Wie kann ich Spannung erzeugen?

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Wie kann ich Spannung erzeugen?

 
Nutze dieses Thema um über folgenden Beitrag aus meinem Blog zu diskutieren:
Wie kann ich Spannung erzeugen?

Welche der Methoden gefällt dir am besten?
Wie erzeugst du Spannung?
Gibt es deiner Meinung nach einen Geheimtrick, der immer zieht?
Was war die spannendste Szene, die du je gelesen hast?
Wie hat der Autor dort Spannung erzeugt?

von Jacky

Re: Wie kann ich Spannung erzeugen?

 
Hallo Jacky,

eines hat mir bei deinen Ausführungen zu Spannung noch gefehlt. Ich hab mich vor einiger Zeit das nämlich auch gefragt: Was ist Spannung? Also hab ich recherschiert und mir meine eigenen Gedanken darüber gemacht. Letztenlich bin ich dann natürlich auf Ähnliches gekommen wie du, allerdings nicht so schön zusammengefasst und mit so schönen Beispielen.

Aber was hat mir nun gefehlt? - Du merkst, ich versuche auch gerade in diesem Post etwas Spannung aufzubauen, indem ich diese Frage am Anfang gestellt habe, davon abschweife, sie wieder aufwerfe und jetzt über das Stellen der Frage selbst wieder philosophiere, sodass ich mich immer noch um die Beantwortung der Frage herumdrücken kann. :geek: - Nun gut. Das hat mir gefehlt: Die Unterscheidung. - ja, ich weiß, meine Antwort wirft wieder weitere Fragen auf und du musst diese (naja nicht ganz) sinnlosen Einschübe lesen, wenn du wissen willst, was ich meine. Aber nun weiter:

Bei meinen Recherschen ist mir nämlich Hitchcock über den Weg gelaufen. Ich muss zwar zugeben, dass ich keinen einzigen seiner Filme gesehen hab, aber von Spannung hatte er auch Ahnung. Und bevor ich nun dem Spannungsbogen ganz überspanne und du entnervt aufhörst meinen Post zu lesen, kommt nun endlich die Auflösung: Hitchcock unterschied zwei Arten von Spannung: Tension und Suspense (deutsche Begriffe gibts da wohl nicht). Diese Unterscheidung fand ich ganz hilfreich. Insbesondere Suspense lässt sich vermutlich gut planen. Zumindest hab ich mir schon relativ genau überlegt, wie ich Suspense in meinen "Projekten" planen werde, wenn ich endlich mal so weit komme. Ud zu Tense hab ich deinem Artikel nun interessante Anregungen bekommen...
Weitere Infos dazu in der Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Suspense

Was war die spannendste Szene, die du je gelesen hast?
Wie hat der Autor dort Spannung erzeugt?

Hm... ich hätte da was. Nur muss ich so langsam mal ins Bett. *gähn* Morgen früh ruft die Uni. Außerdem bietet mir die Tatsache, dass ich jetzt (noch) nichts über Schloss Rodriganda erzähle, die Möglichkeit einen Cliffhanger einzubauen... :mrgreen:

mfg

Christian

von Der Hakawati

Re: Wie kann ich Spannung erzeugen?

 
Ich wollt ja noch was zu Schloss Rodriganda schreiben. Dazu muss ich wohl dazu sagen, dass ich ein großer Karl May Fan war bzw. mehr oder weniger immer noch bin. Schloss Rodriganda(und die anderen 4 Bücher dieser Reihe) gehört aber wohl zu dem IMHO spannendsten Werken.

Die gesamte Geschichte erstreckt sich über 5 Bände à 320 Seiten(Taschenbuchseiten; entspr. gut anderthalb Normseiten). Das is ne Menge Zeug, aber May bringt es fertig immer etwas zu erzählen zu haben, ohne, dass die Spannung auszugehen scheint.

