Wer von euch ist Vegetarier und warum?

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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon champ caleb carp » 20.06.2015, 17:37

Hallo ihr Lieben. :)

Ich habe mir nicht alles durchgelesen, was ihr geschrieben habt, aber viele werden sich vermutlich hierin wiedererkennen:
"Ich möchte nicht, dass Tiere für mich leiden und sterben müssen, deshalb bin ich Vegetarier."

So habe ich auch lange gedacht, viel, viel zu lange. Zehn Jahre lang war ich Vegetarierin und habe gedacht, ich verursache kein Tierleid damit.
Letztes Jahr musste ich feststellen, dass ich zehn Jahre lang falschlag.
Nicht nur mit dem Kauf und Konsum von Fleisch (und Fisch!) bezahlt man dafür, dass Tiere gequält und getötet werden. Milch, Milchprodukte, Eier, Honig usw. sind genauso schlimm.

Seit letztem Jahr bin ich Veganerin. Ich möchte nicht Teil der Ausbeutung sein; ich möchte nicht verantwortlich dafür sein, dass Tiere gefoltert, vergewaltigt und getötet werden; dass man ihnen die Kinder wegnimmt; dass man ihnen frühzeitig die Kehle durchschneidet, obwohl sie noch Jahre und Jahrzehnte leben könnten; dass ihre Körper sie nach wenigen Jahren im Stich lassen und sie völlig ausgelaugt sind.

Genau dafür bezahlt man leider auch mit einer vegetarischen Lebensweise.
Ich werfe natürlich niemandem vor, dass er das nicht weiß. Ich habe es ja viel zu lange selbst nicht gewusst.

Ich bitte euch nur (besser: ich flehe euch an!): Informiert euch. Über Veganismus. Über die Art und Weise, wie Tiere gehalten werden. Über die Methoden der Milch-, Fleisch- und Eierindustrie.

Es ist großartig, dass die Tiere vielen von euch nicht egal sind.
Und keine Angst: Vor Mangelernährung müsst ihr euch nicht fürchten. :) Mit einer veganen Ernährung kann man alle Nährstoffe bekommen, die man braucht. Genau genommen ist sie sogar die gesündeste Ernährungsform, wenn man es richtig macht.

Wenn jemand Hilfe oder Infos braucht/will: Schickt mir doch einfach eine PN.

Vegan zu werden, war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich bin froh, keine Vegetarierin mehr zu sein. Ich wünschte nur, ich hätte meine Lebensweise viel früher geändert.
Ich lebe in meiner eigenen Welt. Aber das ist in Ordnung, man kennt mich dort.


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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon anby77 » 21.06.2015, 18:00

Vor Mangelernährung müsst ihr euch nicht fürchten. :) Mit einer veganen Ernährung kann man alle Nährstoffe bekommen, die man braucht. Genau genommen ist sie sogar die gesündeste Ernährungsform, wenn man es richtig macht.

Naja, die Experten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sind da anderer Ansicht und raten Kindern, Schwangeren und Stillenden sogar ausdrücklich von einer veganen Ernährung ab. Bestimmte Vitamine und Spurenelemente kommen bei streng veganer Kost nicht in ausreichender Menge rein und müssen per Tablette zugeführt. Eine Ernährungsweise, die das notwendig macht, kann man meiner Ansicht nach nicht gesund nennen - und "die gesündeste" erst recht nicht.
Ich möchte nicht Teil der Ausbeutung sein; ich möchte nicht verantwortlich dafür sein, dass Tiere gefoltert, vergewaltigt und getötet werden

Dann musst Du aber auch Sachen wie Kaffee, Tee, Kakao und Südfrüchte und sehr, sehr viele Gewürze von Deinem Speiseplan streichen. Denn dafür werden Menschen ausgebeutet; und auch bei angeblich fair gehandelten Produkten, kann man nicht sicher sein, dass kein Menschenblut daran klebt. Was ist mit den Tieren, deren Lebensraum ausgelöscht wird, weil ganze Landstriche mit Gewächshäusern überzogen werden, damit Du ganzjährig frische Tomaten und anderes Gemüse bekommst? Oder ernährst Du Dich im Winter nur von gut lagerfähigen Sachen wie Getreide, Hülsenfrüchten, Sauerkonserven und dergleichen?

Meiner Ansicht nach sollte bei der Ernährung nicht die Moral im Vordergrund stehen, sondern Nachhaltigkeit und - solange Menschen hungern - auch Effizienz. Viehhaltung ist ein Werkzeug, durch dessen Anwendung sich vorhandene Ressourcen deutlich effizienter nutzen lassen. Da gibt es Zusammenhänge, die sich Veganer, wenn sie die Behauptung aufstellen, Veganismus würde die Umwelt schonen, gar nicht bewusst machen. Von der Soja- oder Maispflanze z.B. sind nur bestimmte Teile für den menschlichen Verzehr geeignet. Indem man die Stängel, Blätter und was sonst noch für uns ungenießbar, unverdaulich oder sogar giftig ist, an Vieh, dessen Gedärme damit gut zurecht kommen verfüttert, macht man Ressourcen für die menschliche Ernährung verfügbar, die sonst verloren gehen würden. Zu einer effizienten Landwirtschaft gehört auch, eine Fruchtfolge zu haben, die Böden regeniert. Um Stickstoff in den Boden einzubringen, muss man Sachen wie Lupinen in der Fruchtfolge haben, die für den menschlichen Verzehr kaum geeignet sind. Die Vieh zu halten, das diese Lupinen verwerten kann, ist effizienter, als die Lupinen unterzupflügen (und gar keinen Ertrag zu haben!) oder Kunstdünger zu verwenden, der 1. dem Bauern die CO2-Bilanz verhagelt und 2. eine endliche Ressource ist. Oder einfacher ausgedrückt (vielleicht ein bisschen zu sehr): Um Böden, die von Gemüseanbau ausgelaugt wurden zu regenerieren, muss man zwischendurch Viehfutter anbauen. Das ist keine "Verschwendung von Flächen, die auf denen statt Vieh- Menschenfutter anbauen könnte". Mit Gülle zu düngen spart übrigens auch jede Menge Kunstdünger ein. Wenn dieses Abfallprodukt der Viehhaltung nicht mehr zur Verfügung stünde, ginge der Bedarf an Kunstdünger dramatisch nach oben.

Natürlich gibt es auch da Verbesserungspotentiale. In Europa und Nordamerika liegt der Fleischkonsum deutlich über dem, was nachhaltig wäre. Außerdem sind wir zu wählerisch, so dass die genutzten Mengen nicht zusammenpassen. Wenn Hähne gleich nach der Geschlechtsbestimmung geschreddert werden, weil sich ihre Aufzucht nicht lohnt, essen wir entweder zu viele Eier oder zu wenig Hähnchen. Auch dass wir von den Hähnchen, die tatsächlich bis zur Schlachtung großgezogen werden, nur die Brüste essen und die Schenkel zu nach Dumpingpreisen nach Afrika verhökern und so dortige Geflügelzüchter in den Ruin treiben, ist ein Misstand. Und über das, was an Essbarem weggeworfen wird, weil die Deutschen sich zu fein sind, was anderes als Filet und Schnitzel zu fressen, mag ich gar nicht erst nachdenken. Aber diese Dinge kann man nicht abstellen, indem man aufhört Hähnchen zu essen, sondern indem man statt immer zur Filet Brust zu greifen auch mal die Sachen verarbeitet, die der Großteil der Deutschen mittlerweile verschmäht. Und wenn ich Kaldaunen, Leber, Herz oder Schlegel esse, die sonst auf dem Müll landen oder nach Afrika verschifft würden, ist auch kein Tier meinetwegen gestorben. Und nachhaltiger als ein Sojaschnitzel, für das Regenwald gerodet wurde, ist es auch.
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon Veniya » 21.06.2015, 18:58

Ich war schon lange nicht mehr hier, aber dieser Thread hat mich neugierig gemacht.

Auch ich ernähre mich seit einiger Zeit zu 80% vegan, vegetarisch schon länger.

Meine Gründe sind vielfältig, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass man, je länger sich mit diesem Thema auseinandersetzt, auf immer mehr Missstände trifft, die in unserer Kultur fest verankert, aber womöglich nicht richtig sind und von vielen als selbstverständlich angesehen werden.

Natürlich bedeutet eine vegane Ernährung auch, darauf zu achten, sich ausgewogen zu ernähren, also darauf zu achten, die ausreichende Menge an Vitaminen, Mineralstoffen etc. zu sich zu nehmen. Das sollte auch jeder andere tun, egal für Welche Art der Ernährung er sich entscheidet. Ich nehme Vitamin B12, weil ich es durch die vegane Ernährung nicht ersetzen kann. Alles andere ist kein Problem.

Ich habe auch keine Haustiere, gehe nicht in den Zoo oder in den Zirkus und trage keine Kleidung, für die Tiere leiden bzw. sterben müssen. Aber ich verurteile auch niemanden, der es tut, denn ich habe es lange Zeit mit demselben Selbstverständnis getan wie viele andere. Es ist ein langer Prozess, den man durchmacht, und der Impuls, ihn anzustoßen muss aus jedem selbst kommen.

Mein Mann und meine Tochter entscheiden selbst, was sie essen. Und wenn das Milch, Käse oder Fleisch ist, dann habe ich auch kein Problem damit und kaufe es auch ein, achte dabei aber auf ökologische Landwirtschaft.

Ich freue mich für jeden, der diesen Weg geht - wie weit und wie konsequent auch immer - denn für mich bietet er ein großes Stück mehr Lebensqualität.

@ Anby77 Lupinen kann man essen, google mal danach. Und viele der anderen Punkte, z.B. dass man mit den Ressourcen, die für Tierhaltung und Ernährung verwendet werden, ein paar mehr Menschen satt bekäme, kannst du z.B. beim Vegetarierbund nachlesen.

Liebe Grüße,
Veniya
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon Libelle » 21.06.2015, 19:02

anby77 hat geschrieben:Viehhaltung ist ein Werkzeug, durch dessen Anwendung sich vorhandene Ressourcen deutlich effizienter nutzen lassen.

Und das möchte ich mal ganz dringend mit einem interessanten TED-Beitrag von Allan Savory untermauern. Der Mann untersucht mit seinem Forscherteam, wie man die Wüstenbildung aufhalten kann und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es – und das klingt erstmal absurd – durch temporäre Intensivtierhaltung geschehen kann.
In einigen Gegenden Afrikas hungern Menschen, weil das Gebiet schlicht unfruchtbar ist. Tierhaltung (nach Savorys Methode) könnte es diesen Menschen ermöglichen, in ihrer Heimat zu bleiben und sich vorwiegend und gleichzeitig nachhaltig von Fleisch zu ernähren. (Lässt sich natürlich nicht analog auf Europa übertragen und bedeutet nicht, dass wir jetzt täglich 1kg Fleisch konsumieren müssen.)

Auch was den Punkt anbelangt, das ganze Tier zu verwenden, stimme ich zu. Heutzutage ist der Konsum im Allgemeinen ineffizient, denn wir überproduzieren ohne Ende und picken uns nur noch Rosinen raus, während wir einen nicht unerheblichen Teil wegwerfen.

Als überzeugter Ex-Vegetarier und Ex-Fast-Veganer, der schon immer wusste, dass Tiere für den Konsum von Tierprodukten sterben, erschreckt es mich immer wieder, wieviele Menschen aus allen Wolken fallen und Vegetarier/Veganer werden, weil sie plötzlich erfahren haben, dass Tierprodukte nicht an Bäumen wächst.
Fleisch kennen sie nur »enttierlicht« in Form von hübschen Filets, Wurst oder Hack. In anderen Ländern haben Menschen ein viel bewussteres Verhältnis zum Tier, denn da liegen schonmal ganze Tierköpfe auf der Theke.

Ich beziehe den Großteil meines Fleisches aus regionaler, extensiver Tierhaltung, geschlachtet in der Region, gekauft auf dem Hof. Das kostet nicht viel mehr als beim Edeka an der Frischtheke. Der Züchter hält alte robuste Rinder- und Schweinerassen. Die sind nicht nur schmackhafter als die überzüchteten Massentierhaltungstiere, sondern dort bekomme ich auch sehr günstig Dinge, die für moderne Stadtmenschen komisch klingen: zum Beispiel Rinderzunge, Rinderbäckchen. Ich krieg dort auch gratis jede Menge Knochen. Wenn ich einen Braten mache, friere ich den Knochen ein und verkoche den irgendwann später zur Suppe. Das Fett schöpfe ich ab und verwende es erkaltet zum Braten. Supereffizient und superbillig, wenn man nicht gerade täglich ein Kilo Fleisch verputzen muss.
Eine Freundin von mir staubt dort immer gratis Schweinefett ab, das normalerweise entsorgt würde.

Viel Fleisch esse ich nicht, aber ich verwende alles, was geht. Sogar mehrfach.
Als ich noch Vegetarier war, wusste ich nichts von diesen Möglichkeiten. Wenn ich an Tiere dachte, dachte ich an Massentierhaltung, Verschwendung und PETA-Videos.

Irgendwann fragte ich mich mal beim Busfahren, was die schwarzen Rinderherden (Heckrinder) auf den Ruhrwiesen bei Hattingen machen, und fand heraus, dass die Tiere das Naturschutzgebiet effizienter abgrasen als es ein Traktor könnte. Insbesondere die bösen Herkulesstauden vernichteten sie gnadenlos.

Der Besitzer der Rinder sorgt dafür, dass die Tiere sicher sind, sorgt für sie und erschießt zwischendurch welche, um sie in seiner Hofschlachterei auseinanderzunehmen.

Ja, alles muss mal sterben. Doch für mich besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen intensiver und externsiver Tierhaltung, zwischen Gitter und Gras. Die komische Reporterin in dem Video, das ich gerade versuche wiederzufinden, hat da total den Aufstand gemacht. Der Typ hat die dann weggeschickt, um die Tiere zu erschießen. (Kann man nämlich nicht einfangen, da sie quasi wild sind.)
Aber hier habe ich noch ein anderes Video ausgebuddelt, wo man sieht, wie das Erschießen vonstatten geht. Ich glaube, in dem anderen Video hatte er schon eine mobile Schlachtbox.

Ich war noch Vegetarier, als ich mit meinem damaligen Freund auf den Hof fuhr, um dort für sein Grillen einzukaufen. Wir haben 80 Euronen hingeblättert. Seine Eltern haben einen Aufstand gemacht, weil das mitgebrachte Fleisch »so wenig« sei. Sie kannten nur das Grillzeugs aus dem Aldi für 5€, von denen sie normalerweise mehrere Packungen am Tag konsumierten.
Naja, das »wenige« Fleisch von dem Hof reichte letztlich eine ganze Woche, denn dieses Fleisch hat selbst die begeisterten Fleischesser, denen sonst drei Schnitzel nicht genug waren, gesättigt. »Wenig« war plötzlich relativ.

Vegetarier und Veganer zitieren gern den Spruch mit dem Schlachthaus aus Glas. In Essen gibt es eine Bio-Metzgerei, die man einen Ausflug mit den bösen Fleischfressern und ihren Kindern ins Schlachthaus gemacht haben, damit die sehen konnten, wie süße Tierchen für den Fleischkonsum bestialisch abgeschlachtet werden. Danach halten sie ein Grillgelage. Dat Video dazu.

Natürlich muss man jetzt nicht seinen Vegetarismus oder Veganismus aufgeben, aber man sollte meiner Meinung nach schon begreifen, dass die üblichen Quellen, aus denen man sein veganistisches Wissen bezieht, diese Seite des Tierproduktkonsums verschweigt.

Auch wird gern argumentiert, dass man mit pflanzlicher Ernährung noch viel mehr Menschen auf diesem Planeten am Leben erhalten könnte, wobei ich mich da regelmäßig frage, ob die Erde nicht schon übersättigt ist und ob mehr Essen für alle unser Problem nicht nur verschiebt. Irgendwann ist auch nicht mehr genug Platz für die Ernährung von >7 Milliarden Menschen da, mal davon abgesehen, dass man schon heute – ohne Veganismus – die vorhandenen Menschen ernähren könnte und Veganismus nicht die politischen Probleme löst, die das verhindern.
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon anby77 » 21.06.2015, 20:23

@ Anby77 Lupinen kann man essen, google mal danach. Und viele der anderen Punkte, z.B. dass man mit den Ressourcen, die für Tierhaltung und Ernährung verwendet werden, ein paar mehr Menschen satt bekäme, kannst du z.B. beim Vegetarierbund nachlesen.

Einige wenige Sorten. Die sind aber besonders anfällig für Krankheiten und Schädlinge - und bringen nicht so viel Stickstoff in den Boden ein wie die nur als Tierfutter geeigneten Sorten.

Und was das mit den Ressourcen betrifft, hast Du anscheinend nicht verstanden, worauf ich hinaus wollte. Bei sehr vielen Pflanzen, die der menschlichen Ernährung dienen, fallen Nebenprodukte an, die für den Menschen ungenießbar, unverdaulich oder giftig sind, aber als Tierfutter verwendet werden können. Beispiel Mais: Menschen können vom Mais nur die Körner essen. Wenn alle Menschen Veganer werden, ist der Rest der Pflanze - Stängel, Blätter, entkörnte Kolben - für die menschliche Ernährung verloren. Wenn man diesen "Abfall" aber häckselt und kann man ihn an Rinder, Ziegen und Schafe aber sehr wohl. Die mögen das sogar. Heißt: Wenn man Mais anbaut und aus der Ernte möglichst viel Lebensmittel für Menschen erzeugen will, holt man die Körner aus der Pflanzen und verfüttert den Rest ans Vieh.
Ich weiß, dass es heute nicht so läuft und einiges, was für Menschen nutzbar wäre, im Bauch von Tieren (oder noch schlimmer als Biosprit im Tank) landet. Da wird Verschwendung getrieben, die man meiner Ansicht nach eindämmen sollte. Aber eine Landwirtschaft, die komplett auf Vieh verzichtet, ist nicht die Lösung, weil sie die Verschwendung, die jetzt getrieben wird, nur durch andere Formen von Verschwendung ersetzt. Die sind nur für Leute, die mit Landwirtschaft wenig zu tun haben, nicht so sichtbar.
Vegetarier behaupten gerne, dass Rinder zwischen 10 und 16 kg fressen müssen, um ein Kilo Fleisch zu erzeugen und dass diese 10 bis 16 kg im Bauch von Menschen doch besser auf augehoben wären. Dass die Rinder aber nicht Maiskörner sondern Maissilage fressen, übersehen oder verschweigen sie gerne. Wenn man die Körner entfernt, ehe man den Mais siliert, erzeugt man recht große Mengen Viehfutter, ohne Menschen ein einziges Gramm Nahrung vorzuenthalten. Deshalb ist die Vorstellung, man solle doch lieber ieber Gemüse statt Viehfutter eine wirklichkeitsferne Milchmädchenrechnung. Oft baut man mit ein und derselben Pflanze beides an. Und was für den Mais gilt, gilt auch für sehr viele andere Nutzpflanzen: Es fallen Bestandteile an, die der Mensch nicht verwerten kann, sie Vieh aber schon. Und diese Anteile an Vieh zu verfüttern, heißt, Nahrungsressourcen zu erschließen, die ohne den Umweg durchs Vieh überhaupt nicht nutzbar wären. Und davon, dass nicht alle Flächen gleichermaßen landwirtschaftlich nutzbar sind, habe ich noch gar nicht angefangen. Wenn man Bergalmen Gemüse anbauen könnte, anstatt Kühe darauf weiden zu lassen, würde es getan, weil man mit Gemüse sehr viel mehr verdient als mit Milch.
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon unkompliziert » 21.06.2015, 21:35

Mmh... Tiere sind nötig um bestimme Landschaftsformen zu erhalten.

Ein hervorstechenden Grund für Desertifikation ist aber der hohe Süßwasserverbrauch. Vor allem wenn es um nicht einheimische Nutzpflanzen geht.

Aber man muss mehr Pflanzenmasse in ein Tier reinfüttern (und für dessen Gewinnung mehr Trinkwasser verbrauchen) um es zu essen, als wenn man diesselben Kalorien vegetarisch aufnehmen möchte.
Ich finde, das ist ein gewichtiger Punkt.

Solange Fleischesser auch das ganze Jahr über frisches Gemüse essen, braucht man Veganern nicht ihr Essen miesmachen.

Ich respektiere und bewundere die Selbstdisziplin von Menschen, die sich Vegan oder Vegetarisch ernähren und muss das nicht runtermachen, nur damit ich mich als Fleischesser wohler fühler.

Wobei wir beim Thema wäre:
Ich bin nicht Vegetarier sondern bemühe mich ein wenig-Fleisch-esser zu sein. -
Ich verwende nach Möglichkeit saisonale, regionale, fair gehandelte, biologische (wo ich es glaube ;) )
Produkte und sehe Leute, die das noch besser können halt als Inspiration.

In meinem Freundeskreis gibt es Landwirte und Imker. Das ist natürlich angenehm, denn ich weiß, dass es Eier von freilaufenden Hühnern sind, wenn ich sie mit eigenen Augen laufen gesehen habe.
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon champ caleb carp » 21.06.2015, 21:58

Hallo nochmal. :)

Ich habe leider keine Zeit, mich nochmal richtig ausführlich zu äußern, deshalb die Sparversion. ;)

Wenn ihr euch über Veganismus informieren wollt, geht einfach mal zu youtube und gebt da "bite size vegan" ein. Sehr informativ und empfehlenswert. Vor allem, um mit vielen Vorurteilen aufzuräumen, unter anderem auch mit diesem unsäglichen Vegane-Ernährung-ist-nicht-gesund-weil-man-supplementieren-"muss"-Mythos.

Eine Sache noch: Der Regenwald wird nicht für das Soja gerodet, das man in Sojaburgern usw. findet. Ich kaufe (hin und wieder) Bio-Soja-Produkte - die Sojabohnen dafür werden in Europa angebaut.
Der Regenwald wird aber tatsächlich für Soja gerodet: nämlich für Tierfutter.

Wen die ethische Seite des Veganismus mehr interessiert, da kann ich nur die Vorträge und Videos von Gary Yourofsky empfehlen. Einfach mal bei youtube gucken. :)

Grüße,
carp
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon Libelle » 21.06.2015, 22:29

unkompliziert hat geschrieben:Aber man muss mehr Pflanzenmasse in ein Tier reinfüttern (und für dessen Gewinnung mehr Trinkwasser verbrauchen) um es zu essen, als wenn man diesselben Kalorien vegetarisch aufnehmen möchte.
Ich finde, das ist ein gewichtiger Punkt.


Es ist ein wichtiger Punkt, wenn man sich auf wasserarme Regionen bezieht. In Westeuropa ist es so, dass der Regen die Felder wässert und das gebrauchte Wasser zurück in den Wasserkreislauf fließt. Wir verbrauchen das Trinkwasser nicht.

Laut Allan Savory ist das Hauptproblem für Wüstenbildung vor allem darin zu suchen, dass Tiere in den Gegenden ausgerottet wurden oder verschwunden sind. In dem Video erklärt er, wie das mit den Wachstumsphasen der dortigen Vegetation funktioniert. Die Pflanzen sind abhängig von (den)Tieren und umgekehrt. Die Pflanzen werden nicht mit der Gieskanne gegossen, sondern leben durch die (seltenen) Regenphasen.

Solange Fleischesser auch das ganze Jahr über frisches Gemüse essen, braucht man Veganern nicht ihr Essen miesmachen.

Wieso sollte man Veganern das Essen mies machen? Der Mensch ist ein Omnivore, nicht Carnivore. Das heißt, er muss Obst und Gemüse (und sonstige Früchte und Nüsse) essen, wenn er keine Mangelerscheinungen bekommen will.

Nur weil sich irgendwelche Esotheriker abfeiern, weil sie z.B. Krebsstatistiken in ihrem Sinne fälschen, die Hälfte von Studien unter den Tisch fallen lassen und quasi-ewiges Leben proagieren, haben sie längst nicht tierfreie Produkte für sich erfunden oder gepachtet. Die waren schon immer Teil der menschlichen Ernährung, ganz unabhängig von Ideologie.

Lediglich die Fake-Produkte sind eine vegane/vegetarische Erfindung. Die finde ich teilweise sogar ziemlich lecker. Von tierischen Grillwürstchen wird mir beispielsweise immer nach einer halben Wurst schlecht, keine Ahnung warum. Aber das vegane Würstchenzeugs kann ich gut konsumieren. Nicht alles schmeckt mir gut, aber das tun tierische Fertigprodukte auch nicht.

Problematisch wird es, wenn einem die Ideologie mit auf dem Teller serviert wird. Oder einem überhaupt einer negativ ins Essen reinredet, aus welchen Gründen auch immer.
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon Betty » 21.06.2015, 23:49

Warum?

Tiere?
I like animals. But I like them alive, not of my plate.
Ich mag Tierdokumentationen. Früher mochte ich den Zoo. Wenn ich höre, dass ein Mensch mit einem Tier einen Unfall hatte, ertappe ich mich dabei, wie ich mich zuerst um das Tier sorge, anstatt um den Menschen.
Die Welt hat sich verändert. Ich will gar nicht bestreiten, dass der Verzehr von Fleisch maßgeblich zur Entwicklung des Menschen beigetragen hat. Das kann ja stimmen. Aber zu dem Zeitpunkt hat der Mensch sein Fleisch selbst gejagt, anstatt es im Supermarkt zu kaufen; er hat es also auch wesentlich sparsamer konsumiert. Und dass die Welt sich verändert hat, ermöglicht es uns, neue Wege zu bestreiten. Mittlerweile ist es möglich, ohne Fleisch zu leben und sich dennoch gesund und ausgewogen zu ernähren. Kaum zu glauben? Probiert es aus!
Und was den Konsum von Milch betrifft - ich bin mir ziemlich sicher, dass der Mensch das einzige Lebewesen ist, das sich von der Muttermilch anderer Spezien ernährt. Schwer vorstellbar, dass die Natur das eingeplant hat.

Religiöse Gründe?
Tatsächlich bin ich ein gläubiger Mensch; ich glaube also an Gott und daran, dass er die Welt erschaffen hat (im Einklang mit der Natur). Und ja, ich denke, es ist Gottes Wille, dass wir nach bestem Wissen und Gewissen leben, dass wir so leben, wie es für alle Lebewesen das Beste ist. Er legte die Welt einst in unsere Hände und übertrug uns die Aufgabe, auf die schwächeren Lebewesen, also die Pflanzen und die Tiere, aufzupassen und sie zu beschützen. Es mag eine Zeit gegeben haben, in der wir auf das Fleisch der Tiere angewiesen waren, weil wir sonst verhungert wären.
Aber diese Zeit ist vorbei. Und ich bin überzeugt, dass Gott das genau so sieht.

Gesundheit?
Dazu äußere ich mich jetzt nicht weiter. Es ist spät, ich habe eben einen Horrorfilm geguckt, bin todmüde und es wimmelt überall nur so von Informationen zu diesem Thema.

Umwelt? Hungersnot?
Es ist spät, ich habe eben einen Horrorfilm geguckt, bin todmüde und es wimmelt überall... ach, ihr wisst schon!


Probleme
Ich finde es immer ganz witzig zu sehen, wenn omnivor lebende Menschen über missionierende Veganer oder Vegetarier klagen.
Okay, eigentlich finde ich es weniger witzig als nervig.
Ganz ehrlich: Ich verspreche euch, dass die meisten Veganer diese ganzen Grundsatzdiskussionen genauso Leid sind wie jeder normal denkende andere Mensch.

Im Sommer meines dreizehnten Lebensjahres habe ich angefangen mich vegetarisch zu ernähren; ein Jahr später bin ich auf vegan umgestiegen. Ich habe es am Anfang nur für die Tiere getan, mittlerweile tue ich es auch für die Menschen, die Umwelt und für meine Gesundheit.
In etwa einem Monat bin ich seit einem Jahr Veganerin. Und seitdem habe ich exakt sechs Personen erzählt, wie ich mich ernähre.

Person 1: Meine Mutter
Person 2: Mein Vater
Person 3: Mein Bruder
Person 4: Meine Schwester
Person 5 und Person 6: Meine besten Freundinnen

Trotzdem ist es irgendwie zu dem Rest der Menschheit (also meinem Bekanntenkreis) durchgedrungen. Und ich sage euch, ich hasse mittlerweile gemeinsame Familienfeiern! Ich hasse es, mit anderen essen zu gehen. Ich hasse es so sehr.
Man hört von vielen Veganern immer, dass es 'leicht' sei so zu leben, aber da haben sie meiner Meinung nach nicht ganz Recht. Sicher, es ist leicht sich so zu ernähren. Heutzutage ist das schlicht kein Problem mehr.
Aber so zu leben ist immer noch alles andere als einfach. Ich war bis gestern auf Klassenfahrt und am Donnerstag Abend bin ich mit ein paar Leuten aus der Klasse zum Italiener gegangen. Ich habe mich vor dem Moment gefürchtet, an dem meine Ernährungsweise wieder zum Thema wird – denn das würde sie zweifellos. Ich bestellte eine vegetarische Pizza ohne Käse, was auch kein Problem war, und versuchte den Moment, in dem der Kellner mit der Bestellung davonwuselte mit einem Themenwechsel zu überspielen, was mir nicht sonderlich gut gelang. Irgendwie kapieren viele Leute nicht, dass man als Veganer keine Lust hat, immer der Mittelpunkt des Tischgespräches zu sein. Dass man keine Lust hat, über Recht und Unrecht im Bezug auf die Tiere zu sprechen. Dass man einfach nur einen gemütlichen Abend mit Freunden verbringen möchte, und dass man nicht die typischen Fragen beantworten möchte:
Warum isst du kein Fleisch?
Aber auch keine Milch, keinen Käse? Findest du das nicht ein bisschen extrem?
Auch keinen Fisch?
Du nimmst doch bestimmt Tabletten, oder?
Ist das keine Mangelernährung?
Also, ich könnte das ja nicht...

Und immer dieselben Antworten, die allmählich etwas genervt ausfallen:
Nenn es Mitgefühl.
Nein, ich finde es nicht ein bisschen extrem.
Auch keinen Fisch.
Nein, ich nehme keine Tabletten.
Nein, das ist keine Mangelernährung.
Ja, ich weiß, dass du das nicht könntest.

Oh, und die immer gleichen Sparwitze, über die sich alle außer mir totlachen, weil sie mir zu den Ohren raushängen:
Du kannst ja dann Gras zum Nachtisch essen.
Willst du mein Salatblatt?
Brokkoli hat auch Gefühle!
Veganer essen meinem Essen das Essen weg.

Und als Veganer darf man natürlich auch nicht kontern. Wer es wagt zu sagen „Und dein Essen isst hungernden Kindern das Essen weg“ gilt gleich als missionarisch; einer, der anderen das Essen schlecht reden will.

Ja, ja, als Veganer hat man es nicht immer leicht.

Aber es gibt auch schöne Dinge:
Ich bin irgendwie fitter seit mich so ernähre.
Ich esse jeden Tag Obst und Gemüse (was früher Seltenheitswert hatte) und ich liebe es!
Ich mache wieder mehr Sport.
Ich fühle mich leichter.
Ich bin sensibler für meine Mitmenschen (und -tiere!) geworden.
Ich unterdrücke Vorurteile gegenüber fremden Dingen und schaue sie mir erst einmal genau an, ehe ich urteile.
Manchmal ernte ich tatsächlich bewundernde Blicke. Ja, es gibt Menschen, mit denen ich essen kann, ohne mich für irgendetwas rechtfertigen zu müssen und ohne dass die sich für irgendetwas rechtfertigen. Wenige Menschen zwar, aber das mag an meiner eher einzelgängerischen Art liegen – ich habe nicht sonderlich viele Bekanntschaften.

Es gibt da noch dieses eine Argument, das ich häufig zu hören bekomme, auch wenn ich echt nicht drum gebeten habe: Du weißt schon, dass, wenn alle Menschen Veganer werden, eine Überbevölkerung an Tieren herrscht, oder?

Guys, come on! Dass ist nun wirklich die mieseste ungebetene Entschuldigung, die man sich nur vorstellen kann. Als ob von heute auf morgen alle Menschen vegan würden! So naiv bin ich nun auch wieder nicht. Was ist mit den Ärzten? Was würden die machen, wenn von heute auf morgen alle kranken Menschen gesund werden würden? Sie würden ja arbeitslos werden!
Machen wir uns Gedanken darum, wenn es soweit ist.


Fazit
Im Großen und Ganzen bereue ich es nicht, mich vegan zu ernähren. Es ist die einzige Möglichkeit für mich, morgens in den Spiegel schauen zu können, ohne mich vor mir selbst zu gruseln. Es ist auch prima für Menschen, die einen Neuanfang wagen wollen. Ich glaube, das hat bei mir damals auch ein bisschen mit hineingespielt.

Oh man, ich glaube, ich habe noch längst nicht alles geschrieben, was ich zu dem Thema zu sagen habe. Aber ich bin jetzt wirklich müde... Außerdem will ich nicht mehr diskutieren. Wenn ihr wollt, legt einfach los, Leute. Ihr müsst nicht von heute auf morgen vegan oder vegetarisch werden. Denkt dran: Die Nachfrage regelt das Angebot.
Warum nicht einfach mal öfters zum Gemüse statt zum Fleisch greifen?
Sich einmal die Woche vegetarisch ernähren? Vielleicht sogar einmal die Woche vegan kochen? Das sind kleine Dinge, die jeder leisten kann, und mit denen auch jeder etwas bewirkt, das verspreche ich.

Und jetzt, bevor ich einschlafe: Bye, bye!

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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon anby77 » 22.06.2015, 00:27

Wenn ihr euch über Veganismus informieren wollt, geht einfach mal zu youtube und gebt da "bite size vegan" ein. Sehr informativ und empfehlenswert. Vor allem, um mit vielen Vorurteilen aufzuräumen, unter anderem auch mit diesem unsäglichen Vegane-Ernährung-ist-nicht-gesund-weil-man-supplementieren-"muss"-Mythos.

Hm, was ist wohl glaubhafter; eine Fachgesellschaft, die ihre Behauptung, dass man supplementieren müsse mit jeder Menge Quellen und Studien untermauert oder ein Youtube-Channel, von dessen Gesicht man nur den Vornamen erfährt und dessen aktuellstes Video sich mit dem "Vegan beim Militär" befasst (Dass das ein Thema ist, finde ich gruselig, weil es mir sagt: Menschen töten okay, Tiere töten nicht okay...)
Eine Sache noch: Der Regenwald wird nicht für das Soja gerodet, das man in Sojaburgern usw. findet. Ich kaufe (hin und wieder) Bio-Soja-Produkte - die Sojabohnen dafür werden in Europa angebaut.

Ob man das so pauschal sagen kann? Hast Du wirklich bei jedem einzelnen Sojaprodukt auf dem Markt überprüft, wo die Rohstoffe herstammen? So viele Orte an denen man Soja anbauen kann, gibt es in Europa nicht. Solange Sojaprodukte bei uns ein Nischenprodukt sind, mögen die reichen, aber was wenn es den Rang eines Grundnahrungsmittels einnähme, weil alle zu Veganern würden? Dann wäre Europa wohl auf Importe angewiesen, und dort wo Soja vom Klima her gut wächst, wird überwiegend Gen-Soja angebaut. Kann ein genmanipuliertes Produkt überhaupt bio sein?
Solange Fleischesser auch das ganze Jahr über frisches Gemüse essen, braucht man Veganern nicht ihr Essen miesmachen.

Solange Veganer mir erklären, dass mein Geige-Spielen ein Verbrechen an Tieren sei; schließlich seien ja die Saiten (wobei ich das nicht nachvollziehen kann; Nylon, Aluminium, Stahl und Silber sind meines Wissens keine Tierprodukte; aber das hat nicht interessiert), die Bespannung des Bogens, der Lack und der Leim alles Tierprodukte; lasse ich mir nicht nehmen, Veganern ebenso abseitigen Sachen aus ihrem Lebensstil vorzuhalten. Wer mit Rosshaaren (die ab an abzuschneiden den Tieren nicht schadet) und Lackläusen den Moralischen kriegt, aber Tomaten oder Erdbeeren oder sonst etwas isst, das aus dem "Mar del plastico" stammt, ist in meinen Augen ein Heuchler.
Wer glaubt, dass er keine tierischen Produkte zu sich nimmt, hieße, dass seinetwegen keine Tiere leiden würden, macht sich etwas vor. Aber meiner Erfahrung nach unterliegen viele Veganer dieser Illusion.
Ich finde es immer ganz witzig zu sehen, wenn omnivor lebende Menschen über missionierende Veganer oder Vegetarier klagen.
Okay, eigentlich finde ich es weniger witzig als nervig.
Ganz ehrlich: Ich verspreche euch, dass die meisten Veganer diese ganzen Grundsatzdiskussionen genauso Leid sind wie jeder normal denkende andere Mensch.

Mich nerven die falschen oder zumindest in ihrer Pauschalität irreführenden Behauptungen, die von missionierenden Veganern aufgestellt werden. Vor allem dieses: "Rinder fressen Menschen das Essen weg." Als Kind habe ich in der Nähe eines Milchhofes gewohnt. Ich weiß, dass die Kühe dort mit Grassilage und Kraftfutter aus Presskuchen, die bei der Herstellung von Pflanzenöl anfallen, ernährt wurden (wobei ich allerdings zugeben muss dass mein letzter Besuch dort zu lange zurück liegt, um sagen zu können, ob das heute immer noch so ist). Und ich hätte nicht übel Lust, dem nächsten Veganer, der mit dieser Behauptung um die Ecke kommt, ein paar Schüsseln davon vorzusetzen. Die Presskuchen kann ein guter Koch vielleicht in etwas nicht allzu ekelhaftes verwandeln, aber die Grassilage scheitert selbst Carême zur Verzweiflung treiben...
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon champ caleb carp » 22.06.2015, 01:21

Wenn ihr euch über Veganismus informieren wollt, geht einfach mal zu youtube und gebt da "bite size vegan" ein. Sehr informativ und empfehlenswert. Vor allem, um mit vielen Vorurteilen aufzuräumen, unter anderem auch mit diesem unsäglichen Vegane-Ernährung-ist-nicht-gesund-weil-man-supplementieren-"muss"-Mythos.

Hm, was ist wohl glaubhafter; eine Fachgesellschaft, die ihre Behauptung, dass man supplementieren müsse mit jeder Menge Quellen und Studien untermauert oder ein Youtube-Channel, von dessen Gesicht man nur den Vornamen erfährt und dessen aktuellstes Video sich mit dem "Vegan beim Militär" befasst (Dass das ein Thema ist, finde ich gruselig, weil es mir sagt: Menschen töten okay, Tiere töten nicht okay...)


Ich rate dir dringend, dir mehr als ein Video von ihr anzusehen. ;)
Sie deckt ziemlich viele Bereiche des Veganismus ab. Sie wurde von mehreren Leuten gebeten, sich dieses Themas anzunehmen, nebenbei bemerkt.

Du solltest auch einen Blick auf ihre Quellen werfen. Sie betreibt wahnsinnig viel Recherche für ihre Videos. Was ihren vollen Namen, ihren Hintergrund und ihre Quellen betrifft, das kann jeder rausfinden, der mehr als fünf Minuten mit ihrem Kanal verbringt. ;)

Hast Du wirklich bei jedem einzelnen Sojaprodukt auf dem Markt überprüft, wo die Rohstoffe herstammen? So viele Orte an denen man Soja anbauen kann, gibt es in Europa nicht. Solange Sojaprodukte bei uns ein Nischenprodukt sind, mögen die reichen, aber was wenn es den Rang eines Grundnahrungsmittels einnähme, weil alle zu Veganern würden? Dann wäre Europa wohl auf Importe angewiesen, und dort wo Soja vom Klima her gut wächst, wird überwiegend Gen-Soja angebaut. Kann ein genmanipuliertes Produkt überhaupt bio sein?


Meines Wissens nach stammt Bio-Soja generell aus Europa. Bio-Recht schließt den Einsatz von Gentechnik aus.
Nebenbei bemerkt, kein Veganer wird gezwungen, Soja zu essen. Man kann sich auch ohne Soja wunderbar vegan ernähren. Viele Veganer meiner Bekanntschaft haben bei der Umstellung von omnivorer zu veganer Ernährung massenweise Soja gegessen, aber der Konsum wurde immer weniger, je länger sie vegan waren. Ist bei mir auch so gewesen.
Das Gen-Soja wird überwiegend für Tierfutter angebaut - heißt, wenn man sich über die Vernichtung des Regenwaldes Gedanken macht, sollte man sich da zuerst um die Tierhaltung Sorgen machen.

Wer glaubt, dass er keine tierischen Produkte zu sich nimmt, hieße, dass seinetwegen keine Tiere leiden würden, macht sich etwas vor. Aber meiner Erfahrung nach unterliegen viele Veganer dieser Illusion.


Da hast du vollkommen recht. Ich kann da aber irgendwie kein sinnvolles Argument herauslesen, nicht vegan zu leben.

Mich nerven die falschen oder zumindest in ihrer Pauschalität irreführenden Behauptungen, die von missionierenden Veganern aufgestellt werden. Vor allem dieses: "Rinder fressen Menschen das Essen weg." Als Kind habe ich in der Nähe eines Milchhofes gewohnt. Ich weiß, dass die Kühe dort mit Grassilage und Kraftfutter aus Presskuchen, die bei der Herstellung von Pflanzenöl anfallen, ernährt wurden (wobei ich allerdings zugeben muss dass mein letzter Besuch dort zu lange zurück liegt, um sagen zu können, ob das heute immer noch so ist). Und ich hätte nicht übel Lust, dem nächsten Veganer, der mit dieser Behauptung um die Ecke kommt, ein paar Schüsseln davon vorzusetzen. Die Presskuchen kann ein guter Koch vielleicht in etwas nicht allzu ekelhaftes verwandeln, aber die Grassilage scheitert selbst Carême zur Verzweiflung treiben...


Die Behauptung "Rinder fressen Menschen das Essen weg" ist mir noch nie untergekommen, aber ich würde das eher im übertragenen Sinn verstehen. Klar kannst du niemandem Silage und Kraftfutter vorsetzen.
Allerdings: Die meisten Anbauflächen werden für Tierfutter verschwendet. Ich habe irgendwo gelesen (Quelle weiß ich leider nicht mehr, tut mir leid), dass Großbritannien nur noch 16% der Anbaufläche benötigen würde, wenn alle Menschen sich dort vegan ernähren würden.
Zudem ist der hohe Konsum von Tierprodukten bei uns für Hungersnöte in anderen Teilen der Welt verantwortlich.
Der Aussage "Rinder fressen uns das Essen weg" kann ich also durchaus zustimmen - bildlich gesprochen, versteht sich.
Ich lebe in meiner eigenen Welt. Aber das ist in Ordnung, man kennt mich dort.


Das Stundenglas ist abgelaufen, die Sense geschwungen... Farewell, Sir Terry.
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon SmilingSeth » 22.06.2015, 03:25

Es gibt sinnvolle Argumente vegan zu leben? Nein.
Und mal ehrlich "Tierleid!" is'n ziemlicher cockblock.

Warum sollte ich freiwillig auf etwas verzichten? I don't obey, i make decisions - wer Probleme mit der Selbstbestimmung hat, der ist eh falsch und somit ein Faschist, ich lasse mir doch nicht vorschreiben, was ich zu esse habe.

Und als in Deutschland von den Grünen und dem Vegetarierbund Deutschland der Veggieday eingeführt wurde, dafuq? Da wird eine Bevormundung auch noch mit einem Anglizismus ausgedrückt und zugleich infantilisiert. Mit so etwas geht man mir auf die Nerven.
Betty hat geschrieben:Wenn ich höre, dass ein Mensch mit einem Tier einen Unfall hatte, ertappe ich mich dabei, wie ich mich zuerst um das Tier sorge, anstatt um den Menschen.

Und jetzt kommen wir zu dem Punkt an dem man die Spreu vom Weizen trennt.
Auch wenn ich selbst der Meinung bin, es ist um viele, viele Menschen nicht Schade wenn sie durch Zufall von einem Klavier getroffen werden, oder eine Vodkaflasche verschlucken, oder an Koks ersticken.

Aber wenn man Menschenleben mit Tierleben gleichsetzt, ist es trotz allem menschenverachtend.
Aus dem Grund braucht man auch nur die Shoa, also den Holocaust erwähnen und muss nur darauf warten, bis ein selbsternannter Ritter(oder Retter) Ringelpietz als Erster so unfassbar blöd ist und den Holocaust mit der Massentierhaltung vergleicht, damit hat er sich auch schon als Idiot geoutet.

Und so funktioniert das nicht. Man kann das Tier nicht auf das Niveau des Menschen "aufwerten" ohne damit auch zusätzlich den Menschen "abzuwerten". Manche verstehen es nie: Der Mensch steht über dem Tier, er hat eine Würde von sich aus, das Tier nicht. Schmerzempfinden ungleich Würde!
Betty hat geschrieben:Die Welt hat sich verändert. Ich will gar nicht bestreiten, dass der Verzehr von Fleisch maßgeblich zur Entwicklung des Menschen beigetragen hat. Das kann ja stimmen. Aber zu dem Zeitpunkt hat der Mensch sein Fleisch selbst gejagt, anstatt es im Supermarkt zu kaufen; er hat es also auch wesentlich sparsamer konsumiert.
Und was den Konsum von Milch betrifft - ich bin mir ziemlich sicher, dass der Mensch das einzige Lebewesen ist, das sich von der Muttermilch anderer Spezien ernährt. Schwer vorstellbar, dass die Natur das eingeplant hat
Mutter Natur ist auch ziemlich verplant, es ist Mutter Natur. Und ob der Mensch nun Pflanzen oder Fleisch frisst ist heutzutage jedem selbst überlassen.

Und Fleisch hat nicht nur zur Entwicklung des Menschen beigetragen, es gibt auch die (ich liebe die) Killeraffen-Theorie wonach der Affe erst durch den Wandel zum Carnivoren zum Mensch geworden ist. Also das erst der Drang nach Fleisch und im dem Fall auch nach Gewalt, der maßgeblich größte Beitrag zur Entwicklung des Menschen war.

Betty hat geschrieben:Und ja, ich denke, es ist Gottes Wille, dass wir nach bestem Wissen und Gewissen leben, dass wir so leben, wie es für alle Lebewesen das Beste ist. Er legte die Welt einst in unsere Hände und übertrug uns die Aufgabe, auf die schwächeren Lebewesen, also die Pflanzen und die Tiere, aufzupassen und sie zu beschützen. Es mag eine Zeit gegeben haben, in der wir auf das Fleisch der Tiere angewiesen waren, weil wir sonst verhungert wären.
Aber diese Zeit ist vorbei. Und ich bin überzeugt, dass Gott das genau so sieht.

"If God didn't want us to eat animals, why did he make them out of meat?" --H. J. Simpson

Wenn du nach Gott gehst, sofern du vom einzig wahren christlichen Gott sprichst, dann wirst du die Schöpfung insofern achten, in dem du sie ihrer göttlicher Fügung zukommen lässt und sie verspeist.
“Every moving thing that lives shall be food for you.” --Genesis 9:3
“It is not what goes into the mouth that defiles a person, but what comes out of the mouth; this defiles a person.” --Matthew 15:11

Demzufolge, im Buch aller Bücher und explizit im Judentum wird geschächtet, also dort ist Tierleid und der Kehlenschnitt ein heiliger Ritus - also Gott wollte den Menschen nichts als Veganer haben.
Ich für meinen Teil bevorzuge Wotan und Cthulhu.

Betty hat geschrieben:Ganz ehrlich: Ich verspreche euch, dass die meisten Veganer diese ganzen Grundsatzdiskussionen genauso Leid sind wie jeder normal denkende andere Mensch.
Warum wurde dann dieser Thread hier erstellt? Zur Selbstbeweihräucherung?
Und es ist schon spät, aber in deinen letzen Absätzen, hast du doch tatsächlich "ihr müsst" geschrieben, erkennst du den Fehler? Du willst die Diskussion nicht, zettelst sie aber an.



Bit Size Vegan, ridiculous stupid. Und die Argumentation wonach eine vegane Ernährung die gesündeste ist, ist noch viel belämmerter. Dass ist nicht diskussionswürdig.
http://www.urgeschmack.de/la-fiorentina-fleischfrage/
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon unkompliziert » 22.06.2015, 12:08

Ich halte es nicht für sinnvoll, nur weil mir mal EIN Veganer auf die Zehen gestiegen ist, gleich auf JEDEN loszuschlagen, der mir in die Quere kommt. Aber das ist wohl mehr eine Frage der persönlichen EInstellung und Leidenschaften.

"Rinder fressen Gras. Folglich fressen sie kein menschliches Essen." ist ein bisschen kurz gedacht. - Die Frage ist: Wofür wird eine Fläche genutzt? Für den Anbau von Lebensmitteln oder für den Anbau von Tierfutter?
Abfallprodukte aus der Nahrungsmittelindustrie sind weder die Regel noch der Hauptanteil.

Libelle, größtenteils hast du Recht, dass wir in Deutschland (noch nicht einmal Europa) mit Wasser vergleichsweise gut versorgt sind.
Aber der Wasserkreislauf: Regen fällt auf die Felder, Brauchwasser wird in die Kanalisation geleitet etc - und steht uns dann als Grundwasser wieder zu Verfügung, funktioniert so leider nicht, weil das Oberflächenwasser auch durch Gülle und andere Schadstoffe zu sehr belastet ist, als dass man es ohne Aufbereitung als Trinkwasser für alle ausgeben könnte.

Ein Hauptproblem - und Kostenfaktor - großer Tiermastbetriebe ist die Entsorgung der Gülle. Damit werden Felder gedüngt, aber ein Teil davon wird ins Grundwasser gespült. (Nitratbelastung)

Ich denke es wäre händelbar, wenn Deutschland seine Fleischproduktion auf klein-aber-fein und regional umstellen könnte. Wenn jeder aber täglich billiges Einheitsfleisch essen möchte, wird das nicht ganz funktionieren.
;) Sogesehen verbessert jeder Vegetarier und Veganer den pro Kopf Durchschnitt.
unkompliziert
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon Libelle » 22.06.2015, 13:33

Betty hat geschrieben:Und was den Konsum von Milch betrifft - ich bin mir ziemlich sicher, dass der Mensch das einzige Lebewesen ist, das sich von der Muttermilch anderer Spezien ernährt. Schwer vorstellbar, dass die Natur das eingeplant hat.

»Ernähren« ist nicht ganz der korrekte Ausdruck. Ich kenne außer Säuglinge niemanden, der sich von Milch ernährt. (Eine Milch-Diät zähle ich mal nicht zu einer Ernährungsform.)
Nichtsdestotrotz trinken auch andere Tiere die Milch von Nicht-Artgenossen, denn es Milch ist eine hervorragende Nahrungsquelle, sofern man sie verträgt. Das Problem ist nur, dass die Tiere meistens an die Ressourcen nicht rankommen. Du gehst nicht mal eben zu einem milchgebenden Muttertier in freier Natur und saugst an den Zitzen herum. Das funktioniert auch als Mensch nicht.
Im Gegensatz zum Menschen halten andere Tiere in der Regel auch keine Haustiere … (Um ein paar Veganerherzen zu brechen, dass es auch »böse« Tiere gibt: Siehe die Dokumentation »Animals like us«, die Folge, in der Paviane Hundewelpen entführen.)

Ich hasse es, mit anderen essen zu gehen. Ich hasse es so sehr.

Ich kenne verschiedene Veganersorten. Es gibt solche, die sofort ausrasten, sobald das Thema Ernährung angesprochen wird. Es gibt solche, die anderen im übertragenen Sinne ins Essen spucken. Und es gibt die Souveränen, die ihr Ding machen und andere ihr Ding machen lassen.
Diese Menschen sind aber genauso in allen anderen Lebensbereichen, weshalb du diese Menschensorten auch unter Nicht-Veganern findest.

Als ich noch Vegetarier war, hatte ich NIE ein Problem mit anderen Leuten. Auch nicht in meiner Fast-Vegan-Phase. Es liegt einfach an der Art des Umgangs. Ich bin wahrlich keine sympathische Person, aber kann meine Argumente kurz und knapp rüberbringen – wahlweise mit Vorwurf oder einfach nur informativ.
Länger als 2 Minuten war nie jemand an meiner Ernährungsweise interessiert. Zu Grillfesten habe ich marinierte Pilz- und Gemüsespieße gemacht für alle. Niemand hat das in Verbindung mit Vegetarismus/Veganismus gebracht. Das war nicht »tierleidfreies« Essen, sondern einfach nur Essen. Für die Fleischessenden eben ne leckere Beilage. Und?

Ich kenne auch andere Vegetarier und Veganer, die keine Probleme haben. Wenn sie gefragt werden, erklären sie kurz und ohne Vorwürfe. Sie machen keinen Aufstand, wenn ihre Umwelt sich nicht vegan ernährt. Sie missionieren nicht. Sie zitieren keine dümmlichen und angreifbaren Quellen. In Restaurants bestellen sie dann eben einen Salat, wenn es nichts anderes gibt.
Im Gegenzug sagen sich ihre »Leichenfresser«freunde regelmäßig, dass man ja mal in ein veganes oder vegetarisches Restaurant gegen könnte, damit der Veganer/Vegetarier mal ne größere Auswahl hat. Dann verzichtet man selbst halt auch mal auf etwas. Auf Festen bereitet man dann halt auch mal was Veganes zu.

Warum sollte man sich für ein überhebliches A. krumm machen?

Einmal war ich auf einem Grillfest. Kam so ein Vegetarier vorbei: »Hey, könnt ihr meine Sojawürstchen mitgrillen?« Wir: »Klar, kein Problem. Ist es in Ordnung, wenn wir sie neben das Fleisch legen? Oder sollen wir schauen, ob wir irgendwo eine Aluschale finden?«
Dem seine Würstchen waren kein Thema auf dem von überzeugten Fleischessern dominierten Grillfest. Außer zum mal Probieren. Dass seine Würstchen von anderen nicht so gern gemocht wurden, hat den nicht gekratzt, Hauptsache ihm schmeckt’s.

Eine Veganerin, die ich kannte, war sogar so souverän, dass sie ständig allen Leuten von ihrer Wunde am Fuß erzählte, die schon seit Wochen nicht mehr heilte. Das ist dann eben die Schattenseite einer potentiellen Mangelernährung. Was bringt es, wenn sie ihre Umwelt belügt wie so viele, bei denen Veganismus plötzlich Krebs und MS heile, und die Leute später die Wahrheit herausfinden?
Vielleicht liegt ihre Einstellung daran, dass ihr die Vegangemeinschaft nicht wichtig ist, sondern dass sie aus Überzeugung für sich selbst so lebt und nicht, um anderen Veganern zu gefallen oder sich als etwas Besseres zu fühlen.
Gut, eine derart auffällige Mangelernährung muss meiner Meinung nach nicht sein. Aber sie kannte das Problem. Ihre Entscheidung. Sie hat sich nicht als Märtyrerin hingestellt.

Wer es wagt zu sagen „Und dein Essen isst hungernden Kindern das Essen weg“ gilt gleich als missionarisch; einer, der anderen das Essen schlecht reden will.

Missionarisch klingt derjenige nicht für mich, sondern ahnungslos und naiv. Ohne Tierhaltung würden die hungernden Kinder auch nichts zu essen bekommen. Genauso wenig wie es einen Einfluss auf diese Kinder hat, ob ich die Kartoffel esse oder wegwerfe.

Die »Argumente« von wegen Überbevölkerung bei Tieren … Die sind als Provokation gemeint, das weißt du schon, oder?

unkompliziert hat geschrieben:Aber der Wasserkreislauf: Regen fällt auf die Felder, Brauchwasser wird in die Kanalisation geleitet etc - und steht uns dann als Grundwasser wieder zu Verfügung, funktioniert so leider nicht, weil das Oberflächenwasser auch durch Gülle und andere Schadstoffe zu sehr belastet ist, als dass man es ohne Aufbereitung als Trinkwasser für alle ausgeben könnte.

Wasserverschmutzung ist noch einmal ein anderes Thema. Ob ich nun tierleidfreie Chemie auf die Felder schütte, die Rückstände der auch unter Veganerinnen beliebte(n) Pille(n) in die Kanalisation pinkel, landet alles irgendwie im Wasserkreislauf.
Das Thema Verschwendung, Überproduktion und Massenkonsum hat erstmal nichts mit Fleischessen oder Vegansein zu tun. Gibt auch genug fette Veganer und Vegetarier und eine Menge, die regelmäßig um die Welt fliegen. Das schlägt sich in der Statistik nur nicht so nieder, weil Veganer nur einen kleinen Anteil in der Gesamtbevölkerung ausmachen. Wenn wir morgen alle vegan würden, würden wir, davon bin ich überzeugt, trotzdem nicht plötzlich zu nachhaltigen, umweltbewussten Wesen mutieren.

@champ caleb carp
Falls du dich mal richtig mit der Materie auseinandersetzen willst und zufällig Englisch sprichst, kann ich dir den Blog Let them eat meat empfehlen. Der Betreiber des Blogs, ehemaliger Hardcore-Veganer, setzt sich dort intensiv und kritisch mit allen möglichen veganen Thesen auseinander und lässt auch viele Veganer und Ex-Veganer zu Wort kommen.
Der Blog hat nicht die Intention, irgendeinem Veganer das Vegansein abzusprechen. Es gibt auch viele Pro-Vegan-Argumente, die er unangetastet stehenlässt. Das Beste an der Sache ist, dass er viele Verlinkungen bringt, auch auf Veganerseiten, so dass du dich weiter selbst informieren kannst, ohne ihm alles glauben zu müssen. Großer Vorteil gegenüber einschlägigen Veganer-Quellen, die sich größtenteils nur selbst zitieren.
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Karl Kraus (1874 – 1936)
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon magico » 22.06.2015, 13:55

Libelle hat geschrieben:Einmal war ich auf einem Grillfest. Kam so ein Vegetarier vorbei: »Hey, könnt ihr meine Sojawürstchen mitgrillen?«


Dazu habe ich mal eine Frage: Mutet es nicht ziemlich seltsam an, wenn Veganer/Vegetarier mit so etwas wie "Veganer Leberkäse" (Paradoxon) ankommen? Sie mögen also den Geschmack von Fleisch/Wurst, essen sie aber aus moralischen Gründen nicht? Ist das konsequent oder eher so, als wenn jemand der mit Rauchen aufhören möchte und sich Nikotinpflaster aufklebt?
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