Wie man einen verdammt guten Roman schreibt - James N. Frey

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Wie man einen verdammt guten Roman schreibt - James N. Frey

 
Nutze dieses Thema um über folgenden Beitrag aus meinem Blog zu diskutieren:
Wie man einen verdammt guten Roman schreibt - James N. Frey

Besitzt du das Buch?
Hast du es schon gelesen?
Wie hat es dir gefallen?
Was fandest du gut/schlecht und warum?
Würdest du es weiterempfehlen und wenn ja, wem?
Würdest du es dir (wieder) kaufen?

Entschuldigt bitte die Verwirrung, ich bin zu früh auf den "veröffentlichen"-Knopf gekommen. Jetzt ist der Artikel (endlich) fertig und geht nächsten Dienstag online ;)

von © Jacky

Re: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt - James N. Frey

 
Hallo!
(dann bin ich also der Erste ...)

Besitzt du das Buch?


Klar! :wink:

Hast du es schon gelesen?


Ja!

Wie hat es dir gefallen?


Sehr gut - einer der besten Schreibratgeber mMn. Es werden nicht nur handwerkliche Dinge erläutert (sehr kurzweilig übrigens und nicht trocken), sondern auch immer textliche Beispiele dazu gebracht - die sehr anschaulich sind und einen schnell begreifen lassen, was Frey meint.

Was fandest du gut/schlecht und warum?


Mir hat das Buch gefallen - aus obigen Gründen. Um es nochmal zu sagen: Anschaulich und amüsant zu lesen. Es kann im Vergleich mit den Schreibratgebern von Sol Stein und Stephen King locker mithalten.

Würdest du es weiterempfehlen und wenn ja, wem?


Durchaus - dieses Buch zu kaufen ist kein rausgeworfenes Geld, damit kann man wirklich etwas anfangen - im Sinne von Begreifen der handwerklichen Aspekte des Schreibens. Empfehlen würde ich es jedem Autor: Anfängern und Fortgeschrittenen.

Würdest du es dir (wieder) kaufen?


Wenn ich´s nicht schön hätte, auf jeden Fall.
Prädikat: Empfehlenswert! :wink:

Gruß, CS

von © CharlySemmel

Re: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt - James N. Frey

 
Ja, ich besitze dieses Buch, meine Tochter hat es mir vor einigen Jahren geschenkt.
Ich habe es mehr als einmal gelesen. Denn es ist ein Sachbuch und dient alleine dem Zweck, einen "verdammt" guten Roman zu schreiben. So gesehen werden das die wenigsten können (auch mit diesem Buch), aber die Inhalte sind es wert, es zu versuchen.
Die Frage, ob und wie es mir gefallen hat, ist vielleicht nicht ganz richtig. Denn als Sachbuch geht es nicht um Gefallen im Sinne des Wortes, sondern eher um den handwerklichen Nutzen.
ich fand es für meine Zwecke nur gut. Was daran schlecht ist, kann ich persönlich nicht beurteilen.
Ich kann dieses Buch jedem Anfänger empfehlen. Denn es geht weit über das hinaus, was im
www in Form von Links angeboten wird, ohne jetzt jemandem persönlich auf den Schlipps treten zu wollen. Aber Links geben nur ein jeweiliges Thema wieder und Frey gibt von Anfang bis zum Ende komplexe Hilfestellungen.
Nein, ich würde es mir nicht wieder kaufen, da ich es schon habe (kleiner Scherz). Aber die Frage kann auch so verstanden werden: Würdest du es dir kaufen? Ja, heute eher, als früher. Frey schrieb dieses Buch 1993 Damals war die Information darüber, dass es ein solches Buch gibt ohne die Komplexität des Internets weitgehend schwieriger und so musste manch ein hoffnungsvolles Talent auf Freys Hilfestellungen verzichten.

Grüßle
Bernd Stephanny

von © BerndStephanny

Re: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt - James N. Frey

 
Besitzt du das Buch?


Ja, es war der erste Schreibratgeber, den ich mir besorgt habe.

Hast du es schon gelesen?


