Hallihallo,
da ich selbst einige Jahre lang Instrumentenunterricht hatte und auch einer der wenigen war, die sich auf dem Gymnasium Musik als Leistungskurs angetan hatten, hat die Musik einen sehr hohen Stellenwert bei mir bekommen und fließt auch sehr oft in meine Geschichten ein. Irgendwo ist immer ein Sänger, und wenn es nur der Barde im Hintergrund auf dem Markplatz ist in der kleinen mittelalterlichen Stadt.
Meine Frage stellte ich deshalb, da die Musik in dem Geschichtchen, dass ich gerade schreibe einen hohen Stellenwert für einen der beiden Protagonisten darstellt, sozusagen seine Passion ist, wobei ich jedoch sagen muss, dass die Musik selbst nicht der absolute Mittelpunkt des Plots selbst darstellt, sondern einen Teil dessen inneren Aussagen widerspiegeln soll. Dementsprechend steht das Ganze also im Vordergrund und würde besonderes Fingerspitzengefühl verlangen.
Ich habe es probiert mit der Umschreibung mit vergleichweisen Bildern, die vielleicht ein wenig von dem ausdrücken, was man für Empfindungen beim Hören der Klänge haben könnte, wobei das natürlich nur beschreibende Eindrücke sind, also keine "realen" Klänge, die eventuell im Kopf des Lesers auftauchen, dass dieser sozusagen in Gedanken das vor sich hinsummt.
Klar, ein Ansatz ist die Nennung der Instrumente, aber das alleine macht ja keine Musik. Wenn ich mit dem Bogen über die Geige kratze nimmt jeder Reisaus und bekommt vielleicht sogar Ohrenbluten, aber es ist und bleibt eine Geige.
Der Knackpunkt ist also die Umschreibung anscheinend selbst, und das stellt sich als Schwierigkeit meinerseits dar, da zum einen jeder etwas anderes mit den "Sinnbildern" assoziiert, und zum anderen diese oftmals mehr oder minder einfach unzureichend sind, so empfinde ich es zumindest.
Ein nettes Beispiel ist wohl Tolkiens "Der Herr der Ringe". Der Mann konnte fanstastische Welten erschaffen, seine Sprachen der völker sind unübertrefflich gut und der Plot ist irgendwie einfach genial, aber wenn er anfängt, die Hobbits singen zu lassen versagt er meines Erachtens. Diese Art und Weise erweckte zumindest bei mir nicht wirklich Sinneseindrücke von dem, was da gesungen (oder auch manchmal gegröhlt) wurde. Ich war sogar soweit, dass ich einmal versucht habe, den einen elfischen Liedtext aus dem Herrn der Ringe, zu vertonen mit Harfen und Glockenspielen (Anm: Synhesizer sind was tolles), nur um einen ungefähren Eindruck mal zu bekommen, aber das war
meine Vorstellung, jemand anderes hätte das garantiert anders interpretiert.
So, nun gehe ich mal ein wenig ins Detail...
Neben dem Text ist wohl der Rhythmus die einfachste Sache, die du beschreiben kannst. Reißt er mit, oder ist er nur ein ständiges Einerlei? Trägt er die Musik und ist ein essenzieller Bestandteil oder vibriert er nur im Hintergrund? Bringt er deinen Brustkorb zum beben oder ist er kaum zu hören?
Nun, ich habe mir gedacht, vielleicht könnte man den Rhythmus in den Rhythmus der Worte einfließen lassen ähnlich einem Gedicht, vielleicht sogar den Liedtext mittels Interpunktionen entsprechend ausrichten, ein ziemlich gewagtes, aber interessantes Unterfangen.
Allerdings möchte ich dir an dieser Stelle von Lautmalereien abraten “tack tacktacktacktack tacktacktacktacktacktacktacktacktacktack tack tack” … Mal ehrlich, selbst wenn du es weisst, erkennst du daraus im Leben nich Bolero, …
Mal ehrlich, gibt es eine schlimmere Beschreibung eines Taktes? Ich finde sowas furchtbar, deswegen voll zurecht: So nicht!
Bei der Melodie wird es schwierig. Die Melodie ist so etwas wie die Tonfolge. Allerdings würde man eine Melodie aus nur einem einzigen Ton wohl schwerlich als Melodie bezeichnen. Also ist es die Folge verschiedener Töne und Tonlängen. Das in Worte zu fassen, so dass der Leser wirklich genau weiß, wie die Musik klingt ist unmöglich.
