[Humor]Was ich schon immer mal tun wollte

Komödie, Satire, Parodie

[Humor]Was ich schon immer mal tun wollte

Beitragvon brehb » 06.03.2015, 17:55

„Ich glaube, Bruderherz, du weißt gar nicht was du wirklich willst“, sagte die junge Frau und räumte einen Stapel Zeitschriften von einem der Stühle auf den Fußboden, um sich endlich zu setzen.
„Doch Randi! Oder nein, ich weiß aber genau, was ich nicht will. Ich will nicht so – bedeutungslos sterben, wie die meisten Menschen hier in Dobbs Ferry oder anderswo.“
„Mark! Du bist 18. Da stirbt man nicht, da steht einem die Welt offen. Allerdings, wenn ich mich hier in deinem zugemüllten, dunklen Kabuff so umsehe...“
„Und wenn doch? Denk mal an Buddy Holly. Der ist mit 23 abgekratzt.“
„Mark Elliot! Du sollst nicht so lästerlich reden. Außerdem war der nicht bedeutungslos. Und was glotzt du ständig in deinen Computer, während ich mit dir spreche?“
Mark zog eine Flunsch und kroch noch tiefer in den Bildschirm vor sich: „Sag ich doch. Und ich dachte, du willst mir helfen.“
„Ich will dir ja helfen, aber dann hör mir auch zu und lass den blöden Computer. Machst du noch immer rum mit diesen dämlichen Klassenbildern?“ Mark hieb weiter in die Tastatur, ohne seine Schwester anzuschauen:
„Ich muss nur noch einen Lasttest machen, gleich bin ich so weit.“ Es entstand eine kurze Pause die Randi nutzte, um die Fensterläden zu öffnen.
„Hier muss endlich mal Licht rein und frische Luft. Also, von vorne: Du möchtest kurz vor dem Abschluss die Schule schmeißen, um etwas Großes zu vollbringen, du weißt nur nicht, was. Richtig?“
„Ja, etwas, das die Welt verändert, das aufhorchen lässt. So etwas wie die Irren vorletzten September in New York City“
„Mark! Du vergehst dich! Spinnst du?“
„Nein, natürlich meine ich ganz im Gegenteil, etwas Patriotisches, etwas, für das mich alle Amerikaner lieben würden.“ Mark reckte einen Daumen nach oben.
„Also sich mit dem Flugzeug in den Kreml stürzen? Das ist ja krank. Wie wäre es mit etwas weniger Dramatischem? Du könntest zum Beispiel ein Buch schreiben, einen Bestseller, über Personal-Computer.“
„Hab ich probiert. Geht nicht. Über Computer kann man keine Bestseller schreiben, die sind selber welche.“
„Und Gedichte? Du hast mir doch von deinem Liebesgedicht für Priscilla erzählt.“
„Hab ich das? Ach ja, stimmt. Du hast recht, Pricsi fand das richtig gut damals, und ich eigentlich auch.“
„Eigentlich?“
„Na ja, um ehrlich zu sein, ich hab das gar nicht selbst geschrieben, nur ein bisschen abgeändert.“
„Der Text war geklaut?“
„Nicht geklaut, aus dem Internet. Von einem Bukowski oder so, Pole wahrscheinlich.“
„Bukowski? Pole? Oh my Lord. Da fehlt dir wohl einiges.“
„Mein Reden, lassen wir das. Sterbe ich eben als Null.“
„Mark. So spricht man nicht. Und die Flinte wirft man auch nicht so schnell ins Korn. Du könntest fetzige Musik machen, so wie Buddy Holly. Du warst doch ganz begeistert von deinem Banjo-Unterricht."
„Ich möchte etwas Einzigartiges tun, nicht wie blöd auf vier Saitern herumschrammeln.“ Dabei drosch er mit der Rechten auf ein imaginäres Banjo vor seinem Bauch, als wolle er die Saiten zerfetzen.
„Und als Sportler?", kam es jetzt schon recht lahm. "Hast du nicht gerne Federball gespielt?“
„Randi! Hör auf zu albern. Schau mich an. Ich werde weder ein Peyton Manning noch ein Tiger Woods. Mein Körper taugt vor allem als Halterung für meinen Kopf.“ Neben dem Bildschirm begann der Drucker zu arbeiten, Mark reckte den Hals.
„Moment mal, ich muss nur...“
„Mark! Ich komme hier her um dir zu helfen, etwas Großartiges zu finden, was du tun könntest und du fummelst an diesem blödsinnigen Verteiler-Programm rum.“
„Ja Randi, aber ich will doch nur...“
„Was willst du, Mark, was?“
„Na, etwas tun, das mich unsterblich macht, oder so. Und wenn es geht, reich.“
„So, so, unsterblich und reich. Ein Mittel gegen Krebs erfinden? Meinst du so etwas?“
„Randi, ich glaube wir lassen das. Der Lasttest ist fertig“, deutete er auf den PC. „250 simulierte Teilnehmer.“ Mark nahm das Blatt aus dem Drucker. „Hier, schau! Knapp 40% Auslastung. Oh Mann, da gehen sicher auch 1000, mit ein paar Abstrichen beim Tempo.“ Marks Augen glänzten.
Randi: „Ich verstehe dich nicht. Wie kann man nur so viel Zeit in ein windiges Programm stecken, wenn nebenan die Welt mit tausenden echten Chancen lockt?“
„Na ja, so lange ich nichts Besseres mit mir anzufangen weiß.“
„Steckt da wenigstens Geld drin?“
„Ich glaube, eher nicht. Außer man gründet eine Firma, meint Dustin.“
„Dein Kumpel Dustin meint das. Und du, was meinst du?“
„Weiß nicht, wir wollen nochmal darüber reden. Vielleicht taufen wir sie Facebook Ltd., wegen der dämlichen Klassenbilder, wie du sie nennst.“
Zuletzt geändert von brehb am 10.03.2015, 16:56, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Was ich schon immer mal tun wollte

