin zurück zu kehren

Hier rächt sich der Trick, in der Rückblende zwar im PQF anzufangen, dann aber ins geläufigere Imperfekt zu wechseln. Diese Satz sollte nämlich heißen:

...und war für ihn ein eindeutiges Zeichen gewesen, nie wieder hierhin zurück zu kehren (PQF)


Das werde ich übernehmen


Das Letzte... (groß) ... dies ist einer der Absätze, bei denen ich mit Vater und Großvater (und der Dramaturgie der Geschichte) durcheinander komme. A. kommt nach über zwanzig Jahren wieder in das Zimmer seines verstorbenen Großvaters, hat einen Kloß im Hals, ballt die Faust... und räsoniert darüber, was sein Vater auf seiner Karriereleiter nicht brauchen könne?


Das werde ich noch deutlicher hervorheben.

Auf dem Fensterbrett verwelkte ein Blumenstrauß nach dem anderen

Das erlebt er mit? Wie ein Blumenstrauß nach dem anderen verwelkt?


...doch mit einem Knopfdruck schaltete sich das darüber liegende Display ein

Wo ist "darüber"? Die letzte Ortsangabe lautete:"... in römischen Ziffern die Zahlen am Rand..."

Hier habe ich mir vorgestellt, das dieses Display durchsichtig ist wenn es ausgeschalten ist und man das Ziffernblatt sieht. Wenn man es einschaltet, dann ist es belauchtet und man sieht nur die Anzeige, nicht aber das Ziffernblatt. Es ist also in der Scheibe integriert. Ich weiß nicht wie ich es unkompliziert beschreiben kann. Ideen vielleicht?

»Ich bin Allegra und arbeite für Mr. Hower.«

Verwirrung: Sowohl der Opa als auch der Vater als auch der Erzähler heißen Hower. Also für wen arbeitet sie?


Naja, da es seine Armbanduhr ist, dachte ich es wäre klar, dass es der Opa ist.
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Re: Visions - Gefährlicher EIngriff in die Natur Kapitel 1

Beitragvon ESchen » 27.07.2015, 21:54

Hallo Snoopylein

Dann mache ich mich mal an was Neues von dir :D
Die blauen Abschnitte sind Kommentare, die ich direkt in den Text eingefügt habe, da es so einfacher ging.

224 … 225 … das ist es …


Zu Anfang wusste ich nicht, was du damit meinst. Erst als ich den Text gelesen habe, ist mir aufgefallen, dass du damit andeuten möchtest, dass er nach der Zimmernummer sucht. Ich würde dann eher eine Ortsangabe verwenden à la ... hier ist es..., damit man auf Anhieb besser versteht.

Kurz vornweg, ich hatte beim 1. Lesen etwas Mühe, die Generationen auseinander zu halten. Zuerst dachte ich, dass Adriano mit seinem Vater, den Bewohner des Altenheims meint und dass dieser der Stadtrat sein soll. Was aber keinen Sinn machte. Erst beim 2. Lesen ist mir aufgefallen, dass es sich um den Enkel handelt, dass er zum Grossvater geht und dabei an seinen Vater denkt. Die Verwirrung kann auch an mir liegen :fool: , aber ich dachte, ich erwähne es mal :mrgreen: und habe versucht, es unten zu veranschaulichen.
Ausserdem verwirren mich die kursiven Direktgedanken. Ich weiss, es kommt immer mehr auf, aber ich bin ehrlich gesagt gar kein Fan davon. Dies nur am Rande :roll:

Schon oft war Adreano vor dieser Tür gestanden, die ebenso kalkweiß war, wie alles hier in diesem gottverdammten Altersheim. Residenz für Senioren, war der Begriff, den sein Vater stets wählte, um diesen Ort schön zu reden. Ab hier habe ich gedacht, es geht um den Vater.
Adreano umklammerte die Klinke. Dabei weiß der angesehene Herr Stadtrat genau in welches heruntergekommene Loch er seinen eigenen Vater vor Jahren hier habe ich von der Formulierung her gedacht, dass Adrianos Vater dies bereits mit seinem eigenen Vater getan hat und jetzt selbst im Altenheim sitzt. gesteckt hat. Der eben noch so entschlossene Griff lockerte sich und ließ von der Klinke ab.
An manchen Tagen hatte er auch gezögert ins Zimmer zu gehen, das musste er zugeben. Zu sehr hatte sich der geniale Wissenschaftler und Held seiner Kindheit in einen verwirrten Greis verwandelt und Adreano damit die Argumentationsgrundlage gegen diesen Aufenthalt genommen PUNKT
Adreano schüttelte den Kopf und legte seine Hand erneut auf den Metallgriff. Nie war es ihm so schwer gefallen über die Schwelle zu treten, wie in diesem Moment.
Jäh überflutete ihn die Erinnerung an das letzte Treffen mit seinem Großvater. hier erwähnst du zum ersten Mal den Grossvater, aber bei mir sinkt es nicht ein, dass dies die Person hinter der Tür sein soll, sondern es liest sich für mich wie die Rückblende, die es ja tatsächlich auch ist.


Jäh überflutete ihn die Erinnerung an das letzte Treffen mit seinem Großvater. Hier würde ich eine neue Zeile oder Absatz machen, da es sich um eine Rückblende handelt. Es war kalt gewesen an diesem Tag.


Jäh überflutete ihn die Erinnerung an das letzte Treffen mit seinem Großvater. Es war kalt gewesen an diesem Tag. Verdammt kalt. Ein krasser Gegensatz zu dem Blut das in seinen Adern kochte, als er nach dem Gespräch mit seinem dementen Großvater viel zu schnell über die vereisten Straßen raste. Plötzlich war das diese Hirschkuh am Straßenrand hier hast du m. M. nach einen Zeitfehler. Bsp. Plötzlich tauchte diese Hirschkuh am Strassenrand auf. oder. Plötzlich war diese Hirschkuh am Strassenrand aufgetaucht. Entweder erzählst du die Rückblende im Plusquamperfekt oder im Präteritum, aber du mischst. . Panisch riss er das Lenkrad herum und war rutschte mit quietschenden Reifen über die Schneedecke. Gerade noch rechtzeitig kam sein Wagen am Hang zum Stehen.


Du erwähnst relativ nah beieinander das Wort Grossvater. Es stört mich etwas von der Wiederholung her. Die beiden Formulierungen so dicht hintereinander wirken auf mich etwas unpässlich. Du könntest ihn einfach ihn, nennen, damit du einen Bezug zum vorherigen Satz bildest, oder das 'mit seinem dementen Grossvater' gleich komplett weglassen. Denn es ist klar, dass es sich um eine Rückblende zum Grossvater handelt, also brauchst du das nicht noch einmal speziell zu erwähnen. Auch dass er dement ist, könntest du getrost an einer anderen Stelle einbauen, falls du dies explizit erwähnt haben willst.

das 'viel zu schnell' wirkt auf mich etwas einfach, du könntest ein konkretes Tempo nennen, z.bsp. 120 auf der Landstrasse, oder mit zu hohem Tempo.
Beispiel: Ein krasser Gegensatz zu dem Blut das in seinen Adern kochte, als er nach dem Gespräch mit 120 über die vereiste Landstrasse raste.

Das war nun zwanzig Jahre, drei Monate und zwei Tage her und für ihn ein eindeutiges Zeichen nie wieder hierhin zurück zu kehren.


das 'für ihn' kannst du streichen. Das verwirrt mich mehr als dass es nützt.
das 'hierhin' würde ich durch an diesen Ort ersetzen

Ein Fehler, denn nun war es zu spät sich mit ihm auszusprechen.


Hier könntest du beispielsweise den dementen alten Mann, einsetzen :wink:

Kopfschüttelnd betrat er das Zimmer und spürte wie in ihm wieder die Wut aufstieg,


Auf die Reue, dass er seinen Grossvater so lange nicht gesehen hatte und er es jetzt aufgrund seines Todes bereute, folgt mir der Wechsel zur Wut zu rasch, bzw. zu wenig subtil.

Warum hatte ihn sein Großvater auch so wütend gemacht?


Nur wütend? Das klingt m.E. zu wenig einschneidend, um einen so nahstehenden Menschen 20 Jahre lang zu meiden.

