Wie du Hinweise in deiner Geschichte versteckst

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Wie du Hinweise in deiner Geschichte versteckst

 
Nutze dieses Thema um über folgenden Beitrag aus meinem Blog zu diskutieren:
Wie du Hinweise in deiner Geschichte versteckst

Wie versteckst du Hinweise?
Aus Leserperspektive:
Was findest du blöd oder offensichtlich und was ist subtil und gefällt?

von © Jacky

Re: Wie du Hinweise in deiner Geschichte versteckst

 
Man kann auch, anstelle die Hinweise selbst zu verstecken, die Bedeutung der Hinweise verstecken.

Als einfaches Beispiel: ein Toter wird gefunden, Hinweise: er hat frische Verletzungen am Körper und seine Geldbörse fehlt.
Eine Deutung dieser Hinweise wäre dass der Tote überfallen wurde und man ihm die Geldbörse gestohlen hat.

Nehmen wir noch als Hinweis (der erst später bekannt wird) dazu dass der Tote ein professioneller Kampfsportler war der gerade vom Training kam.
Jetzt ändert sich die Deutung: die Verletzungen stammen vom Training, also wurde er nicht angegriffen. Wenn er nicht angegriffen wurde, warum ist er dann tot? Und warum fehlt die Geldbörse?

Mir gefallen solche "Verstecke" von Hinweisen teilweise besser als wenn man versuchen würde den Leser nicht mitkriegen zu lassen was es für Hinweise gibt.
Außerdem lassen sich manche Dinge nicht wirklich verstecken (wie zB dass der Tote verprügelt wurde und seine Geldbörse fehlt). So kann man diese Hinweise dem Leser zeigen, ohne dass er gleich weis was sie (wirklich) bedeuten.

von © SmithOfSilence

Re: Wie du Hinweise in deiner Geschichte versteckst

 
Eine weitere Möglichkeit ist etwas doppeldeutiges zu nutzen, was zum Zeitpunkt der Handlung harmlos wirkt und erst im späteren Zusammenhang seine wahre Bedeutung offenbart.

Als Beispiel fällt mir hierzu eine Stelle aus "A Storm of Swords" von George R.R. Martin ein. In einem Kapitel streiten zwei Charaktere darüber, ob sie zu einer Hochzeit gehen. Am Ende willigt einer der Charaktere ein mit den Worten:
"Dann gehen wir halt zu Deiner verdammten Hochzeit."

Bei der Hochzeit findet dann etwas Negatives statt. Erst beim zweiten Lesen ist mir aufgefallen, dass in diesem Zusammenhang "verdammt" doppeldeutig ist. Im englischen Original ist der Zusammenhang sogar noch deutlicher. (Will hier aber nicht wirklich spoilern, weil es eine der grandiosesten Szenen der modernen Fantasy ist aus meiner Sicht).

Dies wäre aber etwas, dass ich als "subtil" empfinden würde. Bei konkreten Gegenständen, wie dem Schlüssel-Beispiel, ist das natürlich schwieriger. Hier hätte ich wahrscheinlich einen Charakter während der Untersuchung öfter Dinge sagen lassen, wie:

"Wir müssen das Schloss zu diesem Fall knacken" oder "Uns fehlt noch der Schlüssel zum Lösen des Rätsels"

Das sind quasi Redewendungen, die für sich genommen in der Situation eine harmlose Bedeutung einnehmen, aber erst zu einem konkreten Hinweis werden, wenn dann hinterher tatsächlich ein gegenständlicher Schlüssel in der Handlung auftaucht.

von © Verjigorm

Re: Wie du Hinweise in deiner Geschichte versteckst

 
Hey, danke Jacky! :) Da hast du mir so richtig aus der Patsche geholfen, denn genau das Problem die Hinweise vernünftig zu verstecken hat mich in letzter Zeit beschäftigt.

Die Variante es Nebensächlichkeit zu tarnen gefällt mir persönlich am besten, auch wenn die anderen beiden Sachen auch hilfreich sind.

