Wie du KEINEN guten Anfang schreibst

Diskussion zum Schriftsteller-werden.de Blog

Wie du KEINEN guten Anfang schreibst

 
Nutze dieses Thema um über folgenden Beitrag aus meinem Blog zu diskutieren:
Wie du KEINEN guten Anfang schreibst

Wie hast du den Anfang empfunden?
Was hältst du von meinen Verbesserungsvorschlägen?
Wie würdest du es besser machen?
Was für schlechte Bücher hast du schon gelesen?
Was hast du aus ihnen gelernt?
Wie fängt deine Geschichte an?

Ich habe auch eine Rezension bei Amazon geschrieben.
Es wäre toll, wenn du sie bewerten könntest.

von Jacky

Re: Wie du KEINEN guten Anfang schreibst

 
Wie hast du den Anfang empfunden?

Mir ging es ähnlich wie dir.
Ich hatte mir vor lauter Leselust sogar gleich den zweiten Band dazu gekauft.
Das war letztes Jahr und ich habe bei Band eins auf Seite - moment ich guck mal nach - 90 mit dem Lesen aufgehört.
Aus den selben Gründen, die du auch angeführt hast.
Den Schreibstil fand ich gut, aber da ich keine Beziehung zu den Charaktären aufbauen konnte, war mit die weiterführende Handlung schnurzegal.

Wie würdest du es besser machen?

Ähm.... Indem ich besonders Augenmerk auf die Leser-Figuren-Beziehung lege.
Ich weiß nicht, eben anders. :|

Was für schlechte Bücher hast du schon gelesen?

Lycidas von Christoph Marzi. Das Buch hatte den Deutschen Phantastik Preis gewonnen und der kleine Aufkleber hat mir als Kaufsargument gereicht.
Am Anfang war noch alles in Ordnung, doch dann kamen so viele verschiedene Infos und Gegebenheiten (Engel, ein Golem, ägyptische Gottheiten, die Hölle, Elfen,.... ), dass ich irgendwann nicht mehr durchgeblickt habe. Dann hatte ich noch mehrere Wochen /Monate Pause beim Lesen und ab da ging dann nix mehr.
Ach ja und er hat tausendmal den selben Witz wiederholt. Running-Gag hin oder her, aber das fand ich irgendwann einfach nur noch furchtbar.
Es tut mir irgendwie leid, das zu sagen, denn Marzi hat sich mit diesem Buch sicher unglaublich viel Mühe gemacht... Na ja, passiert.

Was hast du aus ihnen gelernt?

Den selben Witz nicht eine Milionen mal zu wiederholen. :mrgreen:

Wie fängt deine Geschichte an?

Düster war die Nacht, fast ebenso düster wie die Absichten des Mannes, der unter ihrem Deckmantel an sein Ziel zu gelangen versuchte.


LG Holly

von Holly

Re: Wie du KEINEN guten Anfang schreibst

 
Ich denke auch, dass es einen gutteil Geschmacksache ist, bin aber sehr froh, dass du meine Meinung teilst :)

Das mit dem "zu viel" an Fantasy finde ich interessant. Hatte ich so noch nicht drüber nachgedacht, kann ich mir aber gut vorstellen, dass zu viel "Neues" den Leser auch erschlagen kann, zumindest, wenn alles auf einmal kommt. Hattest du denn zwischen Neueinführunge immer etwas Zeit und es war trotzdem zu viel? Oder kam einfach alles auf einmal?

Holly hat geschrieben:Den selben Witz nicht eine Milionen mal zu wiederholen. :mrgreen:

Hab ich auch auf meine Liste gesetzt :D

Den Anfang von deiner Geschichte finde ich übrigens irgendwie klasse. Normalerweise kann ich es auf den Tod nicht ausstehen, wenn eine Geschichte mit dem Wetter beginnt. Aber dadurch, dass es nur die ersten drei Worte sind, fällt das fast gar nicht auf. Wenn ich ganz scharf nachdenke, ist es sogar eine Dopplung, denn, wie soll die Nacht sonst sein, wenn nicht düster (gut es gibt Vollmond, aber selbst dann ist es im Verhältnis zum Tag immer noch dunkel), aber gerade durch das zweite "düster" im Satz wird es gleich wieder aufgehoben. Außerdem hast du glaub ich allein in diesem einen Satz schon mehr Fragen aufgeworfen, als ich auf den ersten 50 Seiten "des Buches" gefunden habe.

