Viele von euch wissen sicherlich, dass der Weihnachtsmann in Finnland wohnt, genauer gesagt in Lappland und noch genauer in einer kleinen, hübschen Stadt namens Rovaniemi.
In Rovaniemi ist es meist sehr kalt, doch trotzdem herrscht dort das ganze Jahr über Hochbetrieb, denn der Weihnachtsmann muss nicht nur Geschenke verteilen, sondern er muss Briefe von hunderten Kindern aus aller Welt lesen, ihre Wünsche notieren und dann die Geschenke in seinen Weihnachtswerkstätten basteln und verpacken – der Weihnachtsmann hat wirklich immer viel zu tun.
Zum Glück hat er dabei tatkräftige Unterstützung – viele Wichtel aus der ganzen Welt helfen ihm bei der Arbeit. Viele Wichtel – und die beiden Wichtelratten.
Wichtelratten?! Ratten beim Weihnachtsmann? Ja, das klingt in der Tat etwas ungewöhnlich, doch im tiefsten Lappland in Rovaniemi leben tatsächlich zwei kleine Rattenböckchen mit großen, schwarzen Kulleraugen und einem wunderhübschen braunem Fell, und diese beiden hübschen Kerlchen helfen dem Weihnachtsmann dabei, rechtzeitig die Geschenke für alle Kinder fertig zu stellen.
Nun sind Ratten aber ja eher selten in Lappland und noch seltener beim Weihnachtsmann – wie kamen die Wichtelratten also zum Weihnachtsmann?
In den letzten Jahren wünschten sich die Kinder auf der ganzen Welt immer mehr und immer kompliziertere Geschenke, so dass der Weihnachtsmann und seine Wichtel die Arbeit nicht mehr schafften. Da aber alle Kinder weiterhin ein schönes Weihnachtsfest bekommen sollten, startete der Weihnachtsmann eine Suche nach neuen Wichteln.
Ein Wichteljob beim Weihnachtsmann ist sehr beliebt, da die Frau des Weihnachtsmannes die Wichtel jeden Tag mit leckeren Köstlichkeiten versorgt, damit diese sich von der harten Arbeit erholen können.
So kam es also, dass bald viele neue Wichtel ihre Arbeit beim Weihnachtsmann anfingen.
Der Weihnachtsmann war mit allen seinen neuen Wichteln sehr zufrieden, besonders bei einem war er aber immer wieder überrascht über seine Arbeit.
Dieser Wichtel war aus Helsinki, Finnlands Hauptstadt, zum Weihnachtsmann gekommen und hatte eigentlich noch keine Wichtelerfahrung, trotzdem war er bei allen Arbeiten immer der Schnellste.
In der Holzwerkstatt bastelte dieser Wichtel immer die besten Holzspielzeuge – während die anderen Wichtel noch an der Säge schwitzten, war er bereits dabei, das Spielzeug zu lackieren.
Der Weihnachtsmann wunderte sich zwar, dass nur winzig kleine Holzspäne auf dem Boden übrig blieben und nicht größere Holzstücke wie bei den anderen Wichteln, aber Wichtel aus Helsinki hatten eben eine andere Arbeitsweise.
Auch in der Buchwerkstatt war dieser Wichtel immer als erster fertig damit, die einzelnen Buchseiten von der großen Papierrolle zu trennen und anschließend zusammen zu heften.
Seine Blätter hatten auch noch ein ganz spezielles Muster an den Seiten, das zwar etwas eigentümlich, aber sehr interessant aussah.
Und in der Textilwerkstatt, in der unter anderem Handtücher und Waschlappen gefertigt wurden, war es auch wieder dieser neue Wichtel, der seine Arbeit immer als erster beendete.
Ab und zu verschwanden zwar ein paar Stoffe oder es lagen plötzlich zerfetzte Stoffreste auf dem Boden in den Ecken der Werkstatt, aber der Weihnachtsmann glaubte, dass die Wichtelkinder sich hier einen Spaß erlaubt hatten.
Der Weihnachtsmann war also sehr glücklich, dass er diesen neuen Wichtel aus Helsinki hatte, und wollte sich für seine gute Arbeit bei ihm bedanken. Da alle Wichtel Grießbrei liebten, hatte die Frau des Weihnachtsmannes eine extra große Portion Grießbrei mit Blaubeersoße für diesen Wichtel zubereitet.
Der Weihnachtsmann ging mit der großen Schüssel voll köstlich duftendem Brei zur Holzhütte des Wichtels im Wichteldorf neben den Werkstätten, um sich bei ihm zu bedanken.
Dieser hörte sich an, was der Weihnachtsmann zu sagen hatte, lächelte dann und pfiff einmal kurz und leise auf den Fingern, woraufhin plötzlich zwei neugierig schnuppernde Näschen aus einem an der Wand hängendem Stoffbeutel hervorkamen.
“Die gute Arbeit habe nicht ich geleistet, sondern diese beiden kleinen Gesellen.“, sagte der Wichtel und deutete auf den Stoffbeutel, aus dem inzwischen hinter den braunen Näschen auch noch große, schwarze Kulleräuglein hervor lugten. „Meine beiden rattigen Freunde, Snip und Flip, haben die meiste Arbeit gemacht. Ihnen war so langweilig hier im kalten Lappland, so dass sie beschlossen haben, mir zu helfen. Snip und Flip haben das Holzspielzeug in Form genagt, sie haben mit ihren Zähnchen das Papier durchtrennt und dekoriert und sie haben auch den Stoff für die Handtücher zurecht genagt. Sie sind zwei tolle Wichtelratten!“
Der Weihnachtsmann war im ersten Moment sehr verblüfft, schmunzelte dann jedoch und stellte die Schüssel mit dem leckeren Grießbrei dann wortlos auf den kleinen Tisch vor den (mit Handtuchschnipseln) gefüllten Stoffbeutel.
Seit diesem Zeitpunkt also sind Snip und Flip offiziell als beste Gehilfen des Weihnachtmannes in den Weihnachtswerkstätten unterwegs und helfen Tag ein Tag aus fleißig bei der Herstellung der Geschenke.
Nach der Arbeit wird dann ausgiebig in der Wichtelhütte gekuschelt – natürlich erst, nachdem der Grießbrei verdrückt ist, den die beiden jetzt täglich frisch von der Frau des Weihnachtsmannes bekommen, da diese sich, wie alle anderen Wichtel auch, sofort in die beiden lustigen Wichtelratten verguckt hat.
Wenn ihr euch also mal wieder über die Zerstörungswut eurer Haustiere ärgert, denkt daran, was für einen tollen Dienst ihre Verwandten in Finnland tun und was für schöne Geschenke ihr schon durch diese Wichtelratten bekommen habt.
Fröhliche Weihnachten von Snip und Flip.