Spoiler: (Zum Lesen diesen Kasten markieren)
Grob gesagt (ist auch schon ne Weile her, dass ich das gelesen hab) geht es um ein vertauschtes Kind. Die Grafen von Rodriganda besitzen Güter in Spanien und Mexiko. Der Sohn der Familie wird als Kind gegen das Kind des Verwalters ausgetauscht und wird von Räubern großgezogen. Der Verwalter will nun a) dass sein Sohn möglichst schnell sein "Erbe" antritt und b) dass das Ganze unentdeckt bleibt, denn der eigentliche Sohn, der von der ganzen Geschichte nichts weiß, kommt dem langsam auf die Schliche. Bei der Verfolgung der Ziele muss natürlich manchmal auf eine bestimmte Art und Weise "nachgeholfen" werden.


Das mal gaaaanz grob. Die ersten beiden Bände werden allein schon gebraucht um die ganzen Charaktere vorzustellen, die Dimension des ganzen Betrugs und die Familienverhältnisse zu erläutern, etc. Dabei bekommt man aber niemals den Eindruck, dass man jetzt nicht mitkommen würde. Es ist immer relativ klar, wer wer ist und warum was getan wird. Wie gesagt: Deshalb lässt sich May ja auch zwei Bände Zeit dafür. Diverse Nebenhandlungen auf allen Teilen des Globus stellen sicher, dass man mit den Personen nicht durcheinander kommt. Letztendlich dient das Ganze aber nur dazu viele parallele Handlungsstränge aufzubauen. So ist am Ende des zweiten Bandes eine Gruppe von Hauptpersonen auf einer einsamen - baumlosen(==> Schiffbau unmöglich) - und auf keiner Karte verzeichneten Insel ausgesetzt, andere nach Harar(Ostafrika) in die Sklaverei verkauft, wieder andere durch ein Gift wahnsinnig gemacht irgendwo in ner stillen Ecke in Europa(Frankreich?). Und andere glaub ich in ner Pyramide in Mexiko im Kerker. Kann aber auch sein, dass das n bisschen vorher war. Jedenfalls weiß keiner vom Schicksal der anderen wirklich Bescheid. Teilweise halten sie einander für tot.

Wie wird hier also Spannung (hier Suspense) aufgebaut?
- Viele verschiedene Handlungsstränge
- Diese haben alle miteinander zu tun.
- Bei manchen ist aber für den Leser nicht klar wie genau. Allein die Verwandtschaftsverhältnisse bieten schon genügend Stoff um den Leser neugierig auf die Entwirrung des Ganzen zu machen.
- Jeder Handlungsstrang endet erstmal (nach dem zweiten Band) in der schlimmsten anzunehmenden Situation: Die "Bösen" haben ihre Ziele vollständig erreicht und für die "Guten" scheint es keinerlei Hoffnung zu geben.
- Dadurch, dass die einzelnen Handlungsstränge miteinander zu tun haben, wird der Leser immer wieder an die anderen erinnert. Das ist vermutlich auch wichtig, sonst drohen die Spannungsbögen wohl zu "reißen", weil sich der Leser gar nicht mehr an die anderen verfahrenen Situationen erinnert.

So wird also nicht nur eine Frage, ein Rätsel dem Leser gegeben, sondern viele gleichzeitig. Das ist wohl nicht ganz einfach das alles dann noch zusammenzuhalten(als Autor), aber May hat es meiner Meinung nach hingekriegt.

In Ergänzung zum Blogartikel würde ich also sagen:

Mehr Spannung ist, wenn der Leser mehr Fragen stellt, mehr Rätsel zu lösen hat und dabei - wichtig - immer noch gerade so viel Überblick behält, dass ihn das Rätseln weder unterfordert, noch frustriert.

mfg

Christian

von Der Hakawati

Re: Wie kann ich Spannung erzeugen?

 
Hallo Jacky!
Ich finde das Thema toll. Für mich ist es oft schwer zu beurteilen, was meine Leser interessiert und was die Geschichte eher langweilig macht. Dein Artikel ist da sehr hilfreich. So kann ich bei einem Text überlegen, ob ich die von dir angeführten Punkte beachtet habe.
glg

von naemi

Re: Wie kann ich Spannung erzeugen?