Wer ist der Kerl?
Was macht er?
Warum ist er düster?
Was hat er für Absichten?

Neugier, Rätsel, Spannung. Doch, ... ich glaube ich würde gerne weiterlesen ;)

lg
Jacky ;)

PS: Ich hab noch eine Frage hinzugefügt (die Zweite ist es), ...

von Jacky

Re: Wie du KEINEN guten Anfang schreibst

 
Herrlicher Blogeintrag, ich musste doch hier und da lachen und kann dem nur zustimmen.
Ob ich selber besser bin weiß ich nicht - hab da auch noch meine Zweifel wobei der Anfang immer solange zurück liegt wenn ich ans Ende komm, da muss ich ihn eh nochmal neu schreiben.^^

Was mir wahrlich überrascht hat, war der Titel. Kennen tu ich ihn nicht, hab bei Amazon aber schon einiges früher darüber gelesen da es sehr interessant klang. Vor allem die zitierten "6 unterschiedlichen Erzählperspektiven", haben mich beinah gereizt nach dem Buch zu suchen, da in meinem Hauptroman deutlich mehr vorhanden sind, wenngleich nicht parallel.
Wenn ich dann bei der ersten Rezession gleich lese, "Das Buch lebt zu 90% von seinen Charakteren" - find ich das dann erst recht amüsant, da es deiner Aussage irgendwie schon ziemlich widerspricht.

Zu deiner Ehrrettung sei gesagt, die negativen Rezessionen decken sich so ziemlich mit dem was du sagtest.
Find es sogar ziemlich lustig wenn ich dann wie folgt dort lese:
"[...]Logan hängt mit nur einer Hand baumelnd an einem Felsvorsprung eines Berges. >Wie er so über sein Leben nachdachte blickte er an sich herab und entdeckte sein Messer. Er war entzückt es dort zu sehen.< Der Barbarenkrieger, der grad am abnippeln ist, weiß nicht das er ein Messer hat und ist entzückt...? LÄCHERLICH![...]"

Besonders betont werden aber bei fast allen die schlechten ersten 60 Seiten... vllt wär's dann ja genial geworden. :D

Aber echt hilfreicher Blogeintrag. Ich glaub ich les demnächst da mal alles was ich finde.


Lg Amixor33

von Amixor33

Re: Wie du KEINEN guten Anfang schreibst

 
Jacky hat geschrieben:Das mit dem "zu viel" an Fantasy finde ich interessant. Hatte ich so noch nicht drüber nachgedacht, kann ich mir aber gut vorstellen, dass zu viel "Neues" den Leser auch erschlagen kann, zumindest, wenn alles auf einmal kommt. Hattest du denn zwischen Neueinführunge immer etwas Zeit und es war trotzdem zu viel? Oder kam einfach alles auf einmal?


Es ist schon eine Weile her, dass ich es gelesen hab, aber ich weiß noch, dass mich die ganzen Infos beim Lesen voll aus dem Konzept gebracht haben.
Der Anfang war wie gesagt noch klar, aber danach kamen immer mehr neue Dinge dazu.
Zu viele Geheimnisse und Ungereimtheiten. Es hat sich zu einem Berg summiert, denn ich irgendwann nicht mehr überblickt habe.
Vielleicht ist das Buch auch zu anspruchsvoll um es mal "eben so" zwischendrin zu lesen...

Jacky hat geschrieben:Den Anfang von deiner Geschichte finde ich übrigens irgendwie klasse. Normalerweise kann ich es auf den Tod nicht ausstehen, wenn eine Geschichte mit dem Wetter beginnt.


Hab auch lange daran rumgedoktort. :mrgreen:
Das mit dem Wetter ist so eine Sache. Ich liebe es einfach, Geschichten bei Nacht beginnen zu lassen, weil das gleich schon so eine bestimmte Atmosphäre verbreitet.
Aber nur Atmosphäre allein reicht ja nicht, deswegen der mysteriöse Mann.

Deine Verbesserungsvorschläge fand ich übrigens sehr gut.

Ach ja und das Buch endet mit: Wieso tue ich das? Wieso?
Scheinbar konnte das auf rund 800 Seiten nicht geklärt werden...

