Waffen in der Renaissance

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Waffen in der Renaissance

Beitragvon BlackPegasus » 08.09.2015, 20:05

Hey!

Ich habe eine neue Idee für einen Fantasy-Roman, dessen Welt der Renaissance ein wenig ähnelt.

Ich habe nun jedoch folgende Frage: Wie sahen die Schusswaffen in der Renaissance aus? Gab es schon Gewehre oder Pistolen wie wir sie kennen? Ich denke eher nicht.

Vielleicht kennt sich jemand hier mit dem Thema aus und kann mir meine Fragen zu den Schusswaffen beantworten.

Lg Maja
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Re: Waffen in der Renaissance

Beitragvon Bernd » 10.09.2015, 04:22

Sorry, Maja, aber die Suchmaschine Deiner Wahl hilft ungemein beim Beantworten dieser grundlegenden Frage:

Natürlich kannte man Schusswaffen, WIE WIR SIE KENNEN, noch nicht. Aber einfache Vorläufer, wie die Hakenbüchse, waren durchaus hierzulande ab dem 15. Jahrhundert (also ausgehendes Mittelalter) bekannt, wurden aber auch nicht vom einfachen Fußsoldaten in der Feldschlacht eingesetzt, sondern eher von Mauern herabgeschossen. Die ersten Schusswaffen waren schwer, kompliziert nachzuladen und zielungenau.

Blankwaffen waren auch lange nach Erfindung der Schusswaffe das Mittel der Wahl; in der Renaissance gehörte zudem ein Rapier quasi zur Kleidung eines (feinen) Herrn.

Aber da es Fantasy ist, kannst Du Dir auch Steampunk-Hightech-Waffen konstruieren...
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Re: Waffen in der Renaissance

Beitragvon schreiberling » 10.09.2015, 11:42

Ja, da gab es Kanonen und als Handfeuerwaffen Sachen wie Arkebusen. Also relativ einfache, unhandliche , wenig zielgenaue Vorderlader.

Entsprechend sahen mit diesen klobigen Vorderladern die Kriegstaktiken aus, das war dann bis in die napoleonische Zeit so,dass Schützen in mehreren Reihen aufgestellt gekämpft haben, die sich mit Schiessen und nachladen immer abgewechselt haben um ein stetiges Feuer zu gewährleisten.

Geschütze kannst du auf der Lafette mit Pferden bespannen um die zu transportieren (Artillerie). Ist aber aufwendig, weil du musst auch Pulver, Kanonenkugeln etc heranschaffen um dann schiessen zu können.

In der Rennaissance waren die Hieb und Stichwaffen klarerweise immer noch sehr verbreitet, das waren sie auch noch sehr lange, und in Form des Bayonetts sind Stichwaffen auch heute noch gängig. Aber die im relativ gesehen durchschlagsstarken Schusswaffen haben in der Zeit mit den gepanzerten Reitern in Plattenrüstungen sehr schnell Schluss gemacht. Und gegen diese weniger gepanzerten Kämpfer waren auch andere Hieb und Stichwaffen geeignet als zB im Spätmittelalter. Ob das Rapier als Kriegswaffe so gebräuchlich war, das finde ich fraglich. Das ist eine fast reine Stichwaffe und wurde häufig mit einem Dolch in der freien Hand benützt.

Aber zu dem Thema findest du wenn du per Suchmaschine guckst einiges finden. Es gibt auch einige interessante (englischsprachige) Youtube Kanäle die sich mit historischen Waffen und Kriegstechniken beschäftigen, sowohl Schusswaffen als auch Schwerter.


Ich würde mich mal genauer informieren wie zB im 30jährigen Krieg gekämpft wurde und wie sich zu der Zeit die Waffen- und Kriegstechniken weiterentwieckelt haben.
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Re: Waffen in der Renaissance

Beitragvon Bernd » 10.09.2015, 12:44

schreiberling hat geschrieben:Ob das Rapier als Kriegswaffe so gebräuchlich war, das finde ich fraglich.

Das hat auch niemand behauptet. Auch beschränkt sich die Eingangsfrage nicht nur mit Kriegswaffen, sondern mit Aussehen und Existenz von Schusswaffen im Allgemeinen.