 
Toller Beitrag Jacky!

Daumen hoch! Mit der Spannung hab ich mich in letzter Zeit viel rumgequält.
Verfolgungsszenen, Entführung, Erpressung, fieses Pläneschmieden, Schlachten, ...
Das sind alles Dinge, die sich gut spannend umsetzen lassen, weil etwas passiert.
Aber was, wenn NICHTS passiert? Na ja, oder besser fast nichts.
Mein Problem: Am Anfang meiner Geschichte hat meine Protagonist Langeweile und erlebt ihren Alltag. :|

Und wie will ich DAS beschreiben, ohne den Leser zu langweilen und trotzdem dafür zu sorgen, dass er mit meiner Protagonistin mitfühlen kann???
Wie soll ich da Spannung erzeugen?

(Ich brauche diesen Teil, um Aufschluss über ihr Leben / ihre Vergangenheit zu geben und zwischendrin gruselige Träume einfließen zu lassen. Wenn der Teil nicht so wichtig wäre, hätte ich ihn einfach weggelassen und Infos über sie nebenbei einfließen lassen, aber dann würde die Geschichte keinen Sinn mehr machen. :roll: )

Ich hab es mit kürzen versucht, mit Humor und Augenzwinkern - trotzdem ist es nicht das Wahre....

Jemand einen Tipp zu vergeben :?:


LG Holly

von Holly

Re: Wie kann ich Spannung erzeugen?

 
Weiß auch nicht so. Die meisten würden jetzt wieder sagen, erst später anfangen.
Die Idee mit dem Humor ist ganz gut, oder probier es einfach aus, ihren Alltag als Langweilig darzustellen. Erzähle aus ihrem Leben und drücke die Langeweile in den Gedanken aus. Wenn du das gut rüber bringst(und ohne Wiederholungen), dann wird der Leser schon weiterlesen. :wink:

von P3lztier

Re: Wie kann ich Spannung erzeugen?

 
Holly:

Zwar kein direkter Vorschlag, aber als Anregung für dich:
Für mich entsteht "Spannung" dann, wenn ich die Atmosphere beim lesen miterleben kann. Dazu will ich mir die Szenerie in der das alles stattfindet in meinem Kopf exakt nachempfinden. Am besten geschieht das, wenn möglichst viele scheinbar unbedeutende Details ausformuliert werden. "Es war windig" ist beispielsweise ein Satz der zwar sagt: "Alles klar. Wind, Jacke, Haare wehen". Mehr aber auch nicht. Wind kann aber warm oder kalt sein. Es kann grau sein oder der schönste Sommertag den es je gegeben hat. Es kann Wüstenwind oder Arktiswind sein. Der Wind kann auch verschiedene Dinge auslösen und unterstützen.
Andere Details, die in vielen Büchern in solchen Situationen viel zu viel Aufmerksamkeit bekommen sind aber offensichtlich oder unbedeutend. "Die Tür geht nach innen auf." Ist ein Detail was bei der Beschreibung der Stimmung in einem Raum nur dann von interesse ist, wenn sich in diesem Moment auch dort etwas tut. Aber wenn sich gerade NICHTS tut, ist es auch nicht von interesse. Oder wenn jemand vor einem Bücherregal sitzt, versetzt es mich nicht in Spannung wenn ich dann erzählt bekomme, dass das Bücherregal vor 100 Jahren von der Großmutter beim alljährlichen Scheunenfest gewonnen wurde. Sondern eher was ist das für ein Material, wie wirkt das Bücherregal in der Wohnung, was geht einem durch den Kopf wenn man davor sitzt.
Damit kann ich mich dann als Leser in die Szenerie reinversetzen. Fühlen, Riechen, Schmecken etc pp. Und dann ist es völlig unbedeutend was eigentlich NICHT gemacht wird.

Natürlich darf dies nicht zu lang werden (Hatte vor einiger Zeit ein Buch in der Hand das 10 Seiten lang die Details eines Klassenraumes beschrieb. Das wurde dann langweilig) und vor allem keine Aufzählung sein.

