[Tragik]Wenn die Wimpern Trauer tragen

Tragödien, Tragisches

[Tragik]Wenn die Wimpern Trauer tragen

Beitragvon Cloud » 21.02.2015, 15:56

Wenn die Wimpern Trauer tragen

Mit Schwung, das Geländer fest umklammert, ertastete ihr rechter Fuß die andere Seite. Die Feuchtigkeit am Boden der Dachterrasse reflektierte das Mondlicht in mildem Schein. Lara wagte den ersten Schritt. Etwas ruckartig passierte auch der andere Fuß die stählerne Grenze; übrig blieb bloß ein schmaler Absatz zwischen Zehen und Leere.
Lara schloss die Augen und nahm einen tiefen Zug der kühlen Nachtluft. Als sie die Augen wieder aufschlug, verharrte ihr Blick starr auf der anderen Rheinseite.
Nur nicht nach unten sehen.
Sie durfte jetzt kein Opfer ihrer Gefühle werden. Das Ritual war wichtiger.

Die Durchblutung der Finger kehrte allmählich zurück, ihr Griff lockerte sich, all die Vorbereitungen gaben ihr Halt. Behutsam öffnete sie das um ihren Hals baumelnde Säckchen. Hervor trat eine Wimper, die sie geschickt auf dem Zeigefinger balancierte.

Augen zu, und durch.

Die winzige Wimper wirbelte durch die Luft. Lara packte ihre Mütze, riss sie abrupt vom Kopf und schleuderte sie mit aller Kraft nach hinten. Ihr Smartphone, das am Geländer mit einem Stativ befestigt war, löste aus und bannte das erste Bild im Speicher. Die Bildbeschreibung poppte auf und forderte eine Audionachricht. Laras Schultern sackten zusammen.
»Mein Kopf braucht keinen Schutz mehr, denn zu viel Schuld schreit danach, dass alles wieder gut wird.«

Das vertraute Klicken der Versandbestätigung beruhigte Lara. Was in diesem Moment wie ein kümmerliches Wispern klang, musste im Netz einfach Wellen schlagen. Das Bild galt als Auslöser für eine Welt, in der sie nicht mehr war.

Ein kurzer Piepton signalisierte die programmierte Videoaufnahme. Lara wagte es nicht in die Linse zu schauen. Ihr Blick haftete am Ufer der anderen Rheinseite. Sie griff erneut zum Säckchen und ertastete die nächste Wimper, die auf ihrem Zeigefinger zu ruhen begann. Auch sie begab sich auf eine unerwartete Reise, während Laras andere Hand heftig am Schal zog und ihn nach hinten feuerte. Unmerklich gefestigter durchbrach sie erneut die Stille der Nacht.
»Mein Hals braucht keine Geborgenheit mehr, denn; denn ich raubte. Ich raubte einer Mutter all ihre Fürsorge.«
Wie in Trance, getrieben vom Ritual entglitt ihr nun Kleidungsstück um Kleidungsstück. Der Jacke folgten die Schuhe, den Schuhen wiederum die Socken, ja bis Lara nurnoch ihr Nachthemd blieb, nachdem selbst ihre Hose durch die Luft rotierte. Jedem einzelnen Teil entsprach dabei eine gepustete Wimper, die sie mit geschlossenen Augen der Nacht überließ. Jede Wimper widmete sie einem Schlaftrunkenen, einem schuldigen Versager.

Das Netz schlief nicht. Es reagierte und retweetete mit einer Mischung aus Mitgefühl, Argwohn und Entsetzen, was Laras Prophezeiungen bestätigte.
»Mein Körper braucht keine Verkleidung mehr, denn ich zerstörte eure Hülle mit roher Gewalt.«
Ihre Worte bebten von Zeile zu Zeile mehr, von Fetzen zu Fetzen heftiger.
»Meine Füße dürfen sich nicht mehr verstecken, denn sie waren es, die verkrampften und Gas gaben.«
Tränen schossen ihr in die Augen und kullerten übers Gesicht.
»Meine Beine verdienen keine Scheu, nur Schmerz; denn ich zerfetzte nicht nur eure drei wunderschönen Kinder, nein, auch euer verdammtes Rückenmark musste brechen - und ich? Ich?! Stehe noch immer - hier, im Jetzt!«
Die letzten Worte keuchte Lara, die eine weitere Wimper bespuckt gen Boden fliegen ließ.
Es sollte die vorerst letzte sein.

