[Sonstiges]Weihnachtshase trifft Ostermann [DÜ]

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[Sonstiges]Weihnachtshase trifft Ostermann [DÜ]

Beitragvon brehb » 09.12.2014, 18:57

Kannst du mir mal ein Kondom...?
Jetzt?
Nein, nein. Nicht was du meinst. Das wird mein Kostüm heute Abend, ich gehe als Überzieher.
Gähn!
Quatsch! Scherz! Ich gehe als Unke. Und du, Schnuckilein?
Ich komme als Weihnachtshase.
Als Weihnachtshase?
Ja!
Wie jetzt, wirklich? Als Weihnachtshase?
Klar doch. Oben mit Raffzähnen und Riesenohren und unten Pluderhosen in Winterstiefeln.
Wie kommt man denn auf so etwas?
Pah! Wie kommt man auf so etwas. Na, wie kommt man denn auf so etwas? Ganz einfach: Man lässt sich scheiden.
Man lässt sich scheiden?
Du musst mir nicht alles nachplappern. Wenn man bei so einer Scheidung nicht richtig aufpasst...
...muss Frau ab sofort in komischer Verkleidung...?
Quatsch! Beim Aufteilen der „Zugewinngemeinschaft“
Da vergreift man sich schon mal? Bei den Klamotten?
Ja. Aber ich freue mich schon auf das Zusammentreffen mit meinem Ex.
Ist der auch eingeladen? Der kommt...?
Klar doch. Als Ostermann. Oben mit roter Zipfelmütze...
(Ich ahne Schlimmes).
...und unten mit Stummelschwänzchen.
Sag ich doch. Ich ahne Schlimmes.
Zuletzt geändert von brehb am 15.01.2015, 12:27, insgesamt 1-mal geändert.
[SigNat] Zu spät. Sich sputen bringst nichts
brehb
 
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Re: Weihnachtshase trifft Ostermann [DÜ]

Beitragvon unkompliziert » 13.01.2015, 14:30

:shock: "HAHAHA!" :oops: :lol:

Hallo lieber Brehb,

10 von 10 Punkten für eine kurze knackige Geschichte mit rotzfrechem erwachsenen Humor, einer gelungenen Pointe und originellen, pfiffigen Idee!
Also ein besonderes Stückchen Literatur!

So wie ich den Dialog für mich interpretiert habe, treffen sich zwei alte Bekannte um auf eine Faschingsveranstaltung zu gehen. Sie hat traurigen Nachrichten: Sie ist geschieden und man würde vermuten diese Neuigkeit verdirbt den Beiden die Stimmung gründlich. Doch weit gefehlt, durch ein Missgeschick beim Aufteilen des Hausstandes sind die Kostüme durcheinander geraten. Aus Geiz oder Mangel an Zeit tragen die ehemaligen Eheleute eben das, was sie finden konnten. Sie sind also unterwegs als Weihnachtshase und Ostermann -- oder zwei wandelnde Kalauer...

Für mich möchte ich den heiteren Aspekt und die überraschende Wendung der Geschichte gerne im Vordergrund sehen. Aber es bleibt ein kleiner Stachel. Nämlich der Gedanken, dass sich manche Ehepaare bei der Scheidung so verhalten, dass man keinen danach noch ernstnehmen kann.

Den Schluss fand ich grandios und da war ich auch richtig im Leserhytmus drin und meine verstanden zu haben, was du andeutest. Der Anfang war etwas holprig. Wenn auch nur ein bisschen verwirrend und ziellos.

brehb hat geschrieben:Kannst du mir mal ein Kondom...?
Jetzt?
Nein, nein. Nicht was du meinst. Das wird mein Kostüm heute Abend, ich gehe als Überzieher.

Beim ersten Lesen dachte ich, er will sich tatsächlich ein Kostüm aus dem Kondom basteln.
In Wetten dass? Gab es mal eine Wette, in der jemand in aufgeblasene Kondome gestiegen ist.
Nach etwas Grübeln könnte ich mir auch vorstellen, dass die beiden gerade ein Kostümverleih plündern?
Aber weiterer kleiner Hinweis an den Leser, wie das jetzt genau zu verstehen ist, wäre ganz nett.


Gähn!
Und du, Schnuckilein?
Ich komme als Weihnachtshase.
Als Weihnachtshase?
Ja!
Wie jetzt, wirklich? Als Weihnachtshase?

Ich bin hin und her gerissen:
Auf der einen Seite sieht der Dialog so ganz ohne Textkörper ganz schön nackig aus.
Ich schreibe auch am liebsten die Dialoge "pur" und muss mich dann zwingen, ein paar Textelemente zur Verdeutlichung oder Betonung anzuhängen.

