Wie du mit Worten Musik erschaffst

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Wie du mit Worten Musik erschaffst

 
Nutze dieses Thema um über folgenden Beitrag aus meinem Blog zu diskutieren:
Wie du mit Worten Musik erschaffst

Die Idee zu diesem Beitrag entstand durch die Frage von Kuroi.
Ich würde den Beitrag gerne erweitern. Hast du eine gute Idee um deinem Leser die Musik noch näher zu bringen?
Natürlich wüsste ich auch gerne, ob er irgendwie geholfen hat.

von Jacky

 
Habe es mir schon in der frühe durchgelesen und fand es sehr interessant und mich ein wenig an mich erinnert....arbeite sehr gerne mit Musik, lasse mich auch sehr oft von Musik inspirieren. Wenn mir ein Lied richtig gut gefällt, ziehe ich mir den Songtext runter, lese ihn mir in Ruhe durch...und wupp...schon hab ich viele Ideen im Kopf, die ich dann auch zu Papier bringe.

Alle Deine Blocks sind interessant und wirklich sehr hilfreich. Habe mir jetzt auch so einen Notizblock bestellt...auf Deinen Rat hin....mal schauen :wink:

Der Weg zum Schriftsteller ist sehr schwierig, Du lässt uns auf Deinem Weg begleiten und es macht Spaß...Spaß Dir zu folgen...ich bin jedenfalls dabei...kompliment für Deine Mühe und ein großes Lob Jackie :lol:

LG
Justine

von Justine

 
Hallihallo,

da ich selbst einige Jahre lang Instrumentenunterricht hatte und auch einer der wenigen war, die sich auf dem Gymnasium Musik als Leistungskurs angetan hatten, hat die Musik einen sehr hohen Stellenwert bei mir bekommen und fließt auch sehr oft in meine Geschichten ein. Irgendwo ist immer ein Sänger, und wenn es nur der Barde im Hintergrund auf dem Markplatz ist in der kleinen mittelalterlichen Stadt.

Meine Frage stellte ich deshalb, da die Musik in dem Geschichtchen, dass ich gerade schreibe einen hohen Stellenwert für einen der beiden Protagonisten darstellt, sozusagen seine Passion ist, wobei ich jedoch sagen muss, dass die Musik selbst nicht der absolute Mittelpunkt des Plots selbst darstellt, sondern einen Teil dessen inneren Aussagen widerspiegeln soll. Dementsprechend steht das Ganze also im Vordergrund und würde besonderes Fingerspitzengefühl verlangen.

Ich habe es probiert mit der Umschreibung mit vergleichweisen Bildern, die vielleicht ein wenig von dem ausdrücken, was man für Empfindungen beim Hören der Klänge haben könnte, wobei das natürlich nur beschreibende Eindrücke sind, also keine "realen" Klänge, die eventuell im Kopf des Lesers auftauchen, dass dieser sozusagen in Gedanken das vor sich hinsummt.
Klar, ein Ansatz ist die Nennung der Instrumente, aber das alleine macht ja keine Musik. Wenn ich mit dem Bogen über die Geige kratze nimmt jeder Reisaus und bekommt vielleicht sogar Ohrenbluten, aber es ist und bleibt eine Geige.
Der Knackpunkt ist also die Umschreibung anscheinend selbst, und das stellt sich als Schwierigkeit meinerseits dar, da zum einen jeder etwas anderes mit den "Sinnbildern" assoziiert, und zum anderen diese oftmals mehr oder minder einfach unzureichend sind, so empfinde ich es zumindest.

Ein nettes Beispiel ist wohl Tolkiens "Der Herr der Ringe". Der Mann konnte fanstastische Welten erschaffen, seine Sprachen der völker sind unübertrefflich gut und der Plot ist irgendwie einfach genial, aber wenn er anfängt, die Hobbits singen zu lassen versagt er meines Erachtens. Diese Art und Weise erweckte zumindest bei mir nicht wirklich Sinneseindrücke von dem, was da gesungen (oder auch manchmal gegröhlt) wurde. Ich war sogar soweit, dass ich einmal versucht habe, den einen elfischen Liedtext aus dem Herrn der Ringe, zu vertonen mit Harfen und Glockenspielen (Anm: Synhesizer sind was tolles), nur um einen ungefähren Eindruck mal zu bekommen, aber das war meine Vorstellung, jemand anderes hätte das garantiert anders interpretiert.