Denn etwas hatte sich hinter ihr geregt, ohne dass sie es bemerkte. An der Tür zur Dachterrasse verharrte Mitbewohner Andi, dessen glasige Augen vom Anblick überwältigt waren, reglos. Die verzweifelten Schreie und die vom Leib gerissenen Klamotten erschütterten ihn. Er schwankte und versuchte zu begreifen. Ausgerechnet heute missfiel ihm eine der legendären StarClub-Partys, weshalb er viel zu früh wieder in der WG auftauchte.

Doch es war noch nicht zu spät.

Der Sport-Student sprintete los - lautlos und beflügelt vom Rausch der Gewissheit, das Richtige zu tun. Sein Sprint glich einem torkelndem Zieleinlauf.

Fotofinish.

Andis Arme umschlossen Laras Dekollete wie ein Schraubstock.
»Hör’ doch auf, hey, hör’ doch auf dich zu wehren! Was soll das?«
Nicht der plötzliche Übergriff, auch nicht die sie umschwirrenden, wirren Worte ließen Lara erschaudern.
Andis Gestank überwältigte sie.
Ihr war schlecht, sie würgte und kreischte, um sich zu befreien. Laras Vergangenheit holte sie augenblicklich ein. Sie saß wieder am Steuer und hörte Mr. Brightside. Auf dem Rücksitz saß Andi, der sie umschlang, und nicht mehr von ihr abließ. Als ihr die Scheinwerfer entgegen schlugen, heller und immer heller, verpuffte dann doch nicht sie, irgendwie, vielmehr löste sich der Griff um ihre Brust.

Alles stand still - war es vorbei?

Lara drehte langsam den Kopf und erstarrte. Auf dem Rücksitz saß noch jemand.
»Laraya? Na, oder, soll ich besser, also, ich bin’s, Lone.«
Das stammelnde Etwas war Björn, dessen Körperspannung selbst im Sitzen fehlerhaft erschien.
»Aber du bist doch mein …«
»Nachbar von unten drunter? Oder vielleicht doch die verwandte Seele aus dem Netz, hm, oder, ja?«
Björn entsprach nicht Laras Vorstellung. Was hatte er hier zu suchen? Woher wusste er, wo …? Entsetzt bemerkte sie im Augenwinkel Andis bewusstlosen Körper.

»Er hätte es fast verdorben, weißt du, fast wäre es nicht geschehen, ja, zu deinem Wohle, oder?«
Lara umklammerte ihre Rückenlehne.
»Alles zerstört hätte er; du, dort unten, so ist es doch, so muss es doch sein, oder?«
Sie bewegte ihre Hand zum Türgriff.
»Das würde ich jetzt vielleicht nicht tun, ja, oder? Nein, wohl wirklich eher nicht tun, ja, ja?«
Bei der letzten Nachfrage erreichte Björns Stimme eine bedrohlich schrille Tonlage, die Lara in Panik versetzte. Das ganze Jahr über hatte sie einer Person vertraut, die sie beobachtete, manipulierte. Sie hatte sich einem Geschöpf geöffnet, das sie für eigene Zwecke missbrauchte.