Nicht von vorne nach hinten, aber mittlerweile fast alles.

Wie hat es dir gefallen?


Teilweise gut, teilweise unbefriedigend (s.u.)

Was fandest du gut/schlecht und warum?


Am besten wird geschildert, wie man eine Handlung plant und einen Roman konzipiert. Das nimmt nämlich auch den meisten Platz ein, Kapitel 2-5. Verbunden mit der Schneeflockenmethode hatte ich das Gefühl, einen richtig guten Plot schreiben zu können.

Die Charakterentwicklung und die Hinweise zu Dialogen fand ich viel zu oberflächlich, zumal ein Großteil der einzelnden Kapitel mit literarischen Beispielen gefüllt ist. Für die Charakterentwicklung hat mir Jackys Blog sehr geholfen, für Dialoge "Dialogue" von Gloria Kempton, Teil einer sehr guten Schreibratgeberserie.

Würdest du es weiterempfehlen und wenn ja, wem?


Es ist ein Anfängerratgeber, vor allem für Leute, die Probleme mit Storyentwurf und Plotten haben. Man kann es lesen, aber für einige Punkte braucht man ergänzende Literatur.

Würdest du es dir (wieder) kaufen?


Ich würde mir vermutlich lieber ein "kostengünstiges" Ebook davon suchen :wink:

von © Dunkelthal

Re: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt - James N. Frey

 
Besitzt du das Buch?

Ja ich habe es schon seit Jahren im Regal stehen.

Hast du es schon gelesen?

Ja und manche Teile sogar mehr als einmal.

Wie hat es dir gefallen?

Sehr gut

Was fandest du gut/schlecht und warum?

Gut fand ich, dass sich wirklich Zeit genommen wurde dem Leser zu erklären wie man einen Plot aufbauen kann und das Ganze auch noch an bekannten Beispielen erläutert wurde.
Schlecht fand ich, dass sich das buch eigentlich fast nur mit dem Thema beschäftgt hat, zu einem verdammt guten roman gehört meiner Meinung nach aber noch mehr.

Würdest du es weiterempfehlen und wenn ja, wem?

Ja würd ich durchaus weiter empfehlen, wenn jemand ein gutes Buch zum Plot entwickeln sucht.

Würdest du es dir (wieder) kaufen?

Ja sofort

von © Helfstyna

Re: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt - James N. Frey

 
Hallo Jacky,

auch ich besitze dieses Buch, bin dem Gegenüber allerdings sehr kritisch eingestellt.

Der Titel ist irreführend. In diesem Buch wirst du nicht lernen wie du einen "verdammt guten" Roman schreibst sondern wie du einen "trivialen, amerikanischen Standartroman" schreibst. Das kann ein Ziel sein und es gibt viele Leute die Bücher eben zur Zerstreuung und ohne Anspruch lesen. Dazu gehöre ich nicht mehr. Wenn ein Buch nichts zurückgibt dann stiehlt es Zeit. Der Autor macht sich zum Dieb.
Es kann sein das durch dieses Buch viele Schriftsteller geboren werden. Das Menschen befähigt werden Bücher zu schreiben die Absetzbar und vom Grunde her auch nicht schlecht sind. Aber niemand der "nach diesem Buch schreibt" wird die Literatur in irgend einer Form weiterbringen. Aus diesen Tipps entwachsen keine Meisterwerke.

Gerade die Ratschläge des Autors zur Charaktergestaltung, wie er den "Romanhelden" zum Übermenschen stilisiert und nicht einmal daran denkt ihn über das Konstrukt zu erheben das er hier aufbaut und das eine Rolle imitiert statt zu leben, sind einfach falsch. Es gibt dafür kein anderes Wort. Sie sind falsch. Kein Buch wird dadurch lebendig das man den Hauptcharakter absichtlich verkünstelt.

Ich habe vor einiger Zeit aufgehört solche Bücher zu lesen und bin darum auch nicht bereit nun damit anzufangen sie zu schreiben. Das ist natürlich eine sehr persönliche Angelegenheit und muss für andere gar nichts heißen. Aber wenn du einen "verdammt guten " Roman schreiben möchtest, sind die Ratschläge darin nur bedingt nützlich.

