[Liebe]Wie ein zweites Herz

Liebe, Romantik, Sehnsucht

[Liebe]Wie ein zweites Herz

Beitragvon chia28 » 02.03.2014, 04:02

Hallo ihr Lieben,

nachdem ich länger nicht in der Schreibwerkstatt sein konnte und auch ansonsten nicht wirklich viel geschrieben habe, habe ich nun die Möglichkeit, das wieder zu ändern und ich dachte mir, ich fange gleich mal mit einem eigenen Werk an. Ich freue mich sehr auf eure Kritik! :-)

P.S.: Ich musste den Text kürzen, da er im Original 1.815 Wörter hat.

***
Routinemäßig schaute sie rüber zur Uhr, aber sie wusste, dass sie perfekt in der Zeit lag. Sie hörte Schritte. Kurz darauf standen Tristan und Sophia in der Tür. Sie lächelte, küsste die beiden auf die Stirn und stellte ihnen ihre Müslischalen hin. Tom war längst zur Arbeit gegangen, sie hatte sein Auto schon wegfahren hören, als sie selbst sich gerade erst verschlafen in die Dusche geschleppt hatte. Wie immer redeten die drei morgens nicht viel. Sophia war hellwach und fröhlich; sie kam nach ihrem Vater. Tristan dagegen war ein ausgesprochener Morgenmuffel, ganz wie seine Mutter.

Als sie die Kinder zur Schule gebracht hatte, pünktlich wie immer, fuhr sie zur Arbeit. Wieder schaute sie zufrieden auf die Uhr, denn sie war keine Minute zu spät. Vor sechs würde sie heute nicht aus dem Büro kommen. Tristan und Sophia fuhren nach der Schule mit dem Bus nach Hause, wo Martha auf sie wartete, die nicht nur das Haus sauber und ordentlich hielt, sondern sich auch um ein gesundes Mittagessen für die beiden kümmerte. Im Gegensatz zu anderen Eltern hatten Tom und sie nie ein schlechtes Gewissen gehabt. Sie hatten in Martha eine hervorragende Hilfe gefunden, außerdem wussten sie, dass auch auf ihre Familie Verlass war. Im Gegenteil fühlten sie sich sehr dankbar dafür, beide ihren Berufen nachgehen und trotzdem zwei wundervolle Kinder haben zu können.

Es verlangte einiges an Planung und Disziplin, doch so meisterte sie ihren Alltag gut und vor allem- gerne. Der genaue Zeitplan gab ihrem Tag eine Struktur. Es war für sie mehr als Routine, wenn die Kinder um zehn im Bett lagen und Tom endlich mit seinen Akten fertig war und sie eine Folge ihrer Lieblingsserie gemeinsam sehen konnten. Es war Geborgenheit, Sicherheit. Es war für sie mehr als nur ein straffer Zeitplan, es war der Mantel, der ihrem Leben eine Kontur gab. Sie genoss ihren Alltag, dankbar für seine Berechenbarkeit. Sie wusste die gemeinsame Zeit mit Tom zu schätzen, aber sie wusste es genauso zu schätzen, dass sie nach all den Jahren noch Sehnsucht nach ihm haben konnte. Sie genoss kleine Ausbrüche, doch um diese Dinge zu genießen, brauchte sie Klarheit, Ordnung in ihrem täglichen Leben.

Sie erinnerte sich nur zu gut daran, wie es war, nicht die Kontrolle zu haben. Sie erinnerte sich daran, wie es war, aufgezehrt zu werden von etwas, das die Kontrolle über sie hatte. Sie wusste, es konnte immer wieder passieren. Ihr ganzes Herz gehörte Tom. Toms Souveränität, seine Ausgeglichenheit und seine Fürsorge hatten ihr gezeigt, dass er der richtige Mann war. Und doch war sie sich der Gefahr bewusst, die es mit sich brachte, die Kontrolle zu verlieren und ihr Glück aus den Händen zu geben.

