Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon Hark » 04.08.2015, 22:57

magico hat geschrieben:Das ist die Kunst.


Einspruch. Die Rückblende ist die Hilfskrücke. Die Kunst ist, die Geschichte beginnen, sie zu erzählen, und enden zu lassen - meine Meinung.
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon magico » 05.08.2015, 09:31

Hark hat geschrieben:Einspruch. Die Rückblende ist die Hilfskrücke. Die Kunst ist, die Geschichte beginnen, sie zu erzählen, und enden zu lassen - meine Meinung.


Definiere Kunst! :wink:
Es gibt einfach mehr als eine chronologische Erzählform und es gibt die entsprechenden Konsumenten für die jeweiligen Varianten. Einige mögen es linear, einige mit Prolog, andere aus verschiedenen Blickwinklen und mit Zeitsprüngen und wieder andere (zu denen ich gehöre) finden es völlig egal, solange es gut und nachvollziehbar geschrieben ist.


EDIT: Außerdem ging es nicht um Rückblenden, sondern um Voraussichten!
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon KatharinaMünz » 05.08.2015, 09:57

magico hat geschrieben:... wieder andere (zu denen ich gehöre) finden es völlig egal, solange es gut und nachvollziehbar geschrieben ist.


Wie schön. Ein Satz zum Ausdrucken, Einrahmen und an-die-Wand-Hängen.

Je älter ich werde, umso mehr stelle ich fest, dass mich Sprache, Stil und Erzähltemperatur mehr interessieren als der reine Plot. Wenn das stimmt, lese ich sogar Genres, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass es sie gab!

Um aber auf das Thema zurückzukommen:
Ganz oft stelle ich fest, dass ein Prolog, eine Rückblende nur um ihrer selbst willen hingepappt wurde.
Wenn das eine Berechtigung, einen tieferen Sinn hat - sofort.
Aber wenn es gewollt, gekünstelt rüber kommt ... Nein.

Als Autor habe ich festgestellt, dass "der erste Satz" auf gar keinen Fall der sein sollte, der zuerst geschrieben wird.
Und da ich überarbeiten hasse, habe ich mich darauf verlegt (ja, ich bin faul) meine Geschichten immer mit einem Punkt irgendwo in der Mitte des Plots zu beginnen. Mich dort "warmzuschreiben" und erst, wenn ich die Charaktere gut genug kenne, gehe ich daran, den Anfang mitsamt dem "ersten Satz" zu schreiben.

Und dann - zumindest habe ich das festgestellt - ist fast keine Überarbeitung mehr nötig.

Schöne Grüße
Katharina
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon Jacky » 07.08.2015, 10:06

Ankh hat geschrieben:Wenn schon der Autor genau weiß, dass es das nicht tut, und auf solche Vorblenden zurückgreifen muss, dann brauch ich es gar nicht erst lesen.

Ich glaube, das ist der eigentliche Punkt:
Der Autor ahnt, dass der Anfang nicht funktioniert und versucht deshalb mit dem Voranstellen einer (kopierten) Szene zu "futteln".

magico hat geschrieben:
Ankh hat geschrieben:Es bleibt immer irgendwie das schale Gefühl, der Autor wolle mir versichern, dass ganz bestimmt irgendwann im Buch noch was toll spannendes passiert, und ich möge doch bitte bis dahim über die langweiligen Passagen hinwegsehen.


Wer sagt denn, dass die anderen Passagen langweilig sein müssen? Sie sind eventuell nur nicht als Anfang geeignet.

Genau das!
Wenn etwas nicht als Anfang geeignet ist, dann kann man es nicht als Anfang nehmen. Punkt.

Das bedeutet aber noch nicht, dass ich ein Ereignis aus der Mitte nehmen muss, um den Anfang zum Funktionieren zu bringen. Das bedeutet nur, dass man anders anfangen muss.

