[Nachdenk]Weihnachstgefühle (Weihnachtswettbewerb)

Gesellschaft, Kritik, Philosophisches

[Nachdenk]Weihnachstgefühle (Weihnachtswettbewerb)

Beitragvon aiee » 10.12.2014, 21:12

Ich erinnere mich mit einem Lächeln daran zurück, wie ich, wenn ich nach Hause kam, sofort den Zimtgeruch in der Nase spürte.
Meine Mutter hat in der Weihnachtszeit viel gebacken. Ich, gerade mal ein Kindergartenkind, war die glücklichste Tochter auf Erden, wenn ich ihr beim Formen der Plätzchen behilflich sein und dabei immer wieder ein Stück vom rohen Teig naschen durfte, bis mir schlecht wurde.
Es brannten immer viele Kerzen bei uns, und ich wüsste nicht, wann während des Winters im Kamin kein Feuer knisterte und uns äußerlich, aber vor allem unsere Herzen wärmte.
Ich habe viele Erinnerungen an glückliche Weihnachtserlebnisse.
Das Anzünden des Adventskranzes, das Singen von besinnlichen Liedern, das tägliche Öffnen von einem Türchen des Adventskalenders, hinter dem sich eine Überraschung verbarg ... Selbst der alltägliche Streit mit meiner Schwester, wer denn dran war mit dem Öffnen, hatte etwas Wärmendes. Es gab so vieles, das ich mit diesem Familienfest, dem Fest der Liebe, verbinde.

Wenn ich dagegen an das Weihnachten von letztem Jahr denke, als Studentin, dann hatte das mit meinem Weihnachten überhaupt nichts mehr zu tun: Ich war bei Freunden eingeladen, wir haben gut gegessen, viel gelacht und etwas getrunken. Ich kann nicht sagen, es sei nicht nett gewesen. Aber wie sehr vermisste ich das Beisammensein der Familie unter einem schön geschmückten Weihnachtsbaum.
Ich wünschte mir einen Bruchteil des Gefühls zurück, das ich aus Kindertagen kannte, nur einen ganz kleinen Teil dieser Wärme. Dass es im Dezember kalt ist, ist normal, dass die ganze Stadt in Weihnachtsstimmung ist genauso: Jedes Geschäft, jeder Werbeprospekt, jeder Besucher des Weihnachtsmarktes, ja sogar jede Coca Cola-Flasche gehört zu unserem modernen Weihnachten, wie die Weihnachtsmänner, Christbäume, die kitschigen bunten Sterne auf den Bäumen. Das gab es alles auch schon, als ich noch ein Kind war. Es war jetzt so schön, wie es damals war. Es konnte mir aber ebenso wenig, wie die nette Gesellschaft, in der ich mich befand, das warme Gefühl geben, wie es der Duft von Zimt beim Betreten der elterlichen Wohnung tat.
Aber heuer sollte mir das nicht wieder passieren!
Ich wusste, wie ich dieses Gefühl zurück bekommen konnte. Es war zwar unmöglich, über die Ferien nach Hause zu fliegen, aber es war möglich etwas zu tun, was mir als Kind immer große Freude bereitet hatte: einen Wunschzettel an das Christkind zu schreiben.


Liebes Christkind,
ich habe dir lange nicht mehr geschrieben, was heißt lange, ewig nicht!
Was ich mir dieses Jahr von dir wünsche, ist leicht gesagt, aber schwer umzusetzen: Zeig mir einfach, dass es dich gibt! Zeig es mir nicht an mir, indem du mir ein Päckchen unter den Christbaum legst, sondern schenke irgend jemandem, der es ganz nötig braucht, eine Ahnung der unbeschwerten Wärme meiner Kindertage. Und vielleicht lässt du dann auch mir etwas von dieser Wärme zukommen, indem ich in der Zeitung von einem kleinen Weihnachtswunder lese oder im Fernsehen davon höre ...Ich weiß,Wärme in eine kalte Welt zu zaubern, ist kein kleiner Wunsch, ganz abgesehen vom Wunsch, ein kindliches Gefühl wieder fühlen zu dürfen ...Und trotzdem!


Jemand, der nicht aufgehört hat, an dich zu glauben


Beim Schreiben dieser Worte fühlte ich es wieder, das Gefühl der magischen Weihnacht.
Ich gab den Brief sorgfältig in ein schönes Kuvert und legte es auf das Fensterbrett, wie ich es als Kind immer getan hatte und ging schlafen.
Natürlich rechnete ich nie im Leben damit, dass der Umschlag am nächsten Tag nicht mehr da sein würde, aber allein der Wunsch, dass es so sein möge, war Teil meiner Fantasie.
Der Brief lag draußen, in der Kälte, unter einem leeren Blumentopf, dass ihn der Wind nicht verwehen konnte, wartend auf einen Boten, der ihn abholen würde .
Und im Laufe der letzten Adventswoche, ich hatte gerade die vierte Kerze angezündet, geschah das Unfassbare: Der Brief, er war längst fest gefroren und hätte die Schwere des Blumentopfes nicht mehr gebraucht, war weg! Ob durch einen starken Windstoß, oder die Hand des Christkindes weiß ich nicht. Aber seitdem ist die kindliche Weihnachtswärme wieder da und ich warte auf eine Weihnachtswundergeschichte in den Nachrichten...
Zuletzt geändert von aiee am 14.12.2014, 19:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Weihnachstgefühle (Weihnachtswettbewerb)

Beitragvon VernonDure » 12.12.2014, 22:44

Guten Abend, aiee!