Manchmal, in seltenen Momenten, hatte sie sich gefragt, ob sie sich etwas vormachte. Aber sie war jedes Mal zu dem Schluss gekommen, dass dem nicht so war. Aber, auch dessen war sie sich klar, es gab ihn immer noch, diesen Teil von ihr, den sie nicht eliminieren konnte, der irgendwo zwischen Herz und Wirbelsäule zu schlummern schien. Ein kleines brennendes Etwas, allesverzehrend, beängstigend. Es schlief tief; meistens. Wenn es jedoch erwachte, war es schwer im Zaum zu halten. Dann wollte es sich alles nehmen, es wollte ihre Neurosen fressen, ihre Anker der Sicherheit lichten und über ihre Tränen lachen.

Es war immer wieder passiert, auch, seit sie Tom hatte. Nach Jahren der Abstinenz war es wiedergekommen, so ungekannt heftig, dass es ihr fast körperlich wehgetan hatte. Und doch hatte sie so viel Disziplin aufbringen können, zu widerstehen. Die Aussicht darauf, die Kontrolle zu verlieren, ihre Liebsten zu verlieren, ihren Alltag zu verlieren, ihr Leben- das war es, was sie davon abhielt, der Versuchung zu erliegen.

Sie fragte sich, ob es ihr auch gelungen wäre, wenn sie je wieder von ihrem alten Gold gekostet hätte. Hätte sie dann genauso gehandelt? Manchmal sah sie die Bilder, die das Gold heraufbeschworen hatte, zunächst in den schillerndsten Farben, doch dann dunkel und düster, so wie es damals gewesen war. Nach jedem einzelnen Höhenflug war der tiefe Fall gekommen. Manchmal spürte sie es noch ihren Adern. Manchmal war das Verlangen danach größer als das Verlangen nach ihm. Es gehörte so untrennbar zusammen.

Ihr Telefon klingelte. Instinktiv griff sie nach dem Hörer auf dem Schreibtisch, doch dann bemerkte sie, dass das Klingeln aus ihrer Handtasche kam. Sie schluckte. Es waren sechs Monate vergangen. Es war Ende des Monats. Und es war acht Uhr früh.

Der brennende Klumpen schlug in diesem Moment wie ein zweites Herz. Sie nahm ab.

„Lea“, flüsterte er. Heiser.

Das war der schlimmste Moment. Sie spürte, wie die Flammen ihren Körper erfüllten und an ihrer Kehle züngelten. Nie verlor sie mehr die Kontrolle als in diesem Moment, als sie nach so langer Zeit wieder seine Stimme hörte. Wie zerbrechlich er klang. So zerbrechlich.

„Tarik“, flüsterte sie zurück, mehr zu sich selbst, als zu ihm, wie eine Erlösung, seinen Namen laut auszusprechen. Sie wusste nicht, wie lange er bleiben würde, um sie auszuzehren, wie lange er sie erfüllen würde trotz der offensichtlichen Leere in seinen Augen, sie wusste nicht, wie sie dieses Mal die Disziplin aufbringen sollte, sich nicht von ihm zerstören zu lassen, aber sie wusste, sie würde es irgendwie schaffen. Dieser flammende, ungesunde kleine Klumpen in ihr sehnte sich nach ihm. Er sehnte sich danach, mit ihm zu fallen.
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Re: Wie ein zweites Herz

Beitragvon Tine87 » 11.03.2014, 09:14

Hi Chia28

Zuerst einmal. Deine Geschichte hat mir gefallen. Sie lässt sich gut lesen und ist in einer fließenden Ausdrucksweise geschrieben.

Ich hätte nur ein paar kleine Anmerkungen für dich.
Du benutzt sehr oft den Anfang "Sie"

Sie genoss ihren Alltag, dankbar für seine Berechenbarkeit. Sie wusste die gemeinsame Zeit mit Tom zu schätzen, aber sie wusste es genauso zu schätzen, dass sie nach all den Jahren noch Sehnsucht nach ihm haben konnte. Sie genoss kleine Ausbrüche, doch um diese Dinge zu genießen, brauchte sie Klarheit, Ordnung in ihrem täglichen Leben.

Sie erinnerte sich nur zu gut daran, wie es war, nicht die Kontrolle zu haben. Sie erinnerte sich daran, wie es war, aufgezehrt zu werden von etwas, das die Kontrolle über sie hatte. Sie wusste, es konnte immer wieder passieren.


Hier hast du zum Beispiel fünf Mal hintereinander mit "Sie" begonnen.

Manchmal spürte sie es noch ihren Adern.


Ich glaube hier fehlt ein "in".
Also: ,,Manchmal spürte sie es in ihren Adern."