Das Rapier als Teil der Kleidung eines Herrn hatte ich angeführt um aufzuzeigen, dass die ersten Schusswaffen mitnichten die Blankwaffen innerhalb kurzer Zeit ablösten, woraus folgt, dass die Schusswaffe als Duellwaffe in der Renaissance nicht verbreitet war.
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Re: Waffen in der Renaissance

Beitragvon schreiberling » 10.09.2015, 12:52

Bernd hat geschrieben:Das Rapier als Teil der Kleidung eines Herrn hatte ich angeführt um aufzuzeigen, dass die ersten Schusswaffen mitnichten die Blankwaffen innerhalb kurzer Zeit ablösten, woraus folgt, dass die Schusswaffe als Duellwaffe in der Renaissance nicht verbreitet war.



Das war sie alleine schon deshalb nicht, da die Schusswaffen dieser Zeit so klobig waren, dass man sie nicht im Alltagsleben mitführen konnte.

Mit einer Vorderladerwaffe kann man einen Schuss abgeben, und dann müsste man erst mal langwierig nachladen. Das ist für den zivilen Alltagsgebrauch ziemlich unpraktisch, wenn du zB in einer dunklen Gasse angegriffen wirst.
Zuletzt geändert von schreiberling am 10.09.2015, 13:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Waffen in der Renaissance

Beitragvon Bernd » 10.09.2015, 12:57

Genau so ist es!

Da fällt mir ein: Schätzing lässt in "Tod und Teufel" jemanden mit einer Mini-Armbrust Leute töten. Auch keine Schnell-lade-Waffe, aber eventuell eine Alternative zu Schießpulver-Schusswaffen. Natürlich kann man auch eine große Armbrust oder einen Bogen benutzen. Kommt halt drauf an, was Du vorhast, Maja.
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Re: Waffen in der Renaissance

Beitragvon Padrion » 11.09.2015, 11:47

Ein paar wild eingestreute Fakten zum Thema (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

- Bei den frühen Feuerwaffen war die Treibladung noch nicht in die Patronen integriert. Man musste also für jeden Schuss zusätzlich Pulver nachfüllen
- Die ersten Feuerwaffen benutzten ein Luntenschloss bei dem mit Betätigung des Abzugs ein brennender Docht ins Pulver gedrückt wurde. Dieses System war sehr wetteranfällig
- Zur napoleonischen Zeit war eine Methode den Kriegsdienst zu verweigern, sich die Vorderzähne ausschlagen zu lassen. Mit denen mussten nämlich die Pulversäckchen aufgerissen werden, während man mit den Händen das Gewehr festhielt
- Als im 19. Jahrhundert die ersten Hinterladergewehre benutzt wurden, hatten sie den großen Vorteil, dass der Schütze sich beim Laden hinlegen konnte, während man mit dem Vorderlader mindestens knien musste und somit ein größeres Ziel bot
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Re: Waffen in der Renaissance