Gruß,

Mike

von © Michael Silker

Re: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt - James N. Frey

 
Der Titel ist irreführend. In diesem Buch wirst du nicht lernen wie du einen "verdammt guten" Roman schreibst sondern wie du einen "trivialen, amerikanischen Standartroman" schreibst. Das kann ein Ziel sein und es gibt viele Leute die Bücher eben zur Zerstreuung und ohne Anspruch lesen. Dazu gehöre ich nicht mehr. Wenn ein Buch nichts zurückgibt dann stiehlt es Zeit. Der Autor macht sich zum Dieb.


Hallo Michael!

Ich glaube, du verwechselst Handwerk mit Inhalt. Im Buch von Frey geht es um das Handwerk des Schreibens. Wie du Figuren, Setting, Handlung etc. dann tatsächlich gestaltest, ist allein deine Sache als Autor. Sprich: Du kannst das im Rosamunde Pilcher-Stil tun oder versuchen, dich Goethe und Schiller anzunähern - da hast du alle Freiheiten.
Dein Denkfehler ist mMn, dass du der Meinung bist, Frey vermittle triviale Inhalte. Das tut er nicht! Er versucht das Handwerkliche zu vermitteln und benutzt dabei allgemeingültige Textbeispiele, um seine Ausführungen zu untermauern. Vermutlich kommen dir seine Beispiele trivial vor - aber die Texte dazu sind nur Mittel zum Zweck (darum geht es nicht)
Ich wiederhole:
Es geht in diesem Buch ausschließlich um das Handwerk des Schreibens. Wenn ich eine gute Idee habe - aber nicht die handwerkliche Ausrüstung als Autor, sie wirksam umzusetzen - wird diese Idee vermutlich nie so beim Leser ankommen, wie sie könnte.
Und genau an dem Punkt will Frey Abhilfe schaffen. Das muss aber noch lange nicht heißen, dass er sich deswegen in die Ideen und Inhalte von Autoren einmischt, um sie zu standardisieren. Er will nur helfen, diese Ideen wirkungsvoller zu gestalten. :wink:

HGruß, CS

von © CharlySemmel

Re: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt - James N. Frey

 
Hallo Michael,

Ich glaube, das Ziel von Frey ist keine Anleitung, hohe Literatur zu verfassen, mit der man den Pulitzerpreis gewinnen kann. Er schreibt in seiner Einleitung (S. 15) ausdrücklich, dass er keine Anleitung für "experimentelle, symbolische, philosophische oder psychologische" Romane geschrieben hat, sondern für spannende Romane. Vielleicht hätte er statt "verdammt gut" lieber "verdammt spannend" schreiben sollen, aber es geht ihm definitiv nicht darum, Anleitungen zum verfassen von Weltliteratur zu geben.

LG Dunkelthal

von © Dunkelthal

Re: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt - James N. Frey

 
Besitzt du das Buch?

Ja
Hast du es schon gelesen?

Ja
Wie hat es dir gefallen?

Ich fand es nicht schlecht.
Was fandest du gut/schlecht und warum?

Ich fand, James. N. Frey hat einen lockeren Stil und erklärt meist auf verständliche Art das Thema. Was ich bis heute noch nicht geschnallt habe, ist die Herumreiten auf der Prämisse. Die wird mir hier zu wichtig genommen. Im Großen und Ganzen ist es jedoch ein gutes Buch, das brauchbare Tipps zum Schreibhandwerk liefert. Ein jeder muss selbst heraus filtern, was er davon verwenden kann und soll.
Würdest du es weiterempfehlen und wenn ja, wem?

Nur bedingt! Wer sich mit diesem Buch auseinandersetzt, sollte bereits Schreiberfahrung haben und ein gewisses Maß Selbstvertrauen zu seinem schriftstellerischen Können besitzen. Es ist keine Anfänger-Bibel die in die Schreibkunst einführt
Würdest du es dir (wieder) kaufen?

