Hey,
erst einmal @ Jacky: Ich fand deinen Blogeintrag ebenfalls sehr amüsant, und auch die Kritik bei Amazon halte ich für sehr gelungen. Du nennst alle wichtigen Punkte, ohne dabei in "Belangloses" abzuschweifen und ohne das Buch insgesamt "schlecht" zu machen (du gehst ja von deiner eigenen Meinung aus). Ich habe schon so viele Rezensionen gelesen, bei denen einfach nur da stand: "Tolles Buch, muss man gelesen haben!" - und ich denk mir: Okay ... warum???
So, besagtes Buch habe ich nicht gelesen, kann also auch nicht viel dazu sagen *grins*. dafür äußere ich mich einfach über ein Buch, das ich trotzdem gelesen habe und dassich nicht soo prickelnd entwickelt hat:
Auf Platz 1 meiner "schlechtesten Bücher" steht "Die Stunde der wahren Empfindung", ich weiß nicht einmal mehr, wer es geschrieben hat. Dem Klapptext und der ersten Seite nach zu schließen (die beide wirklich interessant waren) sollte das Buch die Abgründe der menschlichen Seele erläutern, das, was uns zu dem macht, was wir sind, und das, was uns verändert ... habe ich zumindest gehofft. Es ging, grob gesagt, um einen Mann, der träumte, er wäre ein Mörder, und seitdem fühlt er sich anders und denkt auch vollkommen anders. Klingt spannend, nicht? Könnte es auch sein.
War es aber nicht.
Nach Seite zwei fiel die ganze Spannung plötzlich ab, der Typ lebte sein Leben samt Ehefrau und Tochter irgendwie weiter, ging zur Arbeit, machte endlose Spaziergänge durch die Stadt. Irgendwann stattete er seiner Affäre (woher kommt die jetzt?!) einen Besuch ab und ... okay, da dürfte man endlich was Spannendes erwarten, wir sind am Ende des ersten Drittels angelangt. *Jugendschutz beacht* Aber es hat nicht einmal ein bisschen geknistert, nicht einmal ein ganz, ganz kleines bisschen. Besagte Affäre taucht übrigens auch nicht mehr im Buch auf, wenn ich mich recht erinnere. Jedenfalls macht der Typ noch ein paar Spaziergänge, hat ständig das Gefühl, dass alle ihn beobachten (er ist ja ein "Mörder" ... *gähn*), fühlt sich den Menschen fremd. Das war - meiner Erinnerung nach - das zweite Drittel. Wir sind ca. bei Seite 170. Schließlich geht er mit seiner kleinenTochter zum Kinderspielplatz, denkt noch einmal über seine "Fremdartigkeit" nach und bemerkt (oh Schreck ...) dass die Kleine weg ist. Der Leser erwartet jetzt ein wenig Action, ist ja klar. Ein verzweifeltes Rettungsmanöver von einem verzweifelten Vater. Und was macht er? -.- Er schaut sich um und geht nach Hause (was er gedacht hat, weiß ich nicht mehr, es war etwas Belangloses), findet in der Wohnung einen Zettel von seiner Frau. Da steht, dass sie mit ihrer Tocher zu ihrer Mutter gefahren ist, weil sie das Gefühl hat, ihm nichts mehr zu bedeuten, weil er so abwesend ist.
Und dann liest man plötzlich eine Art Zeitungsartikel, in dem ein Mann mit auffällig unpassenden Klamotten durch besagte Stadt geht und es ist wohl der Typ, um den es im Buch ging. Anders kann ich mir das alles nicht erklären. Aber WAS sollte das jetzt? ist der Mann verrückt? hat er sich alles eingebildet? War er schon die ganze Zeit so komisch gekleidet?