LG Holly

von Holly

Re: Wie du KEINEN guten Anfang schreibst

 
@Amixxor33
Freut mich, dass dir mein Blogbeitrag gefallen hat. Falls du dir das Buch tatsächlich kaufst, kannst du uns ja hier mitteilen, was du daraus gelernt hast ;)

@Holly
Gerade als ich für die Rezension (s.u.) die Seitenzahl überprüfen wollte, hab ich auch den letzten Satz gefunden und habe schon überlegen, ob ich den hier noch posten soll. Da seh ich doch, dass du mir bereits zuvor gekommen bist :D Der passt wirklich unglaublich gut zu den ersten 60 Seiten.

Wegen dem "Anfang bei Nacht", das geht ja auch ohne Wetter. Ich meine jetzt nicht speziell für deinen Anfang sondern im Allgemeinen.

Bsp1: Anna kaute auf ihrem Bleistift herum, starrte aus dem Fenster und zählte die Sterne.
Bsp2: Sven hockte im Schrank. Es war stockfinster. Aber das war ihm egal, schließlich war draußen Nacht.

Ich sag jetzt nicht, dass das ein hammermäßiger Anfang wäre. Aber auch hier ist es Nacht, ohne dass ich ein einziges Wort über das Wetter verloren hätte.

@Alle
Ich habe auch eine Rezension bei Amazon geschrieben.
Es wäre toll, wenn du sie bewerten könntest.

lg
Jacky ;)

von Jacky

Re: Wie du KEINEN guten Anfang schreibst

 
Hallo!
Ich habe mich auch köstlich über deinen Blog amüsiert. Von dem Buch habe ich noch nie was gehört, kann insofern also nichts intelligentes dazu sagen außer: Danke, dass du mich davon abgehalten hast, es auch nur jemals in Betracht zu ziehen. Genau die Kritikpunkte, die du angebracht hat, stoßen mich auch immer ab.
Genauso wie du, Jacky, vermeide ich es immer, ein Buch nicht zu Ende zu lesen. Das ist schade drum. Spontan fallen mir zwei ein, die aus zwei verschiedenen Gründen einfach nur furchtbar waren.
Das eine ist: Susanna Clark: Jonathan Strange & Mr. Norris. Es ist ein Wälzer von 1021 Seiten. Als ich es endlich geschafft habe, konnte ich eine Stunde lang nicht damit aufhören, mir stolz auf die Schulter zu klopfen.
Dieses Buch ist der Inbegriff von Langeweile. Das Wort Langatmigkeit wurde hier neu erfunden und kultiviert. Klar, irgendiwe hat es Clarke geschafft, dass immer mal wieder was interessantes passiert ist. Aber stell dir vor, du hangelst dich 70 Seiten lang durch Langeweile, dann passiert etwas wirklich cooles und dann kommen die nächsten 70 Seiten Langeweile. Und immer, wenn du denkst, jetzt kannst du echt nicht mehr, passiert im letzten Moment doch noch was spannendes. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, im groben geht es im Buch um die Beziehung von den zwei Magiern Strange und Norrel...gähn.

Was ich daraus gelernt habe?
oWenn man etwas auf 500 Seiten sagen kann, dann sollte man das verflixt nochmal auch tun. Ein dickes Buch ist nicht gleich ein gutes Buch.
o Langeweile beim Schreiben sollte man nicht ignorieren. Kann mir nicht vorstellen, dass Clarke ihr Buch beim Schreiben reißend spannend fand.

Das zweite Buch: James Barclay Die Kinder von Estorea - Das verlorene Reich.
Ich habe vergessen, wieviele Personen und Perspektiven es in diesem Buch gibt - ich denke, allein diese Aussage spricht für sich. Da hat man einen Charakter endlich kennengelernt, als er einem schon wieder entrissen wird und ein neuer vorgesetzt wird. Dann passiert in einer Szene mal etwas spannendes und schwupps wird der Leser in eine langweilige Szene von einem anderen Charakter geworfen. Andauernd wechselnde Perspektiven und Schauplätze haben nicht nur genervt sondern auch verwirrt. Und dann hat man sich endlich wieder mit der neuen Situation angefreundet, als auch schon wieder ein Szenenwechsel stattfand.

Was ich daraus gelernt habe:
o nicht zu viele Perspektiven und Schauplätze
o nur weil es auf dem Schlachtfeld 1000 Menschen gibt muss man nicht auch alle mit Namen kennen
o der Trick mit "spannende Szene wird von ruhiger Szene unterbrochen" ist ganz toll, aber doch bitte nicht andauernd, das ist ätzend

Meine Geschichte beginnt leider mit einer vier Seiten langen zur ersten Schlüsselszene hinführenden Szene, das ging nicht anders. Aber ich kann den Anfang ja trotzdem mal nehmen, obwohl er vielleicht nicht gerade durch Spannung brilliert.