»Die Bremsen mussten versagen, die Lenkung musste blockieren, fand ich, verstehst du? Und du, nur für dich, ich glaube, für dich, glaube ich…«
Laras Wimpern zählten zur Vergangenheit. Sie saß noch immer am Steuer, angeschnallt. Ihre Entscheidung stand fest. Sie lag bei ihr. Die ganze Welt schaute zu, es war ihr egal. Sie wandte den Kopf entschlossen nach vorne und blickte direkt ins grelle Licht der Scheinwerfer.
»Du, was hast du vor, das wirst du nicht, nein?!« Ihre Fäuste fest ums Steuer geschlungen, drückte Lara den rechten Fuß durch.
Sanft verschlang sie ein luftiger Ballon. Björn war weg, für immer.
Ja.
Cloud
 
Beiträge: 10
Registriert: 04.01.2015, 18:21

Re: Wenn die Wimpern Trauer tragen

Beitragvon Freigeborene » 21.02.2015, 19:45

Hallo erstmal :beckon:
Der Titel deiner Story hat mich sehr neugierig gemacht und deshalb konnte ich nicht anders als sie anzuklicken :XD: Das ist doch schon mal ein Erfolg würde ich sagen.
Dann habe ich mir deinen Text allerdings durchgelesen und wurde immer verwirrter und verwirrter. Und noch verwirrter, falls das überhaupt ging. Am Ende war ich so verwirrt, dass ich alles nochmal lesen musste, was eigentlich nicht sein sollte. Es ist ja schön und gut, wenn der Beginn den Leser etwas nachdenklich machen soll, aber er muss die Situation nachvollziehen können.
Ich werde mir deinen Text jetzt noch einmal zu Gemüte führen und dabei meine Kommentare abgeben :dasheye:

Mit Schwung, das Geländer fest umklammert, ertastete ihr rechter Fuß die andere Seite. Die Feuchtigkeit am Boden der Dachterrasse reflektierte das Mondlicht in mildem Schein. Lara wagte den ersten Schritt. Etwas ruckartig passierte auch der andere Fuß die stählerne Grenze; übrig blieb bloß ein schmaler Absatz zwischen Zehen und Leere.


Welche andere Seite? Das habe ich mich gefragt, habe aber keine Antwort bekommen.
Der Inhalt vom ersten Satz wiederholt sich im dritten. Lara kann den ersten Schritt ja nicht zweimal setzen :wink:
Ich schreib jetzt einfach mal, wie ich das Ganze formulieren würde: "Mit Schwung, das Geländer aber trotzdem fest umklammert, ertastete ihr rechter Fuß die andere Seite. Sie würde nun ihren zweiten Fuß hinterher setzen und hätte den ersten Schritt geschafft.
Die Dachterrasse, auf der sie sich befand, war mit einem Feuchtigkeitsfilm überzogen, der das Mondlicht reflektierte."

Die Durchblutung der Finger kehrte allmählich zurück, ihr Griff lockerte sich, all die Vorbereitungen gaben ihr Halt.


Warum war die Durchblutung ihrer Finger denn gestört? Wenn das durch das Klammern an dem Geländer kam, würde ich das durch ein "weil" deutlich machen.

Hervor trat eine Wimper


Tritt die Wimper wirklich hervor oder holt Lara sie nicht aus dem Säckchen hervor?

Augen zu, und durch.


Das Komma ist eindeutig zu viel.

Laras Schultern sackten zusammen.


Warum sacken sie zusammen? Waren sie zuvor angespannt?
Der darauf folgende Satz löst die erste Verwirrung aus.

Ihr Blick haftete am Ufer der anderen Rheinseite.


Das hattest du genau so schon einmal erwähnt. Besser: "Ihr Blick haftete immer noch am Ufer der anderen Rheinseite".

Mein Hals braucht keine Geborgenheit mehr, denn; denn ich raubte.


Mein Vorschlag: "Mein Hals braucht keine Geborgenheit mehr, denn ... denn ich raubte."

Der Jacke folgten die Schuhe, den Schuhen wiederum die Socken, ja bis Lara nurnoch ihr Nachthemd blieb, nachdem selbst ihre Hose durch die Luft rotierte.


Das ist ganz schön viel Inhalt für einen Satz, mach lieber zwei daraus.

Ihre Worte bebten von Zeile zu Zeile mehr, von Fetzen zu Fetzen heftiger.