Ihr seht, der Hauptcharakter ist irgendwie farblos, andere Charaktere gibt es kaum (seine Frau, die nie wirklich beschrieben wird, seine Tochter, die Affäre und ... die Stadtbewohner als unförmige Masse); es ist vll auf irgendeine Art tiefsinnig, leider ist mir der Sinn hinter der Geschichte nicht wirklich klar geworden. Ich habe das Buch nur gelesen, weil ich ständig gehofft habe, das JETZT doch endlich etwas Spannendes passieren muss, und dann wurde ich mit einem so lahmen, total unlogischen Zeitungsartikel am Ende abgespeist. ... Ich war frustriert ^^
Was ich besser machen würde? Wenn man ein Buch "Die Stunde der wahren Empfindung" nennt, würde ich bestimmt mehr Emotionen reinbringen (die wirklich kaum vorhanden waren). Ich würde die dunkle Seite des mensch-Seins beleuchten, wenn das Buch schon mit einem erträumten Mord anfängt. Ich würde den Hauptcharakter sympathischer machen. ... Einfach alles "farbiger", das Buch ist mir nur als graue Masse in Erinnerung geblieben, weil die charaktere alle so gleich waren. Zur Not kann man den Hauptcharakter von mir auch aus hassen, aber er sollte POLARISIEREN und dem Leser nicht so furchtbar egal sein. Zum Glück war das Buch nur etwa 250 Seiten lang
Was ich daraus gelernt habe? Gute Frage. Etwas bestimmt. Vielleicht, dass man nicht mit philosophischen Höhenflügen geizen sollte, wenn man sie verspricht? Oder den eigenen gedanken einen spannenden Rahmen (in Form von z.B. einer Fantasygeschichte) zu geben, weil reine Philosophie als "Roman" getarnt den Leser wirklich nur frustriert? Und, VOR ALLEM: Wenn man schon ein "geheimnisvolles" Buch schreibt, dann sollte zumindest der Schluss die größten Unklarheiten beseitigen und nicht neue Probleme aufwerfen. Immerhin ist da das Buch schon zu Ende ... ^^
Ich persönlich habe mein erstes Buch mit einem Dialog angefangen, genauer gesagt mit dem Ausspruch "Mir reicht's!". Ich finde, das weckt Interesse (Warum reicht es ihr/ihm? Und was überhaupt?), verrät aber auch etwas über die Stimmung (unser Charakter ist eindeutig wütend ... ^^). Mein zweites Buch beginnt so:
" Ich wäre für dich gestorben!“–
„Ja ... aber du hast mir nicht zugehört, als ich dich brauchte. Nun sage mir: Was ist Liebe?“
1. Die Wächterin der Berge
Schneidend fegte der Wind über die Berge und ließ die wenigen Pflanzen im Mondlicht erzittern. Eine dünne Schneedecke lag über allem. Verwunschen sah es beinahe aus. Hoch oben am bewölkten Himmel kreisten Lichtfalken, die Boten Liennas ... die Boten einer anderen Welt vielleicht ..."
Gut, ich fange mit einer Landschaft UND dem Wetter an, könnte man sagen. Vielleicht nicht soo optimal ^^. Andererseits hoffe ich, zumindest mit dem Ausspruch vor dem kapitelanfang Interesse zu wecken, weil das ganze Buch (Fantasy) zwar eine Handlung hat, wie sie in jedem Fantasybuch mehr oder weniger so vorkommt, aber ich im Nachhinein einen roten Faden in beiden Hauptgeschichten bemerkt habe: Irgendwie dreht es sich immer um Verlangen, Liebe, Hass-Liebe, freundschaft, ... alle Arten der Liebe eigentlich, wie sie überall vorkommen kann. Aber ich war selbst erstaunt, wie man durch ganz "alltägliche" Fantasy-Charaktere den menschlichen Geist beleuchten kann, wo es durch normale "Analyse" auf Ablehnung stoßen würde. Meine drei testleser meinen zumindest, dass es gruselig ist, weil sie das alles irgendwie schon erlebt haben ^^ --> Meine Hauptcharaktere scheinen den Leuten sympathisch zu sein *grins*.
Liebe Grüße & Cn
Ines