Ja

Arius

von © Arius

Re: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt - James N. Frey

 
Hab ich das Buch? Ja. Ich musste es mir zulegen, weil ich schon so oft daraus Zitiertes las, das mir die Fußnägel aufrollte. Ich wollte wissen, ob das Zitierte oder die Zitierenden die … öhöm … nicht ganz so Kundigen waren.

Habe ich es gelesen? Ja. Mit Mühe. Vor allem, weil ich alle Nase lang Wutausbrüche über den dort vermittelten Unsinn bekommen habe.

Wie hat es mir gefallen? Ich glaube, die Frage ist schon beantwortet.

Was fand ich gut/schlecht und warum?
Dass in der Tat Frey ausdrücklich darauf hinweist, dass es eigentlich nicht um den "guten Roman" geht sondern um den "massentauglichen Schmöker", wurde ja schon erwähnt. Damit ist ein Prinzip schon angewendet: Versprich im Titel so viel wie möglich und bediene dann davon nur einen Bruchteil. Ich habe jedenfalls diese Einschränkung durchaus berücksichtigt beim Lesen und bin trotzdem regelmäßig aus der Haut gefahren. Ich glaube, allein an der Abteilung "Dialog" habe ich eine Woche rumgewütet – was für ein hahnebüchener Schwachsinn, dass mit dem "indirekt reden"! Und was konkret da an den Textbeispiel-Dialogen "verbessert" worden sein soll, entzieht sich nicht nur meinem Verständnis, es treibt mir die Zornesröte ins Gesicht. Jeder halbwegs gute Lektor würde die allereste Version dieses Dialoges allen anderen dort vorziehen.
Vieles von dem Quatsch aus dem Buch taugt heute nicht mal mehr für Groschenromane. Jedenfalls nicht in Deutschland. Ich bin nicht mal sicher, dass das zu Karl Mays Groschenheft-Zeiten gegolten hat.
Aber: Es gibt tatsächlich auch hier und da sinnvolle Hinweise. Das mit "die Figuren sind keine normalen Menschen" zum Beispiel. Oder die bloße Tatsache, den Schreibanfängern mal vor Augen zu führen, welche Elemente die Wirkung eines Romanes bestimmen, worauf man also achten muss.
Schlimm – und ich benutze absichtlich dieses Wort – ist, dass echte Schreibanfänger nicht nur diese guten Tipps aufnehmen, sondern - und zwar meiner Erfahrung nach besonders gierig - den Unsinn. Ich erinnere mich mit Grausen an einen, der dachte etwas wie "Anton hebt seinen dicken Körper aus dem Sessel" sei die indirekte Form von "Anton ist dick."

Würdest ich es weiterempfehlen? Im Gegenteil, ich würde jedem raten, die Finger davon zu lassen. Mag ja sein, dass das amerikanische Original sinnvoller ist und vieles erst der Übersetzung zum Opfer fiel – aber empfehlenswert ist es vermutlich auch im Original nicht. Jedenfalls nicht als Schreibratgeber.

Würde ich es mir (wieder) kaufen? Nee! Treibt meinen Blutdruck zu sehr in die Höhe. Schon daran zu denken, lässt mir das Messer in der Tasche aufgehen. Tausende von Schreibern denken z.B. seit Frey, "Prämisse" sei das selbe wie "Botschaft", "Intention" und/oder gar "Thema". ("Prämisse" heißt "Voraussetzung".) – das ist doch grausig.

Gruß von
jon

von © Ojinaa

Re: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt - James N. Frey

 
Hallo Ojinaa!

