Von gebrochenen Synonymen

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Von gebrochenen Synonymen

 
Kein Wort.

Jede Silbe ist Verschwendung. Jeder Buchstabe stellt ein Problem dar. Es gibt keine Sprache die es vermag dieses abgrundtiefe Böse zu fassen, dieses perverse, zu Boden drückende, bestialische, fesselnde, zerreissende, beklemende, zerschmetternde, verfickende, tottraurige, abgrundtief Böse Gefühl zu definieren, dass einen bewohnt, hat man erstmal genau verstanden.
Es gibt Dinge, die will man, ja die darf man nicht wissen. Sie treiben dich in die Enge, sperren dich in den Käfig, peitschen dich aus und lassen dich verbluten. Das wird dir immer erst dann bewusst, wenn du schon nach Luft ringend im feuchten Staub liegst. Natürlich. Die Erkenntnis über die Psyche, ihrer Macken, ihres Verhaltens, ihrer Sackgassen, ihrer Motive, das daraus resultierende Bewusstsein um die Art und Weise des eigenen Lebens und zwangsweise auch das vieler Anderer, diese verruchte Erkenntnis gehört zu diesen Dingen. Zumindest sagen das alle, die sich sicher sind, dieses Gefühl gespürt zu haben. Und ich sage das jetzt auch.
Natürlich habe ich das früher schon einmal gesagt, doch im Vergleich zu Jetzt war das alles nichtig. Genau genommen hab ich auch das schon früher gesagt, weswegen ich einfach erklären muss, dass man dieses Gefühl entweder mit der Muttermilch einsaugt oder aber niemals fühlt.
Man weiß nie ob das nun der Tiefschlag ist, für den man ihn hält. Im Grunde kann man somit auch nie wirklich bestimmen ob es jemanden wirklich sehr schlecht geht oder ob er nur denkt, das er am Ende ist, weil sein Schmerz stärker ist als je zuvor. Aber wie viel Schmerz nach oben noch möglich ist, steht nicht geschrieben.
Fairerweise muss ich erwähnen, dass jeden sein eigener Schmerz am Größten und am Schlimmsten ist, dass man ihnen das nicht verübeln kann und das die persönliche Leidensfähigkeit immerzu von Charakteren und ihren „Umständen“ abhängig ist. Es gibt also keine allgemein gültige Skala für Belastbarkeit. Jeder besitzt seine eigene, aber niemand kennt sie.
Eigentlich müssten wir uns bei jeder emotionalen Gewitterwolke, bei jedem psychologischem Hurrican vor Augen rufen, dass dies noch nicht die schlimmste Bruchlandung war. Solange wir danach noch Atmen können, müssen wir uns vorstellen, dass alles noch viel grässlicher werden könnte. Und das wird es.
Wir sollten eigentlich in der permanenten Panik davor leben, dass uns an jeder Straßenecke das härtere Schicksal anspringen kann. Zu jeder Zeit. Bis eines wundervollen Tages das endgültige K.O. kommt. Wenn es denn kommt. Wir sollten zittern. Wir sollten jede einzelne Sekunde Angst haben. Vor Eisbergen die unsere Seelen aufschlitzen und auf den ewigen Meeresboden geistiger Gebrochener ziehen.
Ich sehe keine Angst.
Auf den Straßen, in Bahnen, in Cafes, Märkten und allüberall; da ist keine Angst.
Nicht hier, wo wir sind. Angst stinkt. Und in den Abwassern und den Kanälen riecht es entsetzlich. Die Angst wird heruntergespült und von großen, schweren Gullis eingesperrt. Diese Gullis tragen einen Namen.
Es bedarf einer sehr scharfen Begutachtung um diesen winzig kleinen Stempel erkennen zu können, der die Aufschrift Verdrängung trägt. Verdrängt wird alles, was Angst erzeugt.
Das Wissen um das eigene Leiden. Das Wissen um sich selbst. Die Erkenntnis über die Psyche, ihrer Macken, ihres Verhaltens, ihrer Motive, ihrer Sackgassen, das daraus resultierende Bewusstsein um die Art und Weise des eigenen Lebens und zwangsweise auch das vieler Anderer. Nur so lässt es sich leben ohne wahnsinnig zu sein, ohne vor Züge zu springen, ohne im Taxi weinen zu müssen.
Verdrängung als Synonym für ein sorgenfreies Leben?

