Wenn dich neue Ideen dazu bringen wollen aufzuhören

Diskussion zum Schriftsteller-werden.de Blog

Wenn dich neue Ideen dazu bringen wollen aufzuhören

 
Nutze dieses Thema um über folgenden Beitrag aus meinem Blog zu diskutieren:
Wenn dich neue Ideen dazu bringen wollen aufzuhören

Geht es dir auch so?
Quälen dich neue Ideen, oder der Fakt, dass deine alten Ideen “Müll” sind?
Bei mir hat “los schreiben” geholfen, was hast du schon probiert?
Was hat etwas genützt und was hat gar nichts gebracht?

von Jacky

 
Huhu Jacky,

also das sind ja genau meine Gedanken^^ Mir ging es auch immer so, dass ich meine nächste Idee immer besser gefunden habe, als die alte. Inzwischen bin ich aber auch der Meinung, dass man etwas zu Ende führen sollte, auch wenn es absoluter Quatsch ist.

Ich muss mich halt durchbeißen und selber in den Hintern treten, um das zu machen, aber nur so kann was draus werden. Der Vergleich mit dem Skelett ist spitze! So habe ich es noch nicht gesehen, aber ich werde in Zukunft daran denken.

Ich bin auch dazu übergeganen, neue Ideen einfach irgendwie zu notieren und nehme mir fest vor, sie später zu verwirklichen. Ich denke, man muss sich einfach selbst zwingen, weiterzuschreiben. Und noch viel wichtiger: man soll verdammt nochmal an die Idee glauben, die man hatte!

lg Alessa

von Alessa

 
Hallo,

einerseits finde ich es gut, dass du das Thema ansprichst - vor allem, weil es in letzter Zeit häufiger im Forum als Problem aufzutauchen scheint und deshalb vielleicht wirklich einmal personen- und storyunabhängig diskutiert werden könnte/sollte.
Andererseits fühle ich mich ETWAS angegriffen davon, weil ich im letzten Thread zu diesem Thema die einzige Person war, die dazu geraten hat, die Story beiseite zu legen und mir in dem letzten Thread so ziemlich alle contra geboten haben.
Auch auf die Gefahr hin, dass mir wieder alle sagen, dass sie es GANZ anders machen und ich die einzige bin mit meiner Meinung, stelle ich es nochmal ausführlicher dar als im letzten Thread, weil ich es letztes Mal auch recht knapp formuliert habe.

Ich denke nämlich, dass hier (besonders im aktuellen Thread) zwei grundsätzliche Dinge komplett miteinander vermischt werden.

1. Ich habe eine neue Idee und finde die alte deshalb langweilig, dröge, schlecht.
2. Ich komme zu der Erkenntnis, dass meine alte Idee Müll ist.

Wenn man unter Problem 1. leidet, dann gebe ich dem Recht, was Jacky in dem Thema geschrieben hat. Ein Skelett, Rohbau bzw. eine Idee, an der man schon länger arbeitet, wirkt immer irgendwann etwas zäh. Da muss man durch. Man sagt nicht umsonst auch (und imho gehört das dazu), dass Schreiben 90 % Fleißarbeit und Schweiß und nur 10 % Kreativität ist.
Etwas deshalb wegzutun, weil man es nach einigen Monaten der Arbeit langweilig findet, halte auch ich für falsch. Eine neue Idee zu notieren und eventuell später zu verwenden, wäre auch meine Lösung dafür.

ABER:

Wenn man während der Arbeit das Gefühl bekommt, eine alte Idee ist Müll (Nr. 2), dann ist das eine Frage der Selbstkritik. Nur weil man schon etwas länger daran gearbeitet, Charaktere gebastelt und kleine Unterplots entwickelt hat, heißt das nicht, dass man nicht zur dieser Erkenntnis kommen kann.
Denn die Arbeit am Thema, an der Idee und am Plot ist es ja gerade erst, die einen dazu bringt sich in die Story hineinzuversetzen. Und oftmals kann man auch dann erst wirklich sagen, ob die Idee Müll ist, weil man sich die Konsequenzen der Idee für die Story erst überlegt hat.
Zudem bringt der Abstand zu einer neuen Idee auch erst die Objektivität, die Qualität einer Idee wirklich beurteilen zu können. Neue Dinge sind immer faszinierend. Nur weil man eine neuere Idee hat, ist die alte nicht schlecht. Aber ein gewisser Zeitabstand ermöglicht es einem oftmals anayltischer und sachlicher mit der Beurteilung einer alten Idee umzugehen.

Jetzt zu sagen, man würde an der Müll-Story festhalten, weil man schon zu viel Zeit drin stecken hat, ist in meinen Augen noch größerer Müll. Charaktere, zwischenmenschliche Probleme, kleine Miniplots ect. kann man wiederverwenden. Man muss sich auch von einer Idee lösen können, wenn man sie für Müll hält.

Ob man unter Problem 1 oder Problem 2 leidet, ist auch eine Frage dessen, wie selbstkritisch man ist und wieviel Objektivität man besitzt (absolut objektiv ist man ja nie).

Und deshalb gibt es auch kein Geheimrezept, wie man damit umgehen sollte, wenn man an einer alten Idee zweifelt. Dazu gehört einfach ein Stück Selbstanalyse: neigt man dazu, für neue Ideen immer extrem Feuer und Flamme zu sein und alles stehen und liegen zu lassen? Dann ist Jackys Rat gut. Ist man eher der analytische Typ, dann ist die Idee womöglich wirklich Müll und noch ein bisschen mehr Abstand von der alten Idee ist womöglich die bessere Wahl. Denn wenn etwas Müll ist, dann ist es Müll. Und den hebe ich zumindest auch nicht zu Hause auf. ;)

Gruß Zytra

von Zytra

 
Deine Meinung, äh, ich meine natürlich: Meine Deinung, oder so ähnlich:

Durchhalten, bis zum ENDE schreiben, nicht aufhören.
Danach kannst alles noch einmal durchgehen, von hinten nach vorne.
Zum Schluss durchlektorieren und an einen Verlag schicken.
DANACH kannst du mit einer neuen Story beginnen.

