Was ist ein Plot? Wie funktioniert der?

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Was ist ein Plot? Wie funktioniert der?

 
Nutze dieses Thema um über folgenden Beitrag aus meinem Blog zu diskutieren:
Was ist ein Plot? Wie funktioniert der?

Wie sorgfältig plottest du?
Plottest du überhaupt?

von © Jacky

 
Öhm, eine doofe Frage meinerseits vielleicht, aber kann man auch bei einer Art "Storyboard" oder einem "Zeitstrahl" von einem Plot sprechen, oder muss das unbedingt in Textform sein?

Neugierige Grüße, Kuroi :wink:

von © Kuroi

 
Insgesamt in der ganzen Schriftstellerei ist mir aufgefallen, dass es kaum einen allgemeingültigen Sprachgebrauch gibt. Was manch einer als Plot bezeichnet ist für den anderen eine Skizze oder eine Spur. Eine Prämisse kann Idee bedeuten oder aber auch eine Art Plot beinhalten, ganz wie es dem Autor gerade passt.

Die Definitionen oder wenigstens die Benutzung einzelner Begriffe ist weit gestreut. Deshalb hier kurz was ich darunter verstehe:

Für mich ist ein Storyboard einfach ein gezeichneter Plot.

Ein normaler Plot ist bei mir immer "geschichtlich chronologisch", so dass ich mich am Ende nur noch dran entlang hangeln muss. Das heißt, was in der Geschichte zuerst dran kommt, das steht auch zuerst drin. Wenn ich zuerst von seinem Tod erzähle und dann von seinem Leben, ist im Plot auch in dieser Reihenfolge davon zu lesen, obwohl das in der "wirklichen Zeit" wohl anders herum statt findet 8)

Dagegen ist ein Zeitrstahl nach der "wirklichen Zeit" chronologisch.
Welches Mittel du nun zur Aufzeichnung deines "roten Fadens" benutzt ist eigentlich egal, hauptsache ist, du kommst damit zurecht. Getreu nach meinem Lieblingsmotto:
    Probier alles aus, behalte was funktioniert, den Rest wirf weg
Ist deine Frage damit beantwortet?
lg
Jacky ;)

PS: Es gibt keine doofen Fragen 8)

von © Jacky

 
Auch wenn jetzt vielleicht manchem die Haare zu Berge stehen, aber ich habe am Anfang eine Idee, zu der schreibe ich mir kurze Stichwörter und Ideen auf, der Komplette Rest fliegt mich beim schreiben an, ich schreibe meist abends von neun bis eins und den ganzen restlichen Tag beschäftige ich mich kaum mit dem Buch.
Wie gesagt, meine Kreative Phase beginnt und endet mit der täglichen Schreibphase deshalb plotte ich so gut wie gar nicht

von © ThomasQ

 
Liebe Schreibfreunde,

"plot" ist nur ein in den 90er-Jahren in Mode gekommenes Wort für "Handlungsstrang". Wer's nicht glaubt, sollte mal bei Wikipedia nachsehen. Insofern finde ich die Definition: "Ein Plot ist die stichwortartige, chronologische Aufzählung aller Ereignisse, die du für deine Geschichte planst." nicht zutreffend. Vielmehr ist das die Skizzierung eines Plots, also ein Hinweis, wie man (rein handwerklich gesehen) einen Plot aufbereiten oder verwalten kann, damit wir uns bei der anschließenden Ausarbeitung leichter tun.

Hans-Dieter Gelfert ("Was ist gute Literatur?") hat das Wesen eines Plots anhand eines Beispieles so schön und prägnant auf einen Punkt gebracht, dass ich ihn hier erwähnen (nicht wörtlich zitieren) möchte:

Die Frau des Königs starb. Zwei Jahre später verschied auch der König. - Ein Plot? Nein, bloß eine Aneinanderreihung zweier Informationen ...

Die Frau des Königs starb. Aus Kummer über ihren Tod verschied auch der König zwei Jahre später. Ein Plot? Ja, weil es zwischen beiden Ereignissen eine Kausalität gibt. Hier geschieht etwas - und das macht eine "Geschichte" daraus.

Es wäre wesentlich mehr geholfen, wenn wir uns der Typologie der Plots widmen würden. Es gibt nämlich nur eine Handvoll typischer Plots, die sich allerdings durch Zeit, Schauplatz und sonstige Rahmenbedingungen unglaublich variieren lassen. Beispiel: der Rächerplot. Am Beginn große Verwüstung durch den Bösewicht. Einer überlebt. Der geht in das Exil und wird dort ausgebildet, bis er sich stark genug fühlt und theatralisch Rache übt. Ihr wisst schon: Rübe ab, stech und hau, schlitz und tatsch, das Blut spritzt herum und der ganze Schmarrn halt.