Warum war er so stur gewesen und hatte wieder mit dieser Verschwörungsgeschichte angefangen? Sie war doch der unausgesprochene Grund, warum er hier verrottete anstatt seinen Lebensabend bei seinen Lieben zu verbringen. Wie oft hatte Adreano ihn angefleht Einsicht zu zeigen?

Davor würde ich einen Absatz setzen, da es eine wichtige Passage ist, die sich abheben sollte.

Adreano ballte eine Faust und schluckte den Kloß in seinem Hals herunter. Das letzte was sein Vater brauchen konnte, war ein übergeschnappter Wissenschaftler, der Verschwörungstheorien in der Gegend herumposaunte
.

Hier würde ich ihn als 'sein Vater, der Stadtrat' nennen oder so ähnlich, damit du klar abgrenzt und auch solchen Leuten wie mir, die Verwirrung nimmst :XD:

Adreano ließ den Blick durch die 18 Quadratmeter Residenz, wie es so schön im Flyer der Einrichtung hieß, schweifen.


Du möchtest hier etwas Sarkasmus einfliessen lassen, aber bei mir kommt das noch nicht ganz so bissig rüber, was vermutlich an der Formulierung liegt. Ich würde das 'schweifen' nach vorn, vors Komma rücken.
Bsp. Adreano liess den Blick durch die 18 Quadratmeter Residenz schweifen, wie es der Flyer so schön anpries. Oder so ähnlich. :mrgreen:

Im ersten Moment wirkte alles wie immer. Auf dem Fensterbrett verwelkte ein Blumenstrauß nach dem anderen. Er hätte eine Wette abschließen können, dass die Kärtchen daran allesamt von Herrn Senator Hower und Familie unterzeichnet waren. Eine bequeme Maßnahme, um das Gewissen seines Vaters zu beruhigen.


Schon wieder, das ESchen ist verwirrt. :XD: :girl: Wer ist wer? Wer will welches Gewissen beruhigen und wer ist Hower? Oder sind das die gleichen Personen? :XD:
Die Erinnerung an den Tag, an dem sein Großvater diesen Raum hier bezog, bohrte sich wie ein Pfeil in sein Bewusstsein, als der Reißverschluss genau an derselben Stelle hakte.


Der Bezug zu dieser Erinnerung und den Kreis, den du schliesst finde ich super!
Auch die Thematik Altenheim und Pflege, die du weiter unten ansprichst, finde ich sehr gut. Aaaber, dann würde ich irgendwo noch einen kleinen Satz oder etwas ähnliches einschieben, damit du auf Adrianos Gewissen hinweist. Es sollen seine Gedanken sein, nicht die Gedanken des Autors oder der Thematik, die du unbedingt noch hattest hineinpacken wollen. Weisst du wie ich meine? Es klingt mir zu wenig nach Chara Gedanke.

Und selbst wenn ich es durchschaut hätte, was hätte ich tun sollen? Meinem Vater davon berichten?


Ich nehme an, du beziehst dich hier wieder auf die Verschwörungssache. Schwierig, diesen Einschub zu bewerten. Er scheint irgendwie im Altenheimthema zu versinken. Entweder du konkretisierst etwas, oder hebst mit Absätzen genauer ab, vielleicht nützt das.

Seit Adreano denken konnte KOMMA hatte sie sein Handgelenk geziert.


Tränen liefen über seine heißen Wangen. Warum habe ich an dir gezweifelt? Er drehte das Ziffernblatt im Licht.


Hm, mit dem Vortschreiten des Textes, beginne ich zu denken, du solltest die Direktgedanken viel klarer abgrenzen, evt. mit neuen Zeilenanfängen. Ich weiss auch nicht, auf mich wirkt es so mitten im Textblock nicht. Aber ich denke, das ist doch stark Geschmackabhängig.

Golden waren in römischen Ziffern die Zahlen am Rand angebracht. Auf den ersten Blick wirkte sie wie ein antikes Schmuckstück aus der deutschen Nachkriegszeit, doch mit einem Knopfdruck schaltete sich das darüber liegende Display ein. Begleitet von einer Begrüßungsmelodie flogen die Worte Guten Morgen von den Seiten herein.

der erste und der letzte Satz wirken etwas holprig auf mich. Was meinst du mit flogen von den Seiten herein?

