[Sonstiges]Wer Wind säht, wird Sturm ernten [DÜ]

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[Sonstiges]Wer Wind säht, wird Sturm ernten [DÜ]

Beitragvon brehb » 18.02.2015, 00:15

Ein düsterer Bühnenraum. Nur eine Art Hundehütten im Off. Daraus windet sich Plebeus, lumpenumhüllt, und tritt, soweit es seine Laufkette zulässt, an die Rampe. Dorthin, wo vom Ziehboden langsam ein überdimensionaler Henkersknoten herab schwebt. Links vor der Rampe lehnt an einem Hocker eine Gitarre.

Ha! Zeig dich, Tyrann! Drohst mit dem Tode mir?
Nachdem du alles nahmst was je mein Leben freute?
Familie, Friede, Freund, den guten Ruf, das Bier?
Nicht mir! Mir nicht! Nicht heute!


Von rechts erscheint der gekrönte Tyrann mit einem Megaphon umgehängt, auf Stelzen laufend.

Du hast gerufen, Plebs? Nach mir, der dich erlöste
von allem was da störend dich betörte, dich umrankte
Um Freiheit deinem Geist zu schaffen, der nur döste,
der siech an seinen irdisch' Fesseln krankte?

Oh ja, ich rief. Der Geist, von dir, wie du es nennst, befreit,
in Wahrheit aber Schnitt für Schnitt vom Leben abgetrennt,
hat sieben Jahr gehäuft, was du ihm angetan an Leid
sagt heute dir: Vorbei! Die Hütte brennt.


Aus der Art Hundehütte schlagen Flammen. Links setzt sich ein Mann auf den Hocker und greift zur Gitarre, stimmt sie nach. Der Tyrann hebt das Megaphon

Ach, wirklich? Du Plebejer drohst dem Freund, es sei vorbei?
Trotz aller Wohltat? Der Freiheit deiner extra langen Kette?
Ich lache, Würstchen. So ein Brand ist Pyrotechnerei.
Noch viele Jahre bleibst du Hund, ich wette.


Der Gitarrist zupft auf der Bassseite das berühmte Jonny Cash Intro: Dam dam dam damm da...

Nicht mehr! Nicht ich! Zu lange hast du Teufel Wind gesät
Bedenk: Es krümmt nach jedem Tritt sich selbst der Wurm
Nicht nur zum Wetten, auch zum Beten ist es dir zu spät
Jetzt erntest du den wohlverdienten Sturm


Plebeus tritt gegen eine der Stelzen, der Tyrann stürzt, das Megaphon pfeift. Plebeus reißt ihn hoch, würgt ihn wild schütteld und legt ihm schließlich den Henkersknoten um den Hals. Die Schlinge fährt nach oben, der Vorhang nach unten.

...I walk the line
Zuletzt geändert von brehb am 19.02.2015, 12:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wer Wind säht, wird Sturm ernten [DÜ]

Beitragvon Robin Schreibt » 18.02.2015, 00:47

Hallo brehb,

Cooler Text. Wirklich schöne Szene, kann ich mir gut zu nem ganzen Stück vorstellen. Besonders interesseant finde ich, dass ich mir nicht sicher bin, ob als Einführung, oder ob als Höhepunkt. So wie es ist würde ich sagen als Einführung in ein stark surreales Stück. Bilder die aneinander gereiht werden und zusammen ein größeres Ganzes ergeben.
Wenn es eher als Höhepunkt gedacht ist, finde ich dass du ein Bisschen zu brav die Form gewahrt hast. Ich fände es interessanter, wenn es keine so penible Struktur hätte. Weil der Höhepunkt ja durchaus auch einen hohen Grad an Gefühl vertragen kann und meiner Meinung nach da zu starke Form hinderlich ist. Wenigstens hätte ich das Schema mit einem anderen Schema durchbrochen. Vielleicht anderes Reimschema, andere Versanzahl, ein klarer abgegrenzter Rythmus (bin gerade bei deinem letzten Vierzeiler). Meiner Meinung nach wäre das Bild auch nochmal schöner geworden, wenn Plebs sich die Hände schmutzig macht. Mir schwebt da brachiales Erwürgen vor.
Das Lied finde ich eine erstklassige Wahl. Punkt.
Noch zwei Anregungen, die mir kamen. Erstens würde ich das "Freiheit" aus dem ersten Vierzeiler rausnehmen. Der Tyrann nimmt immer die Freiheit, deshalb brauch man es nicht fürs rationale. Und der Rythmus scheint mir ohne einfach schöner. Zweitens
Um Freiheit deinem Geist zu schaffen, der nur döste, nur siech an seinen Fesseln krankte?
zu "Um Erlösung deinem Geist zu schaffen, der nur an seiner Freiheit krankte"?

PS: Und drittens kam mir noch, dass zu überlegen wäre, ob man das schöne Bild von dem Würstchen und dem Hund im dritten noch weiter ausreizen könnte.

So, also meine Meinung: Ein Stück Text dass mir den Abend versüßt hat. Danke dafür!
Robin Schreibt
 
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Re: Wer Wind säht, wird Sturm ernten [DÜ]

Beitragvon brehb » 19.02.2015, 12:34

Hallo Robin Schreibt,

danke, das du dir die Zeit zum Lesen und Kommentieren genommen hast. Und wenn dir der Text zusagt, um so besser.

Deine Anregungen übernehme ich gerne, dort, wo sie mir zusagen oder den Text objektiv besser machen. Umgestaltung durch konkurierende Rhythmen, veränderte Verszahl oder Sprengung der Form sind allerdings Eingriffe, die ich mir lieber für Zukünftiges aufhebe.


LG brehb
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