Was stellt ihr euch unter einem Fluch vor?

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Was stellt ihr euch unter einem Fluch vor?

Beitragvon Betty » 12.07.2015, 12:45

Schönen Tag auch :dasheye:

Beim Plotten meines Projekts stecke ich grade etwas fest, weshalb ich mir gerne mal ein paar fremde Meinungen zum Thema anhören würde. Das Thema ist in diesem Fall ein Fluch.
Ihr könnt euch gerne an folgenden Fragen orientieren:

- Was stellt ihr euch unter einem Fluch vor?

- Was haltet ihr von 'klassischen' Flüchen (in Form von Zaubersprüchen oder Bännen, die über Personen/Orte gelegt werden und Unheil bringen)?

- Was haltet ihr von Flüchen in Büchern?

- Wie würdet ihr einen Fluch umsetzen, der Menschen vom Wesen her verändert? Bzw. was würdet ihr euch spontan darunter vorstellen?


Ich bin gespannt auf eure Meinungen!

Liebe Grüße,
Betty
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Re: Was stellt ihr euch unter einem Fluch vor?

Beitragvon Ankh » 12.07.2015, 13:22

Für mich ist ein Fluch etwas, das auf magische/ übernatürliche Weise ein Hindernis im Leben eines Menschen erschafft. Manchmal als Strafe für etwas, das der Mensch getan hat, manchmal einfach aus der Bosheit des Zaubernden heraus.

Ich bin nicht sicher, was du mit der Frage meinst, was ich davon halte. Sie bringen auf jeden Fall ein übernatürliches Element in deine Geschichte und gehören dadurch in den Bereich Märchen oder Fantasy. Dort sind sie ein klassisches Plotelement und haben durchaus ihre Berechtigung.

Was halte ich von Flüchen in welchen Büchern? Wie gesagt, wenn es ins Genre passt, dann ist ihr Einsatz völlig legitim.

Normalerweise greifen Flüche nicht in das innere Wesen von Menschen. Eher verändern sie das Äußere: Sie manchen stumm, oder verwandeln jemanden in ein Monster, einen Raben, einen Baum, sie machen eine Piratenmannschaft unsterblich, um sie dann lebendig verrotten zu lassen.

"Verdiente" Flüche (als Strafe) erschaffen ein Problem, an dem der Verfluchte charakterlich wachsen muss, um schließlich erlöst zu werden. Wenn du durch den Fluch sein inneres Wesen veränderst, dann greifst du diesem Lernprozess, diesem bewussten Wachstum vor oder verhinderst es gar. Damit machst du die klassische Idee eines Fluches unmöglich.
"Unverdiente" Flüche erfordern meist einen Helden, der das Problem duchschaut, den Schuldigen findet und besiegt, und dadurch den Fluch bricht. Hier kann ich mir eher vorstellen, dass der Fluch einen Charakter verändert, denn der Veränderte ist ja nicht derjenige, der ihn brechen soll. Es kann statt den Helden zum Beispiel seine Angebetete treffen, die ihn dadurch vergisst oder nicht mehr liebt oder völlig schwachsinnig wird, bis er sie rettet. Oder der Fluch wirkt sich auf eine Art auf die Umgebung aus, die wiederum die dort lebenden Menschen verändert (wie: es ist immer Nacht - die Menschen werden depressiv). dann beeinflusst der Fluch die Menschen nur indirekt.
Zuletzt geändert von Ankh am 12.07.2015, 13:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Was stellt ihr euch unter einem Fluch vor?

Beitragvon IPatricia » 12.07.2015, 13:23

Hey!

Was stelle ich mir unter einem Fluch vor?

Das kann sehr vieles sein. Klassisch wäre natürlich das, was du angesprochen hast. Ein bösartiger Zauberspruch, der jemandem auferlegt wird, bis der Bann gebrochen wird oder von selbst nach einer gewissen Zeit bricht. Ein Fluch kann aber auch eine Person sein - im übertragenen Sinne. Ich kann mir vorstellen, dass man jemanden, der einem immer einen Strich durch die Rechnung macht oder sich immer wieder in den Weg stellt, als "persönlichen Fluch" bezeichnen kann. Für mich ist ein Fluch etwas Negatives, das mir anhaftet und schadet. Das muss für mich nicht der klassische Zauberspruch sein. Eine Pechsträhne würde ich auch als Fluch bezeichnen, auch wenn ich mir das vielleicht nur einbilde. Wenn in einem Haus mehrere Personen hintereinander gestorben sind, möglicherweise auch durch mysteriöse Umstände, würde man sagen: Auf diesem Haus liegt ein Fluch - obwohl das alles nur Zufall sein kann.

Was ich von klassischen Flüchen (genrell und in Büchern) halte?