So jetzt noch kurz zu deiner Frage, was mich als Leser stört. Mich stört es wenn die Hinweise so offensichtlich sind, dass man von Anfang an schon weiß was passiert, da ein Buch dadurch einfach langweilig wird. Was dabei aber besonders schlimm ist, ist wenn die Hauptperson es nicht weiß und man sich durch zig Seiten quälen muss, die dadurch eigentlich überflüssig sind. :|

lg moon

von © moon

Re: Wie du Hinweise in deiner Geschichte versteckst

 
Hmm... das ist dumm. Manche Leute erraten manche Sachen durch Zufall und es stellt sich als wahr heraus. Nicht sehr toll. Es sei denn, dadurch wird Spannung aufgebaut (zb. es wird impliziert, dass sich irgendwo eine Bombe befindet. Dann wird aus der klassischen Überraschung Spannung).

Es kommt auch vor, dass offensichtliche Sachen einfach übersehen werden. Da komme ich mir besonders dumm vor.

von © Hering

Re: Wie du Hinweise in deiner Geschichte versteckst

 
SmithOfSilence hat geschrieben:Man kann auch, anstelle die Hinweise selbst zu verstecken, die Bedeutung der Hinweise verstecken.


Eine weitere Möglichkeit wäre es den Hinweis zu nennen, jedoch nicht wie dieser zu deuten ist. Bei Sherlock Holmes war dies öfter der Fall. Die Figur des Holmes konnte aus Hinweisen auf Menschen auf eine Art schließen, welche die meisten Leser nicht beherschen. Sie konnten es aber versuchen, was Spannung erzeugt, ohne die Hinweise zu verstecken oder deren Bedeutung in der Geschichte vorab zu werten.

Ein Beispiel wären hier z.B. Spuren im Match, die beschrieben werden, sowieso das Holmes bereits vermutet wer diese Spuren hinterlassen hat, dem Leser jedoch gegenüber die Lösung nicht genannt wird. Der Leser kann selbst zu den richtigen schlüssen kommen, wird es aber eher nicht. Da die Auflösung jedoch meist nachvollziehbar ist, und man auch bereits ahnte das man auf der richtigen Spur ist, fühlt man sich nicht betrogen. Man war eben nur nicht schlau genug.

von © shockflash

Re: Wie du Hinweise in deiner Geschichte versteckst

 
Mir ist noch etwas eingefallen wie man Hinweise verstecken kann.

Hinweise sind nicht nur Dinge die da sind, sondern auch Dinge die nicht da sind. Ich meine damit Dinge die nicht da sind obwohl sie eigentlich da sein sollten. Oder dass eine Person in der Geschichte etwas nicht getan hat, obwohl sie es normalerweise getan hätte sollen.

Beispiele:

Eine Person macht die Aussage sie hätte einen Mord beobachtet. Was die Person nicht erwähnt: an der Stelle wo sie angeblich gestanden ist gehen um die Zeit immer Rasensprenger an, die Person hätte also patschnass sein müssen, was sie aber nicht erwähnt hat.

Oder, eine Person wird tot aufgefunden, nichts scheint gestohlen worden zu sein. Später findet man heraus dass die Person Student war und dass der Studentenausweis fehlt.


Bei den Dingen die fehlen sollten es natürlich Sachen sein die nicht gleich auffallen wenn sie in der Geschichte nicht erwähnt werden.
Ein Vorteil dieser Versteck-Methode ist dass man so wesentlich besser dem Leser Dinge vorenthalten kann. Bei den anderen Methoden kennt der Leser (zumindest theoretisch) ja alle Hinweise und könnte draufkommen worum es geht, aber hier ist es etwas das fehlt (und das könnte ja praktisch alles sein), daher kann der Leser erst draufkommen worums geht sobald man in der Geschichte erwähnt das etwas fehlt.

von © SmithOfSilence