"Gestresst presste Leyla ihre Bücher und Blätter an ihren Körper, während sie so schnell es ging durch die Bibliothek lief. Schon zog sie verärgerte Blicke auf sich, weil ihre schwarzen Stiefel aufdringlich auf dem Boden klapperten. Sie versuchte, sich eine störrische dunkelbraune Strähne aus dem Gesicht zu pusten und stolperte daraufhin fast die Treppe herunter. Warum ging heute denn auch einfach alles schief?"

von Elia

Re: Wie du KEINEN guten Anfang schreibst

 
Elia hat geschrieben:
Das eine ist: Susanna Clark: Jonathan Strange & Mr. Norris. Es ist ein Wälzer von 1021 Seiten. Als ich es endlich geschafft habe, konnte ich eine Stunde lang nicht damit aufhören, mir stolz auf die Schulter zu klopfen.


Die Dame heißt Clarke, das Buch" Jonathan Strange & Mr Norrell.
(Wahrscheinlich dachtest du an Mrs Norris. :wink: )
Dass du dir das nicht merken konnest, ist aber nicht schlimm, denn das Buch ist wirklich nicht so toll, als dass man sich seinen TItel merken müsste.

Ich hab es auch gelesen . allerdings die englische Original-Version.

@Jacky: He he, ich war schneller!


LG Holly

von Holly

Re: Wie du KEINEN guten Anfang schreibst

 
Elia hat geschrieben:
Das eine ist: Susanna Clark: Jonathan Strange & Mr. Norris. Es ist ein Wälzer von 1021 Seiten. Als ich es endlich geschafft habe, konnte ich eine Stunde lang nicht damit aufhören, mir stolz auf die Schulter zu klopfen.

Die Dame heißt Clarke, das Buch" Jonathan Strange & Mr Norrell.
:shock:

Oh Gott, wie peinlich...du hast natürlich Recht. :oops: Kommt davon, wenn man nicht lesen kann... :oops: :oops:

von Elia

Re: Wie du KEINEN guten Anfang schreibst

 
Hey,

erst einmal @ Jacky: Ich fand deinen Blogeintrag ebenfalls sehr amüsant, und auch die Kritik bei Amazon halte ich für sehr gelungen. Du nennst alle wichtigen Punkte, ohne dabei in "Belangloses" abzuschweifen und ohne das Buch insgesamt "schlecht" zu machen (du gehst ja von deiner eigenen Meinung aus). Ich habe schon so viele Rezensionen gelesen, bei denen einfach nur da stand: "Tolles Buch, muss man gelesen haben!" - und ich denk mir: Okay ... warum???

So, besagtes Buch habe ich nicht gelesen, kann also auch nicht viel dazu sagen *grins*. dafür äußere ich mich einfach über ein Buch, das ich trotzdem gelesen habe und dassich nicht soo prickelnd entwickelt hat:
Auf Platz 1 meiner "schlechtesten Bücher" steht "Die Stunde der wahren Empfindung", ich weiß nicht einmal mehr, wer es geschrieben hat. Dem Klapptext und der ersten Seite nach zu schließen (die beide wirklich interessant waren) sollte das Buch die Abgründe der menschlichen Seele erläutern, das, was uns zu dem macht, was wir sind, und das, was uns verändert ... habe ich zumindest gehofft. Es ging, grob gesagt, um einen Mann, der träumte, er wäre ein Mörder, und seitdem fühlt er sich anders und denkt auch vollkommen anders. Klingt spannend, nicht? Könnte es auch sein.
War es aber nicht.
Nach Seite zwei fiel die ganze Spannung plötzlich ab, der Typ lebte sein Leben samt Ehefrau und Tochter irgendwie weiter, ging zur Arbeit, machte endlose Spaziergänge durch die Stadt. Irgendwann stattete er seiner Affäre (woher kommt die jetzt?!) einen Besuch ab und ... okay, da dürfte man endlich was Spannendes erwarten, wir sind am Ende des ersten Drittels angelangt. *Jugendschutz beacht* Aber es hat nicht einmal ein bisschen geknistert, nicht einmal ein ganz, ganz kleines bisschen. Besagte Affäre taucht übrigens auch nicht mehr im Buch auf, wenn ich mich recht erinnere. Jedenfalls macht der Typ noch ein paar Spaziergänge, hat ständig das Gefühl, dass alle ihn beobachten (er ist ja ein "Mörder" ... *gähn*), fühlt sich den Menschen fremd. Das war - meiner Erinnerung nach - das zweite Drittel. Wir sind ca. bei Seite 170. Schließlich geht er mit seiner kleinenTochter zum Kinderspielplatz, denkt noch einmal über seine "Fremdartigkeit" nach und bemerkt (oh Schreck ...) dass die Kleine weg ist. Der Leser erwartet jetzt ein wenig Action, ist ja klar. Ein verzweifeltes Rettungsmanöver von einem verzweifelten Vater. Und was macht er? -.- Er schaut sich um und geht nach Hause (was er gedacht hat, weiß ich nicht mehr, es war etwas Belangloses), findet in der Wohnung einen Zettel von seiner Frau. Da steht, dass sie mit ihrer Tocher zu ihrer Mutter gefahren ist, weil sie das Gefühl hat, ihm nichts mehr zu bedeuten, weil er so abwesend ist.
Und dann liest man plötzlich eine Art Zeitungsartikel, in dem ein Mann mit auffällig unpassenden Klamotten durch besagte Stadt geht und es ist wohl der Typ, um den es im Buch ging. Anders kann ich mir das alles nicht erklären. Aber WAS sollte das jetzt? ist der Mann verrückt? hat er sich alles eingebildet? War er schon die ganze Zeit so komisch gekleidet?

