Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon Jacky » 03.08.2015, 19:36

Badabumm hat geschrieben:
Jacky hat geschrieben:Auf Cover und Klappentext hast du als Autor aber (gewöhnlich) relativ wenig Einfluss (es sei denn, du machst Selfpublishing).
Das erste "Mittel der Kommunikation" auf das du als Autor tatsächlich einwirken kannst, ist eben der erste Satz ^^;

Naja, GENAU DAS habe ich ja geschrieben.... wozu das "aber"?

Gerade erst gesehen.
Achso :oops:
Badabumm hat geschrieben:Zum Cover und Klappentext: deren Bedeutung ist nicht zu unterschätzen. Ich schlage das Buch meist erst dann auf, wenn es durch diese beiden Filter gelaufen ist. Erst an dritter Stelle kann der Autor selbst reden - nämlich mit seinen ersten Sätzen. Genau genommen muss er einen Eindruck, der durch die Präsentation entstanden ist,schnell wieder korrigieren oder bestätigen. Der Autor kämpft schon auf der ersten Seite gegen ein Vorurteil, das den Leser eingenommen hat, bevor dieser nur ein Wort gelesen hat. Der Klappentext stammt ja meist nicht vom Schriftsteller und was der Verlag mit dem Cover angestellt hat, kann er auch nicht beeinflussen.

Ich war so auf das Wort "reden" fixiert, dass ich gedacht habe, es würde noch der Klärung bedürfen, dass er auf die anderen Dinge ja gar keinen Einfluss hat. Tut mir leid, dass ich das missverstanden habe ^^;

@Vorwort/Samira/Padrion
Vorwort kann auch einfach eine komplett andere Sichtweise sein, die später nie wieder im Buch vorkommt.

Gelegentlich werden auch fiktive Schriftstücke eingefügt, die als Grundlage für die Geschichte dienen, z.B. Zeitungsartikel, Gerichtsakten etc. (Artemis Fowl wäre so ein Beispiel 8) )
Du hast in jedem Augenblick die Freiheit zu entscheiden was wichtig ist und wie du darauf reagierst.

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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon IPatricia » 03.08.2015, 19:42

Diese kurze, spannende Stelle vorne dran zu nehmen finde ich aber nicht schlecht. Vor allem, wenn eine Geschichte eher gemächlich anfängt, kann das den Leser anstelle der ersten Seiten neugierig machen. Allerdings sollte das kein Prolog sein, sondern ein Vorwort, zumindest habe ich das so schon öfter gesehen. Bekanntestes Beispiel, das mir gerade einfällt, wäre Twilight. Ein gutes Stilmittel ist das schon, sollte aber nur eine Seite lang sein. Prologe dagegen sind in den meisten Fällen überflüssig und langweilen nur. Ein gelungener Prolog wäre einer aus den Eis und Feuer Romanen, weil etwas spannendes passiert.
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon Kari » 03.08.2015, 21:08

Zum Cover:
Durch die Gestaltung des Covers wird dem potenziellen Käufer oft die direkte Einordnung in ein Genre ermöglicht. Ich denke da beispielsweise an die schottenberockten Muskelmänner mit wallendem Haar :roll:
Aber auch an "Die Elfen", "Die Zwerge", "Die Orks", und wie sie nicht alle hießen - der Großteil der Bücher dieser Art hatte eine im Boden steckende Waffe vor mehr oder weniger nichtssagendem Hintergrund als Cover.

Ich lasse mich beim Stöbern schon von den Covern beeinflussen, gehe aber auch nach dem Titel und dem Autor. Eines von dreien muss mich ansprechen, damit ich mir das Buch genauer anschaue ( logisch ). Außer ich suche wirklich gründlich, dann nehme ich einfach jedes Buch zur Hand, das ich noch nicht kenne :wink:

Den größten Ausschlag, ob ich tatsächlich in ein Buch reinlese, gibt der Klappentext. Ich filtere dabei aber nur grob, ob mich die Geschichte in Grundzügen interessiert oder ob ich keine Lust auf noch ein Buch über Thema XY habe. Falls ja, lese ich die ersten Seiten - eben soweit, bis ich ein gewisses Gefühl für den Stil und die Konflikte des Buchs habe. Jedenfalls deutlich mehr als nur den ersten Satz.

IPatricia hat geschrieben:Diese kurze, spannende Stelle vorne dran zu nehmen finde ich aber nicht schlecht. Vor allem, wenn eine Geschichte eher gemächlich anfängt, kann das den Leser anstelle der ersten Seiten neugierig machen.


Naja, dann muss sich der Leser trotzdem durch den gemäßigten Anfang hangeln - für mich klingt es aber auch gerade nach einem langweiligen Anfang ohne Konflikt. Ein solcher wird eben nicht besser, wenn ihm eine spannende Stelle vorangestellt wird.