Ich bin schockiert - so ein Statement von einer Lektorin? :|
Dass Dialoge indirekt besser sind, findest du auch bei Sol Stein und Stephen King.
Und eine Prämisse ist nicht zwingend. Frey rät dazu, aus verschiedenen Gründen. Wenn ein Autor das so versteht, dass er dem sklavisch folgen muss, ist er selbst schuld. Ein bisschen eigenes Denken wird man wohl noch verlangen können, oder? :wink:
Karl May Bücher als Groschenhefte zu bezeichnen ist auch so ein Ding - ich hab bisher gedacht, das seien Klassiker der Weltliteratur. Also sorry ..., ich kann über deinen Kommentar nur den Kopf schütteln. :?:

HGruß, CS

von © CharlySemmel

Re: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt - James N. Frey

 
Hallo CharlySemmel,

naja, Karl May hat ja nicht nur die Reise-Bücher gemacht (ich erinnere mich z.B. an einen Monte-Christo-Verschnitt). Und er hat auch für "Groschenhefte" geschrieben. (Wie hieß das? "Heidenröslein?" "Die Gartenlaube" war auch dabei, die wuchs in jenen Jahren aber fast zum Kulturblatt heran. Oder wurde sie vom Kulturblatt zur Massenwaren wegen KM? Ich weiß nicht mehr.) Andererseits mag sein Werk (bei uns) als Meilenstein gelten und es ist typisch für einiges seiner Zeit, aber direkt "hohe Kunst" ist es ja nun auch nicht, oder?

Erstens: Nur weil "Dialoge sind indirekt besser" auch anderswo steht, wird es nicht richtiger.
Zweitens: Was Frey da als "indirekt" verkauft, ist zum Teil einfach nur verschwurbelt. (Das kann aber an der Diskrepanz Deutsch-Amerikanisch liegen.)
Drittens: Natürlich ist "indirket reden" gut – wenn es zu den Personen und der Situation passt. Es gibt Leute, die reden rundheraus, und Leute, die eiern rum, und das variiert dann noch je nach Gesprächspartner, Situation und Thema. Das Eingangsbeispiel bei Fry (das in der Cafeteria) handelt von zwei verschiedenen Personen – der Typ vom "schlechten Dialog" ist einfach nur ein anderer als der vom "guten Dialog". Mag ja sein, dass smarte Frauenhelden in Amerika als interessanter gelten, aber einfühlen kann der Leser sich sicher eher in den unsicheren Knaben.

Das mit der Prämisse zum Beispiel:
Erstens: Klar – wer Deutsch kann und schon seine "Autoritätsgläubigkeit" abgelegt hat, merkt, dass das Wort falsch verwendet wird. Aber Anfänger glauben den Quatsch. Und nicht nur die, wie ich immer wieder feststelle. (Nochmal: Ich meine die Gleichsetzung von Prämisse mit Intension, Thema oder gar Botschaft.)
Zweitens: Prämissen – und ich meine Prämissen – sind zwingend notwendig. Einige bringt der Autor mit seinem Überzeugungen mit, andere muss er festlegen (in dem Dorf, wo meine Story spielt, gibt es eben eine eigene Poststelle, auch wenn das eher ungewöhnlich ist.)
Drittens: Jeder Text entsteht mit einer bestimmten Intension. Die simpelste ist "Ich muss das jetzt mal aufschreiben." In der Nähe zur Botschaft und zur Prämisse bewegt sich das Beispiel "Ich will zeigen, dass wahre Liebe siegt." Manchmal ist es „nur" die Intension "ich will Geld verdienen."

Ja. Eigenes Denken ist immer von Vorteil. Aber selbst Leute, die ich in Sachen Schreiben nicht für unerfahren halte, nehmen diverse Fehler des Buches als Weisheit auf (siehe indirekter Dialog). Von Leuten, die tatsächlich Rat fürs Schreiben suchen, ganz zu schweigen.

Und ja: Sowas von einer Lektorin. Eben weil ich oft Sachen vorgesetzt bekomme, die genau solchen Quatsch machen. Die Figuren reden verschwurbelt (und zwar alle, nicht nur der verschwurbelte Typ), der Held ist "irgendwie total toll" (Frey nennt es "immer entschlossen gut motiviert und willensstark"), der Text fängt vor dem Anfang an und ergeht sich in allerlei Vorerklärungen oder – grade wieder auf dem Tisch gehabt – alles ist so peppig und originell und spannend und gaanz ausdrucksstark, dass es die eigentliche Spannung erschlägt.