Das kommt drauf an. Generell denke ich dann erstmal an Märchen und Sagen, wie der Fluch der bösen Hexe auf Dornröschen. Je nachdem, für welche Zielgruppe du schreibst, ist so etwas dann durchaus angemessen.
Wenn du eine magische Welt hast, geht es auch, es sollte aber gut erklärt und gut durchdacht sein. Eine nette Geschichte. Zum Beispiel ein verfluchtes Artefakt, wie ein Schwert, dass negative Auswirkungen auf den Träger hat, weil der Vorbesitzer zu viel damit getötet hat. Oder du machst etwas Übersinnliches draus, wie zum Beispiel ein Fluch der Götter. Das sind jetzt natürlich nur irgendwelche Beispiele. Was ich damit sagen will: Wenn du dir einen interessanten Hintergrund ausdenkst, kann das gut funktionieren. Was ich nicht mag, ist, wenn irgendeine rachsüchtige, verlassene Frau, von der niemand wusste, dass sie eine Hexe war, plötzlich ein paar seltsame Worte daherbrabbelt und das junge Mädchen plötzlich verflucht ist. So etwas finde ich total ausgelutscht.

Was ich mir unter einem wesensverändernden Fluch vorstelle?

Ehrlich gesagt, genau das, was ich gerade als Beispiel aneführt habe. Eine Person führt ein verfluchtes Artefakt mit sich, das die Persönlichkeit verändert. Vielleicht eine starke Waffe, mit der man Kriege gewinnen kann. Der Träger bemerkt die Veränderungen, kann sich aber aus verschiedenen Gründen nicht von der Waffe trennen. Sie ist zu mächtig, er hat dadurch Ruhm erlangt, er muss den Krieg gewinnen - und irgendwann verändert er sich so sehr, dass die Waffe quasi ein Teil von ihm und seiner Persönlichkeit ist.
Das kann natürlich noch so viel anderes sein, da sind der Fantasie zunächst keine Grenzen gesetzt.

Ich finde, es ist eine spannende Idee, wenn sie spannend umgesetzt ist. Ansonsten könnte es sehr schnell in ein Klischee abrutschen á la "Du bist jetzt verflucht, basta. 1000 Jahre wirst du dies und jenes haben, bis jemand kommt und dich durch bla und bla davon befreit, aber das ist super unwahrscheinlich."
Diese Hokuspokus-Flüche ohne Hintergrundgeschichte, das meine ich. :D
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Re: Was stellt ihr euch unter einem Fluch vor?

Beitragvon grit » 12.07.2015, 14:57

Fluch oder Segen? Für mich ist es spannend, wenn man das kaum voneinander trennen kann.
Eine Gabe, die zugleich ein Fluch sein kann ( oder durch einen Zusatz zum Fluch wird wie bei Kassandra ), beispielsweise wenn ein Mensch sehen kann, wann ein anderer sterben wird, dies aber nicht beeinflusssen kann.
Oder die König-Midas-Geschichte.

Interessant fand ich den Fluch am Anfang von "Die Säulen der Erde" - die Frau hatte natürlich keine magischen Kräfte, aber für den Verfluchten war es sozusagen "der Fluch der bösen Tat", der ihn lebenslang verfolgt hat. Ich fand es gut gemacht, wie das Lied dabei eingesetzt wird.

Sehr gekonnt fand ich auch bei Sergej Lukianenko in "Wächter der Nacht", wie die Wirkung des Fluchs beschrieben und wie er für die Anderen sichtbar wurde. Und dann natürlich die Auflösung, dass das Opfer selbst den riesigen schwarzen Wirbel ausgelöst hat - durch Selbsthass.

Wie hier schon gesagt wurde, es kommt sehr darauf an, was du für eine Geschichte erzählen willst, wieviel Fantasy darinsteckt und welche Funktion das Ganz haben soll.
Ein Fluch, an den der Verfluchte nicht glaubt ( bzw. an dessen Wirksamkeit ) und der sich dann doch erfüllt, ist auch ein interessantes Element.
Oder eine verfluchende Weissagung, die falsch interpretiert wird. Hier sind wir schon wieder beim Thema Prophezeiung. Wenn jemand dem Fluch entgehen will und gerade dadurch das herbeiführt, was er verhindern wollte, wie bei Ödipus.

In einer magischen Welt geht ein Fluch oft mit einer Verwünschung einher, die den Charakter des Helden / Retters auf die Probe stellt. Dabei kann sich der vermeintliche Fluch auch als Segen entpuppen wie in einigen Märchen.
Bei der Frage nach einem wesensverändernden Fluch / Artefakt fällt mir sofort Herr der Ringe ein - der Ring machte aus einem Jungen vom Flussvolk schließlich Gollum. Doch gerade hiebei ist interessant, dass die böse Tat und gewisse darauf hindeutende Charakterzüge schon vorher vorhanden waren, ein gewisser Hang zur Grausamkeit zum Beispiel. Es war also durch den Charakter schon der Boden bereitet für das Wirken des Fluchs. Bilbo Beutlin, der Gollum am Leben ließ, als er ihn problemlos hätte töten können, erlag der Macht des Ringes nicht.