Davon abgesehen halte ich diese Anfänge für derart vage und ausgelutscht, dass ohnehin klar ist, dass die Interpretation, die man nach dem Lesen hat, grundsätzlich die Falsche ist. Viele Bücher führen ja erstmal auf die falsche Fährte, aber diese Art konkret finde ich etwas plump.

IPatricia hat geschrieben:Allerdings sollte das kein Prolog sein, sondern ein Vorwort, zumindest habe ich das so schon öfter gesehen. [...] Prologe dagegen sind in den meisten Fällen überflüssig und langweilen nur. Ein gelungener Prolog wäre einer aus den Eis und Feuer Romanen, weil etwas spannendes passiert.


Ein Prolog ist doch ein Vorwort? :thinking: :wary: Kannst du mir den Unterschied erläutern, den du meinst?

Ein guter Prolog ist in meinen Augen der in "Powder Monkey" von Paul Dowswell, in dem so gesehen aber nichts Spannendes passiert.
Zurückblickend erzählt malerisch malt der Erzähler ( "Ich habe gesehen wie..." ) eine Reihe von Erlebnissen, die ein ganzes Leben füllen könnten. Setzt dann einen drauf "Und das alles noch vor meinem vierzehnten Geburtstag." (Powder Monkey, Paul Dowswell), stellt sich vor, nimmt den Leser an der Hand und stürzt sich in die eigentliche Geschichte.
Das ist sogesehen auch ein Vorgriff, allerdings wird man als Leser wirklich abgeholt und nicht, wie bei der anderen Sorte, ins kalte Wasser geschmissen und eine Seite weiter erstmal gemütlich in den stickigen Shuttlebus ins Strandhotel gesetzt.
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon Badabumm » 03.08.2015, 21:22

Ein Vorwort kann man überlesen, einen Prolog nicht. Dieser gehört zur Geschichte und wird in der Regel vom Autor geschrieben, auch wenn er sich manchmal als jemand anders ausgibt. Eigentlich ist der Prolog das Kapitel 0.
Ein Vorwort ist meist eine Lobhudelei auf die tolle Geschichte, den tollen Autor und warum man es unbedingt kaufen muss.
Das ist meine ganz subjektive Meinung...

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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon Badabumm » 03.08.2015, 21:29

@Jacky :flowers:

Durch meine Arbeit als Grafiker habe ich gelernt, die Cover zu ignorieren. Das ist aber aktive Kopfarbeit und mühsam. Der Titel wirkt stärker auf mich: wenn der nicht stimmt, greife ich nicht nach dem Buch.
Inzwischen haben Rezensionen tatsächlich eine Wirkung auf die Kaufentscheidung; vor einigen Jahren war das noch nicht so. Allerdings experimentiere ich auch viel mehr als früher und lese Bücher auf Empfehlung, die ich sonst nur mit der Kneifzange angefasst hätte...

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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon Samira-Jessica » 04.08.2015, 00:11

Padrion hat geschrieben:
Samira-Jessica hat geschrieben:Kurze Frage xD
Prolog ist ja sowas wie Vorgeschichte, nicht? Oder schon ein Teil der weiteren Geschichte?

Ein Prolog ist tatsächlich so etwas wie eine Vorgeschichte oder Einleitung, wird aber von Autoren sehr frei verwendet. Manche kopieren da tatsächlich eine Seite aus der Mitte des Buches, die ihnen spannender erscheint, als der eigentliche Anfang, und stellen sie der Geschichte voran. Halte ich persönlich für eine Unsitte. Meistens geht es im Prolog jedoch um Ereignisse, die zu einer anderen Zeit oder an einem anderen Ort stattfinden, als die Haupthandlung, aber mit dieser irgendwie in Verbindung stehen. Dieser Zusammenhang offenbart sich meist erst spät im Buch.


Ah ja genau, danke! Wollte nur nochmal sicher gehen, dass ich das richtig interpretiert habe.. ;)

Danke auch an Maggi und Jacky!
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon Padrion » 04.08.2015, 09:59

IPatricia hat geschrieben:Diese kurze, spannende Stelle vorne dran zu nehmen finde ich aber nicht schlecht. Vor allem, wenn eine Geschichte eher gemächlich anfängt, kann das den Leser anstelle der ersten Seiten neugierig machen.