Ich bin Allegra und arbeite für Mr. Hower


Wer nun der Hower ist, habe ich leider nicht begriffen. Eine nicht verwandte Person, oder Adreanos Vater, Grossvater?

Wenn du das siehst, ist er bereits tot.«

Hier ist nun der Opa gemeint, oder? Aber von wem waren die Karten der abgestorbenen Pflanzen auf dem Fensterbrett? :P
:fool:

Aber wenn sogar Menschen für seinen Großvater arbeiteten und diese Allegra schien wahrhaftig ein Mensch aus Haut und Haaren zu sein, konnte womöglich doch etwas an der ganzen Verschwörungstheorie über genmanipulierte Ersatzteillager dran sein?


hm, was meinst du mit 'sogar Menschen'? Möchest du andeuten, dass es in dieser Zukunft erstaunlich ist, dass Menschen für seinen Grossvater arbeiten könnten, der gesellschaftlichen und politischen Lage entsprechend, oder meint er es erstaundlich, dass sein Grossvater generell Angestellte beschäftigte? Tja schon ein Unterschied, der die gesamte Thematik des Buches ausmachen könnte. Falls das erste Szenario der Fall ist, finde ich es interessant. Leider nimmst du mir persönlich etwas die Spannung, da du hier schon mit der Antwort genmanipulierte Ersatzteillager rausrückst. Das würde ich noch etwas verschleiern, und auf der Menschenthematik herumreiten und die Probleme subtil andeuten, aber ist Geschmacksache. :P

Fazit:
Alles in allem, recht ordentlich. Die Formulierungen wirken m. E. noch etwas holprig, bzw. zu wenig flüssig. Ausserdem habe ich das Gefühl, dass es mich noch zu wenig mitreisst, dass noch zu wenig Spannung (Suspense) drin ist. Adriano wirkt auf mich recht entspannt und ich bekomme von seinen Gefühlen trotz der direkten Gedanken und trotz der vielen Gestik nicht viel mit, bzw. es berührt mich zu wenig. Er scheint die Dinge einfach runter zu raspeln und wechselt von einem Gedanken in den nächsten, ohne dass du einen Konflikt tatsächlich mal gefährlich weiter entwickelst.
Die Altenheim Thematik hast du gut benannt, könntest sie aber noch etwas mehr als Chara-Einstellung verpacken. Das eigentliche Thema, die Verschwörung, die im Hintergrund zu laufen scheint, wovon Adriano durch seinen Grossvater wusste, aber es bis anhin nie richtig geglaubt hat, könntest oder sogar solltest du verschärfen. Adriano soll es nun wahrhaftig glauben, oder sich zumindest stark genug wundern, um der Sache mal auf den Grund zu gehen. Er wirkte auf mich viel zu wenig beunruhigt, nachdem er die Nachricht auf dem Armband gesehen hat.

So, ich hoffe, ich habe dich nun nicht demotiviert, sondern ein paar Anregungen mitgegeben. Vielleicht kannst du sie gebrauchen, vielleicht liegt es aber auch nur an mir :XD:

Liebe Grüsse
ESchen
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Re: UPDATE Visions - Gefährlicher Eingriff in die ... Kapite

Beitragvon MrsMurphy » 30.07.2015, 17:30

Hallo,

darf ich? Ich versuche mich noch hier einzufinden, von daher, wenn etwas unpassend ist, bitte einfach Bescheid sagen... ich übe noch :)

Er hätte eine Wette abschließen können, dass die Kärtchen daran allesamt von Herrn Senator Hower und Familie unterzeichnet waren. Für Adreanos Geschmack eine zu bequeme Maßnahme, um das Gewissen zu beruhigen, deshalb suchte man seine Unterschrift vergeblich.

Vorher ist Adreanos Vater Stadtrat, ist mit Senator das gleiche gemeint? Da war ich mir beim ersten Lesen nicht sicher.
Mit beiden Händen riss er die weiß lackierten Schranktüren auf und hievte den alten Koffer auf den Tisch daneben.
Die Erinnerung an den Tag, an dem sein Großvater diesen Raum hier bezog, bohrte sich tief in sein Bewusstsein, als der Reißverschluss genau an derselben Stelle hakte. Es war als hätte er sich von Anfang an gegen diese Anstalt gesträubt.