Übrigens: Das Kapitel über die Figuren ist das Beste im Buch, das würde ich so durchaus empfehlen. Der Rest ist durchwachsen bis völlig unbrauchbar – für wirklich Rat Suchenden zumindest.

In diesem Sinne:

Gruß von
jon

von © Ojinaa

Re: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt - James N. Frey

 
Hallo jon,

da ich nach deinen Ausführungen annehme, dass du das Buch gelesen hast, muss ich sagen, dass ich es bedenklich finde, wenn du (als jemand, der sich als Lektorin bezeichnet), manches ganz offensichtlich nicht verstehen konntest oder wolltest. Wie man in deiner (und meiner) Berufung derart danebenlesen kann, ist mir fast schon ein Rätsel.

Frey ist mit Sicherheit nicht der Weisheit letzter Schluss und ich kritisiere ihn in meinen Artikeln durchaus des Öfteren, aber – ob nun sonderlich geschickt oder nicht – er wendet sich eben gerade gegen so manches, was du ihm ankreidest. So hat er die Prämisse (und wer Deutsch kann, weiß, dass Wörter in der Regel mehr als eine Bedeutung haben) für den Schreibprozess nicht erfunden und definiert sie gerade nicht als Intension, Thema oder Botschaft.

Gleiches gilt für den total tollen Helden, der nämlich nicht total toll, sondern in seinen fiktiven Eigenschaften, auch den schlechten, konsequent sein soll.

Auch was du über die Dialogtipps herausgelesen haben willst, geht komplett am Kernthema vorbei.

Wie gesagt, Frey zu lesen und zu befolgen, bedeutet nicht, alles richtig zu machen. Erst recht, wenn man bedenkt, dass das Buch für Einsteiger ist, und man auch die Fortsetzung für Fortgeschrittene kennt (in der manches, was er zunächst vereinfacht dargestellt hat, beinahe widerrufen wird).

Man kann also durchaus geteilter Meinung über dieses Werk sein oder es gar völlig ablehnen. Aber zu welchem Ergebnis man auch kommt: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil (auch und gerade als Lektorin).

von © BenP

Re: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt - James N. Frey

 
Hallo BenP,

schön, dass du weißt, wo Frey irrt, daneben liegt oder dergleichen. Da sind wir uns ja schon mal ähnlich. Aber ich neige eben dazu, zu lesen, was da steht und da steht (und zwar mehrfach), dass "indirekte Dialoge" besser seien. Was macht ein Anfänger oder Frey-Gläubige also? Er schreibt solche Dialoge. Gut. Solange es passt.

Und natürlich benutzt Frey "Prämisse" eben in all diesen Sinnen: Als Botschaft, als (und das steht sogar wörtlich das: "sie nennt es Thema") als Thema und (auch das steht auch wörtlich da: "Das ist der Grund dafür, daß Sie schreiben" und "Seele all dessen, was Sie zum Ausdruck bringen") als Intension … und als Prämisse.
Gut, das ist nur ein augenfälliges Detail; in der Sache (die auch für meinen Geschmack zu sehr ausgewalzt ist) namens "Wenn das Ding eine Art Motto hat, kannst du besser auf dieses Motto hin schreiben" sind die Ausführungen nicht falsch (wenn man die richtigen Worte statt "Prämisse" verwendet hätte). Das hab ich auch nie montiert, ich ärgere mich über die Schlamperei im Sprachumgang - in einem SCHREIBLEHRBUCH!
Es mag sein, dass man in Amerika generell nicht so pingelig ist, was Begrifflichkeiten angeht, vielleicht hatte der Übersetzer ja deshalb keine Chance, es "richtig" zu machen.
Das Problem ist: Wenn mir ein Autor als Erklärung "Mein Prämisse ist, dass Liebe zu Glück führt." schreibt, dann heißt das laut Frey wohl "Ich will zeigen/beweisen, dass es so ist - das ist der Sinn des Textes". Es kann aber – wörtlich genommen – eben auch heißen: "Ich gehe davon aus, dass Liebe zu Glück führt, und will – von dieser Art Glückserlangung ausgehend – zeigen, was Glück ist." Diese Art Sprachlogik muss ein Autor eben auch beherrschen.
Dass Frey solange an dem Wort "Prämisse" rumdefinieren muss, ist ein sicheres Zeichen, dass er sich selbst des "Punktes" des Ganzen wohl nicht sicher ist, sondern nach dem Verfahren "Ich kreise mal so lange drumrum, bis jeder das für sich Passende gefunden hat" verfährt.
Vielleicht - aber da spekuliere ich natürlich – hat er selbst die Quellen, die er da anführt, nicht wirklich verstanden, sondern eher "so ungefähr erahnt", was sie meinen. Also nimmt der das Schlagwort, das für ihn schwammig geblieben ist, drückt es seinen Lesern wieder und wieder aufs Auge. Und irgendwie spürt man schon, dass da was Feuchtes im Schwamm ist, und man kann damit auch die Tafel abwischen, aber was das Feuchte ist und wieso es im Schwamm ist und warum die Tafel sauber wird (statt zu verschmieren), bleibt halt ein Rätsel. Und wenn nach fünfzig Wischvorgängen die Tafel dann doch verschmiert, weiß man nicht, wo das Problem lieg und/oder wie man es beheben kann.