Ich glaube, ihr habt beide recht, seid euch eigentlich auch einig und wisst es nur noch nicht ^^;

Badabumm hat geschrieben:Ich muss gestehen, ich drücke mich auch gerne vor Prologen. Aber im Genre SF finde ich Prologe häufiger und ich glaube, das hat einen einfachen Grund: im Prolog wird die Welt erklärt, die als Startbasis für die Geschichte steht. Diese Frage wurde hier schon mal gestellt: wie schummele ich dem Leser den Normalalltag einer fremden Welt unter, ohne Infodumping zu betreiben (jetzt benutze ich auch schon diese denglischen Wörter, tz, tz...)? Der Prota, der in dieser Welt großgeworden ist und diese kennt, hat ja keine Veranlassung, sie dem Leser andauernd zu erklären. Also müsste ein unwissender Charakter, dem immer alles erklärt werden muss, anstelle des Lesers stehen. Oder man packt alles Wichtige in einen Prolog, so dass der Leser mit einem Vorwissen in die Geschichte starten kann. Beides hat seine Berechtigung.

Du bist ja nicht gezwungen, den ganzen Hintergrund im ersten Kapitel/Prolog unterzubringen.

    Janice schob die Virtual Reality Brille hoch und benutzte sie als Haarreifen. Sie wollte sich nicht noch ein weinerliches Video von Sam anschauen, der ihr auf ihre Mailbox heulte, dass alles doch nur ein großes Missverständnis war. Ein Vorteil, dass sie sich das Implantat noch nicht gekauft hatte. So wurden ihr die Bilder wenigstens nicht auf die Netzhaut projeziert.
    [... anderer Inhalt ...]
    Der Nahrungsmittelreplikator streikte schon wieder. Dabei hatte ich gerade erst Stickstoff nachgefüllt. Scheinbar lag es wieder an meiner enormen Stromrechnung. Kein Wunder, die Nachrichten hatten erst gestern vom letzten Sandsturm in Köln berichtet. Durch die verstaubten Solarkollektoren waren die Strompreise gestiegen. Schon wieder.
Kein Meisterwerk und auch kein perfekter Anfang, aber ich hoffe das System wird klar. Die Hintergründe der "zukünftigen-jetzt-Welt" werden durch die Handlungen und Gedanken des Protagonisten eingeführt und durch Interaktion gleichzeitig dem Leser nahe gebracht.

Dafür brauche ich keine technische Abhandlung/Vowort darüber, was Stickstoff mit Replikatoren zu tun hat (vermutlich gar nichts ^^; ) und auch keinen Einblick in die Umweltentwicklungen der letzten hundert Jahre.

Ohne nähere Erklärung wird sofort deutlich, dass wir uns in der Zukunft befinden. Nach und nach wird klar, was möglich ist.

So etwas, finde ich sehr gelungen 8)
Hark hat geschrieben:
magico hat geschrieben:Das ist die Kunst.


Einspruch. Die Rückblende ist die Hilfskrücke. Die Kunst ist, die Geschichte beginnen, sie zu erzählen, und enden zu lassen - meine Meinung.

:nod:

magico hat geschrieben:Definiere Kunst! :wink:

Kunst ist ein Absprache zwischen genau zwei Menschen. Demjenigen, der sie als solche erschafft und demjenigen, der sie als solche empfindet 8) :curtsey:
KatharinaMünz hat geschrieben:Als Autor habe ich festgestellt, dass "der erste Satz" auf gar keinen Fall der sein sollte, der zuerst geschrieben wird.
Und da ich überarbeiten hasse, habe ich mich darauf verlegt (ja, ich bin faul) meine Geschichten immer mit einem Punkt irgendwo in der Mitte des Plots zu beginnen. Mich dort "warmzuschreiben" und erst, wenn ich die Charaktere gut genug kenne, gehe ich daran, den Anfang mitsamt dem "ersten Satz" zu schreiben.

Und dann - zumindest habe ich das festgestellt - ist fast keine Überarbeitung mehr nötig.