Nun ja, ich fände es besser, einen spannenden Anfang zu schreiben. Man kann zwar auch in der Mitte der Handlung einsteigen und die Geschichte dann mit "wie kam es dazu?" aufrollen (was in ansonsten wenig spannenden Episoden von diversen TV-Serien gerne gemacht wird), aber dann bitte nicht mit Copy & Paste arbeiten! :x

Was Cover+Klappentext vs. erster Satz angeht: Es ist schon richtig, dass erstere meist nicht vom Autor erstellt werden, das spielt aber im Grunde keine Rolle. Der Leser sieht das Raumschiff auf dem Cover und denkt sich: Aha, Unendliche Weiten. Und auch wenn sich Captain Jean-Luc im ersten Satz nur einen Tee aus dem Replikator zieht, wird er trotzdem weiterlesen, weil er fest damit rechnet, dass noch etwas kommt. :geek:
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon magico » 04.08.2015, 10:33

Padrion hat geschrieben:Nun ja, ich fände es besser, einen spannenden Anfang zu schreiben.


Wenn es die Geschichte nicht hergibt, wird das etwas schwierig. Der Autor bedient sich dann eben eines einfachen Tricks und schreibt einen spannenden Einstiegssatz. Bloß, dass dieser dann weiter hinten in der Handlung spielt.

Ich habe gerade die gleiche Problematik mit einem neuen Projekt. Der spannendste und zentrale Konflikt passiert nunmal ziemlich genau in der Mitte der Geschichte. Also überlege ich diese Szene kurz vorne anzustellen (ohne sie später allerdings im Detail zu wiederholen). Ich würde das ganz klar (auch stilistisch sowie perspektivtechnisch) abgrenzen.
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon Ankh » 04.08.2015, 11:04

Ich bin überhaupt kein Fan von diesen vorangestellten Szenen. Zum einen, weil sie komplett aus dem Zusammenhang gerissen sind, man weder mit den Figuren noch mit der Situation vertraut ist und daher überhaupt nicht weiß, warum da jetzt der Bär steppt - das verhindert schonmal, dass ich da großartig mitfühle - und mir auch noch die Spannung nimmt an der Stelle, wo es dann wirklich passiert. Das ist, als ob man mich zwingt vorzublättern :shock: was ich selbst nie tun würde. Zum anderen, weil es wie eine Warnung wirkt "Achtung, dieses Buch fängt langweilig an". Wenn der Anfang einer Geschichte langweilig ist, dann sollte man ihn überdenken. Man muss ja nicht einsteigen, wenn der Held am Hubschrauber baumelt, aber irgendeine witzige oder spannende Situation kann der Held doch sicher mal erleben. Schließlich fängt eine Geschichte da an, wo sich etwas im Leben des Prota verändert, und diese Veränderung sollte per se interessant sein. Wenn dagegen das erste interessante Geschehen erst in Kapitel 3 passiert, dann sollte man sich ernsthaft überlegen, Kapitel 1-2 zu streichen anstatt noch ein Kapitel 0 davorzuklatschen.
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon magico » 04.08.2015, 11:30

Ankh hat geschrieben:Zum einen, weil sie komplett aus dem Zusammenhang gerissen sind, man weder mit den Figuren noch mit der Situation vertraut ist und daher überhaupt nicht weiß, warum da jetzt der Bär steppt - das verhindert schonmal, dass ich da großartig mitfühle - und mir auch noch die Spannung nimmt an der Stelle, wo es dann wirklich passiert.


Das ist die Kunst. Man kann eine Situation auch ohne die später handelnden Figuren be- bzw. umschreiben.
Dass der Leser noch keinen Bezug zu irgendwelchen Charakteren hat (außer in Fortsetzungen) ist klar und daher sollte natürlich ein "in die Szene schmeißen" vermieden werden.

Wie gesagt, es kommt ganz stark auf die Geschichte an. Aber ich finde immer nur lineare Erzählungen auch ermüdend. :yawn:
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon Ankh » 04.08.2015, 11:49

Das ist die Kunst. Man kann eine Situation auch ohne die später handelnden Figuren be- bzw. umschreiben.


Na, dann weiß ich trotzdem immer noch, was passieren wird. Mag ja sein, dass das andere spannend finden, ich finds jedenfalls doof.

Wie gesagt, es kommt ganz stark auf die Geschichte an. Aber ich finde immer nur lineare Erzählungen auch ermüdend.


Linear muss es ja nicht unbedingt sein. Ein Krimi z.B. lebt davon, dass man erst ganz am Ende rekonstruiert, was ganz am Anfang (bzw vor dem Anfang) passiert ist. Aber wenn ich einer Figur folgen soll, mit ihr mitfiebern will, dann empfinde ich es als störend, in die Zukunft eben jener Person blicken zu können. Ich will erleben, was sie erlebt, nicht dasitzen und darauf warten, bis endlich die Szene kommt wo ihr Haus abbrennt, damit wir von da an endlich gemeinsam weitergehen können.
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon magico » 04.08.2015, 12:00

Ankh hat geschrieben:Na, dann weiß ich trotzdem immer noch, was passieren wird.