Beitragvon Sushifreak » 07.03.2015, 21:51

Hallo brehb,
ich bin neu hier, und versuche mich mal an einem ersten Kommentar.

Insgesamt habe ich deinen Text interessiert gelesen. Er liest sich angenehm flüssig und der Aha-Effekt am Ende ist super. Das Thema scheint auch irgendwie für jeden ansprechend zu sein. Wer will nicht mehr aus seinem Leben machen, wer will nicht irgendwas supertolles erreichen? Das hat mich gefesselt, auch, wenn ein paar Stellen seltsam waren...

Gleich am Anfang, aber nur ein Wort:
brehb hat geschrieben:räumte einen Stapel Zeitschriften vom Besucherstuhl auf den Fußboden

"Besucherstuhl"? Das klingt etwas steril. Ich frage mich an der Stelle, wo die Szene sich abspielt. Doch nicht im Krankenhaus oder so.

Nach ihren Ermahnungen:
brehb hat geschrieben:Der so Angesprochene

Das klingt meiner Meinung nach gestelzt. Warum nicht einfach "Er"?

brehb hat geschrieben:ohne seine Schwester anzuschauen

Achso! Das ist seine Schwester?! Ich dachte die ganze Zeit, die Mutter. Ich weiß nicht, wie viel älter sie sein soll, aber ihr Ton scheint mir etwas übertrieben. Könnte sie etwas weniger altklug daherkommen?

brehb hat geschrieben:Du möchtest die Schule schmeißen, um etwas Großes zu vollbringen

Hmmm, ich finde das Wort "Schule" hier merkwürdig. Er ist doch schon 18, und ist er da nicht an der Uni? Also vielleicht "die Uni schmeißen"?

brehb hat geschrieben:Du vergehst dich!

Die hat aber eine seltsame Ausdrucksweise. Soll das altmodisch sein? Oder vielleicht spießig? Kommt mir unwahrscheinlich vor, dass das überhaupt jemand sagen würde. Aber vielleicht sehe ich das falsch.

brehb hat geschrieben:Ich erinnere mich noch an deine Begeisterung für das Kinder-Xylophon, als du sechs oder sieben warst.

Die Herangehensweise kommt mir total weltfremd vor. Wie gesagt, die Schwester kommt mir streng vor, scheint also älter zu sein und eher konservativ zu denken, mit der Einstellung "lerne einen anständigen Job und verdiene so genug Geld für dein Leben". Und dann kommt sie ernsthaft mit einem Kinder-Xylofon/als er sechs war? Wenn jemand komponieren soll/will, dann müsste er schon ein dauerhaftes Interesse am Musikmachen haben. Also am Klavier ständig rumklimpern, oder wenigstens vor sich hinsingen, und zwar jetzt, und nicht, als er sechs war. Vor allem, weil sie auch später auf die "echten Chancen" hinweist.