Ihr seht, der Hauptcharakter ist irgendwie farblos, andere Charaktere gibt es kaum (seine Frau, die nie wirklich beschrieben wird, seine Tochter, die Affäre und ... die Stadtbewohner als unförmige Masse); es ist vll auf irgendeine Art tiefsinnig, leider ist mir der Sinn hinter der Geschichte nicht wirklich klar geworden. Ich habe das Buch nur gelesen, weil ich ständig gehofft habe, das JETZT doch endlich etwas Spannendes passieren muss, und dann wurde ich mit einem so lahmen, total unlogischen Zeitungsartikel am Ende abgespeist. ... Ich war frustriert ^^

Was ich besser machen würde? Wenn man ein Buch "Die Stunde der wahren Empfindung" nennt, würde ich bestimmt mehr Emotionen reinbringen (die wirklich kaum vorhanden waren). Ich würde die dunkle Seite des mensch-Seins beleuchten, wenn das Buch schon mit einem erträumten Mord anfängt. Ich würde den Hauptcharakter sympathischer machen. ... Einfach alles "farbiger", das Buch ist mir nur als graue Masse in Erinnerung geblieben, weil die charaktere alle so gleich waren. Zur Not kann man den Hauptcharakter von mir auch aus hassen, aber er sollte POLARISIEREN und dem Leser nicht so furchtbar egal sein. Zum Glück war das Buch nur etwa 250 Seiten lang :wink:

Was ich daraus gelernt habe? Gute Frage. Etwas bestimmt. Vielleicht, dass man nicht mit philosophischen Höhenflügen geizen sollte, wenn man sie verspricht? Oder den eigenen gedanken einen spannenden Rahmen (in Form von z.B. einer Fantasygeschichte) zu geben, weil reine Philosophie als "Roman" getarnt den Leser wirklich nur frustriert? Und, VOR ALLEM: Wenn man schon ein "geheimnisvolles" Buch schreibt, dann sollte zumindest der Schluss die größten Unklarheiten beseitigen und nicht neue Probleme aufwerfen. Immerhin ist da das Buch schon zu Ende ... ^^

Ich persönlich habe mein erstes Buch mit einem Dialog angefangen, genauer gesagt mit dem Ausspruch "Mir reicht's!". Ich finde, das weckt Interesse (Warum reicht es ihr/ihm? Und was überhaupt?), verrät aber auch etwas über die Stimmung (unser Charakter ist eindeutig wütend ... ^^). Mein zweites Buch beginnt so:

" Ich wäre für dich gestorben!“–
„Ja ... aber du hast mir nicht zugehört, als ich dich brauchte. Nun sage mir: Was ist Liebe?“

1. Die Wächterin der Berge

Schneidend fegte der Wind über die Berge und ließ die wenigen Pflanzen im Mondlicht erzittern. Eine dünne Schneedecke lag über allem. Verwunschen sah es beinahe aus. Hoch oben am bewölkten Himmel kreisten Lichtfalken, die Boten Liennas ... die Boten einer anderen Welt vielleicht ..."

