VVV-Wieso ich?

VVV-Wieso ich?

 
Hallo,

ich schreibe seit einer Weile an einem Krimi. ( Eigentlich an einem Fantasykrimi aber davon steht noch nichts in dem unteren Abschnitt). Nun meint mein Partner das mein Schreibstil total mies sei und kann mir aber nicht genauer erklären, was daran denn so schlecht ist. Da ich mich verbessern will bitte ich euch mir mal eine Einschätzung bzw. Verbesserungsvorschläge zu machen. Ich habe die Satzzeichen noch nicht überarbeitet, also können welche fehlen oder zuviel sein.

Dann traue ich mich jetzt mal und stell den Mittelteil des ersten Kapitels ein.

Ich schnappte mir meinen Ausschuss, fragte noch schnell alle anderen für die Auswertung nach ihren Ausschusszahlen, schoss wie ein geölter Blitz um die Tabellentafel am Ende der Linie, in den linken Hauptgang und blieb mit dem Fuss am Ständer der verfluchten Tafel hängen.Strauchelnd schoss ich um die Ecke, in die Arme von jemanden. Wir beide landeten übereinander auf dem Gang. Ich lag auf ihm und bemerkte gleich das er sein Oberkörper aus gut trainierten Muskeln bestand.
Mein Ausschuss hatte sich fliegend über den breiten Hauptgang verteilt. Sämtliche anwesenden Chefs, deren Schreibtische entlang des linken Gangs aufgebaut sind, und es waren fast alle um 14 Uhr nachmittags anwesend, drehten sich um und ein Lachen ging durch die Runde. Na Super, wie peinlich, das konnte ja wieder nur mir passieren.
Jetzt spürte ich die Hitze im Gesicht, wahrscheinlich war ich rot wie eine Tomate angelaufen. „Scheisse,Entschuldigung!“stammelte ich und rollte mich von ihm herrunter. Wir beide rappelten uns auf und ich suchte meine Teile zusammen. Er reichte mir ein paar die in seiner Reichweite lagen und als ich sie nahm, sah ich ihn das erste mal richtig an. Ich blickte in ein regelmäßiges Gesicht mit südländischen Teint das nur durch die kleine Narbe auf der rechten Wange gestört wurde. Er war groß und kräftig und hatte dunkle kurzgeschnittene Haare die in leichten Wellen nach hinten gelegt waren. Auf seiner Personalchipkarte stand Andras Czellem, Securitychef. Oh Gott hätte ich nicht irgendeinen Arbeiter umrennen können, aber doch nicht ihn. Die halbe Belegschaft fand ihn zum anbeissen. Gern wäre ich auf der Stelle im Boden versunken.
Jeder musste so ein Schild tragen und meines hatte ich an der Jeans hängen mit der Aufschrift Elisabeth Wagner, stellvertretende Schichtführerin (line x7).
Für seinen Posten sah er noch verdammt jung aus. Ich stammelte erneut Entschuldigung. Er sagte kein Wort ließ seinen Blick noch kurz zu meinem Schildchen wandern und ging dann weiter. Ich fand dieses Benehmen seltsam hätte er nicht wie jeder normale Mensch fluchen können oder mich anschreien. Diese nicht vorhandene Reaktion fand ich seltsam.
Ich hatte einen kurzen Blick auf seine dunkelbraunen Augen erhascht die mich kalt Ansahen. Trotzdem glaubte ich ein leises schmunzeln gesehen zu haben.
Seine beiden Begleiter lachten sich den Arsch ab. Sie waren hinter ihm hergelaufen und beinahe noch über uns gefallen.
Ein Bild wie Dick und Doof . Der eine klein und sehr stämmig gebaut. Und trotz seiner kräftig trainierten Muskeln konnte man einen kleinen Bierbauch sehen. Die blonden
Haare kurz geschnitten und die Haut braungebrannt vom Solarium. Wahrscheinlich um die vierzig Jahre alt. Da ich nicht besonders gut schätzen kann und seine Haut vermutlich vorzeitig gealtert war konnte er auch erst Ende dreizig sein.