Beitragvon anby77 » 11.09.2015, 15:11

In der Renaissance wurde das Radschloss erfunden. Bei Kriegswaffen hat sich zwar nicht so recht durchgesetzt (es war zu teuer, erst das später entwickelte Steinschloss war einfach genug für die Massenproduktion um Luntenschlösser im großen Stil zu ersetzen), aber bei Jagd- und Duellwaffen wurde es durchaus verbaut, weil es zuverlässiger und weniger wetteranfällig war.
Duelle wurden in unterschiedlichen "Schärfen" ausgetragen, und die Duellanten hatten längst nicht immer das Ziel, einander umzubringen. Die Wahl der Waffen und Kampfbedingungen waren abgestuft, bei Blankwaffen wurde vereinbart, "bis zum ersten Blut" oder "bis zur Kampfunfähigkeit" zu kämpfen, bei Pistolen wurde die Anzahl der Schritte festgelegt, und wenn der Abstand groß genug ist, kann man der Ehre genüge tun, ohne dass jemand verletzt wird. Das war vor allem dort wichtig, wo Duellverbote scharf durchgesetzt wurden und da kam noch dazu, dass man eine Schusswunde im Gegensatz zu einer Schwertwunde als "Jagdunfall" ausgeben kann. Das haben einige Könige bzw. Fürsten weil die Duellierei in Adel und Offizierskorps phasenweise soviele Tote produziert hat, dass die Wehrfähigkeit des Staates darunter litt. So wurden Pistolen nicht obwohl, sondern gerade weil sie unpräzise und unhandlich waren zu beliebten Duellwaffen.
Und auch wenn es ein Nebenpunkt ist: "Mini-Armbrüste" kann man als Waffen vergessen; das sind - weil die Durchschlagskraft und Reichweite konstruktionsbedingt gering bleiben müssen - eher Spielzeuge oder Trainingsgeräte als ernst zu nehmende Waffen (was allerdings nicht heißt, dass man damit nicht töten könnte, wenn die Umstände günstig sind). Kurze Wurfarme können das Projektil nur auf einer kurzen Strecke beschleunigen. Das heißt, um ihm trotzdem den benötigten Rumms mit zu geben, muss die Kraft, mit der sie gespannt werden, größer werden. Das ist zwar - auch mit Renaissancemitteln - technisch machbar, allerdings stoßen da die Menschen, die die Armbrust spannen müssen an ihre Grenzen und bei einer Mini-Armbrust wird es auch schwierig, Winden, Hebel und Flaschenzugkonstruktionen zu verwenden, wie man sie von den großen Modellen kennt. Wurfmesser wären effektiver. Nicht nur entfalten sie mehr Wirkung, man kann sie außerdem unauffälliger transporiertieren, macht beim Einsatz nicht so viel Krach und bis eine Armbrust nachgeladen ist, hat man eine ganze Menge davon ins Ziel gebracht.
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Re: Waffen in der Renaissance

Beitragvon Arminius » 11.09.2015, 16:26

Es gab seinerzeit die sog. Arkebusen, auch Hakenbüchse genannt, welche dann von den Musketen abgelöst wurden.
Daneben gab es erste Kanonen, Feldschlangen genannt.

Ich denke, wenn du Onkel Gugel fragst, wirst du Antwort erhalten.
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Re: Waffen in der Renaissance

Beitragvon Padrion » 12.09.2015, 13:15

anby77 hat geschrieben:Wurfmesser wären effektiver. Nicht nur entfalten sie mehr Wirkung, man kann sie außerdem unauffälliger transporiertieren, macht beim Einsatz nicht so viel Krach und bis eine Armbrust nachgeladen ist, hat man eine ganze Menge davon ins Ziel gebracht.


Ich stimme zwar zu, was die "Mini-Armbrust" angeht, bezweifle aber, dass Wurfmesser in irgendeiner Form besser zum Töten geeignet wären. Jemanden mit einem Messerwurf ernsthaft zu verletzen ist schon gar nicht so einfach, ihn zu umzubringen, bevor er Alarm schlagen kann, dürfte ziemlich unmöglich sein. Ich halte es hier mit https://www.youtube.com/watch?v=opbuMf3Xh_s.

Nicht-geworfene Messer wiederum sind bekanntermaßen ein hervorragendes Tötungswerkzeug.
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Re: Waffen in der Renaissance

Beitragvon anby77 » 13.09.2015, 18:16

Dass Wurfmesser das ultimative Tötungswerkzeug sind, habe ich ja nicht behauptet. Nur dass sie im direkten Vergleich mit "Mini-Armbrüsten" aus den genannten Gründen in vielen Kontexten effektiver (man beachte den Komparativ!) sind.
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Re: Waffen in der Renaissance

Beitragvon Padrion » 13.09.2015, 23:08

anby77 hat geschrieben:Dass Wurfmesser das ultimative Tötungswerkzeug sind, habe ich ja nicht behauptet. Nur dass sie im direkten Vergleich mit "Mini-Armbrüsten" aus den genannten Gründen in vielen Kontexten effektiver (man beachte den Komparativ!) sind.


Mag sein, wahrscheinlich sind beide eher suboptimal. Belassen wir es dabei :)
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