Das deine, äh, meine icke.

von jghh

 
@Zytra
Es lag nie auch nur im entferntesten in meiner Absicht, irgendjemanden anzugreifen, das tut es nie. Ich beschreibe in meinem Blog lediglich meine Erfahrungen, was mir widerfährt und wie ich damit umgehe. Ich bestehe auch nicht darauf recht zu haben. Es gibt einfach zu viele unterschiedliche Menschen da draußen und am Ende muss jeder selbst herausfinden, was seine eigene Wahrheit ist. Was du also mit meinen Beiträgen anfängst, ob du sie annimmst, sie erweiterst, umbaust oder dir denkst "hey jetzt weiß ich wie ich es nicht mache", das überlasse ich jedem Leser ganz alleine. Alles Andere wäre anmaßend.

Außerdem darf ich noch hinzufügen, dass ich den Blogbeitrag am 29. oder 30. Oktober geschrieben habe, also zu dem Zeitpunkt, wo diese Situation bei mir Akut war. Ich habe ihn dann in meine "Kiste-für-später" verfrachtet um bei der Veröffentlichung sagen zu können, was daraus geworden ist. Deshalb war ich auch überrascht, als das Thema hier irgendwo im Forum aufkam, habe mich dort nur relativ kurz, aber mit demselben Konsens geäußert. Das Erscheinen und der Inhalt des Artikels, hat aber nichts weiter mit dieser Diskussion zu tun.

Heute habe ich mich dann zur Veröffentlichung bereit gefühlt, besonders, weil das Thema gerade wieder in der NaNo-Diskussion aufgetaucht ist.

Ich finde deine Ausführungen sehr aufschlussreich und danke für deine teilweise Zustimmung. Mein Artikel bezog sich übrigens ausschließlich auf deinen ersten Punkt, "wenn der Kritiker zuschlägt", bzw. in meinem Fall war es eben die "bessere Idee".

Ich denke (insbesondere wenn man mit der Schneeflocken-Methode arbeitet) ist es fast (ich betone fast ;) ) unmöglich, dass dir zu einem so späten Zeitpunkt (nämlich genau am Tag bevor du anfangen möchtest zu schreiben) auffällt "hups meine Geschichte ist Müll". Damit möchte ich nicht bestreiten, dass es dämliche Ideen gibt. Im Gegenteil, es gibt viele davon. Aber es war nicht meine Intention über diese Müll-Ideen zu schreiben. Die Schneeflocken-Methode sollte nämlich deine Idee so erweitern und vervollständigen, dass sie eben verhindert, dass dir so spät auffällt ob deine Idee etwas taugt oder nicht.

Obwohl ... wo ich jetzt darüber nachdenke, vielleicht sollte man auch über Müllideen schreiben, ... zumindest ein ganz kleines bisschen. Ich hab mich schon oft darüber ausgelassen, dass der erste Entwurf "doof" sein darf, eben weil er noch überarbeitet wird. Und ich ringe gerade in diesem Moment noch mit mir selbst, ob ich es nicht sogar gut heißen soll, eine Müllidee aufzuschreiben.

Zwei Vorteile, die mir spontan einfallen:
  1. Es ist eine Übung, es kommt zwar Müll dabei raus, aber du kannst am Ende wenigstens sagen, 'hey, ich hab's geschafft eine Geschichte von Anfang bis Ende zu schreiben' (Das ist auch die Idee hinter dem NaNo)
  2. Du weißt (oder glaubst es zu wissen), dass deine Geschichte Müll wird. Ja, das ist auch ein Vorteil, denn es nimmt eine Menge Druck von dir. Du brauchst jetzt nichts Gutes mehr zu verfassen, du kannst ruhig schlecht schreiben. Und dadurch, dass dir dein innerer Kritiker jetzt nicht ständig auf der Pelle hockt, hat deine Kreativität endlich freie Bahn und kann sich ungehindert entfalten, so dass am Ende vielleicht etwas raus kommt, was gar kein Müll mehr ist.
Ob das jetzt wirklich Vorteile sind, das hängt vom Menschen ab. Für mich sind es Vorteile, für dich vielleicht nicht.

Mir geht es bei all der Motivation nicht darum, dass du am Ende eine geniale Geschichte verfasst (obwohl das natürlich ein wünschenswerter Nebeneffekt ist), es geht mir vor Allem darum, endlich anzufangen, endlich etwas fertig zu machen, endlich "in den Fluss" zu kommen. Und wenn wirklich Müll dabei rum kommt, dann war es wenigstens eine gute Übung, und wenn du aus dem Müll durch ein Dutzend Korrekturen "keinen Müll" machen kannst, noch viel besser.

Nicht jede Idee lohnt es sich umzusetzen, da stimme ich dir unumwunden zu. Aber manchmal lohnt es sich eine dumme Idee durchzusetzen, wenn man sowieso schon fast fertig ist.

Nicht jede falsche Entscheidung [dumme Idee] wird zu einem Fehler, wenn man bereit ist sie zu korrigieren. (so ähnlich hat es glaub ich Kennedy gesagt)

lg
Jacky ;)

von Jacky