Das finde ich einen sehr interessanten Ansatz.
Ist dadurch mehr Überarbeitung im hinteren Teil nötig? (weil Dinge auftauchen, von denen du beim Schreiben der Mitte noch nicht wusstest, dass sie im Anfang sein würden :arrow: Logiklücken, die durch "neue" Wendungen am Anfang passieren)

lg
Jacky ;)
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon Padrion » 07.08.2015, 13:32

Jacky hat geschrieben:Dafür brauche ich keine technische Abhandlung/Vowort darüber, was Stickstoff mit Replikatoren zu tun hat (vermutlich gar nichts ^^; )

Womöglich doch etwas: Stickstoff ist Bestandteil von Aminosäuren, aus denen wiederum Proteine bestehen. Und es ging ja um einen Nahrungsreplikator :geek:

Du hast aber natürlich recht: es braucht nicht unbedingt einen Prolog zur Welt-Einführung aber man kann ihn durchaus auch dafür nutzen. Ma sollte im Einzelfall entscheiden, ob das die Geschichte besser oder schlechter macht.
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon magico » 07.08.2015, 14:11

Padrion hat geschrieben:Ma sollte im Einzelfall entscheiden, ob das die Geschichte besser oder schlechter macht.


Im Zweifelsfall weder noch.
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon KatharinaMünz » 07.08.2015, 14:34

Jacky hat geschrieben:
KatharinaMünz hat geschrieben:Als Autor habe ich festgestellt, dass "der erste Satz" auf gar keinen Fall der sein sollte, der zuerst geschrieben wird.
Und da ich überarbeiten hasse, habe ich mich darauf verlegt (ja, ich bin faul) meine Geschichten immer mit einem Punkt irgendwo in der Mitte des Plots zu beginnen. Mich dort "warmzuschreiben" und erst, wenn ich die Charaktere gut genug kenne, gehe ich daran, den Anfang mitsamt dem "ersten Satz" zu schreiben.

Und dann - zumindest habe ich das festgestellt - ist fast keine Überarbeitung mehr nötig.

Das finde ich einen sehr interessanten Ansatz.
Ist dadurch mehr Überarbeitung im hinteren Teil nötig? (weil Dinge auftauchen, von denen du beim Schreiben der Mitte noch nicht wusstest, dass sie im Anfang sein würden :arrow: Logiklücken, die durch "neue" Wendungen am Anfang passieren)


Hallo Jacky,

nein, ich habe festgestellt, dass dadurch zwar ein bisschen Überarbeitung hinten nötig wird, aber doch nur marginal, verglichen mit dem Aufwand, den ich zuvor mit der chronologischen Methode hatte.

Allerdings plotte ich. Das heißt, ich erstelle mir ein Arbeitsexposé mit einer Wordseite Zusammenfassung.
Und an das halte ich mich dann auch, von Details abgesehen.

Ich denke, dieses Herangehen ist sicher nicht für jeden geeignet. Meine Mentorin bekommt aufgerollte Fußnägel allein beim Gedanken daran.
Aber meine derzeitige Schreibbattle-Gegnerin schreibt ähnlich (mit der Steigerung, dass sie nicht plottet, was mir wiederum die Haare zu Berge stehen lässt - aber Jeder Jeck ist anders ...)
Und als eine aus meiner Schreibgruppe ganz verzweifelt war, weil die einfach keinen Einstieg in die Geschichte fand, hab ich ihr empfohlen, es mal auf diese Weise zu versuchen und darauf ist bei ihr auch der Knoten geplatzt.
Wer jetzt glücklich damit ist, seine Geschichten chronologisch zu verfassen, soll um Himmels Willen nicht davon abrücken.
Aber mir hilft es ungemein Zeit und lästige Arbeit zu sparen (ich hasse Überarbeiten xD)

Schöne Grüße
Katharina
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon PrinzessinSelenia » 10.08.2015, 14:48

Huhu, ich gebe hier auch mal meine Meinung ab.
Also ich denke für den Autor ist der erste Satz bzw. der erste Absatz wichtig, da er schon dazu Beiträgt ob das Buch gekauft wird. Wenn ich in der Buchhandlung bin schaue ich allerdings erstmal aufs Cover, den Titel und den Klappentext und erst wenn mir das alles gefällt lese ich den Anfang des Buches.
Trotzdem kann ein sehr guter erster Satz zum Kauf führen, während ein richtig schlechter eher dafür sorgt, dass ich das Buch zurücklege.