Ist doch nicht schlimm. Es kommt eben auf das Genre an. Wenn es zum Beispiel ein historischer Roman ist, bei dem schon im Titel bzw. beim Klappentext zu erkennen ist, was das zentrale Thema ist, weiß der Leser doch worauf er sich einlässt.

Ankh hat geschrieben:Linear muss es ja nicht unbedingt sein. Ein Krimi z.B. lebt davon, dass man erst ganz am Ende rekonstruiert, was ganz am Anfang (bzw vor dem Anfang) passiert ist.


Kommt auf die Art von Krimi an. Es gibt Krimis, da weiß man ziemlich schnell wer der Mörder ist und es geht hauptsächlich darum, wie er dingfest gemacht wird.

Ankh hat geschrieben:Aber wenn ich einer Figur folgen soll, mit ihr mitfiebern will, dann empfinde ich es als störend, in die Zukunft eben jener Person blicken zu können.


Es kann auch ein figurenübergreifendes Ereignis sein, welches die komplette Geschichte auf den Kopf stellt. Quasi ein Bergfest. Vorher/Nachher!

Ankh hat geschrieben:Ich will erleben, was sie erlebt, nicht dasitzen und darauf warten, bis endlich die Szene kommt wo ihr Haus abbrennt, damit wir von da an endlich gemeinsam weitergehen können.


Kannst du doch auch so. Teil 1) Wie kam es dazu? Teil 2) Wie geht es danach weiter bzw. wie verarbeitet die Figur dieses Ereignis?
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon Ankh » 04.08.2015, 13:34

Es ist doch ein Unterschied, ob ich weiß, worum es grob in einem Buch geht oder ob ich schon vorab von einem Ereignis erfahre, das irgendwann mittendrin passiert. Wenn dich das nicht stört ist es ja schön für dich, mich stört es.


Ich will erleben, was sie erlebt, nicht dasitzen und darauf warten, bis endlich die Szene kommt wo ihr Haus abbrennt, damit wir von da an endlich gemeinsam weitergehen können.

Kannst du doch auch so. Teil 1) Wie kam es dazu? Teil 2) Wie geht es danach weiter bzw. wie verarbeitet die Figur dieses Ereignis?


Und wenn mich nach dem Miterleben des Ereignisses erstmal mehr interessiert, wie es weitergeht, als wie es dazu kam? Dann darf ich mich erstmal durch die erste Hälfte des Buches quälen, bis ich endlich wieder an dem Punkt bin, in den man mich am Anfang kommentarlos geworfen hat, nur um mich dann wieder rauszufischen und wo ganz anders nochmal anzufangen. Sorry, aber ich habe noch kein Buch gelesen, wo diese Technik für mich funktioniert hat. Es bleibt immer irgendwie das schale Gefühl, der Autor wolle mir versichern, dass ganz bestimmt irgendwann im Buch noch was toll spannendes passiert, und ich möge doch bitte bis dahim über die langweiligen Passagen hinwegsehen. Sorry, nö. Ich will ein Buch, das mich von Anfang an fesselt. Wenn schon der Autor genau weiß, dass es das nicht tut, und auf solche Vorblenden zurückgreifen muss, dann brauch ich es gar nicht erst lesen.
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon magico » 04.08.2015, 13:39

Ankh hat geschrieben:Sorry, aber ich habe noch kein Buch gelesen, wo diese Technik für mich funktioniert hat.


Das ist deine Meinung und die will dir auch keiner streitig machen.

Ankh hat geschrieben:Es bleibt immer irgendwie das schale Gefühl, der Autor wolle mir versichern, dass ganz bestimmt irgendwann im Buch noch was toll spannendes passiert, und ich möge doch bitte bis dahim über die langweiligen Passagen hinwegsehen.


Wer sagt denn, dass die anderen Passagen langweilig sein müssen? Sie sind eventuell nur nicht als Anfang geeignet.
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon Badabumm » 04.08.2015, 18:27

Ich muss gestehen, ich drücke mich auch gerne vor Prologen. Aber im Genre SF finde ich Prologe häufiger und ich glaube, das hat einen einfachen Grund: im Prolog wird die Welt erklärt, die als Startbasis für die Geschichte steht. Diese Frage wurde hier schon mal gestellt: wie schummele ich dem Leser den Normalalltag einer fremden Welt unter, ohne Infodumping zu betreiben (jetzt benutze ich auch schon diese denglischen Wörter, tz, tz...)? Der Prota, der in dieser Welt großgeworden ist und diese kennt, hat ja keine Veranlassung, sie dem Leser andauernd zu erklären. Also müsste ein unwissender Charakter, dem immer alles erklärt werden muss, anstelle des Lesers stehen. Oder man packt alles Wichtige in einen Prolog, so dass der Leser mit einem Vorwissen in die Geschichte starten kann. Beides hat seine Berechtigung.

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