Vielleicht helfen dir diese Anregungen ja.

von subkutan

Re: Wie kann ich Spannung erzeugen?

 
Holly hat geschrieben:Jemand einen Tipp zu vergeben :?:

Ich würde es mit Andeutungen versuchen.

Sie nahm das spitze, lange Brotmesser aus der Schublade. Zu diesem Zeitpunkt konnte sie noch nicht ahnen, wer es als nächstes in Händen halten würde.


Wie jeden Morgen überflog sie gelangweilt die Lokalzeitung, las ein paar Überschriften, lies wie immer den Sportteil links liegen und durchstöberte daraufhin die Seite mit den Stellenanzeigen auf der Suche nach einem womöglich unterbezahlten, der aber hoffentlich endlich zu ihr passenden Job. Fündig wurde sie aber, wie gewöhnlich, nicht und legte missmutig das Blatt beiseite. Wäre sie etwas aufmerksamer gewesen, so hätte sie vielleicht im Feuilleton eine kleine Glosse, die mit "Wohin?" überschrieben war, bemerkt. Womöglich wären dann einige Dinge in ihrem Leben anders gelaufen, aber sie hatte die Zeitung bereits weggelegt und würde sie auch nicht mehr anfassen.


Sie blickte hinaus. Ein leiser Wind wehte einige braun gewordene Eichenblätter über den Gehweg und die warme Septembersonne schien hell durch das geöffnete Wohnzimmerfenster in ihr ansonsten grau und trist wirkendes Haus. Nichts deutete darauf hin, dass sie bald zum letzten Mal durch dieses Fenster schauen würde.


Nur ein paar Vorschläge. Alltagssituationen spannend zu schreiben ist wohl wirklich ziemlich schwer.

mfg

Christian

von Der Hakawati

Re: Wie kann ich Spannung erzeugen?

 
Huhu

Also in meinen Augen ist dieser Blogeintrag einer der interessantesten, gerade weil du eine Alltagssituation als Beispiel genommen hast und keine Action Szene.

Was mir aber noch fehlt, ist Spannung durch Faszination. Wer sich mit Geschichte befasst, kennt dieses Gefühl: Man recherchiert über ein altes Bauwerk. Im Grunde besteht diese Art der Recherche aus trockenen Fakten und doch steckt man irgendwann so tief drin, dass man garnichtmehr aufhören möchte.
Nun ist das Beispiel vielleicht nicht perfekt gewählt, aber ich will damit sagen, dass allein die Beschreibung einer interessanten Umgebung fesseln kann. Es gibt dem Leser das Gefühl, ein Abenteuer in einer unbekannten Welt zu erleben. In meinen Augen ist das sogar die angenehmste Form von Spannung, da es hierbei weniger darum geht, irgendjemanden auf die Folter zu spannen, sondern ein lebendiges Gesamtbild zu erzeugen.

von Foxy

Re: Wie kann ich Spannung erzeugen?

 
Hey P3lztier, Subkutan und Hakawati!

Ihr habt mich auf ein paar neue Ideen gebracht. 8)
Danke für eure Tipps!

@Foxy: Ich glaube, ich weiß, was du meinst. Wenn man z.B. eine finstere Burgruine beschreibst, die von einigen Forschern betreten wird, dann will man unbedingt wissen, die es Drinnen aussieht und was führ Gefahren lauern.
Der Reiz des Unbekannten und seine Faszination.

LG Holly

von Holly

Re: Wie kann ich Spannung erzeugen?

 
Hi Jacky.