Und es war acht Uhr früh.


Das finde ich jetzt nicht wirklich schlimm, aber du könntest auch schreiben:
,, Und es war acht Uhr morgens."
Oder: ,, Und es war acht Uhr in der Früh."

Ansonsten finde ich wie schon gesagt, deine Geschichte sehr schön. :D

LG
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Re: Wie ein zweites Herz

Beitragvon Sartea » 11.03.2014, 12:48

Sei mir gegrüßt, chia28.
Ich habe deine Geschichte gelesen. :)

Das Werk

Die Kurzgeschichte Wie ein zweites Herz schildert die Zerrissenheit einer Frau, die ihre Seele, zum Preis von Sicherheit und Beständigkeit, in die Sklaverei einer geordneten, scheinbar perfekten Ehe verkauft hat. Dabei schafft sie es die meiste Zeit die unterdrückte Lebendigkeit ihres Herzens zu beherrschen.

Doch jedes Mal wenn ihr Panzer der Kontrolle versagt, fürchtet sie den Fall und die Möglichkeit nie wieder zurück in ihren goldenen Käfig zurück zu finden.

Idee, Charaktere und Handlung

Das Thema der Geschichte finde ich sehr interessant und gut dargestellt. Die Beschreibung der familiären Routine und die ständige – wie ein Mantra – Wiederholung ihrer Vorzüge vermittelt ein gutes Bild des Innenlebens der Frau. Sie leidet sichtlich an ihrem eigenen Bedürfnis nach Kontrolle und Sicherheit, das so im Kontrast zu ihrer anderen wilden, radikalen Seite steht und sucht sich selbst einzureden, dass das Leben, das sie führt, ein gutes Leben ist.

Offenbar war das Leben der Protagonistin nicht immer so ruhig und geordnet. Sie scheint auf eine Zeit zurück zu blicken in der sie keine Kontrolle hatte und ihre Existenz nur von berauschenden Höhenflügen und entsetzlichen Abstürzen geprägt war. Dabei wird nicht explizit bestätigt ob Drogen oder körperliche Liebesabenteuer gemeint sind. Wahrscheinlich beides.

Die Sehnsucht nach dieser Zeit lodert indessen subtil doch beständig. Ich nehme an, dass die Protagonistin wie eine Suchtkranke gute Tage kennt, an denen sie den Sog fast komplett ignorieren kann. Aber auch sehr schlechte Tage ertragen muss, an denen ihre gesamte Willenskraft von Nöten ist um zu funktionieren.

Doch der Absturz lässt sich nur hinaus zögern. Nicht vermeiden.

Stil, Grammatik und Format

An deinem Schreibstil habe ich wenig auszusetzen. Der Text plätschert ruhig dahin und trägt so, viel zur Stimmung bei. Einige von dir verwendeten Metaphern empfand ich als sehr schön. Und die etwas zu häufige Verwendung des Anredepronomens „Sie“ wurde bereits von Tine87 erwähnt. Es gibt diverse Umschreibungen um solche Wiederholungen zu vermeiden. Es hilft auch, der Protagonistin einen Namen zu geben.

Ich fand keine Fehler in deinem Text. Absätze und Gestaltung haben mir gefallen.

Einzelverweise

chia28 hat geschrieben:P.S.: Ich musste den Text kürzen, da er im Original 1.815 Wörter hat.


Das finde ich schade. Du hättest den Text doch in zwei Teile aufspalten können, wie unter § V. Absatz 1. Satz e. der Schreibwerkstatt.DE-Forenregeln beschrieben.

chia28 hat geschrieben:Routinemäßig schaute sie rüber zur Uhr, aber sie wusste, dass sie perfekt in der Zeit lag.


In diesem Satz hast du drei Mal „Sie“ verwendet. Ich empfehle eine andere Formulierung bei der jedoch die Aussage des Satzes erhalten bleibt:

Routinemäßig schaute sie rüber zur Uhr. Ihr Timing war perfekt. Wie immer


chia28 hat geschrieben:Tom war längst zur Arbeit gegangen, sie hatte sein Auto schon wegfahren hören, als sie selbst sich gerade erst verschlafen in die Dusche geschleppt hatte.


Da sie Toms Auto hatte wegfahren hören, wird er zur Arbeit gefahren und nicht gegangen sein.