Das "von Fetzen zu Fetzen heftiger" stört nur den Lesefluss, bringt aber keine neue inhaltliche Erkenntnis. Ich würde es streichen.

und ich? Ich?! Stehe noch immer - hier, im Jetzt!«


Nach dem zweiten ich sind das Fragezeichen und das Ausrufezeichen zu viel. Oder du musst vor stehe noch ein ich schreiben, aber so ist es grammatikalisch verkehrt.

Die letzten Worte keuchte Lara, die eine weitere Wimper bespuckt gen Boden fliegen ließ.


Der Relativsatz klingt gestelzt. Besser: "Die letzten Worte keuchte Lara, während eine weitere Wimper bespuckt Richtung Boden sank."

An der Tür zur Dachterrasse verharrte Mitbewohner Andi, dessen glasige Augen vom Anblick überwältigt waren, reglos.


Das "reglos" am Ende irritiert etwas. Schreib es besser direkt hinter Andi.

Ihr war schlecht, sie würgte und kreischte, um sich zu befreien. Laras Vergangenheit holte sie augenblicklich ein. Sie saß wieder am Steuer und hörte Mr. Brightside. Auf dem Rücksitz saß Andi, der sie umschlang, und nicht mehr von ihr abließ. Als ihr die Scheinwerfer entgegen schlugen, heller und immer heller, verpuffte dann doch nicht sie, irgendwie, vielmehr löste sich der Griff um ihre Brust.


Das verstehe ich nicht. Ich halte mich selbst ja für ganz clever, aber da blicke ich einfach nicht durch. Ich habe keine Ahnung, was da passiert ist. :(

»Laraya? Na, oder, soll ich besser, also, ich bin’s, Lone.«


Den Satz verstehe ich ebenfalls gar nicht.

Okay eigentlich verstehe ich den ganzen Rest nicht. Ich würde es gerne, weil das, was ich verstanden habe echt gut klingt.
Soweit ich das verstanden habe steht Lara auf dem Dach ihres Haus und schmeißt Wimper durch die Luft (wessen Wimpern eigentlich?) und fühlt sich schuldig wegen des Autounfalls der später folgt. Das ist dann der Teil, den ich nicht mehr verstehe.
Ich hoffe das ich helfen konnte, weil es dem Text noch an einigen Stellen an Logik fehlt. Und den Situationswechsel kann man nicht nachvollziehen.
Der erste Teil gefällt mir allerdings sehr gut und ich würde gerne erfahren, was es mit diesem Internetauftritt zu tun hat.

Liebe Grüße,
Freigeborene :dasheye:
Wunder geschehen dort, wo alle Hoffung verloren ist. Deshalb werden die stärksten Kämpfer niemals ein Wunder erleben, denn sie würden nicht aufgeben.
Freigeborene
 
Beiträge: 132
Registriert: 09.02.2015, 21:18
Blog: Blog ansehen (1)

Re: Wenn die Wimpern Trauer tragen

Beitragvon JimPhrasenlaus » 09.03.2015, 16:21

Auch von mir ein Hallo.

Auch mich hat der Titel zum Lesen bewegt und auch ich musste den Text häufiger lesen.
Ich finde den ersten Teil schon gut, Inhaltlich sehr mitreißend. Den Zweiten Teil ab

Ihr war schlecht, sie würgte und kreischte, um sich zu befreien. Laras Vergangenheit holte sie augenblicklich ein. Sie saß wieder am Steuer und hörte Mr. Brightside. Auf dem Rücksitz saß Andi, der sie umschlang, und nicht mehr von ihr abließ. Als ihr die Scheinwerfer entgegen schlugen, heller und immer heller, verpuffte dann doch nicht sie, irgendwie, vielmehr löste sich der Griff um ihre Brust.


finde ich inhaltlich auch ein wenig verwirrend. Ich habe da zumindest eine für mich logische/mögliche Interpretation, aber dazu später mehr.

Die Durchblutung der Finger kehrte allmählich zurück, ihr Griff lockerte sich, all die Vorbereitungen gaben ihr Halt.