Ich denke, jetzt habe ich ganz schön viel herumgemeckert. Das sind alles meine persönlichen Eindrücke. Ich hoffe, du kannst damit was anfangen. Viele Grüße! Sushifreak
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Re: Was ich schon immer mal tun wollte

Beitragvon brehb » 10.03.2015, 16:38

Hallo Sushifreak,

herzlich willkommen in der Schreibwerkstatt. Danke, dass du meinen Text gelesen und kommentiert hast.
Dort, wo mir deine Anregungen zusagen oder sie den Text besser machen, greife ich gerne zu.

LG brehb
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Re: Was ich schon immer mal tun wollte

Beitragvon RocketJo » 10.03.2015, 17:29

Aloha

Vorab: Ich finde das Gespräch klasse. Sehr flüssig zu lesen. Ein paar Dinge gibt es allerdings schon, die ich anmerken möchte:

brehb hat geschrieben:Du sollst nicht so lästerlich reden.


Ich schließe michSushifreak an. Die Wortwahl wirkt hier etwas seltsam. Wie wäre es ganz einfach mit "dumm", "albern" oder "leichtsinnig"? Lästerlich ist ein Wort, dass selbst meine Oma nicht mehr benutzen würde, zumindest nicht in diesem Zusammenhang.

Mark zog eine Flunsch und kroch noch tiefer in den Bildschirm vor sich:


Ich find das Bild so genial. "er kroch in den Bildschirm hinein". Kann aber, fürchte ich, missverstanden werden. "Verkroch sich tiefer im Bildschirm" ist vielleicht weniger Angriffsfläche für Kleinkarierte, ohne das Bild kaputt zu machen? Aber wie gesagt, mir persönlich gefälltr die Formulierung sehr, sehr gut.

„Mark! Du vergehst dich! Spinnst du?“


Das passt auch im Ausdruck irgendwie nicht zusammen. "Du vergehst dich" ist ohnehin irgendwie seltsam. Nicht einmal antiquiert, einfach nur seltsam. Es klingt so nach Amts- oder Kirchendeutsch. Und das "Spinnst du" danach ist ein ziemlicher Bruch im Sprachstil. Vielleicht: "Mark! Bist du völlig wahnsinnig/ übergeschnappt?" (wäre meines Erachtens ausreichend) oder, wenn du die Angst vor dem verberchen mit drin haben willst: "Mark! Spinnst du eigentlich? Mach keinen Blödsinn!" Sowas in der Richtung.

Das ist ja krank.


Hier hat die Schwester eindeutig Jugendslang. Entweder müssen solche Zeilen raus (damit sie durchweg klingt wie eine alte Jungfer) oder eben die beiden etwas antiquierten/ hochgestochenen Wörter ^^

Wie kann man nur so viel Zeit in ein windiges Programm stecken, wenn nebenan die Welt mit tausenden echten Chancen lockt?


Haha, das ist so genial. Ich mag den Satz. Vorher rät sie ihm, Bestsellerautor oder Musiker oder Sportler zu werden. Und da kommt sie mit "echten Chancen". Das ist so real, klasse ^^


Wie gesagt, im Großen und Ganzen finde ich den Dialog sehr gut (vor allem diesen einen Satz der Schwester. Herrlich ^^). Nur die Schwester und ihre Wortwahl sollte man nochmal überdenken, da gebe ich Sushifreak vollkommen Recht. Das passt stellenweise nicht.

Gruß
Rocket
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Re: Was ich schon immer mal tun wollte

Beitragvon brehb » 16.03.2015, 12:35

Hallo RocketJoe,

das freut mich natürlich, wenn du das Gespräch Klasse findest. Danke für deinen Kommentar.
Und danke auch für deine Anregungen, die Schwester meines Prota "anders" reden zu lassen, als sie es tut.
Ich habe darüber nachgedacht, werde sie jedoch so wie sie ist, belassen. In meiner Vorstellung (und mit ein wenig Erfahrung mit Menschen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten) repräsentiert sie sprachlich recht exakt die bigotte älteste Tochter amerikanischer Mittelständler. (Mein Prota Mark Z. bezeichnet sich selbst zwar als Atheist, ist jedoch mit drei Schwestern in einem tradierten jüdischen Elternhaus aufgewachsen)

LG brehb
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Re: Was ich schon immer mal tun wollte

Beitragvon Heribertpolta » 16.03.2015, 13:31

Hallo Brehb,

ich muss immer wieder deinen Nick-Namen lesen, um zu sehen, dass der wirklich in der Form so stimmt. Brehb. Warum Brehb?