Ich würde aus diesem Satz außerdem gerne zwei Sätze machen. Für mein Auge wirkt er zu lang:

Tom war längst zur Arbeit gefahren. Sie hatte sein Auto schon wegfahren hören, als sie selbst sich gerade erst verschlafen in die Dusche geschleppt hatte.


chia28 hat geschrieben:Sie hatten in Martha eine hervorragende Hilfe gefunden, außerdem wussten sie, dass auch auf ihre Familie Verlass war.


Eher Geschmackssache, doch auch hier empfehle ich den Satz aufzuteilen:

Sie hatten in Martha eine hervorragende Hilfe gefunden. Außerdem wussten sie, dass auch auf ihre Familie Verlass war.


chia28 hat geschrieben:Es war für sie mehr als Routine, wenn die Kinder um zehn im Bett lagen und Tom endlich mit seinen Akten fertig war und sie eine Folge ihrer Lieblingsserie gemeinsam sehen konnten.


Das „gemeinsam“ würde ich für den besseren Lesefluss hinter „sie“ setzen. Das doppelte „und“ kann vermieden werden und zwar so:

Es war für sie mehr als Routine, wenn die Kinder um zehn im Bett lagen, Tom endlich mit seinen Akten fertig war und sie gemeinsam eine Folge ihrer Lieblingsserie sehen konnten.


chia28 hat geschrieben:Nach Jahren der Abstinenz war es wiedergekommen, so ungekannt heftig, dass es ihr fast körperlich wehgetan hatte.


Nur ein Vorschlag:

Nach Jahren der Abstinenz war es wiedergekommen. So ungekannt heftig, dass es ihr fast körperlich wehgetan hatte.


Fazit

Dir ist ein atmosphärischer und einnehmender Text gelungen, chia. Mir gefällt dein leiser, leicht metaphorischer Stil und auch die Gestaltung des Textes. Ich habe wirklich fast nichts gefunden was es daran zu meckern gäbe. Vielleicht haben andere Leser mehr Glück. ^^

Auch wenn ich nur wenige Verbesserungsvorschläge gebracht habe, hoffe ich doch, dass zumindest mein Lob dich motiviert und dazu verleitet andere ähnlich schöne Geschichten zu erzählen.

Viele Grüße
Sartea der Graue
Die Ewigkeit definiert sich nicht durch die Dauer, sondern Wiederholung eines Zustandes.
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Re: Wie ein zweites Herz

Beitragvon LoriPecuretho » 18.03.2014, 23:09

Hallo Chia28,

eine sehr schöne Geschichte hast du geschrieben. :)

Dein angenehm schnörkelloser Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Leicht zu lesen, gut verständlich und ohne unnötige Umschreibungen.
Schön finde ich auch, dass du den Figuren (bis auf der Protagonistin) Namen gegeben hast und ihnen durch Charakterisierungen etwas Leben eingehaucht hast. Ich hatte ein relativ klares Bild vom Familienleben der Protagonistin und wie die Beziehungen zu Mann und Kindern aussehen.
Die Spannung hast du auch gut aufgebaut. Ab Mitte der Geschichte war ich schon wirklich gespannt, was genau diese Versuchung ist, der sie widerstehen möchte. (Ich hatte eher auf Alkohol/Drogen getippt)

So, nach all dem Lob jetzt die paar Kritikpunkte, die ich gefunden habe:

Am Anfang hat sich die Sache mit der Pünktlichkeit ein wenig wiederholt und die Perfektion des Tagesablaufs war schon sehr stark hervorgehoben. War mir schon fast zu überzogen.
Als sie die Kinder zur Schule gebracht hatte, pünktlich wie immer, fuhr sie zur Arbeit. Wieder schaute sie zufrieden auf die Uhr, denn sie war keine Minute zu spät.
>> vor allem an dieser Stelle. Die Pünktlichkeit hattest du im ersten Absatz schon ausführlich behandelt.

Es verlangte einiges an Planung und Disziplin, doch so meisterte sie ihren Alltag gut und vor allem- gerne.

war der Gedankenstrich Absicht oder ein Tippfehler? Ich würde ihn in jedem Fall weg lassen. :wink:

Ihr Telefon klingelte. Instinktiv griff sie nach dem Hörer auf dem Schreibtisch, doch dann bemerkte sie, dass das Klingeln aus ihrer Handtasche kam. Sie schluckte. Es waren sechs Monate vergangen. Es war Ende des Monats. Und es war acht Uhr früh.