Das Gesicht ähnelte einem Pitbull.
Sein Kollege dagegen ähnelte eher einer Dogge. Großgewachsen gleichfalls trainiert, aber eher schlaksig. Mit dunklen Haaren und normalen??? Teint. Alle drei trugen die gleichen Sachen. Schwarzes Sweatshirt mit dem gelben Securitylogo vorne wie hinten. Cargohosen, Sicherheitsschuhe, Walkitalkis. Waffen waren auf den ersten Blick nicht zu sehen. Immernoch lachend beeilten sie sich wieder Aschluss an ihren Chef zu finden, der sie mit einem Blick zur Ruhe brachte und mir noch zurief“ Das nächste mal etwas vorsichtiger. Sie könnten sich verletzen.“ Ich war überrascht zum einen darüber das er doch noch einen Kommentar abgab zum anderen über seine Akzentfreie Aussprache.
Oho, ich könnte mich verletzen. Als ob ich so zerbrechlich wäre. Ich war in meinem Leben schon so oft gestürzt, soweit konnte er wahrscheinlich nicht einmal zählen. Pfffft. Security. Ich setzte einen genervten Blick auf und sammelte weiter mein Zeug ein.
Nach einer für mich unendlich langen Zeit hatte ich alle Pflichten erledigt alle nötigen Materialien aufgeräumt und die Tabellen gemalt. Ich konnte mir endlich meine Sachen schnappen die im Moment nur aus meiner dünnen schwarzen Steppjacke und meiner blauen Handtasche bestanden, die so ziemlich alles beherbergt was ich so den Tag über benötige, sprich eine typische Frauenhandtasche eben, inklusive meinem Getränkevorrat. Ich verabschiedetet mich noch schnell von allen. Als ich in den Hauptgang eilte viel mein Blick bereits auf eine bestimmte Person die sehr aus der Menge der eilenden herrausstach.
Chiara trug heute ihre pumucklroten kurzen Haare im Pagenschnitt mit einem Schrillgelben sehr knappen Oberteil. In meinen Gedanken drängte sich das Bild eines kleinen geschwätzigen Kanarienvogels. Man sah ihren Bauchnabel und der kurze Mini endetete direkt unterhalb ihres Hinterns. Beim Bücken sollte sie sich also hinknien sonst konnte derjenige der hinter ihr Stand sehr tiefe Einblicke erhalten. Jetzt sah sie mich und kam direkt auf mich zu. „ Na, ich hab gehört du hast heute einen kleinen Anschlag auf die Security verübt. Hast du es denn jetzt schon so nötig einen Mann flach zu legen?“Ich hatte schon langen keinen festen Freund mehr gehabt. Und mein letztes Date war schon eine sehr lange Zeit her. „Haha, sehr witzig.Er stand mir lediglich im Weg. Ich hatte es eilig und hab es immernoch.“ Wir drängten uns den Gang entlang in den Mittelgang der alle vier Hallen und das Lager verbindet. Er war groß genug das ein Traktor hätte durchfahren können.Die Wände waren weiß gestrichen und hier war es immer kalt.“Hast du eigentlich mitgekriegt was da vorhin los war?“ „Ja, deine Freundin Melanie hat sich mit der blonden mit den kurzen Haaren gestritten.““Worüber denn?“ „Es ging wohl darum das sie zu viele Pausen macht und zuwenig Teile abliefert. Aber ich denke es ging eher darum das Melanis mehr Aufmerksamkeit vom Jakob bekommt als die anderen. Wenn du mich fragst ist die blonde bloß eifersüchtig.“Das Gerücht das Melanie und Herr Jakob etwas miteinander haben, hielt sich schon länger als es gut für beide war. Vielleicht wollte sie ja darüber mit mir reden.“Dann sollte sie mal vorsichtiger sein, das Gerücht geistert schon zu lang herum““Du meinst also das könnte stimmen?““Ich denke das wäre durchaus möglich. Immerhin passt sie voll in sein Beuteschema.“ Sein Beutschema. Der grub eigentlich jede an, aber er bevorzugte Frauen mit mehr Holz vor der Hütten.“