Deine Geschichte lässt bei mir viele Glocken klingeln. Ich habe sie sehr gerne gelesen.

Ich habe auch nur wenige Änderungsvorschläge:

Der Satz ist ziemlich lang und "behilflich sein" klingt zumindest für mich im Zusammenhang mit einem Kindergartenkind geschraubt.
Ich, gerade mal ein Kindergartenkind, war die glücklichste Tochter auf Erden, wenn ich ihr beim Formen der Plätzchen behilflich sein und dabei immer wieder ein Stück vom rohen Teig naschen durfte, bis mir schlecht wurde.

Ich, gerade mal ein Kindergartenkind, war die glücklichste Tochter auf Erden, wenn ich ihr beim Formen der Plätzchen helfen durfte. Immer wieder naschte ich dabei ein Stück vom rohen Teig, bis mir schlecht wurde.

Auch hier meine ich, sind kürzere Sätze leichter lesbar.
Es brannten immer viele Kerzen bei uns, und ich wüsste nicht, wann während des Winters im Kamin kein Feuer knisterte und uns äußerlich, aber vor allem unsere Herzen wärmte.

Es brannten immer viele Kerzen bei uns. Und ich wüsste nicht, wann während des Winters im Kamin kein Feuer knisterte, das uns äußerlich, aber vor allem unsere Herzen wärmte.

Die Auslassungspunkte sollten von Leerzeichen umrahmt sein, falls sie nicht einen Wortteil ersetzen.
hinter dem sich eine Überraschung verbarg...selbst der alltägliche Streit

hinter dem sich eine Überraschung verbarg ... Selbst der alltägliche Streit

Komma zuviel? Leerzeichen um Ausslassungspunkte? Leerzeichen nach Komma?
Zeig es mir nicht an mir, indem du mir ein Päckchen unter den Christbaum legst, sondern schenke irgend jemandem, der es ganz nötig braucht, eine Ahnung, der unbeschwerten Wärme meiner Kindertage. Und vielleicht lässt du dann auch mir etwas von dieser Wärme zukommen, indem ich in der Zeitung von einem kleinen Weihnachtswunder lese oder im Fernsehen davon höre...Ich weiß,Wärme in eine kalte Welt zu zaubern, ist kein kleiner Wunsch, ganz abgesehen vom Wunsch, ein kindliches Gefühl wieder fühlen zu dürfen...Und trotzdem!

Zeig es mir nicht, indem du mir ein Päckchen unter den Christbaum legst, sondern schenke irgend jemandem, der es ganz nötig braucht, eine Ahnung der unbeschwerten Wärme meiner Kindertage. Und vielleicht lässt du dann auch mir etwas von dieser Wärme zukommen, indem ich in der Zeitung von einem kleinen Weihnachtswunder lese oder im Fernsehen davon höre ... Ich weiß, Wärme in eine kalte Welt zu zaubern, ist kein kleiner Wunsch, ganz abgesehen vom Wunsch, ein kindliches Gefühl wieder fühlen zu dürfen ... Und trotzdem!

Mein Vorschlag, auch hier lange Sätz zu teilen:
Der Brief lag draußen, in der Kälte, unter einem leeren Blumentopf, dass ihn der Wind nicht verwehen konnte, wartend auf einen Boten, der ihn abholen würde .
Und im Laufe der letzten Adventswoche, ich hatte gerade die vierte Kerze angezündet, geschah das Unfassbare, der Brief, er war längst fest gefroren und hätte die Schwere des Blumentopfes nicht mehr gebraucht, war weg

Der Brief lag draußen, in der Kälte, unter einem leeren Blumentopf. So konnte ihn der Wind nicht verwehen. Er wartete auf einen Boten, der ihn abholen würde.
Und im Laufe der letzten Adventswoche, ich hatte gerade die vierte Kerze angezündet, geschah das Unfassbare: Der Brief, er war längst fest gefroren und hätte die Schwere des Blumentopfes nicht mehr gebraucht, war weg!


Ich drücke Dir beide Daumen, dass Du bald zwischen all den bombastischen oder negativen Nachrichten den Duft eines kleinen Weihnachtswunders schnupperst! Denn die wirklichen Wunder, die uns inner Wärme geben, geschehen meist im Kleinen, im Alltäglichen. Leider werden sie nur allzu oft übersehen.

Vielen Dank für Deine anrührende Geschichte!
»Vernon Dures Fantastische Welten« berichten über eigene und andere interessante Bücher.
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Re: Weihnachstgefühle (Weihnachtswettbewerb)

Beitragvon aiee » 14.12.2014, 19:10

Danke VernonDure für deinen lieben Kommentar!
Du hast recht, einige Sätze sind mir zu lang geworden, und dies erschwert das Lesen. Ich werde den Text nach deinen Vorschlägen überarbeiten.
Danke dass du dir die Mühe gemacht hast den Beitrag zu kommentieren, und freut mich dass sie dir gefällt! :)
aiee
 
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