Gut, ich fange mit einer Landschaft UND dem Wetter an, könnte man sagen. Vielleicht nicht soo optimal ^^. Andererseits hoffe ich, zumindest mit dem Ausspruch vor dem kapitelanfang Interesse zu wecken, weil das ganze Buch (Fantasy) zwar eine Handlung hat, wie sie in jedem Fantasybuch mehr oder weniger so vorkommt, aber ich im Nachhinein einen roten Faden in beiden Hauptgeschichten bemerkt habe: Irgendwie dreht es sich immer um Verlangen, Liebe, Hass-Liebe, freundschaft, ... alle Arten der Liebe eigentlich, wie sie überall vorkommen kann. Aber ich war selbst erstaunt, wie man durch ganz "alltägliche" Fantasy-Charaktere den menschlichen Geist beleuchten kann, wo es durch normale "Analyse" auf Ablehnung stoßen würde. Meine drei testleser meinen zumindest, dass es gruselig ist, weil sie das alles irgendwie schon erlebt haben ^^ --> Meine Hauptcharaktere scheinen den Leuten sympathisch zu sein *grins*.

Liebe Grüße & Cn
Ines

von Illanna

Re: Wie du KEINEN guten Anfang schreibst

 
Mal der umgekehrte Fall: IMHO toller Anfang und dann nix mehr.

Es geht um Macht's gut und Danke für den Fisch von Douglas Adams.

Interessant hierbei ist, dass das Buch
- mit dem Wetter anfängt und
- am Anfang stark zwischen unterschiedlichen Perspektiven wechselt

was ja beides kritisiert oder zumindest kritisch gesehen wurde. Trotzdem finde ich den Anfang genial. Nun muss man allerdings dazu sagen, dass das "der vierte Band der 'Intergalaktischen Triologie' Per Anhalter durch die Galaxis" ist und der Leser also schon ausreichend um die Hauptpersonen weiß. Aber auch, wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte ich den Anfang wohl ziemlich gut gefunden. Gerade das Wechseln der Perspektiven macht es so interessant. Um das mal kurz zu skizzieren:

Prolog
Wiederaufnahme des Prologs des ersten Teils. Als Leser kennt man das zwar schon, muss aber trotzdem wieder grinsen. Das ist wohl mit der beste Teil an der ganzen "fünfbändigen Triologie". Im Prinzip wird mal so kurzerhand die gesamte Menschheit auf die Schippe genommen. Ich kann hier natürlich nicht alles zitieren, aber hier mal der zur späteren geschichte passende Teil:
Und eines Donnerstags dann, fast zweitausend Jahre, nachdem ein Mann an einen Baumstamm genagelt worden war, weil er gesagt hatte, wie phantastisch es doch wäre, wenn die Leute zur Abwechslung mal nett zueinander wären, kam ein Mädchen [...] plötzlich dahinter, was die ganze Zeit schiefgelaufen war, und sie wusste endlich, wie die Welt gut und glücklich gemacht werden konnte.

Für alle, die die geschichte nicht kennen: Kurz bevor sie jemandem davon erzählen kann wird die Erde von den Vogonen gesprengt. Jedenfalls wird noch gesagt
Dies hier ist die Geschichte dieses Mädchens.


Also der Leser fühlt sich an Bekanntes zurückerinnert, hat schon bei den ersten Zeilen ein Breitmaulfrosch-Grinsen aufgesetzt und wird neugierig auf das Mädchen, das fast die Probleme der Menschheit gelöst hätte. - Und das auf etwas mehr als einer Seite.

1. Kapitel
Ich hatte ja versprochen, es fängt mit dem Wetter an. Mit miesem Wetter. Es gießt... und ein Raumschiff landet. Eigentlich hätte ich große Lust jetzt schon wieder zu zitieren, denn auch hier schafft es Admans wieder mit seinem ganz speziellen Humor die Mundwinkel der Leserschaft Richtung Ohrläppchen zu ziehen. Aber wenn ich jetzt mit dem Zitieren weiter mache, brauche ich fast nicht mehr aufzuhören. Douglas Adams eben. Nun gut jedenfalls landet - wortlos - ein Anhalter. Allen, die die ersten drei Teile gelesen haben, sind diese Art Leute wohl bekannt. Frage: Wer ist das? Kenn ich den? Was macht er hier? Und warum traut er sich bei so nem Sauwetter vor die Tür... äh... Luke? Jedenfalls geht er ne Landstraße entlang und wird von verschiedenen Autos, die durch die Pfützen rasen, nass gemacht.