von Cringer

Re: VVV-Wieso ich?

 
Hallo

Eines vorneweg: Vermutlich falle ich nicht in das Zielpublikum für deine Geschichte. Deswegen ist die folgende Kritik sehr subjektiv.
Als "mies" würde ich den Schreibstil nicht bezeichnen (unschönes Wort), aber als verbesserungswürdig. Er scheint stark vom Boulevard geprägt zu sein und erinnert mich an den Schreibstil von Autor(innen) wie Katja Kessler.

Für einen der Gründe halte ich u.a. deinen Einsatz von umgangssprachlichen Adjektiven, z.B.
...schoss wie ein "geölter" Blitz um die Tabellentafel...
...dem Fuss am Ständer der "verfluchten" Tafel hängen.
Je nachdem, welches Publikum eine Geschichte erreichen soll, können solche Adjektive als störend empfunden werden.
Ich lag auf ihm und bemerkte gleich das er sein Oberkörper aus gut trainierten Muskeln bestand.
Dieser Satz ist natürlich stark sexuell aufgeladen. Wieder ein Frage der Ansicht, ob einen Leser dies stört und wie oft man Sätze wie diesen nutzt.
Wir beide landeten übereinander auf dem Gang.
Eine ausführlichere Beschreibung wie z.B. "Er landete zwischen dem Fußboden und mir" oder "Einen Augenblick später liege ich auf dem Mann und er auf dem Fußboden" verschafft dem Leser eine bildlichere Beschreibung einer solchen Szene.
Seine beiden Begleiter lachten sich den Arsch ab.
Ganz subjektiv: Den Satz mag ich nicht. Wörter wie "Arsch" ausserhalb der wörtlichen Rede zu verwenden, gilt als kritisch. Du verwendest die Ich-Erzählsituation, da kannst du natürlich auch die Gedanken einer Figur aufschreiben und gedachte Fäkalsprache verwenden. Doch auch darunter scheint dieser Satz nicht zu fallen.
Chiara trug heute ihre pumucklroten kurzen Haare im Pagenschnitt mit einem Schrillgelben sehr knappen Oberteil. In meinen Gedanken drängte sich das Bild eines kleinen geschwätzigen Kanarienvogels.
Solche Personenbeschreibungen fügen sich wiederum in den Schreibstil (und damit die erzählende Figur) ein.
Das Gerücht das Melanie und Herr Jakob etwas miteinander haben, hielt sich schon länger als es gut für beide war. ... “Dann sollte sie mal vorsichtiger sein, das Gerücht geistert schon zu lang herum““
Im Prinzip ist dies zweimal der selbe Satz in einer unterschiedlichen Situation. Ein solches Stilelement kann wieder den Leser stören - es sei denn man verwendet es wiederholt und macht es damit zu einem Kennzeichen des Autoren.

Wie schon (mehrfach) erwähnt, stellt sich einfach die Frage, welches Zielpublikum die Geschichte erreichen soll. In diesem Erzählstil wurden schon Bestseller geschrieben, die sich dann aber (u.a. aus dem Feuilleton) wiederholter Kritik ausgesetzt sahen. Dies muss der oder die Autor/in für sich entscheiden.

rkl

von rkl

Re: VVV-Wieso ich?

 
Hi Cringer,

um das Feedback ein wenig repraesentativer zu machen, fuege ich dem ersten nun auch noch meinen Kommentar hinzu - der allerdings nicht viel Neues enthaelt. Es gibt - das ist kaum eine Ueberraschung - verschiedene Schreibstile, wovon ein jeder mehr oder weniger Anhaenger findet. Ich wuerde behaupten, dass Du sehr unterhaltsam schreibst und durchaus ein Publikum finden kannst. Es wird allerdings auch Leser geben (vielleicht gehoert Dein Partner dazu), die eher zum Subtilen, Feingeistigen neigen. Diese wirst Du auf Dauer vermutlich nicht fesseln koennen.

Solange Du Leser findest, die Spass an Deinen Texten haben, koennen Dir die letzteren ja aber eigentlich gestohlen bleiben; oder, wenn Du deren Anspruechen doch genuegen willst, kannst Du Dich immernoch weiterentwickeln. Ich bin kein Literat, aber wenn Du weiter die lockere, humorige Schiene fahren moechtest, dann koennte die Lektuere von (vielleicht oute ich mich jetzt unbewusst als Leser von Trivialliteratur, die ich gar nicht dafuer halte) Romanen von TERRY PRATCHETT, "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann, oder auch "Die Harzreise" von Heine anregend sein. Neulich las ich "Walpurgisnacht" von Gustav Meyrink - da waren auch einige koestliche Formulierungen dabei.

Wie auch immer. Es besteht jedenfalls kein Grund das Handtuch zu werfen.

Beste Gruesse,
Viv

von Viv

Re: VVV-Wieso ich?

 
Hallo, ich weiß ich muss mich noch vorstellen, dennoch eine kurze Aussage dazu meinerseits:

Der Schreibstil ist geschrieben, ohne das buchstäbliche Blatt vor den Mund zu nehmen. In der schriftlichen Sprache passen daher viele dieser Redewendungen nicht überein. Man müsste andere Worte finden und die Überstimmungen durch die teils kräftigen Aussagen aus der "Jugend" -Sprache streichen. Leider kann ich auch nicht ganz entnehmen, um welche Art von Unternehmen es sich handelt, bzw warum die Dame es so eilig hatte. Ich hoffe ich habe jetzt nichts überlesen.

von lil-Jeanny

Re: VVV-Wieso ich?