So, nun gehe ich mal ein wenig ins Detail...
Neben dem Text ist wohl der Rhythmus die einfachste Sache, die du beschreiben kannst. Reißt er mit, oder ist er nur ein ständiges Einerlei? Trägt er die Musik und ist ein essenzieller Bestandteil oder vibriert er nur im Hintergrund? Bringt er deinen Brustkorb zum beben oder ist er kaum zu hören?

Nun, ich habe mir gedacht, vielleicht könnte man den Rhythmus in den Rhythmus der Worte einfließen lassen ähnlich einem Gedicht, vielleicht sogar den Liedtext mittels Interpunktionen entsprechend ausrichten, ein ziemlich gewagtes, aber interessantes Unterfangen.

Allerdings möchte ich dir an dieser Stelle von Lautmalereien abraten “tack tacktacktacktack tacktacktacktacktacktacktacktacktacktack tack tack” … Mal ehrlich, selbst wenn du es weisst, erkennst du daraus im Leben nich Bolero, …

Mal ehrlich, gibt es eine schlimmere Beschreibung eines Taktes? Ich finde sowas furchtbar, deswegen voll zurecht: So nicht!

Bei der Melodie wird es schwierig. Die Melodie ist so etwas wie die Tonfolge. Allerdings würde man eine Melodie aus nur einem einzigen Ton wohl schwerlich als Melodie bezeichnen. Also ist es die Folge verschiedener Töne und Tonlängen. Das in Worte zu fassen, so dass der Leser wirklich genau weiß, wie die Musik klingt ist unmöglich.

Die Melodie ist nicht nur die Tonfolge, sondern sozusagen das, was das Lied ausmacht. Ich kann einen Grundrhythmus haben (in den heutigen Einheitsbreilieder, wie ich das immer so schön sage immer ein 4/4-Takt, ich hoffe, das sagt ein paar Leuten was). Wenn ich den reinen Rhythmus habe, kann ich da im Grunde (angepasster Weise) so ziemlich alles drüber legen, was ich will, sofern es zu diesem Rhythmus passt.
Schwieriger wird es dann, wenn ich die einzelnen Melodieschichten dann übereinander stapele. Nehmen wir mal eine Standard-Rockband der heutigen Zeit und betrachten uns mal eine typische Zusammensetzung:

1× Schlagzeug für den Rhythmus/Takt
1× Bassgitarre
1× Akkustischegittare (jetzt bitte nicht verwechseln mit einer "Holzgitarre" im Gegensatz zu einer E-Gitarre)
1× Keyboard/Synthesizer (optional, macht aber das Ganze voller/vieltöniger)
1× Gesang (männlich/weiblich, manchesmal auch mehrstimmig).

Diese bilden im Grunde genommen alle zusammen im Ensemble die verschiedenen Schichten der Musik. Und das ist nun der Ansatzpunkt schlechthin, denn hier geschieht der Ausdruck der Emotionen, dargestellt durch die Töne, besser gesagt durch ihre Abfolge.
In der Musik gibt es bestimmte Tonfolgen, die bei jedem Menschen so ziemlich gleich aufgenommen werden und die gleichen Gefühle erzeugen. ein typisches Beispiel ist eine sogenannte Kadenz :arrow: Kadenz (Harmonielehre)(wobei das nun wohl schon zu weit in die Musiktheorie geht und ich da nicht weiter darauf eingehen möchte, das sprengt jeglichen Rahmen).

Die Wahl der richtigen Worte

Man könnte also vielleicht versuchen, entsprechend der Wortwahl mit hell klingenden und dunkel- oder tief klingenden Worten insbesondere Adjektiven das ganze umschreiben und beschreiben. Notationen nützen sowieso nichts...