Die Melodie ist nicht nur die Tonfolge, sondern sozusagen das, was das Lied ausmacht. Ich kann einen Grundrhythmus haben (in den heutigen Einheitsbreilieder, wie ich das immer so schön sage immer ein 4/4-Takt, ich hoffe, das sagt ein paar Leuten was). Wenn ich den reinen Rhythmus habe, kann ich da im Grunde (angepasster Weise) so ziemlich alles drüber legen, was ich will, sofern es zu diesem Rhythmus passt.
Schwieriger wird es dann, wenn ich die einzelnen Melodieschichten dann übereinander stapele. Nehmen wir mal eine Standard-Rockband der heutigen Zeit und betrachten uns mal eine typische Zusammensetzung:
1× Schlagzeug für den Rhythmus/Takt
1× Bassgitarre
1× Akkustischegittare (jetzt bitte nicht verwechseln mit einer "Holzgitarre" im Gegensatz zu einer E-Gitarre)
1× Keyboard/Synthesizer (optional, macht aber das Ganze voller/vieltöniger)
1× Gesang (männlich/weiblich, manchesmal auch mehrstimmig).
Diese bilden im Grunde genommen alle zusammen im Ensemble die verschiedenen Schichten der Musik. Und das ist nun der Ansatzpunkt schlechthin, denn hier geschieht der Ausdruck der Emotionen, dargestellt durch die Töne, besser gesagt durch ihre Abfolge.
In der Musik gibt es bestimmte Tonfolgen, die bei jedem Menschen so ziemlich gleich aufgenommen werden und die gleichen Gefühle erzeugen. ein typisches Beispiel ist eine sogenannte Kadenz
Kadenz (Harmonielehre)(wobei das nun wohl schon zu weit in die Musiktheorie geht und ich da nicht weiter darauf eingehen möchte, das sprengt jeglichen Rahmen).
Die Wahl der richtigen Worte
Man könnte also vielleicht versuchen, entsprechend der Wortwahl mit hell klingenden und dunkel- oder tief klingenden Worten insbesondere Adjektiven das ganze umschreiben und beschreiben. Notationen nützen sowieso nichts...
Was eine Übersetzung des Liedtextes angeht, so würde auch ich davon absehen. Oftmals sind die Konstrukte der Worte und des Sinnes so fragil gebaut, dass eine Übersetzung, wenn man Pech hat, wie ein Fußballspiel in einer Porzelanwarenfabrik wirken kann, ich habe da schon einige Dinge erlebt...
Als kleines Beispiel führe ich hier das japanische Pop-Duo Two-Mix an, so als großer Manga/Anime/Japanfan einfach ein hübsches Stückchen fernöstlicher Kultur, um es mal so auszudrücken.
Jedenfalls haben die beiden das Titellied zu einer Anime-Sendung gemacht, die auch hier in Deutschland lief (Conan, der Detektiv, das Lied selbst trägt den Titel "Break").
In einer der Folgen treten die beiden sogar als Figuren auf. Und was haben diese Stümmler gemacht??? Die haben das ins Deutsche
übersetzt, und ich war
entsetzt, als ich das hörte. Und warum? Es war eine grausame, sinnentstellte Übersetzung, und die deutsche Synchronsängerin war wahrlich nicht der Hit.
Auch wenn ich japanisch nicht verstehe (außer ein paar wenigen, einzelnen Worten), so ist es doch der Klang der Sprache als solche, die zur Stimmung dieses Liedes beigetragen hat, und diese Stimmung ging total kaputt.
Bei manchen Liedern könnte es sich anbieten, aber Sprache selbst hat ihren Eigenklang, der in die Musik mit einfließt und deshalb ein Teil des Liedes ist. Somit käme einer Übersetzung, um es jetzt vielleicht etwas theatralisch auszudrücken, ein Umtonen des Liedes wohl ziemlich nahe.
Soweit so gut... Ist doch ein ziemlicher Brocken an Eintrag geworden und ich hoffe, dass niemand bei der Musiktheorie einschläft
Auch spiegelt der Eintrag lediglich die Gedanken wieder, die ich mir jetzt mal so im Zuge des Tutorials gemacht habe.
An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an alle für die viele Mühe und die tollen Ratschläge.
Liebe Grüße und einen schönen Abend noch,
Kuroi