Angenommen, Frey hätte dieses ganze Kapitel auf die richtigen und nötigen Aussagen konzentriert (und das hier da auch noch gemacht), dann hätte er gar keinen Teil 2 machen müssen – hätte alles in ein Buch gepasst und hätte dabei "ordentlich" behandelt werden können.

Kleiner Scherz am Rande: Mein Lieblingsschmäckerchen aus dem Buch ist übrigens:
"Machen Sie Anspielungen, die Ihre Leser verstehen können." (Richtig!) "Er roch nach SO2. (Vielleicht weiß der Leser nicht, dass dieses chemische Zeichen für Schwefeldioxid steht, das wie faule Eier stink)" Weiß ich tatsächlich nicht. Ich weiß, dass SO2 stechend riecht und H2S nach faulen Eiern stinkt. Hab ich schon in der Schule gelernt und im Studium selbst ausprobiert. Naja, aber wer es auch sonst nicht so genau mit Begriffen nimmt, für den ist es wohl schnurz, ob er seine Lungen mit SO2 verätzt oder sich mit H2S vergiftet.

So. Und jetzt pack ich mein Flammenschwert wieder ein und versuche, bei Lektoraten auszubügeln, was Frey versaut hat …

Gruß von
jon

von © Ojinaa

Re: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt - James N. Frey

 
Besitzt du das Buch?
Ja, noch.
Hast du es schon gelesen?
Jep, falls es jemanden interessiert, hier:
Meine Rezension von James n.Frey Wie man einen verdammt guten Roman schreibt
Wie hat es dir gefallen?
Es geht so, einige Stellen waren mega spannend und gut verwertbar, andere wiederum zogen sich wie Kaugummi und hatten mich Nerven gekostet am Ball zu bleiben. Hätte dieses Buch beinahe, auf nie mehr wiedersehen zugeklappt.
Was fandest du gut/schlecht und warum?
+ Das Thema Dialoge und wie man spannende Szenen schreibt.
Hier sieht man echt die Unterschiede an einem Text und kann sehr gut nachvollziehen.
Hier hat Frey das erste Mal keinen externen Autor zitiert, sondern eine Geschichte erfunden.
- Das benötigte Hintergrundwissen.
Für ein Buch auch für Anfänger mbM völlig unangebracht!
Ich habe bei 7 Verweisen zu anderen Autoren aufgehört zu zählen.
- Inhaltsangabe, genauer die Einteilung der Unterkapitel auf 3 Seiten geschrumpft.
Würdest du es weiterempfehlen und wenn ja, wem?
hm? eher nicht, ich wüsste nicht wem!? :oops:
Es sind für mich nur einzelne Passagen wirklich verwertbar.
Würdest du es dir (wieder) kaufen?
eher nein.

Lieben Gruß
Lemmy

von © Malemmy

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