Was eine Übersetzung des Liedtextes angeht, so würde auch ich davon absehen. Oftmals sind die Konstrukte der Worte und des Sinnes so fragil gebaut, dass eine Übersetzung, wenn man Pech hat, wie ein Fußballspiel in einer Porzelanwarenfabrik wirken kann, ich habe da schon einige Dinge erlebt... :roll:
Als kleines Beispiel führe ich hier das japanische Pop-Duo Two-Mix an, so als großer Manga/Anime/Japanfan einfach ein hübsches Stückchen fernöstlicher Kultur, um es mal so auszudrücken.
Jedenfalls haben die beiden das Titellied zu einer Anime-Sendung gemacht, die auch hier in Deutschland lief (Conan, der Detektiv, das Lied selbst trägt den Titel "Break").
In einer der Folgen treten die beiden sogar als Figuren auf. Und was haben diese Stümmler gemacht??? Die haben das ins Deutsche übersetzt, und ich war entsetzt, als ich das hörte. Und warum? Es war eine grausame, sinnentstellte Übersetzung, und die deutsche Synchronsängerin war wahrlich nicht der Hit.
Auch wenn ich japanisch nicht verstehe (außer ein paar wenigen, einzelnen Worten), so ist es doch der Klang der Sprache als solche, die zur Stimmung dieses Liedes beigetragen hat, und diese Stimmung ging total kaputt.
Bei manchen Liedern könnte es sich anbieten, aber Sprache selbst hat ihren Eigenklang, der in die Musik mit einfließt und deshalb ein Teil des Liedes ist. Somit käme einer Übersetzung, um es jetzt vielleicht etwas theatralisch auszudrücken, ein Umtonen des Liedes wohl ziemlich nahe.

Soweit so gut... Ist doch ein ziemlicher Brocken an Eintrag geworden und ich hoffe, dass niemand bei der Musiktheorie einschläft ;)
Auch spiegelt der Eintrag lediglich die Gedanken wieder, die ich mir jetzt mal so im Zuge des Tutorials gemacht habe.

An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an alle für die viele Mühe und die tollen Ratschläge.

Liebe Grüße und einen schönen Abend noch,
Kuroi

von Kuroi

 
Hallo!

Ich bin neu hier und dies ist mein erster Eintrag.. ;)

°Musik beschreiben mit der Stimmung des Liedes - durch die Erinnerungen des Protagonisten°

Ich habe mich selbst mal für eine Weile - es dürfte etwas mehr als ein jahr gewesen sein - an der Musik versucht. Mit mäßigem Erfolg, muß ich gestehen.

Davon abgesehen, war (und ist nach wie vor) Musik ein integraler Bestandteil meiner Existenz und ich wüsste nicht, wie lange ich bei Verstand bleiben könnte, würde ich je mein Gehör verlieren..

Nun zur Thema:

Für mich ist Musik immer mit Erinnerungen verknüpft.
- Da gibt es das "schnulzige" Liebeslied, daß gar nicht mehr so schnulzig ist, weil es mich daran erinnert, wie schön es war, frisch verliebt zu sein.
- Da ist der harte Riff in einem Metalsong, dessen Text im Großen und Ganzen auf Tod und Verderben hinausläuft, und mich doch weinen läßt, weil ich eben diesen Titel in Repeat im Kopfhörer hatte, als mich meine Freundin verließ.. - Der Text hat dabei nicht viel mit meinen Gefühlen zu tun.

Die Idee: Lasst den Protagonisten in Erinnerungen schwelgen oder (falls es sich um einen gerade eben von ihm komponierten Titel handelt), lasst einen Blick in seine Notizen werfen, die er schrieb, als er noch an dem Stück gebastelt hat!

Lasst die Darsteller Eurer Welten ihre Musik mit eigenen Worten beschreiben - dadurch entsteht ein wesentlich tieferer Eindruck, als wenn man nur die Instrumente auflistet!

Es geht meiner (unbescheidenen Meinung nach) doch vor allem Anderen darum, das Gefühl für einen Song innerhalb der Geschichte an den Leser zu bringen, und nicht eine Melodie aus einem Text erklingen zu lassen ;) (- sollte das jemals Jemandem tatsächlich gelingen, bitte ich darum, der Person einen Schrein zu errichten und sie als Gottheit anzubeten. Selbstverständlich sind jene Leute, die vor-sich-hin-dudelnde Glückwunschkarten erfunden haben, vom Wettbewerb ausgeschlossen. Schummeln gilt nicht.)

Das "In welches Genre fällt der Song?", "Welche Noten?", "Instrumente auflisten?" ist wohl eher nebensächlich und würde bedeuten, einen Baum zu beschreiben, indem man die Anzahl der Blätter oder die Länge seiner Äste und Zweige auflistet..

Das würde mir nun wirklich keinen Baum in den Kopf pflanzen, denn ich hätte keine Ahnung davon (wie auch, wenn es nicht beschrieben ist), wie majestätisch ein Baum sein kann. Wie tröstend es sein kann, einfach zu wissen, daß es so etwas wie Bäume überhaupt gibt...