2. Kapitel
BTW: Die Kapitel sind bei Douglas Adams mitungter recht kurz. Das erst hat 3 1/2 Seiten...
Ein LKW-Fahrer - der übrigens ein Regengott ist ohne es zu wissen - rast durch ne Pfütze.

3. Kapitel
Weiter mit dem Anhalter. Er wird noch n paar Mal nass gemacht - allerdings so, dass es eben nicht langweilig wird und wird letztendlich in nem Auto mitgenommen. Dann ne Überleitung zu ner bereits aus den vorherigen teilen wohl bekannten Person: Ford Perfect. Der sitzt gerade - auf nem anderen Planeten - an ner Bar und fängt unvorsichtigerweise n Streit an.

4. und 5. Kapitel
weiter mit Ford. Zudem wird ne extreme Merkwürdigkeit eingeführt, auf die sich selbst Ford keinen Reim drauf machen kann: Die Erde scheint noch zu existieren, obwohl sie ja eigentlich gesprengt ist. Sprung zurück auf die Erde. Man erfährt wer der Anhalter vom Anfang ist. Es ist Arthur Dent - die eigentliche Hauptperson in allen 5 Büchern. In dem Auto, indem er sitzt, ist auch das oben genannte Mädchen und deren Bruder. Dieser gibt es als geisteskrank aus. Zudem gibts noch ne Verschwörungstheorie um die CIA.

Das waren jetzt so in etwa die ersten 40 Seiten. 3 Perspektiven(+ Prolog) und mindestens 5 Sprünge in der Perspektive, wenn nicht mehr. Lauter offene Fragen und kaum Antworten bzw. nur solche die noch mehr Fragen aufwerfen.

Das geht jetzt noch ne Weile so weiter. Viele Fragen, kaum Antworten und mehrere Perspektivwechsel. Bisher ist das Buch noch klasse. Echt. Mir gefällt dieser Anfang sehr gut. Er macht überaus neugiergig. Das Blöde ist, dass dann nichts mehr kommt. Zumindest nicht mehr viel. Viele der Fragen bleiben gänzlich unbeantwortet(CIA) oder enden langweilig(der Regengott hat keine Funktion in der Geschichte, sondern taucht von Zeit zu Zeit mal kurz auf, damit man wieder grinsen kann).

Aber egal. Es geht um den Anfang und der allein ist es schon wert, dass man das Buch kauft. Man sieht also: Man kann auch gute Anfänge schreiben, in denen es diverse Perspektivwechsel gibt. Nur scheint es da ein gewisses "Gewusst wie" zu geben.

Seit dem ich das Buch gelesen hab, hab ich vor, auch so einen perspektivwechselnden Anfang zu schreiben. Ob mir das gelingt werde ich dann sehen...

mfg

Christian

von Der Hakawati

Re: Wie du KEINEN guten Anfang schreibst

 
Hallo!
Naja, ich finde ja wechselnde Perspektiven auch nicht generell blöd...man sollte sie halt nur mit Vorsicht genießen und jede Perspektive detailliert entwickeln, sodass derjenige einen Wiedererkennungswert bekommt. Es ist halt nur ätzend, die Perspektive allein anhand des Ortes zu erkennen. (so: ach ja, die Kleene, die durch die Wüste rennt...wie heißt die nochmal? Keine Ahnung. Wo will sie nochmal hin? Vergessen. Und warum sollte mich das auch interessieren, wo ich sie doch gar nicht richtig kenne? Jaaaaa.....)
Aber wenn du es schaffst, dass man die Personen/Perspektiven auf einen Blick wiedererkennt und sich vor allem auf JEDE Perspektive freut (dass halt nicht eine ätzend langweilig ist...ich hab beim Herrn der Ringe immer die Augen verdreht und die Seiten gezählt, wenn der Fokus auf Frodo schwenkte...kann aber auch an mir gelegen haben.)...dann ist das auch ok...naja, schön, dann ist das wirklich gut. :mrgreen:
Na, jedenfalls, lange Rede kurzer Sinn, stimme ich dir zu. Perspektiven sind eine Frage des gewusst wie.
Genauso wie Regenwetteranfänge, wie man bei Hollys düsteren Satz sehen kann.
Der gefällt mir übrigens auch sehr...Holly, ich werd dich mal engagieren, meiner Geschichte einen genialen ersten Satz zu verpassen, das scheinst du drauf zu haben. :mrgreen:

von Elia

Re: Wie du KEINEN guten Anfang schreibst

 
Wow, erst mal Hut ab, dass du so eine ausführliche Kritik zu einem Buch schreibst. Habe das Buch selbst nicht gelesen, aber ehrlich gesagt auch keine Lust darauf, nachdem ich deine Kritik gelesen habe. Die solltest du vielleicht dem Autor senden - besser geht es kaum.