Aber jetzt zum Text und da gibt es ja nicht viel zu nörgeln. Du hast hier bewiesen, dass du die Kunst des Dialogs beherrschst. Es ist ja so eine Sache damit. Dialoge reden kann fast einjeder, aber einen zu Papier zu bringen, ist eine ganz andere Sache. Im Gegensatz zu meinen Vorkommentatoren, finde ich nicht, dass hier etwas zu gestelzt klingt. Du hast dir lediglich Mühe gegeben, dich nicht in der Beschreibung der Personen zu wiederholen.

Übrigens sind die kleinen Zwischenszenen wie:
sagte die junge Frau und räumte einen Stapel Zeitschriften von einem der Stühle auf den Fußboden, um sich endlich zu setzen.
wirklich gelungen und bildhaft. Richtig zum anfassen!



Ich schätze, dass dir der Text zunächst leicht von der Hand ging, du aber für diverse Überarbeitungen einige Zeit gebraucht hast. Stimmts? Oder stimmts nicht? Jedenfalls klingt er schön rhythmisch und gut ausgefeilt.

Witzig ist ja auch die endliche Überraschung, dass es sich hierbei um den lieben Herrn Zuckerberg handelt. Allerdings halte ich diese Vorgeschichte in der Form, für ein Märchen. All diese Computerfreaks, die mit ihrem Mist groß und reich geworden sind, gehen gern mit der Geschichte zum Markt, dass sie zunächst in Höhlen gelebt hätten, und am Ende stellt sich heraus, dass diese Jungs aus den besten Häusern mit den reichsten Eltern und den hellsten Kinderzimmern kommen. Außerdem wird der Kerl das Programm hauptsächlich im Computerraum seiner Elite-Uni entworfen haben, zusammen mit anderen Freaks, die er am Ende aus der Bahn geworfen hat, um allein an den Zaster zu kommen. Ich finde, es steht Zuckerberg schon ins Lächeln geschrieben, dass er eine eiskalte ******** ist.

Habe ich gern gelesen. Nochmal viel Lob für dich, fürs Handwerkliche!
Grüße,

Heribert Polta
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Re: Was ich schon immer mal tun wollte

Beitragvon brehb » 18.03.2015, 13:22

Hallo Heribert,

danke dafür, dass du meinen Text gelesen, kommentiert und für (handwerklich) gut befunden hast.

Mein Nick schreibt sich richtig brehb (klein, das spart einen Tastendruck), spricht sich "be-räp" und ist die Quadratwurzel aus "rat mal, wer da grinst"

Nein, bei meiner Arbeitsweise geht mir kein Text "leicht von der Hand" sondern nur zäh wie Rübensaft. Dafür bedarf es später eher wenig Überarbeitung, so auch hier. Gesamtarbeitszeit (mit Unterbrechungen für Kaffetrinken, Müll raustragen und Recherche) ca. sechs Stunden.

Mit deinem
All diese Computerfreaks, die mit ihrem Mist groß und reich geworden sind, gehen gern mit der Geschichte zum Markt, dass sie zunächst in Höhlen gelebt hätten, und am Ende stellt sich heraus, dass diese Jungs aus den besten Häusern mit den reichsten Eltern und den hellsten Kinderzimmern kommen

und dem
...die er am Ende aus der Bahn geworfen hat, um allein an den Zaster zu kommen. Ich finde, es steht Zuckerberg schon ins Lächeln geschrieben, dass er eine eiskalte ******** ist.

mag ich mich nicht identifizieren. Es wirkt auf mich verallgemeinernd, futterneidisch und verächtlich.

LG brehb
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Re: Was ich schon immer mal tun wollte

Beitragvon Heribertpolta » 18.03.2015, 15:36

Verallgemeinerung und Verachtung gehören zur Natur des Säugetiers Mensch und ich schätze, gerade wenn es um Geschichten wie Facebook geht, dann ist etwas Verachtung nicht nur natürlich, sondern sogar angebracht.

Wir sind alle keine Engel. Keiner von uns.

Futterneid ist meinem Wesen fremd.
Grüße,

Heribert Polta
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