Für die Leser sind aber, meiner Meinung nach, die letzten Sätze viel wichtiger. Wenn man sich stundenlang mit einem Buch beschäftigt hat, mit den Charakteren mitgefiebert und sich in die Geschichte vertieft hat, ist es einfach schrecklich wenn das Ende nicht gut ist. Da kann das Buch noch so gut ist, wenn mir das Ende nicht gefällt, bleibt es in einer schlechten Erinnerung.

In meiner aktuellen Geschichte lautet der erste Satz:
„Scht!“ zischte Brooke uns zu. „Seid verdammt nochmal leise.“

Und der erste Absatz ist dann:
„Scht!“ zischte Brooke uns zu. „Seid verdammt nochmal leise.“
Ich gab mir grösste Mühe, aber es war wirklich schwer. Der Weg zu der kleinen Hintertür der Garage war mit Kies gefüllt. Im Gegensatz zu dem sorgfältig gepflegten Garten zur Strasse hin, in dem wunderschöne Blumen und kleine Bäume wuchsen, war der hintere Teil schmutzig und ungepflegt. Blätter und Äste lagen herum. Auf einem morschen alten Tisch lagen Steine, rostige Nägel und dreckiges Kinderspielzeug.

Würdet ihr weiterlesen?
Ein tolles Fantasy-RPG Forum, das noch Mitglieder sucht:

http://maesa.forumieren.com
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon magico » 10.08.2015, 15:15

PrinzessinSelenia hat geschrieben:Für die Leser sind aber, meiner Meinung nach, die letzten Sätze viel wichtiger.


Und für die Buchhändler sind die letzten Sätze Wurscht, denn verkauft ist verkauft. :wink:

In meiner aktuellen Geschichte lautet der erste Satz:
„Scht!“ zischte Brooke uns zu. „Seid verdammt nochmal leise.“


Streng genommen sind das zwei Sätze, aber das ist nur technischer Quatsch.

Würdet ihr weiterlesen?


Also ich nicht, aber das will nix heißen. Denn: Ich mag solche Namen wie "Brooke" überhaupt nicht in deutschsprachigen Geschichten und der Rest hat für mich zu viele Wörter, die ohne Weiteres gestrichen werden könnten. Der letzte Satz des Absatzes weckt allerdings Interesse und das allein durch das dreckige Kinderspielzeug.
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon Milch » 10.08.2015, 18:21

PrinzessinSelenia hat geschrieben:Und der erste Absatz ist dann:
„Scht!“ zischte Brooke uns zu. „Seid verdammt nochmal leise.“
Ich gab mir grösste Mühe, aber es war wirklich schwer. Der Weg zu der kleinen Hintertür der Garage war mit Kies gefüllt. Im Gegensatz zu dem sorgfältig gepflegten Garten zur Strasse hin, in dem wunderschöne Blumen und kleine Bäume wuchsen, war der hintere Teil schmutzig und ungepflegt. Blätter und Äste lagen herum. Auf einem morschen alten Tisch lagen Steine, rostige Nägel und dreckiges Kinderspielzeug.

Würdet ihr weiterlesen?