Das schlechteste Buch, was ich je gelesen habe, war "Elisas Gelüste" von Anne Enright. Der Klappentext war super spannend geschrieben - es ging um eine Mätresse, die sehr einflussreich wird. Das ist eigentlich ein Genre, was ich gerne mag. Negativ an dem Buch ist, dass es so negativ ist. Über Seiten hinweg wird gejammert wie schmuddelig die Umgebung ist, wie nervig Mücken, wie schlammig der Fluss usw. Zusätzlich ist es recht langweilig. Was hätte besser gemacht werden können? Zunächst hätte den Figuren etwas passieren sollen und nicht nur auf einem langen Fluss entlangschippern. Zusätzlich wäre etwas Optimismus angebracht gewesen. Und das nicht nur gesagt wird, dass sich jemand freut, sondern, dass dann auch die Umgebung positiv beschrieben wird, so dass eine positive Stimmung entsteht.

von ines.sey

Re: Wie du KEINEN guten Anfang schreibst

 
@Elia: Ja ja, die Perspektive. Ich liebe es, aus der Sicht verschiedener Personen zu schreiben. Damit der Leser sich aber nicht ratlos am Kopf kratzt, gebe ich immer Ort und Person an und versuche, meinen Schreibstil an die jeweilige Person anzupassen.

Elia hat geschrieben:Genauso wie Regenwetteranfänge, wie man bei Hollys düsteren Satz sehen kann.
Der gefällt mir übrigens auch sehr...Holly, ich werd dich mal engagieren, meiner Geschichte einen genialen ersten Satz zu verpassen, das scheinst du drauf zu haben. :mrgreen:


Jaaah, huldigt meinem ersten Satz! :twisted:
Regnen tut es aber nicht - das Ganze spielt in einer nächtlichen Wüstenlandschaft.
Anfänge gelingen mir generell ganz gut, das Problem sind Mitte und Ende - da muss ich mich immer anstregen, dass mir da die Puste nicht ausgeht und meine Schreibe in einen langweiligen Erzählton verfällt, der bloß die Geschichte zu einem Schluss bringen will. :|

ines.sey hat geschrieben:Die solltest du vielleicht dem Autor senden - besser geht es kaum.


Interessante Idee.
Na der würde sich bestimmt freuen ....

LG Holly

von Holly

Re: Wie du KEINEN guten Anfang schreibst

 
Von einem mega-schlechten Buch kann ich euch auch nur abraten, aber mir fällt leider nicht mehr der Titel ein...
Auf jeden Fall war es auch so ein Illuminati- Abklatsch, im Nachwort stand zum Beispiel extra drin, dass es das nicht sein sollte, aber das war es definitiv. Der Klappentext hörte sich auch interessant an, es ging um ein Artefakt, das bei Ausgrabungen gefunden wird und ganz merkwürdig und geheimnisvoll sein soll. Auch die Hauptfigur hörte sich interessant an, es handelte sich um einen Albino.
So weit so gut, Gott sei Dank hatte ich es mir nur ausgeliehen. Zum einen war es nicht mal ansatzweise überzeugend geschrieben, der Charakter war übertrieben gezeichnet. Ein wenig Exzentrität, Selbstzweifel oder auch Sex sind ja in Ordnung, aber das nahm wirklich überhand. Es ist das erste Buch und bisher auch das letzte, wo ich mich bis zur Mitte gequält hatte und dann einfach nicht mehr weiterkonnte. Das war einfach zu viel.
Gelernt habe ich daraus, meine Charaktere möglichst überzeugend darzustellen, so dass man sich mit ihnen identifizieren kann, dass ihre Handlungen und auch die Umgebung an sich nicht vollkommen aus der Luft gegriffen sein sollten und dass es vor allem nicht ein Abklatsch von etwas werden soll, was definitiv ein augezeichnetes Buch war.

Nachtrag: Ha! Titel gefunden: Frevel von Tom Egeland!

von Jeanne87

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