Ich möchte deiner Szene nicht die Knackigkeit geben, indem man sie ewig zerredet. - Aber du solltest noch andere Meinungen einholen. Es könnte sein, dass manche Leser aussteigen und verwirrt sind. Beziwhungsweise auch die Ungewissheit nicht so lange aushalten wollen.

Sind das jetzt zwei Freunde oder zwei Geliebte, die da einkaufen? Und wenn es zwei Geliebte sind, warum freut sich dann der Nebenbuhler nicht, dass sie endlich geschieden ist?


Klar doch. Oben mit Raffzähnen und Schlappohren und unten Pluderhosen in Winterstiefeln.
Habe normale Hasen nicht Stehohren? Aber die Zweideutigkeit, dass man der Exfrau Raffgierigkeit nachsagt und sie sich emotional eher schlapp- und nicht stehöhrig fühlt, finde ich sehr gelungen.
Wie kommt man denn auf so etwas?
Pah! Wie kommt man auf so etwas. Na, wie kommt man denn auf so etwas? Ganz einfach: Man lässt sich scheiden.
Man lässt sich scheiden?
Vielleicht ein Hinweis ob in dieser Frage Entsetzen, Ungläubigkeit, Trauer oder aufkeimende Hoffnung mitschwingt? Ich kann mir so gut vorstellen, wie der Tonfall in der Realität klänge, aber wie soll man als Leser wissen, was denn zutrifft?
Nach weiß man ja auch nicht, dass es wohl am Ende keine Rolle für die Pointe spielt.

Du musst mir nicht alles nachplappern. Wenn man bei so einer Scheidung nicht richtig aufpasst...
...muss Frau ab sofort in komischer Verkleidung...?
Quatsch! Beim Aufteilen der „Zugewinngemeinschaft“
Nja... Doch *muss* sie schon, weil sie ja keine anderen zur Auswahl hat.
Den Satz vielleicht ein bisschen justieren, damit er den Leser nicht in die falsche Richtung rennen lässt, wenn er bereits in der richtigen unterwegs war.
"Ja. Beim Aufteilen der "Zugewinngemeinschaft..."

Da „vergreift“ man sich schon mal? Bei den Klamotten?
Vergreifen mit Anführungszeichen klingt wie ein Euphemismus für stehlen. Nachdem sie aber selber darunter leidet, nehme ich an, dass Vertauschen der Kostüme war nur ein Unfall?
Als Bewohnerin eines ehelichen Haushalts kann ich es überdeutlich sehen, wie schnell soetwas passiern könnte :lol:
Ich würde die Anführungszeichen weglassen, wenn es wirklich nur ein Fehlgriff war.

Ja. Aber ich freue mich schon auf das Zusammentreffen mit meinem Ex.
Ich hätte den gar nicht eingeladen. Der kommt...?
Wessen Party ist es? Wer würde uneingeladen aber albern kostümiert auf eine Party gehen?
Ihr Kumpel könnte vielleicht mitfühlend sagen: "Wenn ich das geahnt hätte, dass ihr euch scheiden lasst! Ist es dir unangenehm? Soll ich ihn ausladen?"

Klar doch. Lass ihn kommen! Als Ostermann. Oben mit roter Zipfelmütze...
(Ich ahne Schlimmes).
...und unten mit Stummelschwänzchen.

Ein Riesenlacher! Klar... Es ist eher Stammtischhumor. Aber sehr gelungen und mit einer pfiffigen Erklärung wie es dazu kommt.
Der letzte Satz stört nicht sehr, man könnte die Geschichte aber mit diesem Abschlusskracher enden lassen.

Sag ich doch. Ich ahne Schlimmes.


Bei dem Titel "Weihnachtshase trifft Ostermann" habe ich eine sehr beschauliche, etwas romantische und naive Geschichte vermutet. Ich bin höchst positiv überrascht worden!

Natürlich macht es Spaß Leute zu überraschen. Aber wenn du einen etwas knalligeren Titel wählst "Das dicke Ende kommt -- zu Fasching!" oder "Wer den halben Hasen hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen!", würdest doch noch mehr Leser anlocken.

Liebe Grüße
viel Spaß und Erfolg beim Schreiben im Neuen Jahr!
Unki
unkompliziert
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Re: Weihnachtshase trifft Ostermann [DÜ]

Beitragvon brehb » 15.01.2015, 12:24

Hallo unkompliziert,

danke, dass du dir Zeit zum Lesen und Kommentiere genommen hast.
Und danke für deine Anregungen, was mir gefällt, übernehme ich gerne.

Nicht übernehmen kann ich deinen Vorschlag zur Überschrift:
Die war so vorgegeben für diese Übung.

LG brehb
[SigNat] Zu spät. Sich sputen bringst nichts
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