Diese Stelle hat mir schon gut gefallen, ich finde das verdeutlicht die Anspannung ganz gut, allerdings würde ich vorher etwas einfügen, woraus hervorgeht, dass die Finger sich so sehr "verkrampfen", zb:

Anstelle von

Mit Schwung, das Geländer fest umklammert


könnte man "Mit Schwung, das Geländer krampfhaft umklammert" schreiben. Dadurch würde später besser zur Geltung kommen, warum denn die Durchblutung gestört war.

Der Jacke folgten die Schuhe, den Schuhen wiederum die Socken, ja bis Lara nurnoch ihr Nachthemd blieb, nachdem selbst ihre Hose durch die Luft rotierte.


Das finde ich ein wenig viel. Ich würde die Socken einfach entfernen:
"Der Jacke folgten die Schuhe, selbst die Hose musste rotieren, bis Lara nur noch ihr Nachthemd blieb."
So ist es ein wenig kürzer, mich selber hat die Aneinanderkettung so vieler Kleidungsstücke irritiert. Und es bleibt auch erhalten, dass die Füße nicht versteckt sein sollen.

Ihre Worte bebten von Zeile zu Zeile mehr, von Fetzen zu Fetzen heftiger.


Ich persönlich mag diese Zeile. Durch die doppelte Alliteration finde ich, erhält die gesamte Ritualbechreibung eine besondere Schwere, was letzten Endes auch das Anliegen von Lara durchaus schwerwiegender macht.

Andis Gestank überwältigte sie.


Die Zeile verwirrt mich ein wenig. Warum und wonach stinkt Andi? Ich könnte mir da höchstens, da er gerade von einer Party kommt, den typischen Kneipengeruch vorstellen. Aber ist das so schlimm, dass jemand erschaudert?

Jetzt der zweite Teil. Am Anfang war ich doch sehr irritiert, habe den Text ab "Ihr war schlecht" direkt noch zweimal gelesen. Was ich daraus verstehe ist, dass sie in einen Schockzustand gerät, sich wieder in ihrem Auto sieht, während Andi sie von hinten umklammert hält. Es scheint mir in gewisser Weise eine Rückblende zu sein, die Lara selber noch einmal in Gedanken durchlebt. Warum Björn da auf einmal auftaucht, ist mir schleierhaft.
Mein Erklärungsversuch wäre, dass sie immer noch in einer Art Schock-Trance ist, Andi sie auf die Terasse legt, nachdem er sie von da weggeholt hat, damit sie nicht die Möglichkeit bekommt zu springen. Hat Björn das im Internet beobachtet und ist zu der Terasse gelaufen, um zu verhindern, das Andi sie rettet? Hat er Andi Ohnmächtig geschlagen, oder sonst was mit ihm gemacht und ihr Geist versucht dies auf die Szene im Auto zu übertragen?
Dass Lara an der Stelle klar wird, dass Björn sie manipuliert hat, ist soweit ein spannender Moment, nur ist es mir ein Rätsel was sich da genau abspielt. Auch der Schluss, an dem Lara mit dem Auto direkt auf das andere Auto zu fährt. Da habe ich auch für mich keine logische Lösung gefunden.

Es würde mich ja schon interessieren, was sich da abspielt, weil ich den ersten Teil der Geschichte äußerst gelungen finde.

Grüße, Jim
"Hast du Spaß?"
"Ja..."
"Dann sag das doch auch deinem Gesicht!"
Benutzeravatar
JimPhrasenlaus
 
Beiträge: 44
Registriert: 07.03.2015, 17:30

Re: Wenn die Wimpern Trauer tragen

Beitragvon Cloud » 22.03.2015, 12:48

Hallo Freigeborene, hallo JimPhrasenlaus!