Was ich ganz dringend mal sagen möchte: Für mich einer DER hilfreichsten Blogbeiträge überhaupt! :!: :!:

Das sind so die kleinen Kniffe, die ich beim Lesen in jeder Szene (im besten Fall) miterlebe aber nie bemerke. Sogesehen hilfst du hier echt weiter, indem du mich mit der Nase reindrückst. :mrgreen:

Was mich noch etwas irritiert, ist der Punkt über Tension und Suspense, der hier erwähnt wurde.
Ich glaube zu ahnen, was der Unterschied ist. Das eine ist eine langwierige Spannung, die das ganze Buch über dauert und die Handlung eigentlich vorantreibt, die Charaktere beschäftigt und quasi das Thema ist. Das andere ist die akute Spannung der Situation, wo man wissen will, was passiert jetzt, läuft das auch gut usw.
Aber ich bin mir da auch nicht sicher, wie gesagt nur Mutmaßungen.
Vielleicht kannst du, Hakawati noch was darüber sagen? :?:

Rein aus dem Bauch heraus würde ich noch anfügen, dass Spannung immer dann entsteht, wenn der Protagonist nicht kriegt, was er will.
Wenn sich dann noch ein würdiger Gegner in den Weg stellt, an dem er zu knabbern hat, umso besser.
Im Mantel der Glaubwürdigkeit erhält das Ganze, gerade bei Fantasy, auch nicht so einen seltsamen....nuja...Abenteuer-RPG-Schein. 8)

von Drachenreiter

Re: Wie kann ich Spannung erzeugen?

 
Drachenreiter hat geschrieben:H
Was mich noch etwas irritiert, ist der Punkt über Tension und Suspense, der hier erwähnt wurde.
Ich glaube zu ahnen, was der Unterschied ist. Das eine ist eine langwierige Spannung, die das ganze Buch über dauert und die Handlung eigentlich vorantreibt, die Charaktere beschäftigt und quasi das Thema ist. Das andere ist die akute Spannung der Situation, wo man wissen will, was passiert jetzt, läuft das auch gut usw.
Aber ich bin mir da auch nicht sicher, wie gesagt nur Mutmaßungen.
Vielleicht kannst du, Hakawati noch was darüber sagen? :?:

Ich kanns versuchen. Aber erstmal vorweg: Viel mehr als den Wikipedia-Artikel hab ich nicht gelesen. Das folgende basiert zu einem großen Teil auf meinen eigenen Überegungen und nicht auf irgendwelchen Quellen, die ich anführen könnte. Inwieweit das also andere ähnlich sehen, kann ich nicht sagen. Vielleicht hab ich das auch nicht richtig verstanden. Nun gut.

Für mich unterscheiden sich Tension und Suspense sowohl bei der Konstruktion(= wie erzeugt der Autor die Spannung) alsauch bei der Rezeption(= was fühlt der Leser). Fangen wir bei letzterem an.

Gute Texte[1] erwecken Emotionen beim Leser. Ganz unterschiedliche Emotionen. Diese springen von den Charakteren auf den Leser über. Deshalb ist es auch so wichtig, eine persönliche Bindung zu den Charakteren zu vermitteln. Kommt diese nicht zu stande oder nur in geringem Umfang berühren ihn die Emotionen der Charaktere nicht.

Einige dieser Emotionen lassen sich unter "Spannung" subsumieren: Angst, Nervosität, Ungewissheit, Zweifel, u.ä. Einige der Emotionen bilden die Tension, andere Suspense. So sind Ungewissheit und Zweifel Gefühle der Suspense, während Angst und Nervosität eher zu Tension gehören. Zumindest mehr oder weniger.

Andere Emotionen dienen dazu, Spannung wieder zu lösen: Freude, Trauer, Komik, etc. Auch das Lösen von Spannung ist wichtig. Das gibt dem Leser eine kurze Verschnaufpause, bevors weiter geht. Das ganze hat noch irgend n Namen. Irgendwas mit "R" mein ich. Ich kann mich aber leider nicht mehr dran erinnern. :oops: Irgendwo hab ich mal was gelsen, da wurde das mit StarTrek erklärt: Am Ende einer spannenden Szene, gabs da oft einen Dialog zwischen Spock und Pille. Wer die Serie (oder die Filme) kennt, weiß, dass das zwei ganz unterschiedliche Personen sind und ihre vollkommen unterschiedlichen Naturen (Pille lebhaft und emotional; Spock kühl und überlegt) Anlass für manchen witzigen Dialog geben. Ein solcher witziger Kommentar bzw. Dialog wurde benutzt um die Spannung zu lösen. Wie gesagt, mir fällt momentan leider der Begriff nicht mehr ein. Wem was einfällt, bitte melden!