Es steckt ne ganze Menge in einem Baum, wenn man länger darüber nachdenkt.. ;) Für einen Song gilt dasselbe, denke ich.

Ich hoffe, ich konnte eine Idee für meine Idee vermitteln °lach°, ich konnte es selbst nicht besser beschreiben..

Einen lieben Gruss noch - Andreas Paetz aka Spike Peace

von SpikePeace

 
Zuerst einmal bedanke ich mich für die vielen Tipps, die ich gerade eben gesammelt habe. Wow.

Wie Spike Peace habe ich eine eher nüchterne Musikkarriere hinter mir, möchte aber doch auch Musik als wichtig erachten.

Kuroi hat viele Sachen angesprochen, die auch mir im Kopf herumschwirrten.
Am Songtext beispielsweise kann man sehr gut Rhythmus und Richtung festmachen, dass es hierbei um die richtige Wortwahl ankommt sollte ich aber auch noch erwähnen. Zu oft passiert es, dass ich als Leser einen Liedtext vorgeknallt bekomme, den ich mir auch (pflichtbewusst wie ich bin) durchlese, der allerdings so miserabel ist, dass die Freude an der Geschichte genommen wird.
Meines Erachtens nach bringt solch eine Methode, dem Leser die Musik nahe zu bringen, überhaupt nichts. Es lenkt bloß ab und zwingt einen Worte zu lesen, die eigentlich in Melodien verpackt werden müssen.
Ausnahmen gibt es ja glücklicherweise.

Die Auflistung der Musikinstrumente finde ich nur dann sinnvoll, wenn die Story eine Band als besonderes Thema aufgreift, also eine Geschichte über die Erfolgskarriere einer Band... *würg*

Kuroi erwähnte auch die Sprache als Mittel des Ausdrucks. Tatsächlich verstehe auch ich kein Japanisch, höre mir aber (egal welches Genre) liebend gerne Lieder an, schon allein eben wegen der Sprache.
Die Übersetzungen sind tatsächlich ein Graus.
Ich habe mir soeben bei Youtube das Lied erst in deutscher, dann in japanischer Version angehört, und musste mich echt überwinden die deutsche Version zuende zu hören.


Da wir hier aber ein anderes Thema haben, werde ich noch ein paar Tipps meinerseits geben:
Auch wenn sie sich nicht mit Musiktheorie auseinandersetzen, die meisten Menschen können mit den Begriffen "Dur" und "Moll" etwas anfangen.
Auch Adjektive wie tragisch, träge, beschwingt, ergreifend, imposant, erdrückend oder melodiös können fürs erste reichen.

AUßERDEM, es ist vollkommen unwichtig für den Leser die genaue Richtung zu kennen.
Schreibe beispielsweise...
Peter hört sich ein Hip-Hop-Konzert (gibts sowas?) an
... Der Leser bekommt beim bloßen Wort allerdings schon die Kriese. Das würde nicht nur eine Antipathie zum Protagonisten aufbauen, sondern auch noch zum Konflikt beim Lesen führen. Der Leser soll ja schließlich mitbekommen, dass Peter total auf die Musik abfährt. Hat er allerdings bei zu vielen Infos seine eigenen Gefühle erst entwickelt fällt es ihm schwer die Gefühle Peters aufzunehmen.
Er wird somit total von der Geschichte distanziert.
Besser man schreibt es einfacher und geht dabei nur auf Peters Sichtweise ein.

Von auftauchenden Erinnerungsfetzen würde ich jedoch abraten. Jedenfalls meistens, da sie nicht im entferntesten die Musik wieder geben. Oder würdet ihr bei dem Satz...
Plötzlich musste Susi an ihren vergangenen Urlaub denken, wie das salzige Wasser über ihr zusammenbrach.
... an Heavy Metal denken?! oÔ

Höchstens Vergleiche à la...
Susi fühlte sich wie von einer rauschenden Welle Meerwasser überschwemmt.
... sind für mich in Ordnung.


Ich möchte hierbei auch niemandem zu nahe treten, es sind meine persönlichen Ansichten, so wie ich selbst gerne schreibe und was ich selbst auch gerne lese.
Ich wünsche allen noch ein angenehmes Wochenende!
Bis denne
Nobue

von Notizbuechlein