Vielen vielen Dank, dass ihr meinen Text nicht nur gelesen, sondern auch kommentiert habt - beide Kommentare hatten wertvolle Tipps für mich, die ich in einer neuen Version versuche umzusetzen. Aber jetzt erstmal direkt zu euren Fragen und Aussagen, die ich mit eigenen Kommentaren versuche außerordentlich zu würdigen:

Freigeborene hat geschrieben:Welche andere Seite? Das habe ich mich gefragt, habe aber keine Antwort bekommen. Der Inhalt vom ersten Satz wiederholt sich im dritten. Lara kann den ersten Schritt ja nicht zweimal setzen.
Ich schreib jetzt einfach mal, wie ich das Ganze formulieren würde: "Mit Schwung, das Geländer aber trotzdem fest umklammert, ertastete ihr rechter Fuß die andere Seite. Sie würde nun ihren zweiten Fuß hinterher setzen und hätte den ersten Schritt geschafft.
Die Dachterrasse, auf der sie sich befand, war mit einem Feuchtigkeitsfilm überzogen, der das Mondlicht reflektierte."

Gemeint war die andere Seite des Geländers. Das Geländer als Absperrung, als Hürde zur Freiheit, für den Freitod, gegen das Leben.
Der dritte Satz galt nicht als Wiederholung, sondern als Erklärung der Situation im metaphorischen Sinn. Laras Entschluss stand fest, ihr erster Schritt - hin zum Tod. Deinen Formulierungsvorschlag akzeptiere ich, werde ihn aber nicht umsetzen, da mir der Satzbau zu verschachtelt ist. Außerdem gefällt mir der Konjunktiv am Ende nicht. Lara wird ja schließlich aktiv, es ist kein Wunschdenken von ihr.
Freigeborene hat geschrieben:Warum war die Durchblutung ihrer Finger denn gestört? Wenn das durch das Klammern an dem Geländer kam, würde ich das durch ein "weil" deutlich machen.

Hier wollte ich bewusst nicht beschreiben, sondern zeigen. Deine Vermutung stimmt, es ist wegen der Umklammerung. Ich werde diesen Zustand in der neuen Version genauer beschreiben, um es noch mehr abzusichern. Ein "weil" würde das wichtige Verb im Satz nach hinten rutschen lassen. Ich weiß nicht, ich hatte mir vorgenommen, einer Verschachtelung der Sätze zu entgehen.

Freigeborene hat geschrieben:Tritt die Wimper wirklich hervor oder holt Lara sie nicht aus dem Säckchen hervor?

Schön, dass du dir diese Kleinigkeit aufgefallen ist, tatsächlich habe ich mit dieser Formulierung sehr viel Zeit verbracht - entschloss mich aber letztendlich für hervortreten, anstelle von rausholen oder rauskramen (zu umgangssprachlich). Denn auch die Wimper nimmt aktiv am Ritual, an Laras Sterbeprozess teil.

Freigeborene hat geschrieben:Warum sacken sie zusammen? [die Schultern] Waren sie zuvor angespannt?


Ja, waren sie. Lara ist anscheinend doch nicht so entschlossen und gewiss, zu sterben.

Freigeborene hat geschrieben:aber so ist es grammatikalisch verkehrt.

Generell habe ich in diesem Text versucht, die korrekte Zeichensetzung dem Lesefluss unterzuordnen. Da es dich aber zu sehr irritiert, muss ich mir da für die Zukunft etwas anderes überlegen - wieder danke für die wichtigen Hinweise!


Freigeborene hat geschrieben:
Cloud hat geschrieben: Ihr war schlecht, sie würgte und kreischte, um sich zu befreien. Laras Vergangenheit holte sie augenblicklich ein. Sie saß wieder am Steuer und hörte Mr. Brightside. Auf dem Rücksitz saß Andi, der sie umschlang, und nicht mehr von ihr abließ. Als ihr die Scheinwerfer entgegen schlugen, heller und immer heller, verpuffte dann doch nicht sie, irgendwie, vielmehr löste sich der Griff um ihre Brust.


Das verstehe ich nicht. Ich halte mich selbst ja für ganz clever, aber da blicke ich einfach nicht durch. Ich habe keine Ahnung, was da passiert ist.