Das Bild gefällt mir sehr. Der hakende Reißverschluss als Sträuben.

Je nachdem, ob das im weiteren Verlauf noch wichtig wird, fiel mir die Beschreibung der Armbanduhr auf:
Mit der Armbanduhr hatte sein Großvater gestoppt, wie lange das Pflegepersonal für einen Patienten Zeit hatte.
[...]
Ein Fach darüber lag sie: Großvaters geliebte Armbanduhr. Es gab nicht einen Tag, an dem er sie nicht getragen hatte. Tränen brannten heiß in seinen Augen. Warum habe ich an dir gezweifelt? Warum habe ich mich von dem dummen Gerede meines Vaters anstecken lassen?
Er drehte das Ziffernblatt im Licht. Golden schimmerten ihm die römischen Ziffern entgegen. Auf den ersten Blick wirkte die Uhr wie ein antikes Schmuckstück aus der deutschen Nachkriegszeit, [...]

Wenn sie nie wieder erwähnt wird, dann vergiss das folgende. Wenn sie dagegen ein wichtigeres Symbol werden soll, dann würde ich dazu tendieren, sie bei der ersten Erwähnung näher zu beschreiben:
Sein Großvater hatte regelmäßig die Zeit gestoppt, die das Pflegepersonal für einen einzelnen Patienten aufbrachte. Adreano konnte es regelrecht vor seinem inneren Auge sehen: Sein Großvater im Schaukelstuhl sitzend, den Blick unverwandt auf die römischen Ziffern seiner Armbanduhr gerichtet, die er niemals ablegte...
...aber das dürfte eher Geschmacksache sein.
»Begebe dich in sein Büro und suche nach dem Lieblingsbuch deiner Kindheit. [...]

Bitte, der Imperativ ist so schön! :D Begib dich.

Insgesamt animiert mich der Anfang auf jeden Fall zum Weiterlesen! (Was ich dann auch bald tun werde.) Zwischendurch habe ich mich allerdings dabei ertappt, dass ich mich schon etwas konzentrieren musste, da mir persönlich etwas Action fehlt. Es wird hier in kurzer Zeit sehr viel angerissen: Die Familiengeschichte, das Setting, die Verschwörung, so es denn eine gibt (ich hoffe auf jeden Fall darauf, klingt spannend!). Ich überlege, wie man das ändern könnte. Davon abhängig, wie umfangreich das Projekt wird, würde ich vielleicht einiges über die Beziehung von Adreano zu seinem Vater weglassen, es knapper verpacken - um es dann an späterer Stelle (z.B. wenn Adreano zu seinen Eltern fährt?) mehr zu vertiefen.

Doch, im Großen und Ganzen gefällt's mir!
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Re: [SciFi]Visions - Gefährlicher Eingriff in die Kapitel 1

Beitragvon KatiaBenego » 09.09.2015, 21:50

Hey Steffi!

Ich habe gestern Abend kurz deinen Text überflogen und er hat mich so gepackt, dass ich heute mehr als einmal daran denken musste. Also hier mal ein grosses Kompliment! Ich finde deinen Schreibstil sehr, sehr angenehm und würde gerne mehr davon lesen. Ein paar Dinge sind mir noch aufgefallen. Vielleicht kann ich dir damit ja helfen:

Ich bin nicht viel besser. An manchen Tagen hatte er auch gezögert ins Zimmer zu gehen, wie er zu seiner Schande eingestand.

Nach diesem Satz bin ich automatisch davon ausgegangen, dass Adreano seinen Grossvater regelmässig besucht. An manchen Tagen zögert er, aber er besucht ihn trotzdem. Aber in Wirklichkeit ist der letzte Besuch 20 Jahre her. Da würde ich eher etwas schreiben wie: Ich bin nicht besser, im Gegenteil. Wie oft habe ich mich denn in den letzten Jahren dazu aufgerafft ihn zu besuchen? Kein einziges Mal.

...und viel zu schnell über die vereisten Straßen raste. Plötzlich war da diese Hirschkuh am Straßenrand. Panisch riss er das Lenkrad herum und rutschte mit quietschenden Reifen über die Schneedecke. Gerade noch rechtzeitig kam sein Wagen am Hang zum Stehen.

Also verstehe ich das richtig, dass dein Prota beinahe einen Autocrash hatte? Wo ich das gelesen habe, hatte ich deinen Prota gleich auf ende Vierzig geschätzt. Später schreibst du, dass Adreano damals 15 war und er ist demnach wesentlich jünger. Darüber war ich erst einmal gestolpert, dass ein 15-jähriger Auto fährt. Aber vielleicht ist das in deinem Roman ja so üblich, dass 15-jährige im 2060 Auto fahren. Dann würde ich das aber so irgendwie noch hinknallen.

Das war nun zwanzig Jahre, drei Monate und zwei Tage her und für ihn ein eindeutiges Zeichen, seine Wut zu zügeln. Aus Selbstschutz fasste er den Entschluss nie wieder hierhin zurück zu kehren.

Da schliesse ich mich meinen Vorrednern an. Der Satz holpert ein wenig.

Adreano spürte, wie sich seine Kehle zuschnürte. Ein Fehler, denn nun war es zu spät sich mit ihm auszusprechen.

So geschrieben bezieht sich der Fehler auf die zugeschnürte Kehle. Ich würde die Reihenfolge der Sätze hier gleich tauschen. Zuerst der Fehler, dann schnürt sich aufgrund seiner Gedanken die Kehle zu.

Nichtsahnend hatte er gestern den Hörer abgenommen, während er sich durch den Feierabendverkehr gequält hatte, als ihn die Worte der Schwester wie ein Giftpfeil mitten ins Herz trafen.

Diesen Satz würde ich aufteilen: Nichtsahnend hatte er gestern den Hörer abgenommen, während er sich durch den Feierabendverkehr gequält hatte. Die Worte der Schwester haben ihn wie ein Giftpfeil mitten ins Herz getroffen. Kleine Anmerkung: Als ich mein Spitalpraktikum 2010 absolvierte, galt es bereits als völlig veraltet, von einer Schwester zu reden. 2060 sieht das bestimmt nochmal anders aus. Mit Begriffen wie Pflegefachfrau/Pflegerin/Altenpflegerin/Krankenpflegerin bist du auf der sicheren Seite.

Auf dem Fensterbrett verwelkte ein Blumenstrauß nach dem anderen.

Eine etwas unglückliche Formulierung. Sie verwelken ja nicht just in diesem Moment. -> Auf dem Fensterbrett stand ein verwelkter Blumenstrauss nach dem anderen.

Er richtete sein Augenmerkt auf den Schaukelstuhl, der wie immer dem Fernseher zugewandt war.

Dieses "immer" irritiert ein wenig, wenn Adreano den Grossvater doch schon seit 20 Jahren nicht mehr besucht hatte. ->Er richtete sein Augenmerk auf den Schaukelstuhl, der wie schon damals dem Fernseher zugewandt war. Als Beispiel.

Adreano stupste ihn an, als er auf dem Weg zum Kleiderschrank, die Lehne berührte.

Das Komma nach Kleiderschrank kann weg.

Adreano zog die Brauen zusammen. Wer zum Teufel ist Allegra und was will sie von mir? Woher weiß sie überhaupt von mir? Er ahnte Schlimmes, denn dieses V an der Wand, hatte er schon einmal gesehen, wenn auch vor langer Zeit. Wenn Großvater es geschafft hatte, dass sogar Menschen für ihn in dieser Sache arbeiteten – und diese Allegra schien wahrhaftig ein Mensch aus Fleisch und Blut zu sein – konnte womöglich doch etwas an der ganzen Verschwörungstheorie über genmanipulierte Ersatzteillager dran sein.
Nein – es war nicht nur gut möglich, sondern Großvater hatte all die Jahre recht gehabt mit seiner Kritik an der Sache, darüber war sich Adreano nun sicher.

Diese Gedankengänge folgen mir persönlich ein wenig zu schnell. Ich würde den Abschnitt noch einmal kritisch überprüfen, die Kommafehler korrigieren und auf ein, zwei Sätze verlängern.

So, das war's mal von mir. Hat echt spass gemacht davon zu lesen. Ich hoffe, ich konnte helfen.
Liebe Grüsse
Tabea
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