Hallo,
einerseits finde ich es gut, dass du das Thema ansprichst - vor allem, weil es in letzter Zeit häufiger im Forum als Problem aufzutauchen scheint und deshalb vielleicht wirklich einmal personen- und storyunabhängig diskutiert werden könnte/sollte.
Andererseits fühle ich mich ETWAS angegriffen davon, weil ich im letzten Thread zu diesem Thema die einzige Person war, die dazu geraten hat, die Story beiseite zu legen und mir in dem letzten Thread so ziemlich alle contra geboten haben.
Auch auf die Gefahr hin, dass mir wieder alle sagen, dass sie es GANZ anders machen und ich die einzige bin mit meiner Meinung, stelle ich es nochmal ausführlicher dar als im letzten Thread, weil ich es letztes Mal auch recht knapp formuliert habe.
Ich denke nämlich, dass hier (besonders im aktuellen Thread) zwei grundsätzliche Dinge komplett miteinander vermischt werden.
1. Ich habe eine neue Idee und finde die alte deshalb langweilig, dröge, schlecht.
2. Ich komme zu der Erkenntnis, dass meine alte Idee Müll ist.
Wenn man unter Problem 1. leidet, dann gebe ich dem Recht, was Jacky in dem Thema geschrieben hat. Ein Skelett, Rohbau bzw. eine Idee, an der man schon länger arbeitet, wirkt immer irgendwann etwas zäh. Da muss man durch. Man sagt nicht umsonst auch (und imho gehört das dazu), dass Schreiben 90 % Fleißarbeit und Schweiß und nur 10 % Kreativität ist.
Etwas deshalb wegzutun, weil man es nach einigen Monaten der Arbeit langweilig findet, halte auch ich für falsch. Eine neue Idee zu notieren und eventuell später zu verwenden, wäre auch meine Lösung dafür.
ABER:
Wenn man während der Arbeit das Gefühl bekommt, eine alte Idee ist Müll (Nr. 2), dann ist das eine Frage der Selbstkritik. Nur weil man schon etwas länger daran gearbeitet, Charaktere gebastelt und kleine Unterplots entwickelt hat, heißt das nicht, dass man nicht zur dieser Erkenntnis kommen kann.
Denn die Arbeit am Thema, an der Idee und am Plot ist es ja gerade erst, die einen dazu bringt sich in die Story hineinzuversetzen. Und oftmals kann man auch dann erst wirklich sagen, ob die Idee Müll ist, weil man sich die Konsequenzen der Idee für die Story erst überlegt hat.
Zudem bringt der Abstand zu einer neuen Idee auch erst die Objektivität, die Qualität einer Idee wirklich beurteilen zu können. Neue Dinge sind immer faszinierend. Nur weil man eine neuere Idee hat, ist die alte nicht schlecht. Aber ein gewisser Zeitabstand ermöglicht es einem oftmals anayltischer und sachlicher mit der Beurteilung einer alten Idee umzugehen.
Jetzt zu sagen, man würde an der Müll-Story festhalten, weil man schon zu viel Zeit drin stecken hat, ist in meinen Augen noch größerer Müll. Charaktere, zwischenmenschliche Probleme, kleine Miniplots ect. kann man wiederverwenden. Man muss sich auch von einer Idee lösen können, wenn man sie für Müll hält.
Ob man unter Problem 1 oder Problem 2 leidet, ist auch eine Frage dessen, wie selbstkritisch man ist und wieviel Objektivität man besitzt (absolut objektiv ist man ja nie).
Und deshalb gibt es auch kein Geheimrezept, wie man damit umgehen sollte, wenn man an einer alten Idee zweifelt. Dazu gehört einfach ein Stück Selbstanalyse: neigt man dazu, für neue Ideen immer extrem Feuer und Flamme zu sein und alles stehen und liegen zu lassen? Dann ist Jackys Rat gut. Ist man eher der analytische Typ, dann ist die Idee womöglich wirklich Müll und noch ein bisschen mehr Abstand von der alten Idee ist womöglich die bessere Wahl. Denn wenn etwas Müll ist, dann ist es Müll. Und den hebe ich zumindest auch nicht zu Hause auf.
Gruß Zytra