Die Stelle fand ich nicht ganz klar. Sie hört, dass ihr Handy klingelt und weiß sofort, dass er es ist? Nach 6 Monaten? So wie die Frau beschrieben wird, stelle ich mir vor, dass ihr Handy öfters mal klingelt und sie nicht bei jedem Klingeln mit ihm rechnet (wenn die Anruf-Abstände so lang sind). Oder schaut sie erst aufs Display? Dann wäre es verständlich 8)

Zum Schluss noch eine inhaltliche Sache. Ich hatte es nach dem ersten Lesen, anders als Sartea im Kommentar über mir schreibt, so gelesen, dass die Protagonistin ihrem früheren Leben nicht wirklich nachtrauert. Eben vergleichbar mit einer Drogensucht o.ä. Dass sie natürlich "im Rausch" immer Höhenflüge hatte, aber nachher regelmäßig wieder runter gezogen wurde. (Trennung, Betrug, Gewalt, was auch immer) Jedenfalls kam mir ihr neues Leben nicht wie die zweite, sichere Wahl vor, sondern eher wie der rettende Hafen aus einem Leben, das nicht gut für sie war.

Als ich es mir nach Lesen der bisherigen Kommentare nochmal angeschaut habe, gibt es für die andere Auslegung aber auch Zeichen. Hier zum Beispiel.
Manchmal, in seltenen Momenten, hatte sie sich gefragt, ob sie sich etwas vormachte.


Da würde mich natürlich interessieren, was du dir als Autor dabei gedacht hast :D

Außerdem würde ich gerne wissen, was genau mit diesem Gold gemeint ist:
Sie fragte sich, ob es ihr auch gelungen wäre, wenn sie je wieder von ihrem alten Gold gekostet hätte.

Dass sie wieder eine Beziehung / Affäre mit Tarik angefangen hätte? Oder etwas anderes?

Fazit:
Ich hätte auch gern die volle Fassung gelesen. :)

VG
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Re: Wie ein zweites Herz

Beitragvon chia28 » 20.03.2014, 18:07

Liebe LoriPecuretho, liebe Sartea, liebe Tine87,

vielen Dank für eure sorgfältigen Kritiken! Ich habe mich wirklich sehr über euer Lob gefreut. Eure Verbesserungsvorschläge haben mir weitergeholfen. Ich weiß nicht genau, ob ich jeden Beitrag einzeln zitieren und kommentieren kann, da es dann drei aufeinanderfolgende Kommentare von mir wären, deshalb fasse ich meine Antworten in einem Beitrag zusammen.

@Tine87

Es stimmt, ich habe sehr viele Sätze mit „sie“ begonnen. Natürlich habe ich den Text nochmal Korrektur gelesen, aber erst jetzt, mit etwas Abstand, ist mir die häufige Wiederholung richtig aufgefallen. Leider passiert geht es mir oft so, daran versuche ich zu arbeiten.

Trotzdem war es teilweise auch Absicht. Offenbar konnte ich das nicht so vermitteln, wie ich es mir gedacht hatte, aber ich habe der Protagonistin absichtlich keinen Namen gegeben zu Anfang. In der Originalfassung kommen noch einige weitere Namen von bspw. Familienmitgliedern vor. Ihren Namen wollte ich aber unausgesprochen lassen, um zu zeigen, dass sie an schwierigen Tagen- einem Tag, wie sie ihn in der Geschichte durchlebt- für ihre Familie lebt. Eben, wie Sartea es sagt, funktionieren muss, und nicht wirklich immer ein Teil davon ist. Die „dunkle Seite“ ihres Lebens, Tarik, nennt sie dann zum ersten Mal beim Namen. Er gibt ihr in dieser Geschichte quasi erst den Namen und gibt ihr so gleichzeitig eine vollständige Identität, was zeigt, dass sowohl Licht als auch Schatten feste Bestandteile ihres Lebens sind, die eine Hälfte von ihr existiert nicht ohne die andere, auch wenn es an guten Tagen manchmal so scheint. Das kann alles auch eine Überinterpretation meinerseits sein; manchmal will ich Dingen in meinen Geschichten mehr Bedeutung beimessen, als sie eigentlich haben sollten, und diese Gedankengänge sind nicht immer für den Leser nachvollziehbar.