Also, eine Bitte. Ich werde das umformulieren. Hier hilft für das Verständnis aber vielleicht ein Stichwort: Flashback. Schade, dass der nicht rüberkam. JimPhrasenlaus hat es perfekt erfasst (danke!):
JimPhrasenlaus hat geschrieben:Was ich daraus verstehe ist, dass sie in einen Schockzustand gerät, sich wieder in ihrem Auto sieht, während Andi sie von hinten umklammert hält. Es scheint mir in gewisser Weise eine Rückblende zu sein, die Lara selber noch einmal in Gedanken durchlebt.

Aber leider musstet ihr beide es öfter lesen - und das kann nicht Sinn der Sache sein. Ein Text - und das ist mein Ziel, muss beim ersten Fluss in den Kopf dringen und sich dort festsetzen. Ich werde es mir zu Herzen nehmen. Der Flashback ist kausal motiviert, da Andi nach Alkohol stinkt. Der Alkoholdunst löst in Lara etwas aus...

JimPhrasenlaus hat geschrieben:Warum Björn da auf einmal auftaucht, ist mir schleierhaft.

Jetzt folgt der Teil mit Björn, den werde ich hier nicht erklären. Vielmehr werde ich versuchen, das besser auszuarbeiten. Ich würde euch beide,liebe Freigeborene und lieber JimPhrasenlaus - und natürlich alle anderen, die über diese Zeilen stolpern, bitten, den Text nochmal zu lesen. Eure Empfindungen und Gedanken wären GOLDWERT! Danke schonmal!

JimPhrasenlaus hat geschrieben:Mein Erklärungsversuch wäre, dass sie immer noch in einer Art Schock-Trance ist,

Stimmt genau!
JimPhrasenlaus hat geschrieben:Andi sie auf die Terasse legt, nachdem er sie von da weggeholt hat, damit sie nicht die Möglichkeit bekommt zu springen.

Nicht ganz, er hielt sie ja umklammert - doch dann funkte jemand ("Björn") unerwartet dazwischen. Meine Intention war es hier, zwei Ebenen zu verweben. Die Realität, d.h. die Gegenwart am Abgrund vorm Sprung, sowie die Vergangenheit am Steuer. Lara hat Schuld wiedergutzumachen - so GLAUBT sie. Die Auflösung hat dann damit zu tun - mit dem Alkohol, der Familie mit den Kindern, den Bremsen, dem Steuer, der Manipulation usw.

JimPhrasenlaus hat geschrieben:Mein Erklärungsversuch wäre, dass sie immer noch in einer Art Schock-Trance ist, Andi sie auf die Terasse legt, nachdem er sie von da weggeholt hat, damit sie nicht die Möglichkeit bekommt zu springen. Hat Björn das im Internet beobachtet und ist zu der Terasse gelaufen, um zu verhindern, das Andi sie rettet? Hat er Andi Ohnmächtig geschlagen, oder sonst was mit ihm gemacht und ihr Geist versucht dies auf die Szene im Auto zu übertragen?
Dass Lara an der Stelle klar wird, dass Björn sie manipuliert hat, ist soweit ein spannender Moment, nur ist es mir ein Rätsel was sich da genau abspielt.

VIELEN DANK für diese tolle Interpretation - hat mir den Glauben an meinen Text wieder ein bisschen zurückgegeben, nachdem ich schon etwas erschüttert war, wie verwirrend er scheinbar ist :( Bis auf die Tatsache, dass Andi sie nicht auf die Terrasse legt, ist das aus meiner Sicht so gewesen. Die Rolle des Internets und die Live-Übertragung retten Lara das Leben. Björn alias "Lone" (Nick im Internet) taucht auf (er ist ja auch gleichzeitig der Nachbar) und will .... ja, das versuche ich besser zu zeigen beim neuen Text.

Abermals, danke! Und an alle anderen, ich bitte um mehr Feedback - das wäre fantastisch!

Beste Grüße,
Cloud
Cloud
 
Beiträge: 10
Registriert: 04.01.2015, 18:21


Zurück zu Trauriges

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste