Wer von euch ist Vegetarier und warum?

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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon tattoo99 » 23.06.2015, 17:46

Das war einfach mein persönlicher Grund :)
Ich kann es einfach nicht
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon Libelle » 23.06.2015, 20:54

tattoo99 hat geschrieben:Das war einfach mein persönlicher Grund :)
Ich kann es einfach nicht

Deinen Grund will ich dir nicht absprechen. Wenn du kein Fleisch essen willst, WEIL es dich an das süße kleine Tier erinnert (Kühe sind übrigens nicht klein), das es mal war, dann ist das doch in Ordnung.
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon magico » 25.06.2015, 13:18

Hier mal die Meinung einer Spitzenköchin: http://enorm-magazin.de/vegan-ist-auch-keine-loesung
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon magico » 25.06.2015, 15:47

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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon Veniya » 25.06.2015, 16:00

Sarah Wiener hat geschrieben:Kochen Sie selber und mit natürlichen Zutaten. Kaufen Sie saisonal und regional. Und essen Sie nur ab und zu ein Stückchen Fleisch – aus artgerechter Tierhaltung!


Der Artikel trifft es ziemlich gut. Aber es ist schwer, in einen Supermarkt zu gehen und herauszufinden, was man wirklich noch mit gutem Gewissen kaufen kann. Die Lebensmittelindustrie stellt sich auf die Menschen ein, indem sie Trends abcheckt und dann Produkte herstellt, die einem oft nur vorgaukeln "echt", "saisonal" oder "regional" zu sein. Die Begriffe sind nach der Rechtsprechung sehr weit dehnbar. Selbst das Vegansiegel des Vegetarierbundes klebt auf Produkten, die Spuren von tierischen Produkten enthalten können, weil sie an denselben Produktionsstellen hergestellt werden, und achtet dabei nicht auf die Produktionsbedingungen oder andere Inhaltsstoffe wie z.B. Palmöl.

Ich beschäftige mich schon seit etwa sieben Jahren mit dem Thema Ernährung. Seit meine Tochter geboren wurde und ich das Gefühl hatte, ich müsste etwas dazu beitragen, dass auch sie auf dieser Erde noch leben kann. Inzwischen ernähre ich mich hauptsächlich vegan, vor allem weil ich nicht nachvollziehen kann, was in den Produkten drinsteckt. Vegane Ernährung heißt für mich nicht, dass ich Fertigprodukte konsumiere. Natürlich macht es keinen Sinn, seine Ernährung umzustellen, nur um denselben Schrott zu kaufen wie vorher - nur eben ohne tierische Inhaltsstoffe.

Bei mir kam die Entwicklung Schritt für Schritt. Ich koche schon seit langem selbst, stelle auch Marmeladen und Brotaufstriche selbst her, weiß aber trotzdem nicht immer, was die Kichererbse, die ich verwende, der Reis oder die Nudel oder (gutes Beispiel) die Sojamilch für ein Vorleben hatte. Letztendlich habe ich mich für die vegane Variante entschieden, weil es mir damit gesundheitlich am besten geht. Aber da muss jeder seine eigene Lösung finden; mit veganen Weltverbesserern kann auch ich nichts anfangen. Für meine Familie achte ich darauf, tierische Produkte aus einigermaßen sicheren Quellen zu kaufen.

Generell würde ich sagen: Selbst kochen, ausgewogen essen, nicht immer die gleichen Produkte kaufen, den Hersteller wechseln, keine Markenabhängigkeiten entwickeln (Stichwort: Palmöl in beliebter Nuss-Nougat-Creme) und möglichst Produkte mit einer kurzen Zutatenliste kaufen. Meiner Meinung nach könnten tierische Produkte ruhig teurer sein. Ein Hähnchen für 25 Euro esse ich dann eben nur einmal im Monat und nicht dreimal die Woche.

Das kann man zum Beispiel auch auf Kleidung übertragen. Lieber ein Shirt von guter Qualität, das unter fairen Bedingungen produziert wurde, als drei von einem Billiganbieter. So bleibt das Leben auch finanzierbar.
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon Libelle » 25.06.2015, 18:19

Lieber ein Shirt von guter Qualität, das unter fairen Bedingungen produziert wurde, als drei von einem Billiganbieter. So bleibt das Leben auch finanzierbar.

Das Witzige an der Sache ist, dass die Kleidung aus fairer Produktion – sogar welche aus Deutschland – nicht unbedingt teurer ist als so genannte Markenprodukte aus fernöstlichen Textil-Fabriken.

Klamotten von Trigema (made in Germany, nach eigenen Aussagen 100% nachhaltig) kosten genauso viel, als ob ich nach Esprit gehen würde. (Lediglich bei 100% made in Germany bin ich skeptisch, da ich bezweifle, dass sie die Baumwolle aus deutscher Produktion beziehen. »Made in Germany« heißt leider allzu oft nur »zusammengebaut in Deutschland«.)

Für meine Senmotics-Lederschuhe, produziert in Deutschland, habe ich ca. 130 Euronen gezahlt. Die halten schon seit 2012 oder so. Nicht mal die Sohle ist durchgelatscht, obwohl sie nur ein paar Millimeter dick ist.
Für meine Vivabarefoot-bisschen-Leder-Schuhe aus Fernost habe ich auch 130€ bezahlt. Obwohl ich sie erst seit gut einem halben Jahr spazieren trage, sehen sie schon aus, als hätte ich sie aus dem Altkleidercontainer gezogen. Von 50€-Alltagsschuhen bin ich gewohnt, dass ich sie mindestens 3-4 Jahre tragen kann, bevor sie auseinanderfallen.

keine Markenabhängigkeiten entwickeln (Stichwort: Palmöl in beliebter Nuss-Nougat-Creme)


Palmöl ist heutzutage in fast allem verarbeitet. Meistens steht in der Zutatenliste nur kryptisch »pflanzliche Fette/Öle«. Ob du nun Nutella kaufst oder irgendeine andere Nuss-Nougat-Creme ist in Bezug aufs Palmöl kein Unterschied. Nicht einmal auf Bioprodukten steht, aus welchen Quellen das verwendete Palmöl stammt. Bio bedeutet ja leider nicht zwangsläufig fair und/oder nachhaltig.

Das ist mit ein Grund, weshalb ich bevorzugt Butter benutze anstatt Margarine, obwohl sich die (vegane) Alsana gut in Kuchen macht und sogar billiger ist als die billigste Butter. In solchen Momenten bin ich immer unentschlossen: Milch aus einheimlischen Quellen vs. Veganes aus fragwürdigen Quellen. Möglicherweise eine Kuh leiden lassen (das Kalb wird ja bald geschlachtet) vs. Affen und anderen Tieren das Habitat unter dem Allerwertesten wegroden. Oder verzichte ich auf den Kuchen? Nicht bei allen Kuchen kann man Butter/Margarine durch Pflanzenöl ersetzen.
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon Veniya » 26.06.2015, 15:26

Libelle hat geschrieben:Palmöl ist heutzutage in fast allem verarbeitet. Meistens steht in der Zutatenliste nur kryptisch »pflanzliche Fette/Öle«. Ob du nun Nutella kaufst oder irgendeine andere Nuss-Nougat-Creme ist in Bezug aufs Palmöl kein Unterschied. Nicht einmal auf Bioprodukten steht, aus welchen Quellen das verwendete Palmöl stammt. Bio bedeutet ja leider nicht zwangsläufig fair und/oder nachhaltig.


Es gibt seit kurzem ein Gesetz, das die Hersteller dazu verpflichtet, Palmöl bzw. -fett als solches auszuweisen. Seitdem steht es überall drauf. Aber ich habe auch noch keine Nuss-Nougat-Creme gefunden, in der es nicht drin ist :(
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon Libelle » 26.06.2015, 15:37

@Veniya

Du hast recht. Seit dem 13. Dezember 2014 scheint es für alle Lebensmittel-Hersteller Pflicht zu sein, Altbestände im Lebensmittelhandel von vor dem Stichtag ausgenommen. Wieder was gelernt.
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon SmilingSeth » 26.06.2015, 15:45

Veniya hat geschrieben:
Libelle hat geschrieben:Palmöl ist heutzutage in fast allem verarbeitet. Meistens steht in der Zutatenliste nur kryptisch »pflanzliche Fette/Öle«. Ob du nun Nutella kaufst oder irgendeine andere Nuss-Nougat-Creme ist in Bezug aufs Palmöl kein Unterschied. Nicht einmal auf Bioprodukten steht, aus welchen Quellen das verwendete Palmöl stammt. Bio bedeutet ja leider nicht zwangsläufig fair und/oder nachhaltig.


Es gibt seit kurzem ein Gesetz, das die Hersteller dazu verpflichtet, Palmöl bzw. -fett als solches auszuweisen. Seitdem steht es überall drauf. Aber ich habe auch noch keine Nuss-Nougat-Creme gefunden, in der es nicht drin ist :(

http://www.amazon.de/Rigoni-Asiago-Bio- ... B003R9OV38
http://www.amazon.de/green-Bio-Nussolad ... B003R9QUWI
Ansonsten manche Biolabels strecken das Palmöl mit Sonnenblumenöl.
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon Hurri » 09.07.2015, 09:25

Wollte mir die Diskussion eigentlich nur als stiller Beobachter ansehen und war zunächst beeindruckt, dass sie zum großen Teil so ruhig und sachlich geführt wird. Aber jetzt muss ich doch mal meine Meinung äußern:

Betty hat geschrieben:
Weil nicht alles, was man zu sich nimmt, gut ist.

Adolf Hitler war angeblich(basierend auf einer realen Mutmaßung) Veganer und nahm kein Fleisch zu sich? Aber war Hitler gut?


Das ist doch keine logische Schlussfolgerung. Betty hat ja nicht gesagt, dass jeder Veganer gut ist. Nur dass das Essen, was wir zu uns nehmen, oft keine gute Qualität hat.

Es gibt keine universelle, moralische Pflicht etwas Gutes zu tun.

Stimmt.

Ob man nun aus moralischen Gründen auf Fleisch verzichtet, ist im Endeffekt nur eine Entscheidung die Auswirkungen auf die Ernährungsweisen eines Einzelnen hat. Und hier weiß ich nicht ganz, inwiefern das gut sein soll, oder gar besser als Fleisch zu essen.

Stimmt nur bedingt. Würde man ein Schwein fragen können, wäre es ihm bestimmt nicht egal, ob es gegessen wird oder nicht. Insofern betrifft meine Ernährung nicht nur mich selbst. Sie hat zudem Auswirkungen auf das Klima und vieles mehr. Wenn auch nur zu einem sehr kleinen Teil. Aber je nachdem wie viele Leute Fleisch essen oder eben nicht, sind diese Auswirkungen stärker oder eben weniger stark ausgeprägt.

Nichtsdestotrotz sollte nicht vergessen werden, dass der Mensch über eine unantastbare Würde verfügt und nicht das Tier.

Das ist kein Fakt sondern deine persönliche Meinung. Ich seh das anders.

Menschenwürde ist vor allem auch der Wert des menschlichen Lebens, dh. Kannibalismus und Menschenwürde schließen einander aus. Es sei denn, man verspeist eine unappetitlich dumme, nervige, arrogante Person.

Auch dumme, nervige, arrogante und ja selbst hässliche Menschen besitzen Würde. Sagt zumindest das Grundgesetz und ich stimme damit überein.


Und wenn du dir deinen eigenen Hipster-Glauben aufgebaut hast, dann bedeutet das nicht viel, du bist somit nicht ungleich derer die nichts sind. Du bist dann einfach nur ein Nipster, der nichts verstanden hat.
Und ich glaube persönlich, im 21. Jahrhundert hat auch Gott verstanden, dass es Hölle selbst nicht gut genug für Hipster ist.

Diese Aussage empfinde ich als beleidigend und völlig unangebracht.

btw: warum muss man eigentlich sein Fleisch selbst töten? Diese Tötung ist nicht sinnlos, denn durch diese produzieren wir Fleisch. Und Fleisch ist ein Nahrungsmittel, trägt es doch zur ausgewogenen Ernährung bei.

Vermutlich steckt dahinter der Gedanke, dass man das Fleisch mehr schätzt, wenn man das Tier dafür selbst töten muss. Leberwurst wächst nun mal nicht an Bäumen. Das wissen vermutlich die meisten, dennoch ist Fleisch oft etwas Abstraktes, das man kaum noch mit Tieren in Verbindung bringt und das Töten und die Haltung vorher dafür gedankenlos hinnimmt. Im übrigen ist Fleisch nicht grundsätzlich für eine ausgewogene Ernährung notwendig.

Mhhmm, Nein. Fleisch essen war damals und ist heute genauso okay.

Deine Meinung.

Heute ist es so, dass die Menschen nicht mehr mäßig Fleisch essen, sondern täglich. Mehrmals.
Heute ist es so, dass die Tiere massenhaft auf kleinem Raum existieren, und ebenso massenhaft abgeschlachtet werden – und zwar nicht vom Verbraucher.

Drama durch Emotion: "sondern", "mehrmals", "massenhaft", "kleiner Raum", "abgeschlachtet" ... "Klimawandel!!!"


Drama hin oder her. Dadurch wird die Aussage ja nicht falsch.
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon Deschwa92 » 26.09.2015, 23:58

Ich bin seit ich 11 bin Vegetarierin. Und das kam aus dem Nichts, es fühlte ich einfach falsch an Fleisch zu essen. Niemand verstand das damals, weder Freunde noch Familie (''Ist bestimmt wieder so eine Phase von ihr''). Heute bin ich 23 und immer noch Vegetarierin, seit einigen Monaten nun vegan.

Der Wechsel fiel mir unglaublich leicht, und ich bin sehr konsequent.

Ich glaube es hat etwas damit zu tun dass ich mit Tieren schon immer eine enge emotionale Bindung hatte. Eigentlich sogar mehr als zu Menschen. Ich weiss selbst nicht, ob das erschreckend und abartig oder gut und bewundernswert ist. Kommt wohl wie immer auf die Sichtweise an und wie man es auslegt.

Das was mich stört ist heutzutage, dass sich manche leichtfertig und aus Hypegründen dazu entscheiden Veganer/Vegetarier zu werden. Es trifft mich, wenn jemand meine ganzen Emotionen und Gedanken, die meinen Wechsel zur Veganerin begleiteten, so ins Lächerliche und Oberflächliche ziehen um bei jemandem Eindruck schinden zu wollen. Fühlt sich an, als wenn man nicht ernst genommen wird und mit einem die ganze Thematik hinter der fleischlosen Ernährung.

Schlimmer sind aber noch jene, welche anderen unbedingt unter die Nase reiben müssen dass Sie sich ''pflanzlich ernähren'' und damit ''Tiere retten''. Meist sind diese Personen sowieso nach zwei Wochen wieder zurück konvertiert. Solche Leute schaffen dumme Klischees und entziehen die Grundlage für gute und tiefsinnige Diskussionen, in dem Sie die Bereitschaft der Leute minimieren sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Und das nämlich erst dann (und jetzt kommts) wenn sie sich dazu bereit fühlen.

Ich bin mir sicher niemand würde mich als Veganer identifizieren, nicht mal auf einer Grillparty. Für das bin ich zu routiniert und weiss wie ich improvisieren kann um nicht aufzufallen. Tatsächlich haben gewisse Leute (Arbeitskollegen) erst nach fünf Jahren herausgefunden, dass ich kein Fleisch esse. Und das auch nur, weil ich es gesagt habe :D

Sorry für den Riesentext. Das Thema frustet mich manchmal.
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon Asieral » 27.09.2015, 09:22

Nichtsdestotrotz sollte nicht vergessen werden, dass der Mensch über eine unantastbare Würde verfügt und nicht das Tier.


Menschenwürde ist vor allem auch der Wert des menschlichen Lebens, dh. Kannibalismus und Menschenwürde schließen einander aus. Es sei denn, man verspeist eine unappetitlich dumme, nervige, arrogante Person.


Wie wird die Menschenwürde begründet? Im Grunde genommen ist sie nicht objektiv verifizierbar, da die diese These verteidigenden Wesen zu der dazu pertinenten Menge gehören und demnach über sich selbst aussagen, dass sie höher als eine (oder mehrere) andere Spezies stünden. Das dabei verfolgte Schema ähnelt dem des Rassismus respektive argumentiert auf gleiche Weise.
Um eine solche Differenzierung zu legitimieren müssten substanzielle Unterschiede aufgezeigt werden, die eine Höherwertung rechtfertigen, wobei hier auch in Frage zu stellen ist, was ein Wesen über ein anderes stellen kann bzw, ob es so etwas geben kann.
Peter Singer wies beispielsweise auf die Unterscheidung von Mensch und Person hin, bei welcher der Intellekt des Menschen respektive dessen Sich-Seiner-Selbst-Bewusstsein der Aspekt der Betrachtung war. Daraus folgt aber auch, dass beispielsweise geistig Behinderte(oder Neugeborene), die über dies nicht mehr verfügen, keine Personen mehr wären und somit niederer als Menschen zu setzen seien, die gleichzeitig Personen wären. Hinzu kommt, dass sie dann sozusagen auf einer Stufe mit Tieren wären. Folgt man dieser Logik, würde dies bedeuten, dass man in Zukunft auch geistig Behinderte auf den Speiseplan setzen könnte, da es keinen entscheidenden Unterschied zu sonstigen Tieren gibt. Peter Singer wird oft falsch verstanden.. er fordert nicht, Neugeborene oder geistig Behinderte zu verspeisen, sondern möchte eher darauf aufmerksam machen, dass Tiere die gleiche Behandlung wie Menschen verdienen und es keinen wirklichen Grund gibt, Mensch von Tier zu unterscheiden.

Manche mögen vielleicht anführen, dass die Tatsache, dass der Mensch darüber entscheiden kann, legitimiert, dass er darüber entscheidet. Aber dies würde auch bedeuten, dass man grundsätzlich alles richtig findet, was getan wird bzw., dass man ein Recht des Stärkeren unterstützt.
Dies scheint heutzutage leider oft gedacht zu werden. Ein Symptom davon ist beispielsweise, dass Menschen wie Alexander der "Große" oder Napoleon als glorreich bezeichnet werden. Dostojewski hat in seinem Roman "Schuld und Sühne" einen Menschen beschrieben, der die Theorie verfolgte, dass es "Läuse" (die normalen Menschen) und dann noch die Genies gäbe, die die Regeln brechen und, wenn sie Erfolg haben in die Höhe gehoben werden, bei Misserfolg aber von der Masse gelyncht werden. Die Außergewöhnlichen aber sind die, die keine Sekunde zögern würden, einen anderen zu ermorden, wenn dies notwendig für seinen eigenen Weg sei.
Dies bedeutet, dass jegliche Diskussionen zu jeglichem Thema bedeutungslos sein könnten, wenn jemand die Macht hätte, zu sagen, dass dies und nicht jenes richtig sei. Es würde bedeuten, dass es keinen Fortschritt gegeben hat und heutzutage immer noch die gleiche Denkweise existiert, die einst zu Inquisitionen geführt hat.
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon Kelpie » 02.10.2015, 12:06

Was mich seit einigen Tagen beschäftigt und was ich beim besten Willen nicht verstehe: Warum bekomme ich im Geschäft Fleisch, Wurst, Steaks für Peanuts, während Gemüse und Obst in Deutschland wirklich teuer ist? Ich falle jedes Mal von den Socken, wenn ich im sonst so billigen Land etwas Grünzeug kaufe. Da gebe ich mit Leichtigkeit das Doppelte, häufig sogar das Drei- bis Vierfache von dem aus, was ich hier im eigentlich teureren Italien bezahle.
Dafür aber wie gesagt Puten, Rinder und Schweine für ein paar Cent. Allein den Preis finde ich jenseits jeglicher Würde eines Lebewesens.
Derweilen ist auf dem Feld schon alles gewachsen, bevor die wussten, warum und wie genau es gedeiht. (Franziska Alber)
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Re: Wer von euch ist Vegetarier und warum?

Beitragvon anby77 » 02.10.2015, 22:16

Damit, dass der Preis für Fleisch pervers niedrig ist und "jenseits der Würde des Lebenwesens ist" hast Du ja Recht. Aber dass Fleisch billiger ist, sein soll als Grünzeug, deckt sich nicht mit meinen Erfahrungen. Es sei denn, man kauft ohne Rücksicht auf die Saison oder irgendwelche aus fernen Ländern eingeflogene Exoten. Deshalb frage ich mal, ob Du konkrete (am Besten aufs Kilo umgerechnete) Preisbeispiele nennen kannst, um Deine Behauptung zu untermauern.
In Supermärkten werden beim Gemüse meist Kilopreise angeschrieben, während die Preise für Fleisch und Wurst sich oft nicht aufs ganze Kilo sondern nur auf hundert Gramm beziehen. Aber die Info ist meist recht klein angeschrieben, was dazu verführt, die Basis auszublenden. Wenn bei den Birnen ein Preisschild hängt, auf dem 1,79 /kg und bei der Salami eines auf dem 1,11 /100g steht, sehen die Birnen teurer als die Salami aus; obwohl die Salami aufs Gewicht gerechnet fast zehn mal so viel kostet. Dass Birnen viel eher kiloweise kauft (das sind ja nur fünf bis sechs Stück), während ein Kilo Salami pervers viel ist, verstärkt den falschen Eindruck, dass die Salami billiger sei noch zusätzlich...
Je größer der Dachschaden, desto schöner der Ausblick zum Himmel.
(Karlheinz Deschner)
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