Beispiele dafür: Conan, der Barbar, Spiel mir das Lied vom Tod, Beastmaster, Braveheart, The Punisher usw. Kurz, die halbe Videothek.

Ich habe Verständnis für die Bemühungen, mit System und Rationalität den Plot abzuarbeiten, oder die Handlung zu entwickeln, oder wie immer man sagen möchte, aber in meiner Praxis funktioniert das nicht. Es bedeutet letzten Endes, das Buch wenigstens im Großen und Ganzen schon am Anfang im Kopf zu haben. Bei mir stellt sich die Inspiration beim und durch das Schreiben selbst ein. So wird aus jedem Buch eine Reise, bei der ich am Anfang nicht weiss, wohin es geht.

Das klingt vielleicht ein wenig pathetisch oder blumig, aber es ist nicht so gemeint. In der Tat empfinde ich diesen Umstand in der Praxis meistens als eher ärgerlich denn als erfreulich.

Ich weiss, das macht einen semiprofessionellen Eindruck, aber erstens gehen ohnehin die meisten von uns Schreiberlingen so vor und zweitens erhalte ich mir auf diese Weise meine (mehr als nur prinzipielle) Offenheit für die Inspiration. Wenn ich ein neues Projekt anfange, sage ich mir immer: Soweit die Inspiration reicht ...

Und die hat mich noch nie verlassen.

zorro

von © zorro

 
Es gibt wohl sehr unterschiedliche Arten, an eine Geschichte zu kommen und die dann zu schreiben.

Hohenlohe entwickelt die Geschichte während des Erstellungsprozesses. Darin findet sie ihr Abenteuer. Also will sie vorher nicht wissen, wie sich die Geschichte entfaltet. Ein Plot macht unter diesen Umständen wenig Sinn. Das leuchtet mir ein.

rixa will einen historischen Roman schreiben, hat deshalb eine grundsätzliche Idee bereits vorher im Kopf, ist aber abhängig von den Ergebnissen ihrer Recherche, die jederzeit einiges umwerfen kann und eine Änderung des Handlungsverlaufs erzwingen. Also braucht sie zumindest ein grobes Gerüst und wenn es nur ist, um den Überblick zu behalten.

Ich selbst arbeite an einem Fantasy-Roman. Diese Geschichte hat ein Eigenleben, hat sich in unzähligen „Traumstunden“ ganz von selbst entwickelt. Meine Rolle beschränkt sich auf die des Erzählers. Ich muss sie in Worte fassen, mehr nicht, allerdings auch nicht weniger... Um die Entwicklung der Story brauche ich mich nicht aktiv zu kümmern. Das hat die Geschichte schon vor geraumer Zeit selbst erledigt, hat sich mir einfach aufgedrängt. Da war ich nur ohnmächtiger Zuschauer...

Ich kenne die Geschichte also genau, habe jedes Detail und jede Szene schon dutzende Male vor meinem inneren Auge ablaufen gesehen und ich kenne tausend weitere Geschichten drumherum: Die Lebensgeschichten der einzelnen Protagonisten, Geschichten die gleichzeitig an anderen Orten geschehen und und und...

Es ist eine ganze Welt mit unzähligen Storys und Anekdoten neben dem Hauptstrang und mein Problem ist deshalb zur Zeit eher, das auszusondern, was ich nicht erzählen soll, als zu überlegen, was ich schreiben will. Denn ich, der Erzähler würde ja am liebsten alles bis ins kleinste Detail darlegen und am liebsten all die kleinen Geschichten, die sich darum herum ranken noch dazu...

Die Schwierigkeit für mich besteht also darin, die Geschichte gründlich abzuspecken und in eine Form zu gießen, die einem aussenstehenden Leser auch schmeckt. Und dafür brauche ich zumindest einen grobgeschnittenen Plot. Um Zusammenhänge muss ich mich da nicht bemühen, denn die sind mir ohnehin alle bekannt.

Einen Plot zu machen heißt für mich deshalb vordringlich, zu entscheiden, was wegzulassen ist und klarzustellen, worauf ich mich beschränken werde. Ohne einen solchen Plot würde sich meine Geschichte eines schönen Tages über tausende Seiten hinziehen...

von © Merlinor