@Sartea

Vielen Dank für deine Interpretation, sie bringt es gut auf den Punkt und hat mir sehr gefallen. Tatsächlich siehst du es richtig, dass die Versuchung für meine Protagonistin sowohl in der körperlichen Liebe liegt als auch in den Drogen.

Ebenfalls vielen Dank für deine Formulierungsempfehlungen. Ich habe sie fast alle in meinen Originaltext übertragen. So liest es sich noch flüssiger, finde ich. Besonders die Satzteilungen haben mir geholfen, da ich leider oft zu lange, verschachtelte Sätze baue.

@LoriPecuretho

Nach erneutem Lesen ist mir aufgefallen, dass sich die Betonung der Pünktlichkeit an der von dir genannten Stelle zu sehr häuft. Wegen der nötigen Kürzung am Text (ich wusste nicht, dass ich die Geschichte in zwei Abschnitten einstellen kann, entschuldigt!) habe ich versucht, die extreme Pünktlichkeit und den geordneten, fast neurotischen Aspekt ihres Lebens so hervorzuheben. Ich möchte nicht alles mit dem Originaltext entschuldigen, aber darin gibt es beispielsweise auch einen Abschnitt darüber, wie ihr Mann mit ihrem Verhalten umgeht und wie die Grade ihres leicht zwangsneurotischen Verhaltens variieren, je nach dem, ob sie gerade einen sehr guten oder einen sehr schlechten Tag hat.

Die Stelle mit dem Handy habe ich nicht mehr verbessert, tut mir Leid. Ursprünglich stand dort eine Erklärung, dass sie das Handy normalerweise während der Arbeitszeit nicht benutzt, da ihre Kinder oder ihr Mann im Büro anrufen würden, wenn etwas wäre. Sie spürt, dass es Tarik ist. Aber du hast Recht, für eine Frau, wie meine Protagonistin beschrieben wird, ist es eher unglaubwürdig, ich muss die Stelle nochmals überdenken.

Du hast gefragt, was das „Gold“ denn ist, über das die Protagonistin nachdenkt. Mit dieser Metapher sind Drogen gemeint, die sie gemeinsam mit Tarik konsumiert hat. Eigentlich war und ist sie vor allem von ihrer Liebe zu Tarik abhängig, doch sie hat neben dieser eher abstrakten bzw. seelischen Abhängigkeit auch eine tatsächliche Abhängigkeit erlebt. Sie fragt sich, ob sie ihr Leben so hätte aufbauen können, wie es ist, mit ihren Kindern, ihrem Mann und ihrer Arbeit, wenn sie nach der Trennung von Tarik oder gar mit Tarik gemeinsam je wieder den Drogen, also der stofflichen Abhängigkeit, verfallen wäre. Sie hat nicht nur Höhenflüge erlebt durch die Drogen, sondern auch schlimme Abstürze, aber die Tatsache, dass sie es Gold nennt, zeigt auch, dass sie es manchmal vermisst, so wie Abhängige es oft berichten- man ist sich bewusst, dass diese Drogen das Leben zerstören, aber man vergisst auch niemals das Hochgefühl, das man dadurch hatte.

Ich finde auch deine Interpretation sehr gelungen, dass ihr jetziges Leben ein sicherer Hafen ist und nicht nur die zweite Wahl. Ich denke, die Wahrheit der Protagonistin oszilliert irgendwo zwischen deiner Interpretation und der von Sartea. Sie kommt zu dem Schluss, dass sie sich nichts vormacht und sie spricht voller Liebe von ihren Kindern und ihrem Mann, zumindest wollte ich das vermitteln. Doch ihr Herz und ihre Seele sind im Zwiespalt und werden es immer sein, das ist ein Teil von ihr, ein Teil ihrer Persönlichkeit. Als Autorin habe ich mir gedacht, dass sich Lea wahrscheinlich niemals selbst im Klaren darüber sein wird. Sie hat sich gegen Zerstörung und für das Leben entschieden, aber gleichzeitig kann sie niemals hinter sich lassen, wer sie wirklich ist tief in sich drin.

LG Chia28
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