von LaIntoccabile

Re: Von gebrochenen Synonymen

 
Nun,
zunächst einmal:
Hallo Community ^.^
Auf ein gutes Miteinander =)
----------------
Ich habe ein wenig Kritik bezüglich des Inhalts.
Sie haben schon richtig formuliert, dass wir uns vom Leid selbst abwenden bis es uns mal "seeehr bööööse" trifft.Aber das mit Angst haben sie glaube ich falsch ausgedrückt.Es ist nicht die Angst die wir hinunterspülen und verdrängen.Im Gegenteil, die Angst ist es, die uns die klare Sicht auf das Leid raubt und es hinunterspült.
Aber im Großen und Ganzen ein gelungener Text.
Wir Menschen lieben es auf unsere Fehler aufmerksam gemacht zu werden ;)

mfG Philipp ^.^

von PhilippS

Re: Von gebrochenen Synonymen

 
Nun ja, einen wortgewaltigen Text lieferst du da ab. Mag es an meiner heutigen Aufnahmefähigkeit liegen, wenn ich gestehen muss, nur den ersten und letzten Absatz richtig aufgenommen zu haben?

Der erste Absatz zog mich geradezu an. Das lag an der Schreibweise, an den kurzen, knappen Aussagen. Dann folgten Satzungetüme und du schaffst es, in ca. 550 Wörtern 8 mal "dass" zu verwenden. Das würde ich rein schreibtechnisch überprüfen.

Mir dauert es zu lange, bis du zu deiner Aussage kommst. Die erscheint für mich erst am Schluß. Ich bin da übrigens anderer Meinung, aber das ist für die Schreibe irrelevant.

Man merkt, du kannst schreiben. - Aber ich unterstelle jetzt einmal, deine Wort- und Satzkreationen sind für dich so anbetungswürdig, dass du dem Text keine Zeit lässt zu reifen. Das ist jetzt KEINE negative Kritik, sondern ganz normale für kreativ Schreibende.

Das wird für mich u.,a. daran deutlich:
Natürlich habe ich das früher schon einmal gesagt, doch im Vergleich zu Jetzt war das alles nichtig. Genau genommen hab ich auch
das
schon früher gesagt, weswegen ich einfach erklären muss, dass


Wieso ist das "natürlich"? - die beiden "früher" stören. Und wenn es in der Aussage zwischen heute und früher keinen Erkenntnisgewinn gibt, keinen tragenden Unterschied, brauchst du es nicht zu erwähnen.

weswegen ich einfach erklären muss, dass man dieses Gefühl entweder mit der Muttermilch einsaugt oder aber niemals fühlt.


Das ist eine Aussage, keine Erklärung dafür.

Jeder besitzt seine eigene, aber niemand kennt sie.

Ich erahne, was du damit ausdrücken willst, aber der Satz ist falsch. Ich kenne deine Belastungsgrenze nicht. Du kennst meine nicht. So gesehen würde das "niemand" stimmen. Hier könnte man allenfalls "keiner" schreiben und dann aber so, dass der Bezug stimmt. Abgesehen davon, bin ich hier auch anderer Meinung. Deshalb hätte ich "kaum einer kennt seine" schreiben.

Ich will jetzt nicht den ganzen Text so kommentieren, denke aber, du solltest dir ein paar grundsätzliche Gedanken zum Text machen und dann das Ganze noch etwas reifen lassen. Du könntest den Text zu einem Essay ausbauen, dann aber mehr "Butter bei de Fische" :) Nicht einfach nur Aussagen treffen, sondern diese auch argumentativ untermauern.

Gruß Rolf

von rolf0404