Zurück zu Tension und Suspense: Wie wird das vom Autor erzeugt? Sehen wir uns zuerst einmal Tension an:

Steht gerade ein Mörder hinter dem Protagonisten und zückt sein Messer, ist das wohl eindeutig eine spannende Situation. Der Leser hat eine emotionale Bindung zu der Person - zumindest sollte er sie haben - und hat deshalb Angst um sie.

Rein rational betrachtet müsste er das gar nicht, denn in den meisten Fällen ist ja wohl abzusehen, dass das Buch noch nicht zu Ende ist, also kann die Hauptperson ja noch nicht sterben. Ebenso kann das Genre quasi fordern, dass es ein HappyEnd geben muss. Deshalb baut Tension stark auf das Überraschungsmoment. Es wird dem Leser gar keine Zeit gelassen, daüber nachzudenken. Irgendetwas geschieht ganz plötzlich und unmittelbar.

Die andere Möglichkeit ist die Situation möglichst real und bedrohlich wirken zu lassen. Also z.B. zu beschreiben, wie er Mörder sich langsam nähert. Hierbei geht es darum, dass sich der Leser möglichst gut in die Situation hineinversetzen kann. Er weiß zwar gewissermaßen, dass der Hauptperson nichts ersthaftes zustoßen kann, aber dadurch, dass er das quasi selbst erlebt, fühlt er trotzdem die Bedrohung.

Prinzipiell lässt sich das sogar ganz ohne Hauptperson erledigen: Man könnte eine Situation beschreiben, die ausschließlich bedrohlich wirkt: Gewitter bei Nacht, der Wind heult, Blitze zucken, Donner rollen... Da sich der Leser quasi in der Welt des Buches befindet, überkommt ihn hier trotzdem - auch, wenn für ihn selbst keine Bedrohung herrscht und auch keine Romanfiguren vorhanden sind, um die er fürchen müsste, eine gewisse "Angst".

Ähnlich ist es mit Nervosität: Auch das kann man mit relativ geringem Aufwand transportieren, wenngleich das etwas aufwändiger ist, als bei Angst. Hier kommt man nicht ganz ohne Romanfigur aus, aber man muss nur eine bestimmte Situation - Lampenfieber vor dem Theaterauftritt o.ä. - und schon fühlt sich der Leser an ähnliche Situationen erinnert und spürt die Nervosität.

Soviel zu Tension, kommen wir nun zur Suspense. Das ist ein vollkommen anderer Ansatz Spannung zu erzeugen. Hierbei geht es nicht mehr um eine einzelne Situation. Wenn man ein unbekanntes Buch irgendwo in der Mitte aufschlägt und eine spannende Situation liest, kann es Tension sein und man wird die Spannung nachvollziehen können, ist es aber Suspense, hat man meist keine Chance. Suspense ist ohne Hintergrundinformation parktisch nicht transportierbar. Und hier sehen wir auch, was Suspense ist: Suspense ist ein Spielen mit (Hintergrund-)Informationen, ein Spielen mit Neugier, mit Zweifel und Ungewissheit. Hierbei gibt es vielfältige Möglichkeiten Spannung zu erzeugen. Man kann den Leser besser informieren, als die Figuren. Somit sieht der Leser die ahnungslosen Hauptfiguren vielleicht geradewegs ins Unglück rennen, kann ihnen aber nicht helfen. Ungewissheit, Machtlosigkeit, in gewisser Weise auch Angst[2]. Oder umgekehrt: Er lässt ihn weniger wissen, dann fragt er sich, warum bestimmte Charaktere so und so handeln, kann es sich nicht erklären und fängt an zu grübeln. Ungewisheit, Ratlosigkeit. Oder man gibt versteckte Hinweise. Der Leser versucht zu kombinieren.