Mich würde das wunderschön stören, du wertest, anstatt dem Leser die Wertung zu überlassen. Du kannst insgesamt sehr viel konkreter werden. Was für ein Kinderspielzeug? Wie verdreckt? Was für Blumen und was für Bäume?
Der Kontrast ist eigentlich recht schön.
Es käme aber auf den Klappentext und Titel an.
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon Padrion » 10.08.2015, 19:37

PrinzessinSelenia hat geschrieben:Würdet ihr weiterlesen?


Wenn ich mich aufgrund von Cover, Klappentext und ggf. Rezensionen den Eindruck gewonnen hätte, dass mir das Buch gefallen könnte, hätte mich im ersten Absatz noch nichts umgestimmt. Hätte ich einen anderen Eindruck gewonnen, hätte ich erst gar nicht mit dem Lesen begonnen...
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon Ankh » 10.08.2015, 21:01

Ich stimme Padrion zu. Wenn es einen Inhalt gibt, auf den ich mich freue, dann sind mir die ersten zeilen auch nicht so wichtig.

Aber da ich so gar nichts über die Geschichte weiß, würde sie mich nach dieser Leseprobe eher weniger interessieren. Es klingt ein wenig nach Teenie-Buch, da bin ich nicht so ganz die Zielgruppe.
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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon Jacky » 12.08.2015, 21:03

Das wird ein bisschen OT, wie wäre es, wenn du den Anfang der entsprechenden Geschichte als Werk einstellst. Der Werkebereich ist für ausführliches Feedback gedacht 8)
Du hast in jedem Augenblick die Freiheit zu entscheiden was wichtig ist und wie du darauf reagierst.

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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon magico » 13.08.2015, 09:00

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Re: Wie du deinen Leser fesselst - Der erste Satz

Beitragvon KatiaBenego » 15.08.2015, 23:44

Ich habe mir jetzt gerade überlegt, von welchen Romanen ich denn noch den ersten Satz kenne.

Das wären einmal das Parfum von Patrick Süsskind:
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„Im 18. Jahrhundert lebte in Frankreich ein Mann, der zu den genialsten und abscheulichsten Gestalten dieser an genialen und abscheulichen Gestalten nicht armen Epoche gehörte. Seine Geschichte soll hier erzählt werden.“


Und Charles Dickens Weihnachtsgeschichte:
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Marley war tot, damit wollen wir anfangen. Kein Zweifel kann darüber bestehen. Der Schein über seine Beerdigung ward unterschrieben von dem Geistlichen, dem Küster, dem Leichenbestatter und den vornehmsten Leidtragenden. Scrooge unterschrieb ihn, und Scrooges Name wurde auf der Börse respektiert, wo er ihn nur hinschrieb. Der alte Marley war so tot wie ein Türnagel.
Versteht mich recht! Ich will nicht etwa sagen, daß ein Türnagel etwas besonders Totes für mich hätte. Ich selbst möchte fast zu der Meinung neigen, daß das toteste Stück Eisen auf der Welt ein Sargnagel sei. Aber die Weisheit unsrer Altvordern liegt in den Gleichnissen, und meine unheiligen Hände sollen sie dort nicht stören, sonst wäre es um das Vaterland geschehen. Man wird mir also erlauben, mit besonderem Nachdruck zu wiederholen, daß Marley so tot wie ein Türnagel war.


Obwohl beide Romane nicht zu meine Favoriten gehören sind mir diese Sätze all die Jahren geblieben.
Allerdings hat dies damit zu tun, dass dies wirklich Geschichten waren, die ich aufgrund ihres genialen ersten Satzes (oder bei Dickens Absatzes) gelesen habe.
Aber ansonsten ist bei mir der erste Satz nicht sonderlich wichtig und ich gebe einem Buch, das mir nicht gefällt immer mehrere Chancen, ehe ich es weglege. Aber es ist für mich nun auf jeden Fall gut zu wissen, dass einige da anders denken. Dann kann ich wenigstens bei meiner Geschichte darauf achten :mrgreen: :mrgreen:
“A reader lives a thousand lives before he dies. The man who never reads lives only one.” - George R.R. Martin
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