Was mir bei wesensverändernd noch einfällt: Kennst du "Das verschenkte Weinen" von Werner Heiduczek.
Hier wird etwas gewonnen und etwas gegeben, doch der Verlust der Fähigkeit zu weinen deformiert den Charakter des Figur, der vermeintliche Segen erweist sich als Fluch, was die Figur sehr lange Zeit überhaupt nicht erkennt.

Gerade wenn du Wesensveränderungen planst, dann könnte der Fluch ausgelöst werden durch etwas, was die Figur begehrt. Es wurde ja hier schon gesagt, dass sich z.B. das Äußere der Figur ändern kann. Wie aber geht sie mit dieser Veränderung um? Und wie reagieren die anderen darauf? Dabei ist sowohl das eine als auch das andere Extrem interessant. Wird sie hässlich - wie reagiert ihre Umgebung darauf und wie sie selbst? Oder wird sie wunderschön und dadurch überheblich und unnahbar? Grundzüge dazu müssen m.E. schon vorhanden sein, damit es glaubwürdig ist.
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Re: Was stellt ihr euch unter einem Fluch vor?

Beitragvon Betty » 13.07.2015, 17:23

Danke für eure Antworten :-)

Ich finde es immer sehr interessant, die Meinungen von anderen zu hören, da bekommt man manchmal ganz neue Denkanstöße.
Ankh hat geschrieben:Ich bin nicht sicher, was du mit der Frage meinst, was ich davon halte.

Ich bin hier irgendwo mal über einen Thread gestolpert, indem es um, ich glaube Prophezeihungen ging. Die meisten fanden Prophezeihungen in Büchern ganz schrecklich, weshalb ich mich gefragt habe, wie das mit Flüchen aussieht.

Wie dem auch sei, ich bin eben in eine sintflutartige Regenböe geraten und da kam mir ein Geistesblitz :mrgreen: Man könnte es auch eine Art Erleuchtung nennen, auf alle Fälle hat sich mein Problem nicht nur gelöst, nein, die Lösung ist auch zugleich eine Lösung für ein anderes Problem, von dem ich bis dahin nichtmal wusste, dass es existiert... (könnt ihr mir folgen?)
Auf alle Fälle hat sich die Fluchfrage erledigt. Ich danke euch für eure Hilfe, ein paar eurer Gedanken haben mich erst auf diesen Pfad gebracht :XD:
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Re: Was stellt ihr euch unter einem Fluch vor?

Beitragvon Bernd » 26.07.2015, 18:06

Ich habe die anderen Antworten bewusst nicht gelesen. Hier meine Meinung:

Betty hat geschrieben:Was stellt ihr euch unter einem Fluch vor?

Ähnelt für mich einem Gebet oder einem Segen, nur eben negativ behaftet: Ich erbitte eine überirdische / göttliche / teuflische Macht, jemandem Schaden zuzufügen. Entweder einer bestimmten Person, oder jedem, der... (... z.B. ein bestimmtes Grab schändet, einer bestimmten Person hilft, o.ä. ...)

Betty hat geschrieben:Was haltet ihr von 'klassischen' Flüchen (in Form von Zaubersprüchen oder Bännen, die über Personen/Orte gelegt werden und Unheil bringen)?

Hm, sind halt der Klassiker. Kann man immer wieder einbauen. Die Frage ist, ob man dran glaubt. Im Bereich der Literatur kommt es nun wohl vor allem aufs Genre an. Ein Fluch passt in eine Geschichte über einen Schamanen, einen Archäologen á la Indiana Jones, oder auch in einen Krimi, in dem eine Sekte eine Rolle spielt. Und Fantasy natürlich. Wenn das die Frage nicht beantwortet, habe ich nicht verstanden, was Du mit "halten von" meinst.

Betty hat geschrieben:Was haltet ihr von Flüchen in Büchern?

s.o.

Betty hat geschrieben:Wie würdet ihr einen Fluch umsetzen, der Menschen vom Wesen her verändert? Bzw. was würdet ihr euch spontan darunter vorstellen?

Da tu ich mich jetzt schwer. So wie Du das beschreibst, klingt das eher nach einem Zauberspruch. Angenommen, jemand ist mutig und ich möchte, dass er feige ist. Dann kann ich - sofern ich Magie beherrsche - einfach feige machen. Ohne Magie kann ich ihm wünschen, feige zu werden. (Mögest Du der Feigheit anheim fallen!) Aber erst, wenn er hinterher gesagt bekommt, wie feige er sich verhalten hat, wird er glauben oder merken, dass der Fluch gewirkt hat.

Grüße
Bernd
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