 
Hallo cringer,

wow, ein Fantasy-Krimi also. Klingt interessant. Etwa in der Art wie Blade Runner vielleicht?

Ich für meinen Teil finde deinen locker flockigen Schreibstil gar nicht so übel. Gut, hier und da würde ein Deutschlehrer sicher den Rotstift zücken und ein paar Anmerkungen an den Rand kritzeln, aber was soll's? Ernsthaft gestolpert bin ich beim Lesen jedenfalls nur 3x:
1. Ausschuss
2. Securitychef
3.Beim Bücken sollte sie sich also hinknien
Im Nachhinein betrachtet vielleicht meine Lieblingsstelle. ;-)
Dein Text lässt sich flüssig lesen, und damit ist schon eine Menge gewonnen.

Allerdings verlockt dieser Stil zum Schnelllesen. Selbst der Dialog zwischen Chiara und Elisabeth Wagner, der stellvertretenden Schichtführerin und Protagonistin dieses Abschnitts kann kaum Tempo herausnehmen. So blieb bei mir am Ende nicht allzu viel hängen. Ohne den Text noch einmal anzusehen, wusste ich nur noch:
Eilige Schichtführerin rauscht auf dem Flur mit Sicherheitsbeamten zusammen, Gelächter, Muskeln, schwarze Klamotten, Frauenhandtasche, unterwegs kurze Unterhaltung mit Chiara, die aussieht wie Pumuckl im Minirock, Gerüchteküche unter Kollegen, Jakob steht auf große Oberweiten.

In einem komplett anderen Schreibstil hätte es dafür vielleicht keine 981 Worte bedurft.
Kann es sein, dass du deinem Partner auch zu viel redest? Vielleicht liegt's ja einfach an der Quantität, die ihn stört.

Damit ich der story treu bleibe, wenn ich das auch noch sagen darf, müsste jetzt langsam mal etwas deutlicher werden, um was es in der Geschichte geht. Derzeit habe zumindest ich noch nicht einmal eine vage Ahnung.

Ich hoffe, ich habe dir helfen können.

Viele Grüße
Eloycia

von Eloycia

Re: VVV-Wieso ich?

 
Hi,

also "mies" finde ich Deinen Schreibstil nun wirklich nicht. Natürlich gibt es vieles, was Du besser machen kannst. Aber "mies", nein.

Als erstes: Was zum Geier, ist ein Ausschuss? Wahrscheinlich bin ich nicht die Einzige, die sich das fragt. Natürlich wird jedem klar, dass es sich um ein Sammelsorium an Papieren handeln muss. Aber zuerst macht man sich Gedanken, was gemeint ist. Schreib doch "prall gefüllte Akte" und niemand stellt fragen.

Du erzählst die Geschichte in der Ich-Form. Dadurch fängst Du jeden zweiten Satz mit "ich" an. Man liest nur: "ich, ich , ich, ich, ich...". Hier ist es sicher hilfreich, wenn du einfach ein bischen an der Satzstellung schrauben würdest. Ich gebe Dir mal ein Beispiel:
Ich fand dieses Benehmen seltsam hätte er nicht wie jeder normale Mensch fluchen können oder mich anschreien.

"Hätte er nicht wie jeder normale Mensch fluchen können? Seltsames Benehmen!"
Auf diese Weise, kannst du das ständige wiederholen des Personalpronomens geschickt umschiffen.

Ich finde es gut, dass Du schreibst, "wie dir der Schnabel gewachsen ist." Das passt auch gut zur Geschichte. Setze Deine Gedanken doch einfach in Anführungszeichen, so sparst Du Dir einige "dachte ich, wunderte ich mich usw." und es liest sich einfach flüssiger.

Das Gesicht ähnelte einem Pitbull.

Solche Sätze kannst Du noch wunderbar Ausschmücken, damit Dein Text nicht wie eine Abhandlung von Tatsachen wirkt. Zum Beispiel:"Das Gesicht ähnelte dem eines Pitbulls. Seine Augen standen so dicht bei einander, dass es schon fast beängstigend auf mich wirkte."
Bei seinem Kollegen, der Dogge, machst du das schon sehr gut.

Überarbeite den Text einfach mal, mit den Ideen die wir Dir gegeben haben, und er wird sich gleich ganz anders lesen. Du kannst das, ganz bestimmt.

Lg,
Nicole

von nicole7180