Das Spielen mit Information geht aber noch weiter: Die wenigsten Geschichten sind einfach, geradlinig und sequentiell erzählt. Spannung, d.h. Suspense wird dadurch erreicht, dass Die Handlung a) mehrfach ist, d.h. dass es verschiedene Handlungsstränge gibt, zwischen denen hin und hergesprungen wird. Der Leser möchte beim einen Handlungstrang wissen, wie es weiter geht, er wird aber hingehalten, weil es erst mit einem anderen weiter geht. Dieser kann natürlich ebenfalls wieder spannend sein, sodass der Leser hier weitere Informationen haben will (die Neugier ist der Verbündete des Autors!), dann springt die Handlung aber wieder zurück - oder zu etwas drittem. Ebenso muss die Handlung b) nicht geradlinig sein, sondern kann durchaus verzweigen. Das heißt der Leser sieht mehere möglichte Fortsetzungen der Handlung. Oder mehrere Erklärungsmöglichkeiten. Die Handlung teilt sich gewissermaßen in zwei oder mehr Geschichten. Und der Leser möchte natürlich wissen, welche die "richtige" ist. So sind viele Krimis aufgebaut (Stichwort: Whodunit). Es gibt viele Verdächtige; viele mögliche Geschichten. Und c) gibt es noch die Möglichkeit die Geschichte nicht chronologisch zu erzählen und so dem Leser gewisse Informationen vorzuenthalten. Somit lässt sich auch naträglich in eine Geschichte noch Spannung einbauen. Nur dadurch, dass man nochmals die Reihenfolge der Szenen überdenkt. Durch eine geschickte Reihenfolge, können nämlich auch wieder neue Verzweigungen in der Geschichte entstehen. Man muss die Lücken als Leser ja irgendwie schließen und dafür gibts mehrere Möglichkeiten. Irgendwann kommt dann die nötige Info, einzelne Äste sterben ab und einer stellt sich schließlich als der richtige heraus. Es können aber auch durch zusätzliche Infos alle Äste absterben und ein neuer muss her. Alles muss der Leser nochmal überdenken im Lichte der neuen Informatonen(==> Das ist dann wohl ein Plot-Point).

Es gibt auch die Möglichkeit, dass man wirklich nicht alles verrät und mehere Möglichekiten offen lässt. Wenn gut gemacht sind das meiner Meinung nach die besten Geschichten. Schlecht gemacht ist IMHO, wenn man beispielsweise - plakativ gesprochen - die letzte Seite weglässt. Besonders gut ist, wenn man die Geschichte so schreibt, dass der Leser nicht das Gefühl hat, dass ihm etwas vorenthalten wurde, er aber trotzdem mehere Erklärungsmöglichkeiten hat. Eine solche Geschichte bleibt natürlich eher in Erinnerung, als, wenn alles gesagt ist, was gesagt werden kann, das Buch wird zur Seite gelegt und vergessen. Die Bücher, Filme, etc., die man am Tag darauf noch im Kopf hat und darüber nachdenkt, das sind die guten.

Das waren jetzt bestimmt nicht alle Möglichkeiten Spannung und insbesondere Suspense zu erzeugen. Insbesondere ist natürlich die Grenze zwischen Tension und Suspense fließend. So fließend wie zwischen den assoziierten Gefühlen. Ich hoffe aber eine gewisse Ahnung von dem vermittelt zu haben, das ich mir unter Tension und Suspense vorstelle. Hier nochmal der Hinweis: Besonder Quellen kann ich nicht anführen. Kann also gut sein, dass ich da ebenfalls was falsch verstanden hab.


[1] Ich beschränke mich hier auf literarische Texte. Sachtexte sind natürlich was anderes. Die sind gerade anders gestrickt.
[2] Man merkt: Angst ist zu vielseitig, alsdass man es ausschließlich der Tension zuordnen könnte.

mfg

Christian

von Der Hakawati